Autor: Luisa

Nach 28 Jahren Bildung und Stahlindustrie fange ich nochmal neu an, wo es mir besonders gut gefällt: Im Yukon Territory in Kanada. Dieser Blog ist für die vielen lieben Menschen gedacht, die mich auf meinem Weg bisher begleitet haben und alle anderen, die es interessiert. :)

Flußtour 2019 – Tag 6

Genau wie die letzten Tage auch, wache ich heute wieder als erste auf.
Ich drehe mich noch einmal im Schlafsack herum und horche genau in mich herein. Bin ich ausgeschlafen? Ja.
Also stehe ich auf.

Ich ziehe mich an und versuche dabei so kuschlige Waerme wie moeglich aus dem Schlafsack in meine Kleidung zu retten. Das ist nur gar nicht so einfach bei ordentlichen Minusgraden.

Als Naechstes mache ich ein ordentliches Feuer. Zum einen kann ich daran meine Finger waermen, zum anderen essen Tyrel und ich auf dem Fluss gern ein warmes Fruehstueck. Das hilft uns, in die Gaenge zu kommen. Im Alltag fruehstuecke ich ueberhaupt nicht und esse erst gegen Mittag meine erste Mahlzeit. Aber hier brauche ich was im Bauch. Unser Mittagessen auf dem Fluss ist auch eher ein kleiner Snack.

Ich koche Wasser, bespasse Arma, erledige meine Morgentoilette.
Und warte.

Tyrel wacht schliesslich auf.
„Es ist 6 Uhr in der Früh! Warum sitzt du da rum in voller Montur?!“

Oh.
Das erklaert dann auch, warum die Daemmerung immer noch nicht eingesetzt hat.

Ungefaehr 20 min später sehe ich ein dass es doch ein wenig arg frueh ist um auf den Tagesanbruch zu warten, ziehe mich wieder aus und gehe schlafen. Kann sogar nochmal gut träumen.

Ein paar Stunden spaeter (oder auch am echten Tagesbeginn).
Wie immer zieht Joe als Erster los. Seine Morgenroutine ist so eingespielt, dass er mit ein paar Handgriffen eingepackt hat. Warmes Wasser fuer Kaffee und Fruehstueck hat er immer schon vom Vorabend bereit.

Wir lassen uns wieder Zeit (ist ja auch unser wohlverdienter Urlaub) und frühstücken. Mittlerweile ist es auch gar nicht mehr frostig, ein Südwind weht und die Sonne scheint.

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Ein sonniges Flussufer mit entspanntem Hund.

Doch am südlichen Horizont ziehen Wolken auf, die immer dunkler werden. Uns bleibt eh nichts anderes uebrig als zu packen und loszuziehen, wie jeden Morgen. Also tun wir genau das.

Nach einiger Zeit auf dem Wasser beginnt leichter Regen.
Der Regen wird stärker.
Wir legen am Ufer an,  um unsere Regensachen anzuziehen.
Doch der Regen hört nicht auf.

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Grau-nasse Aussichten, am Himmel ist kein blauer Fleck mehr auszumachen.

Schliesslich stossen wir auf Joe. Wir sagen ihm, dass wir lieber Strecke machen wollen um in circa zwei Tagen zu Hause zu sein.
Doch Joe moechte noch laenger auf dem Fluss bleiben.

Wir verabschieden uns vorsorglich. Arma versteht nicht, warum wir ihren liebsten Spielkameraden Joe zurücklassen. Mir fällt es auch schwer, aber schlimmer wäre es, das Fleisch verderben zu lassen. Und durch das wechselhafte Wetter wird dieser Fall immer wahrscheinlicher, je mehr Tage ins Land ziehen. Immerhin haben wir den Baeren an Tag 1 erlegt. Heute ist schon Tag 6.
Bärenfleisch muss man laut Gesetz im Gegensatz zu z.B. Elchfleisch zwar nicht verwerten, doch für uns ist es wertvoller als der Pelz.

Im Regen ziehen wir weiter.

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Am nassen Ufer sind Ueberbleibsel einer kleinen Holzhuette der Goldrauschzeit zu sehen.

Was habe ich früher eigentlich bei Regen gemacht, ueberlege ich mir.
Durchgefroren und nass war ich doch eher selten.

Ich habe bei Regenwetter viel Fernsehen geguckt.
Erst am elterlichen Kamin, dann mit Freunden und Bier, später mit Whiskey allein Zuhaus.

Manchmal war ich doch draussen. Mit Oma und Opa in der Laube. Oder ich habe mich beim Zelten im Garten vom Regenprasseln in den Schlaf singen lassen.

Kälte schält sich mittlerweile zwischen alle Lagen Kleidung.
Ich bekomme kalte Zähne und eine taube Nase.

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Die Regenwolken haengen tief in den Bergen und goennen uns eine kalte Dusche.

Der Regen verwandelt sich in Schneeregen während wir unser Lager aufschlagen. Heute spannen wir zwei Planen, die sich gegenueberstehen wie ein A, nur mit einer Luecke im Giebel. Die Luecke, damit wir ein Feuer machen koennen und uns keine Gedanken ueber Rauchabzug oder brennende Planen machen muessen. Die zweite Plane, damit wir dort unser ganzen Sachen auslegen und trocknen können.

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Tyrel waermt sich am Feuer zwischen unseren gespannten Planen.

Falls das Wetter nicht besser wird, bleiben wir doch einen Tag laenger hier.

Armas Appetit ist wiederhergestellt. Das hat nach dem Baerenlebervorfall nur fuenf Tage gedauert. Ich freue mich sehr.

Auch wir schlingen Unmengen von Spaghetti mit Speck und Möhren hinunter. Mein hungriges Gehirn hat mir dringend empfohlen, ein ganzes Kilo ungekochte Spaghetti zuzubereiten. Gekocht sieht das dann doch uebertrieben aus. Aber nach dem Abendessen zeichnet sich ab, das es aufgewaermt gerade so zum Fruehstueck reichen wird.

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Ich arbeite mich langsam durch den Haufen vor Fett triefenden Nudeln durch. Mein Koerper giert geradezu danach.

 

 

Nach getaner Arbeit und im molligen Schlafsack wirkt das Sauwetter gar nicht mehr so unwillkommen.

Schnee-Regen-Graupel singen mich leise auf der Plane knuspernd in den Schlaf, während ich mich der Stroemung des Universums einfach füge.

Flußtour 2019 – Tag 5 (Achtung, Bilder von Pelz und Fleisch)

Wieder stehe ich zuerst auf. Während Tyrel schläft, mache ich ein schönes Feuer, bespaße den Hund und bereite das Frühstück zu.

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Toast, gegrillt und geraeuchert ueber stehend abgelagertem Fichtenholz.

Heute gibt es gegrilltes Brot mit Thunfisch und Leberwurst. Das brauchen wir auch um in die Gänge zu kommen, es ist heute -8 Grad warm.

Der Fluss dampft, der Frost rieselt aus den Bäumen. Trotzdem wird heute ein schöner Tag, stelle ich fest.

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Huendin Arma bewundert die frostige Morgenlandschaft.

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Wasserdampf steigt aus dem noch relativ warmen Fluss hervor und gefriert an den gefrorenen Baeumen.

