Monat: Februar 2018

Dem Fruehling auf der Spur

Der Winter dauert hier im Norden relativ lange. So ungefaehr die Haelfte des Jahres macht er aus. Und bekanntlich geht man im Winter auch nicht ganz so haeufig vor die Tuer, der Kamin ist manchmal doch einladender als -30 Grad, Schnee und Dunkelheit.

Die Folge: Cabin fever, oder zu deutsch Huettenfieber.

Die Decke faellt einem auf den Kopf, die Waende kommen naeher und man ueberlegt, ob man jetzt nicht doch lieber die Sonne von Barbados zusammen mit den Flippers geniessen moechte.

Doch in Whitehorse gibt es jedes Jahr im Februar die Sourdough Rendezvous (deutsch: Sauerteig Verabredungen), die dieses cabin fever lindern sollen. „Los, wir gehen unter Menschen!“ fordere ich Tyrel auf. „Was willst du denn da?“ „Naja, es gibt lustige Wettbewerbe und Ahornsirup Toffees…“ „Aber die koennen wir doch auch selbst hier herstellen!“ „Keine Widerrede, wir gehen morgen da hin. Wenn du nicht mitkommst, gehe ich mit wem anders.“ „Na gut…“

Schliesslich sind wir in die Weltstadt Whitehorse gefahren und kommen in der Zeit zwischen zwei Wettkaempfen an. Kettensaegenweitwurf war gerade beendet. Die beste Zeit, um alle Fressbuden zu inspizieren und sich nach der letzten Bude beim vielversprechendsten Stand einzureihen. Es gibt einen Cheeseburger in einem Bannock (Indianerbrot, das die Ureinwohner von den ersten schottischen Einwanderern erlernt und abgewandelt haben). Gut ausgeruestet schauen wir ein paar Kandidaten dabei zu, wie sie mit einer Bogensaege ein Stueck Holz absaegen und anschliessend gesaegtes Holz mit einer Axt zerhacken. Meine Finger werden schnell kalt durch den Wind bei -15 Grad. Ich beeile mich mit dem Burger und lasse die Haende in meinen grossen Aermeln verschwinden, waehrend wir weiterschlendern.

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Ich beisse beherzt in den Bannockburger waehrend hinter mir handgesaegt wird.

Als Nachtisch gibt es natuerlich den Ahornsirup-Toffee, der mich hierher gelockt hat. Um ihn herzustellen, wird Ahornsirup aufgekocht und in einer Linie auf verdichteten Schnee gegossen. Nun legt man an ein Ende der Linie einen Eisstiel, wartet etwas und rollt die Ahornsirupmasse am Stiel auf. Fertig ist die kanadische Leckerei. Leider gibt es hier im Norden keine Hartholz-Baeume und somit auch keinen Ahorn. Aber die suedlichen Provinzen produzieren genug fuer uns alle.

Ein Toffee ziert meine Hand, waehrend wir uns die Schneeskulpturen ansehen, die Kuenstler aus verschiedenen Laendern hier ausstellen.

Meine Haende werden wieder etwas kuehl. Zum Glueck finde ich schnell ein Feuer, an dem ich sie wieder aufwaermen kann.

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Ich sitze auf einem Schneeblock vor einem Schneeholzstapel und waerme mir die Finger an einem Lagerfeuer, ganz aus Schnee an das sich auch ein Schneebaum lehnt.

Fuenf Minuten spaeter sehen wir wieder Leuten beim Holzsaegen zu, die dies augenscheinlich zum ersten Mal machen. Ich sehe mich um und bemerke, dass beim Seifenkistenrennen in Salzgitter Steterburg mehr los ist. „Komm Tyrel, lass uns spazieren gehen!“

Der grosse, baertige Mann hat keine Wahl und laeuft neben mir her am Yukon River, der fast komplett zugefroren ist dieses Jahr. „Wie schoen die Sonne scheint…“ Wir gehen eine ganze Weile nebeneinenander her. Die Sonne ist schon so kraeftig und trotzdem dauert es noch eine ganze Weile, bis der Fruehling wieder regiert. Wie komisch, es fuehlt sich schon so nach Fruehling an, trotz der -15 Grad! Da weist mich Tyrel auf etwas hin: „Schau, die Weiden!“

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Die ersten Weidenkaetzchen lugen unter Pulverschnee am Weidenzweig hervor.

