Natur

Hundeleben

Erkenntnisse der ersten zwei Monate mit Hund:

  • Ich komme zu fast nichts mehr zu Hause!

Das ist einerseits gut, da ich auch nicht mehr dazu komme, auf dem Sofa zu hocken und das Internet nach lustigen Bildern abzusuchen. Jetzt bin ich auf jeden Fall haeufiger draussen, als es vorher der Fall war. Andererseits komme ich auch nicht mehr zum Bloggen, da der Hund direkt Bloedsinn anstellt, wenn man fuenf Minuten konzentriert etwas anderes machen moechte. Aaalso muss ich mich in der Hinsicht ein bisschen umorganisieren. Schreiben, wenn Tyrel mit dem Hund beschäftigt ist, zum Beispiel.

  • „Mein Gott, bist du groooss geworden!!“

Ein Ausspruch saemtlicher Freunde jedes Mal, wenn sie Arma erblicken. Erschreckenderweise ist es uns auch passiert, als wir sie nach sieben Tagen Deutschland aus der Hundepension abgeholt haben… Der Fotovergleich spricht fuer sich!

 

  • Einem Hundeblick ist schwer zu widerstehen.

Obwohl Arma jetzt schon deutlich weniger Welpe ist als noch vor zwei Monaten, zieht der klassische Hundeblick immer noch. Gemein: Besonders niedlich ist der Blick, wenn man sie gerade eher ausschimpfen als knuddeln sollte.

 

  • Manchmal waere man gern allein.

So eine (auch von Hunden) ungestoerte Privatsphaere hat echt was. Wenn man eine fiese Erkaeltung hat und ungestoerte Mittagsruhe halten moechte. Wenn man etwas kocht und einem eine Zutat auf den Boden faellt (die im Bauch des Hundes wirklich nicht mehr zu retten ist). Wenn man auf dem Klo die Unterbuchse runterzieht, um 0,3 Sekunden spaeter einen Hundekopf darin zu finden. Oder wenn man haeufig mit dem Auto fahren muss, weil man am Ende der Welt wohnt, aber dem Hund bei jeder Fahrt hoechst dramatisch uebel wird samt Erbrechen.

P_20190619_141746_p

Hund mit ueberdimensionalen, sich abseilenden Schleimzapfen an der Schnauze.

  • Eigentlich ist es aber ganz schoen.

Wenn Tyrel wild mit seinem Hund spielt, der im Anschluss zum Kuscheln dieses Mal jedoch lieber zu mir moechte.

Wenn man die Umwelt noch einmal mit messerscharfen Hundesinnen kennen lernt.

p_20190618_182700

Vorsichtiger Hund schnueffelt am Pferd.

Wenn ein vielfach geworfener Ball wirklich apportiert und hergegeben wird.

Und natuerlich wenn sich Arma jedes Mal aufs Neue von Herzen freut, mein manchmal auch genervtes und uebermuedetes Antlitz zu sehen. 

p_20190526_133101

Hund mit Herzchenaugen vor Postenkartenlandschaft

Werbeanzeigen

Freunde und Berge

Tyrel und ich sind ziemlich „socially awkward“. So eine richtig passende deutsche Uebersetzung dafuer kann ich nicht finden. Hier werden so Leute bezeichnet, die nicht wirklich asozial sind, sich aber irgendwie kauzig-komisch-unbeholfen in sozialen Situationen verhalten. Ja, ich kann sehr extrovertiert und wie ne Partybombe rueberkommen. Aber in meinem tiefsten Herzen bin ich aeusserst introvertiert und geniesse das Abgeschiedensein hier daher auch so sehr. Aus Ruhe und der Natur ziehe ich meine Energie. Tyrels Beduerfnis nach Ruhe ist in der Hinsicht noch staerker ausgepraegt. So kommt es, dass wir uns auch an Feiertagen so gut wie nie ins Getuemmel stuerzen, sondern unser eigenes Sueppchen kochen. Einfach, weils so schoen ist.

Jetzt kam aber Ostern um die Ecke und damit auch eine Einladung von unseren Freunden Berenike und Robert, uns ihr Grundstueck in der Wildnis anzusehen. Nach einer zweistuendigen Autofahrt wuerden wir unser Auto abstellen um nochmal 7 km mit dem Quad gen Nirgendwo zu duesen. Und auf dem Grundstueck erwartet uns ganz feudal ein wall tent (Zelt mit Holzrahmen auf Plattform mit Holzofen) und sogar ein outhouse (Ein gutes altes Klohaeusschen ueber ner Grube draussen).

Mal rauskommen. Mit Freunden. Einfach, aber bequem. Na klar!

