Einschub – Vom Sterben.

Wie schon letztes Jahr um diese Zeit, ein Einschub aus aktuellem Anlass. Wer gerade nicht über Krankheit, Sterben und Tod lesen mag, der möge an dieser Stelle aufhören.

 


 

Mein Freund Marc ist tot.

Nach seiner Diagnose 2018 ging es erst bergab und ab Februar 2019 wundersamerweise bergauf. Alle zwei bis drei Wochen haben wir uns getroffen, zur Kuchentherapie. Ich brachte einen Kuchen, wir aßen und redeten. Über die Krankheit, den Ausblick, die Arbeit, die Sorgen, die Freuden. Die Diskussionen wurden zunehmend theoretischer und spiritueller, was ich begrüßte.

Im Frühling war Marc stark und glücklich. Motorisch war er nicht komplett wiederhergestellt, aber es war gut genug – er konnte radfahren, gehen und sogar klettern.

Den Sommer nutzte er mit seiner Partnerin und ihren vier kleinen Kindern. Sie reisten ein paar Monate durchs Land, besuchten Freunde und Familie, schmiedeten Pläne. Marc wollte nicht wieder zurück in seinen alten Beruf. Irgendetwas hat wohl dazu beigetragen, dass er so krank geworden ist. Und das möchte er nicht wieder in sein Leben lassen. Gerne würde er auf seine Kinder aufpassen während seine Partnerin wieder mehr arbeitet.

Ein paar Tage bevor es wieder nach Hause ging von der großen Reise, kamen die Schmerzen zurück.

Heftig. Tumore drücken auf die Nervenbahnen, die aus der Wirbelsäule hervortreten. Tumore drücken auf das Rückenmark und paralysieren ihn.

Marcs Partnerin ist Krankenschwester und pflegt ihn zu Hause. Doch das funktioniert nicht richtig, denn die vier Kinder sowie der Haushalt brauchen ihre Aufmerksamkeit und Marc braucht mittlerweile Betreuung rund um die Uhr.

Als entscheidet sich Marc, ins Krankenhaus zu gehen.
Im Krankenhaus werden die Schmerzen groesser.
Die Laehmungen nehmen zu.

Erst sitzt Marc im Rollstuhl.
Dann kommen Taubheitsgefuehle in den Haenden hinzu.
Die schon unertraeglichen Schmerzen ueberwaeltigen ihn komplett und er bekommt Morphium, Methadon, Lyrica.
Trotzdem hilft nichts.

Als ich Marc auf einer Palliativstation in einem neuen Gesundheitszentrum besuche, kann er die Haende nicht mehr bewegen, nur noch die Arma. Und Atmen geht auch nur noch flach.

Trotzdem lachen wir viel, das haben wir immer schon gemacht. Und essen Kuchen. Ich soll bald wieder kommen. Natuerlich mache ich das!

Ich besuche Marc zu Hause. Ein Transfer von Spezialbett zu Spezialrollstuhl zu Spezialbett dauert lange und ist sehr schmerzhaft. Doch zu Hause, umgeben von seinem Bruder mit Familie, seiner Partnerin mit vier Kindern und seiner Mutter, da geht es ihm ganz gut. Niemand meidet oder bemitleidet ihn hier, das Haus ist voller Leben und niemand spricht nur mit gedaempfter Stimme.

Hier teilt er mir mit, dass er sich entschieden hat zu sterben.

In Kanada ist Sterbehilfe erlaubt. Und Marc findet nicht, dass er noch unbedingt darauf warten muss, langsam zu ersticken. Jedenfalls soll ihm seine Familie nicht beim Ersticken zusehen muessen. Es ist Dienstag. Freitag Nachmittag waere doch ein guter Tag zum Sterben. So um 5. Ob er die Infusion oder den toedlichen Schluck nehmen sollte? Wenn, dann wuerde er gern selbst ausfuehrend sein, also das Getraenk. Aber damit kann es wohl ein paar Stunden dauern, bis der Tod eintritt. Ob seine Familie und seine Freunde so lange warten wollen?

Ausserdem soll das Getraenk scheusslich schmecken. Und er liebt doch gutes Essen… Dann wuerde er lieber mit einem guten Geschmack im Mund sterben.

