Winter

Ohne Oma

Zur Morgendämmerung erspähe ich das erste Nordlicht der wieder dunkel werdenden Tage.

Ein grünes Nordlicht am Himmel.

Einen Tag später verstirbt meine Oma.

Morgendämmerung mit Nordlicht und Baumsilhouette.

Oma.

Bist du jetzt beim lieben Gott, für den du so viele Jahre die Kirche geschmückt hast?

Hast du alle Freunde und Verwandten wiedergetroffen, die du lange vermisst hast?

Und für mich am wichtigsten, hast du deinen Frieden gefunden?

Egal wo du bist, ein Stück von dir lebt in mir.

Und vielleicht, wenn du nichts Besseres vor hast,

Kannst du eines Nachts für mich

Mit den Indianervorfahren über den schwarzen Winterhimmel tanzen?

Dann weiß ich, dass du gut angekommen bist.

Ich habe dich lieb.

Dein Luluchen

Wirklich?

Heute (Sonntag) morgen.

Unser Außenthermometer zeigt -32 °C an.

Es ist fast Mitte April und ungefähr ein halber Meter Schnee wartet noch aufs geschmolzen werden. Man gut, dass wir hier trockene Kälte haben…

Werden wir dieses Jahr einen Sommer haben? Wahrscheinlich mit extra dicken Mücken, durch das ganze Schmelzwasser.

Mir geht es wie meiner Lieblingshenne Brave.

Huhn, fassungslos.

Dabei fällt mir ein, warum gab es eigentlich keinen Film in dem Godzilla gegen ein riesiges Huhn kämpft?

Huhn, riesig.

Das Riesenhuhn würde natürlich für den Frühling und Weltfrieden kämpfen. Und gegen Fastfood, Riesenleguane und die UNO, versteht sich.

Ansonsten läuft es soweit.

Es soll diese Woche auch wärmer werden, wie schon seit drei Monaten.

Was bleibt uns anderes als zu warten?

Habt eine gute Woche, macht das Beste draus!

Ich, drücke auch mal ein Auge zu.
Ehemaliges Forstgebäude, erdrückt durch gefrorenen Niederschlag.
Sonne, zu beschäftigt gut auszusehen um auch mal Schnee zu schmelzen
Hühnernest, darin Henne Icicle, darüber Henne Coco.

Kalt und Platt.

Besonders neu ist das Jahr schon gar nicht mehr – hoechste Zeit, mal wieder zu schreiben!

Es folgen einige Updates zu meinem Leben.

Huehner

Meinen fedrigen Freunden geht es gut. Auch die derzeit frostigen Temperaturen am Morgen von -36 °C bis -40 °C stecken sie gut weg. Wenn es kaelter als -30 °C ist, lasse ich sie morgens nicht aus dem Stall. Dafuer aber fahre ich in der Mittagspause nach Hause, lasse sie in den Auslauf und gebe ihnen warmes Wasser und Apfelspalten.

Icicle (vorn) und Shadow im Winterfederkleid.
Fluffige Henne Brave wirkt etwas explodiert.

Nur wenn es morgens -40 °C ist, kommen die Huehner mittags noch etwas frostig aus dem Stall. In der Zeit hat die Sonne aber den Auslauf schon erwaermt, dass er mittlerweile waermer als im Stall ist. Die Temperatur im Stall halten die Huehner auf minimal -20 °C, doch der Auslauf heizt bei -36 °C Tageshoechsttemperatur bis auf -8 °C auf.

Natuerlich haette ich es gern ein bisschen waermer fuer die Huehner, aber eine Beheizung des Stalls waere angeblich gefaehrlicher fuer sie als die Kaelte an sich. Alle Waermeoptionen, die mit offener Flamme arbeiten, sowie auch Waermelampen, stellen eine immense Brandgefahr dar. Gerne haette ich ein paar leicht beheizte Platten aehnlich einer Heizdecke, aber dafuer reicht meine Elektrizitaet nicht aus im Winter. Bevor ich mir Huehner angeschafft habe, habe ich mit Bauern gesprochen, die Huehner ohne Strom und Heizung im Yukon-Winter halten. Aber wenn es dann so kalt ist, dass man sich vor dem Gang auf den Donnerbalken vermummen muss, dann sorge ich mich doch um meine lieben Huehner.

