Gastbeitrag – Auf neuen Wegen

Wenn ich Besuch von Freunden aus Deutschland hatte, fragte ich regelmäßig, ob der Besuch einen Gastbeitrag aus deren Perspektive verfassen will.

Jetzt hatte ich schon länger keinen Besuch, aber meine Freundin und Nachbarin Berenike beschloss, in ihr Heimatland Deutschland zurückzukehren. Sie hat tatsächlich zugestimmt, einen Beitrag zu verfassen. Ganz lieben Dank dafür!

Wir hatten eine schöne Zeit gemeinsam im Yukon, seht selbst wie wir uns über meinen Monster-Osterzopf gefreut haben.

Berenike, ein monströses Hefegebäck und ich.

Während ich weiterhin sehr glücklich bin, hier zu sein, führte sie ihr nächster Schritt zurück über den Atlantik. Ihre Entscheidung finde ich sehr mutig und ich wünsche ihr vom Herzen alles Gute.

Am besten lest ihr aus ihrer Feder:


Seit genau vier Wochen bin ich nun wieder in Deutschland, nach dreieinhalb Jahren in denen mein Leben im Yukon statt fand. Dort lebte ich auf einem benachbarten Grundstück von Luisa, ebenfalls im Tiny House gemeinsam mit Partner, Hund und Ziege.

Das letzte Jahr über merkte ich, wie sehr ich meine Familie in Deutschland vermisse, gerade da meine Schwester einen Sohn bekam und meine Verwandten dadurch noch mehr zusammen wuchsen. Ich hatte richtiges Heimweh (es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich dieses Gefühl so deutlich spürte, davor war ich immer die „Nestflüchterin“ und war schon als junges Kind viel unterwegs).  Durch den Corona Virus und die Reiseeinschränkungen war es unabsehbar wann ich (wie so viele andere) wieder in die Heimat reisen kann. Im August war dann ein Besuch möglich, doch das Heimweh wurde dadurch nicht gestillt, sondern zu meinem Erschrecken gestärkt. Zurück in Kanada gab mein Herz mir ziemlich deutlich den Weg vor, den es zu gehen galt und trotz sehr schmerzlichen Abschieds ging es wenige Wochen später zurück nach Deutschland- dieses Mal mit gepackten Koffern.

Im Flieger über nordwestamerikanischen Bergketten.

Seit dem Moment in dem ich in meinem Geburtsort ankam, empfingen mich offene Arme, Herzen und Haustüren. Es erfüllte mein Herz mit tiefer Dankbarkeit und Liebe zu sehen, wie viele Menschen sich freuen, dass ich wieder in der Nähe lebe. Allen voran meine drei Patenkinder, mit denen ich nun viel Zeit verbringen darf, nachdem ich drei Jahre in ihren kurzen Leben verpasst hatte.

Entspannen im Kajak.

Ich bin sehr dankbar für die wundervolle Lebenszeit, die ich im Yukon verbracht habe und für die tiefen Verbindungen zu Menschen, Tieren und der atemberaubenden Landschaft.

Reiten im deutschen Wald.

Falls ihr euch irgendwo hingezogen fühlt, sei es ein Land, eine Person, ein Abenteuer, ist mein größter Rat einen Schritt darauf zu zugehen. Ich habe gelernt, dass meine Intuition der beste Kompass ist und mein Gefühl mir ziemlich genau sagt, was nun dran ist.

Berenike und Neffe genießen den Moment.

„Wohin du auch gehst, gehe mit ganzem Herzen“

Ohne Oma

Zur Morgendämmerung erspähe ich das erste Nordlicht der wieder dunkel werdenden Tage.

Ein grünes Nordlicht am Himmel.

Einen Tag später verstirbt meine Oma.

Morgendämmerung mit Nordlicht und Baumsilhouette.

Oma.

Bist du jetzt beim lieben Gott, für den du so viele Jahre die Kirche geschmückt hast?

Hast du alle Freunde und Verwandten wiedergetroffen, die du lange vermisst hast?

Und für mich am wichtigsten, hast du deinen Frieden gefunden?

Egal wo du bist, ein Stück von dir lebt in mir.

Und vielleicht, wenn du nichts Besseres vor hast,

Kannst du eines Nachts für mich

Mit den Indianervorfahren über den schwarzen Winterhimmel tanzen?

Dann weiß ich, dass du gut angekommen bist.

Ich habe dich lieb.

Dein Luluchen

Sommer

Rasch, rasch

Mit dem Kescher

Fange die Momente ein!

Gruen und wuchernd,

Rot und voll,

Bunt und wuselnd,

Gold und warm.

Davon hat’s noch nicht genug –

Muss doch reichen

Fuer die Tage

Wenn die Sterne wieder strahlen.

Wenn die Nasenhaare frieren,

Wenn der Ofen wieder brennt.

Dann, nur dann

Spinn ich die Faeden

Der fluechtigen Waerme

In ein seelenwaermendes Garn.

Essbare Blueten in Garten: Kornblumen, Veilchen, Stiefmuetterchen, Katzenminze.
Mein Rucola blueht und ich finde die weissen Blueten so wunderschoen.
Reiche Ernte: laenglich-blaue haskap berries oder Honigbeeren.
Selbst die Bergziege im Tiergehege zieht das Winterfell aus.
Malen mit Filzstiften: Der Takhini River.
Mein Gemuesegarten samt Regenbogen.
Im Ueberfluss wachsende highbush cranberries, eine Art des Schneeballs.
Auf der Hauptstrasse in Whitehorse: Fussgaengerueberweg in deutschen Nationalfarben.
Ich versuche mich an Stand Up Paddling – Paddeln im Stehen.
Arma, guter Laune beim Spaziergang.
Senfblueten in meinem Feld.
Fireweed (Weidenroeschen) in meinem Haferfeld.
Sahne schlagen ohne Strom mit Akkubohrmaschine.
Das Ergebnis: Haskap-Mohn-Eiscreme, selbstgemacht.
Selbstgegrillte Pizza mit Salami, Zwiebeln, Kaese, eingelegten Gurken, eingelegten Pfefferschoten und Dill.
Ich, bemehlt, beim Pizza backen.
Arma und ich machen Pause vom Wandern auf einer Steilwand.
Lohnende Aussicht mit Berg und Tal.

Der Lauf

Schliesslich war es soweit, der Tag meines Laufes.

Da 2020 der Sommer im Yukon ausgefallen ist, war es mit 27 °C der heisseste Tag in zwei Jahren. Dafuer konnte niemand trainieren, man musste es einfach so hinnehmen.

Am Vortag des Laufes hiess es Startnummern abholen und zwei Haftungsausschluesse unterzeichnen. Anschliessend versuchen zu schlafen.

Tyrel’s Wecker klingelt. Sein Startschuss ist um 6 Uhr morgens, da er den ersten Teil des Laufes uebernimmt. Ich raufe mir die Haare, waehrend er schliesslich um 5:38 Uhr das Haus verlaesst und noch ne ganze Ecke zu fahren hat. Aber auch nach 6 Uhr bekomme ich weder Nachricht noch Anruf von ihm, daher gehe ich davon aus, dass er gerade noch rechtzeitig angekommen ist.

An Schlaf ist fuer mich nicht mehr zu denken. Ich mache langsam, esse mein Standardfruehstueck, das mir noch nie quer im Magen lag: Haferflocken, gefrorene Heidelbeeren, Mandelmuss, Konfituere, 85 %ige Schokolade, gehobelte Mandeln, Apfel, heisses Wasser. Eigentlich gehoert noch kaltgepresstes Oel dazu, aber darauf verzichte ich heute. Seit dem Aufwachen trinke ich Wasser mit Elektrolyttabletten. Bei 27 °C werde ich bestimmt viel schwitzen.

Ich kontrolliere nochmal, ob ich auch alle vorgeschriebenen Gepaeckstuecke mitfuehre und packe mir grosszuegig Essen ein. Die 1,5 Liter Wasser, die ich mitfuehre, enthalten auch Elektrolyte.

Ab ins Auto, zum Staffelwechselpunkt.

