Sommer

Sommer

Rasch, rasch

Mit dem Kescher

Fange die Momente ein!

Gruen und wuchernd,

Rot und voll,

Bunt und wuselnd,

Gold und warm.

Davon hat’s noch nicht genug –

Muss doch reichen

Fuer die Tage

Wenn die Sterne wieder strahlen.

Wenn die Nasenhaare frieren,

Wenn der Ofen wieder brennt.

Dann, nur dann

Spinn ich die Faeden

Der fluechtigen Waerme

In ein seelenwaermendes Garn.

Essbare Blueten in Garten: Kornblumen, Veilchen, Stiefmuetterchen, Katzenminze.
Mein Rucola blueht und ich finde die weissen Blueten so wunderschoen.
Reiche Ernte: laenglich-blaue haskap berries oder Honigbeeren.
Selbst die Bergziege im Tiergehege zieht das Winterfell aus.
Malen mit Filzstiften: Der Takhini River.
Mein Gemuesegarten samt Regenbogen.
Im Ueberfluss wachsende highbush cranberries, eine Art des Schneeballs.
Auf der Hauptstrasse in Whitehorse: Fussgaengerueberweg in deutschen Nationalfarben.
Ich versuche mich an Stand Up Paddling – Paddeln im Stehen.
Arma, guter Laune beim Spaziergang.
Senfblueten in meinem Feld.
Fireweed (Weidenroeschen) in meinem Haferfeld.
Sahne schlagen ohne Strom mit Akkubohrmaschine.
Das Ergebnis: Haskap-Mohn-Eiscreme, selbstgemacht.
Selbstgegrillte Pizza mit Salami, Zwiebeln, Kaese, eingelegten Gurken, eingelegten Pfefferschoten und Dill.
Ich, bemehlt, beim Pizza backen.
Arma und ich machen Pause vom Wandern auf einer Steilwand.
Lohnende Aussicht mit Berg und Tal.

Der Lauf

Schliesslich war es soweit, der Tag meines Laufes.

Da 2020 der Sommer im Yukon ausgefallen ist, war es mit 27 °C der heisseste Tag in zwei Jahren. Dafuer konnte niemand trainieren, man musste es einfach so hinnehmen.

Am Vortag des Laufes hiess es Startnummern abholen und zwei Haftungsausschluesse unterzeichnen. Anschliessend versuchen zu schlafen.

Tyrel’s Wecker klingelt. Sein Startschuss ist um 6 Uhr morgens, da er den ersten Teil des Laufes uebernimmt. Ich raufe mir die Haare, waehrend er schliesslich um 5:38 Uhr das Haus verlaesst und noch ne ganze Ecke zu fahren hat. Aber auch nach 6 Uhr bekomme ich weder Nachricht noch Anruf von ihm, daher gehe ich davon aus, dass er gerade noch rechtzeitig angekommen ist.

An Schlaf ist fuer mich nicht mehr zu denken. Ich mache langsam, esse mein Standardfruehstueck, das mir noch nie quer im Magen lag: Haferflocken, gefrorene Heidelbeeren, Mandelmuss, Konfituere, 85 %ige Schokolade, gehobelte Mandeln, Apfel, heisses Wasser. Eigentlich gehoert noch kaltgepresstes Oel dazu, aber darauf verzichte ich heute. Seit dem Aufwachen trinke ich Wasser mit Elektrolyttabletten. Bei 27 °C werde ich bestimmt viel schwitzen.

Ich kontrolliere nochmal, ob ich auch alle vorgeschriebenen Gepaeckstuecke mitfuehre und packe mir grosszuegig Essen ein. Die 1,5 Liter Wasser, die ich mitfuehre, enthalten auch Elektrolyte.

Ab ins Auto, zum Staffelwechselpunkt.

Mein Handy klingelt, es ist Tyrel. Er musste aus dem Rennen ausscheiden. Nach dem ersten halsbrecherischen Anstieg ging es nach Kilometer 17 genauso steil wieder bergab. Da entschieden sich seine Beine, den Dienst zu verweigern und nicht mehr mit dem Krampfen aufzuhoeren. Tyrel hievte sich zurueck bergauf zur letzten Verpflegungsstation und wartete auf den Ruecktransport zum Staffelwechselpunkt.

Ich verspuere ein bisschen Genugtuung und Erleichterung. Erleichterung, weil ich meinen Teil noch laufen kann, aber ausserhalb der Wertung und ausserhalb jeglichen Drucks. Genugtuung, weil Tyrel den Lauf nicht richtig ernst nahm und jetzt die Quittung dafuer bekam. Ja, er ist vom Typen her sehr sportlich. Aber wer fuer diese Art von Lauf nicht trainieren und auch waehrend des Laufs Kalorien aufnehmen moechte, der bekommt halt die Quittung dafuer. Trotzdem freue ich mich, dass es fuer ihn ein positives Erlebnis fuer ihn war und es Spass gemacht hat, obwohl er dem ganzen sehr skeptisch gegenueber stand.

Kurz nach 10 Uhr komme ich am Zielort an und schildere die Situation dem Veranstalter. Ja, ich kann meinen Teil noch laufen und ja, ich brauche nicht bis 13:30 h warten. Das ist die Zeit des Massenstarts fuer den zweiten Teil, fuer alle Teilnehmer, deren Staffelpartner es nicht rechtzeitig ins Ziel geschafft hat. Um 11:30 h wuerde eine Laeuferin den zweiten Teil alleine starten, da ihr Staffelpartner krankheitsbedingt den ersten Teil nicht antreten konnte. Bis dahin klatsche ich den eintrudelnden Laeufern Beifall.

Ich, Startnummer 164, vor dem Start.

Gegen 11 Uhr verschwinde ich zum Pinkeln ins Gebuesch und kurz darauf trifft Tyrel staksenderweise ein. Leider hat er seinen Zeitstab, mit dem bei jeder Verpflegungsstation die Zeit festgehalten wird, einem Helfer gegeben, der nicht wieder auftaucht. Um 11:15 h bekomme ich das Okay, dass ich auch ohne Zeitstab starten darf, ist ja eh ausserhalb der Wertung. Die partnerlose Laeuferin steht schon bereit. Ob wir schon jetzt starten wollen? Na klar!

Schnell druecke ich Tyrel meine Wasserflasche in den Hand und einen Kuss auf die Lippen trotz seiner Abneigung gegenueber oeffentlichem Zurschaustellen von Liebkosungen, starte die Strecke auf meiner GPS Uhr und duese los.

Ich auf den ersten Schritten des Laufes.
Los geht’s fuer mich mit unerwartetem Elan.

Die ersten 10 Kilometer sind mal steil, mal eben, mal schlammig, aber laufbar. Mir geht es prima, ich kann kaum fassen, dass ich endlich das Rennen laufe, fuer das ich mich im Dezember 2019 eingeschrieben habe! Der erste Teilabschnitt endet mit einer Flussdurchquerung, die Abkuehlung ist wirklich noetig. Auch meine Kopfbedeckung tunke ich in das kuehle Schmelzwasser. Ein Fotograf faengt mich mit seiner grossen Linse ein, ich sehe sein oder ihr Gesicht gar nicht.

Nach der Fluessquerung faellt mir ein, dass ich eigentlich eine Verpflegungsstation davor erwartet hatte aber keine gesehen habe. Sollte ich zurueck gehen? Nein, ich habe noch ausreichend zu essen und trinken.

Anschliessend geht es bergauf, bergauf, bergauf, bis ich mich oberhalb der Baumgrenze auf meinem lieben Hochplateau wiederfinde.

Mein Weg zwischen Weidenbueschen, im Hintergrund Berspitzen.

Ich liebe diese Gegend, trotz der Anstrengung strahle ich weiterhin.

Strahlefrau auf Hochplateau.

Trotz der schoenen Aussicht ist es unglaublich heiss ohne Schatten, der Anstieg zieht sich ewig und ich laufe in einer Wolke Muecken und auch Kriebelmuecken, den black flies. Der Temperatursensor meiner Uhr zeigt auf dieser Strecke 37 °C an. Ich mache langsam, teile mit Kraefte und Wasser ein und schiesse dann und wann ein Bild.

Alpine Seen und schneebefleckte Berge.
Die Erschoepfung manifestiert sich in meinen zweifelnden Augenbrauen.

Schliesslich laufe ich ohne Weg in der hochalpinen Landschaft. Zum Glueck ueberholen mich hier relativ viele Laeufer, die den Weg besser kennen als ich. Die pinken oder orangenen Faehnchen der Wegmarkierung sind nicht immer einfach zu erkennen.

