Job

Kalt und Platt.

Besonders neu ist das Jahr schon gar nicht mehr – hoechste Zeit, mal wieder zu schreiben!

Es folgen einige Updates zu meinem Leben.

Huehner

Meinen fedrigen Freunden geht es gut. Auch die derzeit frostigen Temperaturen am Morgen von -36 °C bis -40 °C stecken sie gut weg. Wenn es kaelter als -30 °C ist, lasse ich sie morgens nicht aus dem Stall. Dafuer aber fahre ich in der Mittagspause nach Hause, lasse sie in den Auslauf und gebe ihnen warmes Wasser und Apfelspalten.

Icicle (vorn) und Shadow im Winterfederkleid.
Fluffige Henne Brave wirkt etwas explodiert.

Nur wenn es morgens -40 °C ist, kommen die Huehner mittags noch etwas frostig aus dem Stall. In der Zeit hat die Sonne aber den Auslauf schon erwaermt, dass er mittlerweile waermer als im Stall ist. Die Temperatur im Stall halten die Huehner auf minimal -20 °C, doch der Auslauf heizt bei -36 °C Tageshoechsttemperatur bis auf -8 °C auf.

Natuerlich haette ich es gern ein bisschen waermer fuer die Huehner, aber eine Beheizung des Stalls waere angeblich gefaehrlicher fuer sie als die Kaelte an sich. Alle Waermeoptionen, die mit offener Flamme arbeiten, sowie auch Waermelampen, stellen eine immense Brandgefahr dar. Gerne haette ich ein paar leicht beheizte Platten aehnlich einer Heizdecke, aber dafuer reicht meine Elektrizitaet nicht aus im Winter. Bevor ich mir Huehner angeschafft habe, habe ich mit Bauern gesprochen, die Huehner ohne Strom und Heizung im Yukon-Winter halten. Aber wenn es dann so kalt ist, dass man sich vor dem Gang auf den Donnerbalken vermummen muss, dann sorge ich mich doch um meine lieben Huehner.

Frosthenne Icicle
Waerme steigt nach oben, daher rasten auch die Hennen gern auf hoeheren Sitzstangen.

Trotz den Temperaturen legen die Hennen noch Eier. Sogar mehr als es im Dezember der Fall war. Dreizehn dieser Eier uebergab ich meiner Vermieterin, denn sie wollte gern ein paar Huehner meiner grossen Rassen in ihre Herde integrieren (sagt man das bei Huehnern so? Sind doch eigentlich keine Herdetiere, sie leben eher in einer strikten Hierachie).

Jetzt liegen diese 13 Eier in ihrer Brutmaschine und werden meine Huehner vielleicht bald zu Eltern machen. Das finde ich ganz irre, immerhin sind die Huehner noch nicht mal ein Jahr alt! Dazu kommt, dass es sehr kalt war, als ich die Eier gesammelt habe, einige waren bestimmt angefroren. Nur die, deren Schale aufgeplatzt war, habe ich stattdessen aufgetaut und an Arma verfuettert. Apropos…

Arma

Arma ist schnell und voller Energie und Enthusiasmus. Und voller Unfallpotenzial.

Leider hat sie sich beim Rumtollen irgendwie die Hinterpfote aufgerissen. Es hat geblutet wie irre und man konnte bis auf den Knoechel sehen. Die Wunde wurde vom Tierarzt gesaeubert und geklammert. Durch die mit inbegriffene Narkose schwebte Arma fuer den Rest des Tages in anderen Sphaeren.

Arma unter Drogeneinfluss.

Nach zwei Wochen Leinen- und Verbandspflicht sollten die Klammern entfernt werden. Leider entfernte Arma sich einen Tag vorher ihren Verband selbst und leckte ein paar Stellen an ihrer Pfote wund. Jetzt sind die Klammern draussen, der Verband bleibt trotzdem noch erhalten.

Arma, Gesichtsausdruck wie ausgestopft.

Jetzt ueberlege ich, ob wir fuer sie eine Unfallversicherung abschliessen sollten. Es scheint ja nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich mal etwas bricht – und dann ist man gleich mehrere Tausender los.

Ich

Ich selbst bin ein wenig schlapp derzeit. Woran es liegt, weiss ich nicht genau.

Folgende Faktoren koennten dazu beitragen:

  • Es ist kalt und mein Koerper ist im Winterschlaf.
  • Mein Immunsystem kaempft insgeheim gegen eine Erkaeltung an.
  • Der Fakt, dass meine Arbeitsstunden erhoeht wurden und ich jetzt eine 44 h Arbeitswoche habe, schlaegt mir aufs Gemuet.
  • Ausser verlaengerten Wochenenden habe ich meinen letzten Urlaub im Oktober 2019 gehabt.
  • Coronamuedigkeit, wir kennen es alle.

Was mir gegen den letzten Punkt hilft, ist meine Kreativitaet in Punkto Maske auszuleben.

Ich im Buero, mit Ganzkopfmaske.

Bei den vorherrschenden Temperaturen muss man draussen eh eine Maske tragen um die Atemwege vor der Kaelte zu schuetzen, Virus hin oder her.

Ich, frostig.

Ausserdem habe ich es geschafft, einen Platz in einem oertlichen Toepferkurs zu ergattern! Zwei Stunden hatten wir schon, natuerlich mit Maske und Abstand. In der ersten Stunde haben wir uns an der Toepferscheibe versucht und in der zweiten Stunde dann die Resultate verfeinert und noch ein wenig mehr getoepfert.

Toepferei, Woche 1.
Die gleichen Schalen nach Woche 2, jetzt warten sie auf das erste Feuern.

Jetzt warte ich auf noch laengere Tage und waermeres Wetter. Dann werde ich mich versuchen, davonzustehlen von beiden Jobs und Ski zu laufen. Irgendwo ausserhalb jeglichen Empfangs. Denn ich weiss, dass mir das unheimlich hilft, gegen die Schlappheit oder gegen das Gefuehl, in einem Hamsterrad zu leben. Bewegung in der Natur, nur fuer mich allein. Dann fliessen meine Gedanken, Bewegung kommt in das eigene System und in die Glaubenssaetze, die man fuer sich so geschrieben hat und ich fuehle mich ganz frei.

Frei wie die Skilanglaufspur auf diesem Bergruecken.

Tja und bis das soweit ist, gebe ich mich einfach der Schlappheit und der Kaelte ein wenig hin und mach es mir mit einem Tee und der Waermflasche auf dem Sofa gemuetlich, nur um anschliessend ins Bett zu wandern.

Bleibt warm! 🙂

Huehner und Landschaft 2

Seit dem letzten Beitrag ist nichts Aufregendes passiert. Also folgen mehr Bilder von Huehnern und Landschaft, denn daraus besteht das Fotoalbum meines Smartphones.

Fangen wir an mit Huehnern.

Habe ich eigentlich schon einmal alle Huehner vorgestellt hier auf diesem Blog? Ich befuerchte strukturiert ist das noch nicht geschehen bislang.

Ameraucana Henne Icicle blickt zweifelnd.

Icicle ist das Huhn, welches am meisten menschenbezogen ist. Sie kommt gern kuscheln, fliegt auf Schultern und ist im Allgemeinen ein spezieller Charakter. Oft ist ihr Bart verklebt, weil sie sich tollpatschig beim Fressen und Trinken anstellt. In der Hackordnung ist sie eins der letzten Glieder. Einfach, weil sie sich oft nicht an Huehnerregeln haelt und dann von anderen zurechtgewiesen wird um aus deren Sicht die Sicherheit der Gruppe nicht zu gefaehrden. Icicle hat zwei Namen von ihrer Aufzuchtfamilie bekommen, der zweite lautet Ciel.

Orpington Henne Brave schaut psychotisch.

