Kultur

Bleiberecht

Es ist soweit.

Laut einer neuen Verordnung hatten die kanadischen Behoerden genau ein Jahr Zeit, um zu entscheiden, ob ich dauerhaft bleiben darf oder nicht. Am genau letzten Tag vor Ablauf dieser Frist erhielt ich einen Bescheid per Email. Man habe eine Entscheidung getroffen und wuerde mich kontaktieren.

Ich wurde nach einiger Zeit per Email kontaktiert, dass ich doch bitte innerhalb von 30 Tagen mit meinem Ehepartner, Pass, Bildern und einigen Formularen zu den Behoerden erscheinen muss. Ein Nichterscheinen innerhalb dieser Frist fuehre dazu, dass mein Antrag abgelehnt wird.

Wir sind erschienen… und ich habe einen Stempel im Pass!

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Ich beisse in meinen Pass, um die Echtheit zu ueberpruefen.

Wie alles bei den kanadischen Behoerden will auch die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung gut Weile haben. Von daher muss ich jetzt noch auf meine sogenannte permanent resident card warten. Die bescheinigt dann zweifellos, dass ich mich in Kanada ohne weiteres auhalten darf und sorgt so fuer die sorgenfreie Ein- und Ausreise.

Allerdings sollte man dazu wissen, dass der gemeine Kanadier ueber nicht allzu viel Urlaubstage verfuegt. Genau genommen sind es zwei Wochen Urlaub pro Jahr, also fuer mich 8 Tage. Die bekommt man aber erst voll, wenn man ein ganzes Jahr durchgearbeitet hat. Ohne Urlaub. Das in deutschen Arbeitskreisen uebliche „Ich arbeite jetzt schon vier Monate ohne einen Tag Urlaub zu haben!“ schockt mich nicht mehr so ganz. ^^

Mit einer Woche Mexiko (das Mallorca der Kanadier) oder sogar Deutschland kann ich dieses freudige Ereignis also nicht feiern. Tyrel und ich waren lecker japanisch essen, das bei mir auch fuer Hochstimmung gesorgt! 😀

Zwei Tage spaeter erhielt ich dann ganz unerwartet noch ein Geschenk von Tyrel anlaesslich meiner Aufenthaltsgenehmigung.

Geschenke sind eigentlich nicht so seins. Und der Karton war auch zu gross und laenglich, eine Katze war da sicher nicht drin.

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Die Schrotflinte und ich auf dem Schiesstand.

Es war dann doch eine neue Schrotflinte, eine Stevens 320.

Tyrel ist ja schon seit laengerem der Meinung, dass der Trend zur Zweitschrotflinte geht, er hat naemlich schon eine. Warum ich dann noch eine brauche? Naja, zur Baerenabwehr, sagt er. Da muss ich einwaenden, dass Baerenspray viel sicherer wirkt und Statistiken zufolge auch zu weniger Verletzungen auf beiden Seiten fuehrt. Man sollte nur hoffen, dass man nicht gegen den Wind spruehen muss!

„Aber wenn du auf der Jagd bist und etwas auf kurze Distanz schiessen musst… Oder Zugvoegel im Herbst!“

Na gut. 🙂 Lieber als ein Diamentenring, Parfum oder ein paar Schuhe ist mir die Flinte allemal. Und es trainiert wohl auch die labberigen Arme beim Wandern, wenn man ein paar Kilo Schrotflinte mit sich umher traegt.

Ausserdem kann ich so endlich ein Lied der Bullyparade stilecht nachsingen, welches mich im Maschinenbaustudium beim Lernen fuer die Dynamikklausur mit Ohrwurm fast zum Wahnsinn getrieben hat:

 

Was tut man nicht alles, um sich dieser exotischen, kanadischen Kultur anzupassen! 😉

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Dem Fruehling auf der Spur

Der Winter dauert hier im Norden relativ lange. So ungefaehr die Haelfte des Jahres macht er aus. Und bekanntlich geht man im Winter auch nicht ganz so haeufig vor die Tuer, der Kamin ist manchmal doch einladender als -30 Grad, Schnee und Dunkelheit.

Die Folge: Cabin fever, oder zu deutsch Huettenfieber.

