Winter

Wohndilemma

Nach knapp drei Jahren ist es schliesslich soweit: Tyrel und ich haben hier wirklich Fuss gefasst, gut bezahlte Vollzeitstellen und endlich endlich endlich alle Kreditkarten abbezahlt.

Dann stellt sich natuerlich die Frage „Und nun?“.

Zur Zeit leben wir zur Miete hier und zahlen ein Heidengeld fuer eine alte Holzhuette ohne Isolierung (20 cm Holzbalken auf 20 cm Holzbalken mit genuegend Stellen, an denen Wespen im Fruehling ins Haus kriechen koennen.

Leider ist das hier der Standard. Die guenstigste Wohnmoeglichkeit ist, sich ein Zimmer zu mieten in einer Wohngemeinschaft. Da zahlt man dann $700 = 463 Euro kalt plus Nebenkosten im Monat. Alles andere, wo man womoeglich sogar einen privaten Eingang plus Klo hat, ist dementsprechend teurer.

Warum das so ist, habe ich lange nicht verstanden. Hier gibt es doch wirklich genuegend Platz, oder? Die Antwort darauf ist, wie so haeufig in Kanada, die Behoerden haben gepennt. Whitehorse hat seit in den letzten 20 Jahren einen grossen Einwohnerzuwachs erfahren. Es wurden jedoch kaum neue Wohnmoeglichkeiten geschaffen. In den letzten Jahren, als die Haus- und Grundstueckspreise schon astronomisch gestiegen waren, wachte die Stadt auf und stampfte ein Neubaugebiet aus dem Wald. Das Problem ist nur, dass dieses Neubaugebiet ausschliesslich grosszuegige, gehobene Einfamilienhaeuser in Holzrahmenbauweise beinhaltet, die nun fuer $600’000 = 400’000 Euro verkauft werden. Und das bei deutlich hoeheren Lebenshaltungskosten, weniger sozialer Absicherung und vergleichbaren Einkommen zu Deutschland.

Das ist der Moment, bei dem man sehnsuechtig an Plattenbau denkt.

Unsere Situation ist nun diese, dass wir nicht laenger zur Miete wohnen wollen, aber gleichzeitig uns nicht leisten koennen, etwas zu kaufen.

Hmmmmm….

In anderen Teilen von Kanada bekommt man Grundstuecke hinterhergeworfen. Ich wuerde jedoch nur sehr schweren Herzens wegziehen. Wenn es wirklich Sinn macht, dann ja. Aber eigentlich… nee.

Was also tun? Sklaven der Bank wollen wir beide nicht sein.

Tyrel findet, wir sollten ein bisschen Geld ansparen und dann ins suedliche, flache Kanada ziehen.

Berge hinter mir zu lassen, wuerde mir wahnsinnig schwer fallen. Und ausserdem, wie sollen wir hier Geld ansparen, wenn wir es zum Fenster heraus werfen mit durch unsere Miete und Nebenkosten?

Und ueberhaupt, was passiert, wenn einer von uns mal laenger krank wird oder seinen Job verliert? Dann rasen wir wieder schnell ins Minus. Nachhaltig ist das nicht.

Ich habe viele Kollegen und Freunde gefragt, wie sie sich hier ein Haus leisten koennen. Die Antwort lauteten entweder „Wir/Unsere Eltern sind schon vor 10 (und mehr) Jahren in den Markt eingestiegen und haben bei Hausverkaeufen viel Geld gemacht.“ oder „Mach dir nicht so viele Gedanken, die Preise steigen doch weiter und in ein paar Jahren kannst du dein Haus dann gewinnbringend verkaufen!“

Aehm, und was ist, wenn die Preise nicht steigen? Mag sein, dass mir mein Masterabschluss in Business hier nicht viel weiterhilft aber diese Wette scheint mir wirklich zu riskant. Eine Hausfinanzierung ist hier mit 5% Eigenbeteiligung moeglich fuer bis zu 20 Jahre Finanzierung. Der Anteil, der dabei an die Bank geht und einfach so verpufft, macht mich ganz schwindelig.

Das heisst also, dass unser erstes Ziel sein sollte, so viel Geld wie moeglich anzusparen. Vor etlichen Jahren schon hat mir Peter Zwegat auf RTL2 erklaert, wie das geht: Einnahmen erhoehen (oft schwierig) oder Ausgaben senken. Und fuer was geben wir bei Weitem am meisten Geld aus? Genau, Miete und Nebenkosten. Aaaaaah!!

Schritt zurueck: Haben wir nicht schonmal diese Kosten gesenkt? Als wir zuerst nach Kanada kamen, haben wir doch auch kostenguenstig gewohnt. Nicht komfortabel und auch im Winter bei zwei Vollzeitstellen nicht durchfuehrbar, aber der winzige Wohnwagenanhaenger hat uns den Start ermoeglicht. Was, wenn wir nochmal in die Richtung gehen? Nicht in dem kleinen Wohnwagen, aber mobil, vielleicht ein bisschen groesser und auf jeden Fall mit Isolierung… Eine Idee war geboren. Also eher eine Idee fuer uns, denn es gibt immer mehr Leute, die kleiner wohnen wollen und daher ist die Tiny House Bewegung entstanden.