Brave ist wahrscheinlich meine Lieblingshenne, obwohl ich sie alle gern mag. Aber ihr unglaublich irrer Blick, gepaart mit der fuer mich perfekten Huehnerform mit kurzen Beinen und buschigem Hintern. Auch Brave ist menschenfreundlich. Vor allem aber liebt sie Futter. Konflikten geht sie meist aus dem Weg. Dadurch, dass sie so massig ist, wird sie aber auch selten zurechtgewiesen von anderen Huehnern. Im Sommer hat sie sich lieber streicheln lassen als im Winter. Es bleibt abzuwarten, ob sie im naechsten Sommer wieder zutraulicher wird, oder sich mittlerweile einfach zu erwachsen dafuer fuehlt.

Orpington Henne Moonlight schaut wachsam.

Moonlight hat durch ihr tolles Federkleid gute Showqualitaeten und koennte vielleicht einen Huehnerpokal gewinnen. Doch Huehnerausstellungen finden hier erstens nicht statt und zweitens wuesste ich auch nicht, ob sie daran Freude haben wuerde. Moonlight sieht es als ihre Aufgabe an, andere Huehner zurechtzuweisen und auch mal zu hacken, wenn sie die ungeschriebenen und fuer mich nicht immer ersichtlichen Regeln in Gefahr sieht.

Eine Zeit lang, vor ein paar Monaten, hackte sie auch mich, wenn ich ihr zu nah kam. Das fand ich nicht okay. Wenn das passiert ist, habe ich sie weggeschubst um ihr zu zeigen, dass ich die Autoritaet habe und mich ihrer Ordnung nicht unterwerfe. Das wiederum fand Hahn Daisy nicht lustig, der angerannt kam um mir zu zeigen, dass das hier seine Huehner sind und ich nichts zu melden habe. Allerdings hat mich Daisy nie gehackt oder sonst irgendwie attackiert. Er stolzierte nur neben mir her und rempelte mich ein wenig von der Seite an. Nach ein paar Hack- und Schubswechseln zwischen Moonlight und mir sind die Fronten anscheinend geklaert und es gab schon lange keine Auseinandersetzung mehr.

Ist das eigentlich gaengige Praxis, Huehner zu schubsen, um ihnen Benehmen beizubringen?

Lange Zeit dachte ich, dass Moonlight an der Spitze der Hennenhackordnung steht, da sie die Henne ist, die mit Abstand am meisten massregelt. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher. Oft schlaeft sie alleine in der rechten Seite des Huehnerstalls, waehrend alle anderen Huehner auf der linken Seite schlafen. Und morgens, wenn die anderen schon laengst im Auslauf sind, bleibt sie haeufig noch fuer einige Zeit alleine im Stall zurueck. Vielleicht geniesst sie aber auch nur ihre Zeit fuer sich.

Australorp Henne Coco schaut abwaegend.

Coco, die Ei-Pionierin, die das erste Ei legte! Coco ist fasziniert von Menschen und kommt gern nah. Allerdings ist sie nicht an Streicheleinheiten interessiert, sondern untersucht gern alles mit ihrem Schnabel. Ringe, Haare, Faeden, Ohrlaeppchen, eigentlich alles, was anders ist, wird pickend von ihr untersucht. Oft pickt sie auch das Eis und die Verfilzungen aus Icicles Federbart. Ihr Buerzel, also dort wo man einen Sattel auflegen wuerde, ist oft wenig befedert. Vielleicht, weil sie von Hahn Daisy haeufig beglueckt wird? Sie scheint immer guter Dinge zu sein.

Orpington Henne Flurry schaut etwas melancholisch.

Henne Flurry hat herzige braune Augen, ist jedoch eher menschenscheu. Sie ist eine lavender Orpington Henne und hat leider den Fehler geerbt, der haeufig bei lavender Orpington vorkommt: Ihre Federn, vor allem am Buerzel und Schwanz, sehen immer zerzaust aus. Flurry ist die einzige Henne, die ihren Kamm modisch nach links haengend traegt. Ausserdem ist Flurry eine von zwei Freundinnen von Moonlight.

Flurrys ausgefranzter Poppes im Detail.
Australorp Henne Warrior schaut muerrisch.

Warrior ist die zweite Freundin von Moonlight und schlaeft auch nachts manchmal neben ihr auf der Stange. Sie hat den einbeinigen Flamingostand perfektioniert und ist im Winter oft in dieser Pose vorzufinden. Genau wie Flurry und Moonlight ist auch Warrior eher zurueckhaltend Menschen gegenueber. Warrior war nach Coco die zweite Henne, die ein Ei gelegt hat. Dementsprechend waren ihr Kamm und ihre Kehllappen schon relativ frueh gross und rot. So konnte ich Warrior immer gut von Maple unterscheiden, deren Kamm und Kehllappen lange klein und farblos waren. Mittlerweile sind die optischen Unterschiede gering. Meist kann ich vom Charakter beurteilen, welches Huhn ich vor mir habe. Nur wenn sie still halten, wie in der Flamingo Pose, kann ich sehen, dass Warriors Kamm etwas kleiner ist und die mittleren Spitzen enger zusammen stehen als bei Maple.

Australorp Henne Maple schaut pikiert.

Maple ist sehr mutig und oft die Erste, die Neues ausprobiert. Sie ist als erstes nach dem Umzug aus dem Stall ins Freie gehuepft. Morgens ist sie meist die Erste, die schon vor Sonnenaufgang in den Auslauf geht und dort fleissig die von mir verstreuten Koerner aufpickt. Sie laesst sich zwar nicht gern streicheln, ist aber neugierig und menschenbezogen. Maple ist das einzige Huhn der grossen Rassen (Australorp und Orpington), das auf Menschenschultern und -ruecken fliegt. Die anderen Huehner machen das nicht mehr, seit sie gross, schwer und erwachsen sind. Maple ist staendig in Bewegung, daher sind alle aktuellen Bilder, die ich von ihr habe, unscharf oder verwackelt. Doch das ist eh der Standard bei meinen Huehnerbildern. Circa 90% der Bilder, die ich von ihnen schiesse, sind unscharf. Wahrscheinlich ist auch nicht zutraeglich, dass ich die Bilder mit meinem Handy mache, aber meist klappt es ja doch.

Ameraucana Henne Shadow schaut, als ob sie etwas plant.

Genau wie Icicle ist auch Shadow ein Ameraucana Huhn und wird eines Tages gruen-blaue Eier legen. Bislang ist das nocht nicht geschehen. Aber Shadow hat im Gegensatz zu Icicle schon einen tiefroten, ausgepraegten Kamm, was auf Reife hinweist. Shadow liebt es, genau wie Icicle und Maple, auf Personen oder hoehergelegte Objekte zu fliegen. Verkuschelt ist sie allerdings weniger. Wenn ein Huhn Futter am Schnabel oder am Kopf kleben hat, hilft Shadow sehr gern bei der Hygiene. Allerdings ist sie dabei nicht besonders zaertlich und das zu reinigende Huhn, oder auch Daisy, suchen schnell das Weite.

Australorp Hahn Daisy schaut stoisch.

Daisy ist ein toller Hahn. Er war und ist nie aggressiv gegenueber Huhn oder Mensch, er beschuetzt seine Hennen, ruft sie zu guten Futterstellen und laesst ihnen den Vortritt. Vor seiner Pubertaet war er auch kuschlig und liebte es, unter den Fluegeln gestreichelt zu werden. Das ist nicht mehr der Fall, dazu nimmt er seinen Hahnenjob wohl zu ernst. Wie auch Warrior ist Daisy in der Lage, auf einem Bein zu balancieren und nach Koernern zu picken. Ich bin wirklich froh mit meiner Hahnenwahl, Daisy ist ein echter Gentleman.