„Wie geht das denn? Wachsen Pflanzen nicht nur, wenn es 5 Grad oder mehr sind? Wie koennen Weidenkaetzchen bei diesen Temperaturen einfach so herumplueschen?“ „Es sind Weiden, denen ist das Wetter egal.“ Ich nehme die Logik einfach so hin und freue mich, dass nicht nur ich den Fruehling gespuert habe.

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Frostiger Alltag

Von Klimaerwaermung ist diesen Winter nichts zu spueren: Es ist kalt. Sehr kalt.

Wenn es in Deutschland -16 Grad waren (das kaelteste, was ich dort erlebt habe), liefen die Telefone beim ADAC heiss, viele Autos sprangen nicht mehr an und wer nicht vor die Tuer musste, tat es nicht.

Nun ist es hier kaelter. An unserem Blockhaus ist es gerne mal bis zu 16 Grad kaelter als in Whitehorse, und selbst da ist es verdammt kalt.

Wie geht man um mit der Kaelte? Nun, es gibt verschiedene Stufen von kalt.

  1. Alles bis -20 Grad wird so behandelt wie +2 Grad in Deutschland. Man zieht sich morgens eine Jacke an und faehrt zur Arbeit. Wer nett zu seinem Auto ist, laesst es ein paar Minuten laufen, bevor er losfaehrt.
  2. So um -20 bis -25 Grad sollte man den Stecker am Auto in eine Steckdose gesteckt haben (Batteriewaermer und Motorblockwaermer), ca. 30 Minuten sind okay, etwas laenger ist gut. Das Auto vorzuwaermen bei laufendem Motor ist nun spuerbar dem Komfort zutraeglich.
  3. Bei -30 bis -35 Grad sollte man wirklich, wirklich das Auto fuer einige Zeit eingestoepstelt haben. Zwangsweise habe ich das Auto auch versucht, so zu starten, was nach ein paar Ueberredungsversuchen auch geklappt hat. Aber ich hatte viel Mitleid mit dem gequaelten Auto.
  4. Unter -40 Grad gehen Dinge kaputt.

Eines Morgens Mitte Januar wache ich puenktlich um 3:30 h auf, ziehe mich an, putze die Zaehne, heize den Kamin an und schaue auf das Thermometer. Mein Blick bleibt fuer ein paar Sekunden am Zeiger haengen. -46 Grad. Oha.

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Gegen Mittag hat Tyrel netterweise ein Bild vom Thermometer gemacht. Bei Sonnenschein zeigt es immerhin -45 Grad an und nicht mehr -46 wie noch um 3:45 am Morgen.

Letzten Winter habe ich -40 Grad erlebt, bin dann aber einfach nicht rausgegangen. Heute muss ich. Und zwar bald.

Naja, denke ich mir, -6 Grad sind kein Problem, genauso wie -16 Grad. Bei -26 und -36 Grad ist es gut, wenn das Auto eingestoepselt ist und man es vorwaermt und dann ist auch alles okay. Warum sollte es bei -46 Grad anders sein? Auf jeden Fall sollte ich es gut vorwaermen lassen, am besten 15 Minuten.

Schnell ziehe ich mir Jacke, Muetze und Handschuhe ueber und schleiche mit dem Autoschluessel bewaffnet zum Auto. Auf dem Weg dahin atme ich zu tief durch die Nase, die Luft beisst in meine Luftroehre und laesst mich husten. „Bloss flach atmen!“, denke ich mir und oeffne schliesslich die Autotuer und setze mich auf den Fahrersitz.

Die Tuer faellt hinter mir nicht ins Schloss. Nach 8 Versuchen gebe ich auf und stecke den Schluessel ins Zuendschloss bei offener Tuer und drehe ihn um.

Mein Auto starrt mich mit wortlosem Entsetzen an. Es macht kein Geraeusch, jedoch sind die Displays, die normalerweise Uhrzeit und gefahrene Strecke anzeigen, beleuchtet und blank. Nochmals drehe ich den Schluessel in die Ausgangsposition und wieder auf Start, doch nichts geschieht.