Die kleine Arma wurde nicht lange gefragt, sie wurde schnell zu ihrer ersten Quadfahrt verholfen und hat sich auch kaum beschwert. Naja, bei der Aussicht…

K640_P_20190420_202234_p

Von links: Berenike, ich, Arma (man kann die Oehrchen erkennen) und Robert auf dem Quad. Auf Eis, vor Eis und mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Uns erwartete ein Stueck Land in Hanglage mit Seezugang und der richtigen Mischung aus Wildnis und Entwicklungspotenzial. Eigentlich ist es jetzt schon genau richtig – mit dem wall tent, das als Basislager fuer Entdeckungen des Umkreises dient. Ein sehr gemuetliches Basislager, welches aber zu wenig Annehmlichkeiten bietet, um es fuer Tage nicht mehr verlassen zu muessen, ohne dass die Wildnis den geneigten Bewohner vor die Tuer lockt.

Die Mitternachtssonne ist zum Glueck noch nicht unter uns, sodass wir bei einem stimmungsvollen Feuer sitzen und Geschichten austauschen konnten, bis das Innere des Zeltes doch zu verlockend wurde.

K640_20190420_221115

Links das wall tent mit Ofenrohr am Hang. Rechts Robert (von hinten), Tyrel (mit Arma) und ich (in rot). Ja, tatsaechlich ein unzensiertes Bild vom guten Tyrel!

Dem Wochenende zum Opfer fielen eine Nudel-Elch-Pfanne, ein gigantischer Hefezopf mit Himbeer-Chili-Konfituere, etliche Schweinehund-Broetchen, die noch vor dem Backgang wie niedliche Haeschen aussahen, eine Ladung frischgebackenes Indianerbrot mit Cranberries, und zwei Trinkflaschen abgefuellten Weins.

Arma hatte mit ihren gerade mal 10 Wochen Lebenszeit keinerlei Probleme. Sie genoss das Toben mit ihrer Freundin Opie (die am zweiten Tag langsam die Schnauze voll hatte von scharfen Welpenzaehnchen) und blieb immer brav in unserer Naehe.

K640_1

Opie doest, Arma faengt wieder an zu staenkern.

Bis zu meinem 26. Lebensjahr waren mir Berge ziemlich egal. Ist doch auch wie Flachland, nur anstrengender, oder? Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, ohne Berge zu wohnen. Die Anstrengung beim Besteigen eines Huegels zusammen mit dem darauffolgenden Ausblick… Da fuehle ich mich einfach ruhig und froh.

K640_20190421_112716

Wie schoen einfache Faltungen eine Landschaft doch machen koennen!

Zu Hause folgt die Weiterfuehrung des Gefuehls, das mich beim Ausblick auf Berge beschleicht: Ich moechte mehr Teil dieser Landschaft sein. Nicht zu bequem werden. Tyrel muss mal wieder herhalten fuer eine tiny house Diskussion.

Am Ende der Diskussion haben wir genuegend Punkte geloest, um ein grob ueberschlagenes Modell zu erstellen.

tiny

Links ist der Eingang, dann folgt eine kleine Gaderobe, der Holzofen plus Holz, ein Tisch mit Stuehlen, das Sofa und eine Kueche. Neben dem Sofa fuehren Treppen in ein kleines Kriechloft zum Schlafen. Unter dem Loft ist ein wenig mehr Stauraum.

Ob das Modell schon aehnlich aussieht wie das Endprodukt? Ich weiss es nicht. Aber es fuehlt sich schon gut an, wenn ich auf den Vorfahren meines zukuenftigen Basislagers blicke. 🙂

Wohndilemma

Nach knapp drei Jahren ist es schliesslich soweit: Tyrel und ich haben hier wirklich Fuss gefasst, gut bezahlte Vollzeitstellen und endlich endlich endlich alle Kreditkarten abbezahlt.

Dann stellt sich natuerlich die Frage „Und nun?“.

Zur Zeit leben wir zur Miete hier und zahlen ein Heidengeld fuer eine alte Holzhuette ohne Isolierung (20 cm Holzbalken auf 20 cm Holzbalken mit genuegend Stellen, an denen Wespen im Fruehling ins Haus kriechen koennen.

Leider ist das hier der Standard. Die guenstigste Wohnmoeglichkeit ist, sich ein Zimmer zu mieten in einer Wohngemeinschaft. Da zahlt man dann $700 = 463 Euro kalt plus Nebenkosten im Monat. Alles andere, wo man womoeglich sogar einen privaten Eingang plus Klo hat, ist dementsprechend teurer.

Warum das so ist, habe ich lange nicht verstanden. Hier gibt es doch wirklich genuegend Platz, oder? Die Antwort darauf ist, wie so haeufig in Kanada, die Behoerden haben gepennt. Whitehorse hat seit in den letzten 20 Jahren einen grossen Einwohnerzuwachs erfahren. Es wurden jedoch kaum neue Wohnmoeglichkeiten geschaffen. In den letzten Jahren, als die Haus- und Grundstueckspreise schon astronomisch gestiegen waren, wachte die Stadt auf und stampfte ein Neubaugebiet aus dem Wald. Das Problem ist nur, dass dieses Neubaugebiet ausschliesslich grosszuegige, gehobene Einfamilienhaeuser in Holzrahmenbauweise beinhaltet, die nun fuer $600’000 = 400’000 Euro verkauft werden. Und das bei deutlich hoeheren Lebenshaltungskosten, weniger sozialer Absicherung und vergleichbaren Einkommen zu Deutschland.