Jetzt wuerde ich euch gerne noch meine 36 anderen Huehner vorstellen. Dabei gibt es nur ein Problem: Ich habe sie noch nicht! 🙂 In 2021 wuerde ich wirklich gern meine Huehnerschar vergroessern. Allerdings braeuchte ich dazu einen groesseren Stall fuer den Winter. Und ob der dann noch transportabel ist, ist die Frage. Denn irgendwann werden wir wieder umziehen muessen. Ich ueberlege noch und kratze meinen Kopf ganz fleissig, wie sich dieses Problem elegant loesen laesst.

Fuer alle, die sich bis hierher tapfer durchgelesen haben, gibt es zur Belohnung Winterbilder.

Huehnerstall vor Morgenrot.
Fliegender Hund auf geraeumter Strasse.
Zaun, Feld, Berg.
Fast unberuehrter Schnee und ein Flugzeug am Himmel!
Schneehund bittet um Stockwurf.
Letztes Tageslicht.

Wenn die Temperaturen deutlich unter -15 °C sinken, finde ich manche Eier durchgefroren mit gerissener Schale vor, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Das finde ich schade. Aber Arma freut sich. Ueber Nacht taue ich die Fehleier auf und morgens freut sich Arma ueber etwas extra Eiweiss. Ich freue mich auch, immerhin wird so nichts vergeudet.

Arma wartet auf die Fresserlaubnis, waehrend Schnee auf ihrer Schnauze schmilzt.
Das Ei ist innerhalb von ein paar Sekunden aufgeschlabbert.

Aber auch die Huehner gehen nicht leer aus. Auf der Arbeit brachte mir ein Mechaniker eine Box voller abgelaufener Flugzeug-Notfallrationen in mein Buero mit den Worten „Als ich Huehner hatte, haben die das Zeug geliebt!“. Dankend habe ich also angenommen. Dass jemand an meine Huehner denkt, macht mich gluecklich.

Ein Block Notfallration enthaelt 2400 Kilokalorien. Jede ueberlebende Person darf einen Riegel a 200 Kilokalorien alle sechs Stunden essen.
Was mich ueberrascht hat, waren die Trinkanweisungen. Die ersten 24 Stunden soll man gar nichts trinken und danach einen halben Liter Wasser pro Tag. Wie soll man denn dann die vier trockenen Riegel runterwuergen?

Dass deutsche Flugzeuge solche Notfallrationen an Bord haben, bezweifle ich. In Kanada ist es vorgeschrieben, wenn man weite Strecken ueber unbewohnte Gebiete fliegt, aber ob die Definition auf Europa zutreffen kann?

Henne Icicle begutachtet eine noch eingeschweisste Ration.

Die Huehner durften testen. Ausnahmsweise wollte ich mal aus meiner Hand fuettern um zu sehen, ob die Notfallrationen wirklich so gut ankommen.

Icicle, Coco und Brave stuerzten sich gleich auf die Leckerei.
Kurz darauf gesellen sich Maple und Flurry dazu.

Fazit: Huehner gluecklich und satt, abgelaufene Nahrung wird verwertet, alle sind gluecklich.

Das Laecheln ist etwas eingefroren nach meiner Skitour zur Arbeit, aber es ist da!

Lasst es euch gut gehen!

Besinnung

Habe schon laenger nicht mehr gebloggt und schreibe daher heute ein Update zu mehreren Themen.

Arbeit

Tyrel hat eine neue Arbeitsstelle gefunden, weg vom Tourismus und mit Instandhaltung von Maschinen, was ihn interessiert. Zunaechst einmal bedeutet das natuerlich einen Einschnitt im Gehalt, aber ich bin froh, dass er endlich auf den Karrierepfad geraten ist, der ihn erfuellt und den er langfristig ausfuehren moechte. College ist zunaechst nicht mehr auf dem Plan fuer den Herbst aber die neue Firma scheint auch Moeglichkeiten zur Weiterentwicklung zu bieten, wenn man sich gut macht.

Ich arbeite noch fuer die Fluggesellschaft. Allerdings wurden meine Wochenstunden auf 30 reduziert. Als dies verkuendet wurde, wusste ich sofort, dass ich einen Minijob haben moechte fuer einen Tag in der Woche. Mal wieder was Neues lernen und machen, das war sowieso ueberfaellig.

Also habe ich mir Gedanken gemacht, was ich am liebsten machen wuerde, wenn ich es mir aussuchen koennte. Die Antwort darauf war relativ schnell klar: Ich wuerde gern in einer Fleischerei arbeiten. Nein, nicht bei Toennies. Sondern in meiner Lieblingsfleischerei, die ausschliesslich Fleisch von Tieren aus der unmittelbaren Umgebung verarbeitet und anbietet.

Beim naechsten Einkauf ein paar Tage spaeter habe ich meine Arbeitsabsicht kundgetan und sollte direkt den kommenden Freitag anfangen. Gesagt, getan. Seitdem arbeite ich freitags in der Fleischerei. Ich zerteile Organe, schneide Aufschnitt, poekel Speck, mache Wurst, raeuchere, verpacke und einiges mehr. Die Familie, die die Fleischerei betreibt, ist sehr lieb und die Arbeit macht Spass. Ausserdem lerne ich eine ganze Menge, das gefaellt mir immer gut.

Ich habe Spass mit dem hydraulischen Wurstfueller. Heute in der Herstellung: Boerenworst nach suedafrikanischem Rezept.

Huehner

Die Huehner sind gross, keine Anzeichen mehr von Kuekenzeit oder Halbstarken. Derzeit sind fuenf Haehne klar zu identifizieren – ich finde das reicht auch. Bleiben immer noch acht Hennen. Ein Hahn ist bereits umgezogen und lebt nun auf einem Biohof mit einem Harem Legehennen auf einer gruenen Wiese.

Ein letztes Kuscheln mit Hahn Clover.
Der Hahn im Korb. Hahn Clover mit ca. 30 Hennen.

Der Hahn, den ich gern behalten haette, hat mit der Zeit schiefe Zehen und somit Gleichgewichtsprobleme bekommen. So gern ich ihn habe, er wird zum Suppenhuhn werden. Schade drum. Aber es scheint ein genetisches Problem zu sein, da kein anderes Huhn aehnliche Probleme hat. Ich habe ueberlegt, ihn zu beerdigen, aber das fuehlt sich nach Verschwendung an. Wenn er gegessen wird, hat sein Leben beziehungsweise sein Tod mehr Sinn, wie ich finde.

Hahn Jumanji mit schiefen Zehen.
Huehner Jumanji und Brave helfen mir, Huehnerartikel von meinen Eltern zu praesentieren.

Auch sonst sind die Huehner munter und nach wie vor sehr menschenbezogen.

Huehner liegem gemuetlich vor dem ehemaligen Hundehaus, jetzt Huehnerbadehaus.
Morgendliches Geflatter im Auslauf nach Toroeffnung.
Der Klassiker: Verruecktes Huhn auf Schulter.

Laufen

Leider bin ich nicht wie geplant schon einen Marathon gelaufen.

Das Rennen hat ohne mich stattgefunden, trotzd der Pandemie. Die Regeln wurden stark veraendert um die Abstands- und Hygienevorgaben einzuhalten. Das hat dazu gefuehrt, dass es sich fuer mich nicht mehr nach Spass angehoert hat. Und Tyrel, mein Staffelpartner, wollte waehrend einer Pandemie nicht an einer Gruppenveranstaltung teilnehmen.

Ausserdem hatte ich eine gereizte Sehne im Fuss und habe ein paar Wochen vorher pausieren muessen. Nun ist alles wie neu und ich trainiere fuer meinen Bergmarathon 2021!

In diesem Sommer oder Herbst will ich trotzdem noch einen Marathon oder aehnliches laufen, wenn auch nicht ueber Berge. So weiss ich wenigstens, dass ich die Distanz stemmen kann und habe eine mentale Blockade weniger.