Frosthenne Icicle
Waerme steigt nach oben, daher rasten auch die Hennen gern auf hoeheren Sitzstangen.

Trotz den Temperaturen legen die Hennen noch Eier. Sogar mehr als es im Dezember der Fall war. Dreizehn dieser Eier uebergab ich meiner Vermieterin, denn sie wollte gern ein paar Huehner meiner grossen Rassen in ihre Herde integrieren (sagt man das bei Huehnern so? Sind doch eigentlich keine Herdetiere, sie leben eher in einer strikten Hierachie).

Jetzt liegen diese 13 Eier in ihrer Brutmaschine und werden meine Huehner vielleicht bald zu Eltern machen. Das finde ich ganz irre, immerhin sind die Huehner noch nicht mal ein Jahr alt! Dazu kommt, dass es sehr kalt war, als ich die Eier gesammelt habe, einige waren bestimmt angefroren. Nur die, deren Schale aufgeplatzt war, habe ich stattdessen aufgetaut und an Arma verfuettert. Apropos…

Arma

Arma ist schnell und voller Energie und Enthusiasmus. Und voller Unfallpotenzial.

Leider hat sie sich beim Rumtollen irgendwie die Hinterpfote aufgerissen. Es hat geblutet wie irre und man konnte bis auf den Knoechel sehen. Die Wunde wurde vom Tierarzt gesaeubert und geklammert. Durch die mit inbegriffene Narkose schwebte Arma fuer den Rest des Tages in anderen Sphaeren.

Arma unter Drogeneinfluss.

Nach zwei Wochen Leinen- und Verbandspflicht sollten die Klammern entfernt werden. Leider entfernte Arma sich einen Tag vorher ihren Verband selbst und leckte ein paar Stellen an ihrer Pfote wund. Jetzt sind die Klammern draussen, der Verband bleibt trotzdem noch erhalten.

Arma, Gesichtsausdruck wie ausgestopft.

Jetzt ueberlege ich, ob wir fuer sie eine Unfallversicherung abschliessen sollten. Es scheint ja nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich mal etwas bricht – und dann ist man gleich mehrere Tausender los.

Ich

Ich selbst bin ein wenig schlapp derzeit. Woran es liegt, weiss ich nicht genau.

Folgende Faktoren koennten dazu beitragen:

  • Es ist kalt und mein Koerper ist im Winterschlaf.
  • Mein Immunsystem kaempft insgeheim gegen eine Erkaeltung an.
  • Der Fakt, dass meine Arbeitsstunden erhoeht wurden und ich jetzt eine 44 h Arbeitswoche habe, schlaegt mir aufs Gemuet.
  • Ausser verlaengerten Wochenenden habe ich meinen letzten Urlaub im Oktober 2019 gehabt.
  • Coronamuedigkeit, wir kennen es alle.

Was mir gegen den letzten Punkt hilft, ist meine Kreativitaet in Punkto Maske auszuleben.

Ich im Buero, mit Ganzkopfmaske.

Bei den vorherrschenden Temperaturen muss man draussen eh eine Maske tragen um die Atemwege vor der Kaelte zu schuetzen, Virus hin oder her.

Ich, frostig.

Ausserdem habe ich es geschafft, einen Platz in einem oertlichen Toepferkurs zu ergattern! Zwei Stunden hatten wir schon, natuerlich mit Maske und Abstand. In der ersten Stunde haben wir uns an der Toepferscheibe versucht und in der zweiten Stunde dann die Resultate verfeinert und noch ein wenig mehr getoepfert.