Mein Handy klingelt, es ist Tyrel. Er musste aus dem Rennen ausscheiden. Nach dem ersten halsbrecherischen Anstieg ging es nach Kilometer 17 genauso steil wieder bergab. Da entschieden sich seine Beine, den Dienst zu verweigern und nicht mehr mit dem Krampfen aufzuhoeren. Tyrel hievte sich zurueck bergauf zur letzten Verpflegungsstation und wartete auf den Ruecktransport zum Staffelwechselpunkt.

Ich verspuere ein bisschen Genugtuung und Erleichterung. Erleichterung, weil ich meinen Teil noch laufen kann, aber ausserhalb der Wertung und ausserhalb jeglichen Drucks. Genugtuung, weil Tyrel den Lauf nicht richtig ernst nahm und jetzt die Quittung dafuer bekam. Ja, er ist vom Typen her sehr sportlich. Aber wer fuer diese Art von Lauf nicht trainieren und auch waehrend des Laufs Kalorien aufnehmen moechte, der bekommt halt die Quittung dafuer. Trotzdem freue ich mich, dass es fuer ihn ein positives Erlebnis fuer ihn war und es Spass gemacht hat, obwohl er dem ganzen sehr skeptisch gegenueber stand.

Kurz nach 10 Uhr komme ich am Zielort an und schildere die Situation dem Veranstalter. Ja, ich kann meinen Teil noch laufen und ja, ich brauche nicht bis 13:30 h warten. Das ist die Zeit des Massenstarts fuer den zweiten Teil, fuer alle Teilnehmer, deren Staffelpartner es nicht rechtzeitig ins Ziel geschafft hat. Um 11:30 h wuerde eine Laeuferin den zweiten Teil alleine starten, da ihr Staffelpartner krankheitsbedingt den ersten Teil nicht antreten konnte. Bis dahin klatsche ich den eintrudelnden Laeufern Beifall.

Ich, Startnummer 164, vor dem Start.

Gegen 11 Uhr verschwinde ich zum Pinkeln ins Gebuesch und kurz darauf trifft Tyrel staksenderweise ein. Leider hat er seinen Zeitstab, mit dem bei jeder Verpflegungsstation die Zeit festgehalten wird, einem Helfer gegeben, der nicht wieder auftaucht. Um 11:15 h bekomme ich das Okay, dass ich auch ohne Zeitstab starten darf, ist ja eh ausserhalb der Wertung. Die partnerlose Laeuferin steht schon bereit. Ob wir schon jetzt starten wollen? Na klar!

Schnell druecke ich Tyrel meine Wasserflasche in den Hand und einen Kuss auf die Lippen trotz seiner Abneigung gegenueber oeffentlichem Zurschaustellen von Liebkosungen, starte die Strecke auf meiner GPS Uhr und duese los.

Ich auf den ersten Schritten des Laufes.
Los geht’s fuer mich mit unerwartetem Elan.

Die ersten 10 Kilometer sind mal steil, mal eben, mal schlammig, aber laufbar. Mir geht es prima, ich kann kaum fassen, dass ich endlich das Rennen laufe, fuer das ich mich im Dezember 2019 eingeschrieben habe! Der erste Teilabschnitt endet mit einer Flussdurchquerung, die Abkuehlung ist wirklich noetig. Auch meine Kopfbedeckung tunke ich in das kuehle Schmelzwasser. Ein Fotograf faengt mich mit seiner grossen Linse ein, ich sehe sein oder ihr Gesicht gar nicht.

Nach der Fluessquerung faellt mir ein, dass ich eigentlich eine Verpflegungsstation davor erwartet hatte aber keine gesehen habe. Sollte ich zurueck gehen? Nein, ich habe noch ausreichend zu essen und trinken.

Anschliessend geht es bergauf, bergauf, bergauf, bis ich mich oberhalb der Baumgrenze auf meinem lieben Hochplateau wiederfinde.

Mein Weg zwischen Weidenbueschen, im Hintergrund Berspitzen.

Ich liebe diese Gegend, trotz der Anstrengung strahle ich weiterhin.

Strahlefrau auf Hochplateau.

Trotz der schoenen Aussicht ist es unglaublich heiss ohne Schatten, der Anstieg zieht sich ewig und ich laufe in einer Wolke Muecken und auch Kriebelmuecken, den black flies. Der Temperatursensor meiner Uhr zeigt auf dieser Strecke 37 °C an. Ich mache langsam, teile mit Kraefte und Wasser ein und schiesse dann und wann ein Bild.

Alpine Seen und schneebefleckte Berge.
Die Erschoepfung manifestiert sich in meinen zweifelnden Augenbrauen.

Schliesslich laufe ich ohne Weg in der hochalpinen Landschaft. Zum Glueck ueberholen mich hier relativ viele Laeufer, die den Weg besser kennen als ich. Die pinken oder orangenen Faehnchen der Wegmarkierung sind nicht immer einfach zu erkennen.

Pinkes Faehnchen im Vordergrund, schnellerer Laeufer im Hintergrund.

Endlich, endlich ist der erste Berg ueberwunden und es geht bergab ueber einen beliebten Pferde- und Wanderweg. Leider bin ich nicht allzu trittsicher auf diesem steilen, ausgewaschenen, steinigen Weg und auch viel zu ueberhitzt. Ich konzentriere mich so gut es geht und laufe so schnell es eben geht, was immer noch ziemlich langsam ist.

Am Ende des Abstieges endlich – die Verpflegungsstation. Eine liebe Helferin bittet mich, meine Kappe abzunehmen, damit sie mir eiskaltes Wasser auf den Kopf schuetten kann. Mein Gehirn zieht sich zusammen, das war wirklich noetig. Eine andere Frau fragt mich, ob sie mir eine Banane oder Mandarine schaelen soll. Ich starre sie nur wortlos an und bemuehe mich, meine Wasserflaschen auffuellen zu lassen, Elektrolyttabletten reinzuschmeissen, sie leer zu trinken und wieder aufzufuellen. Am Ende verlasse ich die Station mit zwei Flaschen Wasser/Elektrolyt und einer Flasche zuckrigem Sportgetraenk, sowie einer Banane. Ungeschaelt.

Mir ist ziemlich schlecht, daher gehe ich einfach einen Schritt nach dem anderen. Ein Mitlaeufer bei der Verpflegungsstation musste sich in einen Klappstuhl setzen und ausruhen, seine Beine haben sehr gekrampft. Meine Beine sind noch relativ beschwerdefrei und dass, obwohl meine Zehen heute morgen Zuhause noch, voellig untypisch, gekrampft haben.

Einen Schritt nach dem anderen, vorbei an Badegaesten und Familien am See. Einige jubeln mir zu. Eine junge Mutter fragt, wie es mir geht. „Mir ist speiuebel!“ Sie raet mir, meine Kappe doch nochmal in den See zu tunken, dem Rat folge ich. Obwohl die Schotterstrasse breit ist und nur leicht bergauf geht, gehe ich schnell anstatt zu laufen. Ich kenne das kommende Teilstueck und das ist haarstraeubend steil bergauf! Vor dem Anstieg erhalte ich die Moeglichkeit, mich mit Insektenspray einzunebeln. Eigentlich bin ich in der Hinsicht relativ unempfindlich, doch der fehlende Wind treibt einen in den Wahnsinn. Alle paar Sekunden fliegt mir eine Kriebelmuecke ins Ohr oder setzt zum Kamikazeflug in meine Atemwege an. Das Insektenspray klebt an meiner Haut, aber haelt die weniger mutigen Exemplare auf ein paar Zentimeter Abstand.

Es geht bergauf. So steil, dass ich dankbar bin, wenn ich mal wieder ueberholt werde. So muss ich mir auf dem schmalen Weg eine Moeglichkeit suchen, sicher Platz zu machen und dann zu warten, bis ich ueberholt bin. Dann wird es so steil, dass ich auch ohne Ueberholer Halt machen muss zum Verschnaufen. Nichts geht mehr. Aber die Aussicht auf den See, dessen Wasser laengst wieder aus meiner Kappe verdampft ist, die ist schoen.