Das ist der Moment, bei dem man sehnsuechtig an Plattenbau denkt.

Unsere Situation ist nun diese, dass wir nicht laenger zur Miete wohnen wollen, aber gleichzeitig uns nicht leisten koennen, etwas zu kaufen.

Hmmmmm….

In anderen Teilen von Kanada bekommt man Grundstuecke hinterhergeworfen. Ich wuerde jedoch nur sehr schweren Herzens wegziehen. Wenn es wirklich Sinn macht, dann ja. Aber eigentlich… nee.

Was also tun? Sklaven der Bank wollen wir beide nicht sein.

Tyrel findet, wir sollten ein bisschen Geld ansparen und dann ins suedliche, flache Kanada ziehen.

Berge hinter mir zu lassen, wuerde mir wahnsinnig schwer fallen. Und ausserdem, wie sollen wir hier Geld ansparen, wenn wir es zum Fenster heraus werfen mit durch unsere Miete und Nebenkosten?

Und ueberhaupt, was passiert, wenn einer von uns mal laenger krank wird oder seinen Job verliert? Dann rasen wir wieder schnell ins Minus. Nachhaltig ist das nicht.

Ich habe viele Kollegen und Freunde gefragt, wie sie sich hier ein Haus leisten koennen. Die Antwort lauteten entweder „Wir/Unsere Eltern sind schon vor 10 (und mehr) Jahren in den Markt eingestiegen und haben bei Hausverkaeufen viel Geld gemacht.“ oder „Mach dir nicht so viele Gedanken, die Preise steigen doch weiter und in ein paar Jahren kannst du dein Haus dann gewinnbringend verkaufen!“

Aehm, und was ist, wenn die Preise nicht steigen? Mag sein, dass mir mein Masterabschluss in Business hier nicht viel weiterhilft aber diese Wette scheint mir wirklich zu riskant. Eine Hausfinanzierung ist hier mit 5% Eigenbeteiligung moeglich fuer bis zu 20 Jahre Finanzierung. Der Anteil, der dabei an die Bank geht und einfach so verpufft, macht mich ganz schwindelig.

Das heisst also, dass unser erstes Ziel sein sollte, so viel Geld wie moeglich anzusparen. Vor etlichen Jahren schon hat mir Peter Zwegat auf RTL2 erklaert, wie das geht: Einnahmen erhoehen (oft schwierig) oder Ausgaben senken. Und fuer was geben wir bei Weitem am meisten Geld aus? Genau, Miete und Nebenkosten. Aaaaaah!!

Schritt zurueck: Haben wir nicht schonmal diese Kosten gesenkt? Als wir zuerst nach Kanada kamen, haben wir doch auch kostenguenstig gewohnt. Nicht komfortabel und auch im Winter bei zwei Vollzeitstellen nicht durchfuehrbar, aber der winzige Wohnwagenanhaenger hat uns den Start ermoeglicht. Was, wenn wir nochmal in die Richtung gehen? Nicht in dem kleinen Wohnwagen, aber mobil, vielleicht ein bisschen groesser und auf jeden Fall mit Isolierung… Eine Idee war geboren. Also eher eine Idee fuer uns, denn es gibt immer mehr Leute, die kleiner wohnen wollen und daher ist die Tiny House Bewegung entstanden.

Nach etlichen Diskussionen, gedanklichen Entwuerfen und Mediationsgespraechen bei unserem Freund James gelang es Tyrel und mir auch, unsere Energien diesbezueglich in aehnliche Richtungen zu lenken. Wenn zwei Sturkoeppe aufeinandertreffen, muss man damit rechnen, dass man nicht immer einer Meinung ist. Aber wenn man sich dann einigt, arbeiten beide mit voller Energie zusammen, das ist umso besser!

Nachdem einige grundlegende Fragen geklaert wurden, suchen wir nun also nach einem Anhaenger (= trailer). Keinem Wohnwagen, sondern ein flacher, wo wir ein kleines Haeuschen draufbauen koennen. Nicht, dass einer von uns schonmal eine Hundehuette oder aehnliches gebaut haette. Von einem Haus ganz zu schweigen. Aber wenn man sich etwas ernsthaft vornimmt, sind dem in meiner Erfahrung kaum Grenzen gesetzt.

Das trailer Angebot in unserer Tagesfahrt-Umgebung ist relativ mau. Zur Auswahl stehen zwei nicht perfekte trailer; und in Diskussionen darum, ob dieser oder jener trailer fuer unsere Anspueche ausreichend waere. Ja, keine Ahnung!