Pinkes Faehnchen im Vordergrund, schnellerer Laeufer im Hintergrund.

Endlich, endlich ist der erste Berg ueberwunden und es geht bergab ueber einen beliebten Pferde- und Wanderweg. Leider bin ich nicht allzu trittsicher auf diesem steilen, ausgewaschenen, steinigen Weg und auch viel zu ueberhitzt. Ich konzentriere mich so gut es geht und laufe so schnell es eben geht, was immer noch ziemlich langsam ist.

Am Ende des Abstieges endlich – die Verpflegungsstation. Eine liebe Helferin bittet mich, meine Kappe abzunehmen, damit sie mir eiskaltes Wasser auf den Kopf schuetten kann. Mein Gehirn zieht sich zusammen, das war wirklich noetig. Eine andere Frau fragt mich, ob sie mir eine Banane oder Mandarine schaelen soll. Ich starre sie nur wortlos an und bemuehe mich, meine Wasserflaschen auffuellen zu lassen, Elektrolyttabletten reinzuschmeissen, sie leer zu trinken und wieder aufzufuellen. Am Ende verlasse ich die Station mit zwei Flaschen Wasser/Elektrolyt und einer Flasche zuckrigem Sportgetraenk, sowie einer Banane. Ungeschaelt.

Mir ist ziemlich schlecht, daher gehe ich einfach einen Schritt nach dem anderen. Ein Mitlaeufer bei der Verpflegungsstation musste sich in einen Klappstuhl setzen und ausruhen, seine Beine haben sehr gekrampft. Meine Beine sind noch relativ beschwerdefrei und dass, obwohl meine Zehen heute morgen Zuhause noch, voellig untypisch, gekrampft haben.

Einen Schritt nach dem anderen, vorbei an Badegaesten und Familien am See. Einige jubeln mir zu. Eine junge Mutter fragt, wie es mir geht. „Mir ist speiuebel!“ Sie raet mir, meine Kappe doch nochmal in den See zu tunken, dem Rat folge ich. Obwohl die Schotterstrasse breit ist und nur leicht bergauf geht, gehe ich schnell anstatt zu laufen. Ich kenne das kommende Teilstueck und das ist haarstraeubend steil bergauf! Vor dem Anstieg erhalte ich die Moeglichkeit, mich mit Insektenspray einzunebeln. Eigentlich bin ich in der Hinsicht relativ unempfindlich, doch der fehlende Wind treibt einen in den Wahnsinn. Alle paar Sekunden fliegt mir eine Kriebelmuecke ins Ohr oder setzt zum Kamikazeflug in meine Atemwege an. Das Insektenspray klebt an meiner Haut, aber haelt die weniger mutigen Exemplare auf ein paar Zentimeter Abstand.

Es geht bergauf. So steil, dass ich dankbar bin, wenn ich mal wieder ueberholt werde. So muss ich mir auf dem schmalen Weg eine Moeglichkeit suchen, sicher Platz zu machen und dann zu warten, bis ich ueberholt bin. Dann wird es so steil, dass ich auch ohne Ueberholer Halt machen muss zum Verschnaufen. Nichts geht mehr. Aber die Aussicht auf den See, dessen Wasser laengst wieder aus meiner Kappe verdampft ist, die ist schoen.

Verschnaufpause mit Seeblick.

An mancher Stelle muss ich auf allen Vieren klettern um voranzukommen. Ein Schritt nach dem anderen, ein Handgriff nach dem anderen.

Steilwand und gleichzeitig mein Weg.

Fuer diesen Kilometer Anstieg brauche ich 35 Minuten!

Irgendwann flacht die Strecke ab, verlaeuft aber wieder auf unwegsamen Bergruecken. Langsam kennt man den Drill.

Aussicht auf Whitehorse

Die kommende Verpflegungsstation wird beschallt mit 80er Musik und bedient von zwei gut gelaunten Frauen im Bikini. Endlich kann ich meine Bananenschale loswerden, die ich den ganzen Anstieg hochgetragen habe und frage freundlich danach, ob mir eine Mandarine gepellt werden kann. „Natuerlich!“

Die schlimmsten Anstiege liegen hinter mir, doch vor dem Abstieg heisst es erstmal eine Runde auf einem Bergkamm drehen. Meine Zehen krampfen bei jedem Schritt und versuchen sich zu kruemmen. Ich bin fertig mit der Welt und alles tut weh. Laufen geht beim besten Willen nicht. Also gehe ich schnell. Es liegen noch 27 Kilometer vor mir. Wie ich die bewaeltigen soll, keine Ahnung! Meine schlaue Uhr zeigt mir an, dass ich wahrscheinlich gegen 22:40 Uhr ins Ziel komme. Aber um 21 Uhr ist Ende der Veranstaltung!

Nicht denken, gehen.

Bergkamm mit erkennbarem Weg!
Einfach weiter gehen, die Landschaft ist bezaubernd genug.

Eine Oase und Ueberbleibsel des schneereichen Winters – auf der Nordseite des Bergkamms trotzt eine meterhohe Schneebank den sommerlichen Temperaturen. Ich stopfe so viel ich kann in meine Kappe und reibe meine Arme ein, dann geht es weiter.

Schneebank auf dem Weg.

Die Schlaufe ist gelaufen, ich fuelle meinen Wasservorrat bei den Bikinifrauen auf. Mittlerweile sind sie bei den 90ern angekommen, die Spice Girls plaerren aus den Laufsprechern. Weiter geht’s.

Es geht eine Weile auf einer losen Schotterstrasse bergab. Der Schotter ist zu lose fuer mich zum Laufen und selbst wenn es sich um Ashalt handeln wuerde, meine Zehen krampfen so sehr, dass ich mir fast eine Bergaufstrecke wuensche. Dann wandelt es sich zur Grasebene, sehr gut.

Das Laecheln sitzt nicht mehr so recht, doch ich bewege mich noch vorwaerts.

Ein Blick auf das Hoehenprofil der Strecke in meiner Uhr zeigt, dass der wirkliche Abstieg bevorsteht.

Der wirkliche Abstieg kommt und er ist grauenhaft. Schlammig, wurzelig, ausgewaschen, steil, direkt am Abhang. Nicht nur meine Zehen krampfen – alle Beinmuskeln stimmen in die Krampfsymphonie ein. Meine Fuesse werden wund, denn sie muessen mein Koerpergewicht immer und immer wieder gegen die Schwerkraft stemmen in nassen, schlammigen Schuhen und Socken.

Stehenbleiben ist keine Option. Wer soll mich hier denn runtertragen? Schritt fuer Schritt, Krampf fuer Krampf geht es weiter. Fotos mache ich keine, denn meine Konzentration ist zu 100% gefordert.

So geht es weiter und weiter, ich weiss nicht wie lange. Alles verschwimmt, es gibt keinen Start und kein Ziel mehr, keine Gruende. Es gibt einzig und allein den naechsten Schritt.

Dann wird der Weg wieder breiter und flacher, dafuer aber moorig.

Schlamm und Wasser, da bleibt kein Fuss trocken.

Nur noch ein paar Kilometer zur naechsten und auch letzten Verpflegungsstation, da wird der Weg wieder zu einer steilen Mountainbikestrecke. Ploetzlich stehe ich vor einem senkrechten Abfall, ca. anderthalb Meter tief.

„ERNSTHAFT?!“, rufe ich in den Wald hinein. Ich suche mir eine Stelle am Rand, damit kein Mountainbike in mich reinbrettert und rutsche auf meinem Hintern hinab. Die Strecke geht so froehlich weiter, bis sie auf eine breite Schotterstrasse muendet.

Dies waere jetzt echt laufbar, aber meine Beine haben laengst aufgegeben. Gehen klappt, also gehe ich. Meine Uhr hat ihre Meinung bezueglich meiner Ankunftszeit geaendert. Wenn ich stramm weiterwandere, koennte ich gegen 20:40 Uhr ins Ziel kommen – 20 Minuten vor Zielschluss!!!

Zwei junge Frauen stehen am Rand der Schotterstrasse und halten ein Schild hoch. Sie sind mit ihren Mountainbikes hier her gefahren um uns Laeufer anzufeuern. Bald erkenne ich auch die Aufschrift des Schildes: Kilometer 69 der Gesamtstrecke! Ich muss lachen.