Die Decke faellt einem auf den Kopf, die Waende kommen naeher und man ueberlegt, ob man jetzt nicht doch lieber die Sonne von Barbados zusammen mit den Flippers geniessen moechte.

Doch in Whitehorse gibt es jedes Jahr im Februar die Sourdough Rendezvous (deutsch: Sauerteig Verabredungen), die dieses cabin fever lindern sollen. „Los, wir gehen unter Menschen!“ fordere ich Tyrel auf. „Was willst du denn da?“ „Naja, es gibt lustige Wettbewerbe und Ahornsirup Toffees…“ „Aber die koennen wir doch auch selbst hier herstellen!“ „Keine Widerrede, wir gehen morgen da hin. Wenn du nicht mitkommst, gehe ich mit wem anders.“ „Na gut…“

Schliesslich sind wir in die Weltstadt Whitehorse gefahren und kommen in der Zeit zwischen zwei Wettkaempfen an. Kettensaegenweitwurf war gerade beendet. Die beste Zeit, um alle Fressbuden zu inspizieren und sich nach der letzten Bude beim vielversprechendsten Stand einzureihen. Es gibt einen Cheeseburger in einem Bannock (Indianerbrot, das die Ureinwohner von den ersten schottischen Einwanderern erlernt und abgewandelt haben). Gut ausgeruestet schauen wir ein paar Kandidaten dabei zu, wie sie mit einer Bogensaege ein Stueck Holz absaegen und anschliessend gesaegtes Holz mit einer Axt zerhacken. Meine Finger werden schnell kalt durch den Wind bei -15 Grad. Ich beeile mich mit dem Burger und lasse die Haende in meinen grossen Aermeln verschwinden, waehrend wir weiterschlendern.

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Ich beisse beherzt in den Bannockburger waehrend hinter mir handgesaegt wird.

Als Nachtisch gibt es natuerlich den Ahornsirup-Toffee, der mich hierher gelockt hat. Um ihn herzustellen, wird Ahornsirup aufgekocht und in einer Linie auf verdichteten Schnee gegossen. Nun legt man an ein Ende der Linie einen Eisstiel, wartet etwas und rollt die Ahornsirupmasse am Stiel auf. Fertig ist die kanadische Leckerei. Leider gibt es hier im Norden keine Hartholz-Baeume und somit auch keinen Ahorn. Aber die suedlichen Provinzen produzieren genug fuer uns alle.

Ein Toffee ziert meine Hand, waehrend wir uns die Schneeskulpturen ansehen, die Kuenstler aus verschiedenen Laendern hier ausstellen.

Meine Haende werden wieder etwas kuehl. Zum Glueck finde ich schnell ein Feuer, an dem ich sie wieder aufwaermen kann.

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Ich sitze auf einem Schneeblock vor einem Schneeholzstapel und waerme mir die Finger an einem Lagerfeuer, ganz aus Schnee an das sich auch ein Schneebaum lehnt.

Fuenf Minuten spaeter sehen wir wieder Leuten beim Holzsaegen zu, die dies augenscheinlich zum ersten Mal machen. Ich sehe mich um und bemerke, dass beim Seifenkistenrennen in Salzgitter Steterburg mehr los ist. „Komm Tyrel, lass uns spazieren gehen!“

Der grosse, baertige Mann hat keine Wahl und laeuft neben mir her am Yukon River, der fast komplett zugefroren ist dieses Jahr. „Wie schoen die Sonne scheint…“ Wir gehen eine ganze Weile nebeneinenander her. Die Sonne ist schon so kraeftig und trotzdem dauert es noch eine ganze Weile, bis der Fruehling wieder regiert. Wie komisch, es fuehlt sich schon so nach Fruehling an, trotz der -15 Grad! Da weist mich Tyrel auf etwas hin: „Schau, die Weiden!“

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Die ersten Weidenkaetzchen lugen unter Pulverschnee am Weidenzweig hervor.

„Wie geht das denn? Wachsen Pflanzen nicht nur, wenn es 5 Grad oder mehr sind? Wie koennen Weidenkaetzchen bei diesen Temperaturen einfach so herumplueschen?“ „Es sind Weiden, denen ist das Wetter egal.“ Ich nehme die Logik einfach so hin und freue mich, dass nicht nur ich den Fruehling gespuert habe.