Da ich praktisch veranlagt bin, fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt und besorgte eine Heissklebepistole samt Klebestiften und zwei grosse Kartons Eisstiele. Zu Hause hab ich einfach losgelegt. In den letzten Tagen hab ich mir ein wenig Theorie angelesen, wie in Nordamerika Hauser gebaut werden (aus Holzrahmen) und die maximalen Bestimmungen fuer trailer Masse auf kanadischen Strassen gewaelzt. Auf einer Muellsack-Tischdecke habe ich dann einfach drauflosgeklebt. Erstmal den Grundriss des einen Trailers, der in Frage kommt, im Massstab 1 : 24. Hierbei wird die Laenge eines Fusses in einem halben Zoll nachgestellt. Ja, Kanada benutzt offiziell das metrische System. Nein, in der Praxis wird es in vielen Faellen nicht benutzt. Der Bau ist einer dieser Faelle.

Nachdem die Bodenplatte erbaut war, ging es also an die Konstruktion der ersten Wand in Holzrahmenbauweise. Dazu muss klar sein, wo spaeter Fenster, oder in diesem Fall Tueren, eingesetzt werden. In Abschnitten, wo spaeter weder Fenster, noch Tueren sein werden, wird alle zwei Fuss (bei meinem Modell bei jedem Zoll) ein vertikaler Balken eingesetzt. Schliesslich bringt man horizontale Verstrebungen an, die das ganze versteifen und an die spaeter Regale und Wandschraenke angeschraubt werden.

Nach der ersten Wand musste ich dringend ins Bett. Und nach einer ausgiebigen Muetze Schlaf musste ich euch dringend von meinem neuen Projekt berichten. Aber heute Abend wird ganz sicher weitergeklebt.

Und hoffentlich folgt auf die Kleberei irgendwann auch Naglerei. Hoechstwahrscheinlich muessen wir uns fuer die Materialien Geld leihen. Aber durch die Mietersparnisse wuerden wir das Geld schnell wieder zurueckgezahlt haben, sobald wir im kleinen Haus wohnen.

Gedanklich bin ich jetzt schon eingezogen. Meine pragmatische Seite schreit und klagt die Luftschloesser an. Doch ohne Traeume und Plaene wuerde das kleine Haus ganz sicher nie Realitaet werden. Daher traeume ich einfach weiter. 🙂

Laufend unterwegs

Wer haette mal gedacht, dass ich freiwillig laufen gehe?

Leute, die mich schon laenger kennen, wissen, dass Sport eher nicht so meine Staerke ist. Eher essen, schlechte Witze erzaehlen und viel mit Freunden unternehmen.

Folgendes Bild von wurde vor 10 Jahren aufgenommen und zeigt mich beim Ausueben meiner damaligen Hobbies:

100_0866

Warum entscheiden zwischen Bier trinken und rauchen, wenn auch beides gleichzeitig geht?

Das Rauchen habe ich vor knapp 10 Jahren aufgegeben. Das Bier trinken hat mich noch laenger verfolgt. Erst vor wenigen Jahren wurde mir bewusst, dass jede am Nachmittag oder Abend konsumierte Flasche einen naechtlichen Toilettengang nach sich zog. Und um das in Kauf zu nehmen, schlafe ich einfach zu gerne.

Als ob es nicht genug gewesen waere, nicht mehr zu Rauchen oder zu Trinken. Trotz dem ich der Meinung war, dass Sport Mord sei, gesellte sich 2011 das gelegentliche Radfahren dazu. Und 2014 das Wandern. Nur Laufen, so stellte ich regelmaessig und vehement klar, Laufen hasse ich! Das kann ja auch gar nicht gesund sein. Lange braucht man nicht zu recherchieren, bis man auf negative Berichte ueber den Laufsport stoesst. Knie gehen kaputt. Marathonlaeufer sterben an einem bis dahin unentdecken Herzfehler. Vom Tod des ersten Marathonlaeufers ganz zu schweigen.

Wie kam ich also dazu, meine Vorbehalte aufzugeben?

Um mal laenger auszuholen: Anfang 2018 schaffte ich mir eine Personenwaage an. Ich wusste schon vorher, dass manche Hosen nicht mehr passten und wurde dann bestaetigt, dass ich am oberen Ende des Normalgewichts kratzte. Uebergewichtig war ich schon lange genug gewesen (BMI bis zu 28). Ist schon laenger her aber macht keinen Spass. Die Knie und der Ruecken tut weh sogar ohne schaedliches Lauftraining und ich war so schnell aus der Puste, dass ich an manchen Dingen gar nicht teilnehmen wollte. Darauf hatte ich also keine Lust mehr. Aber Diaeten sind jetzt auch nicht unbedingt mein Fall. Wenn ich auf was bestimmtes verzichte so wie Kohlenhydrate, dann bekomme ich erst recht Hunger darauf. Nur kleine Portionen essen mag ich auch nicht, das Gefuehl des Vollgefressenseins ist einfach zu himmlisch. Nicht die besten Voraussetzungen, um etwas abzuspecken.