Da ich Ende April 80 km in einer Woche gelaufen bin, denke ich, dass es im Bereich des Moeglichen liegt.

Abschlussbild einer 80 km Laufwoche im April mit Arma und mir (daher der Schnee im Hintergrund).

Derzeit laufe ich ein- bis dreimal in der Woche, fahre aber viel Rad. Wenn es wieder kaelter wird, werde ich das Radeln wahrscheinlich wieder lassen – mit Fahrtwind ist es mir dann doch zu kalt.

Mein liebes Rad und ich halten eine Rast.

Arma

Leider hat Arma eine Autoimmunerkrankung entwickelt, die zu einer chronischen Entzuendung und Pigmentierung der Augenhornhaut fuehrt. Jetzt sind lebenslaenglich Augentropfen angesagt. Allerdings macht das die Augen empfindlicher fuer Verletzungen. Wir haben also eine schneidige Schutzausruesting besorgt.

Nasser Hund mit Schutzbrille wartet auf das Werfen eines Stoeckchens.

Um Arma mit auf ausgedehntere Wanderungen nehmen zu koennen, gewoehnen wir sie ausserdem an einen Hunderucksack.

Lasthund vor Bergkulisse.

Und sonst so

In der letzten Zeit ist mir klargeworden, dass die ganze Pandemie doch nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist, sondern mich etwas aus der Bahn warf. Ohne, dass ich das zunaechst gespuert habe.

Jetzt habe ich es erkannt und bin dabei, meine Balance wieder herzustellen.

Dazu gehoert, dass ich mir mehr Zeit nehme, den Sommer zu geniessen, statt ausschliesslich schier endlosen Projekten nachzulaufen. Ich treffe mich mehr mit Freunden, gehe mehr wandern, zelte bei den Huehnern, lese ein spannendes Buch (Danke, Anke!). Ich rede darueber, was nicht rund laeuft und merke, wie viele Leute in meinem Bekanntenkreis aehnlich fuehlen.

Auch wenn ich die ganze Krise oft gern abschuetteln und belaecheln wuerde – das macht es nicht besser.

Stattdessen kann ich mir viele Fragen stellen. Wer bin ich, was ist mir wichtig, wohin geht die Reise derzeit, wofuer und wie kaempfe ich?

Alles wichtig, um nicht irgendwann aufzuwachen und zu bereuen. Und Reue-Minimierung ist meine erklaerte Lebensmaxime. Von daher bin ich dankbar, dass mir die Krise diese Chance zum Innehalten gegeben hat.

Meine erste Fahrt in einem Kajak. Hat viel Spass gemacht.
Der Weg ist das Ziel – vor allem in alpinen Hoehen.
Freie Sicht oberhalb der Baumgrenze auf ca. 1300 Hoehenmetern.

Ich glaube, das musste ich erst fuer mich klaeren, bevor ich diesen Blogeintrag schreiben konnte. Also danke fuer die Geduld!

Dass WordPress den Editor komplett geaendert hat und immer noch aendert, hat auch nicht unbedingt die Schreiblaune gefoerdert. Aber jetzt hab ichs ja geschafft.

Ich wuensche euch eine schoene Woche! 🙂

Trailer or Nothing!

Unter dem Motto standen die letzten Monate: Entweder wir finden nen passenden Anhaenger oder unsere Plaene werden verdammt schwierig umzusetzen.

Um herauszufinden, welche Mindestgroesse denn fuer uns noch passend waere, klebte ich schliesslich ein potenzielles Tiny House Modell zusammen fuer einen 20 Fuss langen trailer zusammen.

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Fertig zusamengeklebt ist die Holzstaenderbauweise des kleinen Hauses mit abnehmbarem Schraegdach.

Als alle Waende und das Dach vollendet sind, frage ich Tyrel, wie man hierzulande denn Richtfest feiert. Fragender Blick seinerseits, den ich als Herausforderung zu einer deutschen Kulturstunde deute. Mit Heissklebepistole, gerebeltem Thymian und einem Fetzen Klopapier mache ich mich an die Herstellung des Anschauungsmaterials und haenge es an einen Dachbalken.

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Eine Miniatur-Richtkrone sorgt fuer Stimmung im Modell.

Ich stelle das festlich geschmueckte Modell vor Tyrel und erklaere ihm, dass jetzt die traditionell gekleideten Zimmerleute ein Spruechlein aufsagen und Familie, Freunde und Nachbarn zu der Feier zusammenkommen. Doch eine Sache fehlt noch zur Abrundung: Es wird natuerlich auch getrunken bei einem Richtfest! Aufopfernd nehme ich ein Likoerchen aus dem Schrank und demonstriere.

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Zum Wohl! Manche Tradition muss erhalten werden.

Die zwei Schluecke bereute ich am naechsten Morgen. Mein Hals kratzte und letztendlich brach Fieber aus. Trotzdem hat uns das Modell weitergeholfen: Wir haben buchstaeblich „begreifen“ koennen, wie sich ein Wohnraum mit den Dimensionen anfuehlen wuerde. Dass wir keinen Platz fuer ein richtiges loft (Zwischenboden) haetten. Aber wir haetten ihn schon, wenn wir unter dem loft eine Sitzecke einrichten wuerden, in der man eh die meiste Zeit sitzt und nach ca. 7 Mal Kopf an der Decke anschlagen auch lernt, dass man dort nicht aufrecht stehen kann. Ein Kompostklo im Tiny House wuerde nicht gehen, dafuer wuerde der Platz fehlen. Aber ich plaediere sowieso fuer ein Outhouse draussen. Seit wir unser Wasser selbst holen und pumpen und die Haelfte davon im Klo runterspuelen, glaube ich nicht mehr an die Fortschrittlichkeit von Spueltoiletten.

Nach meinem Fiebern musste ich ein lang geplantes Projekt auf der Arbeit einfuehren. Nur um in der darauffolgenden Woche eine Dienstreise in den US of A anzutreten. Von meinem Hotelzimmer aus staunte ich ueber den 24 Stunden waehrenden Verkehr. Unterhaltsamer als Fernsehen war das alle Mal.

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Sonnenuntergang hinter einer Metropole. Lange her, seit ich eine neunspurige Kreuzung sah.

Wieder zu Hause erblickte ich anstelle eines Trailers eine andere Anzeige: Welpen genau der Hundeart, die Tyrel schon so lange sucht. Gleich in der Naehe, nur gut zwei Fahrtstunden entfernt. Ich musste tief durchatmen und ueberlegen, ob ich ihm die Anzeige zuschicke. Immerhin haben wir jetzt wirklich andere Prioritaeten. Und der Hundewunsch koennte von mir aus auch noch 4 bis 200 Jahre unerfuellt bleiben. Aber fair muss man bleiben und Informationen vorenthalten ist nicht die feine englische Art. Also bekam Tyrel den Link zu der Anzeige zugeschickt. Und er wurde zwei Tage spaeter schon Besitzer von Arma.

Ja, sie ist niedlich. Ja, sie macht viel Unsinn und treibt einen gern in den Wahnsinn.

Arma ist halb Schaeferhund und halb Greyhound-Mix. Ich freue mich schon darauf, mit ihr spaeter wandern und laufen zu gehen. Doch zur Zeit scheint ihr Leben nur daraus zu bestehen, alles beissen zu wollen, dann muede zu werden und einzuschlafen, nach dem Aufwachen ganz schnell aufs Klo zu muessen und dann wieder zu spielen und zu beissen. Die Hundehalter, mit denen ich bisher gesprochen habe, versichern mir, dass die Welpenzeit zu schnell vorbeigeht und sie schon (!) mit sechs Monaten etwas ruhiger wird.