Toepferei, Woche 1.
Die gleichen Schalen nach Woche 2, jetzt warten sie auf das erste Feuern.

Jetzt warte ich auf noch laengere Tage und waermeres Wetter. Dann werde ich mich versuchen, davonzustehlen von beiden Jobs und Ski zu laufen. Irgendwo ausserhalb jeglichen Empfangs. Denn ich weiss, dass mir das unheimlich hilft, gegen die Schlappheit oder gegen das Gefuehl, in einem Hamsterrad zu leben. Bewegung in der Natur, nur fuer mich allein. Dann fliessen meine Gedanken, Bewegung kommt in das eigene System und in die Glaubenssaetze, die man fuer sich so geschrieben hat und ich fuehle mich ganz frei.

Frei wie die Skilanglaufspur auf diesem Bergruecken.

Tja und bis das soweit ist, gebe ich mich einfach der Schlappheit und der Kaelte ein wenig hin und mach es mir mit einem Tee und der Waermflasche auf dem Sofa gemuetlich, nur um anschliessend ins Bett zu wandern.

Bleibt warm! 🙂

Zwischen den Jahren

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. One for the books – Eins fuer die Geschichtsbuecher, merkte meine Freundin an. Viele Plaene hat es durchkreuzt, aber doch auch viele Chancen gegeben, Chancen sich selbst nochmal neu kennenzulernen und auszurichten. Sich zu ueberlegen, was wirklich wichtig ist im Leben. Ob man vielleicht etwas anders ausrichten sollte.

Mein 2020 fing sehr hoffnungsvoll an. Ich wollte einen Marathon laufen, das Feld bestellen und Huehner halten. Das mit den Huehnern hat geklappt und macht mir nach wie vor viel Freude. Das Feld ist nicht bestellt, aber schon gut vorbereitet fuer 2021. Einen Marathon bin ich dieses Jahr nicht gelaufen, dafuer insgesamt ueber 1000 km. Kleinvieh macht auch Mist. Wenn man gelaufene, geradelte und Ski gelaufene Kilometer zusammenzaehlt, komme ich sogar auf ueber 2000 km und 255 Stunden Ausdauersport. So aktiv war ich noch nie, trotzdem fuehle ich mich selbst nicht sportlich. Vielleicht liegt das daran, dass ich in meiner Kindheit und Jugend so sehr unsportlich war. Oder kann man in das sportliche Gefuehl noch reinwachsen?

Auch gab es viel Streit in meiner Ehe in 2020. Wie geht man mit der Pandemie um, wer erledigt welche Arbeiten, wie soll die Zukunft aussehen? Was fuer ein Kraftakt! Doch wenn was schwelt, soll es auch rausgelassen werden. Und in den letzten Wochen haben wir wieder einen guten Weg miteinander gefunden. Mir ist klar geworden, dass das ein Muster ist in meinem Leben, das ich gern ablegen wuerde. In einer Beziehung bin ich in den ersten Jahren oft zu angepasst, beziehungsweise so verliebt, dass ich meine eigenen Beduerfnisse fast vergesse. Dann wache ich auf nach ein paar Jahren, schaue mich um und bemerke, dass mir der Schuh nicht passt. Da ich nicht sehr (bzw. ueberhaupt nicht) diplomatisch bin, bedeutet das dann schnell Kopf durch die Wand und Eskalation. In der Hinsicht moechte ich gern an mir arbeiten. Lernen, in jeder Situation bei mir zu bleiben, meine Beduerfnisse zu kennen und zu kommunizieren. Ansonsten trag ich das noch ein ganzes Leben mit mir rum!