Verschnaufpause mit Seeblick.

An mancher Stelle muss ich auf allen Vieren klettern um voranzukommen. Ein Schritt nach dem anderen, ein Handgriff nach dem anderen.

Steilwand und gleichzeitig mein Weg.

Fuer diesen Kilometer Anstieg brauche ich 35 Minuten!

Irgendwann flacht die Strecke ab, verlaeuft aber wieder auf unwegsamen Bergruecken. Langsam kennt man den Drill.

Aussicht auf Whitehorse

Die kommende Verpflegungsstation wird beschallt mit 80er Musik und bedient von zwei gut gelaunten Frauen im Bikini. Endlich kann ich meine Bananenschale loswerden, die ich den ganzen Anstieg hochgetragen habe und frage freundlich danach, ob mir eine Mandarine gepellt werden kann. „Natuerlich!“

Die schlimmsten Anstiege liegen hinter mir, doch vor dem Abstieg heisst es erstmal eine Runde auf einem Bergkamm drehen. Meine Zehen krampfen bei jedem Schritt und versuchen sich zu kruemmen. Ich bin fertig mit der Welt und alles tut weh. Laufen geht beim besten Willen nicht. Also gehe ich schnell. Es liegen noch 27 Kilometer vor mir. Wie ich die bewaeltigen soll, keine Ahnung! Meine schlaue Uhr zeigt mir an, dass ich wahrscheinlich gegen 22:40 Uhr ins Ziel komme. Aber um 21 Uhr ist Ende der Veranstaltung!

Nicht denken, gehen.

Bergkamm mit erkennbarem Weg!
Einfach weiter gehen, die Landschaft ist bezaubernd genug.

Eine Oase und Ueberbleibsel des schneereichen Winters – auf der Nordseite des Bergkamms trotzt eine meterhohe Schneebank den sommerlichen Temperaturen. Ich stopfe so viel ich kann in meine Kappe und reibe meine Arme ein, dann geht es weiter.

Schneebank auf dem Weg.

Die Schlaufe ist gelaufen, ich fuelle meinen Wasservorrat bei den Bikinifrauen auf. Mittlerweile sind sie bei den 90ern angekommen, die Spice Girls plaerren aus den Laufsprechern. Weiter geht’s.

Es geht eine Weile auf einer losen Schotterstrasse bergab. Der Schotter ist zu lose fuer mich zum Laufen und selbst wenn es sich um Ashalt handeln wuerde, meine Zehen krampfen so sehr, dass ich mir fast eine Bergaufstrecke wuensche. Dann wandelt es sich zur Grasebene, sehr gut.

Das Laecheln sitzt nicht mehr so recht, doch ich bewege mich noch vorwaerts.

Ein Blick auf das Hoehenprofil der Strecke in meiner Uhr zeigt, dass der wirkliche Abstieg bevorsteht.

Der wirkliche Abstieg kommt und er ist grauenhaft. Schlammig, wurzelig, ausgewaschen, steil, direkt am Abhang. Nicht nur meine Zehen krampfen – alle Beinmuskeln stimmen in die Krampfsymphonie ein. Meine Fuesse werden wund, denn sie muessen mein Koerpergewicht immer und immer wieder gegen die Schwerkraft stemmen in nassen, schlammigen Schuhen und Socken.

Stehenbleiben ist keine Option. Wer soll mich hier denn runtertragen? Schritt fuer Schritt, Krampf fuer Krampf geht es weiter. Fotos mache ich keine, denn meine Konzentration ist zu 100% gefordert.

So geht es weiter und weiter, ich weiss nicht wie lange. Alles verschwimmt, es gibt keinen Start und kein Ziel mehr, keine Gruende. Es gibt einzig und allein den naechsten Schritt.

Dann wird der Weg wieder breiter und flacher, dafuer aber moorig.

Schlamm und Wasser, da bleibt kein Fuss trocken.

Nur noch ein paar Kilometer zur naechsten und auch letzten Verpflegungsstation, da wird der Weg wieder zu einer steilen Mountainbikestrecke. Ploetzlich stehe ich vor einem senkrechten Abfall, ca. anderthalb Meter tief.

„ERNSTHAFT?!“, rufe ich in den Wald hinein. Ich suche mir eine Stelle am Rand, damit kein Mountainbike in mich reinbrettert und rutsche auf meinem Hintern hinab. Die Strecke geht so froehlich weiter, bis sie auf eine breite Schotterstrasse muendet.

Dies waere jetzt echt laufbar, aber meine Beine haben laengst aufgegeben. Gehen klappt, also gehe ich. Meine Uhr hat ihre Meinung bezueglich meiner Ankunftszeit geaendert. Wenn ich stramm weiterwandere, koennte ich gegen 20:40 Uhr ins Ziel kommen – 20 Minuten vor Zielschluss!!!

Zwei junge Frauen stehen am Rand der Schotterstrasse und halten ein Schild hoch. Sie sind mit ihren Mountainbikes hier her gefahren um uns Laeufer anzufeuern. Bald erkenne ich auch die Aufschrift des Schildes: Kilometer 69 der Gesamtstrecke! Ich muss lachen.

Schliesslich erreiche ich die letzte Verpflegungsstation. Die freiwilligen Helfer rufen mir zu, wie toll ich aussehe. Dabei fuehle ich, wie mich der Mut laengst verlassen habe, ich stinke und verschlammt bin. Man klatscht mir einen Gefrierbeutel mit Eis in den Nacken, fuellt meine Wasserflaschen nach Wunsch auf (zweimal Wasser mit Elektrolyten, einmal Gatorade), ich bediene mich an Wassermelone, greife mir Mueslibaellchen, Tuetchen mit Gummikram und schaele mir eine Banane. Die Schale lasse ich da. Man reicht mir ein Eis am Stiel und ich ziehe weiter.

Ich kann zwar nicht mehr, aber es waere doch wirklich witzlos, 10 Kilometer vor dem Ziel aufzugeben, nur weil man nicht mehr kann. Ich konnte schon vor 20 Kilometern nicht mehr! Ausserdem wuerde es bestimmt laenger dauern bis ich Zuhause bin, wenn ich hier bleibe. Also weiter, einfach weiter. Der Eisbeutel klebt noch im Nacken, ich disponiere ihn unter meine Muetze, damit er nicht runterfaellt.

Eisbeutel unter der Kappe, Speiseeis im Mund.

Irgendwann zwischen Kilometer 36 und 37 muss ich pinkeln. Das erste Mal seit Beginn des Laufs. Gutes Zeichen, ich bin gerade nicht dehydriert. Aber wie soll ich das anstellen im lichten Wald und mit meinen Beinen im derzeitigen Zustand?

Ich schaue mich um – niemand in Sichtweite. Ich schaffe es einen Meter neben den Weg, ziehe meine Hose runter, kralle mich an einem Baumstamm fest und erlaube mir, in eine 90 ° Hocke zu gehen. Jetzt laufen lassen statt zu laufen, willkommene Abwechslung! Und dann die Schwierigkeit – wieder hochkommen. Ich stemme, ziehe und schreie, bis ich wieder stehe. Dann geht es weiter, einfach weiter.

Die letzten 8,5 Kilometer vergehen nicht. Zum ersten Mal seit dem ersten Anstieg waer der Weg wieder laufbar fuer mich, doch ich pfeife aus dem letzten Loch. Die Uhr zeigt weiterhin 8,5 verbleibende Kilometer an und gefuehlt vergehen Stunden. Ich muss mir etwas anderes anzeigen lassen, sonst werde ich wahnsinnig. Die Navigation! Die zeigt mir an, dass ich in 1,65 Kilometern links abbiegen muss. Und dann in 1,2 Kilometern rechts. In kleinen Schritten geht es voran. Doch langsam verliere ich die Fassung.

Ich, am Ende der Bereifung angekommen.