Schliesslich erreiche ich die letzte Verpflegungsstation. Die freiwilligen Helfer rufen mir zu, wie toll ich aussehe. Dabei fuehle ich, wie mich der Mut laengst verlassen habe, ich stinke und verschlammt bin. Man klatscht mir einen Gefrierbeutel mit Eis in den Nacken, fuellt meine Wasserflaschen nach Wunsch auf (zweimal Wasser mit Elektrolyten, einmal Gatorade), ich bediene mich an Wassermelone, greife mir Mueslibaellchen, Tuetchen mit Gummikram und schaele mir eine Banane. Die Schale lasse ich da. Man reicht mir ein Eis am Stiel und ich ziehe weiter.

Ich kann zwar nicht mehr, aber es waere doch wirklich witzlos, 10 Kilometer vor dem Ziel aufzugeben, nur weil man nicht mehr kann. Ich konnte schon vor 20 Kilometern nicht mehr! Ausserdem wuerde es bestimmt laenger dauern bis ich Zuhause bin, wenn ich hier bleibe. Also weiter, einfach weiter. Der Eisbeutel klebt noch im Nacken, ich disponiere ihn unter meine Muetze, damit er nicht runterfaellt.

Eisbeutel unter der Kappe, Speiseeis im Mund.

Irgendwann zwischen Kilometer 36 und 37 muss ich pinkeln. Das erste Mal seit Beginn des Laufs. Gutes Zeichen, ich bin gerade nicht dehydriert. Aber wie soll ich das anstellen im lichten Wald und mit meinen Beinen im derzeitigen Zustand?

Ich schaue mich um – niemand in Sichtweite. Ich schaffe es einen Meter neben den Weg, ziehe meine Hose runter, kralle mich an einem Baumstamm fest und erlaube mir, in eine 90 ° Hocke zu gehen. Jetzt laufen lassen statt zu laufen, willkommene Abwechslung! Und dann die Schwierigkeit – wieder hochkommen. Ich stemme, ziehe und schreie, bis ich wieder stehe. Dann geht es weiter, einfach weiter.

Die letzten 8,5 Kilometer vergehen nicht. Zum ersten Mal seit dem ersten Anstieg waer der Weg wieder laufbar fuer mich, doch ich pfeife aus dem letzten Loch. Die Uhr zeigt weiterhin 8,5 verbleibende Kilometer an und gefuehlt vergehen Stunden. Ich muss mir etwas anderes anzeigen lassen, sonst werde ich wahnsinnig. Die Navigation! Die zeigt mir an, dass ich in 1,65 Kilometern links abbiegen muss. Und dann in 1,2 Kilometern rechts. In kleinen Schritten geht es voran. Doch langsam verliere ich die Fassung.

Ich, am Ende der Bereifung angekommen.

Beine ausreichend anheben, um nicht ueber die Wurzeln zu stolpern. Bisschen bergauf, bisschen bergab, egal, einfach weiter. Wenn du stehen bleibst, dauert es laenger, bis du Zuhause bist, als wenn du einfach weiter gehst. Guck mal, der Weg ist doch schoen. So wie du eigentlich gerne laeufst.

Schmaler Waldweg, so wie ich ihn gern mag.

Und stell dir erstmal vor, wie es sich anfuehlen wird, wenn du die Bruecke siehst, die die letzten paar Hundert Meter bis zum Ziel ankuendigt.

Jedes Mal, wenn ich mir die Bruecke vorstelle, schiessen mir Traenen in die Augen. Weiter, weiter, fuer dich, fuer deine Freunde, fuer alle, die du lieb hast und die nicht mehr laufen koennen, fuer alle, die dir Glueck gewuenscht haben und an dich denken.

Irgendwann ended der schmale Weg, jetzt laufe ich auf einem weiten Weg, der im Winter von Langlaufskifahrern genutzt wird. Ich weiss, jetzt ist es wirklich nicht mehr weit. Ein paar junge, kraeftige Kerle spielen Diskgolf und gruessen. Einer fragt mich, wie lange ich schon gehe. „In etwa die letzten 27 Kilometer.“ „Heilige Scheisse, so ne Strecke wuerde ich mich nur tragen lassen!“

Auf den letzten Metern vor der Bruecke laeuft eine Frau mit tiefer Stimme und taetowierten Beinen an mir vorbei. ICH KANN DIE BRUECKE SEHEN und fange an zu schluchzen und zu heulen.

Ein Veranstalter steht mit Sombrero auf der Bruecke, feuert uns an und gibt unsere Startnummern per SMS an die Leute im Ziel weiter. Auf dem letzten Anstieg geht die Frau nur ein paar Meter vor mir.

Dann ruft uns der Veranstalter zu, dass wir ins Ziel einlaufen sollten.

Fuer mich ganz klar, dass das nicht geht und schon seit 27 Kilometern nicht mehr drin ist.

Doch die taetowierten Beine vor mir fangen wieder an zu laufen und die tiefe Stimme ruft mir zu: „Komm schon Maedchen, lauf – du packst das!“

Mein Koerper stellt die Laufbewegung nach.

Nein, er LAEUFT!

Ich kann es nicht glauben, da ist das Ziel und ich laufe, alle jubeln, ich komme immer naeher, Tyrel ist auch da!!

Mein Zieleinlauf. Laufend.
Ich erklaere den Helfern, dass ich keinen Zeitstab habe.

Dann hab ich es geschafft. Ich bin im Ziel. Ich bin fassungslos, weiss nicht, wie ich diese wahnsinnige Strecke habe zuende bringen koennen. Und ich bin stolz und dankbar, dass mein lieber Koerper das einfach so mitgemacht hat.

Ich, angekommen.

Und so war der Lauf in Zahlen:

  • Laenge: 44,24 km
  • Hoehenmeter bergauf: 1261 m
  • Hoehenmeter bergab: 1479 m
  • Zeit: 9 h 24 min 35 sec
  • Durchschnittstemperatur: 29,8 °C
  • Durchschnittliche Herzfrequenz: 173 Schlaege pro Minute
  • Verbrauchte Kalorien: 4730 kcal
  • Anzahl der ueberholenden Laeufer: Unzaehlig
  • Anzahl der ueberholten Laeufer: Null

Habe ich ein Fazit? Ich weiss es gar nicht so recht.

Aber ich weiss: Ich wirklich froh um diese Erfahrung. Es hat mir in der Praxis aufgezeigt, was es heisst Mensch zu sein und was man leisten kann, wenn man wirklich will.

Danke fuers Mitfiebern! 🙂

Diskomfort

Mein Bergmarathon steht bevor. Oder kann man das ueberhaupt Bergmarathon nennen? Es werden 43,7 Kilometer, bergauf, bergab, teils ohne Weg, auf jeden Fall kraxelnd. Ich stelle mich darauf ein, bergauf zu gehen, Kraxelstrecken zu gehen und zu laufen, wenn mir danach ist und ich kann. Hauptsache vorwaerts. Hauptsache innerhalb der Zeitvorgabe beenden. Denn ansonsten kann ich mir gut vorstellen, dass ich mich einfach wieder anmelde, fuer naechstes Jahr.

Unerledigtes sollte man zu Ende bringen, stimmt mein Hirn zu.

Das Ausspaehen meiner Laufstrecke einen Monat vor Startschuss hat mich nicht unbedingt zuversichtlich gestimmt.

Schotter, Schnee und Schlamm.

Doch immerhin konnte ich Tyrel malerisch in Szene setzen.

Ehemann auf Hochebene vor Bergen.

Kurzum: Die Strecke, die ich in knapp vier Wochen laufen werde, ist noch nicht passierbar. Zum Glueck haben wir noch etwas Zeit fuer Tauwetter. Ausserdem bin ich langsam und kann beim Lauf in etliche Fussstapfen treten, hihi.

Im hinteren Bild schneit es, im vorderen Bild schauen Arma und ich auf die naechste Schneeverwehung, die es zu ueberqueren gilt.

Trotz allem freue ich mich darauf. Darauf, in dieser zauberhaften Landschaft zu sein, die den meisten Touristen verwehrt bleibt, da zu unzugaenglich. Und ich freue mich darauf, an meine Grenzen zu gehen.

Geschlossene Schneedecke auf einer Hochebene.

Genau drei Jahre vor dem bevorstehenden Bergmarathon habe ich angefangen zu laufen. Zu dem Zweck habe ich mir eine „Couch to 5k“ App (Vom Sofa zum 5 km Lauf) heruntergeladen. Die erste Woche bestand aus drei Einheiten, die alle sehr anstrengend fuer mich waren. Zuerst fuenf Minuten schnelles Gehen, dann im Wechsel 60 Sekunden langsam laufen und 90 Sekunden gehen. Die Einheiten steigerten sich langsam, sowohl der Lauf- als auch der Gehanteil wurde laenger. Ein lustiger Zombie sagte mir stets ueber meinen Handylautsprecher, wann ich zu laufen oder zu gehen hatte.

