Tiere

Huettenzauber

Ende September 2021.

Das oertliche College bietet Gartenhuetten zum Verkauf an. Die Huetten wurden als Lernobjekt von angehenden Zimmermannazubis errichtet und jetzt sollen sie an den Meistbietenden verkauft werden um die Materialkosten wieder reinzuholen.

Das Mindestgebot ist niedrig – wahrscheinlich beziehen sich die Materialkosten auf Preise vor 2020. Eventuell noch abschreckend ist die Tatsache, dass die Huette innerhalb von 72 Stunden nach Auktionsende vom Gelaende selbst abzutransportieren ist.

Tyrel und ich beschliessen, ein niedriges Gebot fuer jeweils eine Huette abzugeben – hoffentlich bekommen wir eine von beiden!

Huette 1: Satteldach, Tuer und Fenster auf gegenueberliegender Seite.
Huette 2: Pultdach und Scheunentor.

Wir bekamen beide.

Die Kreditkarten gluehten. Doch wir waren uns einig, dass es eine sinnvolle Investition ist, die wir da taetigen. Ein wenig Ausweichraum ist vielleicht gar nicht schlecht, wenn man seit gut zwei Jahren mit Hund zusammen auf ca. 12 Quadratmetern lebt. Und so haette jeder seinen eigenen Raum, der je nach Belieben gestaltet werden kann. Tyrel schwebte ein Werkzeugraum mit Werkbank vor. Mir eher eine Art Studio mit Holzofen.

Der Umzug gestaltete sich abenteuerlich. Wir liehen uns einen geeigneten Anhaenger samt Truck. Dann mussten die Huetten per Winde knirschend auf den Haenger gezerrt und festgezurrt werden.

Der Schotter knirscht und die Huette naehert sich dem Anhaenger.

Wieder Zuhause angekommen stellte sich die Frage, wie Huette Nummer 1 vom Haenger runtergezogen wird. Es war nichts in der Naehe, woran man eine Winde befestigen koennte.

„Komm, wir machen es wie die Rednecks!“, schlug ich vor. Und gesagt getan, unser Truck wurde als Zugpferd eingespannt und zog die Huette vom Anhaenger. Dabei mussten wir uns beeilen, da es zu regnen anfing und wir uns nicht festfahren wollten, daher gibt es keine Bilder von der Aktion.

Ausserdem gab es noch die zweite Huette zu transportieren und es wurde bereits Abend.

Schliesslich war es stockdunkel, als wir mit Huette Nummer 2 Zuhause ankamen. Dieses Mal funktionierte meine Idee mit dem Truck nicht, da nicht genuegend Platz vorhanden war.

„Wie bekommen wir diese Huette jetzt vom Haenger?“, fragte ich Tyrel.

„Ganz einfach: So, wie die alten Aegypter es damals gemacht haben!“, antwortete er ganz selbstverstaendlich.

Nun dachte ich eigentlich, dass ich in der Schule ganz gut aufgepasst hatte, wenn wir im Geschichtsunterricht mal wieder das alte Aegypten besprachen. Aber wie die alten Aegypter damals Gartenhuetten vom Anhaenger runterbekommen haben, das wollte mir einfach nicht einfallen.

Waehrend ich meinen Kopf kratzte, zersaegte Tyrel einen Besenstiel in mehrere Rundhoelzer. Dann zauberte er eine riesige Brechstange hervor und hob die Huette damit an waehrend ich die Rundhoelzer vorsichtig unter die Huette plazierte. Tyrel sorgte mit der Brechstange fuer Anschub, bis der bewegliche Teil des Anhaengers kippte und die Huette die schiefe Ebene runterrollte. Die Huette stand nun mit einer Kante auf dem Feld und mit dem Rest noch auf dem gekippten Haenger.

Da wechselten wir unsere Strategie von „Aegypter“ zu „Magier“ und zogen den Anhaenger geschwind unter der Huette weg.

Umzug vollendet.

Tyrels Huettenausbau war einfach: Werkbank rein, Werkzeuge rein, Schloss vor, fertig.

Ich begann damit, Isolierung in die Waende zu stecken.

Huette von innen, Glasfaserisolierung wird zugeschnitten und an die Holzstaenderzwischenraeume angepasst.

Doch dann waren es ploetzlich -25 Grad und in unbeheizten Raeumen zu arbeiten machte wenig Spass.

Dann versank alles im tiefen Schnee.

Dann verbrachte ich jede freie Minute damit, fuer den Ultramarathon zu trainieren.

Dann war klar, dass ich den Ultramarathon nicht laufen koennen werde und ich versuchte den Sommer so gut wie moeglich zu geniessen.

Und dann… Dann war es Anfang August und ich schrieb mit meinen lieben Freunden Anke und Jens, die mich aus Deutschland besuchen kommen in weniger als einem Monat. Zweimal werden sie bei uns uebernachten.

Hmm…

Fuer sie waere es auch okay, im Zelt zu schlafen. Aber ich weiss: Wenn ich die Huette nicht vor ihrer Ankunft winterfertig kriege, dann steht sie einen weiteren Winter ungenutzt herum und ich aergere mich sieben Monate lang darueber, dass ich sie nicht rechtzeitig ausgebaut habe.

Also, vier Wochen lang Arschbacken zusammenkneifen und zimmern bis der Arzt kommt und sehr gestresst sein? Oder vier Wochen lang den kurzen Sommer geniessen und dann im Winter die Entscheidung bereuen?

Der geneigte Leser wird ahnen, dass ich mich fuer die stressige Variante entschieden habe. Wenn ich zwischen Stress/Erschoepfung und Reue waehlen muss, dann waehle ich Stress/Erschoepfung. „Was waere, wenn…“ oder „Haette ich doch mal…“, damit kann ich schlecht umgehen. Dann lieber mit nem Flachkoepper in das naechste Wahnsinnsprojekt.

Wobei diese Dinge immer in folgenden Phasen in meinem Kopf ablaufen:

  1. Soo schwer kann das doch gar nicht sein. Ich muss doch keinen Raketenantrieb konstruieren. Dem Inschenoer ist nichts zu schwoer.
  2. Ich eigne mir die Theorie an und fuchse mich ins Thema ein. Dabei habe ich einige Aha-Momente und alles klingt gut, logisch und machbar.
  3. In der Praxis ist letztendlich doch alles ganz anders und einige Dinge gehen auch gruendlich schief. Hier verzweifele ich gern und moechte eigentlich alles hinschmeissen.
  4. Ich bin komplett gestresst aber bin zu stur um tatsaechlich aufzugeben. Damit muesste ich mir naemlich eingestehen, dass Phase 1 nicht der Wahrheit entspricht.
  5. Irgendwie kriege ich es tatsaechlich hin und verdraenge Phasen 3 und 4 nach einigen Wochen. Was in Erinnerung bleibt, sind Phasen 1, 2 und 5. Was mich in der Zukunft wieder dazu verleitet, Phase 1 einzulaeuten.

Gerade bin ich in Phase 4. Mein Koerper droht mir schon mit einer bevorstehenden Erkaeltung, falls ich mein Pensum nicht zurueckschraube. Aber ich versuche zu vertroesten: Bitte, bitte, halte noch ein paar Tage durch. Ich trinke auch ganz viel Tee!

Was in den letzten drei Wochen geschah, folgt in einer Bilderschau.

Waende fertig isoliert, das zukuenftige Schornsteinloch eingerahmt und das Dach mit Styroformplatten vorisoliert.
Das Dach mit Glasfaser fertig isoliert, Dampfsperre eingebaut.
Dampfsperre abgeklebt.
Waende und Decke mit Sperrholz verkleidet.
Decke und drei von vier Waenden gestrichen, Eine Box mit Lueftungsschacht gebaut, auf der irgendwann der Holzofen stehen soll.
Ofenunterlage vorbereitet um eine Betonschicht draufzugiessen.
Ofenunterlage samt Betonschicht stehen.
Fliesen sind auf der Ofenbox verlegt, hier noch ohne Moertel.
Fliesen auf Ofenbox sind verfugt, letzte Wand ist gestrichen (ein bisschen mehr als ich dachte) und Hitzeschutzschild zurechtgeschnitten und lackiert.
Feuerschutzbox fuer die Ofenrohrinstallation ist drin und ein Loch ist im Dach an passender Stelle. Befestigung fuer Hitzeschutzblech angebracht.
Selfie im nigelnagelneu installierten Schornstein.
Schornstein mit saemtlichen Schutzblechen. Sieht im Bild schief aus, ist er aber nicht.
Huette mit Schornstein und rauchig posierender Wolkenformation.
Schornsteininstallation von innen, links unten im Bild Frischluftzugang.
Hitzeschutzblech installiert, Decke um den Schornstein isoliert und verkleidet, Ofen samt Box auf Schornstein ausgerichtet, Bodenbelag angefangen zu verlegen.

Jetzt sind noch ganze zwei Tage uebrig, bis meine Freunde ankommen und in der Huette naechtigen. Meine Prognose ist, dass die Huette bis dahin schlafbar ist, das Grundstueck und unser Haus aber aussehen, als wenn ne Bombe eingeschlagen hat. Naja, man muss eben Priotitaeten setzen.

Blick vom Dach: Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Wenn ich den Beitrag so schreibe, merke ich erst, dass ich doch ne ganze Menge geschafft habe. Gar nicht schlecht, dafuer dass ich alles ganz alleine geplant und ausgefuehrt habe. So neben Arbeit, Sport, Japanischkurs und sonst allem. Es war aber ne schwere Geburt – vor allem die Schornsteininstallation so als Hoehenaengstler. Ausserdem wurde ein wichtiges Teil, das ich online bestellt habe, in falscher Groesse geliefert. Da musste ich mir was anderes einfallen lassen und habe in der Stadt Sonderteile anfertigen lassen, damit es doch weitergehen kann. Meist gibt es ja doch ne Loesung, wenn man fleissig sucht.

Vorgestern ging es mit Hahn Daisy steil bergab. Sein gesundes Bein schien eine Infektion bekommen zu haben, sodass er nur noch mit grosser Muehe aufstehen konnte. Ich habe ihm einen weiteren Tag Gnadenfrist gegeben, aber quaelen soll er sich ja nicht. Gestern war es unveraendert. Da hiess es Abschied nehmen.

Danke Daisy, fuer die schoene Zeit! Du warst ein toller Hahn zu deinen Hennen und nie gemein zu Menschen. Es tut mir Leid, dass ich es nicht geschafft habe, dich gesund zu pflegen. Ich werde dich immer als stolzen, schwarzen Gockel in Erinnerung behalten!

Hahn Daisy auf letzter Fahrt.

Da wir mit dem Huehnerblut nicht unnoetig Kojoten und Nachbarshunde zum Huehnerstall locken wollten, hat Daisy eine erste und letzte Quadfahrt in die Wildnis gemacht. Dort fand er ein schnelles Ende im Stil der franzoesischen Revolution.

Der ein oder andere mag sich jetzt fragen, warum ich einen Blogbeitrag schreibe statt den Bodenbelag in der Huette zuende zu verlegen. Hierfuer gibt es mehrere Gruende:

  • Seit meinem letzten Beitrag ist schon wieder viel Zeit vergangen,
  • In dieser Zeit habe ich es wieder kaum bis gar nicht geschafft, Emails zu beantworten,
  • Somit wollte ich ein Lebenszeichen senden und bestaetigen, dass es mir gut geht (wenn auch leicht gestresst),
  • Ausserdem werde ich in den naechsten Wochen wieder nicht dazu kommen einen Beitrag zu schreiben,
  • Weil in den Wochen wieder viel geplant ist,
  • Sodass ich vom Huettenausbau vielleicht gar nicht berichten wuerde
  • Und dann waeren die Erinnerungen floeten gegangen, obwohl sie doch vielleicht interessant sind (jedenfalls fuer mich).

Was mir in diesen Tagen besonders viel Freude bereitet, sind die Mohnblumen, die ich in einem meiner Beete ausgesaeht habe. Eigentlich war ich kein grosser Mohnfan. Er ist halt rot und welkt schnell. Aber diesen Sommer hat er mich in seinen Bann gezogen. Seht selbst!

Morgensonnenmohn.
Nur vier Bluetenblaetter und doch so viel Ausdruck!
Frisch erwacht und noch ein wenig zerknittert.
Vielfalt in Farbe und Form.
Bluetenblaetter wie aus feinstem Seidenpapier.

