Sommer

Hahn ohne Korb

Was aus Hahn Jumanji geworden ist, darauf bin ich im letzten Beitrag eingegangen. Heute möchte ich von den anderen vier Hähnen erzählen.

Junghahn Clover beim Sonnenbad
Clover, ausgewachsen.

Clover lebt auf einer Biofarm und ist Chef über ca. 30 Hennen. Die Hennen sind fuenf bis sechs Jahre alt, während er jetzt knapp fuenf Monate auf der Welt ist. Das könnte der Grund dafür sein, dass er ein wenig ausgepumpt erscheint. Clover ist ein Copper Maran Hahn und Copper Maran Hennen legen dunkelbraune Eier. Falls ich im nächsten Jahr meine Hühnerhaltung ausweiten möchte, würde ich gern ein paar Nachkommen von Clover darin haben. Über verschiedenfarbige Eier würde ich mich sehr freuen.

Kueken Speedy
Junghahn Speedy
Speedy, ausgewachsen.

Speedy lebt auch auf einer Biofarm, auf der gleichen Schotterstrasse wie Clover. Ich bin mir nicht sicher, welche Art Hahn er ist. Eigentlich muesste er Ameraucana sein, denn er ist aus einem blau-gruenen Ei geschluepft und sein Farbschlag Splash kam auch nur bei Ameraucana Huehnern vor bei dem Zuechter, den ich gewaehlt hatte. Aber fuer einen Ameraucana Hahn ist Speedy zu gross und vor allem fehlt ihm der fedrige Bart. Hmm. Speedy ist wohl einfach Speedy.

Der neue Besitzer von Speedy wollte ihn unbedingt als Hahn fuer seine zukuenftigen Legenhuehner haben. Doch die Legehuehner gibt es noch nicht. Damit Speedy nicht einsam ist, hat er eine Huehnerfreundin. Die beiden sind unzertrennlich, es ist wirklich niedlich anzusehen.

Kueken Phoenix
Junghahn Phoenix
Phoenix, ausgewachsen.

Phoenix ist ein Australorp Hahn und hat ein liebevolles Zuhause bei einer Familie gefunden, die als Hobby Huehner haelt. Ich hatte eine lokale Internetanzeige aufgegeben um fuer ihn ein neues Zuhause zu finden. Statt Bezahlung wollte ich ihn einmal besuchen kommen mit der befreundeten Familie, die die Kueken fuer die ersten Lebenswochen im Wohnzimmer hatten. Das gilt uebrigens auch fuer Clover und Speedy. Letztendlich wurde daraus ein schoener Tag mit fuenf Kindern und zwei Erwachsenen, vier Haehne und ca. 60 Huehner zu bewundern.

Phoenix‘ Besitzer hatten am Tag vor unserem Besuch einen neuen Huehnerstall fertiggestellt und uns um Hilfe beim Huehnerumzug gebeten. Wer koennte dazu nein sagen – niedliche Junghennen und Phoenix nach und nach in ihr neues Heim zu geleiten? Eine schoene Erfahrung.

Kueken Daisy
Daisy als Junghahn
Daisy, ausgewachsen.
Daisy mit zweifelndem Blick.

Bis vor einigen Wochen noch haette ich mich wohl dagegen entschieden, den schwarzen Hahn Daisy zu behalten. Er schien nicht so besonders wie die anderen Haehne. Und da die Farbe schwarz dominant vererbt wird, wird der Grossteil des Nachwuchses auch schwarz werden. Letztendlich habe ich mich trotzdem dafuer entschieden. Clover war der einzige Hahn, an dem die Biofarm interessiert war, deren Gemuese ich kaufe. Jumanji hatte anatomische Probleme. Bleiben Speedy, Phoenix und Daisy. Speedy fand ich manchmal zu aggressiv in seiner Persoenlichkeit. Und bevor die Pubertaet richtig einsetzte, war Daisy deutlich verschmuster als Phoenix. Ausserdem wuerden seine Nachkommen zwar mehrheitlich schwarz sein, aber oft noch ein andersfarbiges, rezessives Farbgen der Mutter tragen. Das wuerde interessante Kreuzungsmoeglichkeiten mit der naechsten Generation geben. Ausserdem sind die schwarzen Huehner auch sehr schoen, die Federn schimmern gruen-lila in der Sonne.

Die Inneneinrichtung des Huehnerstalls ist auch vorerst fertiggestellt. Zwar ist kein Schickimicki dabei, aber ich habe alles ganz alleine geplant und gebaut – meist aus Baumaterialresten.

Hoehergelegenes Nest mit Gardinen aus durchgelaufenen Socken.
Blick nach rechts unten: Bodennahe Nester mit Ei-Attrappen-Steinen

Das PVC Rohr im Vordergrund ist uebrigens die austomatisch nachfuellende Futterstation. Oben wird das Futter nachgefuellt und unten kann es herausgepickt werden ohne dass die Huehner das Futter herausscharren, noch es verunreinigen koennen.

Da meine Huehner alles alte Rassen sind und keine Hochleistungs-Leger, werden sie erst mit ca. sechs Monaten anfangen zu legen. Das waere dann Ende Oktober. Aber einen guten Monat vorher alles schon fertig zu haben, damit sich die Huehner langsam an die Nester gewoehnen koennen, das hielt ich fuer eine gute Idee.

Eine sehr gute Idee: Fuenf Tage nach dem Nestbau wurde das erste Ei gelegt – mehr als einen Monat eher als erwartet!

Ei, Wunder der Natur. Etwas kleiner als aus dem Supermarkt gewoehnt, aber genauso wohlgeformt.

Die Frage war natuerlich, welche Henne so eifrig die Produktion hochgeschraubt hatte. Ich setzte mich zu den Huehnern und beobachtete, ob sich eine Henne aufaellig benahm. Tatsaechlich: Coco hatte eine Art waessrigen Durchfall, den ich sonst von den Huehnern nicht kenne. Koennte sie es gewesen sein?

Verdaechtigt: Australorp Henne Coco.

Seitdem schaue ich voller Vorfreude mehrmals am Tag in den Stall um zu sehen, ob mehr Eier gelegt wurden. Doch am dritten Tage nach der Legung war morgens immer noch nichts im Nest. Mittags schaute ich nochmal und siehe da!

Henne Coco hockt im Nest.

Ha!! Hab ich’s mir doch gedacht!