Dann erblickte ich den Plan fuer die dritte Laufeinheit von Woche fuenf des Plans. Hier sollte ich 20 Minuten am Stueck laufen! Fuer mich schien das damals einfach unerreichbar. Fieberhaft lies ich durch Internetforen dieses Laufplans. Hat es tatsaechlich schon jemand geschafft, nach nur vier Wochen diese 20 Minuten Dauerlauf zu knacken?

Arma und ich bahnen uns den Weg durch Weiden und Weite der Tundra.

Ja es ist moeglich. Der Koerper ist vorbereitet. Auch wenn man sich es nicht zutraut, es ist moeglich. Ein Forenbeitrag behauptete sogar, wenn man es schaffte, diese 20 Minuten zu laufen, dann kann man mit Training und Zeit jede Distanz laufen, die man sich vornimmt.

Manch Langstreckenlaeufer glaubt, dass solche Rennen im Kopf und im Magen entschieden werden. Wenn die Beine krampfen und sich die Welt gegen einen vorschworen hat mit dieser unmoeglichen Aufgabe – Setzt man den naechsten Schritt?

In den Bergen gelten andere Gesetze als bei Strassenmarathons. Dabei will ich noch nicht mal von Schnee oder Baeren anfangen, die gibt es hier gratis dazu, wenn man Pech hat. Nein, es ist stimmiger fuer mich. Wenn ich in der Stadt laufe, frage ich mich, warum zum Teufel ich nicht den Bus nehme. Doch wenn ich durch Baeche und ueber Bergruecken stakse, fuehle ich mich verbunden mit der Natur und begreife mein Leben als Teil vom Ganzen. Dann macht auch der Diskomfort sinn. Er hat einem diese wunderbare Landschaft erst erschlossen. Und auch wenn wir ihm so oft wie moeglich aus dem Weg gehen, macht er doch erst Wachstum und Evolution moeglich!

Arma und die Tundra.

Ich weiss nicht, ob ich diesen Lauf beenden kann. Aber es zu versuchen, das reizt mich mehr, als die Unsicherheit abschreckt.

Um Miffy, den Sherrif von Nuttingham zu zitieren:

LASST ES UNS HERAUSFINDEN!!

🙂

Hahn ohne Korb

Was aus Hahn Jumanji geworden ist, darauf bin ich im letzten Beitrag eingegangen. Heute möchte ich von den anderen vier Hähnen erzählen.

Junghahn Clover beim Sonnenbad
Clover, ausgewachsen.

Clover lebt auf einer Biofarm und ist Chef über ca. 30 Hennen. Die Hennen sind fuenf bis sechs Jahre alt, während er jetzt knapp fuenf Monate auf der Welt ist. Das könnte der Grund dafür sein, dass er ein wenig ausgepumpt erscheint. Clover ist ein Copper Maran Hahn und Copper Maran Hennen legen dunkelbraune Eier. Falls ich im nächsten Jahr meine Hühnerhaltung ausweiten möchte, würde ich gern ein paar Nachkommen von Clover darin haben. Über verschiedenfarbige Eier würde ich mich sehr freuen.

Kueken Speedy
Junghahn Speedy
Speedy, ausgewachsen.

Speedy lebt auch auf einer Biofarm, auf der gleichen Schotterstrasse wie Clover. Ich bin mir nicht sicher, welche Art Hahn er ist. Eigentlich muesste er Ameraucana sein, denn er ist aus einem blau-gruenen Ei geschluepft und sein Farbschlag Splash kam auch nur bei Ameraucana Huehnern vor bei dem Zuechter, den ich gewaehlt hatte. Aber fuer einen Ameraucana Hahn ist Speedy zu gross und vor allem fehlt ihm der fedrige Bart. Hmm. Speedy ist wohl einfach Speedy.

Der neue Besitzer von Speedy wollte ihn unbedingt als Hahn fuer seine zukuenftigen Legenhuehner haben. Doch die Legehuehner gibt es noch nicht. Damit Speedy nicht einsam ist, hat er eine Huehnerfreundin. Die beiden sind unzertrennlich, es ist wirklich niedlich anzusehen.

Kueken Phoenix
Junghahn Phoenix
Phoenix, ausgewachsen.

Phoenix ist ein Australorp Hahn und hat ein liebevolles Zuhause bei einer Familie gefunden, die als Hobby Huehner haelt. Ich hatte eine lokale Internetanzeige aufgegeben um fuer ihn ein neues Zuhause zu finden. Statt Bezahlung wollte ich ihn einmal besuchen kommen mit der befreundeten Familie, die die Kueken fuer die ersten Lebenswochen im Wohnzimmer hatten. Das gilt uebrigens auch fuer Clover und Speedy. Letztendlich wurde daraus ein schoener Tag mit fuenf Kindern und zwei Erwachsenen, vier Haehne und ca. 60 Huehner zu bewundern.

Phoenix‘ Besitzer hatten am Tag vor unserem Besuch einen neuen Huehnerstall fertiggestellt und uns um Hilfe beim Huehnerumzug gebeten. Wer koennte dazu nein sagen – niedliche Junghennen und Phoenix nach und nach in ihr neues Heim zu geleiten? Eine schoene Erfahrung.

Kueken Daisy
Daisy als Junghahn
Daisy, ausgewachsen.
Daisy mit zweifelndem Blick.

Bis vor einigen Wochen noch haette ich mich wohl dagegen entschieden, den schwarzen Hahn Daisy zu behalten. Er schien nicht so besonders wie die anderen Haehne. Und da die Farbe schwarz dominant vererbt wird, wird der Grossteil des Nachwuchses auch schwarz werden. Letztendlich habe ich mich trotzdem dafuer entschieden. Clover war der einzige Hahn, an dem die Biofarm interessiert war, deren Gemuese ich kaufe. Jumanji hatte anatomische Probleme. Bleiben Speedy, Phoenix und Daisy. Speedy fand ich manchmal zu aggressiv in seiner Persoenlichkeit. Und bevor die Pubertaet richtig einsetzte, war Daisy deutlich verschmuster als Phoenix. Ausserdem wuerden seine Nachkommen zwar mehrheitlich schwarz sein, aber oft noch ein andersfarbiges, rezessives Farbgen der Mutter tragen. Das wuerde interessante Kreuzungsmoeglichkeiten mit der naechsten Generation geben. Ausserdem sind die schwarzen Huehner auch sehr schoen, die Federn schimmern gruen-lila in der Sonne.

Die Inneneinrichtung des Huehnerstalls ist auch vorerst fertiggestellt. Zwar ist kein Schickimicki dabei, aber ich habe alles ganz alleine geplant und gebaut – meist aus Baumaterialresten.

Hoehergelegenes Nest mit Gardinen aus durchgelaufenen Socken.
Blick nach rechts unten: Bodennahe Nester mit Ei-Attrappen-Steinen

Das PVC Rohr im Vordergrund ist uebrigens die austomatisch nachfuellende Futterstation. Oben wird das Futter nachgefuellt und unten kann es herausgepickt werden ohne dass die Huehner das Futter herausscharren, noch es verunreinigen koennen.

Da meine Huehner alles alte Rassen sind und keine Hochleistungs-Leger, werden sie erst mit ca. sechs Monaten anfangen zu legen. Das waere dann Ende Oktober. Aber einen guten Monat vorher alles schon fertig zu haben, damit sich die Huehner langsam an die Nester gewoehnen koennen, das hielt ich fuer eine gute Idee.

Eine sehr gute Idee: Fuenf Tage nach dem Nestbau wurde das erste Ei gelegt – mehr als einen Monat eher als erwartet!

Ei, Wunder der Natur. Etwas kleiner als aus dem Supermarkt gewoehnt, aber genauso wohlgeformt.

Die Frage war natuerlich, welche Henne so eifrig die Produktion hochgeschraubt hatte. Ich setzte mich zu den Huehnern und beobachtete, ob sich eine Henne aufaellig benahm. Tatsaechlich: Coco hatte eine Art waessrigen Durchfall, den ich sonst von den Huehnern nicht kenne. Koennte sie es gewesen sein?

Verdaechtigt: Australorp Henne Coco.

Seitdem schaue ich voller Vorfreude mehrmals am Tag in den Stall um zu sehen, ob mehr Eier gelegt wurden. Doch am dritten Tage nach der Legung war morgens immer noch nichts im Nest. Mittags schaute ich nochmal und siehe da!