Mit den Augen des Bruders Teil 2

Da in Teil 1 geklaert wurde, wie unser Grundstueck sowie Whitehorse denn nun aussieht, wenn man einen unverwohnten Blick hat, schweifen wir jetzt ein wenig mehr in die Ferne. Es geht zunaechst in die naechstgelegene „Stadt“ im Yukon, die auch nur sechs bis sieben Autostunden entfernt ist.

Trip nach Dawson City

Eine Autofahrt von sechs oder sieben Stunden hört sich für den gemeinen Europäer nicht nur wie eine Weltreise, sondern auch für totalen Stress an, den man nicht einfach so auf sich nimmt. Doch hier ticken sowohl die Uhren, als auch der Verkehr etwas anders.

Zum Beispiel ist ein Navigationssystem ziemlich überflüssig. Die Wegbeschreibung, die ich meinen Bruder für die sechsstündige Fahrt gab, war: „Fahr am Ende unserer Straße rechts auf den Highway.“ Das wars. Nach einigen Stunden kommt man an. Und die Fahrt an sich ist durch die fehlenden Verkehrsteilnehmer, die einfache Streckenführung und die wunderschöne Landschaft äußerst angenehm.

Doch dies sollte nicht der letzte Ausflug gewesen sein: Zusammen mit mir waren Johannes und Sarah dann auch noch im Kluane (sprich Klu-a-nie) National Park.

Wanderung im Kluane National Park

Obwohl wir drei alle unterschiedliche Ausmasse von Wanderlust hatten, konnten wir uns gut auf einen 15 km langen Rundweg einigen, der nicht allzu viel Steigung, jedoch tolle Ausblicke im Angebot hatte.

Auf unserem Weg bergauf sahen wir eine Menge sehr frische Baerenhaufen… Oder Beerenhaufen? Jedenfalls Haufen voller Beeren, frisch aus dem Baeren! Das ist ein untruegerisches Zeichen dafuer, dass einem jederzeit Meister Petz ueber den Weg laufen kann. Wir aber hatten Baerenspray dabei und auch alle Regeln der Baerenettikette verinnerlicht (nicht weglaufen, nicht in die Augen sehen, mit ruhiger fester Stimme sprechen und rueckwaerts gehen), sodass wir uns gut vorbereitet fuehlten.

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Jetzt wissen wir, warum gutes Kauen wichtig ist: Im Baerenkot sind eine grosse Menge unverdauter Beeren zu finden!

Ausserdem laesst sich an der Loesung gut erkennen, was die Hauptnahrung der Teddys ist: Beeren und nicht Menschen. Sonst haetten wir wahrscheinlich ein Iphone oder Schnuersenkel im Haufen gefunden.

Zur grossen Freude von Sarah haben wir dann noch Spuren von anderen Tieren gefunden. Sie wurde direkt zum Elch!

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Die grosse, abgeworfene Elchschaufel scheint gut in Sarahs Haenden zu liegen. Gut erreichbar wurde das Baerenspray am Rucksack verstaut.

Gesehen haben wir dann weder Elche noch Baeren. Die Wanderer, die uns aufgrund unserer Fotografiererei ueberholt hatten, sahen jedoch eine Baerin mit zwei Jungen vor ihnen in den Bueschen verschwinden. Einerseits waren wir ein wenig neidisch auf das Erlebnis, andererseits auch wieder nicht. 🙂

Schoene Aussichten gab es vor allem zur Mitte des Rundweges. Die ganze Lauferei hat sich ausgezahlt und die Blicke schweifen ueber malerische Berge und See.

Auf dem Weg zurueck zum Auto kommen wir noch an einem kleinen Ausblick vorbei, der uns eine Sicht ueber das Ortchen Haines Junction verschaffen soll. Kaum gucken wir um uns herum, kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf einen nahe gelegenen Baum. Ein pruefender Blick durch die Linse der Kamera bestaetigt: Es handelt sich um eine hawk owl, eine Sperbereule.

Fuer lange Minuten nimmt sie uns genau in Augenschein und posiert fuer die Kamera, bevor sie sich ein paar Baeume weiter niederlaesst.