Technisch-neutral diskutieren wir die Umstaende seines geplanten Todes. Nur die oertliche Sterbehilfe-Aerztin konnte noch nicht erreicht werden. Hoffentlich hat die Freitag um 5 noch nichts vor.

Ich fahre wieder auf die Arbeit. Der Tag geht langsam rum, wie die restlichen Arbeitstage dieser Woche. Tagsueber klopft mein Herz bis zum Hals und ich kann nicht glauben, wie surreal alles ist.
Nach der Arbeit fahre ich auf den Parkplatz vor Walmart und heule in meinem Kombi. Hier stoert es niemanden. Im Anschluss gehe ich derangiert bei Walmart einkaufen. Auch hier fuehle ich mich als Teil der Gruppe.

Nur Freitag, Freitag fahre ich von der Arbeit aus zum Gesundheitszentrum. Da gibt es einen schoenen Indianer-Heilungsraum. Und da will Marc sterben.

Alle Arbeitskollegen, die mit Marc jahrzehntelang zusammen gearbeitet haben, wollen nicht dabei sein. Sie wissen nicht, ob sie das packen.
Komisch, das weiss ich auch nicht. Aber die Frage hab ich mir nie gestellt, ob ich das packen werde. Ich weiss, dass mein lieber Freund Marc stirbt und sich dabei gute Gesellschaft wuenscht. Also bin ich da. Der Rest interessiert mich herzlich wenig.

Freitag morgens faellt mir auf, dass es kein Bild gibt von Marc und mir. Ich frage seinen langjaehrigen Bueronachbarn, ob es zu pietaetslos ist, ihm auf dem buchstaeblichen Sterbebett nach einem Selfie zu fragen.
„Ich glaube, ihm wuerde die Merkwuerdigkeit gefallen.“
„Aha! Das ist also der Grund, warum er gut mit mir befreundet ist!“

Im Heilungsraum bin ich die Erste.

Es ist warm, hell und ein kleiner elektrischer Wasserfall plaetschert ueber eine Schieferplatte an der Wand. Hier werde ich ganz ruhig und stark. Meiner jetzigen und Marcs ehemaliger Mitarbeiterin schicke ich ein paar Impressionen per MMS. Sie wohnt in Quebec und kann nicht dabei sein.

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Der Raum ist rund man fuehlt sich als sei man in einem hoelzernen, riesigen Tipi. In der Mitte thront eine riesige Rauchabzugshaube. Das Dach um die Abzugshaube besteht aus Fenstern und einer strahlenfoermigen Holztraegerkonstruktion.

Irgendwann kommt auch Marcs Bruder in den Raum. Er baut seinen Computer auf mit Lautsprechern. Falls Marc seine Lieblingslieder hoeren moechte. Und Fruechte. Falls Marc mit einem suessen Geschmack im Mund sterben moechte.

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Alles steht bereit. Lautsprecher, eine Schale Himbeeren, eine Mandarine.

Die Sterbeaerztin kommt hinein und spricht ein wenig mit Marcs Bruder und mir. Und eine andere Angestellte klaert uns ueber den Gebrauch der Feuerstelle samt Abzugshaube auf.
Schliesslich entzuendet sie das Feuer und verlaesst den Raum.

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Ein echtes Holzfeuer brennt in der Mitte des Raumes. Das Mosaik auf dem Boden symbolisiert die vier Himmelsrichtungen der Indianer. Von Norden im Uhrzeigersinn: Weiss, Gelb, Rot, Schwarz.

Und der Raum fuellt sich auch mit Familie und Freunden, lieben Nachbarn und vielen Kindern.

Das Licht wird gedimmt. Da hoere ich Marcs Tochter schon von Weitem laut weinen. Marc faehrt auf seinem elektrischen Rollstuhl in den runden Raum, gefolgt von Partnerin und Kindern.

Er faehrt eine Runde im Uhrzeigersinn. Eine Runde voller letzter Umarmungen, Kuesse, Worte und guter Wuensche.

Ich sage einfach „Danke fuer alles!“ Marc findet, dass das eine gute Zusammenfassung ist, aber auch er mir fuer alles dankt.
Dann frage ich ob es zu spaet fuer ein gemeinsames Foto ist, aber anscheinend habe ich Glueck.

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Ein erstes und letztes Bild von Marc und mir.

Wir verabschieden uns mit „Alles Gute und man sieht sich!“.