Trotz allem Stress, dem man sich so macht, lohnt es sich immer, kurz anzuhalten und zu staunen. 🙂

Sommerupdate

Es folgt ein Lebensupdate, geordnet nach Themenbereichen.

Schilddruese

Mit einer geringen Dosis Schilddruesenhemmer landete ich innerhalb von wenigen Monaten in einer Schilddruesenunterfunktion. Auf die rasante Gewichtszunahme und ausbleibende Periode haette ich verzichten koennen, doch im direkten Vergleich bevorzuge ich die Schilddruesenunterfunktion gegenueber der -ueberfunktion. Wenigstens fuehlt man sich nicht mehr Tag und Nacht, als ob man kurz vorm Herzinfarkt steht.

Jetzt nehme ich eine noch geringere Dosis an Schilddruesenhemmern ein und wandele an der unteren Grenze des Normalbereichs an Schilddruesenhormonen. Ich bin also guter Hoffnung, dass die Dosis bald weiterhin reduziert oder ausgeschlichen werden kann.

Schienbeine

Es laeuft nicht, aber es geht. (Haha.)

Woechentlich besuchte ich meinen Physiotherapeuten, den man hier uebrigens aus eigener Tasche bezahlt. Zusammen versuchten wir die richtige Mischung aus Ruhe und Belastung zu finden, denn einerseits moechte man die Beinchen nicht weiter stressen, andererseits brauchen sie Stress um Muskeln und Knochendichte aufzubauen.

Nach Monaten der Wanderung auf dem Grat zwischen Be- und Entlastung haben wir heute entschieden, die Beine nicht mehr zu belasten mit Treppensteigen, Spruengen und anderem, sondern komplett ausheilen zu lassen, bis sich mein ganzes System beruhigt hat.

Weiterhin bleibt es fuer mich ein Sommer ohne Laufen und ohne grossartige Wanderungen. Das ist ab und an noch schwierig fuer mich.

Berg, von unten statt von oben fotografiert.

Doch mein Physiotherapeut riet mir, im Fitnesscenter schwere Gewichte zu stemmen, um Muskeln aufzubauen, die die Knochen unterstuetzen. Naja… Bislang habe ich in meinem Leben mir ganze drei Mal einen Knebelvertrag im Fitnesscenter angelacht und bin nach zwei Monaten nicht mehr hingegangen, das letzte Mal vor ca. 10 Jahren. Dann habe ich mir selbst versprochen, das nie wieder zu versuchen, da es einfach nicht klappt. Was mich dazu motiviert, Sport zu treiben ist erstens das Draussensein und zweitens, die Sportart alleine ausueben zu koennen – ohne jemand anderes zu sehen. Klappt beides nicht im Fitnesscenter.

Trotzdem gehe ich jetzt zweimal woechentlich genau dorthin und stemme schwere Eisen. Geaendert hat sich meine Einstellung zum Thema Motivation. Ich bin nicht motiviert, dorthin zu gehen. Aber ich weiss, dass es gut fuer mich und meinen Koerper ist. Daher mache ich es einfach. Bislang, seit fuenf Wochen, klappt es – trotzdem habe ich eine Zehnerkarte statt einem Jahresvertrag. 😉

Ausserdem mache ich eine Einheit Krafttraining Zuhause am Wochenende und dreimal in der Woche meine Physiouebungen. Einmal in der Woche ging ich die Endlosstreppe hoch- und runter, doch das lasse ich bis auf Weiteres sein. Alles, was darueber hinausgeht an sportlicher Betaetigung ist Bonus und nur aus Spass an der Freude zu verrichten. 🙂

Treppe, immer noch scheinbar endlos im Sommer.

Sprachen

Was ich hier bislang noch nicht erwaehnt habe: Seit Dezember lerne ich nebenbei noch Japanisch. Weil ich anscheinend nicht genug ausgelastet bin in meinem Leben. 😀 Nein, eigentlich stand das schon lange auf meiner Liste an Dingen, die ich gerne machen wuerde. Und dann hat mir ein Freund Ende letzten Jahres erzaehlt, dass der Japanisch-Kanadische Verein im Yukon online Japanischunterricht anbietet und bald ein neuer Anfaengerkurs beginnt. Also habe ich mich einfach dafuer angemeldet, zusammen mit vier anderen Personen. Irgendwann wuerde ich gern Japan bereisen, am liebsten mit dem Rad. Und dann moechte ich mich wenigstens ein bisschen verstaendigen koennen. Das wuerde ich sonst so schade finden, in einem fremden Land zu sein und keine echte Verbindung mit der Bevoelkerung aufbauen zu koennen – ja nicht einmal nach dem Weg fragen zu koennen. Ich weiss, man kann auch in sein Handy quatschen und das automatisch uebersetzen lassen. Aber fuer mich waere es wichtig, eine persoenliche, direkte Verbindung herzustellen mit meinem Gespraechspartner. Vor allem, wenn man abseits der touristischen Gebiete unterwegs sein moechte, kommt man mit Englisch nicht weiter.

Habe ich nicht Franzoesisch gelernt? Stimmt. Jedoch wurde mein zweiter Kurs wegen der ersten Covidwelle nach der Haelfte abgebrochen, woraufhin die frankokanadische Vereinigung eine Rueckerstattung oder Gutschrift versprach. In meinem Abschlusszeugnis stand dann auch, dass ich den Kurs wiederholen muesste, da nur die Haelfte stattfand. Macht Sinn.

Als es wieder moeglich war, sich in Kurse einzuschreiben, fragte ich an, wie es mit einer (teilweisen) Gutschrift aussaehe, da ich ungern den vollen Preis des Kurses zweimal bezahlen moechte. Vor allem vor dem Hintergrund, dass auch dieser Kurs jederzeit wieder abgeblasen werden koennte. Die Antwort lautete, dass man es sich anders ueberlegt haette und es keinerlei Gutschriften oder Rueckerstattungen gaebe.

Diese Haltung kann sich die Vereinigung deshalb erlauben, da ca. 90% der Teilnehmer im oeffentlichen Dienst taetig sind und die Regierung den Kurs direkt bezahlt. Ich als blechende Minderheit zaehlte nicht. Und als Konsequenz zahlte ich nicht mehr.

Je garde mon argent – Ich behalte mein Geld. Soviel steht fest.

Irgendwann wuerde ich meine Franzoesischkenntnisse gern weiter ausbauen, aber nicht mehr mit der Vereinigung. Und erstmal steht Japanisch auf der Speisekarte.

Der Kurs laeuft gut – abgesehen von der Tatsache, dass die anderen vier Teilnehmer mittlerweile alle das Handtuch geworfen haben. xD Mein Lehrer hat sich aber dazu bereiterklaert, mich auch alleine weiter zu unterrichten, wofuer ich sehr dankbar bin.

Es ist ein ganz schoener Batzen, das zu lernen, das stimmt. Und es wird wahrscheinlich viele Jahre dauern, bis ich genuegend Schriftzeichen lesen kann oder mich in einem Gespraech nicht voellig blamieren werde. Aber das ist fuer mich kein Grund, es nicht zu tun. Solange ich am Tag noch 30 Minuten uebrig habe um am Handy rumzudaddeln oder mir ne Dokumentation auf Youtube anzugucken, habe ich auch Zeit, 30 Minuten lang japanische Grammatik, Schriftzeichen und Vokabeln zu lernen.

Der Japantrip steht auch noch in den Sternen, eigentlich wollte ich schon im Sommer 2011 dort hin. Irgendwann wird es schon klappen. Und bis dahin bin ich gespannt, wie weit mich 30 Minuten am Tag bringen werden. 🙂

Arma findet, dass 30 Minuten taeglich immer uebrig sind – vor allem zum Spielen!

Landwirtschaft

Den Huehnern geht es soweit gut, nur Hahn Daisy ist derzeit in Einzelhaft. Er rannte wahnsinnig schnell hinter einer Henne her und verletzte sich dabei am Bein, wobei nichts gebrochen zu sein scheint. Seitdem faellt es ihm schwer, zu gehen. Er sitzt also in einem Kaefig im Stall in der Hoffnung, dass das Bein genug ruhen kann um zu heilen. Einmal am Tag nehme ich ihn nach draussen, zur Physiotherapie. Und eigentlich hat er vorsichtige Fortschritte gemacht – nur heute morgen schien er wieder weniger belastbar. Hmm… Seine Gnadenfrist ist noch nicht abgelaufen.

Hahn Daisy, in Schieflage.

Mein Gemuesegarten waechst und gedeiht. Meine Top 3 vom letzten Jahr, Gruenkohl, Dill und Moehren, habe ich besonders reichlich ausgesaeht. Derzeit essen wir fast taeglich einen Trog voller Mikro-Moehren plus Moehrengruen, denn die Moehrchen muessen dringend vereinzelt werden. Ich verschenke auch viel Gruenfutter an Freunde, das macht mir besonders viel Spass, die strahlenden Gesichter zu sehen! 🙂

Huehner, futtern ausgeduennte Radieschen (links/mittig) und tarnen sich im Sandbad (rechts).

Doch die Moehren muessen dringend noch schneller verwertet werden. Vielleicht mache ich eine Grossaktion am Wochenende und verarbeite sie eimerweise zu Pesto. Das koennte ich einfrieren und haette auch im Winter noch was davon!

Selbst gezogene Mohnbluete nach einem Regenschauer.

Wellness

Nach drei Jahren Bauzeit haben die heissen Quellen im Yukon ihre neue Anlage geoeffnet! Statt der schimmligen Umkleide und dem Betonrechteckpool oeffnete im Mai eine Wellnessanlage mit mehreren Becken, Ruheraeumen, Saunas und allem Pi Pa Po. Die oeffentliche Meinung zu dem Projekt war eher abgeneigt – vor allem, als verkuendet wurde, dass die Anlage nur fuer Erwachsene zugaenglich ist um eine entspannende Atmosphaere zu gewaehrleisten.

Doch jeder, mit dem ich gesprochen habe, fand es gut, nachdem man es selbst erlebt hat. Man fuehlt einfach, wie viel Herzblut in dem Projekt steckt. Eine echt tolle Anlage, die sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken braucht.

Postkartenansicht von einer kleinen Wanderung: Berge, Seen, Tannen, Wolken.

Bei meinem zweiten Besuch im Mai fragte ich die asiatisch aussehende Mitarbeiterin am Empfang nach ihrem Namen. Der klang wiederum Japanisch. Ich fasste mir also ein Herz:

„日本人ですか?“ (Bist du Japanerin?)

”はい、日本人です…” (Ja, bin ich…)

“日本語を勉強します!“ (Ich lerne Japanisch!)

„Wow, dein Japanisch ist voll gut!“

„Dankeschoen!“

„Die Person hinter dir in der Schlange ist auch Japanerin!“

„初めまして!よろしくお願いいたします!“ (Freut mich, euch kennenzulernen. Bitte seid nett zu mir! [Ungefaehre Uebersetzung – unbedingt noetig zu sagen, wenn man sich im Japanischen vorstellt])

Natuerlich habe ich mich bei der letzten Einlage verbeugt und bin dann mit rotem Kopf zur Dusche geeilt. Ausserhalb meines Kurses habe ich mein Japanisch noch nie versucht bei Muttersprachlern anzuwenden. Trotzdem bin ich froh, es versucht zu haben!

Nach der Dusche ging es fuer mich zum langsamen Garen in den Pool und dann noch in die Holzofensauna, dort schwitze schon eine weitere Person.

Und diese Person fing auf einmal an zu reden.

„Wie lange lernst du denn schon Japanisch?“

Oh, es war die Person, die in der Schlange hinter mir stand! Wir sprachen also und hatten eine angeregte und interessante Unterhaltung, bis ich dringend nach Hause musste. Handynummern wurden vorher noch ausgetauscht.

Was seitdem geschah: 絵里 (uebertragen Eri, aber ausgesprochen eher wie Ellie) und ich sind mittlerweile gute Freunde und einen Tag nach unserem Treffen in der Sauna ist ebendiese abgebrannt. Verletzt wurde niemand, mittlerweile haben die heissen Quellen auch wieder geoeffnet, nur eben ohne Saunas. Die muessen erst wiedererrichtet werden – dieses Mal mit korrekter Kamininstallation.

Spanferkel, gegrillt beim Mittsommerfest der Nachbarn (nicht im Saunafeuer).