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Die hawk owl schaut uns forschend mit gelben Augen an, waehrend wir fleissig fotografieren.

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Die Eule fliegt ein paar Baeume weiter.

Sonstiges

Die Fahrt nach Skagway, Alaska habe ich jetzt auf die beiden schoensten Bilder kondensiert: Emerald Lake und Windy Arm vom Tagish Lake.

Dann gibt es noch zwei Einblicke in die kulinarische Seite Kanadas. Zum einen das groesste belegte Brot, dass es zu kaufen gibt und zum anderen meinen persoenlichen Lieblingsburger im Yukon.

Zu guter Letzt moechte ich euch meinen Briefkasten nicht vorenthalten. Er liegt auf dem Weg in die Stadt, ca. 25 Minuten mit dem Auto entfernt und ist in etwa eine Packstation fuer Briefe. Pakete muss man dann im Postzentrum abholen oder wenn man Glueck hat ist eins der zwei Packchenfaecher nicht belegt gewesen und man hat den Fachschluessel im Briefkasten.

Der Besuch von Johannes und Sarah war sehr schoen und wenn ich die Bilder so sehe ziemlich postkartenverdaechtig! Und ich freue mich, wenn ich mit meiner kleinen Welt auch anderen eine Freude machen kann. 🙂

Mit den Augen des Bruders Teil 1

Wie ich vor einiger Zeit schon angedeutet habe, kamen mich im September mein Bruder und seine Frau besuchen. Wir nennen sie mal Johannes und Sarah. Weil mir die Namen gefallen. Und weil sie tatsaechlich so heissen. 😉

Johannes und Sarah kamen also Anfang September aus dem weit entfernten Deutschland in den Yukon geflogen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch nicht mal 48 Stunden unser neues Haus bezogen und ich mir die Finger blutig geputzt. Aber mutig, wie sie waren, wollten sie trotzdem schon bei uns uebernachten. Kein Problem. Eine Fahrt in die Stadt innerhalb der 48 Stunden hat die noetigen Utensilien besorgt.

September kann hier durchaus schon Schnee liegen. Auf jeden Fall aber im Oktober, wie der Blick auf den matschig-weissen Schneebelag vor dem Fenster zeigt. Johannes und Sarah aber verbrachten fast die gesamte Zeit bei unverschaemt gutem Wetter.

Freundlicherweise wurden mir die Urlaubsbilder zur Verfuegung gestellt, damit ich ueber meine Welt aus einer weiteren Perspektive berichten kann. 🙂

Das Haus und Grundstueck

Mein Haus habe ich ja bereits in einem Beitrag vorgestellt. Allerdings gibt es hier nochmals einen Einblick.

Auch vor und hinter dem Haus gibt es noch eine Menge zu entdecken. Direkt neben dem Hauseingang laedt ein Gasgrill mit Sitzecke zu Stunden der froehlichen Voellerei in den ca. 5 Monaten Nicht-Winter des Jahres ein. Hinten im Garten wartet ein Gewaechshaus darauf, im naechsten Fruehling belebt zu werden (und ich weiss ja jetzt auch, wie, hihi!). Und vor unseren grossen Fenstern gibt es reichlich Stellen, in denen im Winter beduerftige Voegel gegen Essensmarken eine kernige Mahlzeit erhalten.

Auch ein Fluesschen ist direkt am Haus zu finden. Grosse Faenge darf man hier nicht erwarten, jedoch ist das Gluggern schoen anzuhoeren. Ich bin schon gespannt, ob der Fluss im Winter ganz bis unten hin durchfriert oder weiterhin mit Glucksen geschaeftigt ist unter dem Eispanzer.

Ist man gewillt, ein paar Meter zu gehen, trifft man schnell auf einen kleinen Huegel, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf die umgebende Landschaft hat. Fuer den Yukon untypisch sind hier die vielen Flaechen, die sich fuer Landwirtschaft und Weiden eignen. Das unter anderem diese Tatsache hat Whitehorse mit der Zeit den Titel der Hauptstadt des Yukon eingebracht. Nur hier war es naemlich moeglich, einen grossen Flughafen zu errichten, der im Laufe des zweiten Weltkrieges von den Amerikanern zu militaerischen Zwecken genutzt wurde.