Nachdem die Abschiedsrunde vollendet ist, spricht Marc mit klarer, ruhiger Stimme auf Franzoesisch. Ein paar Worte verstehe ich, aber den Zusammenhang nicht. Zum Glueck sagt er noch etwas auf Englisch. Was fuer ein tolles Leben er hatte, und dass er bis in den Tod von so vielen Menschen mit so viel Liebe begleitet wird. Dass er gluecklich ist und glaubt, dass der Tod nicht das Ende ist.

Dann spricht Marc noch einmal auf Franzoesisch. Dieses Mal folgt kein Englischer Teil. Stattdessen faengt die Frau neben mir an, leise Gitarre zu spielen und Mantras zu singen (oh Shanti Shanti aveo, oder so aehnlich). Der Gesang hilft mir sehr, positiv und stark zu bleiben. Marc wird von seinen Kindern, seiner Partnerin und seinem Bruder beschmust und alle singen.

Irgendwann hoert die Musik auf und Marcs Partnerin spricht. Alle, die nicht dabei sein wollen, wenn Marc stirbt, koennen jetzt den Raum verlassen. Etliche Kinder und ein paar Erwachsene gehen zum Spielen in den Nebenraum. Aber fuenf Kinder bleiben, davon die beiden aelteren Kinder von Marc.

Die Mantras werden wieder gesungen. Anscheinend wird auf Obst sowie Musik vom Laptop verzichtet, denn die Aerztin ist schon im Raum, zusammen mit ca. fuenf Pflegern. Die Aerztin hat einen kleinen Eimer mit ca.  sechs Spritzen bei sich. In Marcs Hand befindet sich schon die Kanuele.

Ich kann nicht sehen, wann die Aerztin spritzt, sie hockt mit dem Ruecken zu mir gewandt. Aber ich sehe, dass Marc gaehnt. Und kurze Zeit spaeter muessen seine Lieben schon seinen Kopf stuetzen, damit er nicht auf seine Brust faellt.

Irgendwann erlaube ich auch mir, zu weinen.

Marc ist tot.

Ich umarme seine Partnerin und frage sie, ob sie glaubt, dass Marc noch irgendwo im Raum ist. Aber sie meint, dass er sofort durch die Fenster in der Decke nach oben entwichen ist. Er war so sehr bereit zu sterben, da war kein Grund fuer ihn zu bleiben.

Ein bisschen bleibe ich noch bei Marcs totem Koerper und streichle seine Knie. Doch er ist wirklich sehr tot. Also ziehe ich mich in mein Auto zurueck.

Dieses Mal weine ich auf dem Parkplatz des Gesundheitszentrums. Dann informiere ich per SMS interessierte Arbeitskollegen. Und ich rufe Tyrel an, um ihm zu sagen, dass ich mich trotz allem fahrtuechtig fuehle. Ob er etwas vom Supermarkt moechte (Ja, Aepfel!).

Zu den Aepfeln gesellen sich Tiefkuehlpizzas und Ben und Jerry’s Eis. Heute gebe ich allen Geluesten nach.

Und trotz der Trauer bin ich so froh und dankbar. Dass ich Marc begleiten durfte durch all das Hoffen und Bangen bis zum Ende. Dass er so viel seiner kostbaren Zeit mit mir geteilt hat. Dass ich durch sein Leiden und seinen Tod neue Seiten an mir und meinem Leben entdecken konnte.

Ganz einfach: Danke fuer alles! 🙂

52 Kommentare

      1. Ich weiß immer noch nicht, ob ich mich für oder gegen Sterbehilfe entscheiden würde. Das überlege ich mir, wenn es dazu kommen sollte. Aber ich habe erlebt, das es für manche Personen genau richtig ist. Also glaube ich, dass man die Wahl haben sollte.