Am späten Vormittag stoesst Joe zu uns, wir bummeln heute ein bisschen und waermen die Finger am Feuer. An der gleichen Stelle wie wir gestern hat er heute morgen eine Elchkuh gesehen.

Auch wir machen uns langsam in Richtung Ozean oder zumindest flussabwaerts. Joe ist schon vorausgefahren und als wir ihn einholen, reicht er Schokolade rueber. Habe ich nicht gestern erst wieder beschlossen nicht so viel Süßes auf einmal in mich reinzustopfen? Na gut, damit kann ich dann vielleicht morgen beginnen.

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Der kleine Nebenarm, der gestern Nacht noch unser Zuhause war, entfernt sich wieder von uns.

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Schoki ahoi!

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Arma nutzt die Sperrholzplatte zwischen unseren beiden Booten fuer ein Nickerchen im Sonnenschein.

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Noch hat die Sonne Kraft und waermt uns tagsueber. Doch in ein paar Wochen schon wird sie tief am Horizont stehen und muede auf einen gefrorenen Fluss scheinen.

Haeufig stoppen wir, um Elche zu rufen. Aber es ist nichts zu sehen außer schöner Landschaften. Naja, ich habe schon von haerteren Schicksalen gehoert.

Mit Joe verabreden wir uns zum gemeinsamen Lagern am nächsten vielversprechenden Platz. Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir den auch schon nach ein paar Stunden Fahrt.

So schoen es ist anzukommen, so viel Arbeit steckt auch jeden Abend darin. Der Bärenpelz muss gestreckt werden falls das Wetter es erlaubt; kuehl und trocken soll es sein. Das Fleisch muss die Boeschung hochgetragen und gelagert werden. Das Lager muss aufgeschlagen werden, das Feuerholz gesaegt und gespalten, das Feuer entfacht, sowie das Essen gekocht.

Doch als Gros der Arbeiten erledigt ist und die Erbsensuppe vor sich hinkoechelt, statte ich dem Baerenfell einen Besuch ab.

Waehrend ich mir die Erbsensuppe mit Mais und Wuerstchen einverleibe, sinniere ich. Die Haelfte der Flusstrecke ist geschafft.

Hoffentlich schießen wir noch etwas. Und gleichzeitig hoffe ich, dass wir nichts mehr schiessen. Hoffentlich bleiben wir noch lange hier auf dem Fluss, hoffentlich sind wir schon sehr bald zu Hause.

Morgen, morgen werde ich weniger naschen. Morgen bin ich mir vielleicht mit mir einig und weiss, was ich will. Aber ab sofort bin ich wieder ganz im Jetzt. Und im Jetzt heißt bei mir gerade kuschlig im Schlafsack. 🙂

Flußtour 2019 – Tag 4

Joe eroeffnet uns heute Morgen, dass er noch eine weitere Nacht hier lagert. Er hat frische Elchspuren erspaeht.

Tyrel moechte, dass ich entscheide ob wir auch bleiben oder weiterziehen.
Ich will weiter, nach meiner Logik verdoppeltet diese Taktik die Chance, einen Elchbullen zu sehen. Nur ein bisschen.

Die Sicht ist schlecht, durch das eisige Wetter und den Temperaturunterschied zum noch nicht gefrorenem Fluss wabert viel Dampf auf dem Wasser und im ganzen Flussbett.

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Tyrel in unserer Bootskonstruktion vor stimmungsvoll-nebliger Flusskulisse.

Nach dem Zusammenpacken fahren wir vorsichtig los.
Der erste laut Karte geeignete Lagerplatz gefaellt uns nicht.

Wir sehen eine Elchkuh, die das Weite sucht. Doch kein Elchmann ist in Sicht.
Der nächste Lagerplatz ist auch wenig geeignet.
Genau wie der uebernächste.

Trotzdem gehen wir haeufig an Land. Suchen nach Spuren, imitieren mehr oder weniger gelungene Elchlaute. Erkunden.


Dann schliesslich die Sensation: Ein Boot!!
Nein, drei superschnelle, sauteure Boote.
Und eine Gruppe Kumpels in Tarnkleidung.

Wir fahren mit unseren abgewrackten, zusammengebundenen Kähnen vorbei, da muss ich schon kichern.
„Habt ihr schon Glück gehabt?“, rufe ich zu ihnen herueber, nachdem wir uns schon fuer einige Minuten gegenseitig anstarren waehrend wir naeher kommen.

Wortlos deutet einer direkt neben sich auf einen abgesägten Elchkopf mit gigantischen Schaufeln.

„Wie konntest du das übersehen?!“, zischt Tyrel fassungslos. Ich muss wieder kichern.

„Und ihr?“, hallt es herüber.
„Wir haben nen Grizzlybären!“
„Ein Grizzly, gute Sache!“

Wir schippern weiter, waehrend ich nicht aufhoeren kann zu kichern.

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Arma hilft mir beim Ausschau halten.

In den drei Jahren auf dem Fluss bin ich immer noch keiner Jägerin begegnet, fällt mir auf. Jagen scheint hier eher etwas zu sein, was man mit seinen Kumpels macht. Außerdem würden die meisten Leute ihre zwei Wochen in Mexico ungern gegen zwei Wochen Kälte, Entbehrungen und harter körperlicher Arbeit auf der Jagd tauschen.

Heute Abend halten sich die Entbehrungen im Rahmen. Zum Glueck haben wir Arma, die uns sowohl mit dem Feuerholz, als auch beim Enspannen behilflich ist.

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Ein moosiges Plaetzchen in der Sonne laedt Arma zum Doesen ein.

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Maulsperre: Arma liebt Stoeckchen werfen, selbst wenn das Stoeckchen ein grosses Stueck Feuerholz ist.

Ich bin dankbar, dass Tyrel keiner ist, der Männerabende hat, Hockey im Fernsehen guckt und auf teure Autos und Markenklamotten steht. Da ist ja überhaupt nichts Schlimmes dran, aber ich persoenlich verstehe den Reiz nicht. In der Zeit und mit dem Geld würde ich viel lieber andere Dinge machen. Ein kleines Haus bauen zum Beispiel. Oder auf eine schöne Wanderung gehen.

Da habe ich es doch ganz passend mit ihm getroffen, freue ich mich während ich das Abendessen in unserem schließlich gefundenen Lager zubereite. Tyrel macht währenddessen an unserem Bootsmotor einen Ölwechsel. Die Frage, warum das in der Wildnis jetzt unbedingt nötig sei, lasse ich kurzerhand fallen und wünsche ihm viel Erfolg.

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Die letzten Sonnenstrahlen geniessen wir bei einer Pfanne Gnocchi, Speck und Zwiebeln.

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Unser Lager fuer heute Nacht. Zwei Feldbetten unter einer gespannten Plane.

Flusstour 2019 – Tag 3 (Achtung, Bilder von Fleisch und totem Tier!)

In der Nacht weckt mich Armas Bellen.
Ist da etwas?
Guter Hund!

Sie bellt sehr selten, was ich begruesse. Aber jetzt ist ihr etwas nicht geheuer und sie warnt uns. Tyrel hoert auch Schritte im Unterholz am Ufer. Aber sie entfernen sich bereits. Um uns schwarze Nacht. Ich schlafe wieder ein.