Sommer

Wie jedes Jahr sind die Naechte kurz bis nicht vorhanden, genauso verhaelt es sich mit dem Schlaf, da man ALLES machen moechte, was man sich im Winter ertraeumt hat. Und nebenbei hat man ja auch noch zwei Jobs und nen Kuebel voller Hobbies, siehe oben. Ach und dann moechte ich ja auch noch auf alle Emails zeitnah antworten und diesen Blog fuehren… *schwitz*

Einfach mal unerreichbar sein – Tyrel fuehrt das Boot aus.

Etliche Emailantworten bin ich schuldig, das tut mir auch leid. Da dachte ich mir jetzt, ich schreibe mal wieder eine superlange Blogemail an alle, die es interessiert. Dann schaffe ich es vielleicht auch wieder, mein Postfach aufzuraeumen, weil dies die Einzelemailantwort erheblich verkuerzen sollte. Es besteht also noch Hoffnung. 🙂

In der Zwischenzeit: Ich habe mich sehr ueber deine Email gefreut und ich mag dich immer noch supergerne und denke oft an dich!! Ungelogen – das gilt auch fuer viele liebe Freunde, die mir keine Emails schreiben! 😀

Eine wilde Orchidee, die ich am Wegesrand fand.

Also, was mache ich denn so, wenn ich nicht arbeite, Sport treibe, Arzttermine wahrnehme, Japanisch lerne, im Garten arbeite, stricke oder in heissen Quellen rumduemple?!

Packrafting

Eigentlich stehe ich nicht so sehr auf Anglizismen, ich rede so schon den ganzen Tag nur Englisch. Daher versuche ich moeglichst, deutsche Woerter zu benutzen, wenn ich Deutsch rede oder schreibe. Aber Packrafting? Hmm…

Ein Packraft ist ein leichtes, aber stabiles und robustes Schlauchboot, das zusammengerollt wenig Gewicht und Packmass aufweist. Somit ist es gut geeignet fuer alle Wasseraktivitaeten, bei denen es eher unhandlich ist, ein grosses Boot oder Surfbrett mitzubringen. Ich liebaeugle schon seit zwei Jahren mit der Idee, mir ein Packraft zu bestellen. Leider sind diese Boote aber recht teuer und haben auch lange Lieferzeiten, sodass ich es mir immer ausgeredet habe.

Doch Anfang Februar fasste ich mir ein Herz und etliche Dollar und klickte meine Bestellung zusammen. Ende Juni wurde das gute Stueck endlich geliefert.

Packraft, tarngruen.

Mein erstes kleines Abenteuer startete direkt von meiner Haustuer aus. Ich wanderte mit Tyrel und Arma ein paar Kilometer zum nahegelegenen Fluss, pumpte das Boot mit dem dazugehoerigen Luftsack auf und liess mich treiben.

Besonders freute ich mich auf eine bestimmten Streckenabschnitt, den ich gerne mit dem Rad aufsuche und von dort auf den Fluss starre. So war die Aussicht am Tag zuvor mit dem Rad:

Ein schmaler Weg auf einem Grat zur Aussichtsplattform.
Aussicht auf Fluss und Fahrrad.
Ein Gewitter ist im Anflug.

Vom Fluss aus bo(o)t sich folgende Ansicht am Folgetag:

Weniger spektakulaer, aber immer noch schoen.

Um mehr Sicherheit auf dem Wasser zu haben, meldete ich mich zu einem viertaegigen Packraftingkurs an. Bei unserem ersten geplanten Treffen entschloss sich Eri spontan dazu, sich auch zum Kurs anzumelden! Darueber habe ich mich sehr gefreut – so schnell kann es manchmal passieren, dass Fremde zu Freunden werden. 🙂

Eri und ich beim Packraftingkurs.

Leider gibt es vom Kurs selbst keine Bilder. Wir waren damit beschaeftigt, nicht zu ertrinken und wollten ungern unsere Handykamera beim naechsten Badegang Koenig Triton weihen. Aber wir haben viel gelernt und unsere Grenzen ausgelotet. Letztes Wochenende ging es dann zur Bewaehrungsprobe und wir unternahmen einen gemeinsamen Packraftingtrip zusammen mit Paddelnovizen Tyrel und Bella. Das war eine wirklich schoene Erfahrung und alle sind erfolgreich durch die Wildwasserpassage der Schwierigkeitsstufe II bis III gepaddelt.

Bella mit Packrafts vor dem Beginn unserer Tour.
Ich, paddelnd.
Eri, fast am Ende des Trips.

Und sonst so?

Ja weiss ich auch nicht. Hab ich was vergessen? Bestimmt.

Macht nichts, jetzt habt ihr ne ungefaehre Idee davon, was ich so treibe.

Und bei euch so? Was macht der Sommer? 🙂

See, nicht vereist!

Sportwoche im April

Ist es komisch, wenn man seine eigenen Beitraege interessant findet?

Jedenfalls fand ich meinen Beitrag ueber eine Woche Sport letzten Monat sehr interessant. Ein Teil meines Hirns denkt immer noch, ich sei so sportlich wie im Mai 2018 und die 30 Jahre davor, also eher wenig. Im Juni 2018 habe ich angefangen zu laufen, ganze 60 Sekunden am Stueck und ich war fertig mit der Welt. Ich konnte mich zwar fuer einzelne Betaetigungen begeistern und mich durchquaelen, doch eine Grundfitness war nicht vorhanden.

Mittlerweile ist doch ne ganze Menge mehr drin. Auch an zeitlichem Aufwand, obwohl ich immer der Meinung war, dass ich fuer Sport keine Zeit oder Energie haette. Aber anscheinend ist das oft eine Frage der Prioritaet.

Wenn ich aber zurueck auf die Statistik einer Sportwoche blicke, dann sehe ich ein paar Zahlen, sonst nichts. Keine Wehwehchen, keine Gefuehle, nichts was wirklich zaehlt. Und erinnern kann ich mich auch schlecht, dafuer bin ich jeweils zu sehr in der jeweiligen laufenden Woche drin.

Von daher hier ein Memo an mich: So sah eine Sportwoche in deinem Leben im April 2022 aus!

Montag

Mein Plan hat sich geaendert, wie alle ca. fuenf bis sechs Wochen. Leider steht Treppensteigen nicht mehr auf dem Programm. Die liebe Treppe ist mir im letzten halben Jahr ans Herz gewachsen, fast woechentlich habe ich sie aufgesucht um sinnbefreit hoch- und runterzuwandern.

Eigentlich komisch, was einem so ans Herz wachsen kann, wenn man es oft genug macht. Ist das eine Art Stockholm Syndrom?

Jedenfalls wars das erstmal mit Treppensteigen und auch mit Skilanglauf. Bis zu meinem Lauf im Juli werde ich vor allem laufen. Macht ja auch Sinn, vom Laufdokus gucken wurde ich bislang noch nicht schneller oder ausdauernder.

Der Skitag wird im April ersetzt durch einen Lauftag und die Treppe durch eine huegelige Strasse, die es auf- und abzulaufen gilt. Laut meinem Plan kann ich das entweder Montags oder Mittwochs machen. Doch wenn ich geht, laufe ich die Huegelstrasse gerne schon Montags, dann habe ich es hinter mir.

Also Montag: Huegelstrassenlauf.

Anfang der Strasse, derzeit noch bis zum Sommeranfang gesperrt.

Die 21,1 km, die ich gestern gelaufen bin, sind meinen Beinen heute kaum anzumerken. Gestern wurde ich von Wadenkraempfen geplagt aber heute laufe ich einfach ohne groessere Sorgen erst bergauf, dann bergab. Klar, es ist anstrengend. Huegel sind fuer mich auch mental schwierig zu erlaufen. Schon am Fuss des Huegels meldet sich Genosse Schweinehund und gibt hilfreiche Ratschlaege: „Es ist jetzt schon so anstrengend und es geht noch viel hoeher bergauf. Guck – du kannst den Gipfel noch nicht mal sehen! Du solltest wirklich gehen, das waere die einzig vernuenftige Massnahme.“

Aber ganz langsam, Laufschritt fuer Laufschritt, kurbele ich mich jeden einzigen der fuenf Huegel hoch und wieder runter. Wenn es wieder bergab geht, freue ich mich ueber meine nicht-krampfenden Beine.

Bergab (Vordergrund), Berg (Hintergrund)

Das einzige, was heute nicht gut laeuft ist mein Schuhwerk. Letzte Woche befanden sich auf einigen schattigen Strassenabschnitten noch grosse Eisflaechen, daher griff ich auch diese Woche zu meinen Laufschuhen mit Spikes. Doch die Eisflaechen sind wie weggeschmolzen (harhar) – trotz der frischen -13 °C heute morgen scheint der Fruehling langfristig nur schwer aufzuhalten sein.

Bergauf, -auf, -auf.

Die Metallstifte unter meinen Sohlen geben den musikalischen Lauftakt vor mit lautem KRACK-KRACK-KRACK auf der mehr oder weniger versiegelten Schotterflaeche. Die naechsten Laeufe ueber werde ich also meine neuen, minimalistischen Laufschuhe einlaufen. Hoffentlich wird die Umstellung gut klappen – ich reihe doch eine ganze Menge Schritte aneinander und moechte nichts ueberlasten.

Bergauf mit Bremsstreifen auf der Strasse.

Ich beende diesen Lauf nach 5,8 km und ca. 200 Hoehenmetern mit einer ausgedehnten Bergabstrecke und fuehle mich wirklich gut und irgendwie erfuellt. Ist das ein Laeuferhoch?

Ich, noch ein wenig eingefroren aber irgendwie gluecklich.

Dienstag

Manche Dinge bleiben doch beim alten: Dienstag und Donnerstag sind weiterhin Doppelsporttage, die mit Krafttraining eingelaeutet werden. Die neue Routine durchlaeuft vier unterschiedliche Krafttrainingseinheiten, die sich alle 14 Tage wiederholen. Ein bisschen gemein ist das schon, so ist der Koerper immer frisch ueberrascht von der ungewohnten Bewegung. Aber wahrscheinlich ist das der Sinn der Sache.

Hanteln mit Bueropflanzen – Das Basilikum ist gut angewachsen.

Heute schwitze ich so stark auf meine Matte, dass ich sie anschliessend ein paar Stunden trocknen muss, bevor ich sie zusammenrollen und in meiner Bueroecke verstauen kann. Aber trotz der harten Anstrengung haben mir die Uebungen eigentlich ganz gut gefallen. Nur der Teeloeffel, mit dem ich mein Fruehstueck esse, scheint heute extrem schwer zu sein.


Spaeter am Tag steht noch ein saftiger Intervalllauf an. 15 Minuten langsam laufen zum Aufwaermen, dann 10 Wiederholungen a la zwei Minuten hart und schnell rennen und zwei Minuten langsam laufen. Abschliessend 10 Minuten langsam laufen zum Runterkuehlen. In Summe 65 Minuten.

Intervalllaeufe sind und bleiben sehr herausfordernd fuer mich. Wenn man mit einer gewissen Lauferfahrung eine bestimmte Distanz oder Zeit laeuft, dann kann man die Intensitaet so herunterschrauben, dass der Lauf nicht zu anstrengend wird. Aber zwei Minuten hart und schnell laufen bleibt zwei Minuten hart und schnell. Das faellt mir jetzt genauso schwer wie zu der Zeit, als ich maximal 2 Minuten am Stueck laufen konnte. Aber es steht auf dem Plan und moechte daher auch gelaufen werden. Eine Verletzung oder ein Notfall waeren natuerlich solide Gruende um die eine oder andere Uebungseinheit ausfallen zu lassen. Jedoch ist der einzige Grund, der mir heute einfaellt: „Ich mag nicht, das ist so anstrengend.“

Gut, dass es anstrengend wird, wusste ich auch bevor ich mich fuer einen 80 km Berglauf eingeschrieben habe. Letztendlich zahlt sich die Anstrengung aus, das steht fest. Und daher schnuere ich auch heute meine Laufschuhe und gehe raus. Es sind -5 Grad, aber wenigstens scheint die Sonne.