Tyrel ist jedenfalls sehr gluecklich, was ich gern sehe. Und ich bin fleissig am trainieren mit ihr, um sie gut zu erziehen. Es ist schon erstaunlich, wie schnell so ein junger Hund lernt.

Aber zurueck zum Thema.

Alle Trailer, die wir besichtigt haben, waren entweder unglaublich verrostet und/ oder ueberteuert.

In Ermangelung eines Trailers haben wir angefangen, uns nach Alternativen umzusehen. Koennten wir eventuell doch ein winziges Haeuschen auf unserem vorhandenen Trailer bauen? Wieviel kostet es, eine Konstruktion mit einem Umzugsunternehmen zu bewegen? Und was fuer Restriktionen gelten da? Alle Recherchen fuehrten zu unbefriedigenden Szenarios.

„Aber wir koennten doch einfach noch ein weiteres Jahr in diesem Haus hier verbringen.“, merkt Tyrel an waehrend seine Hand von Armas Zaehnen erkundet wird. Ich atme tief durch und entgegne, dass wir eine Loesung finden werden. Mitte Mai ist das Bauholz vom oertlichen Haendler im Angebot. Bis dahin muss die Grobplanung stehen. Die Uhr tickt.

Diesen Mittwoch geht es dann doch ganz schnell. Ich sehe eine sehr vielversprechende Anzeige eines Trailers, zwei Stunden entfernt von uns. Am Abend fahren wir hin. Kaufen ihn. Und ziehen ihn nach Hause. Eine wirklich passende Anhaengerkupplung haben wir zwar noch nicht. Aber ich merke an, dass wir nicht umsonst im letzten Wilden Westen leben; solange es sicher ist, wird es schon okay sein. Diese Ansicht scheint sowohl Tyrel als auch den Verkaeufer zu ueberzeugen – wir ziehen nach Hause mit unserem neuen, schoenen trailer.

Wir sind so begeistert von dem trailer, dass wir kein permanentes Haus darauf bauen wollen. Das waere irgendwie schade um den trailer, den man ja fuer nichts anderes mehr gebrauchen koennte. Stattdessen wollen wir unser kleines Haus selbst damit umziehen koennen. Und in einer zweiten Tour auch noch unser restliches Geraffel; je nachdem wie schwer das Haus an sich sein wird.

Diesen Beitrag konnte ich mit nur ca. 16 Welpenbespassungspausen verfassen. Fuer neue Aktionen mit der Heissklebepistole warte ich dann doch lieber, bis Tyrel zu Hause ist. Sicher ist sicher.

Habt eine gute Woche!

Reichtum

Es war wieder so weit und ich bin um ein Jahr gealtert. Gefreut habe ich mich auf einen schoenen, unaufgeregten Tag. Erst zur Arbeit, wo eine Kollegin angedeutet hat, dass sie einen Kuchen fuer mich backen wird. Anschliessend eine grosse Bestellung japanischer Koestlichkeiten aus dem Restaurant abholen, nach Hause eilen und auf dem Sofa versumpfen.

Am Morgen meines Geburtstags klingelt der Wecker um 3:29 h. Als erstes erreicht mich die Neuigkeit, dass ich mir diesen Tag fortan mit meinem Neffen teilen darf, der heute geboren wurde. Was fuer schoene Neuigkeiten und alle Beteiligten lassen mich so nah daran teilhaben, als waere ich nur auf einer kurzen Dienstreise. Genauso wie es schon bei meiner niedlichen Nichte war.

Auf der Arbeit wurden tatsaechlich zwei Obstkuchen mit Muerbeteig fuer mich hergestellt, die ausserordentlich lecker waren. Zur Feier der Geburt meines Neffen steuere ich ein kleines Kaesebrett zu, damit wir uns nach dem Kuchen noch auf einen Nachtisch freuen koennen. Oder ist der Kuchen der Nachtisch?

Auf der Arbeit erreichen mich zahlreiche gute Wuensche, und auch nachdem ich zu Hause den Berg Sushi und Co vernichtet habe, bin ich noch damit beschaeftigt, Briefe, Karten und ein Paket zu oeffnen (zwei weitere befinden sich wohl noch im Zulauf) und die lieben Worte, Wuensche und Gedanken aufzunehmen.

Ich lehne mich in die Couch und sinniere. Wie verdammt reich ich doch bin. Schon fast drei Jahre bin ich weg aus Deutschland und schaffe es auch nicht immer, auf jeden Brief und jede Email zu antworten. Wie einfach waere es doch fuer alle, sich dem zuzuwenden, was sie taeglich beschaeftigt? Wie aussergewoehnlich waere es schon, wenn ich mit ein oder zwei meiner Freunde im Kontakt geblieben waere? Und ich habe so viele, so gute Freunde, mit denen ich weiterhin so eng verbunden bin.

Das will ich gar nicht an Glueckwuenschen zum Geburtstag festmachen: Ich neige selbst dazu, Geburtstage zu vergessen. Nur den von meinem Neffen werde ich mir jetzt wohl merken koennen. 😉 Es ist ein unbeschreiblicher Reichtum, dass ich so viele liebe Menschen kenne. Ich weiss ganz genau, wenn ich morgen bei denen an die Tuer klopfen wuerde, oder auch erst in 20 Jahren, es waere wieder genau so, wie in den alten Zeiten, als wir uns vor Lachen gekruemmt oder schweigend beigestanden haben.

Auch hier im Yukon habe ich mittlerweile gute Freunde gefunden. Und verrueckterweise hat dieser Blog, der ja eigentlich nur statt Kettenemail an Freunde und Familie gedacht war, zu neuen Kontakten, Gedankenaustaeuschen und sogar Freundschaften gefuehrt.

Ich fuehle mich sehr reich und beschenkt, dass ich hier in diesem Land leben darf und meine Freunde in Deutschland dafuer nicht aufgeben musste. Ich fuehle neugierig auf das naechste Kapitel, dass ich in meinem Leben auf weisse Seiten schreiben darf. Ich fuehle mich stark und zuversichtlich, dass ich den Herausforderungen gewachsen sein werde.

Zurueck auf das Sofa, das Tyrel und mich mit unseren bis zum Rand gefuellten Baeuchen traegt. Dieses Jahr hatte ich mich mit ihm im Vorfeld darauf geeignet, dass er mir nun wirklich nichts schenken soll. Zu Weihnachten hat er schon tief in die Geldboerse gegriffen und mir die Nintendo Switch Spielkonsole gekauft, auf die ich schon ueber ein Jahr scharf war. Und irgendwie muessen wir beide ja die Geschenke auch bezahlen. Doch Tyrel erklaert feierlich, er habe ein Gedicht verfasst. Na gut, ein Gedicht lasse ich mir gern gefallen. Doch wozu bitte muss er dazu erst in den Keller gehen, ich meine Augen schliessen und er etwas Schweres hinter die Couch legen? Ohoh…

Mein lieber Ehemann konnte es nicht lassen. Zu viel mit den Augen rollen wollte ich auch nicht, es ist ja lieb gemeint. Ich bin jetzt Besitzerin eines SKS Gewehrs.

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Ich ziele fuer den ersten Schuss mit dem Gewehr in unserer Einfahrt.

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Die SKS besitzt ein ausklappbares Bajonett. Munition wird von oben mit Hilfe von Clips in das Magazin eingefuehrt.

Was ich ueber mein Gewehr weiss:

  • Es wurde 1953 in Russland beziehungsweise damals der Sowietunion hergestellt und ist gebraucht, aber professionell ueberholt.
  • Es ist guenstig (puuh…) aber sehr verlaesslich und wird daher gern von fraglichen Gruppen in Krisengebieten benutzt *schwitz*.
  • Die Produktion wurde eingestellt, weil die AK-47 guenstiger herzustellen war bei gleichem Kaliber 7,62 x 39 mm.
  • Bei manchen Militaerzeremonien in Russland wird es noch benutzt.
  • Es ist halbautomatisch. Das heisst das Gas, was beim Abfeuern einer Patrone entsteht, wird dazu verwendet, die naechste Patrone abfeuerbereit zu machen. Es ist kein Fertigladen nach jedem Schuss notwendig, solange Patronen im Magazin sind.