Stoeren wollte ich Coco bei der Eiablage jedoch nicht, also gab ich ihr ein Anstands-halbes-Stuendchen, bevor ich wieder nachsah. Was ich fand, ueberraschte mich schon wieder!

Zwei Eier lagen ploetzlich im Nest!

Zwei Eier, eins noch warm und eins kalt. Das warme Ei sah aus wie das allererste, was mich in meiner Vermutung bestaetigte, dass Coco das erste Ei gelegt hat. Das kalte Ei ist ein Mysterium. Wieder habe ich die Huehner genau beobachtet, doch alle Huehner verhielten sich wie immer und wollten mir das GehEImnis nicht verraten.

Es ist jetzt zwei Tage her, seit ich die zwei Eier gefunden habe. Wird es morgen wieder soweit sein? Und wie viele Eier finde ich dann? Werde ich die msterioese Eierlegerin enttarnen koennen?! Es ist maechtig spannend, zumindestens fuer mich. Ihr muesst da jetzt einfach mit durch. 😀

Und jetzt muss ich nochmal Werbung machen fuer Huehner. Lange habe ich gezoegert, mir meinen Huehnerwunsch zu erfuellen. Oft habe ich mir gesagt, dass die Realitaet bestimmt nicht so toll ist, wie ich sie mir vorstelle. Und dass ich zumindestens warten muss, bis ich ein eigenes Grundstueck besitze und genug Zeit und Geld fuer so ein Hobby habe. Und dann, was soll ich machen, wenn ich in den Urlaub fahre? Huehner scheinten mehr Umstand als Nutzen zu sein.

Jetzt kenne ich die Realitaet. Und ich glaube, ich haette mir schon eher Huehner anschaffen muessen. Die Huehner bereiten mir so viel Freude. Der Umgang mit ihren speziellen Charakteren, dass sie saemtliche Essensreste sinnvoll verwerten und schliesslich noch Eier spendieren… Ich mag die Biester so gerne, das gibt mir richtig viel Energie fuer den Alltag. Nach der Arbeit den Stall ausmisten? Kein Problem. Das Wochenende haemmern und schrauben? Gerne. Anbauten planen, damit auch bei -45 °C genuegend Auslauf bereitgestellt werden kann? Auf jeden Fall!

Sogar Arma ist erstaunt, wieviel Antrieb mir die Huehner verleihen. 😉

Arma auf der Couch, etwas perplex.

Ich wuensche dir, dass du auch ein Projekt findest, das dich beseelt und motiviert. Wie waere es mit ein paar Huehnern? Oder hast du eine andere Idee, was fuer dich klappen koennte? 🙂

Ausrichtung

Den Sommer habe ich dafuer genutzt, zu ueberlegen. Was mich aus der Bahn geworfen hat. Ja, vielleicht Corona. Aber genau was an Corona? Und was kann ich machen um mich in dem Leben, das ich gestalten kann, wieder in Balance zu bringen?

Ich glaube es war mein Thema mit der Freiheit. Ich liebe das Gefuehl von Freiheit, von Moeglichkeiten und Selbstbestimmtheit. Das ist uns in den letzten Monaten allen ein wenig abhanden gekommen. Auch wenn es vorher vielleicht nur eine Illusion war, denn wie viele der scheinbar unbegrenzten Moeglichkeiten hat man denn tatsaechlich ausgekostet? Und vieles ist doch noch machbar, wenn auch vielleicht anders als gewohnt.

Also was kann ich tun um mich wieder frei zu fuehlen?

Fuer mich lautet der Weg: Eigenverantwortung uebernehmen und so viel wie moeglich selbst machen. Auch wenn ich es gut finde, dass Tyrel und ich uns gut ergaenzen in der Partnerschaft, verleitete es mich dazu, manche Dinge nicht mehr selbst zu machen. Weil er schneller/geschickter/besser ist in einigen Dingen. Doch das fuehrte unbemerkt zu einer gewissen Abhaengigkeit, da ich ihn ja oefter darum bitten musste, gewisse Dinge zu tun. Dass er fuer zwei Monate auch am Wochenende gearbeitet hat, hat die Situation natuerlich nicht entspannt. Also Aermel hochkrempeln und selbst ist die Frau.

Einige kleinere Bauprojekte wurden von mir geplant und durchgefuehrt, ganz alleine. Normalerweise halte ich wenigstens Ruecksprache mit Tyrel, weil er mehr Erfahrung in den Dingen hat. Aber alles hat auch so geklappt.

Mit Freunden habe ich eine Zeltgarage aufgebaut, in der ich meine Sachen lagere, sowie alles was zu Huehnern und Landwirtschaft gehoert. Ausserdem habe ich dort eine kleine Werkbank, mit der ich wetterunabhaengig werkeln kann.

Fuer vier Tage habe ich eine viertaegige Kanutour mit Freunden gemacht und ganz ohne Tyrel geplant, gepackt, gepaddelt und gelagert. Er musste arbeiten und hat sich um die Huehner gekuemmert.

Und was mir mit Abstand am schwersten fiel:

Ich habe Hahn Jumanji gekoepft und zu Suppe verarbeitet.

Fuenf Haehne hatte ich insgesamt. Einen habe ich behalten, drei habe ich zu neuen Huehnerharems vermitteln koennen. Doch Jumanji… er hat Klumpfuesse bekommen, was immer ausgepraegter wurde je schwerer er wurde. Am Ende konnte er weder scharren noch in den Stall huepfen ohne regelmaessig umzufallen. Auf eine Sitzstange fuer die Nacht fliegen klappte auch nicht. Ich wusste nicht, ob ihm die Fussfehlstellung Schmerzen bereitet hat. Aber in der letzten Woche seines Lebens wurde er richtig fies zu seinen Mithuehnern und auch zu mir und griff gerne an, wenn man in seine Naehe kam. Ich koennte jetzt einen Vergleich ziehen zu einem Propagandaminister mit Klumpfuss, aber lasse es lieber.

Ihn zu schlachten, was in der Theorie logisch klang, war nicht mehr so einfach als er vor mir lag und mich ansah, waehrend ich das Beil ansetzte. Doch eine Alternative sah ich nicht.

Jemand anders fragen, die Handlung fuer mich zu erledigen?

Nicht selbstverantwortlich.

Ihn leben lassen?

Nicht verantwortungsvoll ihm gegenueber (wobei ich mir bewusst bin, dass es dazu andere Meinungen gibt).

Ihn beerdigen?