Dann stiess ich auf die Seiten von Jens auf 5zu2.wordpress.com. Von Jens erfuhr ich, was Intervallfasten ist. Man isst entweder zweimal in der Woche einen Tag lang wenig, oder man isst taeglich 16 Stunden am Tag nichts. Hoert sich zu schwierig an, dachte ich. Doch dann fiel mir auf, dass ich bereits einige Wochen lang an Arbeitstagen 12 Stunden am Stueck nichts esse. Abends um 19 Uhr esse ich noch etwas, dann gehe ich schlafen, bin um 5 Uhr ohne Fruehstueck auf der Arbeit und bin erstmal so beschaeftigt, dass ich erst um 7 Uhr Zeit habe zu fruehstuecken. Hmm. 12 oder 16 Stunden sollten doch jetzt auch kein grosser Unterschied sein, oder? Im Februar 2018 probierte ich aus, statt um 7 Uhr mein Fruehstueck um 11 Uhr zu essen. Und es hat mir keine Probleme bereitet. Seitdem habe ich von 365 Tagen bestimmt 350 Tage das Intervallfasten 16:8 betrieben. Ich fuehle mich, als haette ich mehr Energie und ich muss mir keine Gedanken mehr darueber machen, was ich auf die Arbeit zum Essen mitbrigen (Ich esse seit ca. 10 Monaten jeden Tag das gleiche auf der Arbeit). Darueberhinaus habe ich 13 kg abgenommen und jetzt einen BMI von 20, mein Mindestgewicht seit 12 Jahren.

Doch waehrend des Abnehmens fragte ich mich dann, wozu ich das eigentlich mache. Um den Beschwerden vorzubeugen, die ich als Uebergewichtige hatte. Aber gehoert dazu nicht noch mehr als eine bestimmte Zahl auf der Waage zu sehen? Mitte Juni gegen 22 Uhr, draussen ist es noch taghell, verkuendet Tyrel, dass er jetzt eine Runde Laufen geht. Alle paar Monate ueberkommt ihn das Beduerfnis mal. Super, dachte ich mir, ich begleite ihn mit dem Fahrrad.

Okay, die erste Haelfte der Strecke ging es nur bergauf, das Fahrrad war mir also keine grosse Hilfe. Aber als ich den 203 cm grossen Tyrel gazellenmaessig vor mir wegspringen sah, waehrend ich schnaufend vom Rad abstieg und schieben musste, daemmerte mir, dass dieser Zustand auch nicht gesund sein kann. Was, wenn ich an der Kueste bin und ein Tsunami anrollt? Dann kann ich nicht in die Berge laufen. Oder noch viel schlimmer, was wenn ich auf dem Weg zum Supersonderverkauf im Kaeseladen bin und mein Auto ne Panne hat?!?!

Jupp, ich muss was tun. Mit 30 war das dann auch mal an der Zeit.

Zuerst fand ich ein Programm, das angeblich fuer Leute war, die Laufen hassen. Es fing an mit zwei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen im Wechsel. Laeppisch, dachte ich. Doch als ich es dann tatsaechlich ausprobierte, hustete ich mir die Lungen aus dem Leib. So nicht. War ich dann doch einfach nicht geeignet fuer das Laufen?

Zum Glueck war ich noch nicht voellig demotiviert und suchte weiter. Jetzt nicht mehr fuer Leute, die Laufen hassen, sondern fuer Leute, die nicht Laufen koennen. Da stiess ich auf das Programm „Couch to 5 k“, was anscheinend eher meinem Fitnesslevel entsprach. Da bestand die erste Woche aus 60 Sekunden Laufen abwechselnd mit 90 Sekunden gehen. Das war hoellisch anstrengend! Aber irgendwie machbar. Denn dass ich nicht mal 60 Sekunden lang laufen koennen soll, dazu war ich dann doch zu stolz.

Irgendwie habe ich es geschafft, am Ball zu bleiben. Mit Unterbrechungen, fuer die Kanutour, wegen Krankheit, wegen Temperaturen um -40 Grad, auch mal wegen extremer Unlust.

P_20190204_104620_BF

Bei -22 Grad und Schnee gehe ich trotzdem laufen und komme zurueck zugefroren wie der Yeti.

Aber ich weiss, wenn ich mich aufraffe zu laufen, dann werde ich belohnt mit malerischem Bergpanorama, mit Ausblicken auf Seen und Taeler und mit einem ungewohnten befriedigenden Gefuehl. Einem Gefuehl, dass ich mir etwas koerperlich erarbeite, was mir nachhaltig gut tut. Dass ich mich um mich sorge und Zeit und Muehe fuer meine Gesundheit investiere.

Werde ich etwa erwachsen?! Naja, solange es sich so gut anfuehlt, bin ich auf jeden Fall dabei.

Und wer sich bei sonnigen -25 Grad zu einem 45 Minuten Lauf aufraffen kann, der bekommt sogar den Mascara umsonst dazu!

P_20190210_162523_BF

Warum vereist eigentlich alles, wobei die Kaelte doch so trocken ist? Manche Dinge bleiben mysterioes!

Habt eine gute Woche! 🙂

p_20190113_124753

Unsere Einfahrt auf dem Weg zurueck nach dem Lauf.