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  1. Danke fürs teilen. Es tut mir leid das du einen tollen Freund verloren hast und eine Familie ihren Vater . Ich fand es sehr bewegend zu lesen , das es mich an den Tod einer mir nahe stehenden Person erinnert .Gleichzeitig finde ich es aber wunderschön wenn Sterbehilfe erlaubt ist und man diesen letzten Weg noch etwas mitgestalten kann. Ich bin auf jeden Fall für Sterbehilfe ! Liebe Grüsse Anja

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für deine lieben Worte Anja!
      Ich hoffe du kannst die schönen Zeiten mit deinem Verstorbenen im Herzen behalten. Wobei ich auch den Tod von Marc schön fand, aber gleichzeitig natürlich auch traurig.
      Ganz liebe Grüße,
      Luisa

      Gefällt 1 Person

  2. Danke Luisa für diesen bewegenden Beitrag!
    Auch ich hatte ein paar Tränchen in den Augen. Es tut mir leid, dass Marc es nicht geschafft hat seine Krankheit zu besiegen. Ich bewundere seine Stärke und die Klarheit und Bestimmtheit mit der er seinen Weg gefunden hat und ihn dann auch gegangen ist.
    Wer diese Geschichte kennt, kann nicht gegen Sterbehilfe sein!
    Liebe Grüße
    Jens

    Gefällt 5 Personen

    1. Moin Jens,
      Danke fuer deine lieben Worte! 🙂
      Ja, wir wissen auch nicht, ob Marc etwas uebersehen hat, was ihn vielleicht „geheilt“ haette. Darueber haben wir viel diskutiert. Aber am Ende war die Lebenszeit einfach um. Mit nur 38 Jahren.
      Du hast recht, es ist wirklich bewundernswert, wie Marc seinen Weg gegangen ist.
      Ganz liebe Gruesse aus Kanada,
      Luisa

      Gefällt 3 Personen

      1. Gerne geschehen Luisa! 🙂
        Vorhin habe ich doch glatt vergessen, Dir zu schreiben, dass ich es ganz toll finde wie Du Marc in dieser schweren Zeit gestützt und begleitet hast!
        Chapeau!!!
        Ganz liebe Grüße aus dem trüben Schleswig-Holstein
        Jens

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      2. Hey Jens,
        irgendwie war das ganz natuerlich fuer mich, beziehungsweise der „einfachere“ Weg als nicht teilzuhaben. Das kommt wahrscheinlich mit darauf an, wie man fuer sich den Begriff der Freundschaft definiert. Ich glaube auch nicht, dass die Leute, die in den letzten Wochen auf Abstand gegangen sind, schlechtere Freunde waren. Aber jeder hat ja einen eigenen Bezug zum Thema Krankheit und Sterben. Fuer mich gehoert es ganz klar zum Leben dazu – vielleicht ist es sogar das Einzige, was uns alle verbindet. Wir muessen alle eines Tages sterben. Und das habe ich versucht so wertfrei wie moeglich zu akzeptieren. 🙂
        Liebe Gruesse,
        Luisa

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  3. Das ist sehr berührend und ich danke Dir, dass Du diesen schmerzlichen, intimen Moment mit uns geteilt hast. Wenn wir daraus nur lernen könnten, wie kostbar das Leben und jeder Augenblick ist und dass wir LEBEN sollen, solange es uns vergönnt ist, das in Frieden zu tun.
    Danke Dir sehr.

    Gefällt 5 Personen

    1. Danke Joe fuer deine lieben Worte! 🙂
      Ich gebe dir vollkommen recht, wir sollten alle so leben, dass wir am unbestimmten Tag unseres Todes aus tiefstem Herzen sagen koennen, wir hatten ein tolles Leben.
      Viele Gruesse in den Sueden 😉
      Luisa

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  4. Liebe Luisa,
    dein Post hat mich heute früh im tiefsten Innersten „erwischt“. Du hast das so wunderbar klar geschrieben und ich zolle dir höchsten Respekt, dass du deinen Freund nicht alleine gelassen hast in diesem alles entscheidenden Moment für ihn! Musste arg in meinen Kaffee weinen, das kommt bei mir selten vor. Das erste und letzte Foto strahlt soviel Gutes aus, alles vom Herzen her richtig gemacht!
    Liebe Grüße

    Gefällt 5 Personen

    1. Liebe schachtldaifal,
      vielen Dank fuer deine Anteilnahme und deine schoenen Komplimente. 🙂
      Ehrlich gesagt glaube ich, dass es schwerer fuer mich gewesen waere, nicht dabei zu sein. Was ich mir alles haette ausmalen koennen! Und in der Wirklichkeit war es zwar traurig, aber auch sehr, sehr schoen.
      Ich hoffe trotz salzigem Kaffee am Morgen hast du einen tollen Tag!
      Uebrigens kenne ich Leute, die Salz in ihren Kaffee streuen und darauf schwoeren – nur so nebenbei 😀
      Ganz liebe Gruesse,
      Luisa