Nach etlichen Diskussionen, gedanklichen Entwuerfen und Mediationsgespraechen bei unserem Freund James gelang es Tyrel und mir auch, unsere Energien diesbezueglich in aehnliche Richtungen zu lenken. Wenn zwei Sturkoeppe aufeinandertreffen, muss man damit rechnen, dass man nicht immer einer Meinung ist. Aber wenn man sich dann einigt, arbeiten beide mit voller Energie zusammen, das ist umso besser!

Nachdem einige grundlegende Fragen geklaert wurden, suchen wir nun also nach einem Anhaenger (= trailer). Keinem Wohnwagen, sondern ein flacher, wo wir ein kleines Haeuschen draufbauen koennen. Nicht, dass einer von uns schonmal eine Hundehuette oder aehnliches gebaut haette. Von einem Haus ganz zu schweigen. Aber wenn man sich etwas ernsthaft vornimmt, sind dem in meiner Erfahrung kaum Grenzen gesetzt.

Das trailer Angebot in unserer Tagesfahrt-Umgebung ist relativ mau. Zur Auswahl stehen zwei nicht perfekte trailer; und in Diskussionen darum, ob dieser oder jener trailer fuer unsere Anspueche ausreichend waere. Ja, keine Ahnung!

Da ich praktisch veranlagt bin, fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt und besorgte eine Heissklebepistole samt Klebestiften und zwei grosse Kartons Eisstiele. Zu Hause hab ich einfach losgelegt. In den letzten Tagen hab ich mir ein wenig Theorie angelesen, wie in Nordamerika Hauser gebaut werden (aus Holzrahmen) und die maximalen Bestimmungen fuer trailer Masse auf kanadischen Strassen gewaelzt. Auf einer Muellsack-Tischdecke habe ich dann einfach drauflosgeklebt. Erstmal den Grundriss des einen Trailers, der in Frage kommt, im Massstab 1 : 24. Hierbei wird die Laenge eines Fusses in einem halben Zoll nachgestellt. Ja, Kanada benutzt offiziell das metrische System. Nein, in der Praxis wird es in vielen Faellen nicht benutzt. Der Bau ist einer dieser Faelle.

Nachdem die Bodenplatte erbaut war, ging es also an die Konstruktion der ersten Wand in Holzrahmenbauweise. Dazu muss klar sein, wo spaeter Fenster, oder in diesem Fall Tueren, eingesetzt werden. In Abschnitten, wo spaeter weder Fenster, noch Tueren sein werden, wird alle zwei Fuss (bei meinem Modell bei jedem Zoll) ein vertikaler Balken eingesetzt. Schliesslich bringt man horizontale Verstrebungen an, die das ganze versteifen und an die spaeter Regale und Wandschraenke angeschraubt werden.

Nach der ersten Wand musste ich dringend ins Bett. Und nach einer ausgiebigen Muetze Schlaf musste ich euch dringend von meinem neuen Projekt berichten. Aber heute Abend wird ganz sicher weitergeklebt.

Und hoffentlich folgt auf die Kleberei irgendwann auch Naglerei. Hoechstwahrscheinlich muessen wir uns fuer die Materialien Geld leihen. Aber durch die Mietersparnisse wuerden wir das Geld schnell wieder zurueckgezahlt haben, sobald wir im kleinen Haus wohnen.

Gedanklich bin ich jetzt schon eingezogen. Meine pragmatische Seite schreit und klagt die Luftschloesser an. Doch ohne Traeume und Plaene wuerde das kleine Haus ganz sicher nie Realitaet werden. Daher traeume ich einfach weiter. 🙂

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Laufend unterwegs

Wer haette mal gedacht, dass ich freiwillig laufen gehe?

Leute, die mich schon laenger kennen, wissen, dass Sport eher nicht so meine Staerke ist. Eher essen, schlechte Witze erzaehlen und viel mit Freunden unternehmen.

Folgendes Bild von wurde vor 10 Jahren aufgenommen und zeigt mich beim Ausueben meiner damaligen Hobbies:

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Warum entscheiden zwischen Bier trinken und rauchen, wenn auch beides gleichzeitig geht?

Das Rauchen habe ich vor knapp 10 Jahren aufgegeben. Das Bier trinken hat mich noch laenger verfolgt. Erst vor wenigen Jahren wurde mir bewusst, dass jede am Nachmittag oder Abend konsumierte Flasche einen naechtlichen Toilettengang nach sich zog. Und um das in Kauf zu nehmen, schlafe ich einfach zu gerne.

Als ob es nicht genug gewesen waere, nicht mehr zu Rauchen oder zu Trinken. Trotz dem ich der Meinung war, dass Sport Mord sei, gesellte sich 2011 das gelegentliche Radfahren dazu. Und 2014 das Wandern. Nur Laufen, so stellte ich regelmaessig und vehement klar, Laufen hasse ich! Das kann ja auch gar nicht gesund sein. Lange braucht man nicht zu recherchieren, bis man auf negative Berichte ueber den Laufsport stoesst. Knie gehen kaputt. Marathonlaeufer sterben an einem bis dahin unentdecken Herzfehler. Vom Tod des ersten Marathonlaeufers ganz zu schweigen.