Flusstrip 2018: Tag 6

Geweckt werde ich diese Nacht erst wie gewohnt von tanzenden Maeusen auf unserer Plane und spaeter nochmal durch Niederschlag auf die Plane ueber uns. Vielleicht war es doch keine allzu gute Idee, die Plane mit den Brandloechern ueber uns zu spannen, denke ich mich noch; gestern Abend war kein Woelkchen am Himmel. Es gelingt mir trotzdem, beide Augen nochmal zuzudruecken und zu schlummern, bis ich Joe in der Daemmerung herumwuseln hoere. Zum Glueck herrscht kein Niederschlag mehr, vereinzelt sind Graupel zu finden.

Normalerweise halte ich nachts das Feuer am Leben. Heute Nacht jedoch haben wir eine Schutzwand aus Holz auf unserer Seite errichtet, damit der Funkenflug nachts unsere teuren Daunenschlafsaecke nicht bedroht. Durch die Wand konnte ich das Feuer dann aber nicht mehr sehen und somit nicht instandhalten ohne aus dem warmen Schlafsack zu kriechen, was ich bald eingesehen habe.

Obwohl heute wohl keine zweistelligen Minusgrade herrschen, ist uns kalt. Ein frischer Wind weht und irgendwie fuehlt es sich klamm an, obwohl der Boden auf den ausgetretenen Pfaden im Lager staubt.

K640_DSC03364

Mit ein paar letzten Handgriffen wird unser Lager wieder zurueckverwandelt in eine Uferlichtung am Yukon River – nur mit einem Haufen zusaetzlichem Feuerholz.

Bald schon sitzen wir dick eingemummelt im Boot und fahren dahin. Einzelne Schneeflocken segeln auf uns herab und laden uns ein zu malerischen Winterlandschaften in nur wenigen Wochen. Noch sieht alles so nach Herbst aus, als ob der Winter noch weit weg waere und vielleicht dieses Jahr eher nass-trueb werden koennte.

Zum ersten Mal beschliessen wir, heute zum Mittag ein Feuer zu machen um uns aufzuwaermen. Joe zaubert etliche Beutel mit Tassensuppen hervor und bald schon waermen wir Finger an Schuesseln und fuellen Maegen mit suesslichen Pulver-Tomatensuppen. Ich gehe zum Boot, um zu sehen, wie sich unsere Galleonsfigur Pusheen macht bei diesem Wetter, doch ihr scheint es wirklich nichts auszumachen.

Am fruehen Nachmittag machen wir wieder Halt. Hier waere die letzte sinnvolle Moeglichkeit eines weiteren Lagers. Weiter flussabwaerts sind sie meisten Gebiete in Privatbesitz oder anderweitig geschuetzt, sodass dort nicht gejagt werden darf. Es ist noch frueh genug am Tag, dass wir unseren Endpunkt Carmacks heute erreichen koennten. Hier muessen wir uns entscheiden.

Ich freue mich einerseits auf eine Nacht ohne Maeseschuhplattler neben meinen Ohren, andererseits vermisse ich die Zivilisation nun wirklich noch nicht und wir haben noch Zeit, bis wir wieder arbeiten muessen. Allerdings sind die Chancen auf Jagdglueck durch eine weitere Nacht nicht unermesslich hoeher; wir schippern den gleichen Weg entlang, nur zu einer anderen Uhrzeit. Ausserdem haette das letzte Lager jetzt auch einen Beigeschmack nach Abschied. Die dicker werdende Wolkendecke scheint uns fast zur Abreise ueberreden zu wollen. Tyrel will nach Hause. Also fahren wir.

Schliesslich sehen wir die Bruecke von Carmacks. Wir sind vor ein paar Tagen an der ersten Bruecke gestartet und steigen nach einigen hundert Kilometern an der zweiten Bruecke wieder aus.

In der Zivilisation. Es scheint noch grob alles so zu funktionieren wie vor einer Woche. Komischerweise habe ich keinen speziellen Heisshunger und frage daher Tyrel, ob er auf etwas Spezielles Lust haette. Pizza! Es werden zwei Tiefkuehl-Pizzas gekauft, natuerlich aus Deutschland importiert wie fast alle Pizzas hier.

Joe wuerde eigentlich von James abgeholt werden, der erstmal fuer drei Stunden hierher fahren muesste. Natuerlich fahren wir ihn nach Hause, auch wenn wir dafuer gute zwei Stunden laenger unterwegs sein werden. Nach kurzer Fahrt kommen wir in ein Unwetter von Eisregen, was die naechsten hunderte Kilometer anhalten wird, bis wir Joe abliefern. Mittlerweile sind wir beide so gierig nach Pizza, dass wir auf dem Weg nach Hause online riesige Pizzas bestellen und dann in der Stadt abholen. Zu Hause angekommen koennen wir uns so motivieren, bei Eisregen schnell den ganzen Truck auszuraeumen und unsere Ausruestung ins Haus zu schaffen. Denn anschliessend goennen wir uns unsere Pizzaberge, bevor wir gegen 2 Uhr morgens ins Bett fallen.