Die 15 Minuten Aufwaermlauf fallen mir erstaunlich leicht. Die 10 Intervalle sind wie zu erwarten hammerhart. Zwei Minuten lang hart hart hart, so hart es geht. Am Ende der zwei Minuten pfeife ich aus dem letzten Loch, nichts ist mehr rauszuholen. Doch die Beine sind an die Laufbewegung gewohnt und die zwei leichten Minuten jogge ich ganz gemaechlich dahin. Jedes Intervall aufs Neue bin ich erstaunt, dass ich nach den zwei leichten Minuten wieder zwei Minuten lang hart rennen kann. Vielleicht nicht ganz so schnell wie in den ersten Intervallen, doch die Beinbatterien scheinen sich wie durch Zauberhand in den zwei leichten Minuten ganz gut aufladen zu koennen.

Die beeindruckende Wetterfahne am Flughafen Whitehorse und neben bei die groesste Wetterfahne der Welt: Ein ganzes Flugzeug, eine restaurierte Douglas DC-3. Heute Suedwind.

Schon waehrend des Laufs merke ich, dass meine Oberschenkel ein wenig brennen. Zurueck im Buero auf meinem Hocker merke ich, wie die Muskeln zucken. Als wenn sie sich erst wieder in die richtige Form bringen wollen. Heute Abend gibt es viel Fisch und Gemuese und vor allem viel Schlaf. Morgen sehen wir weiter.

Mittwoch

Mein Koerper hat ueber Nacht ganze Arbeit geleistet: Meine Beine scheinen wieder einsatzfaehig. Nur die armen Aermchen haengen schlaff aus dem Tshirt und wollen nicht angehoben werden. Damit kann ich arbeiten. Zum Glueck habe ich einen Schreibtisch und eine Tastatur – ein Grossteil der Schwerkraft lastet nicht auf meinen Schultern.

Trotzdem, auch heute ist die Laufspeisekarte gut gefuellt mit einem 10 km Lauf. Zum Glueck nur 10 km – und ich haette nie gedacht, dass ich diesen Gedanken mal so formulieren wuerde. Jemand der 5 km laufen konnte erschien mir vor drei Jahren noch uebermenschlich fit. Uebrigens finde ich immer noch, dass 5 km laufen eine stattliche Leistung ist, daran hat sich nicht viel geaendert!

Fuer die heutigen 10 km brauche ich ein Ziel um meine Motivation zu foerdern. Ich waehle die Kaeseladenroute. Mit einem Extraschlenker komme ich auf 5 km pro Weg, passt perfekt. Ausserdem kann ich so meine liebe Treppe begehen. Das Wetter spielt mit, -2 °C und bewoelkt. Da kann ich getrost ohne Jacke loslaufen.

Treppe, dramatisch.

Der Weg runter in die Stadt zum Kaeseladen laeuft erstaunlich gut. Mein Oberkoerper und meine Arme sind ziemlich verspannt und verkatert, doch der Rest laeuft (ha!). Im Kaeseladen selbst kaufe ich ordentlich ein und verquatsche mich ein wenig. Der beladene Rueckweg faellt mir schwerer – liegt es an der Beladung oder daran dass ich etwas haette essen oder trinken sollen? Nach dem Treppenaufgang melden sich die Waden leicht, doch sie beruhigen sich wieder und fangen nicht an zu krampfen. Ich bin zufrieden, aber merke mir fuer die Zukunft, eine Trinkflasche mitzubringen wenn der Lauf 10 km oder laenger andauert. Vor allem, wenn sich die Gesamtlaufdauer durch Pausen noch verlaengert.

Donnerstag

Doppeldonnerstag steht an, dabei habe ich mich vom Doppeldienstag noch nicht ganz erholt.

Aber wie trainiert dafuer, 80 km lang bergauf und -ab zu laufen? Wahrscheinlich muss der Koerper lernen, trotz Ermuedung weiterzuarbeiten. Der naechste Ruhetag ist schon uebermorgen und der Geist ist willig und ist immer noch schrecklich neugierig, was alles moeglich ist, wenn man sich ausreichend herausfordert. Wenn der Geist willig ist, wird das Fleisch schon folgen.

Hanteln im Buero. Der Grossteil der Basilikumpflanzen ist in Jogurtbecher umgetopft worden.

Die ersten Wiederholungen der heutigen Kraftuebungen sind wirklich herausfordernd durch den Muskelkater, der sich noch in meinem System befindet. Doch interessanterweise wird es im zweiten Set schon weniger unangenehm. Ein gutes Zeichen dafuer, dass alles nur muede ist und keine Verletzungen drohen. Sogar der Schweiss fliesst nicht so uebertrieben wie am Dienstag! Aber sind ja auch andere Uebungen – vielleicht arbeite ich schon aktiv auf den Ruhetag hin?


Fuer den Laufteil des Tages steht eine Stunde Laufen auf dem Plan. Ich bin wirklich sehr muede und mag nicht. Trotzdem ziehe ich mich um und schnuere die Laufschuhe. „Ich mag nicht“ lasse ich nicht gelten. Ich laufe und gehe einen steilen Berg hinauf bis ich nach einiger Zeit am Haus meiner Freundin ankomme. Sie schliesst sich mir an und wir fuehren ein tolles, angeregtes Gespraech ueber Gott und die Welt. So wird der Fokus von meinen Wehwehchen gelenkt und wir haben einen wirklich tollen Lauf zusammen. Ausserdem laeuft sie mich noch zurueck zum Buero, so muss ich den Rueckweg nicht alleine angehen. Nach dem Lauf fuehle ich mich viel besser, sowohl mental als auch koerperlich. Zudem freue ich mich schon sehr auf meine Sportmassage spaeter am Nachmittag, die ich schon vor gut zwei Monaten gebucht habe. Der Masseur ist ein echter Fachmann und die Nachfrage ist gross.

Freitag

Fleischerfreitag steht auf dem Programm, aber vorher heisst es noch 45 Minuten laufen gehen. Letzten Freitag hat das nicht gut geklappt, die Waden haben schlimm gekrampft. Aber diese Woche hatte ich eigentlich wenig Beschwerden, da wird es bestimmt besser klappen. Um sicher zu gehen, waerme ich mich ein wenig auf mit dynamischen Dehnungsuebungen.

Das Wetter ist auch gut mit Morgensonne und -12 Grad. Kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen, oder?

Die ersten richtigen Fruehlingsboten sind schon da: Die Autos werfen sich in ihr Fruehlingsfell: Eine dicke Schlammkruste.

Anscheinend doch, denn es ist genau die gleiche Misere wie schon letzte Woche: Ein einizger Krampf. Lange Strecken muss ich gehen, ansonsten lauf-humpele ich vor mich hin.

Aber es ist gut, das jetzt herauszufinden, dass mein Koerper morgens so reagiert. Der Lauf wird auch um 6 Uhr morgens beginnen, bis dahin bleiben mir noch einige Wochen Zeit zu experimentieren. Sollte ich mich mehr aufwaermen? Oder Elektrolyte zu mir nehmen? Frueher aufstehen, damit mein Koerper nicht so geschockt ist von der ploetzlichen Belastung?

Auf Nebenwegen ist und bleibt es zunaechst Winter.

In 45 Minuten komme ich auf schlappe 5,1 km. Ist voll okay und sind immerhin 100 Meter mehr als letzte Woche.

Eine halbe Stunde nach dem Lauf fuehlen sich meine Beine uebrigens leicht und ausgeruht an wie schon seit langem nicht mehr. Ein bisschen veraeppelt komme ich mir schon vor. Aber ich werde schon noch herausfinden, wie ich meinem Koerper besser helfen kann, am Morgen in die Gaenge zu kommen.

Samstag

FREI! 🙂

Sonntag

Heute steht der bislang laengste Lauf des Jahres an mit 28 km. Nach wie vor sind uebliche und schoen gelegene Wege zum Laufen durch Schnee/Matsch/Eis oder einen beliebigen Mix daraus zum Laufen ungeeignet. Bleiben Landstrassen oder das Wildtiergehe zur Auswahl. Ich waehle das Wildtiergehe, wobei ich mir nicht sicher bin, ob dort Matsch oder Eis das groessere Problem ist. Dann muss ich wohl zwei verschiedene Paar Schuhe mitbringen und vor Ort entscheiden, was die sinnvollere Wahl ist.

Auf dem Parkplatz des Wildtiergeheges steht schnell fest, dass es noch die Schuhe mit den Spikes sein muessen. Die Wege sind teilweise noch mit Eis und Schnee ueberzogen. Ich ziehe sie also an und trotte los. Doch leider stellen sich relativ bald zwei Probleme heraus: Zum einen ist laufen auf den Wegen derzeit fast unmoeglich durch tiefen, aufgeweichten Schneematsch oder weichen Schotter-Schlamm-Mix. Zum anderen krampfen die Waden und es treten auch leichte Taubheitsgefuehle in den Fuessen auf. Nach einer Runde von knapp 6 km entscheide ich mich, dass es keinen Sinn macht, hier weiterzulaufen. Meine derzeitige Mission ist nicht, mich ueber instabile Untergruende fortzubewegen, sondern lange Zeit in einer Laufbewegung zu bleiben. Und das ist hier kaum bis gar nicht moeglich.

Wapitihirsche, von hinten.

Ich steige also wieder in mein Auto ein und fahre zur naechstgelegenen Tankstelle und gleichzeitig zur Muendung der hiesigen Landstrasse zum Highway. Die Landstrasse ist auch gut huegelig und frei von Schnee und Eis. Laufen kann ich hier, auch wenn ich eher ungern auf Strassen laufe. Aber die Alternative waere, den Lauf abzubrechen und das moechte ich noch weniger.

Bisons, leise und tief grunzend.

Auf der trockenen Strasse laeuft es sich viel besser als im Wildtiergehege, soviel steht schnell fest. Aber auch hier verfolgen mich die Wadenkraempfe und Taubheitsgefuehle nach kurzer Zeit wieder. Ich versuche Strecken zu gehen, Halt zu machen um mich zu dehnen und die Schuhe lockerer zu schnueren. Natuerlich nehme ich auch Elektrolyte und Kalorien zu mir. Aber es ist der Stand der Dinge. Ich ergebe mich und mache einfach, so gut ich kann.

Strasse. Wo kein Gehweg ist, da lauf ich links!

Nach knapp 13 km entscheidet sich mein Koerper ploetzlich, dass das Krampfen nichts bringt und ploetzlich fuehlen sich meine Beine ganz wunderbar an. Die restlichen 15 km verfliegen im Nu, sodass ich fuer die insgesamt 28 km 3:38 Stunden brauche. Die ersten 14 km kosteten mich 2 Stunden, die zweiten 14 km dann ploetzlich 22 Minuten weniger.

Strasse, kurz vor dem ersten Hagelschauer.

Aber vor allem ist wichtig, dass ich ohne grosse Erschoepfung und flott ins Ziel gelaufen bin. Ganz ohne Blasen, wunde Stellen oder Schmerzen.

Strasse. Niederschlag zieht auf, aber macht die Szenerie wenigstens interessanter.

Das unterstreicht nochmal die Erkenntnis von Freitag, dass ich mich der Wadenkrampferei dringend annehmen muss. Magnesium und Kalzium nehme ich schon zusaetzlich. Und wenn ich in meiner Mittagspause laufe, ist Krampfen kein Thema. Also vermute ich, dass ich mich besser aufwaermen muss vor einem Lauf, der relativ frueh am Morgen stattfindet.

Ich habe in den letzten Wochen auch ein paar Kilos zugenommen, wahrscheinlich machen sich die Schilddruesenhemmer bemerkbar. Koennte es sein, dass das zusaetzliche Gewicht meine Waden sehr stresst?

Wieder Zuhause schreibe ich meiner Trainerin und bitte um Rat. Sie antwortet zeitnah, dass sie mir Videos mit Aufwaermuebungen zuschicken wird. Fuer das Training ab kommenden Freitag ist also schon vorgesorgt. Und falls die Problematik dann wieder auftritt, probiere ich etwas anderes. Bis zum Juli werde ich das passende Puzzleteil gefunden haben!

Wochenstatistik

Was von der Woche uebrig bleibt:

  • Gelaufene Distanz: 66.4 km
  • Gelaufene Zeit: 8:35 h
  • Hoehenmeter auf und ab: 702 m
  • Krafttraining: 2 Einheiten, 54 Sets, 1:33 h

Jetzt bin ich wirklich froh, dass ich meine Gedanken dazu zusaetzlich festgehalten habe!

Habt eine gute Woche 🙂

Eine Woche Sport

Seit dem letzten Beitrag ist erneut Zeit vergangen. Waere auch merkwuerdig, wenn sie in der Zwischenzeit stehengeblieben waere. Die Schilddrüsenwerte sind mit den Medikamenten fürs Erste im ausgewiesenen Normalbereich. Wieder abwarten.