Beine ausreichend anheben, um nicht ueber die Wurzeln zu stolpern. Bisschen bergauf, bisschen bergab, egal, einfach weiter. Wenn du stehen bleibst, dauert es laenger, bis du Zuhause bist, als wenn du einfach weiter gehst. Guck mal, der Weg ist doch schoen. So wie du eigentlich gerne laeufst.

Schmaler Waldweg, so wie ich ihn gern mag.

Und stell dir erstmal vor, wie es sich anfuehlen wird, wenn du die Bruecke siehst, die die letzten paar Hundert Meter bis zum Ziel ankuendigt.

Jedes Mal, wenn ich mir die Bruecke vorstelle, schiessen mir Traenen in die Augen. Weiter, weiter, fuer dich, fuer deine Freunde, fuer alle, die du lieb hast und die nicht mehr laufen koennen, fuer alle, die dir Glueck gewuenscht haben und an dich denken.

Irgendwann ended der schmale Weg, jetzt laufe ich auf einem weiten Weg, der im Winter von Langlaufskifahrern genutzt wird. Ich weiss, jetzt ist es wirklich nicht mehr weit. Ein paar junge, kraeftige Kerle spielen Diskgolf und gruessen. Einer fragt mich, wie lange ich schon gehe. „In etwa die letzten 27 Kilometer.“ „Heilige Scheisse, so ne Strecke wuerde ich mich nur tragen lassen!“

Auf den letzten Metern vor der Bruecke laeuft eine Frau mit tiefer Stimme und taetowierten Beinen an mir vorbei. ICH KANN DIE BRUECKE SEHEN und fange an zu schluchzen und zu heulen.

Ein Veranstalter steht mit Sombrero auf der Bruecke, feuert uns an und gibt unsere Startnummern per SMS an die Leute im Ziel weiter. Auf dem letzten Anstieg geht die Frau nur ein paar Meter vor mir.

Dann ruft uns der Veranstalter zu, dass wir ins Ziel einlaufen sollten.

Fuer mich ganz klar, dass das nicht geht und schon seit 27 Kilometern nicht mehr drin ist.

Doch die taetowierten Beine vor mir fangen wieder an zu laufen und die tiefe Stimme ruft mir zu: „Komm schon Maedchen, lauf – du packst das!“

Mein Koerper stellt die Laufbewegung nach.

Nein, er LAEUFT!

Ich kann es nicht glauben, da ist das Ziel und ich laufe, alle jubeln, ich komme immer naeher, Tyrel ist auch da!!

Mein Zieleinlauf. Laufend.
Ich erklaere den Helfern, dass ich keinen Zeitstab habe.

Dann hab ich es geschafft. Ich bin im Ziel. Ich bin fassungslos, weiss nicht, wie ich diese wahnsinnige Strecke habe zuende bringen koennen. Und ich bin stolz und dankbar, dass mein lieber Koerper das einfach so mitgemacht hat.

Ich, angekommen.

Und so war der Lauf in Zahlen:

  • Laenge: 44,24 km
  • Hoehenmeter bergauf: 1261 m
  • Hoehenmeter bergab: 1479 m
  • Zeit: 9 h 24 min 35 sec
  • Durchschnittstemperatur: 29,8 °C
  • Durchschnittliche Herzfrequenz: 173 Schlaege pro Minute
  • Verbrauchte Kalorien: 4730 kcal
  • Anzahl der ueberholenden Laeufer: Unzaehlig
  • Anzahl der ueberholten Laeufer: Null

Habe ich ein Fazit? Ich weiss es gar nicht so recht.

Aber ich weiss: Ich wirklich froh um diese Erfahrung. Es hat mir in der Praxis aufgezeigt, was es heisst Mensch zu sein und was man leisten kann, wenn man wirklich will.

Danke fuers Mitfiebern! 🙂

Diskomfort

Mein Bergmarathon steht bevor. Oder kann man das ueberhaupt Bergmarathon nennen? Es werden 43,7 Kilometer, bergauf, bergab, teils ohne Weg, auf jeden Fall kraxelnd. Ich stelle mich darauf ein, bergauf zu gehen, Kraxelstrecken zu gehen und zu laufen, wenn mir danach ist und ich kann. Hauptsache vorwaerts. Hauptsache innerhalb der Zeitvorgabe beenden. Denn ansonsten kann ich mir gut vorstellen, dass ich mich einfach wieder anmelde, fuer naechstes Jahr.

Unerledigtes sollte man zu Ende bringen, stimmt mein Hirn zu.

Das Ausspaehen meiner Laufstrecke einen Monat vor Startschuss hat mich nicht unbedingt zuversichtlich gestimmt.

Schotter, Schnee und Schlamm.

Doch immerhin konnte ich Tyrel malerisch in Szene setzen.

Ehemann auf Hochebene vor Bergen.

Kurzum: Die Strecke, die ich in knapp vier Wochen laufen werde, ist noch nicht passierbar. Zum Glueck haben wir noch etwas Zeit fuer Tauwetter. Ausserdem bin ich langsam und kann beim Lauf in etliche Fussstapfen treten, hihi.

Im hinteren Bild schneit es, im vorderen Bild schauen Arma und ich auf die naechste Schneeverwehung, die es zu ueberqueren gilt.

Trotz allem freue ich mich darauf. Darauf, in dieser zauberhaften Landschaft zu sein, die den meisten Touristen verwehrt bleibt, da zu unzugaenglich. Und ich freue mich darauf, an meine Grenzen zu gehen.

Geschlossene Schneedecke auf einer Hochebene.

Genau drei Jahre vor dem bevorstehenden Bergmarathon habe ich angefangen zu laufen. Zu dem Zweck habe ich mir eine „Couch to 5k“ App (Vom Sofa zum 5 km Lauf) heruntergeladen. Die erste Woche bestand aus drei Einheiten, die alle sehr anstrengend fuer mich waren. Zuerst fuenf Minuten schnelles Gehen, dann im Wechsel 60 Sekunden langsam laufen und 90 Sekunden gehen. Die Einheiten steigerten sich langsam, sowohl der Lauf- als auch der Gehanteil wurde laenger. Ein lustiger Zombie sagte mir stets ueber meinen Handylautsprecher, wann ich zu laufen oder zu gehen hatte.

Dann erblickte ich den Plan fuer die dritte Laufeinheit von Woche fuenf des Plans. Hier sollte ich 20 Minuten am Stueck laufen! Fuer mich schien das damals einfach unerreichbar. Fieberhaft lies ich durch Internetforen dieses Laufplans. Hat es tatsaechlich schon jemand geschafft, nach nur vier Wochen diese 20 Minuten Dauerlauf zu knacken?

Arma und ich bahnen uns den Weg durch Weiden und Weite der Tundra.

Ja es ist moeglich. Der Koerper ist vorbereitet. Auch wenn man sich es nicht zutraut, es ist moeglich. Ein Forenbeitrag behauptete sogar, wenn man es schaffte, diese 20 Minuten zu laufen, dann kann man mit Training und Zeit jede Distanz laufen, die man sich vornimmt.

Manch Langstreckenlaeufer glaubt, dass solche Rennen im Kopf und im Magen entschieden werden. Wenn die Beine krampfen und sich die Welt gegen einen vorschworen hat mit dieser unmoeglichen Aufgabe – Setzt man den naechsten Schritt?

In den Bergen gelten andere Gesetze als bei Strassenmarathons. Dabei will ich noch nicht mal von Schnee oder Baeren anfangen, die gibt es hier gratis dazu, wenn man Pech hat. Nein, es ist stimmiger fuer mich. Wenn ich in der Stadt laufe, frage ich mich, warum zum Teufel ich nicht den Bus nehme. Doch wenn ich durch Baeche und ueber Bergruecken stakse, fuehle ich mich verbunden mit der Natur und begreife mein Leben als Teil vom Ganzen. Dann macht auch der Diskomfort sinn. Er hat einem diese wunderbare Landschaft erst erschlossen. Und auch wenn wir ihm so oft wie moeglich aus dem Weg gehen, macht er doch erst Wachstum und Evolution moeglich!

Arma und die Tundra.

Ich weiss nicht, ob ich diesen Lauf beenden kann. Aber es zu versuchen, das reizt mich mehr, als die Unsicherheit abschreckt.