Etwas spaeter (es ist immer noch pechschwarz) werde ich wieder geweckt, dieses Mal von Tyrel.
Wir müssen packen und los!
Es ist 7 Uhr morgens.

Na gut, dann stehe ich eben auf. Arma begleitet mich zur Morgenroutine (Pinkeln, Strecken und Feuer machen mit nassem Holz). Wenigstens regnet es gerade nicht. Als das Feuer endlich prasselt, wende ich mich wieder Tyrel zu. Der hat sich nach seinem Weckdrill nicht wieder bewegt und schlaeft felsenfest.

Das heisst dann wohl, dass ich Fruehstueck mache.

Ich lasse mir Zeit. Hier in der Wildnis besitzen Uhren keine Macht. Und ich geniesse den Frieden der Morgenstunden.

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Die Wolken haengen tief ueber den Bergen, aber der Tag beginnt trocken und mit einem spiegelglatten Fluss.

Ein paar Stunden nach Tyrels Weckruf muss ich ihn schliesslich wecken. Er geniesst sein Fruehstueck im Schlafsack, es gibt gegrillte Kaesesandwiches mit Chili-Thunfisch. Ich lasse mir nicht nehmen, diesen Umstand zu dokumentieren.

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Arma frisst wieder nichts außer ein paar Happen aus Tyrels Hand.
Ich bin etwas besorgt. Aber sie spielt mit Stöcken und rennt umher wie wild. Kann also nicht so schlimm sein.

Der Baer (also das Fell samt Schaedel und Tatzen) sieht beim Zusammenpacken aus, als haette er eine wilde Nacht hinter sich gehabt.

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Der Grizzlykopf samt Hintertatze auf einem in der Wildnis herumstehenden Klapptisch.

Als wir alles im Boot verstaut haben, und Arma uns erwartungsvoll anblickt, bin auch ich bereit fuer einen neuen Tag auf dem Fluss.

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Hund und Boot sind bereit fuer das Ablegen.

Auch dieses Jahr ist der Flusspegel niedrig. Haeufig muessen wir flache Stellen im Fluss umfahren, was bei unserer Bootskonstruktion gar nicht so einfach ist. Doch Tyrel macht das wirklich prima. Ich throne waehrenddessen auf dem gepolsterten Vordersitz, navigiere nach Karte und halte Ausschau nach Felsen, Wetter und natuerlich Wild.

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Das Wetter klart auf – Erste Sonnenstrahlen waermen die Berge und vertreiben die letzten Wolkendecken.

Arma stinkt hin und wieder nach Bärenleber, anscheinend ist ihre Beute noch nicht ganz verdaut. Aber frische Luft gibt es hier im Ueberfluss, daher ziehen auch diese Wolken schnell ab.

Einige Stunden sind wir auf dem Fluß unterwegs, dann sehen wir Joes Boot und landen.
Wir beschließen auch hier zu lagern.

Joe merkt an, dass er den ganzen Tag daran denken musste, dass die Tenderloins (Lendchen?) vom Grizzly vorzüglich schmecken würden zusammen mit seinen Kartoffeln, Karotten und Pilzen… Ich stimme zu und mache mich auf den Weg zum Boot, um die besagten Stueckchen herauszuschneiden.

Ich bereite alles zu, mit ein paar Tipps vom gelernten Koch Joe und füge nach dem Braten und Köcheln noch eine Dose Pilzsuppe hinzu.
Das Resultat ist einfach nur köstlich!

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Mit meinem Goeffel verzehre ich den dicken Kartoffel-Moehren-Pilz-Grizzly-Eintopf. Dies ist die erste Portion von vielen an diesem Abend.

Den Abend lang stiehlt sich Arma mehrmals davon, um etwas entfernt einen Baum mit einem Eichhörnchen darauf zu bewachen. Das deute ich als Zeichen, dass es ihr gut geht. Wenigstens frisst sie heute Abend eine winzige Portion ihres Futters.

Wie ich schon in einem vorigen Beitrag erwaehnte, habe ich keine Süßigkeiten mitgenommen, da ich zu viel davon esse und meinem Koerper nicht Unmengen an Zucker auf Dauer antun moechte. Ich dachte hier in der Wildnis kann ich auf Entzug gehen.
Doch Joe bietet belgische Schokolade mit Mandeln und Rosinen an. Tyrel lehnt ab, ich vergesse meine Vorsaetze und schwebe auf einer süßen Schokowolke.

Warum hier draussen alles so viel besser schmeckt, weiss ich nicht. Aber irgendjemand sollte dieses Phaenomen unbedingt wissenschaftlich untersuchen!

Einschub – Vom Sterben.

Wie schon letztes Jahr um diese Zeit, ein Einschub aus aktuellem Anlass. Wer gerade nicht über Krankheit, Sterben und Tod lesen mag, der möge an dieser Stelle aufhören.

 


 

Mein Freund Marc ist tot.

Nach seiner Diagnose 2018 ging es erst bergab und ab Februar 2019 wundersamerweise bergauf. Alle zwei bis drei Wochen haben wir uns getroffen, zur Kuchentherapie. Ich brachte einen Kuchen, wir aßen und redeten. Über die Krankheit, den Ausblick, die Arbeit, die Sorgen, die Freuden. Die Diskussionen wurden zunehmend theoretischer und spiritueller, was ich begrüßte.

Im Frühling war Marc stark und glücklich. Motorisch war er nicht komplett wiederhergestellt, aber es war gut genug – er konnte radfahren, gehen und sogar klettern.

Den Sommer nutzte er mit seiner Partnerin und ihren vier kleinen Kindern. Sie reisten ein paar Monate durchs Land, besuchten Freunde und Familie, schmiedeten Pläne. Marc wollte nicht wieder zurück in seinen alten Beruf. Irgendetwas hat wohl dazu beigetragen, dass er so krank geworden ist. Und das möchte er nicht wieder in sein Leben lassen. Gerne würde er auf seine Kinder aufpassen während seine Partnerin wieder mehr arbeitet.

Ein paar Tage bevor es wieder nach Hause ging von der großen Reise, kamen die Schmerzen zurück.

Heftig. Tumore drücken auf die Nervenbahnen, die aus der Wirbelsäule hervortreten. Tumore drücken auf das Rückenmark und paralysieren ihn.

Marcs Partnerin ist Krankenschwester und pflegt ihn zu Hause. Doch das funktioniert nicht richtig, denn die vier Kinder sowie der Haushalt brauchen ihre Aufmerksamkeit und Marc braucht mittlerweile Betreuung rund um die Uhr.

Als entscheidet sich Marc, ins Krankenhaus zu gehen.
Im Krankenhaus werden die Schmerzen groesser.
Die Laehmungen nehmen zu.

Erst sitzt Marc im Rollstuhl.
Dann kommen Taubheitsgefuehle in den Haenden hinzu.
Die schon unertraeglichen Schmerzen ueberwaeltigen ihn komplett und er bekommt Morphium, Methadon, Lyrica.
Trotzdem hilft nichts.

Als ich Marc auf einer Palliativstation in einem neuen Gesundheitszentrum besuche, kann er die Haende nicht mehr bewegen, nur noch die Arma. Und Atmen geht auch nur noch flach.