Da habe ich mich gefragt: Was mache ich eigentlich so, neben den zwei Jobs und dem Haushalt und den Hühnern und allem, was sonst so zu tun ist? Da sollte doch noch massig viel Zeit über sein fürs Bloggen! Ist es aber irgendwie nicht. Kann daran liegen, dass ich relativ viel Sport treibe.

Da würde es sich eigentlich anbieten, davon zu berichten, oder?

Eigentlich ja. Aber ich habe keine Lust auf einen „OooOoh, guckt mal alle her wie spochtlich ich bin!“-Beitrag. Deswegen hab ich es lange nicht gemacht.

Jedoch ist das derzeit einfach mein Alltag. Egal wie das rüberkommt. Also raus damit.

Montag

Laut Trainingsplan habe ich heute die Wahl: 5 km gehen, 5 – 8 km laufen oder eine Stunde Skilanglauf.

Wann immer es mir moeglich ist, waehle ich die Option Skilanglauf. Immerhin habe ich diese Saison neue Skis und einen Saisonpass fuer das Loipensystem in der Stadt. Heute stelle ich mich auf eine langsame Tour ein, denn es schneit mal wieder und laut Webseite wurden die Loipen Samstagabend das letzte Mal gespurt.

Aber was solls. Gegen 10 h ziehe ich mich auf dem Arbeitsklo um, befreie mein Auto vom Schnee und fahre ca. 5 Minuten zu einer Einstiegsstelle. Motor aus, Ski an, los.

Meine Erwartungen bestaetigen sich: Ich komme nur langsam voran. Das liegt zum einen daran, dass meine Fortbewegungsenergie zum Schneeplattdruecken statt Vorwaertsgleiten verwendet wird. Zum anderen sind meine Beine noch etwas steif von den Laeufen am Wochenende. Immerhin sind es nur -6 Grad, da reicht meine duenne Regenjacke ueber dem langaermligen Kunstfaserpulli aus. Und eine Stunde vergeht so oder so, egal ob ich wie vor zwei Wochen 7 km oder wie heute nur 5.6 km in der Zeit skilaufe.

Meine Ski bahnen sich einen Weg durch den Schnee.

Dienstag

Um 5:59 h in der Frueh rolle ich im Buero meine Yogamatte aus, denn heute steht zuerst Krafttraining auf dem Plan. Mein Gehirn ist unheimlich kreativ darin, Ausreden zu erfinden warum ich heute kein Krafttraining machen kann. Zuhause ist wenig Platz, eigentlich haette ich nur den Flur zur Verfuegung. Aber Tyrel muss auch von A nach B gehen um sich morgens fertig zu machen. Im Buero ist mehr Platz. Also mache ich meine Uebungen hier. Und zwar bevor mein Hirn vollstaendig wach ist und mir erklaert, warum ich heute leider nicht trainieren kann.

Mein Krafttraining besteht aus acht verschiedenen Uebungen, die jeweils in Paerchen unterteilt sind. Ich mache also alle Wiederholungen von Uebung A, dann alle von Uebung B, dann gibt es 30 bis 40 Sekunden Pause. Das wiederholt sich noch zweimal, dann fahre ich mit Uebungen C und D fort, und so weiter. Ich arbeite mit Eigengewicht und mit Fitnessbaendern, ab und an brauche ich auch eine Hantel oder einen Stuhl. Aber keine Mitgliedschaft im Fitnesscenter, da wuerde ich eh nicht hingehen.

Schwitzen im Buero vor meinen Chilipflanzen und dem gerade erst ausgesaeten Basilikum.

Das heutige Programm beschaeftigt mich 32 Minuten lang, danach ist wieder Umziehen angesagt. Wie schoen es immer wieder ist, in eine trockene Unterhose zu schluepfen!

Ich sitze laengst am Arbeitsplatz bevor mein erster Kollege das Gebaeude betritt.


Gegen 11 h geht es weiter im Programm: Ein 5 km Lauf ist angesagt, bei dem ich die benoetigte Zeit notieren soll. Wahrscheinlich als Fitnessvergleich ueber die Dauer meines Trainingsplans gedacht, aber ich versuche bei diesen Laeufen, mich wirklich anzustrengen und vielleicht ein bisschen schneller als beim letzten Mal zu laufen.

Den Morgen ueber hat es wieder geschneit, heute ca. 4 cm. Die kleinen Wege fallen also flach, ich laufe stattdessen hin und her auf Nebenstrassen. Auf Strassen laufen, mehrmals die Richtung wechseln, sich verausgaben: Drei Dinge die ich am Laufen nicht mag. Zudem sind die Beine immer noch ziemlich schwer, wenn auch nicht so schwer wie gestern. Aber die Sonne scheint und wenn man besser werden will, dann muss man auch Sachen machen, die einem nicht so leicht fallen. Wenn man immer nur das Gleiche macht, dann wird man automatisch langsamer. Ich moechte jedoch etwas schneller werden!

Der Plan geht auf und ich erlaufe meinen Schnefaz (schnellsten Fuenfer aller Zeiten) mit 32 Minuten und 23 Sekunden. Ich kenne eigentlich keinen Laeufer, den diese Zeit beeindrucken wuerde. Ausser mich, ich bin ganz stolz! Die Haut und die Muskeln gluehen nach, als ich auf dem Arbeitsklo eine weitere trockene Unterhose anziehe.

Mittwoch

Heute ist der kuerzeste Sporttag der Woche: Nur 40 Minuten stehen auf dem Plan!

Dafuer sind es 40 Minuten lang Treppe hoch- und runtergehen. Und nicht nur irgendeine Treppe, es sind die in Whitehorse beruechtigten Black Street Stairs, also die Treppe an der Black Street (Schwarze Strasse).

Sie ist der einzige Fussgaengerweg, der ueber einen schroffen Abhang von der Stadt hoch zum Flughafen fuehrt. Die Stadt liegt im ehemaligen Ueberflutungsgebiet des Yukon Rivers unterhalb der sogannten Clay Cliffs (Lehmklippen), der Flughafen auf der Hochebene darueber.

Treppe, von unten nach oben.

„Ist das nicht unguenstig, eine Stadt im Ueberflutungsgebiet zu bauen?“, fragt sich der geneigte Leser eventuell. Gar kein Problem – man baut einfach einen grossen Damm flussaufwaerts der Stadt um die Spannung ein wenig zu erhoehen in wasserreichen Zeiten. Da lobe ich mir die alten Aegypter, die die Ueberflutungszonen im fruchtbaren Nildelta zum Ackerbau nutzten… Fragt sich eigentlich noch jemand, warum wir im Geschichtsunterricht gefuehlt vier Halbjahre lang das antike Aegypten, acht Halbjahre lang die deutsche NS-Zeit und den Rest ein bisschen franzoesische Revolution und Prager Fenstersturz durchgenommen haben? Es gibt so viele interessante Dynastien, von denen ich noch nie gehoert habe!

Aber ich schweife ab. Eigentlich wuerde ich lieber „echte“ Haenge hoch- und runtergehen. Aber das existiert derzeit nur im tiefen Schnee oder auf einer Strasse. Dann lieber die Treppe, ganz ohne Autos.

Vor der ersten Treppeneinheit dachte ich, dass es mir bestimmt mental sehr schwer fallen wird. Stumpf ohne Sinn und Verstand hinauf, hinab und wieder hinauf. Doch es macht mir nichts aus, die Zeit vergeht schnell. Mal schiebt jemand sein Fahrrad mit ueberdimensionierten Reifen die Treppe hinauf. Mal startet ein Duesenjet hinter dem Zaun am oberen Ende der Treppe. Und manchmal habe ich sogar ein wenig Gesellschaft und jemand anders begibt sich ins Treppensteig-Fegefeuer.

Boeing 737-500 hinter einem Zaun, kurz vor dem Abheben.

Wenn nichts Interessantes geschieht und mein Gehirn eine Zeit lang auf Autopilot geschaltet ist, ploppen interessante Themen auf. Ca. 15 Minuten lang versuche ich mich zu erinnern, wie Kamelohren aussehen. Sind sie etwas groesser und umklappbar, damit sie verschlossen werden koennen? Oder sind sie winzig klein und haarig? Ich glaube sie waren eher klein. Kann man sie ueberhaupt sehen? Wie sind sie konstruiert, dass Sand auch wieder herausgeschuettelt werden kann? Es waere doch gut, wenn so eine Art Sandstopp eingebaut waere. Aber Moment, so ist unsere Uhrmuschel doch auch aufgebaut, sonst waere sie doch nur trichterfoermig, oder? Warum hat es die Natur nicht eingerichtet, dass man sich mit ein wenig Luft die Ohren selbst freipusten kann? Oder waere das zu laut?

Treppe, von oben nach unten.

Es tut mir wirklich gut, solche Freiraeume von Berieselung zu schaffen. Ansonsten bin ich immer mit irgendetwas beschaeftigt oder schlage die Antwort schnell im Internet nach. Meine Gedanken koennen am besten fliegen und kehren geordnet wieder zurueck, wenn ich mich monoton koerperlich unter freiem Himmel betaetige. Fuer diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar.

Schliesslich sind die 40 Minuten um. Ich bin in der Zeit zehnmal die Treppe hoch- und wieder runtergegangen plus ein Drittel wieder hoch. Mit gummiartigen Beinen wackel ich zum Auto und freue mich auf eine heisse Dusche.

Donnerstag

Donnerstag startet wieder mit einer Einheit Krafttraining um kurz vor 6 Uhr morgens im Buero. Gleicher Ablauf wie Dienstag, nur die Uebungen sind anders. Heute werden vor allem die Schultern trainiert, was mich ganz schoen zum Schnaufen bringt.

Fuer spaeter stehen noch 45 bis 60 Minuten Laufen auf dem Plan.

Leider kann „später“ nicht wie gewohnt am späten Vormittag passieren, ein paar Termine kommen dazwischen und schließlich das Mittagessen, das zum Laufen zu schwer im Magen liegen würde. Der frühe Nachmittag vergeht und das Arbeitsende rückt näher. Jetzt macht es auch keinen Sinn mehr, von der Arbeit aus zu laufen. Außerdem muss ich gleich ein paar Erledigungen in der Stadt machen. Und später habe ich noch einen Kurs von Zuhause aus. Vorher muss ich unbedingt Abendessen zubereiten und essen, damit ich danach zügig und Bett gehen kann.

Und ganz ehrlich, hat sich dein Zeh nach dem flotten Fünfer am Dienstag nicht etwas gereizt angefühlt? Nicht dass du dich eine Blase läufst! Vielleicht solltest du das Laufen heute ausfallen lassen? Es scheint alles dafür zu sprechen…

Nein.

Ich keine meine Schweinehunde und alle ihre Tricks. Sie meinen es bestimmt gut mit mir, aber ich meine es mindestens genauso gut. Also fahre ich nach den wichtigsten Erledigungen in der Stadt beim Wildtiergehege vorbei und laufe dort. Als Kompromiss laufe ich zwar flott, dafür aber nur 45 Minuten statt einer Stunde. Und stimmt, am linken Fuß zwischen Ballen und großem Zeh fühlt es sich wirklich ein bisschen danach an, als könnte sich eine Blase bilden. Mal sehen. Jedenfalls fühle ich mich gut, dass ich die 6,6 km gelaufen bin im schönsten Sonnenschein, der durch die Schneelandschaft noch strahlender wirkt. Mein restliches Abendprogramm läuft ab wie geplant.

Bisons, luemmeln als schwarzbraune Punkte im Schnee.
Sonne, strahlt am tiefblauen Himmel.
Schnee und Berge, soweit das Auge reicht.

Freitag

Heute ist laut Plan mein Ruhetag. Allerdings ist Freitag auch Fleischertag. Er ist also nicht geprägt durch Abwesenheit von Bewegung, sondern eher ein Rehatag. Umgeben von lieben Menschen und köstlichen Fleischwaren stelle ich heute drei verschiedene Wurstarten her: eine frische Blaubeerbratwurst, eine frische Bison-Cranberry-Bratwurst und eine ungarische Salami. Außerdem räuchere ich die eindrucksvollen summer sausages, die gestern hergestellt wurden. Summer sausages, auf Deutsch Sommerwuerste heissen so, weil sie gepoekelt und heissgeraeuchert sind und so auch an warmen Tagen gerne auf Campingtrips und Picnics mitgenommen werden. Sie verzeiht die fehlende Kuehlung, schmeckt gut und unbedenklich. Eben nach Sommer.