Um Miffy, den Sherrif von Nuttingham zu zitieren:

LASST ES UNS HERAUSFINDEN!!

🙂

Töpfern

Ein paar Dinge hatte ich mir vorgenommen für 2021 – unter anderem wollte ich einen Töpferkurs machen. Den Punkt konnte ich schon erstaunlich schnell abhaken. Der Kurs hat stattgefunden. Zwar mit begrenzter Teilnehmerzahl, Maske und Abstand, aber besser so als gar nicht.

Nachdem man den Trick raushat, wie man sich nicht mehr vom Lehm herumschubsen lässt (Zentrieren mit roher Gewalt), macht es wirklich Spaß!

Es folgt eine Übersicht meiner persönlichen Töpfermeinung.

Nachteile:

  • Relativ hohe Investition von Zeit und Geld,
  • Rückenschmerzen und Handekzeme oft mit inbegriffen,
  • Matscht ohne Ende, sauber machen dauert ewig,
  • Findet in geschlossenen Räumen statt.

Vorteile:

  • Matsch,
  • Spaß,
  • Kunst,
  • Gefäß.

Hier ein paar Bilder meiner Kreationen, die Schlüssel dienen als Maßstab. Einiges hat den Trocknungs- oder Brennvorgang nicht überstanden. Aber für einen 7-wöchigen Kurs bin ich schon sehr zufrieden.

Drei Schalen, rund.

Zunächst versuchte ich mich an einer einfachen, kleinen Schale. Mit den zunehmenden Versuchen gelangen auch größere Schalen.

Zwei größere Schalen.

Ich erschuf zwei noch größere Schalen, die linke benutze ich fast täglich zum Essen.

Ein bauchiges Kännchen.

Ich fand, es war an der Zeit, zu töpfern, was mir so in den Sinn kommt. Zum Beispiel diese urige Kanne. Leider haben die verwendeten Glasuren ihr Eigenleben entwickelt und sind auf das Regal im Brennofen gelaufen.

Drei weitere Schalen: Gekniffen, mit Einschnitten und verdellt.

Ich fand Gefallen an ungewöhnlichen Formen, während meine Mittöpferer meist möglichst perfekte Gegenstände herstellen wollten.

Jeansbecher.

Schön finde ich auch diesen Becher in Jeansoptik. Wer hätte gedacht, dass er am Ende tatsächlich nach Jeans aussieht mit der gewählten Textur und Glasur?

Kurzum: Töpfern und Formen erschaffen macht mir Spaß. Allerdings ist es zeit- und kostenintensiv, sodass ich den Sommer über töpferfrei bleiben werde. Das Wetter ist einfach zu gut und lockt mit so viel mehr als es der Töpferkeller je könnte!

Sobald die Tage kürzer werden und der erste Schnee fällt, werden die Karten jedoch neu gemischt.

Habt eine gute Woche! 🙂

Wirklich?

Heute (Sonntag) morgen.

Unser Außenthermometer zeigt -32 °C an.

Es ist fast Mitte April und ungefähr ein halber Meter Schnee wartet noch aufs geschmolzen werden. Man gut, dass wir hier trockene Kälte haben…

Werden wir dieses Jahr einen Sommer haben? Wahrscheinlich mit extra dicken Mücken, durch das ganze Schmelzwasser.

Mir geht es wie meiner Lieblingshenne Brave.

Huhn, fassungslos.

Dabei fällt mir ein, warum gab es eigentlich keinen Film in dem Godzilla gegen ein riesiges Huhn kämpft?

Huhn, riesig.

Das Riesenhuhn würde natürlich für den Frühling und Weltfrieden kämpfen. Und gegen Fastfood, Riesenleguane und die UNO, versteht sich.

Ansonsten läuft es soweit.

Es soll diese Woche auch wärmer werden, wie schon seit drei Monaten.

Was bleibt uns anderes als zu warten?

Habt eine gute Woche, macht das Beste draus!

Ich, drücke auch mal ein Auge zu.
Ehemaliges Forstgebäude, erdrückt durch gefrorenen Niederschlag.
Sonne, zu beschäftigt gut auszusehen um auch mal Schnee zu schmelzen
Hühnernest, darin Henne Icicle, darüber Henne Coco.

Kalt und Platt.

Besonders neu ist das Jahr schon gar nicht mehr – hoechste Zeit, mal wieder zu schreiben!

Es folgen einige Updates zu meinem Leben.

Huehner

Meinen fedrigen Freunden geht es gut. Auch die derzeit frostigen Temperaturen am Morgen von -36 °C bis -40 °C stecken sie gut weg. Wenn es kaelter als -30 °C ist, lasse ich sie morgens nicht aus dem Stall. Dafuer aber fahre ich in der Mittagspause nach Hause, lasse sie in den Auslauf und gebe ihnen warmes Wasser und Apfelspalten.

Icicle (vorn) und Shadow im Winterfederkleid.
Fluffige Henne Brave wirkt etwas explodiert.

Nur wenn es morgens -40 °C ist, kommen die Huehner mittags noch etwas frostig aus dem Stall. In der Zeit hat die Sonne aber den Auslauf schon erwaermt, dass er mittlerweile waermer als im Stall ist. Die Temperatur im Stall halten die Huehner auf minimal -20 °C, doch der Auslauf heizt bei -36 °C Tageshoechsttemperatur bis auf -8 °C auf.

Natuerlich haette ich es gern ein bisschen waermer fuer die Huehner, aber eine Beheizung des Stalls waere angeblich gefaehrlicher fuer sie als die Kaelte an sich. Alle Waermeoptionen, die mit offener Flamme arbeiten, sowie auch Waermelampen, stellen eine immense Brandgefahr dar. Gerne haette ich ein paar leicht beheizte Platten aehnlich einer Heizdecke, aber dafuer reicht meine Elektrizitaet nicht aus im Winter. Bevor ich mir Huehner angeschafft habe, habe ich mit Bauern gesprochen, die Huehner ohne Strom und Heizung im Yukon-Winter halten. Aber wenn es dann so kalt ist, dass man sich vor dem Gang auf den Donnerbalken vermummen muss, dann sorge ich mich doch um meine lieben Huehner.

Frosthenne Icicle
Waerme steigt nach oben, daher rasten auch die Hennen gern auf hoeheren Sitzstangen.

Trotz den Temperaturen legen die Hennen noch Eier. Sogar mehr als es im Dezember der Fall war. Dreizehn dieser Eier uebergab ich meiner Vermieterin, denn sie wollte gern ein paar Huehner meiner grossen Rassen in ihre Herde integrieren (sagt man das bei Huehnern so? Sind doch eigentlich keine Herdetiere, sie leben eher in einer strikten Hierachie).

Jetzt liegen diese 13 Eier in ihrer Brutmaschine und werden meine Huehner vielleicht bald zu Eltern machen. Das finde ich ganz irre, immerhin sind die Huehner noch nicht mal ein Jahr alt! Dazu kommt, dass es sehr kalt war, als ich die Eier gesammelt habe, einige waren bestimmt angefroren. Nur die, deren Schale aufgeplatzt war, habe ich stattdessen aufgetaut und an Arma verfuettert. Apropos…

Arma

Arma ist schnell und voller Energie und Enthusiasmus. Und voller Unfallpotenzial.

Leider hat sie sich beim Rumtollen irgendwie die Hinterpfote aufgerissen. Es hat geblutet wie irre und man konnte bis auf den Knoechel sehen. Die Wunde wurde vom Tierarzt gesaeubert und geklammert. Durch die mit inbegriffene Narkose schwebte Arma fuer den Rest des Tages in anderen Sphaeren.

Arma unter Drogeneinfluss.

Nach zwei Wochen Leinen- und Verbandspflicht sollten die Klammern entfernt werden. Leider entfernte Arma sich einen Tag vorher ihren Verband selbst und leckte ein paar Stellen an ihrer Pfote wund. Jetzt sind die Klammern draussen, der Verband bleibt trotzdem noch erhalten.