„Verdammt!“, denke ich mir. „Wie soll ich denn jetzt zur Arbeit kommen?! Der Truck ist noch nicht eingestoepselt, das wollte ich ja jetzt machen bevor ich fahre. So springt der mit Sicherheit nicht an! AAaah, Auto!!!“ und ich versuche es wieder und wieder. Schliesslich ertoent ein gequaeltes Leiern und das Auto springt tatsaechlich an! Auch wenn die Motorengeraeusche sich noch nicht allzu gesund anhoeren. Aber dafuer waermt es sich ja lang genug auf, bevor ich fahre. Die Gangschaltung befoerdere ich in den Leerlauf. Sowohl Kupplung, als auch Schalthebel lassen sich nur mit erheblicher Kraftaufwendung betaetigen.

Bevor ich wieder ins Haus gehe, muss ich aber noch die Lueftung anschalten, sonst fahre ich in einem Eisblock. Ich stelle die Lueftung von 0 auf 3 und statt Luft kommt mir ein ohrenbetaeubendes „UELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUE“ entgegen. Nach ca. 10 Sekunden verstummt das Geraeusch und ich habe getan, was zu tun ist. Nach dem Aussteigen laesst sich die Tuer auch nach 15 Versuchen nicht schliessen. Ich lehne sie an, so gut es geht, ziehe den Autostecker aus dem Verlangerungskabel, stoepsel den Truck fuer Tyrel spaeter ein und warte im Haus 17 Minuten ab.

Schliesslich muss ich los. Das Auto ist einigermassen warm von innen. Jedenfall mit Stiefeln, Jacke, Handschuhen und Muetze. Die Autotuer benoetigt weitere 18 Versuche, bis sie schliesst und das Auto aufhoert, vor Protest zu piepen. Und dann fahre ich auch schon los. Die Lenkung, Pedale und Schaltung sind sehr muehsam zu betaetigen aber das Autochen faehrt den Huegel hoch.

Einige Stellen unserer Zufahrtsstrasse sind voller Riffel. Das Auto macht komische Klappergeraeusche und fuehlt sich so fremd an, als wuerde es gleich in der Mitte auseinanderbrechen. In der Mitte der Riffelstrecke schwingt die Fahrertuer auf, laesst sich aber schon beim dritten Versuch schliessen.

Dann fahre ich schon auf der Strasse und anschliessend auf dem Highway. Puh, geschafft, ich bin auf dem Weg, denke ich mir und schalte das Radio ein um eine CD zu hoeren. Das Album Nifelwind von Finntroll ist eingelegt und es laeuft das Lied „I trädens sång“.

Die Lautstaerke ist mir jedoch etwas zu hoch, weswegen ich versuche, den Regler ein bisschen herunterzudrehen.

DAS KLAPPT ABER NICHT, DENN ES WIRD IMMER LAUTER, JE MEHR ICH HERUNTERDREHE!!! (Wer mag, kann die Situation gerne nachstellen ^^)

DANN SCHALTE ICH DAS RADIO EINFACH AUS und hoffe, dass ich keinen Herzinfarkt bekomme, wenn ich es wieder einschalte. Beim naeheren Betrachten sehen die LCD Displays auch nicht besonders gluecklich aus. Sie zeigen zwar Uhrzeit und Distanz an, haben ausserdem noch schwarze Aderchen in ungenutzten Feldern entwickelt.

Etwas weiter auf dem Highway sehe ich merkwuerdige Nebelschwaden, die sich in Bodenhoehe tummeln. Als ich hindurchfahre, bestaetigt sich mein Verdacht: Es ist Kaminrauch von den umliegenden Huetten, der bei diesen Temperaturen nicht emporsteigt, sondern augenscheinlich auf den Boden faellt.

Nach 20 Minuten Fahrt scheinen sich die Displays erholt zu haben und mir ist es moeglich, Fintroll in einer angenehmeren Lautstaerke zu hoeren.

Als ich letztendlich mein Ziel in Whitehorse erreiche, steht mein Auto wie jeden Morgen vor einem verschlossenen Tor. Ich muss das Fenster runterkurbeln und den Sicherheitscode eingeben, bevor es sich oeffnet. Die Zahlen liegen nur so dicht beieinander, dass ich dafuer meinen dicken Handschuh ausziehen muss. Obwohl es in Whitehorse „nur noch“ -36 Grad sind, tut mir meine Hand nach dem kurzen Tippen auf der Tastatur fuer ein paar Minuten weh.