Daraus leitet sich mein Wunsch fuer 2021 ab. Ich moechte ganz bei mir bleiben, dabei aber offen und flexibel fuer alle Chancen, die sich bieten. Nachdem sich 2020 fuer mich oft nach Stillstand und Ausharren angefuehlt hat, wird 2021 vielleicht wild und voller Umbrueche. Ausserdem moechte ich gerne Kunst schaffen. Manchmal habe ich das Gefuehl, dass ich ein Kuenstler bin, der im Ingenieurskoerper gefangen ist. Und 2021 moechte ich einen Kanal finden, mich auszudruecken. Etwas zu schaffen, das es vorher in dieser Welt noch nicht gab. Wie genau das aussehen wird, weiss ich noch nicht. Toepfern wuerde ich gern mal ausprobieren. Und einen eigenen, kreativen Raum haette ich gern. Ein Leinenzelt im Feld. Wo nicht, wie in unserem Haus, alles praktisch sein muss. Sondern wo ich mich mit Farben und Formen umgeben kann, die mir gerade besonders gefallen.

Weiterhin moechte ich immer noch einen Marathon laufen. Und das Feld bestellen!

Kommen wir zu meinem Bild des Jahres.

Junghenne Icicle nach ihrem ersten Sprung auf meine Schulter.

Definitiv ein Huehnerbild. Die lieben Huehner haben mir so viel Freude bereitet in einem Jahr, das manchmal schwierig war. Dafuer bin ich sehr dankbar!

Die Sprungfreude der Huehner ist auch weiterhin gegeben.

Leider ist gestern ein Huhn ploetzlich gestorben. Das hat mich traurig gemacht. Henne Moonlight, mit der ich ein ambivalentes Verhaeltnis hatte, gibt es nicht mehr. Sie hatte keine Wunden, Parasiten oder sonst etwas, was ihren Tod haette erklaeren koennen. Genuegend Futter und frisches Wasser ist natuerlich vorhanden. Und Krankheitsanzeichen hatte sie auch nicht, sie war munter wie die anderen.

Machs gut, Moonlight, du huebscheste Henne!

Ich habe mit anderen Huehnerbesitzern gesprochen und auch im Internet gesucht. Aber anscheinend kommt es hin und wieder vor, dass ein sonst gesundes Huhn ploetzlich stirbt. Manche Huehner erleiden einen Herzinfarkt oder bei manchen Hennen bleibt ein Ei stecken. Und dann war’s das.

Dem Tod von Moonlight sind ein paar Unruhen in der Huehnerschar vorausgegangen. Zunaechst gab es Anzeichen, dass Brave und Warrior von anderen Huehnern angepickt wurden. An den Huehnerhaelsen fehlten ein paar Federn, Ersatz wuchs aber schon wieder nach. Erstaunt war ich vor allem bei Warrior, ist sie doch die beste Freundin von Moonlight, die normalerweise andere Huehner piesackt. Brave und Warrior habe ich dann mit einem bitteren Anti-Pick-Spray behandelt, woraufhin keine weiteren Federn abhanden gekommen sind. Doch nachts, wenn normalerweise Moonlight alleine auf einer Seite des Stalls schlief, manchmal gemeinsam mit Warrior, da hatte sich das Blatt gewendet. Ploetzlich schlief Warrior allein und Moonlight schlief zusammen mit den anderen Huehnern und Hahn Daisy auf der anderen Seite. Und dann war Moonlight tot.

Bei dem stark ausgepraegten Sozialgefuege habe ich mich schon gefragt, ob Warriors fehlende Federn und ploetzliches Allein-Schlafen im Stall daher kommt, dass Moonlight sie ausgestossen hat, um wieder bei den restlichen Huehnern anzubaendeln. Und dann Moonlights ploetzlicher Tod. Aber wie gesagt, ein Huehnermord mit den ueblichen Waffen konnte ausgeschlossen werden.

Als ich am Abend aufschreiben wollte, wofuer ich an dem Tag dankbar bin, musste ich trotzdem nicht lang ueberlegen. Ich war dankbar, noch acht gesunde Huehner zu haben. Und dafuer, dass ich Ski laufen war. Dass mein Koerper dazu faehig ist, dass ich die Zeit und das Geld dafuer habe und dass ich inmitten einer wunderschoenen Landschaft leben darf.