Nicht fair gegenueber all den anonymen Lebewesen, die ich bisher in meinem Leben gegessen habe. Die waren genauso am Leben wie Jumanji, nur dass sie keinen Namen hatten, nicht mit ihnen gekuschelt wurde, sie weder gekannt noch geliebt wurden.

Waere es besser, wenn er nach dem Schluepfen direkt geschreddert worden waere, wie es zu Millionen geschieht?

Waere es besser, sich mit Fleischkomsum nicht naeher zu befassen und einfach im Supermarkt zu kaufen, was sauber abgepackt im grell beleuchteten Regal steht?

Waere es besser, vegan zu leben?

Viele Fragen auf die nur jeder selbst eine Antwort finden kann.

Fuer mich ist es okay Tiere zu essen, wenn ich mich aktiv damit auseinandersetze und daran teilhabe. Daher jage ich, arbeite ich in der Fleischerei und esse meine Huehner, wenn ich keine andere Moeglichkeit sehe, sie ein glueckliches Leben fuehren zu lassen.

Trotzdem:

Tut mir leid, Jumanji.

Danke Jumanji.

Ich hab dich gern Jumanji!

Nun ist Hahn Daisy der Chef in der Gruppe. Seine Zehen sind zwar auch nicht perfekt gerade, aber das ist nur ein Schoenheitsfehler – er kann scharren, springen und laufen ohne Probleme.

Aber die letzten Wochen waren nicht nur schwer und wegweisend. Sie waren auch voller schoener Momente, Lachen und Bewunderung fuer die Natur.

Zum Beispiel habe ich endlich das perfekte Dankeschoen Geschenk fuer meine Freunde gefunden, die die Kueken in den ersten Wochen grossgezogen haben: Kissen, die mit einem Bild ihres Lieblingshuhns bedruckt wurden.

Ich freue mich ueber die zwei Kissen mit Huhn Icicle. Der rechte Hintergrund ist das Weltall, und der linke Hintergrund eine Strasse in Tokyo.

Natuerlich gab es auch viele schoene Momente mit den Huehnern.

Alles in allem ein schoener, wenn auch verregneter Sommer. Morgen hole ich die letzte Gemuesekiste der Saison ab. Und dann geht es in grossen Schritten auf den Winter zu.

Danke an die treuen Seelen, die trotz der Inaktivitaet hier trotzdem regelmaessig reinschauen. Das motiviert mich immer wieder, mich trotz Unlust doch zum Schreiben aufzuraffen!

Das Gleiche gilt natuerlich fuer die Wachruettelversuche per Email. ^^

Habt ihr die Krise auch als Anlass genommen, mehr selbst taetig zu werden und was zu machen, was ihr sonst nicht getan haettet? Und hilft euch das so wie mir? Wuerde mich ja interessieren. 🙂

Donnerstags

Heute mal ein Alltagsbeitrag von mir – genau so wie es mein Bruder Johannes gern liest. 🙂

Mein Lieblingstag in der Woche ist zur Zeit der Donnerstag. Da ich nur noch 30 Stunden bei der Airline arbeite, arbeite ich meist montags bis mittwochs je acht und dann donnerstags nur schlappe sechs Stunden. Freitag ist dann Fleischtag, aber der kurze Donnerstag hat es mir angetan. Es folgt mein Donnerstagsbericht, am Beispiel des Donnerstags letzter Woche.

Der Wecker klingelt um 5:06 Uhr. Die Sonne scheint noch nicht, dafuer ist die Sommersonnenwende schon zu lange her. Doch es ist angenehm-blau-daemmrig im sonst so roten Zelt.

Blick an die Zeltdecke, getaucht in ein samtig-blaues Licht.

Leise faengt es an zu nieseln und ich strecke mich noch ein wenig. Nieselregen auf dem Zelt, das loest bei mir ein ganz wohliges Gefuehl aus. Ich bleibe noch etwas laenger liegen und lese ein wenig auf meinem Handy.

Als ich mich schliesslich aus dem Schlafsack pelle, haben sich die feinen Sprenkel auf der Plane in ein rhythmisches Trommeln verwandelt. Zum Glueck habe ich meinen Hut mit ins Zelt genommen!

Draussen lass ich als erstes die Huehner aus dem Stall. Wenigstens moechte ich ihnen die Moeglichkeit geben, ein- und auszukehren wie es ihnen beliebt. Wie jeden Morgen stroemen die Huehner in den Auslauf. Doch heute flattern sie nicht mit den Fluegeln, sondern sie schuetteln sich. Ich wuensche einen guten Morgen und ziehe weiter.

Ein Outhouse steht im Walde, ganz still und stumm.

Dann geht es weiter aufs Plumpsklo, oder Outhouse. Dank der transparenten Kunststoff-Wellplatten als Dach ist es drin genauso hell wie draussen. Ausserdem verstopft es nie und eine Klobuerste ist auch nicht notwendig.

Schliesslich mache ich mich im Tiny House fertig fuer den Tag und fahre gen Arbeit. Auf halber Strecke zeichnen sich auch endlich die Berge hinter den Wolken ab, die normalerweise das Panorama unseres Feldes bilden.

Bergkulisse hinter Regen, Highway und gerissener Windschutzscheibe.

In meinem Buero angekommen giesse ich meine Tomatenpflanzen und bin anschliessend fuer ein paar Stunden produktiv. Bis ich meine verlaengerte Mittagspause nehme und aus dem Buero laufe, zu den nahegelegenen Mountainbiketrails. Auf halber Strecke treffe ich meine Freundin und wir laufen eine gute Strecke zusammen ueber Stock und Stein. Normalerweise stolpere und falle ich oefters, doch heute nicht – obwohl es immer noch regnet. Dafuer werden wir beide von einer Wespe gestochen.

Durch die Feuchtigkeit leuchten die Farben im Wald und alles duftet herrlich. Meine Freundin und ich fuehlen uns gluecklich und sind dankbar, dass wir diese schoene Gegend an einem Donnerstagvormittag nutzen koennen, ohne dafuer extra irgendwo hinfahren zu muessen!

Zurueck im Buero ist kaum noch etwas von meinen Wochenstunden uebrig. Ich arbeite waehrend ich mein mitgebrachtes Mittagessen verspeise (zwei Schraubglaeser mit ueber Nacht eingeweichten Haferflocken, Nuessen und Beeren und ein Stueck Kaese). Dann packe ich schon bald zusammen und duese in Richtung Stadt, denn donnerstags besuche ich meine Freunde im Kaeseladen!