Halbautomatische Waffen waren mir eher suspekt. Eigentlich ist es ja einfacher, nur den Abzug zu betaetigen statt immer nachzuladen aber ich habe gesehen, dass sich die Patronenhuelsen manchmal verklemmen und nicht richtig herausbefoerdert werden. Das muss man natuerlich nicht unbedingt haben.

Tyrel ist jedenfalls der Meinung, dass dieses Gewehr meine halbautomatischen Vorbehalte aufloesen kann… und falls es so toll ist, wie er glaubt, moechte er vielleicht auch eins haben. Ahaaa! Also nicht so ganz uneigennuetzig. 😉 Mit der Nintendo Switch spielt er uebrigens auch wie ein Grosser.

Die SKS ist uebrigens die erste Feuerwaffe, der ich einen Namen gegeben habe. Ich habe sie Yuri genannt. Und zwar, weil ich jetzt aussehen muss wie ein richtiger Russe. Wer den Bezug nicht versteht, schaue sich bitte folgendes Video an.

Spielen da die Kinder nicht auch mit einer SKS?!

Wie auch immer, Waffen beiseite.

Ich danke Dir von Herzen fuer Deinen Kommentar, deinen Brief, deine Email, dein Paket oder auch einfach nur, dass du an mich gedacht hast und ich weiss, dass ich jederzeit an Deiner Tuer klopfen koennte und warm empfangen werde. ❤

Einschub – Privates

Eigentlich bin ich ja noch dabei, von meinem Flusstrip in der Wildnis zu berichten. Seit meiner Wiederkehr in die Zivilisation ist aber einiges passiert, sodass ich einen Einschub schreiben moechte.

Als ich wieder zur Arbeit erschien, fragte ich natuerlich ob es Neuigkeiten von meinem Chef (Marc) gibt. Ja, die gaebe es, aber die solle er selbst verbreiten. Den naechsten Tag wuerde er in die Firma kommen.

Der naechste Tag kam und mit ihm Marc. Mit Rollator und Hilfe. Man setzt sich zusammen. Die Behandlungen sind abgebrochen, er wird jetzt palliativ behandelt. Keiner kann sagen, wie die Krankheit voranschreiten wird, da sie so extrem selten ist und erst wenige Male ueberhaupt dokumentiert wurde.

Jedenfalls reiche seine Kraft nicht aus, sich ausreichend um seine Arbeit zu kuemmern. An manchen Tagen kann er das Bett nicht verlassen vor Schmerzen. An anderen Tagen hat er etwas mehr Energie. Aber die will er dafuer nutzen, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Daher wird er morgen aus dem Unternehmen ausscheiden.

Wie es jetzt mit unserer Abteilung weiterginge, frage ich. Der Direktor kam mittlerweile dazu. Das stehe nicht fest. Und wir sollten uns ungestoert unterhalten.

Zum ungestoerten unterhalten gingen wir in unseren altern Buerocontainer. Ob ich mir vorstellen koenne, die Ingenieursabteilung zu leiten, fragt Marc. Das komme drauf an zu welchen Bedingungen, antworte ich. Ich wuerde verlaessliche Hilfe benoetigen bei einigen Themengebieten, einiges muesse fremd vergeben werden. Und ich haette keine Lust, mein Privatleben hintenanzustellen und keine Freizeit mehr zu haben.

Und ausserdem, und jetzt muss auch ich schluchzen, ist es doch total doof, dass ich davon profitiere, dass er krank ist!

Ich solle es auch einer anderen Perspektive sehen: Wenn ich es mache, helfe ich dem Unternehmen und allen Beteiligten. Als Marc vor ein paar Jahren gekuendigt hatte, war seine Stelle 1,5 Jahre lang weltweit ausgeschrieben und nicht eine Bewerbung ist eingegangen. Ich bin vielleicht nicht sehr lange angelernt worden, lerne aber blitzschnell und bin auch faehig, mir Sachen selbst beizubringen aus dem Kontext. Ausserdem stehe Marc mir weiterhin bei Fragen zur Verfuegung. Nicht weil er muesse, sondern weil er gerne moechte. Seine Arbeit haette ihm immer grossen Spass gemacht und ausserdem ist es gut fuer ihn, sich nicht nur mit der Krankheit zu beschaeftigen.

Na gut… dann bin ich wohl Chef. Wie verrueckt das Leben manchmal spielt.

Marc bewundere ich dafuer, wie stark er ist. Mit seiner Partnerin und vier kleinen Kindern als Alleinversorger auszufallen, ist ein starkes Stueck. Und seine Partnerin kann jetzt noch nicht mal arbeiten gehen, da er die Kinder allein nicht betreuen kann, geschweige denn Essen zuzubereiten oder den Haushalt zu machen.

Aus meinem Gefuehl des Mitleides und der Hilflosigkeit versuche ich etwas Positives zu schaffen. In Canada ist man zwar stolz auf die soziale Absicherung und medizinische Versorgung aber in Wirklichkeit ist das Gebotene eher ein Bruchteil von dem, was ich aus Deutschland kenne. In Wirklichkeit kann Marcs Familie vielleicht ihr Haus nicht halten. Fuer mich steht fest, dass ich Geld sammeln moechte. Und ich finde, die Firma sollte sich daran beteiligen nach allem, was Marc fuer sie getan hat.

Nach einigen Gespraechen, Emails an leitende Personen und produktiven Besprechungen habe ich das tatsaechlich geschafft, die Firma wird $2500 spenden, wenn $2500 an Privatspenden zusammenkommen. Hier ist der Link zur Spendenseite und somit ein wirklicher Einblick in mein Privatleben:

https://www.gofundme.com/marc-bergeron

Ausserdem besuche ich Marc alle zwei bis drei Wochen wenn die Kinder in der Schule sind. Wir haben beschlossen, eine Kuchentherapie zu machen. Ich bringe Kuchen zum Besuch und entweder die Krankheit wird davon geheilt und wir gewinnen einen Medizin-Nobelpreis oder aber es bringt nichts und wir haben wenigstens gute Kuchen zusammen gegessen. 🙂 Den restlichen Kuchen lasse ich natuerlich da, so koenne die Kinder ihn vernichten wenn sie auch der Schule kommen.

Mein neuer Job macht mir Spass. Ich kann gut mit Verantwortung umgehen. Zunaechst habe ich viel Aufraeum- und Umstrukturierungsaufgaben vor mir fuer die naechsten Monate. Und wenn ich damit fertig bin, werden neue Projekte in Angriff genommen. So gut wie taeglich flattert sowieso etwas Dringliches auf den Tisch, so wird es nicht langweilig.

Zu Halloween wurde zum kanadischen Buffet (potluck) aufgerufen. Jeder bringt was mit, keiner spricht sich ab. Und bitte im Kostuem! Mir ist nur ein Kostuem eingefallen, das angebracht war, so hab ich es selbst geschneidert und bemalt am Abend vorher.

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Ich arbeite an meinem Schreibtisch im Flugzeugkostuem.

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Meine Arme sind die Fluegel, an denen sogar kleine Triebwerke baumeln.

Das Leben ist vielleicht nicht gerade gerecht, aber es ist doch schoen!

Diese Lektion kann man von Menschen wie Marc lernen, wenn man es an sich heran laesst.

Fokus

Eigentlich wollte ich nicht darueber schreiben. Jetzt mache ich es doch, denn ich weiss nicht, wie ich irgendetwas schreiben soll ohne es zu beschreiben.