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  5. Wow, was für ein berührender Blogbeitrag Luisa, mir kamen die Tränen. Ich finde es sehr schlimm, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt ist. Meine Oma musste vor vielen Jahren auch an einer Krankheit sterben und hatte leider nicht diese selbstbestimmte Option. Toll, dass dein Freund wenigstens selber bestimmen konnte wann und wie er von dieser Welt geht. Danke für den tollen Beitrag und mein Beileid an dich. Viele Drücker nach Kanada!

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    1. Ich hoffe du musstest zum Weinen nicht extra zum naechsten Lidl-Parkplatz fahren, so wie ich hier. ;D
      Das tut mir Leid mit deiner Oma. ❤
      Ich finde auch, wenn jemand wirklich nicht mehr will und es keine Hoffnung auf Heilung gibt, dann sollte man dieser Person einen Ausweg anbieten.
      Hoffentlich sieht das der Deutsche Ethikrat auch bald so.
      Und vor allem hoffe ich, dass es dir gut geht!
      Liebe Gruesse ueber den Atlantik,
      Luisa

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  6. Liebe Luisa,
    so „einfach“ geht Sterben wohl.. Und doch oft mit sooo viel Leid verbunden (und Trauer..)
    Hab viel daran gedacht heute nachdem ich heut mittag deinen Beitrag gelesen habe. Finde es stark von dir dass du so nah dabei bleiben konntest und ihm eine Freundin bis zum Schluss warst.
    Ich wäre auch gern bei meinem Papa gewesen um ihm die Hand zu halten und dann starb er auf einmal einfach so ganz „plötzlich“ , und dann war ich nicht stark genug nochmal Abschied zu nehmen. Naja. .
    Ich hoffe Marc geht es nun besser, frei von Schmerzen.
    Schön, dass er die Möglichkeit hatte selbst zu entscheiden wann und wie.. und dennoch so gemein so jung so krank zu werden.. so ausweglos..
    Wünsche dir und Marcs Familie viel Kraft um all das zu verdauen.

    Übrigens wandern nächstes Jahr Bekannte von meiner Mama nach Kanada aus…

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    1. Liebe rosabluete,
      vielen Dank fuer deinen bewegenden Kommentar!
      Das mit deinem Papa tut mir leid. Ich hoffe du machst dir keine Vorwuerfe wegen irgendwas. Darum geht es glaube ich nicht, ob wir stark sind oder irgendwas richtig oder falsch machen. Wenn du ihn in liebevoller Erinnerung behalten kannst, ist glaube ich alles richtig gelaufen!

      Nach Marcs Tod habe ich mich mit seiner Partnerin getroffen. Und sie hat mir gesagt, dass sie so froh war seinen Koerper so friedlich und frei von Schmerzen zu sehen. Der Schmerz hat ihn so viele Monate im Griff gehabt und als er gestorben ist, war die mittlerweile vertraute Falte zwischen seinen Augenbrauen einfach weg.

      Also glaube ich ganz sicher, dass es fuer ihn und seine Familie der richtige Weg war.

      Liebe Gruesse aus Kanada,
      Luisa

      Gefällt 2 Personen

    2. PS:
      (Der Kommentar war wohl zu lang :D)
      Das ist bestimmt eine spannende Zeit der Vorbereitung fuer die Bekannten deiner Mama!
      Weisst du in welche Provinz sie ziehen werden? Kanada ist ja bekanntlich recht weitlaeufig 😉

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      1. Nein, das mache ich deswegen nicht.
        Schlimmer war, dass wir uns zuletzt am Telefon gestritten haben und ich ihm den Hörer aufgelegt habe, weil er so gemein war. Ich habe zu dem Zeitpunkt nicht verstanden, dass der Tod schon tatsächlich so nah war (paar Stunden später) und er deswegen so verletztend zu mir war.
        Mein Papa hat damals genau das von seiner toten Mama (meiner Oma) auch berichtet und Papas Freundin meinte auch er hätte so friedlich ausgesehen. Aber ich bin eh ein wenig labil und hätte ihn gern anfassen wollen und ich glaube einen toten Menschen anzufassen, der tatsächlich schon einige Stunden /1 Tag nicht mehr lebt bringt mir dann auch nichts.
        Ich habe bisher keinen Toten gesehen, habe mich immer dagegen entschieden, auch bei bdies Omas.
        Ich habe ihm einen Brief geschrieben und mich so verabschiedet und entschuldigt für das Hörer Auflegen..
        Nee, ich habe keine Ahnung, sie verkaufen ihr Haus, und das war gestern noch viel interessanter für mich, weil ich es gern hätte, aber es ist schon anderweitig reserviert ..
        wenn ich was genaueres zur Gegend erfahre, berichte ich Dir 🙂
        Hab einen schönen Tag 🙂