Wie kam ich also dazu, meine Vorbehalte aufzugeben?

Um mal laenger auszuholen: Anfang 2018 schaffte ich mir eine Personenwaage an. Ich wusste schon vorher, dass manche Hosen nicht mehr passten und wurde dann bestaetigt, dass ich am oberen Ende des Normalgewichts kratzte. Uebergewichtig war ich schon lange genug gewesen (BMI bis zu 28). Ist schon laenger her aber macht keinen Spass. Die Knie und der Ruecken tut weh sogar ohne schaedliches Lauftraining und ich war so schnell aus der Puste, dass ich an manchen Dingen gar nicht teilnehmen wollte. Darauf hatte ich also keine Lust mehr. Aber Diaeten sind jetzt auch nicht unbedingt mein Fall. Wenn ich auf was bestimmtes verzichte so wie Kohlenhydrate, dann bekomme ich erst recht Hunger darauf. Nur kleine Portionen essen mag ich auch nicht, das Gefuehl des Vollgefressenseins ist einfach zu himmlisch. Nicht die besten Voraussetzungen, um etwas abzuspecken.

Dann stiess ich auf die Seiten von Jens auf 5zu2.wordpress.com. Von Jens erfuhr ich, was Intervallfasten ist. Man isst entweder zweimal in der Woche einen Tag lang wenig, oder man isst taeglich 16 Stunden am Tag nichts. Hoert sich zu schwierig an, dachte ich. Doch dann fiel mir auf, dass ich bereits einige Wochen lang an Arbeitstagen 12 Stunden am Stueck nichts esse. Abends um 19 Uhr esse ich noch etwas, dann gehe ich schlafen, bin um 5 Uhr ohne Fruehstueck auf der Arbeit und bin erstmal so beschaeftigt, dass ich erst um 7 Uhr Zeit habe zu fruehstuecken. Hmm. 12 oder 16 Stunden sollten doch jetzt auch kein grosser Unterschied sein, oder? Im Februar 2018 probierte ich aus, statt um 7 Uhr mein Fruehstueck um 11 Uhr zu essen. Und es hat mir keine Probleme bereitet. Seitdem habe ich von 365 Tagen bestimmt 350 Tage das Intervallfasten 16:8 betrieben. Ich fuehle mich, als haette ich mehr Energie und ich muss mir keine Gedanken mehr darueber machen, was ich auf die Arbeit zum Essen mitbrigen (Ich esse seit ca. 10 Monaten jeden Tag das gleiche auf der Arbeit). Darueberhinaus habe ich 13 kg abgenommen und jetzt einen BMI von 20, mein Mindestgewicht seit 12 Jahren.

Doch waehrend des Abnehmens fragte ich mich dann, wozu ich das eigentlich mache. Um den Beschwerden vorzubeugen, die ich als Uebergewichtige hatte. Aber gehoert dazu nicht noch mehr als eine bestimmte Zahl auf der Waage zu sehen? Mitte Juni gegen 22 Uhr, draussen ist es noch taghell, verkuendet Tyrel, dass er jetzt eine Runde Laufen geht. Alle paar Monate ueberkommt ihn das Beduerfnis mal. Super, dachte ich mir, ich begleite ihn mit dem Fahrrad.

Okay, die erste Haelfte der Strecke ging es nur bergauf, das Fahrrad war mir also keine grosse Hilfe. Aber als ich den 203 cm grossen Tyrel gazellenmaessig vor mir wegspringen sah, waehrend ich schnaufend vom Rad abstieg und schieben musste, daemmerte mir, dass dieser Zustand auch nicht gesund sein kann. Was, wenn ich an der Kueste bin und ein Tsunami anrollt? Dann kann ich nicht in die Berge laufen. Oder noch viel schlimmer, was wenn ich auf dem Weg zum Supersonderverkauf im Kaeseladen bin und mein Auto ne Panne hat?!?!

Jupp, ich muss was tun. Mit 30 war das dann auch mal an der Zeit.

Zuerst fand ich ein Programm, das angeblich fuer Leute war, die Laufen hassen. Es fing an mit zwei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen im Wechsel. Laeppisch, dachte ich. Doch als ich es dann tatsaechlich ausprobierte, hustete ich mir die Lungen aus dem Leib. So nicht. War ich dann doch einfach nicht geeignet fuer das Laufen?

Zum Glueck war ich noch nicht voellig demotiviert und suchte weiter. Jetzt nicht mehr fuer Leute, die Laufen hassen, sondern fuer Leute, die nicht Laufen koennen. Da stiess ich auf das Programm „Couch to 5 k“, was anscheinend eher meinem Fitnesslevel entsprach. Da bestand die erste Woche aus 60 Sekunden Laufen abwechselnd mit 90 Sekunden gehen. Das war hoellisch anstrengend! Aber irgendwie machbar. Denn dass ich nicht mal 60 Sekunden lang laufen koennen soll, dazu war ich dann doch zu stolz.

Irgendwie habe ich es geschafft, am Ball zu bleiben. Mit Unterbrechungen, fuer die Kanutour, wegen Krankheit, wegen Temperaturen um -40 Grad, auch mal wegen extremer Unlust.

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Bei -22 Grad und Schnee gehe ich trotzdem laufen und komme zurueck zugefroren wie der Yeti.