Zwar ist mein Portemonnaie nach dem Besuch im Kaeseladen leichter, doch meine Schritte sind es auch. Und dass, obwohl ich eine schwere Tuete trage.

Der naechste Stopp ist der Bauernmarkt, der donnerstags ab 15 Uhr stattfindet. Besucher des Marktes stehen in Schlangen und muessen sich vor Eintritt die Haende desinfizieren. Doch die Stimmung ist gut – der Markt gehoert hier zum Sommer dazu und findet nur ca. vier Monate lang statt im Jahr. Ausserdem hat es aufgehoert zu regnen!

Ich umgehe die lange Schlange des Standes „meiner“ Biofarm und stelle mich von der anderen Seite an. Waehrend ich mich nach dem Wohlbefinden von Hahn Clover erkundige (blendend) wird mein gruener Einkaufskorb beladen mit den Leckereien dieser Woche und einem Flugblatt; dann bin ich schon wieder auf dem Weg. Bezahlt habe ich fuer die ganze Saison im Vorraus im Fruehjahr. Aussuchen, was ich bekomme, kann ich mir nicht. Jeder bekommt das Gleiche. Eine prima Gelegenheit, neue Rezepte auszuprobieren mit Gemuesesorten, die sonst nicht im Einkaufswagen landen wuerden.

Skeptisch sehe ich auf das riesige Buendel Mangold. Zusammen mit meiner Schwester und Cousine habe ich mir frueher haarstraeubende Gute-Nacht-Geschichten ausgedacht. Eine Geschichte, die sich ueber mehrere Abende erstreckte, handelte vom Sandmaennchen, der auf dem Mond riesige Tanks voller Mangold-Erbrochenem lagerte. Gekauft habe ich Mangold daher selbst noch nie. Doch zum Glueck schlaegt das beiliegende Rezept der Woche etwas mit Mangold vor – ich muss mir also keine Gedanken machen.

Ich schlendere noch eine Runde ueber den Markt (wegen der Sicherheitsvorkehrungen nur im Uhrzeigersinn erlaubt), kaufe noch ein, zwei Leckereien und schiesse ein Foto fuer euch.

Gemuesiger Einkauskorb vor Marktszene. Orangene Pylone zeigen den korrekten Abstand beim Schlangestehen an den jeweiligen Staenden an.

Auf dem Parkplatz im Auto nasche ich ein Eis, das den Weg in meinen Einkaufkorb gefunden hat. Dann fahre ich nach Hause.

Dort werde ich begruesst von Arma, die umgehend das Baeuchlein zum sofortigen Streicheln freigibt und bewirbt. Dem kann ich natuerlich nicht widerstehen. Die Einkaeufe werden grob verstaut und Arma und ich schauen nach den Huehnern.

Nach Regen lieben es die Huehner, den Erdboden aufzukratzen und sich ausgiebig zu waelzen. Es macht grossen Spass, sie zu beobachten!

Doch Arma und ich gehen eine Runde durch das Feld und spielen ausgiebig „Hol das Stoeckchen“.

Arma beim aufgeregten Apportieren. Mein Vater findet, die sieht Knecht Ruprecht von den Simpsons aehnlich. Nach diesem Bild gibt es keinen Widerspruch mehr – sogar die Comicaugen sind vorhanden.

Anschliessend schluepfe ich in Gummistiefel und bewaffne mich mit Schaufel, Besen und Schubkarre. Donnerstags wird der Huehnerstall ausgemistet.

Huehnerstall vorher und nachher. Bis auf die fehlenden Federn im Stroh kein grosser optischer Unterschied, doch der frische Stall duftet herrlich.

Nach der Stallsaeuberung verbringe ich noch etwas Zeit mit meinen fedrigen Freunden.

Irgendwann grummelt mein Bauch; ich folge dem Ruf und bereite das Abendessen im Haus zu. Es gibt herzhafte Mangold-Muffins, wie das Rezept der Woche meiner Gemuesekiste vorschlaegt. Waehrenddessen lerne ich eine neue, englische Vokabel. Das Rezept verlangt nach der Haelfte des beiliegenden „summer savory“ Buendels. Ein Kraut, sieht so aehnlich aus wie Rosmarin aber kann ich nicht direkt zuordnen.

Das Internet loest auf: Es ist Bohnenkraut! Das habe ich in Deutschland geliebt, aber nur getrocknet gekannt.

Waehrend der Zubereitung fragt mich Tyrel fuenf Mal aufgeregt, ob ich wirklich herzhafte Muffins zubereite. Ich mache eine mentale Notiz, dass ich ihm damit anscheinend eine Freude machen kann.

Die Muffins sind superlecker, genau wie der Burrata-Kaese, der das Abendessen abschliesst. Ich verbringe noch Zeit mit Tyrel, wir tauschen uns ueber unseren jeweiligen Tag aus und schauen gemeinsam lustige Bilder im Internet an.

Schlussendlich liege ich wieder im Zelt. Die Sonne scheint noch, die Stimmung ist eine andere als noch heute Morgen. Ich schliesse meine Augen und versuche das Zappen des elektrischen Zauns zu zaehlen aber komme nicht weit, bis ich einschlafe.

Zelt am Abend. Mein Innenschlafsack haengt noch an der Lampe zum Lueften.

Habt einen schoenen Donnerstag! 🙂

Besinnung

Habe schon laenger nicht mehr gebloggt und schreibe daher heute ein Update zu mehreren Themen.

Arbeit

Tyrel hat eine neue Arbeitsstelle gefunden, weg vom Tourismus und mit Instandhaltung von Maschinen, was ihn interessiert. Zunaechst einmal bedeutet das natuerlich einen Einschnitt im Gehalt, aber ich bin froh, dass er endlich auf den Karrierepfad geraten ist, der ihn erfuellt und den er langfristig ausfuehren moechte. College ist zunaechst nicht mehr auf dem Plan fuer den Herbst aber die neue Firma scheint auch Moeglichkeiten zur Weiterentwicklung zu bieten, wenn man sich gut macht.

Ich arbeite noch fuer die Fluggesellschaft. Allerdings wurden meine Wochenstunden auf 30 reduziert. Als dies verkuendet wurde, wusste ich sofort, dass ich einen Minijob haben moechte fuer einen Tag in der Woche. Mal wieder was Neues lernen und machen, das war sowieso ueberfaellig.