Auf der Arbeit angekommen, stoepsel ich das Auto wieder in eine Steckdose. Ein Verlaengerungskabel habe ich immer dabei.

Ich gehe in mein warmes Buero, freue mich, dass alles so gut geklappt hat und meine Hochachtung vor den Ureinwohnern, die die Behausung teils mit Tranfunzeln gewaermt haben, steigt um ein Vielfaches.

Uebrigens gehe ich durchaus spazieren, wenn es bis zu -35 Grad sind. Man muss das Haus ja auch mal verlassen, sonst gibt es cabin fever, das Huettenfieber, was schon einige Verrueckte hervorgebracht hat.

Zwei Beweisbilder kann ich spontan liefern:

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Ein eisiger Spaziergang im letzten Winter bei -34 Grad. Trotz Gesichtsmaske sind alle feinen Haare von einer Eisschicht ueberzogen.

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Aufnahme von vor ein paar Tagen bei -36 Grad. Die flauschige Kunstfellmuetze ist mehr weiss als braun und auch am Nasenloch der Gesichtsmaske bilden sich Zapfen.

Habt eine gute Woche! 🙂

Job 4: Die Fluggesellschaft, Teil 2

Heute moechte ich ein wenig von meinem Arbeitsalltag als Technical Records Controller bei der Fluggesellschaft erzaehlen.

An meinen Arbeitstagen beginnt mein Morgen frueh. Sehr frueh. Um 3:30 h in der Frueh klingelt der Wecker, gegen 4:10 h sitze ich im Auto und fahre gen Stadt, damit ich aller spaetestens um 5 h da bin. Meist komme ich schon gegen 4:45 h an und gehe nachmittags etwas eher nach Hause. Aber ich weiss nie, wie die Strassenbedingungen morgens sind; daher ist ein Puffer eine gute Sache.

Ich laufe also morgens in mein Buerogebaeude, finde meinen Schreibtisch und einen Zettel, den ich mir am letzten Arbeitstag selbst geschrieben habe. Ein Blick in mein Email-Postfach zeigt mir, ob sich waehrend meines Feierabends noch etwas am Stand von gestern getan hat. Die grosse Frage ist: Welches Flugzeug fliegt zuerst, welche fliegen danach und welche sind vielleicht gar nicht in Whitehorse ueber Nacht?

Mit diesen Informationen gehe ich in den Hangar, was eine riesige Flugzeuggarage ist. Es ist wirklich ein schoener Anblick, morgens ganz allein zwischen den grossen Flugzeugen. Die Mechaniker der Tagschicht sind noch nicht da, das Licht ist gedimmt.

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Bei diesem Flugzeug wurde die Nase aufgeklappt, in der sich der Radar versteckt.

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Manchmal muss ich aus Platzmangel unter einem Flugzeug entlanggehen, was eine ungewoehnliche Sicht bietet.

Im Buero des Hangar angekommen, schaue ich auf meinen schlauen Zettel und schnappe mir das Logbuch des Flugzeugs, das als erstes fliegt. Falls das Flugzeug gestern geflogen ist, werde ich eine neue Logbuchseite ueberpruefen und in das Computersystem eingeben.

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Mein Taschenrechner liegt auf einer Logbuchseite.

Auf der Logbuchseite traegt der Pilot alle Flugdaten ein, so wie Zeiten, Anzahl der Landungen, Gewicht, Flughafen und technische Auffaelligkeiten. Meine erste Aufgabe ist es, die Berechnungen des Piloten zu ueberpruefen und gegebenenfalls zu korrigieren, bevor ich die Daten in die Instandhaltungssoftware uebertrage. Dabei kommt es auf die Richtigkeit von Flugzeit an („Flugzeugraeder verlassen den Boden“ bis „Flugzeugraeder haben wieder Bodenkontakt“) sowie die Anzahl der Landungen. Die einzelnen Instandhaltungsarbeiten von Flugzeugen sind naemlich gesteuert entweder nach Datum, Flugzeit oder Landungen. Alle sieben Tage muss zum Beispiel eine umfangreiche Inspektion erfolgen (keine Angst, jeden Tag natuerlich auch). Nach x Flugstunden muessen die Motoren endoskopisch untersucht werden. Und wenn das Fahrwerk eine gewisse Anzahl Landungen auf dem Buckel hat, muss es verschrottet und ersetzt werden.