Henne Coco hockt im Nest.

Ha!! Hab ich’s mir doch gedacht!

Stoeren wollte ich Coco bei der Eiablage jedoch nicht, also gab ich ihr ein Anstands-halbes-Stuendchen, bevor ich wieder nachsah. Was ich fand, ueberraschte mich schon wieder!

Zwei Eier lagen ploetzlich im Nest!

Zwei Eier, eins noch warm und eins kalt. Das warme Ei sah aus wie das allererste, was mich in meiner Vermutung bestaetigte, dass Coco das erste Ei gelegt hat. Das kalte Ei ist ein Mysterium. Wieder habe ich die Huehner genau beobachtet, doch alle Huehner verhielten sich wie immer und wollten mir das GehEImnis nicht verraten.

Es ist jetzt zwei Tage her, seit ich die zwei Eier gefunden habe. Wird es morgen wieder soweit sein? Und wie viele Eier finde ich dann? Werde ich die msterioese Eierlegerin enttarnen koennen?! Es ist maechtig spannend, zumindestens fuer mich. Ihr muesst da jetzt einfach mit durch. 😀

Und jetzt muss ich nochmal Werbung machen fuer Huehner. Lange habe ich gezoegert, mir meinen Huehnerwunsch zu erfuellen. Oft habe ich mir gesagt, dass die Realitaet bestimmt nicht so toll ist, wie ich sie mir vorstelle. Und dass ich zumindestens warten muss, bis ich ein eigenes Grundstueck besitze und genug Zeit und Geld fuer so ein Hobby habe. Und dann, was soll ich machen, wenn ich in den Urlaub fahre? Huehner scheinten mehr Umstand als Nutzen zu sein.

Jetzt kenne ich die Realitaet. Und ich glaube, ich haette mir schon eher Huehner anschaffen muessen. Die Huehner bereiten mir so viel Freude. Der Umgang mit ihren speziellen Charakteren, dass sie saemtliche Essensreste sinnvoll verwerten und schliesslich noch Eier spendieren… Ich mag die Biester so gerne, das gibt mir richtig viel Energie fuer den Alltag. Nach der Arbeit den Stall ausmisten? Kein Problem. Das Wochenende haemmern und schrauben? Gerne. Anbauten planen, damit auch bei -45 °C genuegend Auslauf bereitgestellt werden kann? Auf jeden Fall!

Sogar Arma ist erstaunt, wieviel Antrieb mir die Huehner verleihen. 😉

Arma auf der Couch, etwas perplex.

Ich wuensche dir, dass du auch ein Projekt findest, das dich beseelt und motiviert. Wie waere es mit ein paar Huehnern? Oder hast du eine andere Idee, was fuer dich klappen koennte? 🙂

Ausrichtung

Den Sommer habe ich dafuer genutzt, zu ueberlegen. Was mich aus der Bahn geworfen hat. Ja, vielleicht Corona. Aber genau was an Corona? Und was kann ich machen um mich in dem Leben, das ich gestalten kann, wieder in Balance zu bringen?

Ich glaube es war mein Thema mit der Freiheit. Ich liebe das Gefuehl von Freiheit, von Moeglichkeiten und Selbstbestimmtheit. Das ist uns in den letzten Monaten allen ein wenig abhanden gekommen. Auch wenn es vorher vielleicht nur eine Illusion war, denn wie viele der scheinbar unbegrenzten Moeglichkeiten hat man denn tatsaechlich ausgekostet? Und vieles ist doch noch machbar, wenn auch vielleicht anders als gewohnt.

Also was kann ich tun um mich wieder frei zu fuehlen?

Fuer mich lautet der Weg: Eigenverantwortung uebernehmen und so viel wie moeglich selbst machen. Auch wenn ich es gut finde, dass Tyrel und ich uns gut ergaenzen in der Partnerschaft, verleitete es mich dazu, manche Dinge nicht mehr selbst zu machen. Weil er schneller/geschickter/besser ist in einigen Dingen. Doch das fuehrte unbemerkt zu einer gewissen Abhaengigkeit, da ich ihn ja oefter darum bitten musste, gewisse Dinge zu tun. Dass er fuer zwei Monate auch am Wochenende gearbeitet hat, hat die Situation natuerlich nicht entspannt. Also Aermel hochkrempeln und selbst ist die Frau.

Einige kleinere Bauprojekte wurden von mir geplant und durchgefuehrt, ganz alleine. Normalerweise halte ich wenigstens Ruecksprache mit Tyrel, weil er mehr Erfahrung in den Dingen hat. Aber alles hat auch so geklappt.

Mit Freunden habe ich eine Zeltgarage aufgebaut, in der ich meine Sachen lagere, sowie alles was zu Huehnern und Landwirtschaft gehoert. Ausserdem habe ich dort eine kleine Werkbank, mit der ich wetterunabhaengig werkeln kann.

Fuer vier Tage habe ich eine viertaegige Kanutour mit Freunden gemacht und ganz ohne Tyrel geplant, gepackt, gepaddelt und gelagert. Er musste arbeiten und hat sich um die Huehner gekuemmert.

Und was mir mit Abstand am schwersten fiel:

Ich habe Hahn Jumanji gekoepft und zu Suppe verarbeitet.

Fuenf Haehne hatte ich insgesamt. Einen habe ich behalten, drei habe ich zu neuen Huehnerharems vermitteln koennen. Doch Jumanji… er hat Klumpfuesse bekommen, was immer ausgepraegter wurde je schwerer er wurde. Am Ende konnte er weder scharren noch in den Stall huepfen ohne regelmaessig umzufallen. Auf eine Sitzstange fuer die Nacht fliegen klappte auch nicht. Ich wusste nicht, ob ihm die Fussfehlstellung Schmerzen bereitet hat. Aber in der letzten Woche seines Lebens wurde er richtig fies zu seinen Mithuehnern und auch zu mir und griff gerne an, wenn man in seine Naehe kam. Ich koennte jetzt einen Vergleich ziehen zu einem Propagandaminister mit Klumpfuss, aber lasse es lieber.

Ihn zu schlachten, was in der Theorie logisch klang, war nicht mehr so einfach als er vor mir lag und mich ansah, waehrend ich das Beil ansetzte. Doch eine Alternative sah ich nicht.

Jemand anders fragen, die Handlung fuer mich zu erledigen?

Nicht selbstverantwortlich.

Ihn leben lassen?

Nicht verantwortungsvoll ihm gegenueber (wobei ich mir bewusst bin, dass es dazu andere Meinungen gibt).

Ihn beerdigen?

Nicht fair gegenueber all den anonymen Lebewesen, die ich bisher in meinem Leben gegessen habe. Die waren genauso am Leben wie Jumanji, nur dass sie keinen Namen hatten, nicht mit ihnen gekuschelt wurde, sie weder gekannt noch geliebt wurden.

Waere es besser, wenn er nach dem Schluepfen direkt geschreddert worden waere, wie es zu Millionen geschieht?

Waere es besser, sich mit Fleischkomsum nicht naeher zu befassen und einfach im Supermarkt zu kaufen, was sauber abgepackt im grell beleuchteten Regal steht?

Waere es besser, vegan zu leben?

Viele Fragen auf die nur jeder selbst eine Antwort finden kann.

Fuer mich ist es okay Tiere zu essen, wenn ich mich aktiv damit auseinandersetze und daran teilhabe. Daher jage ich, arbeite ich in der Fleischerei und esse meine Huehner, wenn ich keine andere Moeglichkeit sehe, sie ein glueckliches Leben fuehren zu lassen.

Trotzdem:

Tut mir leid, Jumanji.

Danke Jumanji.

Ich hab dich gern Jumanji!

Nun ist Hahn Daisy der Chef in der Gruppe. Seine Zehen sind zwar auch nicht perfekt gerade, aber das ist nur ein Schoenheitsfehler – er kann scharren, springen und laufen ohne Probleme.

Aber die letzten Wochen waren nicht nur schwer und wegweisend. Sie waren auch voller schoener Momente, Lachen und Bewunderung fuer die Natur.

Zum Beispiel habe ich endlich das perfekte Dankeschoen Geschenk fuer meine Freunde gefunden, die die Kueken in den ersten Wochen grossgezogen haben: Kissen, die mit einem Bild ihres Lieblingshuhns bedruckt wurden.

Ich freue mich ueber die zwei Kissen mit Huhn Icicle. Der rechte Hintergrund ist das Weltall, und der linke Hintergrund eine Strasse in Tokyo.