Aber ich weiss, wenn ich mich aufraffe zu laufen, dann werde ich belohnt mit malerischem Bergpanorama, mit Ausblicken auf Seen und Taeler und mit einem ungewohnten befriedigenden Gefuehl. Einem Gefuehl, dass ich mir etwas koerperlich erarbeite, was mir nachhaltig gut tut. Dass ich mich um mich sorge und Zeit und Muehe fuer meine Gesundheit investiere.

Werde ich etwa erwachsen?! Naja, solange es sich so gut anfuehlt, bin ich auf jeden Fall dabei.

Und wer sich bei sonnigen -25 Grad zu einem 45 Minuten Lauf aufraffen kann, der bekommt sogar den Mascara umsonst dazu!

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Warum vereist eigentlich alles, wobei die Kaelte doch so trocken ist? Manche Dinge bleiben mysterioes!

Habt eine gute Woche! 🙂

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Unsere Einfahrt auf dem Weg zurueck nach dem Lauf.

Elchfreitag

Freitag. Karfreitag.

Elchfreitag.

Es ist morgens, ich putze meine Zaehne im Badezimmer. Tyrel ruft mich in die Kueche, ich soll unbedingt kommen!

Schliesslich stehe ich in der Kueche und gucke ihn fragend mit Zahnbuerste im Hals an. „Wow, du wachsamer Jager! Guck aus dem Fenster!!“ Vor dem Fenster, so wie letzte Woche: Elchi! Durch Fenster und Fliegengitter schiesse ich ein paar Bilder.

Eine ganze Weile sitze ich im Sessel am Kuechenfenster. Wie schoen es ist, dass wir so viele Buesche haben, dass Elchi immer noch genug Futter findet. Mittlerweile wissen wir dank Nicoles Kommentar auf dem letzten Beitrag, dass Elche Heu nicht gut verdauen koennen. Seit dem liegt ein halber Heuballen elchsicher im Vorraum zu unserer Haustuer und duftet vor sich hin.

Schliesslich bleibt Elchi stehen… und legt sich einfach in den Schnee! Natuerlich muss ich das wieder festhalten.

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Elchi hat uns den Ruecken zugekehrt und sonnt sich im Schnee.

Ich freue mich, dass Elchi uns so sehr vertraut, dass sie sich so nah am Haus sonnt und uns sogar dabei den Ruecken zukehrt!

Ein wenig beobachte ich sie noch, sie liegt einfach da und kaut. Nicht mal der Kopf bewegt sich, nur die Ohren ein wenig.

Schliesslich muss Tyrel zur Arbeit fahren. Hmmm, Elchi liegt nur ca. 35 Meter entfernt vom Auto, das wir nun starten muessen. Wahrscheinlich muss ich sie aufschrecken, wenn ich das Auto starte. Es sind -15 Grad, da sollte das Auto etwas warmlaufen, bevor man faehrt.

Ich schleiche mich mit Kamera und Autoschluessel raus. Knarze ueber den Schnee zum Auto. Elchi weiss, dass ich da bin, laesst sich aber nicht stoeren.

Dann ist es wirklich Zeit, das Auto zu starten. Ich oeffne die Tuer, Elchi macht sich nichts draus. Ich starte das Auto, Elchi steht auf.

Einerseits finde ich es schade, dass ich Elchi aufschrecken musste aus der Siesta aber andererseits ist es gut, dass sie nicht zu sehr an den Menschen gewoehnt ist. Der Schrecken haelt sich jedoch in Grenzen. Sie galloppiert fuer zwei Schritte, dann geht sie im Elchtempo fuer weitere fuenf Schritte.

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Elchi hat keine Lust auf Autolaerm. Ihr Fell glaenzt wunderschoen im Sonnenlicht.

Nach ihrer aeusserst kurzen Flucht steht sie am naechsten Gebuesch und faengst schliesslich wieder an zu fressen.

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Elchi verschwindet im Gebuesch.

Nach ein paar Minuten, als wir mit dem Auto wegfahren, steht Elchi immernoch da und frisst. Jetzt haben wir sie schon ein paar Tage nicht mehr gesehen. Ich wuensche ihr alles Gute auf ihrem mit langen Beinen beschrittenen Weg. 🙂 Vielleicht sieht man sich ja mal wieder!

Euch allen wuensche ich eine schoene, kurze Woche!

Gartenbesuch

Am vorletzten Samstag ging ich wie jeden Tag, den ich nicht arbeite, spazieren. Der schmelzende Schnee ist nicht mehr puderig und knischt so schoen unter den warmen Stiefeln. Ich versuche, verschiedene Toene zu erzeugen auf den ersten 30 Metern vor unserer Haustuer.

Ploetzlich kracht es im Gebuesch von links. Es scheint ein sehr grosses, verschrecktes Tier zu sein, was da einen Rabatz veranstaltet. Die Eisdecke vom Fluss zerbricht sogar.

Ganz ruhig stehe ich in unserer Einfahrt. Was immer da den Laerm veranstaltet, es ist eh schneller als ich. Ganz untaetig will ich trotzdem nicht sein, ich rufe ein lautes „EY!!“ hinterher. Was besseres faellt mir nicht ein.