Whitehorse und Umgebung

Natuerlich wurden viele Ausfluege unternommen nach in die Stadt Whitehorse und die weitere Umgebung. Besonders gefiel der Yukon River, dessen Farbe ich auch einfach nur toll finde. Hier einige Eindruecke von Spaziergaengen.

Eine Sehenswuerdigkeit schloss leider kurz vor dem Besuch die Tore fuer die Wintersaison: Die SS Klondike. Nach dem Goldrausch befoerderte der Schaufelraddampfer Waren flussaufwaerts nach Dawson und kam beladen mit Erzen und manchmal auch Gold zurueck 🙂 Nun ruht er in Whitehorse und gibt Touristen einen Eindruck der damaligen Transportmittel.

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Die SS Klondike ist ein Schaifelraddampfer mit erstaunlich wenig Tiefgang!

Trotz des geringen Tiefgang des Schiffes lief die SS Klondike auf eine Sandbank des sich staendig veraendernden Yukon Rivers auf und wurde stark beschaedigt. Der Oberbau wurde nach Whitehorse gebracht und auf einen nachgebildeten Unterbau gesetzt. Der echte Unterbau ruht noch immer auf der besagten Sandbank und kann bei Niedrigwasser von Kanufahrern auf dem Yukon River besichtigt werden.

Weiter geht es in Teil 2. 🙂

Mein Schwein pfeift nicht mehr (mit Bildern von toten Tieren)

Ein kurzer Zwischenbericht, geschrieben aus einem Truck, der bereits ins nächste Abenteuer rollt!

Die letzten Tage und Wochen waren gezeichnet von Arbeit, Putzen und Einräumen des Hauses, Vorbereitungen für das nächste Abenteuer sowie einem halben Schwein.

Aus meiner Zeit auf der Farm hatte ich noch Ansprüche auf ein halbes Schwein offen. Es begab sich, dass eben diese Schweine der Farm vor ein paar Tagen das zeitliche segnen… mussten. Normalerweise werden alle Hälften zum Schlachter geliefert, der dann die gewünschten Schnitte heraus zaubert. Nicht mit mir, ich möchte doch gerne selbst lernen, wie das geht!

Über den Zeitraum einiger Tage und mit Hilfe ausgewählter YouTube Videos habe ich Schweinchen Halb dann auch portionsweise in den Tief(kühl)schlaf geschickt. Leider habe ich nach den ersten Schritten keine Lust mehr gehabt, Fotos zu machen, da man dafür ja jedes Mal wieder Hände waschen und desinfizieren muss.

So weit, so gut. Jetzt mein Problem: In meiner Gefriertruhe befinden sich folgende Teile, mit denen ich nicht so recht weiß, was ich tun soll: Leber, Herz, Zunge, Pfote, Nieren und natürlich der Schweinekopp. Falls jemand Rezepte kennt, wie man dies verwerten kann: Bitte, bitte bitte schickt sie mir!! Ich möchte gerne komplett alles verwerten von dem lieben Schwein. Und wie soll ich Tyrel denn jemals ein Haus aus Schweinskopfsülze bauen, wie es schon die Doofen dereinst besangen, wenn ich keine Sülze bereiten kann?!

Auf dem Weg bin ich mit Tyrel übrigens auf eine Elchjagd. In einem Kanu ca 300 km auf den Flüssen Teslin und Yukon durch die Wildnis. Ohne Empfang, Klo oder Zelt. Dafür aber mit einer Menge Käsemacaroni ausgerüstet. Bin schon gespannt, ob ich die danach noch sehen kann. 😀

Von der Tour werde ich dann auch ausführlich berichten mit Bilders und Wörters dazu 😉

Noch ein Wort an meine E-mehl Freunde: Sorry! Ich hab euch nicht vergessen und schreibe ganz sicher zurück!!! Wenn ich wieder aus der Unzivilisation aufgetaucht bin.  🙂

Auf bald mit vielen neuen Eindrücken!!!