Boreale Nadelbaeumchen, Loipe und Schnee.
Abfahrt in das zugefrorene Sumpfgebiet.
Im Sommer wuerde man hier im Morast versinken, im Winter gleitet man obenauf.
Die Sonne versinkt hinter den Bergen.

Vor allem versuche ich zu dieser Zeit die kurzen Tage und langen Naechte zu geniessen. Die ausgedehnten, dramatischen Sonnenauf- und -untergaenge. Das Alpengluehen. Den Sternenhimmel.

Gluehende Bergspitzen am Mittwintermorgen.
Schneelandschaft zur blauen Stunde.
Die Magie des ersten Sonnenlichts.
Schneebaeume vor Goldsonne hinter Winterberg.

Die Zeit um die Wintersonnenwende stimmt mich hier im Norden sehr besinnlich. Aehnlich muessen es unsere Ahnen erlebt haben, die noch verbundener und abhaengiger von der Natur und ihren Jahreszeiten waren. Die langen Naechte, eine wertvolle Gelegenheit zum Innehalten, zur Besinnung. Und auch zum Dankbarsein, zum Schenken. Die Weih-Nacht.

Wie schon die letzten vier Jahre hier hatten wir an Heiligabend ein Lagerfeuer zum Wuerstegrillen. Anschliessend gab es dann ebendiese Wuerste samt Kartoffelsalat zum Abendessen, dann jedoch im Haus.

Tyrel und das Tonnenfeuer.
Auf meiner heissen Schokolade schwimmen Marshmallows… Mhhh…

Am ersten Weihnachtsfeiertag besuchten wir unsere Freunde James und Joe. Danach war Ausspannen angesagt.

Ich habe ganz viele liebe Weihnachtsemails bekommen, denen ich noch Antworten schuldig bin. Doch ich beantworte schonmal die beiden meistgestellten Fragen. Ja ich hatte ein schoenes Weihnachtsfest. Nein, das Paket ist noch nicht angekommen, die kanadische Post ist extra schnarchnasig dieses Jahr. Dafuer kommt es bestimmt puenktlich zu meinem Geburtstag – ich melde mich spaetestens, wenn es da ist. 🙂

Vielen Dank fuer ein weiteres Jahr, in dem ihr euch fuer das interessiert, was ich schreibe. Danke fuer die vielen Kommentare, lieben Worte, Witze und guten Ideen! Ich hoffe auch ihr konntet einen Sinn in eurem Jahr 2020 sehen und habt gute Wuensche fuer 2021.

Alles Liebe und einen guten Rutsch,

Luisa

Huehner und Landschaft 2

Seit dem letzten Beitrag ist nichts Aufregendes passiert. Also folgen mehr Bilder von Huehnern und Landschaft, denn daraus besteht das Fotoalbum meines Smartphones.

Fangen wir an mit Huehnern.

Habe ich eigentlich schon einmal alle Huehner vorgestellt hier auf diesem Blog? Ich befuerchte strukturiert ist das noch nicht geschehen bislang.

Ameraucana Henne Icicle blickt zweifelnd.

Icicle ist das Huhn, welches am meisten menschenbezogen ist. Sie kommt gern kuscheln, fliegt auf Schultern und ist im Allgemeinen ein spezieller Charakter. Oft ist ihr Bart verklebt, weil sie sich tollpatschig beim Fressen und Trinken anstellt. In der Hackordnung ist sie eins der letzten Glieder. Einfach, weil sie sich oft nicht an Huehnerregeln haelt und dann von anderen zurechtgewiesen wird um aus deren Sicht die Sicherheit der Gruppe nicht zu gefaehrden. Icicle hat zwei Namen von ihrer Aufzuchtfamilie bekommen, der zweite lautet Ciel.