Am naechsten Morgen sehen wir den ersten Gruss vom Winter. Er hat uns vermisst und ist froh, dass wir wieder da sind. Daher hat er angefangen, die Landschaft herauszuputzen.

Wir holen unser Auto vom Startpunkt ab und essen dort im Restaurant eine leckere Suppe mit frischem Brot. In der Stadt waschen wir drei grosse Saecke Waesche und kaufen ein.

Und am naechsten Tag veranstalten wir einen Waffelabend mit Joe und James und verspeisen Tuerme von Waffeln mit Bratapfelmarmelade, roter Gruetze, Eis, Schokosauce, Ahornsirup und Apfelmus und lachen dabei aus tiefstem Herzen.

Wie ein bisschen Reduktion so gluecklich machen kann.

Flusstrip 2018: Tag 5

Auf der Plane, auf der wir schlafen, wird heute Nacht ein besonders lauter Stepptanz von der oertlichen Maeusekolonie aufgefuehrt. Ich hampele herum, damit die Maeuse verjagt werden. Sich bewegende Menschen finden sie naemlich irgendwie gruselig. Doch jetzt bin ich auch wach. Als erste. Es daemmert leicht, also ist es gegen 7 Uhr. Ich stehe auf und entzuende ein Feuer. Das gelingt mir mittlerweile wirklich gut!

Leichter Schneeregen kommt nieder, als ich meine Blase entleere. Es wird irgendwas unter Null Grad sein, aber nicht sehr weit unter Null. Beim Fruehstuecken hoert der Niederschlag auf. Weiter geht es auf den Fluss.

Tyrel sieht mit seinen Adleraugen, wie ein Weisskoepfiger Adleraugenbesitzer einen Fisch erbeutet. Ich erkenne, wie das Wappentier seine Beute schwer fliegend in eine Waldschneise hineinwuchtet. Im Moment, in dem wir in die Schneise sehen koennen, mache ich schnell ein Foto. Es ist ein wenig unscharf, aber man kann erkennen, dass der Vogel ein gutes Fruehstueck erbeutet hat.

K640_DSC03278

Auf einem abgebrochenen, toten Baum haelt der Weisskopfseeadler seine Beute mit den Greiffuessen und schlingt einen Schnabel voll herunter.

Immer wieder deutet Joe auf geheime Camps an den Flussufern, die nicht auf der Flusskarte verzeichnet sind. Er kennt diesen Fluss wie seine Westentasche; c.a. 20 Sommer lang hat er hier Kanutouristen gefuehrt. Im Herbst hat er dann gejagt, das dann allerdings schon seit 30 Jahren. Alles, was er erzaehlt und fuer zukuenftige Exkursionen nuetzlich sein koennte, notiere ich mit Bleistift auf der Flusskarte. Danach stecke ich meine kalten Finger schnell wieder in die Handschuhe und bewege sie fuer einige Zeit, um warmes Blut in sie hineinzupumpen.

Bei einer Flusswindung greift Tyrel nach dem Fernrohr.

„Kuh.“

Gemeint ist wohl der kleine Schatten im Wasser, anscheinend handelt es sich um eine Elchkuh.

Joe schaltet den Motor aus, die Stroemung erfasst uns, traegt uns weiter und dreht uns dabei langsam im Kreis. Wir drei ergreifen unsere Gewehre. Hat diese Elchkuh einen Verehrer im Gebuesch stehen? Nur Elchbullen duerfen gejagt werden, da das Fehlen einiger maennlicher Elche kaum Auswirkungen auf die Gesamtelchpopulation hat. Das Fehlen einer Elchkuh jedoch ist ein Einschnitt durch die ausbleibenden Nachkommen.

Joe imitiert den Ruf einer willigen Elchin. Doch nichts ruehrt sich. Die Elchbrunft scheint dieses Jahr schon vorbei zu sein. Die Elchbullen hatten entweder schon ausreichend Freundinnen oder haben mittlerweile andere Dinge im Kopf. Die Temperatur spielt eine grosse Rolle bei der Brunft. Dieser Herbst ist aussergewoehnlich kalt, vielleicht vergeht manchem Elch da die Lust.

Nach ein paar Minuten lege ich mein gesichertes Gewehr beiseite und greife zur Kamera, damit ich wenigstens ein paar Fotos mit nach Hause bringen kann.

Auch dieses Jahr kommen wir wieder an den Ueberresten des Unterbaus von dem Schaufelraddampfer SS Klondike vorbei. SS steht hierbei fuer Single Screw Steamship, was bedeutet, dass es sich um ein Dampfschiff mit nur einem Schaufelrad handelt. Das Wasser hat dieses Jahr einen besonders niedrigen Stand, laut Joe den niedrigsten seit 30 Jahren. Daher ist besonders viel des Schiffes freigelegt und wir gehen auf eine Erkundungstour.