Trotzdem lachen wir viel, das haben wir immer schon gemacht. Und essen Kuchen. Ich soll bald wieder kommen. Natuerlich mache ich das!

Ich besuche Marc zu Hause. Ein Transfer von Spezialbett zu Spezialrollstuhl zu Spezialbett dauert lange und ist sehr schmerzhaft. Doch zu Hause, umgeben von seinem Bruder mit Familie, seiner Partnerin mit vier Kindern und seiner Mutter, da geht es ihm ganz gut. Niemand meidet oder bemitleidet ihn hier, das Haus ist voller Leben und niemand spricht nur mit gedaempfter Stimme.

Hier teilt er mir mit, dass er sich entschieden hat zu sterben.

In Kanada ist Sterbehilfe erlaubt. Und Marc findet nicht, dass er noch unbedingt darauf warten muss, langsam zu ersticken. Jedenfalls soll ihm seine Familie nicht beim Ersticken zusehen muessen. Es ist Dienstag. Freitag Nachmittag waere doch ein guter Tag zum Sterben. So um 5. Ob er die Infusion oder den toedlichen Schluck nehmen sollte? Wenn, dann wuerde er gern selbst ausfuehrend sein, also das Getraenk. Aber damit kann es wohl ein paar Stunden dauern, bis der Tod eintritt. Ob seine Familie und seine Freunde so lange warten wollen?

Ausserdem soll das Getraenk scheusslich schmecken. Und er liebt doch gutes Essen… Dann wuerde er lieber mit einem guten Geschmack im Mund sterben.

Technisch-neutral diskutieren wir die Umstaende seines geplanten Todes. Nur die oertliche Sterbehilfe-Aerztin konnte noch nicht erreicht werden. Hoffentlich hat die Freitag um 5 noch nichts vor.

Ich fahre wieder auf die Arbeit. Der Tag geht langsam rum, wie die restlichen Arbeitstage dieser Woche. Tagsueber klopft mein Herz bis zum Hals und ich kann nicht glauben, wie surreal alles ist.
Nach der Arbeit fahre ich auf den Parkplatz vor Walmart und heule in meinem Kombi. Hier stoert es niemanden. Im Anschluss gehe ich derangiert bei Walmart einkaufen. Auch hier fuehle ich mich als Teil der Gruppe.

Nur Freitag, Freitag fahre ich von der Arbeit aus zum Gesundheitszentrum. Da gibt es einen schoenen Indianer-Heilungsraum. Und da will Marc sterben.

Alle Arbeitskollegen, die mit Marc jahrzehntelang zusammen gearbeitet haben, wollen nicht dabei sein. Sie wissen nicht, ob sie das packen.
Komisch, das weiss ich auch nicht. Aber die Frage hab ich mir nie gestellt, ob ich das packen werde. Ich weiss, dass mein lieber Freund Marc stirbt und sich dabei gute Gesellschaft wuenscht. Also bin ich da. Der Rest interessiert mich herzlich wenig.

Freitag morgens faellt mir auf, dass es kein Bild gibt von Marc und mir. Ich frage seinen langjaehrigen Bueronachbarn, ob es zu pietaetslos ist, ihm auf dem buchstaeblichen Sterbebett nach einem Selfie zu fragen.
„Ich glaube, ihm wuerde die Merkwuerdigkeit gefallen.“
„Aha! Das ist also der Grund, warum er gut mit mir befreundet ist!“

Im Heilungsraum bin ich die Erste.

Es ist warm, hell und ein kleiner elektrischer Wasserfall plaetschert ueber eine Schieferplatte an der Wand. Hier werde ich ganz ruhig und stark. Meiner jetzigen und Marcs ehemaliger Mitarbeiterin schicke ich ein paar Impressionen per MMS. Sie wohnt in Quebec und kann nicht dabei sein.

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Der Raum ist rund man fuehlt sich als sei man in einem hoelzernen, riesigen Tipi. In der Mitte thront eine riesige Rauchabzugshaube. Das Dach um die Abzugshaube besteht aus Fenstern und einer strahlenfoermigen Holztraegerkonstruktion.

Irgendwann kommt auch Marcs Bruder in den Raum. Er baut seinen Computer auf mit Lautsprechern. Falls Marc seine Lieblingslieder hoeren moechte. Und Fruechte. Falls Marc mit einem suessen Geschmack im Mund sterben moechte.

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Alles steht bereit. Lautsprecher, eine Schale Himbeeren, eine Mandarine.

Die Sterbeaerztin kommt hinein und spricht ein wenig mit Marcs Bruder und mir. Und eine andere Angestellte klaert uns ueber den Gebrauch der Feuerstelle samt Abzugshaube auf.
Schliesslich entzuendet sie das Feuer und verlaesst den Raum.

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Ein echtes Holzfeuer brennt in der Mitte des Raumes. Das Mosaik auf dem Boden symbolisiert die vier Himmelsrichtungen der Indianer. Von Norden im Uhrzeigersinn: Weiss, Gelb, Rot, Schwarz.

Und der Raum fuellt sich auch mit Familie und Freunden, lieben Nachbarn und vielen Kindern.

Das Licht wird gedimmt. Da hoere ich Marcs Tochter schon von Weitem laut weinen. Marc faehrt auf seinem elektrischen Rollstuhl in den runden Raum, gefolgt von Partnerin und Kindern.

Er faehrt eine Runde im Uhrzeigersinn. Eine Runde voller letzter Umarmungen, Kuesse, Worte und guter Wuensche.

Ich sage einfach „Danke fuer alles!“ Marc findet, dass das eine gute Zusammenfassung ist, aber auch er mir fuer alles dankt.
Dann frage ich ob es zu spaet fuer ein gemeinsames Foto ist, aber anscheinend habe ich Glueck.

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Ein erstes und letztes Bild von Marc und mir.

Wir verabschieden uns mit „Alles Gute und man sieht sich!“.

Nachdem die Abschiedsrunde vollendet ist, spricht Marc mit klarer, ruhiger Stimme auf Franzoesisch. Ein paar Worte verstehe ich, aber den Zusammenhang nicht. Zum Glueck sagt er noch etwas auf Englisch. Was fuer ein tolles Leben er hatte, und dass er bis in den Tod von so vielen Menschen mit so viel Liebe begleitet wird. Dass er gluecklich ist und glaubt, dass der Tod nicht das Ende ist.

Dann spricht Marc noch einmal auf Franzoesisch. Dieses Mal folgt kein Englischer Teil. Stattdessen faengt die Frau neben mir an, leise Gitarre zu spielen und Mantras zu singen (oh Shanti Shanti aveo, oder so aehnlich). Der Gesang hilft mir sehr, positiv und stark zu bleiben. Marc wird von seinen Kindern, seiner Partnerin und seinem Bruder beschmust und alle singen.

Irgendwann hoert die Musik auf und Marcs Partnerin spricht. Alle, die nicht dabei sein wollen, wenn Marc stirbt, koennen jetzt den Raum verlassen. Etliche Kinder und ein paar Erwachsene gehen zum Spielen in den Nebenraum. Aber fuenf Kinder bleiben, davon die beiden aelteren Kinder von Marc.