Schliesslich setze ich meinen Spaziergang fort. Vor zwei Wochen habe ich Elchspuren am anderen Ende unseres Grundstuecks gesichtet. Ist der Elch vielleicht immer noch in der Gegend?

Nach meinem Spaziergang gehe ich in die Richtung, aus der die Geraeusche stammten. Tatsaechlich finde ich eine Menge Elchspuren. Sie fuehren in dichtes Gestruepp, was den Laerm erklaert. So dicht, dass ich nicht nachfolge. Die Spuren sind relativ klein, es muss sich um einen jungen Elch handeln.

Zwei Tage spaeter geht Tyrel aus dem Haus, um unser Grundstueck mit dem Morgenurin abzustecken. Begeistert kommt er zurueck: „Der Elch ist in der Einfahrt, komm schnell!“ Schnell wie ein Blitz, der nicht ganz so schnell ist, greife ich Jacke und Kamera und gehe auf die Pirsch. Am Platz, wo Tyrel den Elch gesehen hat, ist er nicht mehr. Aber kurz darauf erspaeht Tyrel ihn im Gebuesch!

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Die Umrisse eines Elchs sind im Gestruepp zu erkennen.

Nach einem Foto schreitet der Elch von dannen. Wenigstens flieht er nicht mehr kopflos! 🙂

Die Pferdebesitzer, die im Sommer ihre Pferde auf der Weide vor unserem Haus grasen lassen, haben etwas Heu zurueckgelassen, welches langsam von Rehen aufgezehrt wird. Um diesen Heuballen finden sich in den folgenden Tagen immer mehr Elchspuren und der Ballen schrumpft merklich. Eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit steht der Elch in ploetzlich in der Einfahrt und springt ueber den Zaun, um mir aus dem Weg zu gehen. Ein Schauspiel, das ich wohl nicht vergessen werde.

Jetzt sind reichlich Elchspuren auf unserem Grundstueck verteilt, so dass wir gar nicht mehr wissen, ob der Elch noch in der Gegend oder schon weitergezogen ist. Heute haben wir darueber diskutiert und schliesslich eine Dokumentation im Internet angesehen. Dann kam die Antwort auf unsere Spekulationen direkt ins Wohnzimmer geliefert.

Ganz langsam und gemaechlich schlendert der Elch, von dem wir nun wissen, dass es eine Elchin ist, durch die Einfahrt. Nach 10 Minuten schleichen wir hinaus um sie nun auf frischer Tat bei den letzten Heuresten zu ertappen… und wir haben Glueck!

Es ist ganz aufregend, sich an ein so grosses Tier heranzuschleichen, wohlwissend, dass es einen laengst bemerkt hat. Ich moechte es nicht stoeren und auch nicht zu sehr auf die Pelle ruecken. Aber die Elchkuh beobachtet mich aufmerksam wenn ich mich bewege und beruhigt sich kurz darauf und frisst weiter.

Beim Beobachten der Bilder faellt mir auf, dass das rechte Hinterbein der Elchkuh auffaellig ist. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass sie ein Loch hat zwischen Fersengelenk und Achillessehne. Die Wunde scheint schon aelter zu sein, sie ist nicht blutig oder geschwollen. Und auch scheint es ihr keine Probleme zu bereiten. Das Gangbild ist klar, Frau Elch humpelt nicht und belastet beide Seiten gleich stark.

Tyrel ist der Meinung, dass die Wunde so gut verheilen konnte, weil Elche sich mit Schmerzmitteln vollpumpen. Immerhin essen sie gern Weiden, deren Rinde zur Herstellung von Aspirin verwendet wird. Ich weiss noch nicht, ob ich der Logik ganz folge, finde den Grundgedanken aber gut! 🙂

Jetzt noch ein paar Antworten auf Fragen, die mir juengst von einer Mitbloggerin gestellt wurden:

Tally von Tallyshome stellt gerne Fragen, wenn sie nicht von den Irrungen und Wirrungen ihres verrueckt-schoenen Alltags berichtet. Und ich antworte gerne. 🙂

1. Es gibt Leute, die der Meinung sind, in eine solche Welt sollte man keine Kinder mehr setzen. Siehst du das genauso? Und wenn nicht, was würdest du diesen Menschen sagen wollen?

Das ist durchaus eine Meinung, die man akzeptieren kann und wo ich nicht mit einem Gespraechspartner an seiner Meinung ruetteln muss. Wer sich nicht fortpflanzen moechte, soll das bitte auch nicht tun! Vielleicht brauchen wir aber noch ein paar Weltverbesserer auf dieser Welt, die erst noch geboren werden muessen, wer weiss das schon so genau.

2. Die Medizin entwickelt sich stetig weiter. Künstliche Organe, Klonen etc. Eine gute Sache? Oder gefährlich?

Ich habe mich einige Zeit mit Leih- ung Eimutterschaften und deren psychologischen Folgen auseinandergesetzt, weil ich das Thema spannend finde. Es scheint so zu sein, dass es fuer Eizellspenderinnen und Leihmuetter aus Laendern wie den USA (nicht aus Armutsverhaeltnissen) keine negativen psychologischen Folgen gibt. Das ist anders, wenn eine Frau gleichzeitig Ei- und Leihmutter ist, da das geborene Kind sie eventuell an Verwandte erinnert und sie es behalten moechte. Von daher denke ich, dass das eine gute Sache ist, um kinderlosen Paaren zu helfen. Bei anderen Verfahren wie kuenstlichen Organen, Klonen und weiterem wuerde ich mich jedes Mal neu informieren und vor allem die Fragen stellen „Zu welchem Zweck?“ und „Zu welchem Preis?“.