In der Software ist jedes poplige Flugzeugteil in einer Instandhaltungskontrollnummer virtuell verbaut und weiss genau, wenn es bald inspiziert oder ausgetauscht werden muss. Dabei ist es egal, ob es sich um Bolzen, Verbandskasten oder Zuendpille im selbstausloesenden Feuerloescher im Motorraum handelt. Wenn die Lebenszeit begrenzt ist, wird genau verfolgt, wieviel Tage, Flugzeit und Landungen das Teil auf dem Buckel hat, seit es eingebaut wurde. Daher ist es wichtig, dass wir alles genau nachrechnen und eingeben, ansonsten kommt das ganze System ausser Takt und es wuerden entweder Arbeiten ueberfaellig oder zu frueh erledigt.

Warum muss man so penibel sein bei der ganzen Angelegenheit? Der ein oder andere wird es schon ahnen: Es ist gesetzlich vorgeschrieben. Wir werden vom kanadischen Transportministerium regelmaessig auditiert. Sollte es zu einem Vorfall oder sogar Unfall kommen, sind die Dokumente das Erste, was die Behoerden ueberpruefen. Falls man irgendwelchen Schindluder mit den Daten treibt oder sie zu seinen Gunsten anpasst, macht man sich persoenlich straf- und haftbar.

Nun aber zurueck zu mir gegen 5:05 h in dem kleinen Buero im grossen Hangar ueber dem Logbuch. Ich kontrolliere alle Berechnungen des Piloten. Falls mir eine Flugzeit unplausibel erscheint oder ich sie nicht lesen kann, schaue ich in unserer Flugverfolgungsdatei nach. Schliesslich gebe ich fuer dieses Flugzeug alle Daten ins System ein. Als naechstes pruefe ich, ob die taegliche Inspektion korrekt durchgefuehrt wurde und alle Stempel an den richtigen Stellen sitzen und lesbar sind. Stimmt etwas nicht, muss ein Mechaniker korrigieren, bevor das Flugzeug starten darf. Dann sichte ich alle Instandhaltungsarbeiten, die fuer dieses Flugzeug gestern ausgefuehrt wurden. Sind geplante Arbeiten dabei, aktualisiere ich die zugehoerige Instandhaltungskontrollnummer im System. Ungeplante Arbeiten werde ich spaeter im Buero erledigen.

Jetzt sind Flugzeit, Landungen und geplante Arbeiten im System aktualisiert und ich kann Berichte generieren und ausdrucken. Die Berichte kommen ins Logbuch und an die Wand im Instandhalterbuero. Aus ihnen ist ersichtlich, wann die naechsten Instandhaltungsarbeiten und Inspektionen geplant sind (wieder entweder bezogen auf Datum, Flugzeit oder Anzahl Landungen) und ob Instandhaltungsarbeiten ueberfaellig sind. Falls etwas ueberfaellig und nicht notwendig zum Fliegen ist, kann die Reparatur unter bestimmten Umstaenden fuer einige Tage zurueckgestellt werden. Ein gutes Beispiel hierfuer ist eine Kaffeemaschine von mehreren. Es geht auch ohne. Falls nicht genuegend Sauerstoffflaschen an Bord sind, weil eine angelaufen ist, darf das Flugzeug wiederum nicht starten.

Waehrend ich mit dem zweiten oder dritten Flugzeug beschaeftigt bin, kommt meist ein Mechaniker ins Buero und holt das Logbuch vom ersten Flugzeug ab. Ohne das Logbuch darf das Flugzeug nicht fliegen. Das Logbuch kommt ins Cockpit und das Flugzeug wird von einem Schlepperfahrzeug aus der Halle gezogen und zum Flughafen gebracht. Das ist auch der Grund, warum ich so frueh anfangen muss zu arbeiten. Die ganze Arbeit muss fertig sein, bevor das erste Flugzeug aus der Halle geholt wird.