Also habe ich mir Gedanken gemacht, was ich am liebsten machen wuerde, wenn ich es mir aussuchen koennte. Die Antwort darauf war relativ schnell klar: Ich wuerde gern in einer Fleischerei arbeiten. Nein, nicht bei Toennies. Sondern in meiner Lieblingsfleischerei, die ausschliesslich Fleisch von Tieren aus der unmittelbaren Umgebung verarbeitet und anbietet.

Beim naechsten Einkauf ein paar Tage spaeter habe ich meine Arbeitsabsicht kundgetan und sollte direkt den kommenden Freitag anfangen. Gesagt, getan. Seitdem arbeite ich freitags in der Fleischerei. Ich zerteile Organe, schneide Aufschnitt, poekel Speck, mache Wurst, raeuchere, verpacke und einiges mehr. Die Familie, die die Fleischerei betreibt, ist sehr lieb und die Arbeit macht Spass. Ausserdem lerne ich eine ganze Menge, das gefaellt mir immer gut.

Ich habe Spass mit dem hydraulischen Wurstfueller. Heute in der Herstellung: Boerenworst nach suedafrikanischem Rezept.

Huehner

Die Huehner sind gross, keine Anzeichen mehr von Kuekenzeit oder Halbstarken. Derzeit sind fuenf Haehne klar zu identifizieren – ich finde das reicht auch. Bleiben immer noch acht Hennen. Ein Hahn ist bereits umgezogen und lebt nun auf einem Biohof mit einem Harem Legehennen auf einer gruenen Wiese.

Ein letztes Kuscheln mit Hahn Clover.
Der Hahn im Korb. Hahn Clover mit ca. 30 Hennen.

Der Hahn, den ich gern behalten haette, hat mit der Zeit schiefe Zehen und somit Gleichgewichtsprobleme bekommen. So gern ich ihn habe, er wird zum Suppenhuhn werden. Schade drum. Aber es scheint ein genetisches Problem zu sein, da kein anderes Huhn aehnliche Probleme hat. Ich habe ueberlegt, ihn zu beerdigen, aber das fuehlt sich nach Verschwendung an. Wenn er gegessen wird, hat sein Leben beziehungsweise sein Tod mehr Sinn, wie ich finde.

Hahn Jumanji mit schiefen Zehen.
Huehner Jumanji und Brave helfen mir, Huehnerartikel von meinen Eltern zu praesentieren.

Auch sonst sind die Huehner munter und nach wie vor sehr menschenbezogen.

Huehner liegem gemuetlich vor dem ehemaligen Hundehaus, jetzt Huehnerbadehaus.
Morgendliches Geflatter im Auslauf nach Toroeffnung.
Der Klassiker: Verruecktes Huhn auf Schulter.

Laufen

Leider bin ich nicht wie geplant schon einen Marathon gelaufen.

Das Rennen hat ohne mich stattgefunden, trotzd der Pandemie. Die Regeln wurden stark veraendert um die Abstands- und Hygienevorgaben einzuhalten. Das hat dazu gefuehrt, dass es sich fuer mich nicht mehr nach Spass angehoert hat. Und Tyrel, mein Staffelpartner, wollte waehrend einer Pandemie nicht an einer Gruppenveranstaltung teilnehmen.

Ausserdem hatte ich eine gereizte Sehne im Fuss und habe ein paar Wochen vorher pausieren muessen. Nun ist alles wie neu und ich trainiere fuer meinen Bergmarathon 2021!

In diesem Sommer oder Herbst will ich trotzdem noch einen Marathon oder aehnliches laufen, wenn auch nicht ueber Berge. So weiss ich wenigstens, dass ich die Distanz stemmen kann und habe eine mentale Blockade weniger.

Da ich Ende April 80 km in einer Woche gelaufen bin, denke ich, dass es im Bereich des Moeglichen liegt.

Abschlussbild einer 80 km Laufwoche im April mit Arma und mir (daher der Schnee im Hintergrund).

Derzeit laufe ich ein- bis dreimal in der Woche, fahre aber viel Rad. Wenn es wieder kaelter wird, werde ich das Radeln wahrscheinlich wieder lassen – mit Fahrtwind ist es mir dann doch zu kalt.

Mein liebes Rad und ich halten eine Rast.

Arma

Leider hat Arma eine Autoimmunerkrankung entwickelt, die zu einer chronischen Entzuendung und Pigmentierung der Augenhornhaut fuehrt. Jetzt sind lebenslaenglich Augentropfen angesagt. Allerdings macht das die Augen empfindlicher fuer Verletzungen. Wir haben also eine schneidige Schutzausruesting besorgt.

Nasser Hund mit Schutzbrille wartet auf das Werfen eines Stoeckchens.

Um Arma mit auf ausgedehntere Wanderungen nehmen zu koennen, gewoehnen wir sie ausserdem an einen Hunderucksack.

Lasthund vor Bergkulisse.

Und sonst so

In der letzten Zeit ist mir klargeworden, dass die ganze Pandemie doch nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist, sondern mich etwas aus der Bahn warf. Ohne, dass ich das zunaechst gespuert habe.

Jetzt habe ich es erkannt und bin dabei, meine Balance wieder herzustellen.

Dazu gehoert, dass ich mir mehr Zeit nehme, den Sommer zu geniessen, statt ausschliesslich schier endlosen Projekten nachzulaufen. Ich treffe mich mehr mit Freunden, gehe mehr wandern, zelte bei den Huehnern, lese ein spannendes Buch (Danke, Anke!). Ich rede darueber, was nicht rund laeuft und merke, wie viele Leute in meinem Bekanntenkreis aehnlich fuehlen.

Auch wenn ich die ganze Krise oft gern abschuetteln und belaecheln wuerde – das macht es nicht besser.

Stattdessen kann ich mir viele Fragen stellen. Wer bin ich, was ist mir wichtig, wohin geht die Reise derzeit, wofuer und wie kaempfe ich?

Alles wichtig, um nicht irgendwann aufzuwachen und zu bereuen. Und Reue-Minimierung ist meine erklaerte Lebensmaxime. Von daher bin ich dankbar, dass mir die Krise diese Chance zum Innehalten gegeben hat.

Meine erste Fahrt in einem Kajak. Hat viel Spass gemacht.
Der Weg ist das Ziel – vor allem in alpinen Hoehen.
Freie Sicht oberhalb der Baumgrenze auf ca. 1300 Hoehenmetern.

Ich glaube, das musste ich erst fuer mich klaeren, bevor ich diesen Blogeintrag schreiben konnte. Also danke fuer die Geduld!