Die Mantras werden wieder gesungen. Anscheinend wird auf Obst sowie Musik vom Laptop verzichtet, denn die Aerztin ist schon im Raum, zusammen mit ca. fuenf Pflegern. Die Aerztin hat einen kleinen Eimer mit ca.  sechs Spritzen bei sich. In Marcs Hand befindet sich schon die Kanuele.

Ich kann nicht sehen, wann die Aerztin spritzt, sie hockt mit dem Ruecken zu mir gewandt. Aber ich sehe, dass Marc gaehnt. Und kurze Zeit spaeter muessen seine Lieben schon seinen Kopf stuetzen, damit er nicht auf seine Brust faellt.

Irgendwann erlaube ich auch mir, zu weinen.

Marc ist tot.

Ich umarme seine Partnerin und frage sie, ob sie glaubt, dass Marc noch irgendwo im Raum ist. Aber sie meint, dass er sofort durch die Fenster in der Decke nach oben entwichen ist. Er war so sehr bereit zu sterben, da war kein Grund fuer ihn zu bleiben.

Ein bisschen bleibe ich noch bei Marcs totem Koerper und streichle seine Knie. Doch er ist wirklich sehr tot. Also ziehe ich mich in mein Auto zurueck.

Dieses Mal weine ich auf dem Parkplatz des Gesundheitszentrums. Dann informiere ich per SMS interessierte Arbeitskollegen. Und ich rufe Tyrel an, um ihm zu sagen, dass ich mich trotz allem fahrtuechtig fuehle. Ob er etwas vom Supermarkt moechte (Ja, Aepfel!).

Zu den Aepfeln gesellen sich Tiefkuehlpizzas und Ben und Jerry’s Eis. Heute gebe ich allen Geluesten nach.

Und trotz der Trauer bin ich so froh und dankbar. Dass ich Marc begleiten durfte durch all das Hoffen und Bangen bis zum Ende. Dass er so viel seiner kostbaren Zeit mit mir geteilt hat. Dass ich durch sein Leiden und seinen Tod neue Seiten an mir und meinem Leben entdecken konnte.

Ganz einfach: Danke fuer alles! 🙂

Flusstour 2019 – Tag 2 (Achtung, Bilder von Innereien)

Die letzte Nacht war nicht so erholsam wie erhofft. Jede Bewegung liess mich vor Schmerzen aufschrecken. Nein, diese Nacht in der Wildnis war nicht die Wunderheilung, die ich mir fuer meinen Nacken gewuenscht habe.

Dafuer war Arma ueberraschend ruhig und hat in ihrem Koerbchen geschlafen. Ich hatte befuerchtet, dass sie sehr unruhig ist und weint. Immerhin war dies ihre erste Nacht, die sie draussen in unbekannter Umgebung verbracht hat. Und kalt war es auch.

Der erste Gang fuehrt mich zu der Stelle, an der wir den Baeren gestern verarbeitet haben. Ist das Fleisch unberuehrt? Welche Tiere waren am gut pile und haben sich an Innereien genaehrt? Meine Bedenken sind unbegruendet. Bis auf ein grosses Stueck Baerenleber, welches sich zur Zeit anscheinend in Arma befindet, ist alles so, wie ich es gestern abend verlassen habe.

Anschliessend inspiziere ich das Fell. Tyrel hat es gestern abend zum Auswaschen auf unser Boot drapiert.

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Das Grizzlyfell samt Kopf und Tatzen haengt ueber einer Holzlatte unseres Bootes.

Leichte Panik steigt auf – ich kann den Hodensack am Fell nicht finden. Aber die Jagdvorschriften sehen vor, dass ein Geschlechtsmerkmal am Grizzlyfell verbleiben und vorgezeigt werden muss. Ich bin mir nicht sicher warum, denn auch Baerinnen duerfen gejagt werden. Aber nur, wenn sie keine Jungen haben. Bewaffnet mit einem Messer und einer Plastiktuete gehe ich zurueck zum gut pile und schneide Penis und Hoden heraus. Baeren sind eine der wenigen Tiere, die Penisknochen haben. Daher wird es der Behoerde hoffentlich ausreichen, wenn ich die maennlichen Organe separat einreiche.

Wir packen, waehrend Arma ihr Fruehstueck verweigert. Joe ist routinierter als wir und faehrt schon los. Wir lassen uns noch etwas mehr Zeit. Zum einen vergroessern wir damit unsere Jagdchancen, zum anderen nutze ich die Zeit, um mein Gewehr zu trocknen, zu saeubern und zu oelen. Nach dem regnerischen Tag gestern ist das wirklich noetig.

Flussaufwaerts sehe ich sieben Karibus, die scheinbar im Fluss spielen. Was fuer ein schoener Anblick! Leider habe ich meine gute Kamera nicht dabei, da die Akkus leer sind und ihre Bilder ausserdem einen Schatten haben.

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Die kleinen Punkte im oberen Fluss sind tatsaechlich Karibus!

 

Als alles sicher verstaut ist, fahren wir.

Arma ist immer noch ungewohnt ruhig. Sie schlaeft. Sie stinkt bestialisch. Dann wuergt sie Grizzlyleber hervor. Jetzt stinken Arma, das dampfende Stueck Leber und anschliessend meine Hand, die die Leber in den Fluss wirft. Pfui!

Wir legen ein paar kurze Stopps ein. Arma und Tyrel scheinen die gleichen Pinkelpausen zu benoetigen. Und es kann ja immer sein, dass man einen Elchbullen entdeckt, den man vom Fluss aus nicht gesehen haette.

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Pinkelpause fuer Arma vor malerischer Kulisse.

Schliesslich kommen wir am Lagerplatz an, den Joe zu unserem heutigen Ziel erklaert hat. Nur Joe ist nicht da. Ich kann verstehen warum, mir ist es hier entschieden zu windig! Das kann dazu fuehren, dass hinter der Plane ein Luftwirbel entsteht, der mir die ganze Nacht ueber Rauch vom Feuer ins Gesicht blaest. Darauf kann ich gut verzichten – ich hoffe heute Nacht kann ich besser schlafen als gestern.

Doch Tyrel ist anderer Meinung. „Der Wind hoert bestimmt auf zu blasen. Ausserdem muessen wir nicht jede Nacht mit Joe lagern. Ich geniesse durchaus Zeit in der Wildnis mit dir zusammen, sonst haette ich dich nicht geheiratet.“

Ob der Wind abflaut, da bin ich mir nicht sicher. Aber dem zweiten Argument kann ich mich nicht entziehen und verstehe den Wink mit dem Zaunpfahl. Heute abend werde ich meinen Ehemann ein bisschen bauchpinseln und mit ihm rumalbern. Das macht er naemlich nur, wenn er mit mir alleine ist.

Doch zunaechst muessen wir das Lager auch aufschlagen. Wir spannen Splanen, tragen alle benoetigten Sachen vom Boot zum auserkorenen Platz. Feuerholz ist hier genug vorhanden, nur ist es ziemlich nass durch den Regen der letzten Tage. Nach einigen Versuchen und mit wachsendem Aerger gelingt es mir trotzdem, ein loderndes Feuer zu entfachen.

Da erspaeht Tyrel ein Boot, das flussaufwaerts gefahren kommt. Es ist Joe! Er legt an und plauscht mit Tyrel, als ich dazustosse. Joe wollte nur sehen, ob es uns gut geht (ja) und ob wir wieder Jagdglueck hatten (nein). Ihm war es hier zu windig, als er vorbeikam (yup…). Aber mittlerweile ist der Wind schon deutlich abgeflacht (Tyrel hatte also recht).