Natuerlich gab es auch viele schoene Momente mit den Huehnern.

Alles in allem ein schoener, wenn auch verregneter Sommer. Morgen hole ich die letzte Gemuesekiste der Saison ab. Und dann geht es in grossen Schritten auf den Winter zu.

Danke an die treuen Seelen, die trotz der Inaktivitaet hier trotzdem regelmaessig reinschauen. Das motiviert mich immer wieder, mich trotz Unlust doch zum Schreiben aufzuraffen!

Das Gleiche gilt natuerlich fuer die Wachruettelversuche per Email. ^^

Habt ihr die Krise auch als Anlass genommen, mehr selbst taetig zu werden und was zu machen, was ihr sonst nicht getan haettet? Und hilft euch das so wie mir? Wuerde mich ja interessieren. 🙂

Donnerstags

Heute mal ein Alltagsbeitrag von mir – genau so wie es mein Bruder Johannes gern liest. 🙂

Mein Lieblingstag in der Woche ist zur Zeit der Donnerstag. Da ich nur noch 30 Stunden bei der Airline arbeite, arbeite ich meist montags bis mittwochs je acht und dann donnerstags nur schlappe sechs Stunden. Freitag ist dann Fleischtag, aber der kurze Donnerstag hat es mir angetan. Es folgt mein Donnerstagsbericht, am Beispiel des Donnerstags letzter Woche.

Der Wecker klingelt um 5:06 Uhr. Die Sonne scheint noch nicht, dafuer ist die Sommersonnenwende schon zu lange her. Doch es ist angenehm-blau-daemmrig im sonst so roten Zelt.

Blick an die Zeltdecke, getaucht in ein samtig-blaues Licht.

Leise faengt es an zu nieseln und ich strecke mich noch ein wenig. Nieselregen auf dem Zelt, das loest bei mir ein ganz wohliges Gefuehl aus. Ich bleibe noch etwas laenger liegen und lese ein wenig auf meinem Handy.

Als ich mich schliesslich aus dem Schlafsack pelle, haben sich die feinen Sprenkel auf der Plane in ein rhythmisches Trommeln verwandelt. Zum Glueck habe ich meinen Hut mit ins Zelt genommen!

Draussen lass ich als erstes die Huehner aus dem Stall. Wenigstens moechte ich ihnen die Moeglichkeit geben, ein- und auszukehren wie es ihnen beliebt. Wie jeden Morgen stroemen die Huehner in den Auslauf. Doch heute flattern sie nicht mit den Fluegeln, sondern sie schuetteln sich. Ich wuensche einen guten Morgen und ziehe weiter.

Ein Outhouse steht im Walde, ganz still und stumm.

Dann geht es weiter aufs Plumpsklo, oder Outhouse. Dank der transparenten Kunststoff-Wellplatten als Dach ist es drin genauso hell wie draussen. Ausserdem verstopft es nie und eine Klobuerste ist auch nicht notwendig.

Schliesslich mache ich mich im Tiny House fertig fuer den Tag und fahre gen Arbeit. Auf halber Strecke zeichnen sich auch endlich die Berge hinter den Wolken ab, die normalerweise das Panorama unseres Feldes bilden.

Bergkulisse hinter Regen, Highway und gerissener Windschutzscheibe.

In meinem Buero angekommen giesse ich meine Tomatenpflanzen und bin anschliessend fuer ein paar Stunden produktiv. Bis ich meine verlaengerte Mittagspause nehme und aus dem Buero laufe, zu den nahegelegenen Mountainbiketrails. Auf halber Strecke treffe ich meine Freundin und wir laufen eine gute Strecke zusammen ueber Stock und Stein. Normalerweise stolpere und falle ich oefters, doch heute nicht – obwohl es immer noch regnet. Dafuer werden wir beide von einer Wespe gestochen.

Durch die Feuchtigkeit leuchten die Farben im Wald und alles duftet herrlich. Meine Freundin und ich fuehlen uns gluecklich und sind dankbar, dass wir diese schoene Gegend an einem Donnerstagvormittag nutzen koennen, ohne dafuer extra irgendwo hinfahren zu muessen!

Zurueck im Buero ist kaum noch etwas von meinen Wochenstunden uebrig. Ich arbeite waehrend ich mein mitgebrachtes Mittagessen verspeise (zwei Schraubglaeser mit ueber Nacht eingeweichten Haferflocken, Nuessen und Beeren und ein Stueck Kaese). Dann packe ich schon bald zusammen und duese in Richtung Stadt, denn donnerstags besuche ich meine Freunde im Kaeseladen!

Zwar ist mein Portemonnaie nach dem Besuch im Kaeseladen leichter, doch meine Schritte sind es auch. Und dass, obwohl ich eine schwere Tuete trage.

Der naechste Stopp ist der Bauernmarkt, der donnerstags ab 15 Uhr stattfindet. Besucher des Marktes stehen in Schlangen und muessen sich vor Eintritt die Haende desinfizieren. Doch die Stimmung ist gut – der Markt gehoert hier zum Sommer dazu und findet nur ca. vier Monate lang statt im Jahr. Ausserdem hat es aufgehoert zu regnen!

Ich umgehe die lange Schlange des Standes „meiner“ Biofarm und stelle mich von der anderen Seite an. Waehrend ich mich nach dem Wohlbefinden von Hahn Clover erkundige (blendend) wird mein gruener Einkaufskorb beladen mit den Leckereien dieser Woche und einem Flugblatt; dann bin ich schon wieder auf dem Weg. Bezahlt habe ich fuer die ganze Saison im Vorraus im Fruehjahr. Aussuchen, was ich bekomme, kann ich mir nicht. Jeder bekommt das Gleiche. Eine prima Gelegenheit, neue Rezepte auszuprobieren mit Gemuesesorten, die sonst nicht im Einkaufswagen landen wuerden.

Skeptisch sehe ich auf das riesige Buendel Mangold. Zusammen mit meiner Schwester und Cousine habe ich mir frueher haarstraeubende Gute-Nacht-Geschichten ausgedacht. Eine Geschichte, die sich ueber mehrere Abende erstreckte, handelte vom Sandmaennchen, der auf dem Mond riesige Tanks voller Mangold-Erbrochenem lagerte. Gekauft habe ich Mangold daher selbst noch nie. Doch zum Glueck schlaegt das beiliegende Rezept der Woche etwas mit Mangold vor – ich muss mir also keine Gedanken machen.

Ich schlendere noch eine Runde ueber den Markt (wegen der Sicherheitsvorkehrungen nur im Uhrzeigersinn erlaubt), kaufe noch ein, zwei Leckereien und schiesse ein Foto fuer euch.

Gemuesiger Einkauskorb vor Marktszene. Orangene Pylone zeigen den korrekten Abstand beim Schlangestehen an den jeweiligen Staenden an.

Auf dem Parkplatz im Auto nasche ich ein Eis, das den Weg in meinen Einkaufkorb gefunden hat. Dann fahre ich nach Hause.

Dort werde ich begruesst von Arma, die umgehend das Baeuchlein zum sofortigen Streicheln freigibt und bewirbt. Dem kann ich natuerlich nicht widerstehen. Die Einkaeufe werden grob verstaut und Arma und ich schauen nach den Huehnern.

Nach Regen lieben es die Huehner, den Erdboden aufzukratzen und sich ausgiebig zu waelzen. Es macht grossen Spass, sie zu beobachten!

Doch Arma und ich gehen eine Runde durch das Feld und spielen ausgiebig „Hol das Stoeckchen“.

Arma beim aufgeregten Apportieren. Mein Vater findet, die sieht Knecht Ruprecht von den Simpsons aehnlich. Nach diesem Bild gibt es keinen Widerspruch mehr – sogar die Comicaugen sind vorhanden.

Anschliessend schluepfe ich in Gummistiefel und bewaffne mich mit Schaufel, Besen und Schubkarre. Donnerstags wird der Huehnerstall ausgemistet.

Huehnerstall vorher und nachher. Bis auf die fehlenden Federn im Stroh kein grosser optischer Unterschied, doch der frische Stall duftet herrlich.

Nach der Stallsaeuberung verbringe ich noch etwas Zeit mit meinen fedrigen Freunden.

Irgendwann grummelt mein Bauch; ich folge dem Ruf und bereite das Abendessen im Haus zu. Es gibt herzhafte Mangold-Muffins, wie das Rezept der Woche meiner Gemuesekiste vorschlaegt. Waehrenddessen lerne ich eine neue, englische Vokabel. Das Rezept verlangt nach der Haelfte des beiliegenden „summer savory“ Buendels. Ein Kraut, sieht so aehnlich aus wie Rosmarin aber kann ich nicht direkt zuordnen.