Job 3: Die Selbstständigkeit

Wie in den letzten beiden Beiträgen schon ausreichend beschrieben, arbeite ich in letzter Zeit ziemlich viel. Job 1 und 2 zusammen haben schon mehr Stunden als eine Vollzeitstelle. Aber dann ist da noch der Donnerstag, an dem ich weder Job 1 noch Job 2 nachgehe. Da ist es nämlich Zeit… Für Job 3! 🙂

Job 3: Zusammen mit Tyrel Feuerholz machen und verkaufen

Donnerstag ist der einzige Tag, an dem Tyrel und ich zusammen frei haben. Das muss ausgenutzt werden! Einige Wochen lang haben wir uns mit allen möglichen Behörden angefreundet, alle Scheine brav beantragt, Gebühren bezahlt, doch noch mal länger gewartet als gedacht und den nächsten Schein beantragt. Und schließlich hatten wir nicht nur unser eigenes Gewerbe angemeldet, sondern auch ein eigenes Woodlot zugeordnet bekommen, auf dem wir kommerziell Feuerholz machen und anschließend verkaufen können.

Da wir beide Vollzeit arbeiten, haben wir uns bewusst im höheren Preissegment eingeordnet. Für ein Cord Holz (=3,624 Raummeter) nehmen wir im Sommer $265 (= 177 Euro) und im Winter $300 (= 200 Euro). Viele der Einwohner von Whitehorse heizen ausschließlich mit Feuerholz. Ins Feuerholz ist eins der wenigen Güter, die nicht über eng definierte Grenzen transportiert werden darf. Es muss also alles lokal gekauft werden. Der Grund dafür ist, dass Feuerholz im Gegensatz zu Bauholz nicht behandelt wird und dadurch alle möglichen Baumkrankheiten beinhalten kann, egal ob Käfer, Pilze oder sonst was.

Erschwerend hinzu kommt, dass hier alles Feuerholz von Bäumen kommt, die zum Zeitpunkt des Erntens schon abgestorben waren. Daher, dass Waldbrände hier zum Ökosystem gehören, gibt es überall Gebiete, in denen einige Jahre zuvor ein Waldbrand gewütet hat. Das Produkt ist stehend gut abgelagertes Feuerholz, sogar bereits ohne Rinde. Wenige Bäume sind verkohlt, die wollen die Kunden nicht haben, da sie sonst die ganze Bude zurußen. Eine zweite Möglichkeit der Totholzgewinnung sind Gebiete, die Käfern zum Opfer gefallen sind. Dieses Holz ist jedoch nicht ganz so sehr beliebt, weil die Bäume meist noch die Rinde haben und diese dann wieder das Haus vollkrümelt.

Wir haben ein Woodlot in einem Gebiet, in dem es vor einigen Jahren einen Waldbrand gab und sind sehr zufrieden mit dem vorhandenen Holz.

An einem typischen Donnerstag rollen wir morgens gegen 7 Uhr vom Hof und kommen meist gegen Mitternacht wieder. Für einen Tag körperliche Ertüchtigung zahlen wir keinen Beitrag im Fitnessstudio, sondern schlagen 3 Cord Feuerholz, was wir je nach Staffelpreis für $720 bis $900 verkaufen.

Meist fällt Tyrel die Bäume und sägt das Holz in 6 oder 8 Fuß Länge (1,83 m oder 2,44 m). Ich schnappe mir dann die Baumstämme und stapel sie auf Truck oder Anhänger. Wenn wir das Holz am gleichen Tag noch zum Kunden bringen wollen und es in kleine Stücke gesägt werden muss, bringen wir unser sawhorse (Deutsch: Sägepferd und richtig Deutsch: Sägebock (danke Gunnili;) )) mit. Dann lade ich die Baumstämme auf das sawhorse, Tyrel sägt alles auf die gewünschte Länge und ich stapel die kleineren Stücke auf Truck und Anhänger.

Ist das Tagewerk getan, liefern wir das Holz entweder direkt zum Kunden oder wir fahren wieder nach Hause. Dazu ist zu sagen, dass unser zu Hause zur Zeit wieder bei unserem Freund James und Fuchs Louie ist, südlich der Stadt.