Ich mit roher summer sausage in den Haenden, vor Schweinehaelfte, Hand- und Bandsaege.

Samstag

Einen Tag am Wochenende absolviere ich einen langen Lauf, den anderen Tag einen kürzeren. Je nachdem wie es am besten passt. Und eine Kraft- und Dehnungseinheit steht auch noch auf dem Programm.

Wenn es mir möglich ist, laufe ich den langen Lauf am Samstag, dann ist der abgehakt und kann nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Dieses Wochenende bedeutet lang: Drei Stunden laufen. Die letzten drei Wochenenden bin ich jeweils zwei Stunden gelaufen, dann sollte ein Stündchen mehr doch auch zu schaffen sein.

Die Wege in den Bergen sind zu dieser Jahreszeit zu instabil zum Laufen oder von Schneemassen begraben. Auf der Straße mag ich nicht laufen. Also fahre ich wieder zum Wildtiergehe. Kein Verkehr, aber dafür ein saftiger Hügel auf einer achtförmigen fünf-Kilometer-Runde.

Dallschafsbock. Die Vorderbeine sehen aus, als haetten sie Knie. So haette ich sie gemalt!

Die erste Runde starte ich langsam. Ich bin der erste Besucher und kann die frisch ausgeruhten Tiere anfangen optisch abzunutzen, während ich Laufschritt für Laufschritt meinen Tagessoll abspule. Dabei finde ich immer wieder spannend, wie mein Körper reagiert. Zuerst ist alles locker, dann schmerzen die Waden ein bisschen, dann fühle ich mich blendend, dann bekomme ich ein bisschen Seitenstechen, dann habe ich keine Lust mehr, dann geht’s mir wieder prima, dann fühlt sich das eine Knie komisch an, dann meldet sich die latent vielleicht vorhandene Blase unter dem linken Fußballen von Donnerstag, dann hab ich keine Lust mehr, dann bin ich super motiviert, dann ist eine Hüfte beleidigt und dann ergibt sich alles und sagt „Ok, sieht so aus, als ob wir jetzt erstmal laufen. Ist okay.“.

Bewoelkte Landschaft, aber heitere Stimmung!

Nach drei Stunden fühle ich mich gut und bin froh, zum ersten Mal nach meinem Berglauf letztes Jahr eine längere Strecke als 16 km gelaufen zu sein. Genauer gesagt kamen ganze 23.7 km zusammen – mehr als ein Halbmarathon!

Meine Lieblingsstation im Wildtiergehege: Schneeziegen. In diesem Bild verstecken sich mindestens neun Ziegen.

Später am Tag sind die Beine wieder schwer, aber nichts tut weh. Ich futtere für zwei, putze ein bisschen und schiebe ansonsten eine ruhige Kugel.

Elchbulle, er stdiert mich genauso wie ich ihn.
Ich, erleichtert um drei Stunden Laufen.

Sonntag

Der Sonntagmorgen startet wie gehabt mit Kraftübungen für die Körpermitte und -spannung, abgeschlossen mit Dehnübungen für Vorderbein, Hinterbein und Wirbelsäule.

Anstrengend ist das für mich, ich habe immer noch Schwierigkeiten mit allem, was auf -stütz endet. Aber deswegen mache ich es ja. Auch die Dehnübungen zeigen mir auf, wie wenig beweglich ich bin. Macht nichts. Danke, lieber Körper!

Später am Tag geht es auf zum letzten Programmpunkt der Woche: 45 Minuten laufen.

So richtig Muskelkater habe ich nicht, es tut nichts weh. Aber alle Muskeln, die sonst beim Laufen ganz unbewusst angesteuert werden, kann ich heute spueren. Es ist kein „Ich will nicht bewegt werden“, sondern eher ein „Ich bin da. Vergiss das nicht.“. Ich vergesse nicht und laufe gemuetlich. Trotzdem alle Muskeln und ich als harmonische Einheit 6,1 km.

Und warum das alles?

Aus Neugier.

Ich bin neugierig auf das Leben und darauf, was möglich ist, wenn man Zeit und Energie für ein Ziel aufbringt.

Bei meinem Lauf im letzten Jahr habe ich mit Leuten gesprochen, die die ganzen gut 80 km des Kurses gelaufen sind. Die wirkten ganz normal, sahen weder krass trainiert aus noch hatten sie ausgekluegelte technische Ausruestung dabei. Was unterschied sie also von mir?

Als ich nach 17 km keinen Schritt mehr vor den anderen setzen konnte und noch 27 km vor mir lagen, da ist etwas in mir passiert. Was ich war, ist ein Stueck weit auseinandergefallen und hat sich bis zum Ende des Kurses neu zusammengesetzt. Basierend auf dem Wissen, dass so viel mehr im Leben moeglich ist.

Ist es auch moeglich, dass ich diese 80 km laufe, ganz allein?

Ich habe keine Ahnung und nichts zu beweisen. Aber ich bin so neugierig darauf, die Antwort herauszufinden. Ob ich letztlich ins Ziel komme oder auch nur zur Startlinie, spielt keine grosse Rolle. Sich etwas voll zu widmen, das man fuer fast unmoeglich haelt und auf dem Weg dahin soviel Neues zu entdecken. Darin liegt fuer mich der Reiz und die Schoenheit.

Sonnenwende

Ich mach mich auf

Und lauf durch tiefen Schnee

Um mich herum nur Weiss und Grau

Die Sonne werd ich nicht sehn.

Schnee, fallend.
Kiefern, stehend.
Weg, behangen.
Weg, ueber Berggrat.
Pappel, beschneit.
Fluss, gefroren.

Ein wunderschoener Tag gestern, an dem die Welt wie durch einen schwarz-weiss Filter auf mich wirkt.

Doch der Winter hat auch andere Farben.

Zwei Nebensonnen in Terracotta.
Drei Nebensonnen in Gold.
Elchkuh in Braun.
Schnee in Gelbgrau.
Ich in Frostig.

Eine warme und waermende Weihnachtszeit euch allen!

Frostig-frohe Gruesse aus dem Yukon,

Luisa

Sommer

Rasch, rasch

Mit dem Kescher

Fange die Momente ein!

Gruen und wuchernd,

Rot und voll,

Bunt und wuselnd,

Gold und warm.

Davon hat’s noch nicht genug –

Muss doch reichen

Fuer die Tage

Wenn die Sterne wieder strahlen.

Wenn die Nasenhaare frieren,

Wenn der Ofen wieder brennt.

Dann, nur dann

Spinn ich die Faeden

Der fluechtigen Waerme

In ein seelenwaermendes Garn.

Essbare Blueten in Garten: Kornblumen, Veilchen, Stiefmuetterchen, Katzenminze.
Mein Rucola blueht und ich finde die weissen Blueten so wunderschoen.
Reiche Ernte: laenglich-blaue haskap berries oder Honigbeeren.
Selbst die Bergziege im Tiergehege zieht das Winterfell aus.
Malen mit Filzstiften: Der Takhini River.
Mein Gemuesegarten samt Regenbogen.
Im Ueberfluss wachsende highbush cranberries, eine Art des Schneeballs.
Auf der Hauptstrasse in Whitehorse: Fussgaengerueberweg in deutschen Nationalfarben.
Ich versuche mich an Stand Up Paddling – Paddeln im Stehen.
Arma, guter Laune beim Spaziergang.
Senfblueten in meinem Feld.
Fireweed (Weidenroeschen) in meinem Haferfeld.
Sahne schlagen ohne Strom mit Akkubohrmaschine.
Das Ergebnis: Haskap-Mohn-Eiscreme, selbstgemacht.
Selbstgegrillte Pizza mit Salami, Zwiebeln, Kaese, eingelegten Gurken, eingelegten Pfefferschoten und Dill.
Ich, bemehlt, beim Pizza backen.
Arma und ich machen Pause vom Wandern auf einer Steilwand.
Lohnende Aussicht mit Berg und Tal.

Wirklich?

Heute (Sonntag) morgen.

Unser Außenthermometer zeigt -32 °C an.

Es ist fast Mitte April und ungefähr ein halber Meter Schnee wartet noch aufs geschmolzen werden. Man gut, dass wir hier trockene Kälte haben…

Werden wir dieses Jahr einen Sommer haben? Wahrscheinlich mit extra dicken Mücken, durch das ganze Schmelzwasser.

Mir geht es wie meiner Lieblingshenne Brave.

Huhn, fassungslos.

Dabei fällt mir ein, warum gab es eigentlich keinen Film in dem Godzilla gegen ein riesiges Huhn kämpft?

Huhn, riesig.

Das Riesenhuhn würde natürlich für den Frühling und Weltfrieden kämpfen. Und gegen Fastfood, Riesenleguane und die UNO, versteht sich.

Ansonsten läuft es soweit.

Es soll diese Woche auch wärmer werden, wie schon seit drei Monaten.

Was bleibt uns anderes als zu warten?

Habt eine gute Woche, macht das Beste draus!

Ich, drücke auch mal ein Auge zu.
Ehemaliges Forstgebäude, erdrückt durch gefrorenen Niederschlag.
Sonne, zu beschäftigt gut auszusehen um auch mal Schnee zu schmelzen
Hühnernest, darin Henne Icicle, darüber Henne Coco.

Kalt und Platt.

Besonders neu ist das Jahr schon gar nicht mehr – hoechste Zeit, mal wieder zu schreiben!

Es folgen einige Updates zu meinem Leben.

Huehner

Meinen fedrigen Freunden geht es gut. Auch die derzeit frostigen Temperaturen am Morgen von -36 °C bis -40 °C stecken sie gut weg. Wenn es kaelter als -30 °C ist, lasse ich sie morgens nicht aus dem Stall. Dafuer aber fahre ich in der Mittagspause nach Hause, lasse sie in den Auslauf und gebe ihnen warmes Wasser und Apfelspalten.

Icicle (vorn) und Shadow im Winterfederkleid.
Fluffige Henne Brave wirkt etwas explodiert.

Nur wenn es morgens -40 °C ist, kommen die Huehner mittags noch etwas frostig aus dem Stall. In der Zeit hat die Sonne aber den Auslauf schon erwaermt, dass er mittlerweile waermer als im Stall ist. Die Temperatur im Stall halten die Huehner auf minimal -20 °C, doch der Auslauf heizt bei -36 °C Tageshoechsttemperatur bis auf -8 °C auf.

Natuerlich haette ich es gern ein bisschen waermer fuer die Huehner, aber eine Beheizung des Stalls waere angeblich gefaehrlicher fuer sie als die Kaelte an sich. Alle Waermeoptionen, die mit offener Flamme arbeiten, sowie auch Waermelampen, stellen eine immense Brandgefahr dar. Gerne haette ich ein paar leicht beheizte Platten aehnlich einer Heizdecke, aber dafuer reicht meine Elektrizitaet nicht aus im Winter. Bevor ich mir Huehner angeschafft habe, habe ich mit Bauern gesprochen, die Huehner ohne Strom und Heizung im Yukon-Winter halten. Aber wenn es dann so kalt ist, dass man sich vor dem Gang auf den Donnerbalken vermummen muss, dann sorge ich mich doch um meine lieben Huehner.

Frosthenne Icicle
Waerme steigt nach oben, daher rasten auch die Hennen gern auf hoeheren Sitzstangen.

Trotz den Temperaturen legen die Hennen noch Eier. Sogar mehr als es im Dezember der Fall war. Dreizehn dieser Eier uebergab ich meiner Vermieterin, denn sie wollte gern ein paar Huehner meiner grossen Rassen in ihre Herde integrieren (sagt man das bei Huehnern so? Sind doch eigentlich keine Herdetiere, sie leben eher in einer strikten Hierachie).

Jetzt liegen diese 13 Eier in ihrer Brutmaschine und werden meine Huehner vielleicht bald zu Eltern machen. Das finde ich ganz irre, immerhin sind die Huehner noch nicht mal ein Jahr alt! Dazu kommt, dass es sehr kalt war, als ich die Eier gesammelt habe, einige waren bestimmt angefroren. Nur die, deren Schale aufgeplatzt war, habe ich stattdessen aufgetaut und an Arma verfuettert. Apropos…

Arma

Arma ist schnell und voller Energie und Enthusiasmus. Und voller Unfallpotenzial.