Dass WordPress den Editor komplett geaendert hat und immer noch aendert, hat auch nicht unbedingt die Schreiblaune gefoerdert. Aber jetzt hab ichs ja geschafft.

Ich wuensche euch eine schoene Woche! 🙂

Huehner – Woche 6

Kueken kann ich nicht mehr schreiben, es hat sich ausgekuekt.

Nach Woche 5 deutete meine Freundin an, dass die Huehner langsam echt zu gross werden fuers Haus. Also Zahn zugelegt beim Huehnerstallbau. Donnerstag Nacht fertiggestellt, Freitag Nachmittag Huehner rein.

Casa di Pollo – Das Huehnerhaus.

Der Innenausbau ist zwar noch nicht fertig, aber bevor die Huehner eine schriftliche Beschwerde einlegen, werden wir schon fertig sein.

Nun ein paar Bilder vom Einzug und dem ersten Erkunden des Aussengeheges.

Kann der Treppe zum Aussenbereich getraut werden? Ein schwarzes Huhn macht einen langen Hals.
Fast draussen – aber lieber auf Nummer sicher gehen.

Waehrend ich darauf warte, dass das erste Huhn den Schritt nach draussen wagt, mache ich Bekanntschaft mit dem Sofahuhn Icicle. Sie fliegt kurzerhand aus dem Stall auf meinen Kopf und haengt dann auf meiner Schulter rum.

Huhn, geschultert.

Wer sich jetzt fragt, wie denn die Kinder darauf reagiert haben, dass die Huehner jetzt nicht mehr im Wohnzimmer leben: Klar war es erst traurig. Aber ich schicke viele Bilder und Geschichten aus dem neuen Leben der Huehner. Und am Tag nach dem Huehnerumzug war die ganze Familie zu Besuch, damit sie sich selbst davon ueberzeugen koennen, dass es die Huehner hier gut haben.

Fuer mich ist es noch ganz aufregend Huehner zu haben – Davon habe ich seit Grundschulzeiten getraeumt. Es macht wirklich viel Spass, mit ihnen zu interagieren oder sie auch nur zu beobachten. Zum Beispiel beim Sonnenbaden.

Platte Huehner arbeiten an der Fluegelbraeune.
In diesen verrueckten Posen habe ich sie sonst noch nicht gesehen.
Angehender Hahn Clover benutzt ein puscheliges Huhn als Federkopfkissen.

Bislang sehen zwei von dreizehn Huehnern sehr stark nach Haehnen aus, Clover und Jumanji. Ich druecke noch die Daumen, dass es dabei bleibt. Dann haette ich trotz der geringen Ei-Entwicklungsquote doch Glueck gehabt. Jumanji hat uebrigens ein paar kahle Stellen, die wahrscheinlich von Machtkaempfen herruehren. Vorsorglich habe ich ihn mit einem Anti-Pick-Spray eingesprueht, damit die Federn in Ruhe nachwachsen koennen. Begeistert war er davon nicht.

Begossener Pudel, aeh Junghahn mit nassem Ruecken.

Ansonsten teilen sich die Huehner ihr Gehege mit unseren Muelltonnen, da sowohl Huehner als auch Muelltonnen Baeren anziehen koennen und nun hinter Elektrozaun verweilen.

Die Huehnerschar, elektrisch umzaeunt, geht dem Scharren und Picken des Tagesgeschaeftes nach.

Besonders Icicle scheint sehr talentiert zu sein und erbeutete bereits eine dicke Larve nach ausgiebigen Scharr-Aktivitaeten.

Icicle scharrt.
Icicle mit fetter Beute (der braune, gebogene Wurm vor ihrem Schnabel).

Vorsichtig versuchen wir auch Arma an Huehner zu gewoehnen.

Hund und Huhn auf Sofa… Au Backe.

Habt eine gute Woche!

Kueken – Woche 4,5

Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob man noch von Kueken sprechen kann in diesem Fall. Die fedrigen Schuetzlinge sehen eher aus wie Huhn-Teenager in meinen Augen. Aber seht selbst.

Zwoelf fedrige Junghuehner und -haehne.

Sie sind eher kleine Huehner. Irgendwie unfertig und hier und da noch etwas Flausch statt Federn. Aber man sieht schon, was mal draus werden soll.

Noch bin ich unsicher, ob diese Exemplare eher als Therapiehuhn oder Eispender taugen – oder eventuell fuer die Beizjagd geeignet waeren.

Alle Moeglichkeiten sollten ausgeleuchtet werden.

Ich: Frisch geduscht.
Huhn Phoenix auf meiner Hand: Ratlos.
Sofa- und Familienlieblingshuhn Icicle.

Ein grosser Tumult waehrend meines Huehnerbesuches wurde ausgeloest durch ein arglos herumliegendes Haargummi, welches durch ein Huhn in der Behausung entdeckte. Laut piepsend rannte es mit der Trophaee umher und verteidigte den Schatz so lange wie moeglich gegen die anderen Huehnchen. So lange, bis ein anderes Huhn mit einem gewagten Manoever die Beute stibizte und das Schauspiel von Neuem begann.

Schwarzes Huhn auf der Flucht mit schwarzem Haargummi.
Weisses Huhn auf der Flucht mit Beute.

Kurzum: Es macht wirklich Spass, den Huehnern zuzusehen. Der Komponist von „Ich wollt‘ ich waer ein Huhn“ hat seinerzeit anscheinend schlecht recherchiert. Zu tun haben die Biester den ganzen Tag!

Zu meiner Freude konnte ich mich auch ein wenig nuetzlich machen und bei der Reinigung der Behausung mithelfen. Meine Idee, dafuer ein Kinderplanschbecken zu benutzen, stellte sich als praktisch heraus.

Derweil zogen die Huehner voruebergehend in den Garten. Unter der verantwortungsvollen Aufsicht der 10 jaehrigen Tochter bekamen jeweils zwei oder drei Huehner gleichzeitig Freigang. Natuerlich wurde darauf geachtet, dass kein Huhn zu kurz kam und alles gerecht ablief.

Schwarze Henne auf trockenem Rasen.
Phoenix, das Erstgeschluepfte.

Mittlerweile ist auch klar, wann die Kueken zu mir ziehen: Im Alter von sechs Wochen. Zu dem Zeitpunkt werden die schon neun Wochen in der Pflege von anderen Personen sein, wenn man die Inkubation mitzaehlt. Es wird also ernst fuer mich. Und den Huehnerstall!

Zukuenftiger Huehnerstall, mit Dach, selbstgebauten Fenstern und Membran.