Für meine Freundin Anke habe ich den guten Louie wieder beim Füttern abgelichtet. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, obwohl es nur die Kamera im Smartphone war.

Apropos Zuhause… Da wird sich in den nächsten Tagen auch wieder etwas tun. Wir wollen ja nicht, dass Langeweile aufkommt in unserem Leben. 😀 Und unser zweiter Besuch aus Deutschland wird auch kommenden Sonntag eintreffen… Falls ich also wieder für zwei Wochen in der Senke verschwinden sollte, ihr wisst jetzt wenigstens, wo ihr mich finden könnt 😉

Job 2: Hostel

Ein Job ist kein Job heißt es doch, oder wie war das noch gleich? 🙂 Der Trick ist, dass mir Job Nummer 1 an dem Tag vor die Füße gefallen ist, da mir die Zahlungsunfähigkeit der Farm eröffnet wurde. Die Eigentümerin des Restaurants ist nämlich eine Freundin von Tyrel und mir, die wir an dem Tag zufällig getroffen haben und das Gespräch entsponn sich wie von selbst. Nun ist der Job Nummer 1 allerdings keine Vollzeitstelle. Ich möchte aber eine Vollzeitstelle haben! Kein Problem, sagt die Freundin, ich könne doch noch im Hostel aushelfen, damit ich auf meine Stunden komme. Das Hostel gehört ihr doch auch.

Gesägt, tun getan! Ich war zwar noch nie Gast in einem Hostel aber ich kann mit Sicherheit eins leiten! 🙂

Job Nummer 2: Hans Dampf in allen Gassen im Hostel

Im Hostel ist genau ein Mitarbeiter für alles zuständig. Das heißt, wer immer gerade arbeitet, macht alles, was anfällt.

Das fängt an mit Kaffee kochen am Morgen, Küche putzen, Handtücher auswechseln, Wäsche starten, Betten beziehen, mehr Wäsche waschen, mehr Betten beziehen, Gäste zur Schließzeit mittags herausbitten, mehr Wäsche waschen und Betten beziehen, das Telefon beantworten, Buchungen entgegennehmen, Mails beantworten, mehr Wäsche waschen, Duschen und Klos putzen, staubsaugen und wischen, Gäste einchecken, abkassieren und ihnen eine Tour durchs Hostel geben, Müll, Kompost und Recycling rausbringen, Post sortieren, draußen für Ordnung sorgen, Telefon und Mails beantworten, mehr Gäste einchecken, bei allen Fragen zur Seite stehen, und und und und und…

Es wird jedenfalls nicht langweilig und ich habe mich noch nie dabei erwischt, sehnsüchtig aus dem Fenster zu schauen und mich woanders hin zu wünschen. Ich habe irgendwie andere Dinge zu tun und bin damit beschäftigt, schlechte Witze zu reißen. Die Gäste können sich nämlich nicht wehren muhahaha ;D

Meine liebste Tätigkeit ist es, für einen Gast ein Taxi zu bestellen. Es ist so einfach und macht den Gast unsagbar glücklich, dass er sich nicht drum kümmern muss. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, was für eine große Wirkung das Schwingen eines Telefonhörers haben kann. Andererseits würde es mir wahrscheinlich genauso gehen. Für mich selbst habe ich auch noch nie ein Taxi bestellt! Zu Jugendzeiten hatte ein Freund nach der Disko ein Taxi auf den Namen Geröllheimer bestellt und sich gewundert, warum es nie kam… Immerhin hatten wir auf diesen Namen schon unzählige Tische in Restaurants reserviert und wurden immer freundlich bedient. Daher waren Taxis für mich immer ein wenig suspekt. Ziemlich ironisch, dass Taxis bestellen in einem Hostel meine Lieblingsbeschäftigung geworden ist 😀

Falls es Leute gibt, die, genau wie ich, noch nie in einem Hostel genächtigt haben, möchte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Hostels haben das Ziel, eine sichere, saubere und günstige Unterkunft für Reisende zu bieten. Die meisten Betten sind in Schlafsälen zu finden (oder schreibt man das mit Doppel-ä?!), es gibt jedoch auch private Zimmer. Duschen und Badezimmer werden jedoch von allen geteilt. Es gibt eine große Gemeinschaftsküche und auch der Kühlschrank, die Außenbereiche und der Grill kann genutzt werden. Genauso bieten wir eine kleine Bücherei, einen Computer und ein Telefon, sowie unsere Waschmaschine samt Trockner zur Nutzung an.