Leider hat sie sich beim Rumtollen irgendwie die Hinterpfote aufgerissen. Es hat geblutet wie irre und man konnte bis auf den Knoechel sehen. Die Wunde wurde vom Tierarzt gesaeubert und geklammert. Durch die mit inbegriffene Narkose schwebte Arma fuer den Rest des Tages in anderen Sphaeren.

Arma unter Drogeneinfluss.

Nach zwei Wochen Leinen- und Verbandspflicht sollten die Klammern entfernt werden. Leider entfernte Arma sich einen Tag vorher ihren Verband selbst und leckte ein paar Stellen an ihrer Pfote wund. Jetzt sind die Klammern draussen, der Verband bleibt trotzdem noch erhalten.

Arma, Gesichtsausdruck wie ausgestopft.

Jetzt ueberlege ich, ob wir fuer sie eine Unfallversicherung abschliessen sollten. Es scheint ja nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich mal etwas bricht – und dann ist man gleich mehrere Tausender los.

Ich

Ich selbst bin ein wenig schlapp derzeit. Woran es liegt, weiss ich nicht genau.

Folgende Faktoren koennten dazu beitragen:

  • Es ist kalt und mein Koerper ist im Winterschlaf.
  • Mein Immunsystem kaempft insgeheim gegen eine Erkaeltung an.
  • Der Fakt, dass meine Arbeitsstunden erhoeht wurden und ich jetzt eine 44 h Arbeitswoche habe, schlaegt mir aufs Gemuet.
  • Ausser verlaengerten Wochenenden habe ich meinen letzten Urlaub im Oktober 2019 gehabt.
  • Coronamuedigkeit, wir kennen es alle.

Was mir gegen den letzten Punkt hilft, ist meine Kreativitaet in Punkto Maske auszuleben.

Ich im Buero, mit Ganzkopfmaske.

Bei den vorherrschenden Temperaturen muss man draussen eh eine Maske tragen um die Atemwege vor der Kaelte zu schuetzen, Virus hin oder her.

Ich, frostig.

Ausserdem habe ich es geschafft, einen Platz in einem oertlichen Toepferkurs zu ergattern! Zwei Stunden hatten wir schon, natuerlich mit Maske und Abstand. In der ersten Stunde haben wir uns an der Toepferscheibe versucht und in der zweiten Stunde dann die Resultate verfeinert und noch ein wenig mehr getoepfert.

Toepferei, Woche 1.
Die gleichen Schalen nach Woche 2, jetzt warten sie auf das erste Feuern.

Jetzt warte ich auf noch laengere Tage und waermeres Wetter. Dann werde ich mich versuchen, davonzustehlen von beiden Jobs und Ski zu laufen. Irgendwo ausserhalb jeglichen Empfangs. Denn ich weiss, dass mir das unheimlich hilft, gegen die Schlappheit oder gegen das Gefuehl, in einem Hamsterrad zu leben. Bewegung in der Natur, nur fuer mich allein. Dann fliessen meine Gedanken, Bewegung kommt in das eigene System und in die Glaubenssaetze, die man fuer sich so geschrieben hat und ich fuehle mich ganz frei.

Frei wie die Skilanglaufspur auf diesem Bergruecken.

Tja und bis das soweit ist, gebe ich mich einfach der Schlappheit und der Kaelte ein wenig hin und mach es mir mit einem Tee und der Waermflasche auf dem Sofa gemuetlich, nur um anschliessend ins Bett zu wandern.

Bleibt warm! 🙂

Zwischen den Jahren

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. One for the books – Eins fuer die Geschichtsbuecher, merkte meine Freundin an. Viele Plaene hat es durchkreuzt, aber doch auch viele Chancen gegeben, Chancen sich selbst nochmal neu kennenzulernen und auszurichten. Sich zu ueberlegen, was wirklich wichtig ist im Leben. Ob man vielleicht etwas anders ausrichten sollte.

Mein 2020 fing sehr hoffnungsvoll an. Ich wollte einen Marathon laufen, das Feld bestellen und Huehner halten. Das mit den Huehnern hat geklappt und macht mir nach wie vor viel Freude. Das Feld ist nicht bestellt, aber schon gut vorbereitet fuer 2021. Einen Marathon bin ich dieses Jahr nicht gelaufen, dafuer insgesamt ueber 1000 km. Kleinvieh macht auch Mist. Wenn man gelaufene, geradelte und Ski gelaufene Kilometer zusammenzaehlt, komme ich sogar auf ueber 2000 km und 255 Stunden Ausdauersport. So aktiv war ich noch nie, trotzdem fuehle ich mich selbst nicht sportlich. Vielleicht liegt das daran, dass ich in meiner Kindheit und Jugend so sehr unsportlich war. Oder kann man in das sportliche Gefuehl noch reinwachsen?

Auch gab es viel Streit in meiner Ehe in 2020. Wie geht man mit der Pandemie um, wer erledigt welche Arbeiten, wie soll die Zukunft aussehen? Was fuer ein Kraftakt! Doch wenn was schwelt, soll es auch rausgelassen werden. Und in den letzten Wochen haben wir wieder einen guten Weg miteinander gefunden. Mir ist klar geworden, dass das ein Muster ist in meinem Leben, das ich gern ablegen wuerde. In einer Beziehung bin ich in den ersten Jahren oft zu angepasst, beziehungsweise so verliebt, dass ich meine eigenen Beduerfnisse fast vergesse. Dann wache ich auf nach ein paar Jahren, schaue mich um und bemerke, dass mir der Schuh nicht passt. Da ich nicht sehr (bzw. ueberhaupt nicht) diplomatisch bin, bedeutet das dann schnell Kopf durch die Wand und Eskalation. In der Hinsicht moechte ich gern an mir arbeiten. Lernen, in jeder Situation bei mir zu bleiben, meine Beduerfnisse zu kennen und zu kommunizieren. Ansonsten trag ich das noch ein ganzes Leben mit mir rum!

Daraus leitet sich mein Wunsch fuer 2021 ab. Ich moechte ganz bei mir bleiben, dabei aber offen und flexibel fuer alle Chancen, die sich bieten. Nachdem sich 2020 fuer mich oft nach Stillstand und Ausharren angefuehlt hat, wird 2021 vielleicht wild und voller Umbrueche. Ausserdem moechte ich gerne Kunst schaffen. Manchmal habe ich das Gefuehl, dass ich ein Kuenstler bin, der im Ingenieurskoerper gefangen ist. Und 2021 moechte ich einen Kanal finden, mich auszudruecken. Etwas zu schaffen, das es vorher in dieser Welt noch nicht gab. Wie genau das aussehen wird, weiss ich noch nicht. Toepfern wuerde ich gern mal ausprobieren. Und einen eigenen, kreativen Raum haette ich gern. Ein Leinenzelt im Feld. Wo nicht, wie in unserem Haus, alles praktisch sein muss. Sondern wo ich mich mit Farben und Formen umgeben kann, die mir gerade besonders gefallen.

Weiterhin moechte ich immer noch einen Marathon laufen. Und das Feld bestellen!

Kommen wir zu meinem Bild des Jahres.

Junghenne Icicle nach ihrem ersten Sprung auf meine Schulter.

Definitiv ein Huehnerbild. Die lieben Huehner haben mir so viel Freude bereitet in einem Jahr, das manchmal schwierig war. Dafuer bin ich sehr dankbar!

Die Sprungfreude der Huehner ist auch weiterhin gegeben.

Leider ist gestern ein Huhn ploetzlich gestorben. Das hat mich traurig gemacht. Henne Moonlight, mit der ich ein ambivalentes Verhaeltnis hatte, gibt es nicht mehr. Sie hatte keine Wunden, Parasiten oder sonst etwas, was ihren Tod haette erklaeren koennen. Genuegend Futter und frisches Wasser ist natuerlich vorhanden. Und Krankheitsanzeichen hatte sie auch nicht, sie war munter wie die anderen.

Machs gut, Moonlight, du huebscheste Henne!

Ich habe mit anderen Huehnerbesitzern gesprochen und auch im Internet gesucht. Aber anscheinend kommt es hin und wieder vor, dass ein sonst gesundes Huhn ploetzlich stirbt. Manche Huehner erleiden einen Herzinfarkt oder bei manchen Hennen bleibt ein Ei stecken. Und dann war’s das.

Dem Tod von Moonlight sind ein paar Unruhen in der Huehnerschar vorausgegangen. Zunaechst gab es Anzeichen, dass Brave und Warrior von anderen Huehnern angepickt wurden. An den Huehnerhaelsen fehlten ein paar Federn, Ersatz wuchs aber schon wieder nach. Erstaunt war ich vor allem bei Warrior, ist sie doch die beste Freundin von Moonlight, die normalerweise andere Huehner piesackt. Brave und Warrior habe ich dann mit einem bitteren Anti-Pick-Spray behandelt, woraufhin keine weiteren Federn abhanden gekommen sind. Doch nachts, wenn normalerweise Moonlight alleine auf einer Seite des Stalls schlief, manchmal gemeinsam mit Warrior, da hatte sich das Blatt gewendet. Ploetzlich schlief Warrior allein und Moonlight schlief zusammen mit den anderen Huehnern und Hahn Daisy auf der anderen Seite. Und dann war Moonlight tot.

Bei dem stark ausgepraegten Sozialgefuege habe ich mich schon gefragt, ob Warriors fehlende Federn und ploetzliches Allein-Schlafen im Stall daher kommt, dass Moonlight sie ausgestossen hat, um wieder bei den restlichen Huehnern anzubaendeln. Und dann Moonlights ploetzlicher Tod. Aber wie gesagt, ein Huehnermord mit den ueblichen Waffen konnte ausgeschlossen werden.

Als ich am Abend aufschreiben wollte, wofuer ich an dem Tag dankbar bin, musste ich trotzdem nicht lang ueberlegen. Ich war dankbar, noch acht gesunde Huehner zu haben. Und dafuer, dass ich Ski laufen war. Dass mein Koerper dazu faehig ist, dass ich die Zeit und das Geld dafuer habe und dass ich inmitten einer wunderschoenen Landschaft leben darf.

Boreale Nadelbaeumchen, Loipe und Schnee.
Abfahrt in das zugefrorene Sumpfgebiet.
Im Sommer wuerde man hier im Morast versinken, im Winter gleitet man obenauf.
Die Sonne versinkt hinter den Bergen.

Vor allem versuche ich zu dieser Zeit die kurzen Tage und langen Naechte zu geniessen. Die ausgedehnten, dramatischen Sonnenauf- und -untergaenge. Das Alpengluehen. Den Sternenhimmel.

Gluehende Bergspitzen am Mittwintermorgen.
Schneelandschaft zur blauen Stunde.
Die Magie des ersten Sonnenlichts.
Schneebaeume vor Goldsonne hinter Winterberg.

Die Zeit um die Wintersonnenwende stimmt mich hier im Norden sehr besinnlich. Aehnlich muessen es unsere Ahnen erlebt haben, die noch verbundener und abhaengiger von der Natur und ihren Jahreszeiten waren. Die langen Naechte, eine wertvolle Gelegenheit zum Innehalten, zur Besinnung. Und auch zum Dankbarsein, zum Schenken. Die Weih-Nacht.

Wie schon die letzten vier Jahre hier hatten wir an Heiligabend ein Lagerfeuer zum Wuerstegrillen. Anschliessend gab es dann ebendiese Wuerste samt Kartoffelsalat zum Abendessen, dann jedoch im Haus.

Tyrel und das Tonnenfeuer.
Auf meiner heissen Schokolade schwimmen Marshmallows… Mhhh…

Am ersten Weihnachtsfeiertag besuchten wir unsere Freunde James und Joe. Danach war Ausspannen angesagt.

Ich habe ganz viele liebe Weihnachtsemails bekommen, denen ich noch Antworten schuldig bin. Doch ich beantworte schonmal die beiden meistgestellten Fragen. Ja ich hatte ein schoenes Weihnachtsfest. Nein, das Paket ist noch nicht angekommen, die kanadische Post ist extra schnarchnasig dieses Jahr. Dafuer kommt es bestimmt puenktlich zu meinem Geburtstag – ich melde mich spaetestens, wenn es da ist. 🙂

Vielen Dank fuer ein weiteres Jahr, in dem ihr euch fuer das interessiert, was ich schreibe. Danke fuer die vielen Kommentare, lieben Worte, Witze und guten Ideen! Ich hoffe auch ihr konntet einen Sinn in eurem Jahr 2020 sehen und habt gute Wuensche fuer 2021.