Arma, Gesichtsausdruck wie ausgestopft.

Jetzt ueberlege ich, ob wir fuer sie eine Unfallversicherung abschliessen sollten. Es scheint ja nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich mal etwas bricht – und dann ist man gleich mehrere Tausender los.

Ich

Ich selbst bin ein wenig schlapp derzeit. Woran es liegt, weiss ich nicht genau.

Folgende Faktoren koennten dazu beitragen:

  • Es ist kalt und mein Koerper ist im Winterschlaf.
  • Mein Immunsystem kaempft insgeheim gegen eine Erkaeltung an.
  • Der Fakt, dass meine Arbeitsstunden erhoeht wurden und ich jetzt eine 44 h Arbeitswoche habe, schlaegt mir aufs Gemuet.
  • Ausser verlaengerten Wochenenden habe ich meinen letzten Urlaub im Oktober 2019 gehabt.
  • Coronamuedigkeit, wir kennen es alle.

Was mir gegen den letzten Punkt hilft, ist meine Kreativitaet in Punkto Maske auszuleben.

Ich im Buero, mit Ganzkopfmaske.

Bei den vorherrschenden Temperaturen muss man draussen eh eine Maske tragen um die Atemwege vor der Kaelte zu schuetzen, Virus hin oder her.

Ich, frostig.

Ausserdem habe ich es geschafft, einen Platz in einem oertlichen Toepferkurs zu ergattern! Zwei Stunden hatten wir schon, natuerlich mit Maske und Abstand. In der ersten Stunde haben wir uns an der Toepferscheibe versucht und in der zweiten Stunde dann die Resultate verfeinert und noch ein wenig mehr getoepfert.

Toepferei, Woche 1.
Die gleichen Schalen nach Woche 2, jetzt warten sie auf das erste Feuern.

Jetzt warte ich auf noch laengere Tage und waermeres Wetter. Dann werde ich mich versuchen, davonzustehlen von beiden Jobs und Ski zu laufen. Irgendwo ausserhalb jeglichen Empfangs. Denn ich weiss, dass mir das unheimlich hilft, gegen die Schlappheit oder gegen das Gefuehl, in einem Hamsterrad zu leben. Bewegung in der Natur, nur fuer mich allein. Dann fliessen meine Gedanken, Bewegung kommt in das eigene System und in die Glaubenssaetze, die man fuer sich so geschrieben hat und ich fuehle mich ganz frei.

Frei wie die Skilanglaufspur auf diesem Bergruecken.

Tja und bis das soweit ist, gebe ich mich einfach der Schlappheit und der Kaelte ein wenig hin und mach es mir mit einem Tee und der Waermflasche auf dem Sofa gemuetlich, nur um anschliessend ins Bett zu wandern.

Bleibt warm! 🙂

Zwischen den Jahren

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. One for the books – Eins fuer die Geschichtsbuecher, merkte meine Freundin an. Viele Plaene hat es durchkreuzt, aber doch auch viele Chancen gegeben, Chancen sich selbst nochmal neu kennenzulernen und auszurichten. Sich zu ueberlegen, was wirklich wichtig ist im Leben. Ob man vielleicht etwas anders ausrichten sollte.

Mein 2020 fing sehr hoffnungsvoll an. Ich wollte einen Marathon laufen, das Feld bestellen und Huehner halten. Das mit den Huehnern hat geklappt und macht mir nach wie vor viel Freude. Das Feld ist nicht bestellt, aber schon gut vorbereitet fuer 2021. Einen Marathon bin ich dieses Jahr nicht gelaufen, dafuer insgesamt ueber 1000 km. Kleinvieh macht auch Mist. Wenn man gelaufene, geradelte und Ski gelaufene Kilometer zusammenzaehlt, komme ich sogar auf ueber 2000 km und 255 Stunden Ausdauersport. So aktiv war ich noch nie, trotzdem fuehle ich mich selbst nicht sportlich. Vielleicht liegt das daran, dass ich in meiner Kindheit und Jugend so sehr unsportlich war. Oder kann man in das sportliche Gefuehl noch reinwachsen?

Auch gab es viel Streit in meiner Ehe in 2020. Wie geht man mit der Pandemie um, wer erledigt welche Arbeiten, wie soll die Zukunft aussehen? Was fuer ein Kraftakt! Doch wenn was schwelt, soll es auch rausgelassen werden. Und in den letzten Wochen haben wir wieder einen guten Weg miteinander gefunden. Mir ist klar geworden, dass das ein Muster ist in meinem Leben, das ich gern ablegen wuerde. In einer Beziehung bin ich in den ersten Jahren oft zu angepasst, beziehungsweise so verliebt, dass ich meine eigenen Beduerfnisse fast vergesse. Dann wache ich auf nach ein paar Jahren, schaue mich um und bemerke, dass mir der Schuh nicht passt. Da ich nicht sehr (bzw. ueberhaupt nicht) diplomatisch bin, bedeutet das dann schnell Kopf durch die Wand und Eskalation. In der Hinsicht moechte ich gern an mir arbeiten. Lernen, in jeder Situation bei mir zu bleiben, meine Beduerfnisse zu kennen und zu kommunizieren. Ansonsten trag ich das noch ein ganzes Leben mit mir rum!

Daraus leitet sich mein Wunsch fuer 2021 ab. Ich moechte ganz bei mir bleiben, dabei aber offen und flexibel fuer alle Chancen, die sich bieten. Nachdem sich 2020 fuer mich oft nach Stillstand und Ausharren angefuehlt hat, wird 2021 vielleicht wild und voller Umbrueche. Ausserdem moechte ich gerne Kunst schaffen. Manchmal habe ich das Gefuehl, dass ich ein Kuenstler bin, der im Ingenieurskoerper gefangen ist. Und 2021 moechte ich einen Kanal finden, mich auszudruecken. Etwas zu schaffen, das es vorher in dieser Welt noch nicht gab. Wie genau das aussehen wird, weiss ich noch nicht. Toepfern wuerde ich gern mal ausprobieren. Und einen eigenen, kreativen Raum haette ich gern. Ein Leinenzelt im Feld. Wo nicht, wie in unserem Haus, alles praktisch sein muss. Sondern wo ich mich mit Farben und Formen umgeben kann, die mir gerade besonders gefallen.

Weiterhin moechte ich immer noch einen Marathon laufen. Und das Feld bestellen!

Kommen wir zu meinem Bild des Jahres.

Junghenne Icicle nach ihrem ersten Sprung auf meine Schulter.

Definitiv ein Huehnerbild. Die lieben Huehner haben mir so viel Freude bereitet in einem Jahr, das manchmal schwierig war. Dafuer bin ich sehr dankbar!

Die Sprungfreude der Huehner ist auch weiterhin gegeben.

Leider ist gestern ein Huhn ploetzlich gestorben. Das hat mich traurig gemacht. Henne Moonlight, mit der ich ein ambivalentes Verhaeltnis hatte, gibt es nicht mehr. Sie hatte keine Wunden, Parasiten oder sonst etwas, was ihren Tod haette erklaeren koennen. Genuegend Futter und frisches Wasser ist natuerlich vorhanden. Und Krankheitsanzeichen hatte sie auch nicht, sie war munter wie die anderen.

Machs gut, Moonlight, du huebscheste Henne!

Ich habe mit anderen Huehnerbesitzern gesprochen und auch im Internet gesucht. Aber anscheinend kommt es hin und wieder vor, dass ein sonst gesundes Huhn ploetzlich stirbt. Manche Huehner erleiden einen Herzinfarkt oder bei manchen Hennen bleibt ein Ei stecken. Und dann war’s das.