Mein Chef ist krank seit zwei Monaten. Richtig krank. Er hat Tumore am Rueckenmark, die mittlerweile seine Nerven geschaedigt haben. Heisst, er kann abwaerts der Brust seine Haut nicht mehr spueren und seine Beine nur noch ziemlich unkontrolliert bewegen. Krebs ist es nicht aber eine extrem seltene Sache, sodass keiner weiss, wie es weitergeht oder auch nicht.

Er ist noch keine 40 Jahre, hat mit seiner Partnerin vier kleine Kinder im Alter von zehn bis vier Jahren. Sportlich, die Familie isst nur Bio und gute Sachen.

Und dann sowas.

Freitag habe ich ihn nach zwei Monaten wieder gesehen, er kam ueberraschend ins Buero. Mit Rollator und Hilfe seiner Partnerin. Es taete ihm gut, sich hier ein bisschen normal zu fuehlen, sagt er, waehrend er mir Zugriffe auf Datenbanken und Passwoerter und kleine Kniffe zeigt. Nach eine Stunde kommt seine Partnerin um ihn wie verabredet abzuholen. Er kann nicht so lange sitzen.

Gib uns noch etwas Zeit, bittet er sie, wir sind noch nicht fertig und ich fuehle mich gut. Sie nimmt den Vierjaehrigen an die Hand und verspricht, bald wiederzukommen.

Er haette sich abgefunden damit, Paraplegiker zu sein, erklaert er mir. Doch seit dem Wochenende merke er, dass das Gefuehl in seinen Armen schwindet. Er wurde erst weiter unten an der Wirbelsaeule operiert, daher wollen sie in Vancouver nichts machen. Am Montag hat er einen Termin in Ottawa, da wollen sie feststellen, ob er vielleicht fuer die Cyber-Knife-Methode in Frage kommt. Da wird mit hoher oertlicher Dosis Bestrahlung operiert statt mit einem Messer.

Fuer alles, was kommt, ist er vorbereitet. Falls er weder Arme, noch Beine bewegen kann, soll der Stecker so schnell wie moeglich gezogen werden. Ohne Reue blickt er zurueck „What a great life!!!“ Nur findet er es schade, dass er seine Partnerin vielleicht mit der Erziehung der vier Kinder allein lassen muss. Das ist ein grosser Job. „Wir haben so viel Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe investiert in die Erziehung der beiden Aelteren und man sieht bereits, wie sich das auszahlt. Ich weiss nicht, ob eine Person alleine den Kleineren so viel Aufmerksamkeit bieten kann. Das ist die einzige Sache, die mich beschaeftigt.“

Seine Ernaehrung habe er auch umgestellt, er isst jetzt keto, nur noch 20 Gramm Kohlenhydrate maximal pro Tag. „Das heisst, du kannst Kaese essen, oder?!“ frage ich freudig. „Ja genau, ich esse Berge von Kaese.“ Sofort hole ich mein dickes Stueck Kaese (heute ein Tomme de Chevre des Alps) aus meiner Tasche, das ich sonst zu Mittag gegessen haette und biete es ihm an. „Vielleicht ein kleines Eckchen… hast du ein Messer?“ „Ja, habe ich, aber beiss doch einfach ab. Du kannst alles haben, ich hab noch mehr davon.“ Zwei Minuten spaeter ist vom Kaese nichts mehr uebrig, es scheint zu schmecken.

Schliesslich kommt auch die Partnerin wieder, jetzt ist es Zeit zu gehen. Wir gehen zur Tuer um sie hereinzuwinken, er sitzt auf seinem Rollator vor der Tuer und schaut heraus. Sieht ernst zu mir hoch und breitet einen Arm aus. Ich beuge mich herunter und wir umarmen uns.

Vielleicht war es das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. Vielleicht koennen sie ihm helfen, dass es nicht noch schlimmer wird. Ich wuensche ihm und seiner Familie von Herzen das Beste.

Dass er ohne Reue lebt, finde ich ganz toll. Fuer wie viele Leute waere so eine Krankheit eine Gelegenheit um festzustellen, dass man nicht den eigenen Weg im Leben gegangen, sondern der Umstaende wegen so viele Kompromisse eingegangen ist, dass man nicht mehr weiss, wer man eigentlich ist.

Vor fast zwei Monaten ist ein lieber Freund von mir in Deutschland gestorben.

Vor zwei Monaten habe ich angefangen zu laufen. Mit einer Minute laufen, mehr ging nicht. Jetzt kann ich 30 Minuten laufen. Morgen will ich fuenf Kilometer schaffen.

In diesem Leben will ich eine gesunde und glueckliche Version meiner selbst sein. Es gibt keine Ausreden, kein Gejammer. Ich mache es oder ich lasse es.

Ich bin hier. Und hier bin ich genau richtig.

Nicht bereit, mich zu verbiegen. Bereit, alle Herausforderungen anzunehmen.

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Ich. Eine Seite meiner Haare sind abrasiert. Das bin ich und das ist mein Weg

Berufsstände

Meine Augen haben sich wieder etwas mehr auf unscharf gestellt und verdreht. Die Sehschwäche kratzt mittlerweile an der -7 und auch die Hornhautverkrümmung hat zugenommen.

Unschöner Nebeneffekt: Die torischen Kontaktlinsen drehen auch fleißig im Auge umher und ich sehe nur noch mit einem Auge scharf. Maximal einem Auge.

Dann stellen wir halt vorerst auf das gute alte Nasenfahrrad um.

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Ich, bebrillt, vor elektronischen Zeichnungen im Büro.

Tyrel findet, dass ich jetzt wirklich aussehe wie ein Ingenieur. Und irgendwie bin ich das ja auch.

An manchen Tagen auf der Arbeit klappt es erstaunlich gut. Ich ändere Zeichnungen von Flugzeugelektronik anhand von Ingenieursaufträgen. Ich verfasse meinen ersten kleinen Ingenieursauftrag zum Austausch von Navigationscontrollern.

Dann gibt es wieder Tage, an denen ich mich frage, was ich hier eigentlich mache und wie irgendwer auf die Idee kommt, dass ich dafür qualifiziert bin.

Doch dann beruhige ich mich schnell wieder. Natürlich bin ich qualifiziert. Immerhin habe ich 1998 alle Folgen der Sendung mit der Maus gesehen, die den Flugzeugbau erklärt haben!

Nachmittags gehe ich spazieren und treffe auf Biberdämme. Vor Ort stand ich in einer Mückenwolke. Doch das Bild, das ich geschossen habe, schaue ich mir später noch sehr gerne an.

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Ein Biberdamm staut einen kleinen Bach auf, umgeben von frischem Grün.

Was für schöne Farben. Und eine ganz raffinierte Baukunst, die diese Nagetiere einfach so vollbringen.

Oh Kanada, du bringst mich immer wieder zum Staunen. 🙂

Job 5: Nochmal die Fluggesellschaft

Jawohl, ein neuer Job.

War ja auch mal wieder Zeit, oder? Immerhin habe ich den letzten ganze 4 (in Worten: vier) Monate durchgezogen!

Um ehrlich zu sein, bin ich in Job 5 reingerutscht. Oder er in mich? Hmm… Wie auch immer. 🙂

Vor einigen Wochen kam der Ingenieur der Airline auf mich zu und fragte mich, ob ich gut in Logik bin. „Ich liebe Logik!“ antwortete ich, woraufhin er nur noch von elektrischen Schaltkreisen sprach. Ich nickte und laechelte abwechselnd, bis er verabredete, mir seine Entwuerfe zu geben, damit ich sie nachvollziehen kann.

Nachdem er hinter der Stellwand meines Buerowuerfels verschwunden war, begann ich die Internetrecherche zu diesem Kommunikationsproblem und wurde schnell fuendig.