Das Internet loest auf: Es ist Bohnenkraut! Das habe ich in Deutschland geliebt, aber nur getrocknet gekannt.

Waehrend der Zubereitung fragt mich Tyrel fuenf Mal aufgeregt, ob ich wirklich herzhafte Muffins zubereite. Ich mache eine mentale Notiz, dass ich ihm damit anscheinend eine Freude machen kann.

Die Muffins sind superlecker, genau wie der Burrata-Kaese, der das Abendessen abschliesst. Ich verbringe noch Zeit mit Tyrel, wir tauschen uns ueber unseren jeweiligen Tag aus und schauen gemeinsam lustige Bilder im Internet an.

Schlussendlich liege ich wieder im Zelt. Die Sonne scheint noch, die Stimmung ist eine andere als noch heute Morgen. Ich schliesse meine Augen und versuche das Zappen des elektrischen Zauns zu zaehlen aber komme nicht weit, bis ich einschlafe.

Zelt am Abend. Mein Innenschlafsack haengt noch an der Lampe zum Lueften.

Habt einen schoenen Donnerstag! 🙂

Besinnung

Habe schon laenger nicht mehr gebloggt und schreibe daher heute ein Update zu mehreren Themen.

Arbeit

Tyrel hat eine neue Arbeitsstelle gefunden, weg vom Tourismus und mit Instandhaltung von Maschinen, was ihn interessiert. Zunaechst einmal bedeutet das natuerlich einen Einschnitt im Gehalt, aber ich bin froh, dass er endlich auf den Karrierepfad geraten ist, der ihn erfuellt und den er langfristig ausfuehren moechte. College ist zunaechst nicht mehr auf dem Plan fuer den Herbst aber die neue Firma scheint auch Moeglichkeiten zur Weiterentwicklung zu bieten, wenn man sich gut macht.

Ich arbeite noch fuer die Fluggesellschaft. Allerdings wurden meine Wochenstunden auf 30 reduziert. Als dies verkuendet wurde, wusste ich sofort, dass ich einen Minijob haben moechte fuer einen Tag in der Woche. Mal wieder was Neues lernen und machen, das war sowieso ueberfaellig.

Also habe ich mir Gedanken gemacht, was ich am liebsten machen wuerde, wenn ich es mir aussuchen koennte. Die Antwort darauf war relativ schnell klar: Ich wuerde gern in einer Fleischerei arbeiten. Nein, nicht bei Toennies. Sondern in meiner Lieblingsfleischerei, die ausschliesslich Fleisch von Tieren aus der unmittelbaren Umgebung verarbeitet und anbietet.

Beim naechsten Einkauf ein paar Tage spaeter habe ich meine Arbeitsabsicht kundgetan und sollte direkt den kommenden Freitag anfangen. Gesagt, getan. Seitdem arbeite ich freitags in der Fleischerei. Ich zerteile Organe, schneide Aufschnitt, poekel Speck, mache Wurst, raeuchere, verpacke und einiges mehr. Die Familie, die die Fleischerei betreibt, ist sehr lieb und die Arbeit macht Spass. Ausserdem lerne ich eine ganze Menge, das gefaellt mir immer gut.

Ich habe Spass mit dem hydraulischen Wurstfueller. Heute in der Herstellung: Boerenworst nach suedafrikanischem Rezept.

Huehner

Die Huehner sind gross, keine Anzeichen mehr von Kuekenzeit oder Halbstarken. Derzeit sind fuenf Haehne klar zu identifizieren – ich finde das reicht auch. Bleiben immer noch acht Hennen. Ein Hahn ist bereits umgezogen und lebt nun auf einem Biohof mit einem Harem Legehennen auf einer gruenen Wiese.

Ein letztes Kuscheln mit Hahn Clover.
Der Hahn im Korb. Hahn Clover mit ca. 30 Hennen.

Der Hahn, den ich gern behalten haette, hat mit der Zeit schiefe Zehen und somit Gleichgewichtsprobleme bekommen. So gern ich ihn habe, er wird zum Suppenhuhn werden. Schade drum. Aber es scheint ein genetisches Problem zu sein, da kein anderes Huhn aehnliche Probleme hat. Ich habe ueberlegt, ihn zu beerdigen, aber das fuehlt sich nach Verschwendung an. Wenn er gegessen wird, hat sein Leben beziehungsweise sein Tod mehr Sinn, wie ich finde.

Hahn Jumanji mit schiefen Zehen.
Huehner Jumanji und Brave helfen mir, Huehnerartikel von meinen Eltern zu praesentieren.

Auch sonst sind die Huehner munter und nach wie vor sehr menschenbezogen.

Huehner liegem gemuetlich vor dem ehemaligen Hundehaus, jetzt Huehnerbadehaus.
Morgendliches Geflatter im Auslauf nach Toroeffnung.
Der Klassiker: Verruecktes Huhn auf Schulter.

Laufen

Leider bin ich nicht wie geplant schon einen Marathon gelaufen.

Das Rennen hat ohne mich stattgefunden, trotzd der Pandemie. Die Regeln wurden stark veraendert um die Abstands- und Hygienevorgaben einzuhalten. Das hat dazu gefuehrt, dass es sich fuer mich nicht mehr nach Spass angehoert hat. Und Tyrel, mein Staffelpartner, wollte waehrend einer Pandemie nicht an einer Gruppenveranstaltung teilnehmen.

Ausserdem hatte ich eine gereizte Sehne im Fuss und habe ein paar Wochen vorher pausieren muessen. Nun ist alles wie neu und ich trainiere fuer meinen Bergmarathon 2021!

In diesem Sommer oder Herbst will ich trotzdem noch einen Marathon oder aehnliches laufen, wenn auch nicht ueber Berge. So weiss ich wenigstens, dass ich die Distanz stemmen kann und habe eine mentale Blockade weniger.

Da ich Ende April 80 km in einer Woche gelaufen bin, denke ich, dass es im Bereich des Moeglichen liegt.

Abschlussbild einer 80 km Laufwoche im April mit Arma und mir (daher der Schnee im Hintergrund).

Derzeit laufe ich ein- bis dreimal in der Woche, fahre aber viel Rad. Wenn es wieder kaelter wird, werde ich das Radeln wahrscheinlich wieder lassen – mit Fahrtwind ist es mir dann doch zu kalt.

Mein liebes Rad und ich halten eine Rast.

Arma

Leider hat Arma eine Autoimmunerkrankung entwickelt, die zu einer chronischen Entzuendung und Pigmentierung der Augenhornhaut fuehrt. Jetzt sind lebenslaenglich Augentropfen angesagt. Allerdings macht das die Augen empfindlicher fuer Verletzungen. Wir haben also eine schneidige Schutzausruesting besorgt.

Nasser Hund mit Schutzbrille wartet auf das Werfen eines Stoeckchens.

Um Arma mit auf ausgedehntere Wanderungen nehmen zu koennen, gewoehnen wir sie ausserdem an einen Hunderucksack.

Lasthund vor Bergkulisse.

Und sonst so

In der letzten Zeit ist mir klargeworden, dass die ganze Pandemie doch nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist, sondern mich etwas aus der Bahn warf. Ohne, dass ich das zunaechst gespuert habe.

Jetzt habe ich es erkannt und bin dabei, meine Balance wieder herzustellen.

Dazu gehoert, dass ich mir mehr Zeit nehme, den Sommer zu geniessen, statt ausschliesslich schier endlosen Projekten nachzulaufen. Ich treffe mich mehr mit Freunden, gehe mehr wandern, zelte bei den Huehnern, lese ein spannendes Buch (Danke, Anke!). Ich rede darueber, was nicht rund laeuft und merke, wie viele Leute in meinem Bekanntenkreis aehnlich fuehlen.

Auch wenn ich die ganze Krise oft gern abschuetteln und belaecheln wuerde – das macht es nicht besser.

Stattdessen kann ich mir viele Fragen stellen. Wer bin ich, was ist mir wichtig, wohin geht die Reise derzeit, wofuer und wie kaempfe ich?

Alles wichtig, um nicht irgendwann aufzuwachen und zu bereuen. Und Reue-Minimierung ist meine erklaerte Lebensmaxime. Von daher bin ich dankbar, dass mir die Krise diese Chance zum Innehalten gegeben hat.