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      2. Dass du deinen Brief an deinen Papa geschrieben hast finde ich eine tolle Idee! 🙂 Wahrscheinlich wuerde er sich auch bei dir fuer das letzte Gespraech entschuldigen wollen wenn er koennte. Aber so ueberwiegen hoffentlich trotzdem die schoenen Momente, die ihr miteinander hattet!

        Ich druecke fest die Daumen, dass dein Wunschhaus bald auf dich zukommt!! 🙂

        Viele liebe Gruesse,
        Luisa

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  7. Liebe Luisa,
    was fuer ein bewegender Beitrag und wie „schoen“, dass Marc nun endlich schmerz- und „frei“ ist!
    Auch wenn ich ansonsten von dem Gesundheitssystem hier (jedenfalls in Nova Scotia) gar nichts halte…..die Sterbehilfe ist ein grosser Pluspunkt und gibt einem wirklich das Gefuehl auch sein eigenes Ende mitbestimmen zu koennen.
    Gut auch, dass Marc diese Selbstbestimmung noch selbst aeussern koennte, denn daran muss man noch arbeiten, dass das ja noch unmittelbar „davor“ selbst ausgedrueckt werden muss…..wie trauig, wenn man ploetzlich dazu nicht mehr in der Lage ist!

    Was fuer ein schoenes Raum und Umstaende, um dann auch diesen Weg zu gehen!

    Wuenschte mir sowas fuer good old Germany auch….meine Eltern sind beide aufgrund von Krankheiten gegangen, aber halt ganz allein und natuerlich, obwohl gut vorbereitet mit Krankenunterlagen, Patientenverfuegung und Schriftstueck, dass sie jeweils den Freitod auch aus freiem Willen gewaehlt haben, gab’s trotzdem noch Untersuchungen gegen mich, wegen evt. Beihilfe. Als ob man nicht schon genug „um die Ohren hat“…..aber, ich habe ihre Entscheidungen immer befuehrwortet und bewundere Menschen unendlich, die die Kraft aufbringen, selbstverantwortlich und selbstbestimmend zu handeln.

    Ich wuensche Dir und vorallem seiner Familie die Kraft, die nun kommende Zeit durchzustehen, bin mir aber sicher, dass das Bewusstsein, das er diese Entscheidung treffen und sich noch von allen verabschieden konnte und er wuerdig seinen Weg ins naechste Leben gegangen ist, eine grosse Erleichterung ist.!

    In diesem Sinne….enjoy life, it’s too short to waste a minute

    Deine Ela

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    1. Liebe Ela,
      du hast recht, das hiesige Gesundheitssystem ist… ausbaufaehig gelinde gesagt. Ich denke in den Territorien gibt es noch mehr Probleme als im Sueden was Aerztemangel und Versorgung angeht. Man kann ja niemanden zwingen, hier zu wohnen, auch keine Aerzte 😉

      Das muss eine schlimme Zeit fuer dich gewesen sein, als Untersuchungen gegen dich wegen Beihilfe zur Selbsttoetung angestellt wurden. Aber ich glaube eigentlich, dass sich das auch in Deutschland aendern wird mit der Zeit. Wenn man sich so umhoert, sind die meisten Stimmen doch dafuer. Fuer viele kommt das leider zu spaet.

      Ich hoffe trotzdem es liegen noch viele, viele Abenteuer vor uns! 🙂 Aber da man das nicht wissen kann, einfach den Moment geniessen so gut es geht!