Dem Tod von Moonlight sind ein paar Unruhen in der Huehnerschar vorausgegangen. Zunaechst gab es Anzeichen, dass Brave und Warrior von anderen Huehnern angepickt wurden. An den Huehnerhaelsen fehlten ein paar Federn, Ersatz wuchs aber schon wieder nach. Erstaunt war ich vor allem bei Warrior, ist sie doch die beste Freundin von Moonlight, die normalerweise andere Huehner piesackt. Brave und Warrior habe ich dann mit einem bitteren Anti-Pick-Spray behandelt, woraufhin keine weiteren Federn abhanden gekommen sind. Doch nachts, wenn normalerweise Moonlight alleine auf einer Seite des Stalls schlief, manchmal gemeinsam mit Warrior, da hatte sich das Blatt gewendet. Ploetzlich schlief Warrior allein und Moonlight schlief zusammen mit den anderen Huehnern und Hahn Daisy auf der anderen Seite. Und dann war Moonlight tot.

Bei dem stark ausgepraegten Sozialgefuege habe ich mich schon gefragt, ob Warriors fehlende Federn und ploetzliches Allein-Schlafen im Stall daher kommt, dass Moonlight sie ausgestossen hat, um wieder bei den restlichen Huehnern anzubaendeln. Und dann Moonlights ploetzlicher Tod. Aber wie gesagt, ein Huehnermord mit den ueblichen Waffen konnte ausgeschlossen werden.

Als ich am Abend aufschreiben wollte, wofuer ich an dem Tag dankbar bin, musste ich trotzdem nicht lang ueberlegen. Ich war dankbar, noch acht gesunde Huehner zu haben. Und dafuer, dass ich Ski laufen war. Dass mein Koerper dazu faehig ist, dass ich die Zeit und das Geld dafuer habe und dass ich inmitten einer wunderschoenen Landschaft leben darf.

Boreale Nadelbaeumchen, Loipe und Schnee.
Abfahrt in das zugefrorene Sumpfgebiet.
Im Sommer wuerde man hier im Morast versinken, im Winter gleitet man obenauf.
Die Sonne versinkt hinter den Bergen.

Vor allem versuche ich zu dieser Zeit die kurzen Tage und langen Naechte zu geniessen. Die ausgedehnten, dramatischen Sonnenauf- und -untergaenge. Das Alpengluehen. Den Sternenhimmel.

Gluehende Bergspitzen am Mittwintermorgen.
Schneelandschaft zur blauen Stunde.
Die Magie des ersten Sonnenlichts.
Schneebaeume vor Goldsonne hinter Winterberg.

Die Zeit um die Wintersonnenwende stimmt mich hier im Norden sehr besinnlich. Aehnlich muessen es unsere Ahnen erlebt haben, die noch verbundener und abhaengiger von der Natur und ihren Jahreszeiten waren. Die langen Naechte, eine wertvolle Gelegenheit zum Innehalten, zur Besinnung. Und auch zum Dankbarsein, zum Schenken. Die Weih-Nacht.

Wie schon die letzten vier Jahre hier hatten wir an Heiligabend ein Lagerfeuer zum Wuerstegrillen. Anschliessend gab es dann ebendiese Wuerste samt Kartoffelsalat zum Abendessen, dann jedoch im Haus.

Tyrel und das Tonnenfeuer.
Auf meiner heissen Schokolade schwimmen Marshmallows… Mhhh…

Am ersten Weihnachtsfeiertag besuchten wir unsere Freunde James und Joe. Danach war Ausspannen angesagt.

Ich habe ganz viele liebe Weihnachtsemails bekommen, denen ich noch Antworten schuldig bin. Doch ich beantworte schonmal die beiden meistgestellten Fragen. Ja ich hatte ein schoenes Weihnachtsfest. Nein, das Paket ist noch nicht angekommen, die kanadische Post ist extra schnarchnasig dieses Jahr. Dafuer kommt es bestimmt puenktlich zu meinem Geburtstag – ich melde mich spaetestens, wenn es da ist. 🙂

Vielen Dank fuer ein weiteres Jahr, in dem ihr euch fuer das interessiert, was ich schreibe. Danke fuer die vielen Kommentare, lieben Worte, Witze und guten Ideen! Ich hoffe auch ihr konntet einen Sinn in eurem Jahr 2020 sehen und habt gute Wuensche fuer 2021.

Alles Liebe und einen guten Rutsch,

Luisa

Huehner und Landschaft 2

Seit dem letzten Beitrag ist nichts Aufregendes passiert. Also folgen mehr Bilder von Huehnern und Landschaft, denn daraus besteht das Fotoalbum meines Smartphones.

Fangen wir an mit Huehnern.

Habe ich eigentlich schon einmal alle Huehner vorgestellt hier auf diesem Blog? Ich befuerchte strukturiert ist das noch nicht geschehen bislang.

Ameraucana Henne Icicle blickt zweifelnd.

Icicle ist das Huhn, welches am meisten menschenbezogen ist. Sie kommt gern kuscheln, fliegt auf Schultern und ist im Allgemeinen ein spezieller Charakter. Oft ist ihr Bart verklebt, weil sie sich tollpatschig beim Fressen und Trinken anstellt. In der Hackordnung ist sie eins der letzten Glieder. Einfach, weil sie sich oft nicht an Huehnerregeln haelt und dann von anderen zurechtgewiesen wird um aus deren Sicht die Sicherheit der Gruppe nicht zu gefaehrden. Icicle hat zwei Namen von ihrer Aufzuchtfamilie bekommen, der zweite lautet Ciel.

Orpington Henne Brave schaut psychotisch.

Brave ist wahrscheinlich meine Lieblingshenne, obwohl ich sie alle gern mag. Aber ihr unglaublich irrer Blick, gepaart mit der fuer mich perfekten Huehnerform mit kurzen Beinen und buschigem Hintern. Auch Brave ist menschenfreundlich. Vor allem aber liebt sie Futter. Konflikten geht sie meist aus dem Weg. Dadurch, dass sie so massig ist, wird sie aber auch selten zurechtgewiesen von anderen Huehnern. Im Sommer hat sie sich lieber streicheln lassen als im Winter. Es bleibt abzuwarten, ob sie im naechsten Sommer wieder zutraulicher wird, oder sich mittlerweile einfach zu erwachsen dafuer fuehlt.

Orpington Henne Moonlight schaut wachsam.

Moonlight hat durch ihr tolles Federkleid gute Showqualitaeten und koennte vielleicht einen Huehnerpokal gewinnen. Doch Huehnerausstellungen finden hier erstens nicht statt und zweitens wuesste ich auch nicht, ob sie daran Freude haben wuerde. Moonlight sieht es als ihre Aufgabe an, andere Huehner zurechtzuweisen und auch mal zu hacken, wenn sie die ungeschriebenen und fuer mich nicht immer ersichtlichen Regeln in Gefahr sieht.

Eine Zeit lang, vor ein paar Monaten, hackte sie auch mich, wenn ich ihr zu nah kam. Das fand ich nicht okay. Wenn das passiert ist, habe ich sie weggeschubst um ihr zu zeigen, dass ich die Autoritaet habe und mich ihrer Ordnung nicht unterwerfe. Das wiederum fand Hahn Daisy nicht lustig, der angerannt kam um mir zu zeigen, dass das hier seine Huehner sind und ich nichts zu melden habe. Allerdings hat mich Daisy nie gehackt oder sonst irgendwie attackiert. Er stolzierte nur neben mir her und rempelte mich ein wenig von der Seite an. Nach ein paar Hack- und Schubswechseln zwischen Moonlight und mir sind die Fronten anscheinend geklaert und es gab schon lange keine Auseinandersetzung mehr.

Ist das eigentlich gaengige Praxis, Huehner zu schubsen, um ihnen Benehmen beizubringen?

Lange Zeit dachte ich, dass Moonlight an der Spitze der Hennenhackordnung steht, da sie die Henne ist, die mit Abstand am meisten massregelt. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher. Oft schlaeft sie alleine in der rechten Seite des Huehnerstalls, waehrend alle anderen Huehner auf der linken Seite schlafen. Und morgens, wenn die anderen schon laengst im Auslauf sind, bleibt sie haeufig noch fuer einige Zeit alleine im Stall zurueck. Vielleicht geniesst sie aber auch nur ihre Zeit fuer sich.

Australorp Henne Coco schaut abwaegend.