Meine erste Fahrt in einem Kajak. Hat viel Spass gemacht.
Der Weg ist das Ziel – vor allem in alpinen Hoehen.
Freie Sicht oberhalb der Baumgrenze auf ca. 1300 Hoehenmetern.

Ich glaube, das musste ich erst fuer mich klaeren, bevor ich diesen Blogeintrag schreiben konnte. Also danke fuer die Geduld!

Dass WordPress den Editor komplett geaendert hat und immer noch aendert, hat auch nicht unbedingt die Schreiblaune gefoerdert. Aber jetzt hab ichs ja geschafft.

Ich wuensche euch eine schoene Woche! 🙂

Huehner – Woche 6

Kueken kann ich nicht mehr schreiben, es hat sich ausgekuekt.

Nach Woche 5 deutete meine Freundin an, dass die Huehner langsam echt zu gross werden fuers Haus. Also Zahn zugelegt beim Huehnerstallbau. Donnerstag Nacht fertiggestellt, Freitag Nachmittag Huehner rein.

Casa di Pollo – Das Huehnerhaus.

Der Innenausbau ist zwar noch nicht fertig, aber bevor die Huehner eine schriftliche Beschwerde einlegen, werden wir schon fertig sein.

Nun ein paar Bilder vom Einzug und dem ersten Erkunden des Aussengeheges.

Kann der Treppe zum Aussenbereich getraut werden? Ein schwarzes Huhn macht einen langen Hals.
Fast draussen – aber lieber auf Nummer sicher gehen.

Waehrend ich darauf warte, dass das erste Huhn den Schritt nach draussen wagt, mache ich Bekanntschaft mit dem Sofahuhn Icicle. Sie fliegt kurzerhand aus dem Stall auf meinen Kopf und haengt dann auf meiner Schulter rum.

Huhn, geschultert.

Wer sich jetzt fragt, wie denn die Kinder darauf reagiert haben, dass die Huehner jetzt nicht mehr im Wohnzimmer leben: Klar war es erst traurig. Aber ich schicke viele Bilder und Geschichten aus dem neuen Leben der Huehner. Und am Tag nach dem Huehnerumzug war die ganze Familie zu Besuch, damit sie sich selbst davon ueberzeugen koennen, dass es die Huehner hier gut haben.

Fuer mich ist es noch ganz aufregend Huehner zu haben – Davon habe ich seit Grundschulzeiten getraeumt. Es macht wirklich viel Spass, mit ihnen zu interagieren oder sie auch nur zu beobachten. Zum Beispiel beim Sonnenbaden.

Platte Huehner arbeiten an der Fluegelbraeune.
In diesen verrueckten Posen habe ich sie sonst noch nicht gesehen.
Angehender Hahn Clover benutzt ein puscheliges Huhn als Federkopfkissen.

Bislang sehen zwei von dreizehn Huehnern sehr stark nach Haehnen aus, Clover und Jumanji. Ich druecke noch die Daumen, dass es dabei bleibt. Dann haette ich trotz der geringen Ei-Entwicklungsquote doch Glueck gehabt. Jumanji hat uebrigens ein paar kahle Stellen, die wahrscheinlich von Machtkaempfen herruehren. Vorsorglich habe ich ihn mit einem Anti-Pick-Spray eingesprueht, damit die Federn in Ruhe nachwachsen koennen. Begeistert war er davon nicht.

Begossener Pudel, aeh Junghahn mit nassem Ruecken.

Ansonsten teilen sich die Huehner ihr Gehege mit unseren Muelltonnen, da sowohl Huehner als auch Muelltonnen Baeren anziehen koennen und nun hinter Elektrozaun verweilen.

Die Huehnerschar, elektrisch umzaeunt, geht dem Scharren und Picken des Tagesgeschaeftes nach.

Besonders Icicle scheint sehr talentiert zu sein und erbeutete bereits eine dicke Larve nach ausgiebigen Scharr-Aktivitaeten.

Icicle scharrt.
Icicle mit fetter Beute (der braune, gebogene Wurm vor ihrem Schnabel).

Vorsichtig versuchen wir auch Arma an Huehner zu gewoehnen.

Hund und Huhn auf Sofa… Au Backe.

Habt eine gute Woche!

Kueken – Woche 4,5

Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob man noch von Kueken sprechen kann in diesem Fall. Die fedrigen Schuetzlinge sehen eher aus wie Huhn-Teenager in meinen Augen. Aber seht selbst.

Zwoelf fedrige Junghuehner und -haehne.

Sie sind eher kleine Huehner. Irgendwie unfertig und hier und da noch etwas Flausch statt Federn. Aber man sieht schon, was mal draus werden soll.

Noch bin ich unsicher, ob diese Exemplare eher als Therapiehuhn oder Eispender taugen – oder eventuell fuer die Beizjagd geeignet waeren.

Alle Moeglichkeiten sollten ausgeleuchtet werden.

Ich: Frisch geduscht.
Huhn Phoenix auf meiner Hand: Ratlos.
Sofa- und Familienlieblingshuhn Icicle.

Ein grosser Tumult waehrend meines Huehnerbesuches wurde ausgeloest durch ein arglos herumliegendes Haargummi, welches durch ein Huhn in der Behausung entdeckte. Laut piepsend rannte es mit der Trophaee umher und verteidigte den Schatz so lange wie moeglich gegen die anderen Huehnchen. So lange, bis ein anderes Huhn mit einem gewagten Manoever die Beute stibizte und das Schauspiel von Neuem begann.

Schwarzes Huhn auf der Flucht mit schwarzem Haargummi.
Weisses Huhn auf der Flucht mit Beute.

Kurzum: Es macht wirklich Spass, den Huehnern zuzusehen. Der Komponist von „Ich wollt‘ ich waer ein Huhn“ hat seinerzeit anscheinend schlecht recherchiert. Zu tun haben die Biester den ganzen Tag!

Zu meiner Freude konnte ich mich auch ein wenig nuetzlich machen und bei der Reinigung der Behausung mithelfen. Meine Idee, dafuer ein Kinderplanschbecken zu benutzen, stellte sich als praktisch heraus.

Derweil zogen die Huehner voruebergehend in den Garten. Unter der verantwortungsvollen Aufsicht der 10 jaehrigen Tochter bekamen jeweils zwei oder drei Huehner gleichzeitig Freigang. Natuerlich wurde darauf geachtet, dass kein Huhn zu kurz kam und alles gerecht ablief.

Schwarze Henne auf trockenem Rasen.
Phoenix, das Erstgeschluepfte.

Mittlerweile ist auch klar, wann die Kueken zu mir ziehen: Im Alter von sechs Wochen. Zu dem Zeitpunkt werden die schon neun Wochen in der Pflege von anderen Personen sein, wenn man die Inkubation mitzaehlt. Es wird also ernst fuer mich. Und den Huehnerstall!

Zukuenftiger Huehnerstall, mit Dach, selbstgebauten Fenstern und Membran.

Packen wir’s an! 🙂

Küken – Woche 2,5

Die zweite Lebenswoche meiner gefiederten Freunde ist vollendet. Sie sind schon um einiges gewachsen und fedriger geworden. Vor allem hopsen sie, also wurde der Rand des Schwimmbeckens, in dem die Küken wohnen, erhöht und verschönert.

Bei den mir zugespielten, niedlichen Bildern fiel mir auf, dass sich die Federn der Küken ganz unterschiedlich entwickeln. Bei einer Internetrecherche stellte sich heraus, dass Hennen in den ersten Lebenswochen Schwanzfedern und rundliche, lange Flügel entwickeln, während angehende Hähne keine Schwanzfedern und eher eckige, kurze Flügel bekommen.

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Links lange Flügel und Schwanzfedern, rechts kurze Flügel und nur Plüsch am Poppes.

Nach diesen Kriterien habe ich die Hühnchen beäugt. Ich hoffe jetzt, dass ich recht habe und am Ende sieben oder acht Hennen behalten kann. Für eine genaue Bestimmung flitzen sie doch zuviel umher. Von 13 Küken wäre das doch eine gute Ausbeute.

Manche Hähnchen scheinen auch schon die passende Attitüde plus Kamm zu bekommen.

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Hähnchen Jumanji. Oder ist es der zukünftige Hahnibal Eggter?

Die Hühnerleute, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir, dass man erst nach ein paar Monaten das Geschlecht sicher bestimmen kann. Also bin ich mal gespannt, ob meine Vermutungen bestätigt werden.

Hier noch ein paar niedliche Bilder:

Übrigens nimmt der zukünftige Hühnerstall auch schon Formen an. Das ausgesprochen gute Wetter der letzten Wochen trug viel dazu bei.

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