3 . In CERN forschen sie seit einigen Jahren schon mit Antimaterie. Das, woraus die schwarzen Löcher sind. Kritiker und auch diverse Verschwörungstheoretiker fürchten, dass es irgendwann einmal zu einem riesigen Fehler kommen könnte, so dass die Antimaterie sich selbstständig macht und somit ein riesiges schwarzes Loch auf der Erde entsteht. Macht dir so ein Gedanke Angst? Wie stehst du zu solchen Forschungen?

Ich kann mich noch an die Zeit des ersten Versuchs erinnern, zu der einige Physiker Eilklagen vor Gericht gebracht haben, um alles abzublasen. Auch mit meinem vielleicht dazu nicht ausreichendem physikalischen Basiswissen erschien mir die gefuehlte Gefahr eher gering. Und falls ein tatsaechlich ein schwarzes Loch die Erde verschlingen sollte, haette einem der Bunker im Vorgarten oder der Extravorrat Teelichter von IKEA auch nicht weiter geholfen. Von daher hab ich keine Angst und lebe einfach. 🙂

4. Thema Übernatürlich: Ist dir schon mal etwas passiert, was du trotz jeder Wissenschaft nicht erklären konntest und das du deshalb als „übernatürlich“ bezeichnen würdest?

Ja, das passiert mir recht regelmaessig. Dass man zum Beispiel aus dem Nichts heraus sehr intensiv an bestimmte Leute denken muss, von denen man Monate nichts gehoert hat und am naechsten Tag haben sie Kontakt zu dir gesucht. Ich glaube aber auch, dass da schon etwas Erklaerbares dahinter steckt, wir wissen nur noch nicht was. Wenn man sich nur vorstellt, was die Leute noch im Mittelalter geglaubt haben, wo Krankheiten herkommen usw. und wie nah das Mittelalter an unserem Zeitalter ist, gemessen am Alter der Welt… dann ist es vermessen zu glauben, dass wir ploetzlich so weit sind, alles zu wissen und alles erklaeren zu koennen. Ich glaube, es ist wichtig mit offenen Augen durch die Welt zu sehen und sich keine Eindruecke zu verbieten, nur weil sie keinen Sinn machen mit den bisher erlernten Erklaerungsmodellen.

5. Ist das Schicksal vorherbestimmt oder selbstbestimmt?

Beides. Ich glaube es gibt verschiedene Szenarios, die moeglich sind. Letzendlich muessen wir uns dafuer entscheiden, jeden Tag. Ich entscheide mich gerne immer wieder fuer das, was mein Leben jetzt ausmacht. 🙂

6. Ich persönlich glaube nicht an einen personifizierten Gott. Und du?

Wenn ich ganz allein in der Natur umherwandere und meine Gedanken streifen lasse, dann habe ich das starke Gefuehl, das alles eins ist und alles zusammen haelt mit etwas Gutem, Liebenden. Nein, ich habe nicht das Gefuehl, dass das ein Mann mit langem, weissen Bart ist, obwohl ich ja pro Bart bin. Aber ich glaube, da ist etwas.

7. Wenn du die Welt in der du Leben könntest, selbst gestalten könntest, wie sähe sie dann aus? Mit Drachen und Einhörner? Sience fiction pur? Eher das was wir jetzt haben aber besser? Entschärftes Mittelalter? Schadowrun?! Erzähl mir davon!

In Deutschland habe ich mir mehr Abenteuer, Winter, Nordlichter, Berge, Wildnis und Bisons gewuenscht. Das habe ich alles im Yukon gefunden. Jetzt wuensche ich mir, dass wir bald reisen koennen, wie wir wollen. Ich moechte eine Revolution wie das Internet fuer Information und Kommunikation, nur fuer Transport. Und nein, das Elektroauto ist keine richtige Innovation fuer mich. Ich moechte auf Energiebahnen reisen koennen ganz ohne Motor. Beamen waere auch okay. Ansonsten bin ich ganz zufrieden. 🙂

Habt eine gute Woche!

Mein lieber Winter

Mein lieber Winter,

immer wieder lockst du mich mit warmen Farben aus dem Haus.

Laesst mich wandern, laesst mich wundern. Spielst mit Farben, Bergen, Wolken.

Morgens laesst du dir einen dramatischen Auftritt einfallen fuer die helle Tageszeit. Erst kuendigst du mit Wolken an.

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Ueber einer noch dunklen, schneebedeckten Landschaft sind einzelne Wolken hell erleuchtet.

Wo sonst Bergketten den Horizont markieren, hast du heute einen Vorhang zugezogen.

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Hinter schwarzen Tannen kann man nur erahnen, dass Berge hinter den Wolken versteckt sind.

Du laesst mich weiter wandern um den richtigen Ausblick zu haben.