Packen wir’s an! 🙂

Küken – Woche 2,5

Die zweite Lebenswoche meiner gefiederten Freunde ist vollendet. Sie sind schon um einiges gewachsen und fedriger geworden. Vor allem hopsen sie, also wurde der Rand des Schwimmbeckens, in dem die Küken wohnen, erhöht und verschönert.

Bei den mir zugespielten, niedlichen Bildern fiel mir auf, dass sich die Federn der Küken ganz unterschiedlich entwickeln. Bei einer Internetrecherche stellte sich heraus, dass Hennen in den ersten Lebenswochen Schwanzfedern und rundliche, lange Flügel entwickeln, während angehende Hähne keine Schwanzfedern und eher eckige, kurze Flügel bekommen.

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Links lange Flügel und Schwanzfedern, rechts kurze Flügel und nur Plüsch am Poppes.

Nach diesen Kriterien habe ich die Hühnchen beäugt. Ich hoffe jetzt, dass ich recht habe und am Ende sieben oder acht Hennen behalten kann. Für eine genaue Bestimmung flitzen sie doch zuviel umher. Von 13 Küken wäre das doch eine gute Ausbeute.

Manche Hähnchen scheinen auch schon die passende Attitüde plus Kamm zu bekommen.

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Hähnchen Jumanji. Oder ist es der zukünftige Hahnibal Eggter?

Die Hühnerleute, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir, dass man erst nach ein paar Monaten das Geschlecht sicher bestimmen kann. Also bin ich mal gespannt, ob meine Vermutungen bestätigt werden.

Hier noch ein paar niedliche Bilder:

Übrigens nimmt der zukünftige Hühnerstall auch schon Formen an. Das ausgesprochen gute Wetter der letzten Wochen trug viel dazu bei.

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Küken – Woche 1

Jetzt sind die Küken schon eine Woche alt. Wieder gesehen habe ich sie nicht, da ich nicht wieder in der Stadt war. Aber ich werde stets mit Bildern versorgt, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

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Murmeln im Wasserspender verhindern hoffentlich das Ertrinken der Küken.

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Lieblingsbeschäftigung der Küken ist Fressen und Wachsen.

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In den ersten Tagen bestand die Einstreu aus Küchenrolle. Angeblich ist das besser für die Beinchen und zu verstehen, was Futter ist und was nicht.

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Die Kinder basteln fleißig Möbelstücke aus Eisstielen für die Küken.

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Dieses Küken präsentiert stolz die ersten schwarzen Flügelfedern.

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Im Vergleich zu den ersten Tagen sieht der Futtertrog schon viel kleiner aus.

Wir haben angefangen, die zukünftige Behausung der Piepmätze zu errichten.

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Auf Paletten entsteht das Gerüst des zukünftigen, transportierbaren Hühnerstalls.

Angeblich sind schon alle Küken von den Kindern mit Namen versorgt worden. Doch in den Kommentaren des letzten Beitrags habe ich so geniale Namensvorschläge von Anne und Sebastian bekommen, dass ich wohl doch nochmal nachtaufen muss, wenn die Federwedel bei mir einziehen.

Habt eine gute Woche!

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Tauender Teich – von unserer gestrigen Wanderung.


Nachtrag:

Soeben erhielt ich die aktuellen Kükennamen samt Portraitfotos. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass die Kinder so viel Spaß an der Pflege haben!

Flußtour 2019 – Tag 6

Genau wie die letzten Tage auch, wache ich heute wieder als erste auf.
Ich drehe mich noch einmal im Schlafsack herum und horche genau in mich herein. Bin ich ausgeschlafen? Ja.
Also stehe ich auf.

Ich ziehe mich an und versuche dabei so kuschlige Waerme wie moeglich aus dem Schlafsack in meine Kleidung zu retten. Das ist nur gar nicht so einfach bei ordentlichen Minusgraden.

Als Naechstes mache ich ein ordentliches Feuer. Zum einen kann ich daran meine Finger waermen, zum anderen essen Tyrel und ich auf dem Fluss gern ein warmes Fruehstueck. Das hilft uns, in die Gaenge zu kommen. Im Alltag fruehstuecke ich ueberhaupt nicht und esse erst gegen Mittag meine erste Mahlzeit. Aber hier brauche ich was im Bauch. Unser Mittagessen auf dem Fluss ist auch eher ein kleiner Snack.

Ich koche Wasser, bespasse Arma, erledige meine Morgentoilette.
Und warte.

Tyrel wacht schliesslich auf.
„Es ist 6 Uhr in der Früh! Warum sitzt du da rum in voller Montur?!“

Oh.
Das erklaert dann auch, warum die Daemmerung immer noch nicht eingesetzt hat.

Ungefaehr 20 min später sehe ich ein dass es doch ein wenig arg frueh ist um auf den Tagesanbruch zu warten, ziehe mich wieder aus und gehe schlafen. Kann sogar nochmal gut träumen.

Ein paar Stunden spaeter (oder auch am echten Tagesbeginn).
Wie immer zieht Joe als Erster los. Seine Morgenroutine ist so eingespielt, dass er mit ein paar Handgriffen eingepackt hat. Warmes Wasser fuer Kaffee und Fruehstueck hat er immer schon vom Vorabend bereit.

Wir lassen uns wieder Zeit (ist ja auch unser wohlverdienter Urlaub) und frühstücken. Mittlerweile ist es auch gar nicht mehr frostig, ein Südwind weht und die Sonne scheint.

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Ein sonniges Flussufer mit entspanntem Hund.

Doch am südlichen Horizont ziehen Wolken auf, die immer dunkler werden. Uns bleibt eh nichts anderes uebrig als zu packen und loszuziehen, wie jeden Morgen. Also tun wir genau das.

Nach einiger Zeit auf dem Wasser beginnt leichter Regen.
Der Regen wird stärker.
Wir legen am Ufer an,  um unsere Regensachen anzuziehen.
Doch der Regen hört nicht auf.

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Grau-nasse Aussichten, am Himmel ist kein blauer Fleck mehr auszumachen.

Schliesslich stossen wir auf Joe. Wir sagen ihm, dass wir lieber Strecke machen wollen um in circa zwei Tagen zu Hause zu sein.
Doch Joe moechte noch laenger auf dem Fluss bleiben.