Coco, die Ei-Pionierin, die das erste Ei legte! Coco ist fasziniert von Menschen und kommt gern nah. Allerdings ist sie nicht an Streicheleinheiten interessiert, sondern untersucht gern alles mit ihrem Schnabel. Ringe, Haare, Faeden, Ohrlaeppchen, eigentlich alles, was anders ist, wird pickend von ihr untersucht. Oft pickt sie auch das Eis und die Verfilzungen aus Icicles Federbart. Ihr Buerzel, also dort wo man einen Sattel auflegen wuerde, ist oft wenig befedert. Vielleicht, weil sie von Hahn Daisy haeufig beglueckt wird? Sie scheint immer guter Dinge zu sein.

Orpington Henne Flurry schaut etwas melancholisch.

Henne Flurry hat herzige braune Augen, ist jedoch eher menschenscheu. Sie ist eine lavender Orpington Henne und hat leider den Fehler geerbt, der haeufig bei lavender Orpington vorkommt: Ihre Federn, vor allem am Buerzel und Schwanz, sehen immer zerzaust aus. Flurry ist die einzige Henne, die ihren Kamm modisch nach links haengend traegt. Ausserdem ist Flurry eine von zwei Freundinnen von Moonlight.

Flurrys ausgefranzter Poppes im Detail.
Australorp Henne Warrior schaut muerrisch.

Warrior ist die zweite Freundin von Moonlight und schlaeft auch nachts manchmal neben ihr auf der Stange. Sie hat den einbeinigen Flamingostand perfektioniert und ist im Winter oft in dieser Pose vorzufinden. Genau wie Flurry und Moonlight ist auch Warrior eher zurueckhaltend Menschen gegenueber. Warrior war nach Coco die zweite Henne, die ein Ei gelegt hat. Dementsprechend waren ihr Kamm und ihre Kehllappen schon relativ frueh gross und rot. So konnte ich Warrior immer gut von Maple unterscheiden, deren Kamm und Kehllappen lange klein und farblos waren. Mittlerweile sind die optischen Unterschiede gering. Meist kann ich vom Charakter beurteilen, welches Huhn ich vor mir habe. Nur wenn sie still halten, wie in der Flamingo Pose, kann ich sehen, dass Warriors Kamm etwas kleiner ist und die mittleren Spitzen enger zusammen stehen als bei Maple.

Australorp Henne Maple schaut pikiert.

Maple ist sehr mutig und oft die Erste, die Neues ausprobiert. Sie ist als erstes nach dem Umzug aus dem Stall ins Freie gehuepft. Morgens ist sie meist die Erste, die schon vor Sonnenaufgang in den Auslauf geht und dort fleissig die von mir verstreuten Koerner aufpickt. Sie laesst sich zwar nicht gern streicheln, ist aber neugierig und menschenbezogen. Maple ist das einzige Huhn der grossen Rassen (Australorp und Orpington), das auf Menschenschultern und -ruecken fliegt. Die anderen Huehner machen das nicht mehr, seit sie gross, schwer und erwachsen sind. Maple ist staendig in Bewegung, daher sind alle aktuellen Bilder, die ich von ihr habe, unscharf oder verwackelt. Doch das ist eh der Standard bei meinen Huehnerbildern. Circa 90% der Bilder, die ich von ihnen schiesse, sind unscharf. Wahrscheinlich ist auch nicht zutraeglich, dass ich die Bilder mit meinem Handy mache, aber meist klappt es ja doch.

Ameraucana Henne Shadow schaut, als ob sie etwas plant.

Genau wie Icicle ist auch Shadow ein Ameraucana Huhn und wird eines Tages gruen-blaue Eier legen. Bislang ist das nocht nicht geschehen. Aber Shadow hat im Gegensatz zu Icicle schon einen tiefroten, ausgepraegten Kamm, was auf Reife hinweist. Shadow liebt es, genau wie Icicle und Maple, auf Personen oder hoehergelegte Objekte zu fliegen. Verkuschelt ist sie allerdings weniger. Wenn ein Huhn Futter am Schnabel oder am Kopf kleben hat, hilft Shadow sehr gern bei der Hygiene. Allerdings ist sie dabei nicht besonders zaertlich und das zu reinigende Huhn, oder auch Daisy, suchen schnell das Weite.

Australorp Hahn Daisy schaut stoisch.

Daisy ist ein toller Hahn. Er war und ist nie aggressiv gegenueber Huhn oder Mensch, er beschuetzt seine Hennen, ruft sie zu guten Futterstellen und laesst ihnen den Vortritt. Vor seiner Pubertaet war er auch kuschlig und liebte es, unter den Fluegeln gestreichelt zu werden. Das ist nicht mehr der Fall, dazu nimmt er seinen Hahnenjob wohl zu ernst. Wie auch Warrior ist Daisy in der Lage, auf einem Bein zu balancieren und nach Koernern zu picken. Ich bin wirklich froh mit meiner Hahnenwahl, Daisy ist ein echter Gentleman.

Jetzt wuerde ich euch gerne noch meine 36 anderen Huehner vorstellen. Dabei gibt es nur ein Problem: Ich habe sie noch nicht! 🙂 In 2021 wuerde ich wirklich gern meine Huehnerschar vergroessern. Allerdings braeuchte ich dazu einen groesseren Stall fuer den Winter. Und ob der dann noch transportabel ist, ist die Frage. Denn irgendwann werden wir wieder umziehen muessen. Ich ueberlege noch und kratze meinen Kopf ganz fleissig, wie sich dieses Problem elegant loesen laesst.

Fuer alle, die sich bis hierher tapfer durchgelesen haben, gibt es zur Belohnung Winterbilder.

Huehnerstall vor Morgenrot.
Fliegender Hund auf geraeumter Strasse.
Zaun, Feld, Berg.
Fast unberuehrter Schnee und ein Flugzeug am Himmel!
Schneehund bittet um Stockwurf.
Letztes Tageslicht.

Wenn die Temperaturen deutlich unter -15 °C sinken, finde ich manche Eier durchgefroren mit gerissener Schale vor, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Das finde ich schade. Aber Arma freut sich. Ueber Nacht taue ich die Fehleier auf und morgens freut sich Arma ueber etwas extra Eiweiss. Ich freue mich auch, immerhin wird so nichts vergeudet.

Arma wartet auf die Fresserlaubnis, waehrend Schnee auf ihrer Schnauze schmilzt.
Das Ei ist innerhalb von ein paar Sekunden aufgeschlabbert.

Aber auch die Huehner gehen nicht leer aus. Auf der Arbeit brachte mir ein Mechaniker eine Box voller abgelaufener Flugzeug-Notfallrationen in mein Buero mit den Worten „Als ich Huehner hatte, haben die das Zeug geliebt!“. Dankend habe ich also angenommen. Dass jemand an meine Huehner denkt, macht mich gluecklich.

Ein Block Notfallration enthaelt 2400 Kilokalorien. Jede ueberlebende Person darf einen Riegel a 200 Kilokalorien alle sechs Stunden essen.
Was mich ueberrascht hat, waren die Trinkanweisungen. Die ersten 24 Stunden soll man gar nichts trinken und danach einen halben Liter Wasser pro Tag. Wie soll man denn dann die vier trockenen Riegel runterwuergen?

Dass deutsche Flugzeuge solche Notfallrationen an Bord haben, bezweifle ich. In Kanada ist es vorgeschrieben, wenn man weite Strecken ueber unbewohnte Gebiete fliegt, aber ob die Definition auf Europa zutreffen kann?

Henne Icicle begutachtet eine noch eingeschweisste Ration.

Die Huehner durften testen. Ausnahmsweise wollte ich mal aus meiner Hand fuettern um zu sehen, ob die Notfallrationen wirklich so gut ankommen.

Icicle, Coco und Brave stuerzten sich gleich auf die Leckerei.
Kurz darauf gesellen sich Maple und Flurry dazu.

Fazit: Huehner gluecklich und satt, abgelaufene Nahrung wird verwertet, alle sind gluecklich.

Das Laecheln ist etwas eingefroren nach meiner Skitour zur Arbeit, aber es ist da!

Lasst es euch gut gehen!