Selbst ein Spaziergang auf einer oeffentlichen Strasse scheint mit dir wie eine Wanderung im Gemaelde.

Auf dem Rueckweg laedst du mit den ersten Strahlen zum Staunen ein.

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Die goldene Sonne geht auf und wirft ein paar Strahlen auf die Strasse vor mir.

Vom Huegel auf unserem Grundstueck bewundere ich noch ein wenig deine Schoenheit, bevor ich mich wieder auf uns warme Haus mache.

Ich liebe die Morgenstimmung am meisten. Doch auch am Nachmittag bestichst du mit deinen Reizen.

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Die Sonne kurz vor dem Versinken im Westen ueber der Schneelandschaft.

Die Fussspuren im Schnee sind tief, der Himmel ist blau und alles so weiss.

Doch dein Schnee ist nicht nur weiss. Er hat viele verschiedene Schattierungen und Strukturen.

Mein lieber Winter, musst du auch bald gehen, ich freu mich schon auf deine Rueckkehr. Und auch du freust dich schon auf mich. Sonst wuerdest du mich nicht so fest in die Wangen kneifen, bis sie ganz rot werden!

Morgens halb 4 in Kanada

Schon 3:30h und hoechste Zeit aufzustehen!

Der Blick ist noch ganz verschwommen durch die Augenpopel, die um diese Uhrzeit noch nicht den Ausgang bei der Traenendruese gefunden haben. Trotzdem finde ich den Weg ins Badezimmer und stecke mir die Zahnbuerste in den Hals. Da sehe ich eine Nachricht, die mich stutzig werden laesst: Tyrel bittet mich darum, ihn aufzuwecken! Um diese Uhrzeit!

Seiner Bitte nachkommend hole ich ihn aus dem Lummerland und frage nochmals nach, ob er denn wirklich aufstehen moechte. Immerhin muss er erst in sieben Stunden zur Arbeit. Er entgegnet eine Frage: „Kannst du nachgucken, wie viel Schnee auf den Auto liegt?“ Ich stapfe zum Fenster an der anderen Seite des Hauses und schiele aufs Auto. „Nur ein bisschen Puderschnee, alles gut.“ „…ich habe die Einfahrt geraeumt!“ Erneutes Stapfen zum Fenster. „Oh wow, vielen Dank!!“ „Erst habe ich begonnen zu Schaufeln aber dann habe ich einen Redneck Plow gebaut. Ich fahre mit dir die Einfahrt hoch um dir zu zeigen, wie super das geht!“

  1. Unsere Einfahrt ist ca. 700 Meter lang mit beachtlichem Gefaelle (zum Haus geht es bergab) sowie Unebenheiten.
  2. Es hat diesen Winter ziemlich viel geschneit fuer Yukon Verhaeltnisse (Waden- bis kniehoch).
  3. Als Redneck Plow bezeichnet man einen Schneepflug, der notduerftig aus vorhandenen Materialien zusammengezimmert wurde und der hinter einem Truck gezogen wird.
  4. Tyrels Redneck Plow besteht aus zu einem Balken zusammengefuegten Holzlatten.

Moment… wenn er sich sicher ist, dass das super funktioniert, warum steht er dann um diese Uhrzeit auf?

Ich mache mich schnell fertig. Schliesslich mag ich es ueberhaupt nicht, zu spaet zur Arbeit zu kommen. Und gestern bin ich mit dem Auto eher die Ausfahrt hochgeschwommen statt gefahren.

Vor Ort stelle ich fest, dass der Schnee irgendwie verdichtet ist und ich darauf gehen kann. Scheint also geklappt zu haben das mit dem Schneeraeumen.

Nach ca. 7 Minuten hat Tyrel noch vor dem Huegel das Auto so festgefahren, dass es weder vor- noch zurueck geht.

Wir stapfen zum Truck, Tyrel faehrt mich bis zur Strasse und laeuft zum Haus zurueck. Es werden fuer ihn zwei harte Schaufelstunden werden, bis er das Auto zur Arbeit fahren kann. Ich schreibe meiner Arbeitskollegin, dass ich mich eventuell ein paar Minuten verspaeten werde. Zum Glueck habe ich jeden Morgen einen 15minuetigen Zeitpuffer fuer Unvorhergesehenes und schlechte Strassenverhaeltnisse eingeplant, sodass ich drei Minuten zu frueh ankomme. Im Buero schnell die aktuelle Flugplanung studieren, Schreibzeug und Taschenrechner greifen und ab in den Hangar.

Dort gehe ich zur Tuer rein und da stehen sie. Meine Arbeitskollegin und vor ihr zwei Duesenjets der kanadischen Luftwaffe!

Die beiden Schmuckstücke waren ein Unterhaltungspunkt bei den Sourdough Rendezvous letztes Wochenende. Sie sind geflogen und durften auch am Flughafen bewundert werden. Nun wärmen sie auch kurz in unserer beheizten Flugzeuggarage auf, bis sie sich wieder auf den Heimweg machen.

Nach gut 1,5 Jahren Whitehorse bin könnte ich auch mal wieder auf fliegen… Ob ich dieses Mal erfolgreicher bin im Kapern?

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Irgendwie fehlt mir der Steigbügel, um in dieses Flugzeug einsteigen zu können.