Wir verabschieden uns vorsorglich. Arma versteht nicht, warum wir ihren liebsten Spielkameraden Joe zurücklassen. Mir fällt es auch schwer, aber schlimmer wäre es, das Fleisch verderben zu lassen. Und durch das wechselhafte Wetter wird dieser Fall immer wahrscheinlicher, je mehr Tage ins Land ziehen. Immerhin haben wir den Baeren an Tag 1 erlegt. Heute ist schon Tag 6.
Bärenfleisch muss man laut Gesetz im Gegensatz zu z.B. Elchfleisch zwar nicht verwerten, doch für uns ist es wertvoller als der Pelz.

Im Regen ziehen wir weiter.

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Am nassen Ufer sind Ueberbleibsel einer kleinen Holzhuette der Goldrauschzeit zu sehen.

Was habe ich früher eigentlich bei Regen gemacht, ueberlege ich mir.
Durchgefroren und nass war ich doch eher selten.

Ich habe bei Regenwetter viel Fernsehen geguckt.
Erst am elterlichen Kamin, dann mit Freunden und Bier, später mit Whiskey allein Zuhaus.

Manchmal war ich doch draussen. Mit Oma und Opa in der Laube. Oder ich habe mich beim Zelten im Garten vom Regenprasseln in den Schlaf singen lassen.

Kälte schält sich mittlerweile zwischen alle Lagen Kleidung.
Ich bekomme kalte Zähne und eine taube Nase.

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Die Regenwolken haengen tief in den Bergen und goennen uns eine kalte Dusche.

Der Regen verwandelt sich in Schneeregen während wir unser Lager aufschlagen. Heute spannen wir zwei Planen, die sich gegenueberstehen wie ein A, nur mit einer Luecke im Giebel. Die Luecke, damit wir ein Feuer machen koennen und uns keine Gedanken ueber Rauchabzug oder brennende Planen machen muessen. Die zweite Plane, damit wir dort unser ganzen Sachen auslegen und trocknen können.

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Tyrel waermt sich am Feuer zwischen unseren gespannten Planen.

Falls das Wetter nicht besser wird, bleiben wir doch einen Tag laenger hier.

Armas Appetit ist wiederhergestellt. Das hat nach dem Baerenlebervorfall nur fuenf Tage gedauert. Ich freue mich sehr.

Auch wir schlingen Unmengen von Spaghetti mit Speck und Möhren hinunter. Mein hungriges Gehirn hat mir dringend empfohlen, ein ganzes Kilo ungekochte Spaghetti zuzubereiten. Gekocht sieht das dann doch uebertrieben aus. Aber nach dem Abendessen zeichnet sich ab, das es aufgewaermt gerade so zum Fruehstueck reichen wird.

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Ich arbeite mich langsam durch den Haufen vor Fett triefenden Nudeln durch. Mein Koerper giert geradezu danach.

 

 

Nach getaner Arbeit und im molligen Schlafsack wirkt das Sauwetter gar nicht mehr so unwillkommen.

Schnee-Regen-Graupel singen mich leise auf der Plane knuspernd in den Schlaf, während ich mich der Stroemung des Universums einfach füge.

Flußtour 2019 – Tag 5 (Achtung, Bilder von Pelz und Fleisch)

Wieder stehe ich zuerst auf. Während Tyrel schläft, mache ich ein schönes Feuer, bespaße den Hund und bereite das Frühstück zu.

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Toast, gegrillt und geraeuchert ueber stehend abgelagertem Fichtenholz.

Heute gibt es gegrilltes Brot mit Thunfisch und Leberwurst. Das brauchen wir auch um in die Gänge zu kommen, es ist heute -8 Grad warm.

Der Fluss dampft, der Frost rieselt aus den Bäumen. Trotzdem wird heute ein schöner Tag, stelle ich fest.

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Huendin Arma bewundert die frostige Morgenlandschaft.

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Wasserdampf steigt aus dem noch relativ warmen Fluss hervor und gefriert an den gefrorenen Baeumen.

Am späten Vormittag stoesst Joe zu uns, wir bummeln heute ein bisschen und waermen die Finger am Feuer. An der gleichen Stelle wie wir gestern hat er heute morgen eine Elchkuh gesehen.

Auch wir machen uns langsam in Richtung Ozean oder zumindest flussabwaerts. Joe ist schon vorausgefahren und als wir ihn einholen, reicht er Schokolade rueber. Habe ich nicht gestern erst wieder beschlossen nicht so viel Süßes auf einmal in mich reinzustopfen? Na gut, damit kann ich dann vielleicht morgen beginnen.

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Der kleine Nebenarm, der gestern Nacht noch unser Zuhause war, entfernt sich wieder von uns.

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Schoki ahoi!

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Arma nutzt die Sperrholzplatte zwischen unseren beiden Booten fuer ein Nickerchen im Sonnenschein.

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Noch hat die Sonne Kraft und waermt uns tagsueber. Doch in ein paar Wochen schon wird sie tief am Horizont stehen und muede auf einen gefrorenen Fluss scheinen.

Haeufig stoppen wir, um Elche zu rufen. Aber es ist nichts zu sehen außer schöner Landschaften. Naja, ich habe schon von haerteren Schicksalen gehoert.

Mit Joe verabreden wir uns zum gemeinsamen Lagern am nächsten vielversprechenden Platz. Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir den auch schon nach ein paar Stunden Fahrt.

So schoen es ist anzukommen, so viel Arbeit steckt auch jeden Abend darin. Der Bärenpelz muss gestreckt werden falls das Wetter es erlaubt; kuehl und trocken soll es sein. Das Fleisch muss die Boeschung hochgetragen und gelagert werden. Das Lager muss aufgeschlagen werden, das Feuerholz gesaegt und gespalten, das Feuer entfacht, sowie das Essen gekocht.

Doch als Gros der Arbeiten erledigt ist und die Erbsensuppe vor sich hinkoechelt, statte ich dem Baerenfell einen Besuch ab.

Waehrend ich mir die Erbsensuppe mit Mais und Wuerstchen einverleibe, sinniere ich. Die Haelfte der Flusstrecke ist geschafft.

Hoffentlich schießen wir noch etwas. Und gleichzeitig hoffe ich, dass wir nichts mehr schiessen. Hoffentlich bleiben wir noch lange hier auf dem Fluss, hoffentlich sind wir schon sehr bald zu Hause.

Morgen, morgen werde ich weniger naschen. Morgen bin ich mir vielleicht mit mir einig und weiss, was ich will. Aber ab sofort bin ich wieder ganz im Jetzt. Und im Jetzt heißt bei mir gerade kuschlig im Schlafsack. 🙂