Es faengt wieder an zu regnen; schon den ganzen Tag ueber gehen vereinzelte Schauer auf uns nieder. Joe zieht wieder flussabwaerts, sein Lager ist schon komplett aufgeschlagen. Morgen sehen wir uns bestimmt wieder!

Wir machen es uns gemütlich. Ich koche. Und ich habe tierisches Verlangen nach einem Abendessen, das vor Fett nur so trieft! Also zerteile ich ein wenig Speck auf Holzfaellerart.

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Warum Speck kleinschneiden, wenn man ihn auch mit einer Axt zerhacken kann?

Zum Abendessen gibt es Speck, Gnocci, Zwiebeln, Kaese. Soooo lecker!!

Arma verweigert immer noch ihre Mahlzeiten. Ein bisschen mache ich mir Sorgen. Maekelig beim Essen war sie wirklich noch nie. Aber sie trinkt und sie will weiterhin Stoeckchen spielen. Also wird es so schlimm doch nicht sein, oder? Tyrel kann sie ueberzeugen, ein paar Brocken von seiner Hand zu essen. Aber dann will sie nicht mehr.

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Lagerplatz am Abend

Wir verbringen eine ganze Weile mit Reden. Komisch, wir verbringen doch eigentlich jeden Tag zusammen. Und trotzdem haben wir uns noch soviel zu erzaehlen, hier draussen im Nirgendwo.

Mein von gestern noch nasser Innenstiefel trocknet ueber dem Feuer, als ich etwas steif in den Schlafsack krieche. Zum Glueck tut Nacken nicht mehr so hoellisch weh wie gestern, dagegen sind normale Schmerzen ganz gut auszuhalten. Kurz darauf schlummere ich schon selig.

Flusstour 2019 – Tag 1 (Achtung, Bilder von toten Tieren!)

Der Wecker klingelt frueh.

Gestern noch mussten wir eine Einladung zum Lagerfeuer absagen weil wir bis Mitternacht mit Packen beschaeftigt waren. Den kleinen verbleibenden Rest wollten wir am Morgen packen; doch das dauert laenger als gedacht. Ein Blick auf die Uhr bringt Tyrel in Wallung – wir kommen zu spaet! Zum Glueck haben wir beide die gleiche Einstellung, es ist uns sehr unangenehm, wenn Leute auf uns warten muessen. Doch bevor mich Tyrel um ein kleines Fruehstueck bringt und saemtliche Verkehrsregeln bricht, sende ich einfach eine Nachricht, dass wir uns eine halbe Stunde verspaeten werden. Wir packen Huendin Arma ein und fahren los.

An der Tankstelle versorge ich mich mit Trockenfleisch und einem Keks. Mampfend betrachte ich waehrend der Fahrt die niedrig haengende Wolkendecke. Jedenfalls soweit es mir moeglich ist; mein Nacken tut immer noch reichlich weg und zwingt meinen Kopf in eine demuetige, zum Boden geneigte Haltung. Arma schmatzt laut und sabbert auf mich. Autofahren ist nicht ihrs.

Am Treffpunkt laden wir unser mitgebrachtes Gepaeck in den Truck eines Freundes, der uns zum Startpunkt bringen wird. Die Boote hat unser Freund zum Glueck schon gestern abgeholt – so konnten wir mit unserem Kombi die restliche Ausruestung fuer die Exkursion zum Treffpunkt transportieren.

Zur Einstiegsstelle in den Teslin River fahren wir im Auto mit unserem Freund Joe. Er beginnt zeitgleich mit uns eine Flusstour. Auf der Fahrt stelle ich alle wichtigen Fragen („Werden wir zusammen lagern?“ „Vielleicht.“ „Fahren wir zusammen zurueck?“ „Wird sich zeigen.“). Am Ziel angekommen, verbrate ich mein mitgebrachtes Geld im Motel. Ich fuelle Tyrels Thermoskanne mit Kaffee und meine mit Tee. Die dichter werdende Wolkendecke droht damit, dass wir uns spaeter nach ein wenig Waerme sehnen koennten. Als Mittagssnack wollte ich eigentlich Haehnchenfluegel mitbringen, aber die sind aus. Also gibt es sausage rolls, Bratwurstbraet im Blaetterteig. Von meinen letzten Dollars kaufe ich mir einen riesigen, bestimmt 20 cm Durchmesser Keks. Ich moechte weniger Zucker essen. Nicht aus Gewichtsgruenden, aber ich habe das Gefuehl mein Koerper rastet aus wenn ich Zucker zu mir nehme und manchmal fuehle ich mich direkt abhaengig. Und ich mag nicht gern abhaengig sein. Mit dem Weniger Zucker Essen fange ich aus Ermangelung an Versuchungen dann wahrscheinlich auf dem Fluss an. Nachdem ich den Moerderkeks gefuttert habe.

Unten am Fluss beginnt mittlerweile schon das Ausladen, Sortieren und Boote zusammenbauen. Zusammenbauen? Genau – wir muessen uns ja jedes Jahr steigern. 2017 ging es mit dem Kanu raus, 2018 mit unserem Aluboot… und 2019 einfach mit beiden Booten zusammengezurrt!

Eifrig helfe ich mit und fummle herum, bis ich die beste Befestigung zwischen Boot, Kantholz und Zurrgurt gefunden habe. Dabei beuge ich mich vorwaerts und Wasser laeuft in meinen rechten Gummistiefel.

Wow. Und das, bevor wir ueberhaupt losgefahren sind.

Ich sehe keinen Sinn darin, mein Missgeschick zu verkuenden. Die anderen wuerden nur wollen, dass ich meinen Innenstiefel und meine Socken wechsle. Und ich will einfach nur losfahren. Wortlos gehe ich ums Eck und wringe Innenstiefel und Socken aus. Als ich zurueckkomme, sind wir schon fast ablegebereit.

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Unser diesjaehriges Gefaehrt: Zwei Boote voller Ausruestung, verbunden mit Holz und Gurten.

Joe ist bereits vorgefahren und ausser Sicht, als wir ablegen. Unsere Freunde, die uns abgesetzt haben, warten am Ufer und winken. Warten daher um zu sehen, ob der Motor auch anspringt. Nach dem Disaster des letzten Jahres als wir Joes Abschleppdienst in Anspruch nehmen mussten, haben wir uns einen neuen Aussenbordmotor gekauft.

Der Motor ist sich der Verantwortung bewusst, die sein stolzer Preis mit sich brachte und springt sofort an. Waehrend er vor sich hinblubbert und warm wird, driften wir langsam flussabwaerts. Arma reckt den Hals zum Ufer und ueberlegt, ob sich ein Sprung noch lohnen wuerde. Dann legt Tyrel den Vorwaertsgang ein und wir beginnen die Reise.

Von Weitem sehe ich, wie die Trucks unserer Freunde abziehen. Dann befinden wir uns in der ersten Flussbiegung und sind ploetzlich einige Tagesreisen von der naechsten Ortschaft entfernt.