Alles Liebe und einen guten Rutsch,

Luisa

Huehner und Landschaft 2

Seit dem letzten Beitrag ist nichts Aufregendes passiert. Also folgen mehr Bilder von Huehnern und Landschaft, denn daraus besteht das Fotoalbum meines Smartphones.

Fangen wir an mit Huehnern.

Habe ich eigentlich schon einmal alle Huehner vorgestellt hier auf diesem Blog? Ich befuerchte strukturiert ist das noch nicht geschehen bislang.

Ameraucana Henne Icicle blickt zweifelnd.

Icicle ist das Huhn, welches am meisten menschenbezogen ist. Sie kommt gern kuscheln, fliegt auf Schultern und ist im Allgemeinen ein spezieller Charakter. Oft ist ihr Bart verklebt, weil sie sich tollpatschig beim Fressen und Trinken anstellt. In der Hackordnung ist sie eins der letzten Glieder. Einfach, weil sie sich oft nicht an Huehnerregeln haelt und dann von anderen zurechtgewiesen wird um aus deren Sicht die Sicherheit der Gruppe nicht zu gefaehrden. Icicle hat zwei Namen von ihrer Aufzuchtfamilie bekommen, der zweite lautet Ciel.

Orpington Henne Brave schaut psychotisch.

Brave ist wahrscheinlich meine Lieblingshenne, obwohl ich sie alle gern mag. Aber ihr unglaublich irrer Blick, gepaart mit der fuer mich perfekten Huehnerform mit kurzen Beinen und buschigem Hintern. Auch Brave ist menschenfreundlich. Vor allem aber liebt sie Futter. Konflikten geht sie meist aus dem Weg. Dadurch, dass sie so massig ist, wird sie aber auch selten zurechtgewiesen von anderen Huehnern. Im Sommer hat sie sich lieber streicheln lassen als im Winter. Es bleibt abzuwarten, ob sie im naechsten Sommer wieder zutraulicher wird, oder sich mittlerweile einfach zu erwachsen dafuer fuehlt.

Orpington Henne Moonlight schaut wachsam.

Moonlight hat durch ihr tolles Federkleid gute Showqualitaeten und koennte vielleicht einen Huehnerpokal gewinnen. Doch Huehnerausstellungen finden hier erstens nicht statt und zweitens wuesste ich auch nicht, ob sie daran Freude haben wuerde. Moonlight sieht es als ihre Aufgabe an, andere Huehner zurechtzuweisen und auch mal zu hacken, wenn sie die ungeschriebenen und fuer mich nicht immer ersichtlichen Regeln in Gefahr sieht.

Eine Zeit lang, vor ein paar Monaten, hackte sie auch mich, wenn ich ihr zu nah kam. Das fand ich nicht okay. Wenn das passiert ist, habe ich sie weggeschubst um ihr zu zeigen, dass ich die Autoritaet habe und mich ihrer Ordnung nicht unterwerfe. Das wiederum fand Hahn Daisy nicht lustig, der angerannt kam um mir zu zeigen, dass das hier seine Huehner sind und ich nichts zu melden habe. Allerdings hat mich Daisy nie gehackt oder sonst irgendwie attackiert. Er stolzierte nur neben mir her und rempelte mich ein wenig von der Seite an. Nach ein paar Hack- und Schubswechseln zwischen Moonlight und mir sind die Fronten anscheinend geklaert und es gab schon lange keine Auseinandersetzung mehr.

Ist das eigentlich gaengige Praxis, Huehner zu schubsen, um ihnen Benehmen beizubringen?

Lange Zeit dachte ich, dass Moonlight an der Spitze der Hennenhackordnung steht, da sie die Henne ist, die mit Abstand am meisten massregelt. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher. Oft schlaeft sie alleine in der rechten Seite des Huehnerstalls, waehrend alle anderen Huehner auf der linken Seite schlafen. Und morgens, wenn die anderen schon laengst im Auslauf sind, bleibt sie haeufig noch fuer einige Zeit alleine im Stall zurueck. Vielleicht geniesst sie aber auch nur ihre Zeit fuer sich.

Australorp Henne Coco schaut abwaegend.

Coco, die Ei-Pionierin, die das erste Ei legte! Coco ist fasziniert von Menschen und kommt gern nah. Allerdings ist sie nicht an Streicheleinheiten interessiert, sondern untersucht gern alles mit ihrem Schnabel. Ringe, Haare, Faeden, Ohrlaeppchen, eigentlich alles, was anders ist, wird pickend von ihr untersucht. Oft pickt sie auch das Eis und die Verfilzungen aus Icicles Federbart. Ihr Buerzel, also dort wo man einen Sattel auflegen wuerde, ist oft wenig befedert. Vielleicht, weil sie von Hahn Daisy haeufig beglueckt wird? Sie scheint immer guter Dinge zu sein.

Orpington Henne Flurry schaut etwas melancholisch.

Henne Flurry hat herzige braune Augen, ist jedoch eher menschenscheu. Sie ist eine lavender Orpington Henne und hat leider den Fehler geerbt, der haeufig bei lavender Orpington vorkommt: Ihre Federn, vor allem am Buerzel und Schwanz, sehen immer zerzaust aus. Flurry ist die einzige Henne, die ihren Kamm modisch nach links haengend traegt. Ausserdem ist Flurry eine von zwei Freundinnen von Moonlight.

Flurrys ausgefranzter Poppes im Detail.
Australorp Henne Warrior schaut muerrisch.

Warrior ist die zweite Freundin von Moonlight und schlaeft auch nachts manchmal neben ihr auf der Stange. Sie hat den einbeinigen Flamingostand perfektioniert und ist im Winter oft in dieser Pose vorzufinden. Genau wie Flurry und Moonlight ist auch Warrior eher zurueckhaltend Menschen gegenueber. Warrior war nach Coco die zweite Henne, die ein Ei gelegt hat. Dementsprechend waren ihr Kamm und ihre Kehllappen schon relativ frueh gross und rot. So konnte ich Warrior immer gut von Maple unterscheiden, deren Kamm und Kehllappen lange klein und farblos waren. Mittlerweile sind die optischen Unterschiede gering. Meist kann ich vom Charakter beurteilen, welches Huhn ich vor mir habe. Nur wenn sie still halten, wie in der Flamingo Pose, kann ich sehen, dass Warriors Kamm etwas kleiner ist und die mittleren Spitzen enger zusammen stehen als bei Maple.

Australorp Henne Maple schaut pikiert.

Maple ist sehr mutig und oft die Erste, die Neues ausprobiert. Sie ist als erstes nach dem Umzug aus dem Stall ins Freie gehuepft. Morgens ist sie meist die Erste, die schon vor Sonnenaufgang in den Auslauf geht und dort fleissig die von mir verstreuten Koerner aufpickt. Sie laesst sich zwar nicht gern streicheln, ist aber neugierig und menschenbezogen. Maple ist das einzige Huhn der grossen Rassen (Australorp und Orpington), das auf Menschenschultern und -ruecken fliegt. Die anderen Huehner machen das nicht mehr, seit sie gross, schwer und erwachsen sind. Maple ist staendig in Bewegung, daher sind alle aktuellen Bilder, die ich von ihr habe, unscharf oder verwackelt. Doch das ist eh der Standard bei meinen Huehnerbildern. Circa 90% der Bilder, die ich von ihnen schiesse, sind unscharf. Wahrscheinlich ist auch nicht zutraeglich, dass ich die Bilder mit meinem Handy mache, aber meist klappt es ja doch.

Ameraucana Henne Shadow schaut, als ob sie etwas plant.

Genau wie Icicle ist auch Shadow ein Ameraucana Huhn und wird eines Tages gruen-blaue Eier legen. Bislang ist das nocht nicht geschehen. Aber Shadow hat im Gegensatz zu Icicle schon einen tiefroten, ausgepraegten Kamm, was auf Reife hinweist. Shadow liebt es, genau wie Icicle und Maple, auf Personen oder hoehergelegte Objekte zu fliegen. Verkuschelt ist sie allerdings weniger. Wenn ein Huhn Futter am Schnabel oder am Kopf kleben hat, hilft Shadow sehr gern bei der Hygiene. Allerdings ist sie dabei nicht besonders zaertlich und das zu reinigende Huhn, oder auch Daisy, suchen schnell das Weite.

Australorp Hahn Daisy schaut stoisch.

Daisy ist ein toller Hahn. Er war und ist nie aggressiv gegenueber Huhn oder Mensch, er beschuetzt seine Hennen, ruft sie zu guten Futterstellen und laesst ihnen den Vortritt. Vor seiner Pubertaet war er auch kuschlig und liebte es, unter den Fluegeln gestreichelt zu werden. Das ist nicht mehr der Fall, dazu nimmt er seinen Hahnenjob wohl zu ernst. Wie auch Warrior ist Daisy in der Lage, auf einem Bein zu balancieren und nach Koernern zu picken. Ich bin wirklich froh mit meiner Hahnenwahl, Daisy ist ein echter Gentleman.

Jetzt wuerde ich euch gerne noch meine 36 anderen Huehner vorstellen. Dabei gibt es nur ein Problem: Ich habe sie noch nicht! 🙂 In 2021 wuerde ich wirklich gern meine Huehnerschar vergroessern. Allerdings braeuchte ich dazu einen groesseren Stall fuer den Winter. Und ob der dann noch transportabel ist, ist die Frage. Denn irgendwann werden wir wieder umziehen muessen. Ich ueberlege noch und kratze meinen Kopf ganz fleissig, wie sich dieses Problem elegant loesen laesst.

Fuer alle, die sich bis hierher tapfer durchgelesen haben, gibt es zur Belohnung Winterbilder.

Huehnerstall vor Morgenrot.
Fliegender Hund auf geraeumter Strasse.
Zaun, Feld, Berg.
Fast unberuehrter Schnee und ein Flugzeug am Himmel!
Schneehund bittet um Stockwurf.
Letztes Tageslicht.

Wenn die Temperaturen deutlich unter -15 °C sinken, finde ich manche Eier durchgefroren mit gerissener Schale vor, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Das finde ich schade. Aber Arma freut sich. Ueber Nacht taue ich die Fehleier auf und morgens freut sich Arma ueber etwas extra Eiweiss. Ich freue mich auch, immerhin wird so nichts vergeudet.

Arma wartet auf die Fresserlaubnis, waehrend Schnee auf ihrer Schnauze schmilzt.
Das Ei ist innerhalb von ein paar Sekunden aufgeschlabbert.

Aber auch die Huehner gehen nicht leer aus. Auf der Arbeit brachte mir ein Mechaniker eine Box voller abgelaufener Flugzeug-Notfallrationen in mein Buero mit den Worten „Als ich Huehner hatte, haben die das Zeug geliebt!“. Dankend habe ich also angenommen. Dass jemand an meine Huehner denkt, macht mich gluecklich.

Ein Block Notfallration enthaelt 2400 Kilokalorien. Jede ueberlebende Person darf einen Riegel a 200 Kilokalorien alle sechs Stunden essen.
Was mich ueberrascht hat, waren die Trinkanweisungen. Die ersten 24 Stunden soll man gar nichts trinken und danach einen halben Liter Wasser pro Tag. Wie soll man denn dann die vier trockenen Riegel runterwuergen?

Dass deutsche Flugzeuge solche Notfallrationen an Bord haben, bezweifle ich. In Kanada ist es vorgeschrieben, wenn man weite Strecken ueber unbewohnte Gebiete fliegt, aber ob die Definition auf Europa zutreffen kann?

Henne Icicle begutachtet eine noch eingeschweisste Ration.

Die Huehner durften testen. Ausnahmsweise wollte ich mal aus meiner Hand fuettern um zu sehen, ob die Notfallrationen wirklich so gut ankommen.

Icicle, Coco und Brave stuerzten sich gleich auf die Leckerei.
Kurz darauf gesellen sich Maple und Flurry dazu.

Fazit: Huehner gluecklich und satt, abgelaufene Nahrung wird verwertet, alle sind gluecklich.

Das Laecheln ist etwas eingefroren nach meiner Skitour zur Arbeit, aber es ist da!

Lasst es euch gut gehen!