      Alles Liebe an die Ostkueste, ❤
      Luisa

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, „ausbaufaehig“ ist das richtige Wort 😉 Hoffe sehr, dass es bei Euch nicht wirklich schlimmer ist als hier in NS…..hab jetzt mehr als 2 1/2 Jahre auf meinen Schulter OP Termin gewartet….ein Bekannter mit Speiseroehrenkrebs bekommt keine Behandlung, weil das Geraet hier kaputt ist. Muesste nach New Brunswick fuer eine Behandlung, aber NS Health verweigert dafuer die Kostenuebernahme…..und das seit nun fast 1/2 Jahr…..leider ist sein Ende inzwischen abzusehen. Da er aber nicht mehr sprechen kann, gibt es Probleme wegen der Freitodvereinbarung, weil man dazu muendlich seine Bestaetigung unmittelbar vorher abgeben muss……schriftlich wollen die’s nicht akzeptieren…..
        Naja, alt bzw. krank werden ist nichts fuer „Weicheier“
        In diesem Sinne, mach weiter wie bisher und nimm alles mit was Du kannst und willst !
        Liebe Gruesse in den Norden
        ela

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      2. Hmm, wie die Wartezeiten auf eine Operation sind, weiss ich hier nicht. Ich weiss, dass Hausaerzte seit ich hier bin keine neuen Patienten aufnehmen. Das heisst, wenn ich krank werde muss ich in die Walk in Clinic oder gleich Emergency Room. Vorsorge oder Beratung faellt natuerlich komplett weg.
        Und besonders schlimm ist es bei Mental Health. Es gibt sehr viel Bedarf, aber selbst bei Suizidalitaet darf man mehrere Jahre warten bis man eventuell einen Platz bekommt.
        Aber mein Gefuehl ist dass wenn man erstmal schlimm (koerperlich) krank ist und ein Arzt Zeit hatte, das zu beglaubigen, dann bekommt man auch schnell Hilfe oder wird nach Vancouver mit dem naechsten Passagierflugzeug ausgeflogen.

        Bei Zahnaerzten und Optikern ist die Versorgung besser. Aber auch nur, weil man das alles selbst bezahlen muss. 😀

        Das mit deinem Bekannten ist wirklich gruselig. Ich druecke ganz fest die Daumen, dass er letztendlich doch noch Gerechtigkeit und Nachsicht erfaehrt!!

        Ich mach doch eh, was ich fuer richtig halte, daher keine Sorge. Soweit ich das von hier beurteilen kann, trifft das auch auf dich zu. Von daher wird das schon mit uns 😉

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  8. Wie schoen, dass das erlaubt ist, und er nicht dahin siechen musste, sondern selbst aussuchen konnte wann und wo er geht. Wie traurig, dass es ueberhaupt so sein musste. Ich sitze im Bett und weine, auch wenn ich Marc nicht kannte.

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      1. Ich glaube nicht, dass es irgendwo in den USA erlaubt ist. Aber definitiv weiss ich das nicht. Ich habe letztens erst einen Artikel gelesen ueber die belgische Paralympionikin Marieke Vervoort, die auch Sterbehilfe in anspruch genommen hat. Sie hat das als sehr befreiend beschrieben, zu wissen sie kann dem selbst ein Ende setzen, und muss nicht warten bis ihr die Krankheit alles raubt.

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  9. Moin Luisa,
    Wow. Mir fehlen die Worte für das, was Du in mir und vielen anderen bewegt hast. Danke für Deinen Mut und Deine klare Linie. Danke, dass Du einen Weg aufzeigst, der Ängste nimmt. Wow, so eine Freundschaft. Ich spüre die Liebe, die Freiheit und die Größe. Wir brauchen mehr Menschen wie Dich, die bedingungslos lieben, Wege begleiten können und Ängste nehmen. Wir brauchen Menschen wie Marc, die vorausgehen, mutig, stark und überzeugt.
    Sei gesegnet! Martin aus dem Ökobauwagen Großmoor

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    1. Hallo Martin,
      jetzt bin ich ganz bewegt von deinen lieben Worten, danke! 🙂
      Ich hoffe du hast ein wundervolles Wochenende.
      Viele Gruesse aus meinem Tiny House auf nem Feld im Yukon!
      Luisa