Der ganze Wahnsinn des Sommers rollt von meinen Schultern und gleitet lautlos ins kalte Wasser, das mich umgibt. Ich fuehle mich erleichtert und muede. Erleichtert, dass es diese Wildnis noch gibt. Diese alte Wasserstrasse, die uns erlaubt uns der Wildnis anzunaehern. Die vielen Seen und Baeche, die noch genuegend kristallklares Wasser ins Flussbett speisen. Die Abgeschiedenheit, die uns zwingt, im Hier und Jetzt zu sein, denken und handeln.

Solange ich spuere, dass es dies alles noch gibt, kann eigentlich gar nichts Schlimmes geschehen, denke ich mir und versuche eine angenehmere Position fuer meinen schmerzenden Nacken zu finden. Ich bin dieses Jahr wieder fuer die Navigation zustaendig und blaettere in der Flusskarte herum um mich zu orientieren. Ab und an verlaesst Arma ihren zugewiesenen Platz hinter mir und leistet mir Gesellschaft.

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Schaeferhundmixdame Arma und ich halten Ausschau im Boot.

Langsam geht es voran. Mit nur einem Boot waren wir auf unseren Probefahrten bedeutend schneller. Joe faehrt mit seinem schnittigen Frachtkanu uns flussaufwaerts entgegen. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Lagern heute Abend und Joe zischt wieder flussabwaerts.

Regen setzt ein.

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Arma mach Platz auf dem Sperrholz zwischen den Booten.

Nach einiger Zeit sind wir reichlich durchnaesst, auch durch unsere Regenkleidung. Am verabredeten Lagerplatz sehen wir Joes Boot schon von Weitem. Zwischen den Bueschen steigt Rauch auf. Eine Plane ist fuer uns gespannt, die den Boden trocken haelt. Paradiesische Zustaende!

Jetzt bin ich vor allem hungrig und müde. Tyrel schlaegt unser erstes Lager unter der bereits gespannten Plane auf, ich mache mich daran, das Abendessen vorzubereiten. Die Butter fehlt. Ich grabe im Boot nach Butter.

Tyrel folgt mir zum Boot, leise aber bestimmt.

Im Fluesterton ruft er mir zu:
„luisa! luisa!!
da kommt ein grizzly auf uns zu – 200 meter!
hol dein gewehr!“

Tyrels Armbewegungen folgend schaue ich nach links und kneife die Augen zusammen. Tatsaechlich, ein Baer trottet auf uns zu.

„HOL DEIN GEWEHR!!!“

Ich lasse die Butter Butter sein, gehe schnellen Schrittes zu unserem Lager und greife mein Gewehr. Auch dieses Jahr vertraue ich auf meine Savage Axis II bolt action 30-06, die uns schon einige Male Jagdglueck beschert hat.

Waehrend ich das Magazin hineinfummele, sehe ich dass Joe schon sein Elefantengewehr gezueckt hat. Wir schleichen herunter zum Fluss, denn der Baer trottet auf der grasbewachsenen Boeschung entlang. Doch durch unsere Anwesenheit laesst er sich nicht stoeren und kommt langsam naeher. Ich muss dreimal laden, bis ich tatsaechlich Munition in die Patronenkammer geladen habe. Komisch.

„Komm, wir gehen in Deckung und lassen ihn naeher rankommen.“, raet Joe.
Und:
„Ich lasse dir den ersten Schuss.“

Joe kniet zwischen zwei Bueschen und zielt. Ich suche mir mein eigenes Gebuesch und lege mich auf den Bauch, in die prone position. Die gelb eingefaerbten Schutzkappen von meinem Sucher werfe ich einfach neben mich und ziele.

Und ziele.

Der Grizzly kommt langsam naeher. Jeder Schritt erschuettert die hellen Spitzen seines Fells, was seine Erscheinung noch dramatischer macht.
Er wird langsamer.
Noch ca. 100 Meter.

Er schlendert in Richtung Dickicht.
Wird er uns vom Busch aus einen Besuch abstatten wollen?

Er hat den Busch fast erreicht.

Ich schiesse.

 

Alle Geraeusche sind dumpf und treten nur langsam hinter meinem Tinnitus hervor.

Schnell lade ich nach und eile zusammen mit Joe zum Ufer, in Richtung Baer.

„Ich hab ihn….. ich hab ihn.“, sagt Joe und zielt im Knien auf den Baeren, der querschnittsgelaehmt versucht, auf seinen Vorderpfoten zu entkommen.

Emotionen verspuere ich gerade keine; nur die Verantwortung, das Baerenleid so schnell wie moeglich zu beenden.

Nach zwei weiteren Schuessen steigt Dampf aus einem Loch im Brustkorb des Baeren. Er liegt reglos im Gras.

Wir geben ihm ein paar Minuten und naehern uns – Waffen geladen und gezueckt. Joe piekst ihm mit einem Stock ins Auge. Der Lidschlussreflex ist einer der letzten Lebenszeichen.

Der Baer ist tot.

Statt Trauer und dem grossen Warum, was ich sonst haeufig nach der Jagd empfinde, bin ich erfuellt mit einer tiefen Dankbarkeit. Ein so umfassendes Gefuehl, dass es durch meine Fussohlen in den Boden auszustrahlen scheint und mich mit dem Leben verankert, erdet, traegt.

Ich weiss nicht, wie ich diese Dankbarkeit genuegend ausdruecken kann. Zum Glueck bin ich vorbereitet und hole einen Beutel Tabak aus dem Lager. Ich streue eine grosse Hand voller Tabak um den Baeren und sage aus vollem Herzen: „Danke!“
Danke, du starker, maechtiger Baer, dass du dich uns gegeben hast!

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Toter Baer und ich.

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Die Abschussstelle: Auf einer Uferwiese vor wolkenverhangenen Bergen.

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Ich hebe den Kopf des Baeren an.

Als ich das Geschlecht des Baeren bestimmen moechte, kratze ich erst meinen Kopf. Weder Vulva noch Hodensack sind zu erkennen. Aber die buschige Penisspitze sehe ich. Passt aber zusammen mit der geringen Koerpergroesse; dieser Baer ist ein junger, maennlicher Baer. Oft gehen Konflikte oft von dieser Gruppe aus. Sie sind sehr selbstbewusst, aber noch nicht erfahren genug um Situationen richtig einschaetzen zu koennen.

Ich frage Joe, wer von uns beiden seine Abschussgenehmigung (tag) an den Baeren heftet. Immerhin haben wir ihn zusammen erlegt.
„Es ist dein Baer.“, bestimmt Joe.
„Ok…“, ich entwerte mein tag und befestige klemme es dem Baeren zwischen die Zaehne.

Langsam merke ich meinen Hunger wieder. Wir haben einige Stunden Arbeit vor uns, da brauchen wir eine Staerkung. Zurueck am Boot finde ich schnell die Butter und bereite eine Pfanne zu aus gefrorenen Bratkartoffeln, Wuerstchen und Gemuese. Joe, Tyrel und Arma bauen einen Wetterschutz fuer den Baeren, es regnet immer noch. Arma zeigt keine Angst vor dem toten Baeren, wie es fuer Hunde ueblich ist. Eifrig leckt sie Baerenblut und wird ausgeschimpft, wenn sie ins Baerenfell beisst. Tyrel hat uebrigens auf die Schnelle keine Leine gefunden, als der Grizzly auftauchte und sich daher zusammen mit Arma im Hintergrund gehalten.