Besonders gut am Hostel gefällt mir, dass die Reisenden untereinander schnell neue Kontakte knüpfen und sich neue Gesprächs- und auch Reisepartner finden. Die Atmosphäre ist großzügig. Gerne wird Essen geteilt und Sachen wie Bärspray und Kartuschen für den Gaskocher an zukünftige Reisende gespendet. Wenn wir Maler- oder Renovierungsarbeiten am Hostel vornehmen, fragen wirklich mehrere Gäste, ob sie helfen können!! Wenn wir sie dann mit Pinsel oder Handschuhen ausstatten, machen sie sich an die Arbeit! Finde ich jedes Mal wieder toll und es wäre nichts, was mir bei meinen Besuchen in Hotels oder Pensionen eingefallen wäre. Allerdings war ich auch meist auf der Durchreise und hab mich nach dem Frühstück aus dem Staub gemacht auf zu neuen Abenteuern.

Unsere Gäste sind ein bunt gemischtes Völkchen. Die meisten sind schon junge Reisende mit Rucksack. Es kommen aber auch Familien, Leute die einwandern wollen und nach einem Job suchen, ältere Herrschaften, die mit über 70 mit dem Kanu auf dem Yukon fahren oder den Chilkoot Trail wandern, Durchreisende, Bewohner aus kleineren Orten im Yukon, die zum Arzttermin nach Whitehorse kommen und so weiter und so fort.

Die meisten kommen schon aus Kanada oder den USA. Aber auch viele Belgier, Franzosen, Deutsche, Österreicher, Schweizer, Südkoreaner und Chinesen sind dabei. Einige Gäste kamen aus Japan, Taiwan, Italien, Spanien, Südafrika und Ghana. Und viele Länder fallen mir gerade einfach nicht ein. ^^

Immer wieder ergeben sich auch sehr interessante, nachdenkliche und auch lustige Gespräche mit Gästen.

Einige, an die ich mich ad hoc erinnere:

  • Ich gebe einem Gast die Tour durchs Hostel und witzele ein bisschen rum. Gast1: „Ich kann gar nicht glauben, dass du aus Deutschland bist. Deutsche sind doch immer so ernst!“ Ich: „Ja, das war auch immer ein großes Problem mit mir in Deutschland und langfristig der Grund, warum ich das Land verlassen musste.“ Gast1: „Wirklich?!“ Ich: „Nein.“
  • Gast2: „Wenn du Deutsch bist, warum siehst du dann holländisch aus und hast einen schwedischen Dialekt?“
  • Gast3 (70 Jahre): „In meinem Heimatort in Ontario wohnt eine Frau, die dir zum Verwechseln ähnlich sieht… Naja fast, denn sie ist mittlerweile um die Fünfzig. Könnte also deine Mutter sein *schleim*“ Ich: „Ist sie ne scharfe Braut?“ Gast3: „Definitiv!“ Ich: „Puh… Glück gehabt! *Schweiß von der Stirn wisch*“

Meist arbeite ich an ein oder zwei Tagen unter der Woche, nachdem ich mit Job Nummer 1 im Restaurant fertig bin und komme so auf einen schneidigen 13 Stunden Tag. Am Wochenende arbeite ich nochmals ein oder zwei Tage im Hostel, wobei die Zeiten stark schwanken zwischen 3 und 12 Stunden. Das Ergebnis ist jedoch, dass ich sehr abwechslungsreiche Wochenstunden von bis zu 55 Stunden zusammen kriege, was mich freut. 🙂

Nur donnerstags gehe ich weder zu Job 1, noch Job 2. Was ich donnerstags so treibe, erfahrt ihr im nächsten Beitrag mit Job 3 🙂 allerdings kann ich den jetzt nicht auch noch aus dem Ärmel schütteln, da ich jetzt wieder zu Job 2 muss, anschließend schlafen und Job 1. Aber ich bleibe dran, der nächste Beitrag hat dann auch wieder Bilder.