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  10. Ich habe deinen ergreifenden Bericht gelesen. Erst wollte ich nicht, weil meine Gefühlswelt grade auch reichlich Achterbahn fährt, aber dann konnte ich nicht aufhören zu lesen.
    Ich war sehr ergriffen und ein paar Tränen habe ich auch vergossen. So viel wollte ich dir jetzt schreiben, wie schön ich es finden, das du die Chance hattest und auch ergriffen hast, einen Freund auf all diese Wege zu begleiten und ihn auch auf dem weg seiner letzten Reise nicht von der Seite gewichen bist. Wie leide es mir tut das es man Ende keinen anderen Ausweg gab….. sovieles wollte ich sagen und jetzt bin ich vollkommen Sprachlos…

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    1. Hallo zimmerpflanze,
      vielen Dank fuer deine lieben Worte! 🙂
      Ich bin auch traurig und dankbar und ergriffen und froh und alles abwechselnd gleichzeitig… einfach ist das nicht und doch irgendwie unausweichlich dass es irgendwann fuer uns alle zuende geht. Dann haengt es jetzt an uns so zu leben, dass auch wir am Ende sagen koennen: „Ich hatte ein tolles Leben.“ 🙂
      Fuehl dich gedrueckt und danke fuer deine Anteilnahme!
      Luisa

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    1. Dankeschön Lea. 😊
      Marc’s Geschichte ist zwar traurig, aber gleichzeitig auch so voller Liebe und Hoffnung für uns alle. Sterben muss nicht das Unaussprechliche sein, was man am liebsten verdrängt. Sterben ist unausweichlich und kann mit so viel Schönem ausgefüllt werden.
      Diese Gedanken hab ich für mich mitgenommen. 🤗
      Hab ein schönes Wochenende!
      Luisa

      Gefällt 1 Person

  11. Hallo Luisa, ich habe Dir lange nicht mehr geschrieben, bin aber immer noch Fan Deines Blogs und verfolge in unregelmässigen Abständen Deine Abenteuer in der „Wildnis“. Chapeau!

    Deine Schilderung der Geschichte und der letzten Stunden Deines Freundes Marc waren auf der einen Seite traurig und aber auch wunderschön beschrieben. Ich wünschte, ich würde mit so einer Begleitung auf die nächste Resie gehen. Wie die meisten anderen Leser habe auch ich einige Tränen vergossen und stehe auch dazu. Ab jetzt lebt Marc auch in meiner Erinnerung.

    Ich wünsche Dir einen tollen Dezember und versuche mal öfter zu kommentieren.

    Letzten Monat hatten wir ein Treffen u.a. mit Gereon K. und Martin Fs Nachfolger. Die Jungs sind über Nacht geblieben und wir haben dem gefrönt, das Du Dir wegen der nächtlichen Folgen und der Kälte abgewöhnt hast.

    Gruss
    Dietmar

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    1. Wenn der Anlass nicht so traurig wäre, könnte man sich über den Verschreiberlapsus scheckig lachen – es sollte natürlich Reise und nicht Resie heissen.
      P.s. Gibt es das Zippo noch?

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      1. Lachen ist ausdruecklich erlaubt!
        Waere ich Marc gewesen, haette ich wohl in meinen letzten Tagen haeufig „Nur ueber meine Leiche!“ gesagt. 😉
        Zusammen haben Marc und ich noch bis zum letzten Treffen Witze gemacht ueber alles und uns zusammen kaputt gelacht.
        Das Leben ist schliesslich ernst genug. 🙂

        Ja, das Zippo gibt es noch und hat alle Umbrueche und Umzuege ueberstanden!

        Gibt es den Heidrich noch?
        Und gruess bitte meinen Freund Jan B. ganz herzlich von mir – an ihn denke ich auch immer noch.

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    2. Lieber Dietmar,

      wie schoen von Dir zu lesen! 🙂
      Ich musste erst gestern abend an Dich denken und habe mich gefragt wie es Dir so geht. Ich hoffe doch gut?

      Danke fuer Deine lieben Worte bezueglich Marc. Ich stimme Dir zu – es war wirklich traurig und schoen zugleich. Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte, meinen Freund begleiten konnte und anscheinend auch in einigen Lesern etwas bewegt habe.

      Ich druecke die Daumen, dass der euch bescherte Nachfolger mehr Martin als Martha beinhaltet. Ich koennte eine Frage zu einer Blaskapelle stellen aber ich lasse es lieber sein. 😉

      Viele Gruesse aus Kanada,
      Luisa

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