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Zwei abgespannte Planen sorgen fuer Regenschutz beim Zerteilen des Baers.

Als wir ein paar Happen essen, fragt mich Tyrel, ob und wieviel Hilfe ich haben moechte, den Baeren zu verarbeiten. Auf jeden Fall moechte ich alleine anfangen und wuerde Tyrel und Joe Bescheid sagen, wenn ich Hilfe haben moechte.

Also steige ich nach kurzem Essen alleine mit Gewehr und Messer zum Baerenzelt hinunter. Zuerst muss der Baer auf den Ruecken gedreht werden, damit ich mit dem Haeuten beginnen kann. Jede Bewegung des Oberkoerper laesst Luft und Blut in der Baerenlunge rasseln und ich spuere die Vibrationen, wenn der tote Baer unter mir knurrt und stoehnt.

Meine Haende sind blutverschmiert, ich bin klitschnass und muede und sehe daher davon ab, Bilder zu machen.

Den ersten Schnitt setze ich direkt unterhalb des Brustbeines und ziehe eine moeglichst gerade Linie bis zum Anus. Auf dem Weg finde ich auch den Penis und den Hodensack. Die Hoden selbst waren noch nicht hineingewandert. Ich schneide um den Anus herum und versuche eine geeignete Linie an der Innenseite der Hinterlaeufe entlang zu finden. Bis zum Knie und zum Knoechelgelenk. Dann gehe ich wieder zum Brustbein und schneide gerade nach oben, bis zu den oberen Halswirbeln. Wieder suche ich eine geeignete Stelle, um die Innenseiten der Vorderlaeufe einzuschneiden.

Da meldet sich mein Nacken heftigst.

Stimmt, der tat mir ja weh!
Wie hab ich es eigentlich geschafft, mich vorhin rambomaessig auf den Boden zu werfen ohne einen Hauch von Unwohlsein?!

Joe, Arma und Tyrel kommen und begutachten meinen Fortschritt. Die Nacht rueckt immer naeher und dankbar nehme ich Hilfe an. Zu dritt haeuten wir den Baeren und trennen Vorder- und Hinterlaeufe vom Rumpf ab. Dann erst weiden wir aus. Erstens kann das waermste Fleisch (um die Hueftpfannen herum) so schon auskuehlen. Und zweitens ist das meiste Fleisch schon aus dem Weg, falls beim Ausweiden z.B. Darminhalt oder Galle auslaeuft.

Mittlerweile bin ich wirklich muede, habe verdammt starke Nackenschmerzen und bemerke, dass mein rechter Fuss immernoch nass ist und bei jedem Schritt im Stiefel schmatzt und schwappt. Joe und Tyrel erklaeren und halten den Baeren geduldig, sodass ich trotzdem noch meine Arbeit beenden kann. Nur als wir zu dem Schritt kommen, das Schambein mit der Axt zu durchtrennen, bitte ich Tyrel, mir auszuhelfen. Einen Axtunfall muss ich durch meinen Zustand nicht hinaufbeschwoeren.

Schliesslich haben wir fuenf Beutel Fleisch und einen Pelz mit Schaedel und Pfoten. Schoene Krallen hat der Baer. Joe beaeugt die Krallen und bemerkt: „Vielleicht schuldest du mir eine der Krallen…“ „Klar!“, stimme ich zu. Die Haelfte des Fleisches bekommt er auch. Was immer wir auf diesem Trip zusammen erjagen, wollen wir teilen.

In den Eingeweiden greift Joe nach der Leber und der Blase, die an der Leber haengt. „Das ist die Gallenblase. In der chinesischen Medizin werden ihr sehr heilende Kraefte zugeschrieben. Die Chinesen in Vancouver wuerden sie dir fuer viel Geld aus den Haenden reissen. Getrocknet zermahlen sie die Galle zu Pulver und nehmen das in Kapselform ein. Aber verkaufen darfst du sie nicht. Du kannst dir ueberlegen, was du damit machst.“

Nachdem ich mich und meine Regenkleidung notduerftig im kalten Flusswasser gewaschen habe, bringe ich mein mittlerweile versandetes Gewehr und die Messer zum Lagerplatz. Waehrend ich die ersten Schnitte gemacht habe, hat Tyrel schon unsere Feldbetten und Schlafsaecke bettfertig bereitet. Was fuer ein himmlischer Anblick!

Doch zunaechst muss ich noch einmal zum Boot gehen. Endlich muss mein rechter Fuss trockengelegt werden, bevor ich noch trench foot (Schuetzengrabenfuss / Fussbrand) bekomme. Am Boot treffe ich einen fassungslosen Tyrel. Er war damit beschaeftigt, den Baerenpelz auszuwaschen und so auf das Boot zu drapieren, dass der Regen die Hautseite weiter auswaescht. Dann hat er sich gefragt wo Arma ist, die vor ca. zwei Minuten noch um ihn herum gelaufen ist. Arma, bzw. ein leuchtendes Augenpaar in schwarzer Nacht kam von der Abschussstelle auf ihn zugelaufen. Und mysterioeserweise hatte Arma einen vollen Bauch, obwohl es noch kein Abendbrot fuer sie gab…

Tyrel ging also mit ihr zurueck um zu schauen, was sie gefressen hat. Zum Glueck hat sie nicht versucht, sich durch die Fleischsaecke zu nagen! Aber ein riesiges Stueck Grizzlyleber fehlt. Oh, Arma…

Auf das gewoehnliche Abendessen verzichtet Arma. Ich wuerde ja den Kopf schuetteln, aber ich kann meinen Nacken nicht bewegen und bin nicht sicher, wie ich in den Schlafsack kriechen kann. Irgendwie geht es dann doch. Nachdem der Fuss getrocknet ist. Und ich noch einen grossen Teller Bratkartoffelpfanne hatte.

Das Schlusswort an diesem Abend geht an Joe, als ich stoehnend auf dem Feldbett liege.

„Wer kam eigentlich auf die Idee, in die Wildnis zu gurken und wilde Tiere zu toeten?!“
„Du stellst die richtigen Fragen…“
„Heute gebe ich dir die Schuld!“

„Ich nehme alles auf mich.“, entgegne ich, waehrend ich versuche meinen Nacken fuer die Nacht zu stabilisieren.

Ein bisschen zweifle ich schon an meinem Verstand. Koennte ich doch jetzt auch wie meine Arbeitskollegen meinen Urlaub verbringen und in Mexico oder in Hawaii am Strand liegen. Aber ich weiss, dass dieser Gedanke vorueberziehen wird und etwas Positives bleibt. Das Ergebnis von uebernommener Verantwortung, harter Arbeit, starkem Willen und Abenteuerlust:

Viele zukuenftige Mahlzeiten mit Fleisch, das mich ohne Reue oder Zweifel ueber dessen Herkunft naehren wird.
Geteilte Abenteuergeschichten, vor dem Lagerfeuer unter dem praechtigen Sternenhimmel des Yukon.
Erinnerungen, an das ueberwaeltigende Gefuehl der Dankbarkeit.
An den Grizzlybaeren, der sein Leben fuer uns gab.