Die schlechte Nachricht: Ich habe soeben verkuendet, dass ich Elektronik liebe und damit impliziert, dass ich mich gut auskenne, obwohl ich als Maschinenbauer der natuerliche Feind des Elektrotechnikers bin und ebensowenig Ahnung davon habe.

Die gute Nachricht: Es scheint ja irgendwie logisch zu sein, wenn es Logic heisst. Und ich liebe Logik wirklich. Ausserdem kann Elektronik auch nicht schwerer sein als zum Beispiel die Festlegung der Profilverschiebung eines zu konstruierendes Zahnrades, dessen komplettes Getriebe in einer zufaellig besetzten Gruppenarbeit bearbeitet wird. Oder so.

Und immer, wenn ein Elektriker mich als Mechaniker ueberheblich behandelt, spielt sofort folgendes Lied von Torfrock in meinem Kopf:

Im schlimmsten Fall sage ich dem Ingenieur einfach, dass er eine richtig gute Arbeit abgeliefert hat und ich nicht einen einzigen Fehler finden konnte. 🙂

Ein paar Tage spaeter habe ich dann tatsaechlich die Arbeit in der Hand. Das Internet stellt mir freundlicherweise genug Ressourcen zur Verfuegung, um mir das Thema selbst naeherzubringen und dann nachzuvollziehen, was er da eigentlich gemacht hat. Und Matheregeln spielen auch eine Rolle: Allerdings sind die Boolschen Regeln anders als die ueblichen.

Ich wurstel mich durch, nach ein paar Stunden habe ich alles in einem Elektronikprogramm nachgebildet und mache mich an die mathematischen Vereinfachungen, suche Gemeinsamkeiten, klammere aus und stelle um. Auch die bilde ich nach und vergleiche die Logiktabellen.

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Ein Ausschnitt aus meiner ersten elektronischen Schaltung.

Als ich beim Herunterscrollen der Tabellen erkenne, dass meine Loesung die gleichen Ergebnisse liefert, wie die des Ingenieurs, rauschen ein paar Glueckshormone durch meine Blutbahn. Ich habs!!!

Schliesslich suche ich noch die passenden Hardware-Module mit Bestellnummern heraus, die in einem Flugzeug verbaut werden koennen. Ich grinse vor mich hin, weil der alte Rechenschieber auf meinem Hals doch noch nicht allzu verrostet ist.

Dem Ingenieur faellt die Kinnlade herunter, als er meine Loesung sieht. „Pro Flugzeug sparen wir damit $2000!“ merkt er an. Wieder laechel und nicke ich, wie am Anfang des Projekts.

Kurze Zeit spaeter taucht eine ominoese Stellenausschreibung auf, die wie fuer mich gemacht scheint. Engineering Support Specialist, zu deutsch heutzutage wahrscheinlich der gleiche Begriff. Ein Spezialist, der die Ingenieursarbeit unterstuetzt. Kann ich, mach ich.

Bekam ich.

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Dunkle Moebel, weisse Waende. In diesem Buero kommt der Bregen in Wallung.

Freitag bin ich umgezogen in mein eigenes Buero. Es steht in einem Container, zusammen mit dem Buero des Ingenieurs. Ich freue mich schon drauf, was als naechstes verruecktes passiert. 🙂

Morgens halb 4 in Kanada

Schon 3:30h und hoechste Zeit aufzustehen!

Der Blick ist noch ganz verschwommen durch die Augenpopel, die um diese Uhrzeit noch nicht den Ausgang bei der Traenendruese gefunden haben. Trotzdem finde ich den Weg ins Badezimmer und stecke mir die Zahnbuerste in den Hals. Da sehe ich eine Nachricht, die mich stutzig werden laesst: Tyrel bittet mich darum, ihn aufzuwecken! Um diese Uhrzeit!

Seiner Bitte nachkommend hole ich ihn aus dem Lummerland und frage nochmals nach, ob er denn wirklich aufstehen moechte. Immerhin muss er erst in sieben Stunden zur Arbeit. Er entgegnet eine Frage: „Kannst du nachgucken, wie viel Schnee auf den Auto liegt?“ Ich stapfe zum Fenster an der anderen Seite des Hauses und schiele aufs Auto. „Nur ein bisschen Puderschnee, alles gut.“ „…ich habe die Einfahrt geraeumt!“ Erneutes Stapfen zum Fenster. „Oh wow, vielen Dank!!“ „Erst habe ich begonnen zu Schaufeln aber dann habe ich einen Redneck Plow gebaut. Ich fahre mit dir die Einfahrt hoch um dir zu zeigen, wie super das geht!“

  1. Unsere Einfahrt ist ca. 700 Meter lang mit beachtlichem Gefaelle (zum Haus geht es bergab) sowie Unebenheiten.
  2. Es hat diesen Winter ziemlich viel geschneit fuer Yukon Verhaeltnisse (Waden- bis kniehoch).
  3. Als Redneck Plow bezeichnet man einen Schneepflug, der notduerftig aus vorhandenen Materialien zusammengezimmert wurde und der hinter einem Truck gezogen wird.
  4. Tyrels Redneck Plow besteht aus zu einem Balken zusammengefuegten Holzlatten.

Moment… wenn er sich sicher ist, dass das super funktioniert, warum steht er dann um diese Uhrzeit auf?

Ich mache mich schnell fertig. Schliesslich mag ich es ueberhaupt nicht, zu spaet zur Arbeit zu kommen. Und gestern bin ich mit dem Auto eher die Ausfahrt hochgeschwommen statt gefahren.

Vor Ort stelle ich fest, dass der Schnee irgendwie verdichtet ist und ich darauf gehen kann. Scheint also geklappt zu haben das mit dem Schneeraeumen.

Nach ca. 7 Minuten hat Tyrel noch vor dem Huegel das Auto so festgefahren, dass es weder vor- noch zurueck geht.

Wir stapfen zum Truck, Tyrel faehrt mich bis zur Strasse und laeuft zum Haus zurueck. Es werden fuer ihn zwei harte Schaufelstunden werden, bis er das Auto zur Arbeit fahren kann. Ich schreibe meiner Arbeitskollegin, dass ich mich eventuell ein paar Minuten verspaeten werde. Zum Glueck habe ich jeden Morgen einen 15minuetigen Zeitpuffer fuer Unvorhergesehenes und schlechte Strassenverhaeltnisse eingeplant, sodass ich drei Minuten zu frueh ankomme. Im Buero schnell die aktuelle Flugplanung studieren, Schreibzeug und Taschenrechner greifen und ab in den Hangar.

Dort gehe ich zur Tuer rein und da stehen sie. Meine Arbeitskollegin und vor ihr zwei Duesenjets der kanadischen Luftwaffe!

Die beiden Schmuckstücke waren ein Unterhaltungspunkt bei den Sourdough Rendezvous letztes Wochenende. Sie sind geflogen und durften auch am Flughafen bewundert werden. Nun wärmen sie auch kurz in unserer beheizten Flugzeuggarage auf, bis sie sich wieder auf den Heimweg machen.

Nach gut 1,5 Jahren Whitehorse bin könnte ich auch mal wieder auf fliegen… Ob ich dieses Mal erfolgreicher bin im Kapern?

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Irgendwie fehlt mir der Steigbügel, um in dieses Flugzeug einsteigen zu können.

Ganz besonders interessant finde ich die Sitze der Piloten. Je Flugzeug sitzen zwei Piloten hintereinander und so sieht ihre Rückenlehne aus:

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Man könnte fast denken, es handelt sich um einen großen klobigen Plastikkasten, den man sich als Rucksack aufsetzt. Aber irgendwo muss ja die ganze Sicherheitsausrüstung hinpassen, samt Fallschirm und Schleudersitz.

Kurz vor 6 Uhr morgens sitze ich im Büro und wundere mich darüber, was heute schon alles passiert ist.