Spaeter kommen wir an einer weiteren historischen Stelle vorbei. Eine alte Goldmine. Joe ist ganz begeistert, so viel von der Baggerkonstruktion hat er noch nie gesehen.

Wieder auf dem Fluss bewundern wir noch ein paar Adler. Wir ueberholen zwei andere Jagdgruppen, die allerdings bislang scheinbar auch keinen Erfolg hatten.

Ein wenig spaeter bauen wir wieder unser Lager auf. Eine kleine Angelrute haben wir mittgebracht, die ich erfolglos auswerfe. Ist es nicht verrueckt, dass ich noch nie einen Fisch gefangen habe?

K640_DSC03362

Tyrel steht im Camp vor dem Feuer und Bergen von gesaegtem Feuerholz.

Eines Tages wird es schon so weit sein. Da wird der erste Fisch am Haken zappeln und auch der erste Elch in der Gerfriertruhe landen. Und bis dahin geniesse ich die Reise dahin.

Flusstrip 2018: Tag 4

Heute morgen zeigt das Thermometer nur -8 Grad an. Durch eine frische Brise fuehlt es sich jedoch um einiges kaelter an. Ich misstraue dem Messergebnis und stelle das Thermometer auf einen etwas abgelegenen Baumstumpf, auf den die Waerme des Feuers mit Sicherheit nicht strahlt. Das hat wohl auch geklappt. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, da ich das Thermometer nicht wiedergefunden habe. Es wird jetzt wohl den ganzen Winter fleissig messen und Ende Juni 2019 die ersten Touristen verwundern.

Dann wieder packen, fruehstuecken, los. Nicht nur ein Thermometer lassen wir zurueck, sondern auch wieder Berge an Feuerholz. Man weiss nie, wer als naechstes an diesen Platz kommen wird; ob er oder sie vielleicht durchnaesst oder kalt ist. Fest steht, dass die wenigsten Flussbesucher eine Kettensaege im Gepaeck haben.

K640_DSC03236

Mit dem Holzhaufen, den wir zuruecklassen, koennen mehrere Lagerfeuer entzuendet werden.

Auf dem Fluss gilt es nach Tieren Ausschau zu halten. Sich anhand der Karte zu orientieren und Notizen zu machen. Die Umgebung einzusaugen und versuchen so viel wie moeglich zu speichern von der Gelassenheit. Was hier passiert, passiert einfach. Und dann wird besonnen darauf reagiert. Ich merke, wie meine Bewegungen gleichfoermiger geworden sind. Die Schritte sind langsamer, aber sicherer.

Es gibt hier keine Termine, keine Hast. Denn durch Eile geschehen Fehler, die man sich hier nicht leisten kann.

Wir haben schon drei noch warme Feuerstellen in Ufernaehe schwelen gesehen. Weitere Jaeger muessen uns ein bisschen voraus sein. Ansonsten seit zwei Tagen keinen anderen Menschen gesehen. Wenn ein Krieg, eine Wirtschaftskrise oder die Pest ausgebrochen ist, wir wissen es nicht. Fuer uns zaehlen andere Dinge. Wie frisch sind die Schwarzbaerenspuren am Ufer? Sind die Wolken am Horizont so leicht wie sie aussehen oder bringen sie Schnee? Sind die Wellen vor uns aufgebracht durch grosse Felsen im Flussbett oder ist das Wasser dort einfach seichter?

Waehrend ich nach Bewegungen Ausschau halte, verfalle ich in suesse Tagtraeume. Ich betrachte mein Leben moeglichst neutral und frage mich, was ich noch verbessern kann. Eine Sache faellt mir ein, ich sollte mich mehr dehnen. Erste Erfolge konnte ich bereits erzielen durch regelmaessige Dehnuebungen, doch dann fing ich mit dem Laufen an und alles wurde wieder unbeweglicher. Voll egal, dann fang ich einfach nochmal von vorne an.

Am Ende des Tages erreichen wir Hootalinqua, wo die Fluesse Yukon und Teslin ineinanderfliessen. Das transparente Wasser des Teslin weicht dem tuerkis-flaschengruen des Yukon und ich fuehle mich durch diese besondere Farbe schon sehr heimisch. Zur Goldrauschzeit vor einem guten Jahrhundert war hier ein wichtiger Handelsstuetzpunkt und eine Polizeistation. Goldgraeber kamen von weit her, um ihre Claims zu registrieren und Trapper tauschten Felle gegen Gebrauchsgegenstaende. Da in heutiger Zeit die Stelle sehr beliebt zum Lagern ist, gibt es so gut wie kein Feuerholz mehr in der Umgebung. Wir haben bei der letzten Flussbiegung Halt gemacht und uns genuegend Holz fuer die Nacht und den Morgen mitgebracht.

Zum Abendessen gibt uns Joe jedem ein Grizzly Chilli Wuerstchen ab. Zum Nachtisch gibt es noch eine Scheibe Christstollen. Das Leben ist gut. 🙂