Ganz besonders interessant finde ich die Sitze der Piloten. Je Flugzeug sitzen zwei Piloten hintereinander und so sieht ihre Rückenlehne aus:

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Man könnte fast denken, es handelt sich um einen großen klobigen Plastikkasten, den man sich als Rucksack aufsetzt. Aber irgendwo muss ja die ganze Sicherheitsausrüstung hinpassen, samt Fallschirm und Schleudersitz.

Kurz vor 6 Uhr morgens sitze ich im Büro und wundere mich darüber, was heute schon alles passiert ist.

Dem Fruehling auf der Spur

Der Winter dauert hier im Norden relativ lange. So ungefaehr die Haelfte des Jahres macht er aus. Und bekanntlich geht man im Winter auch nicht ganz so haeufig vor die Tuer, der Kamin ist manchmal doch einladender als -30 Grad, Schnee und Dunkelheit.

Die Folge: Cabin fever, oder zu deutsch Huettenfieber.

Die Decke faellt einem auf den Kopf, die Waende kommen naeher und man ueberlegt, ob man jetzt nicht doch lieber die Sonne von Barbados zusammen mit den Flippers geniessen moechte.

Doch in Whitehorse gibt es jedes Jahr im Februar die Sourdough Rendezvous (deutsch: Sauerteig Verabredungen), die dieses cabin fever lindern sollen. „Los, wir gehen unter Menschen!“ fordere ich Tyrel auf. „Was willst du denn da?“ „Naja, es gibt lustige Wettbewerbe und Ahornsirup Toffees…“ „Aber die koennen wir doch auch selbst hier herstellen!“ „Keine Widerrede, wir gehen morgen da hin. Wenn du nicht mitkommst, gehe ich mit wem anders.“ „Na gut…“

Schliesslich sind wir in die Weltstadt Whitehorse gefahren und kommen in der Zeit zwischen zwei Wettkaempfen an. Kettensaegenweitwurf war gerade beendet. Die beste Zeit, um alle Fressbuden zu inspizieren und sich nach der letzten Bude beim vielversprechendsten Stand einzureihen. Es gibt einen Cheeseburger in einem Bannock (Indianerbrot, das die Ureinwohner von den ersten schottischen Einwanderern erlernt und abgewandelt haben). Gut ausgeruestet schauen wir ein paar Kandidaten dabei zu, wie sie mit einer Bogensaege ein Stueck Holz absaegen und anschliessend gesaegtes Holz mit einer Axt zerhacken. Meine Finger werden schnell kalt durch den Wind bei -15 Grad. Ich beeile mich mit dem Burger und lasse die Haende in meinen grossen Aermeln verschwinden, waehrend wir weiterschlendern.

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Ich beisse beherzt in den Bannockburger waehrend hinter mir handgesaegt wird.

Als Nachtisch gibt es natuerlich den Ahornsirup-Toffee, der mich hierher gelockt hat. Um ihn herzustellen, wird Ahornsirup aufgekocht und in einer Linie auf verdichteten Schnee gegossen. Nun legt man an ein Ende der Linie einen Eisstiel, wartet etwas und rollt die Ahornsirupmasse am Stiel auf. Fertig ist die kanadische Leckerei. Leider gibt es hier im Norden keine Hartholz-Baeume und somit auch keinen Ahorn. Aber die suedlichen Provinzen produzieren genug fuer uns alle.

Ein Toffee ziert meine Hand, waehrend wir uns die Schneeskulpturen ansehen, die Kuenstler aus verschiedenen Laendern hier ausstellen.

Meine Haende werden wieder etwas kuehl. Zum Glueck finde ich schnell ein Feuer, an dem ich sie wieder aufwaermen kann.

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Ich sitze auf einem Schneeblock vor einem Schneeholzstapel und waerme mir die Finger an einem Lagerfeuer, ganz aus Schnee an das sich auch ein Schneebaum lehnt.

Fuenf Minuten spaeter sehen wir wieder Leuten beim Holzsaegen zu, die dies augenscheinlich zum ersten Mal machen. Ich sehe mich um und bemerke, dass beim Seifenkistenrennen in Salzgitter Steterburg mehr los ist. „Komm Tyrel, lass uns spazieren gehen!“

Der grosse, baertige Mann hat keine Wahl und laeuft neben mir her am Yukon River, der fast komplett zugefroren ist dieses Jahr. „Wie schoen die Sonne scheint…“ Wir gehen eine ganze Weile nebeneinenander her. Die Sonne ist schon so kraeftig und trotzdem dauert es noch eine ganze Weile, bis der Fruehling wieder regiert. Wie komisch, es fuehlt sich schon so nach Fruehling an, trotz der -15 Grad! Da weist mich Tyrel auf etwas hin: „Schau, die Weiden!“

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Die ersten Weidenkaetzchen lugen unter Pulverschnee am Weidenzweig hervor.

„Wie geht das denn? Wachsen Pflanzen nicht nur, wenn es 5 Grad oder mehr sind? Wie koennen Weidenkaetzchen bei diesen Temperaturen einfach so herumplueschen?“ „Es sind Weiden, denen ist das Wetter egal.“ Ich nehme die Logik einfach so hin und freue mich, dass nicht nur ich den Fruehling gespuert habe.