Nachdem die Morgenroutine erledigt ist, gehe ich wieder in mein Buero. Je nach Tag bin ich nach 45 Minuten oder 3,5 Stunden auf dem Weg aus der Halle. Im Vorbeigehen bewundere ich nochmal die Flugzeuge. Alle drei Jahre muessen alle Flugzeuge uebrigens komplett auseinandergenommen werden in einem sogenannten Heavy Maintenance Visit, einem schweren Instandhaltungsbesuch. Dazu kommen eine ganze Menge speziell zertifizierte Mechaniker zu uns, damit sich unsere Mechaniker weiter um alle anderen Flugzeuge kuemmern koennen. Derzeit ist ein Flugzeug ziemlich nackig in der Halle. Hoffentlich werden keine gravierenden Maengel gefunden, sodass es nach ca. 8 Wochen wieder fliegen darf.

In den ersten Tagen in meinem neuen Buero habe ich mich gefragt, warum ich mich so heimisch fuehle. Die Antwort war einfach: Das Gebaeude, in dem ich sitze, ist in den gleichen Unternehmensfarben gestaltet wie das Stahlwerk, in dem 9 Jahre gearbeitet habe. Knallorange und stahlgrau. Was fuer eine Kombination.

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Eine orangene Wand erscheint hinter meinem grauen Buerowuerfel. Den Computerhintergrund ziert natuerlich ein Flugzeug!

Dann ist es auch schon Zeit fuer mein erstes Fruehstueck. Manchmal habe ich Glueck und im Instandhalterbuero sind ein paar Leckereien zu finden von nicht ganz leergefressenen Flugzeugen. Die lasse ich mir dann natuerlich schmecken.

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Heute gibt es einen Wurst- und Kaeseteller mit zwei Keksen und Mandarinen!

Den Rest des Tages bin ich damit beschaeftigt, alles was ich am Morgen fabriziert habe, nochmal zu rechnen und nachzupruefen. Schliesslich war es frueh und es ist wichtig, dass alles richtig ist. Dann kuemmere ich mich um alles ausserplanmaessige. Und falls ich immer noch Arbeitszeit uebrig habe, greife ich mir alte Logbuchseiten und ueberpruefe die nochmals genauestens, bevor die Dokumente schliesslich gescannt und archiviert werden koennen.

Das alles hoert sich uebrigens viel trockener an, als es ist. Es ist ja eigentlich nur Papierkram, aber man lernt so viel ueber Flugzeuge und jede Instandhaltungstaetigkeit ist verschieden. Wenn ich Fehler finde, muss ich haeufig nachforschen, was denn nun die Realitaet am Flugzeug ist, bevor ich es ins System eingeben kann. Dann muss ein Mechaniker nachgucken gehen. Und komischerweise verschafft mir das Auffinden und Korrigieren eine innere Befriedigung, die nur mit meinem genetischen Erbe zu tun haben kann. „AHAAA“ denke ich mir dann ganz laut und fuehle mich mega schlau. Ist mir ein bisschen peinlich vor mir selbst, ich bin doch eher der lockere Typ. Aber es bekommt ja keiner mit, es ist schliesslich ein innerer Ablauf, der erfreulicherweise dazu fuehrt, dass mir die ganze Arbeit Spass macht.

Neben mir arbeiten noch zwei weitere Technical Records Controller in meiner Abteilung. Die sind beide nett und helfen mir, wenn ich Fragen habe. Zudem essen wir alle sehr gern, was das Gemeinschaftsgefuehl noch verstaerkt. 🙂

Eine Kollegin hab ich mir geschnappt und wir haben zusammen ein Flugzeug gekapert… Naja fast, ich wusste dann doch nicht die ganzen Knoepfe zu bedienen. 😉

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Ich sitze am Steuer eine Boeing 737.

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Was macht man, wenn man vor einem Triebwerk steht? Natuerlich salutieren! 😀

Ich arbeite uebrigens 10 Stunden pro Tag und dafuer nur 4 Tage die Woche. Das finde ich sehr angenehm, so spare ich mir einmal die lange Fahrt und habe jede Woche ein langes Wochenende. 🙂

P.S. Meine Handykamera scheint langsam den Geist aufzugeben. Ich hoffe, ich kann die Qualitaet bald verbessern, sonst muss ich mir was anderes einfallen lassen.

Habt eine gute Woche!