Orpington Henne Brave schaut psychotisch.

Brave ist wahrscheinlich meine Lieblingshenne, obwohl ich sie alle gern mag. Aber ihr unglaublich irrer Blick, gepaart mit der fuer mich perfekten Huehnerform mit kurzen Beinen und buschigem Hintern. Auch Brave ist menschenfreundlich. Vor allem aber liebt sie Futter. Konflikten geht sie meist aus dem Weg. Dadurch, dass sie so massig ist, wird sie aber auch selten zurechtgewiesen von anderen Huehnern. Im Sommer hat sie sich lieber streicheln lassen als im Winter. Es bleibt abzuwarten, ob sie im naechsten Sommer wieder zutraulicher wird, oder sich mittlerweile einfach zu erwachsen dafuer fuehlt.

Orpington Henne Moonlight schaut wachsam.

Moonlight hat durch ihr tolles Federkleid gute Showqualitaeten und koennte vielleicht einen Huehnerpokal gewinnen. Doch Huehnerausstellungen finden hier erstens nicht statt und zweitens wuesste ich auch nicht, ob sie daran Freude haben wuerde. Moonlight sieht es als ihre Aufgabe an, andere Huehner zurechtzuweisen und auch mal zu hacken, wenn sie die ungeschriebenen und fuer mich nicht immer ersichtlichen Regeln in Gefahr sieht.

Eine Zeit lang, vor ein paar Monaten, hackte sie auch mich, wenn ich ihr zu nah kam. Das fand ich nicht okay. Wenn das passiert ist, habe ich sie weggeschubst um ihr zu zeigen, dass ich die Autoritaet habe und mich ihrer Ordnung nicht unterwerfe. Das wiederum fand Hahn Daisy nicht lustig, der angerannt kam um mir zu zeigen, dass das hier seine Huehner sind und ich nichts zu melden habe. Allerdings hat mich Daisy nie gehackt oder sonst irgendwie attackiert. Er stolzierte nur neben mir her und rempelte mich ein wenig von der Seite an. Nach ein paar Hack- und Schubswechseln zwischen Moonlight und mir sind die Fronten anscheinend geklaert und es gab schon lange keine Auseinandersetzung mehr.

Ist das eigentlich gaengige Praxis, Huehner zu schubsen, um ihnen Benehmen beizubringen?

Lange Zeit dachte ich, dass Moonlight an der Spitze der Hennenhackordnung steht, da sie die Henne ist, die mit Abstand am meisten massregelt. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher. Oft schlaeft sie alleine in der rechten Seite des Huehnerstalls, waehrend alle anderen Huehner auf der linken Seite schlafen. Und morgens, wenn die anderen schon laengst im Auslauf sind, bleibt sie haeufig noch fuer einige Zeit alleine im Stall zurueck. Vielleicht geniesst sie aber auch nur ihre Zeit fuer sich.

Australorp Henne Coco schaut abwaegend.

Coco, die Ei-Pionierin, die das erste Ei legte! Coco ist fasziniert von Menschen und kommt gern nah. Allerdings ist sie nicht an Streicheleinheiten interessiert, sondern untersucht gern alles mit ihrem Schnabel. Ringe, Haare, Faeden, Ohrlaeppchen, eigentlich alles, was anders ist, wird pickend von ihr untersucht. Oft pickt sie auch das Eis und die Verfilzungen aus Icicles Federbart. Ihr Buerzel, also dort wo man einen Sattel auflegen wuerde, ist oft wenig befedert. Vielleicht, weil sie von Hahn Daisy haeufig beglueckt wird? Sie scheint immer guter Dinge zu sein.

Orpington Henne Flurry schaut etwas melancholisch.

Henne Flurry hat herzige braune Augen, ist jedoch eher menschenscheu. Sie ist eine lavender Orpington Henne und hat leider den Fehler geerbt, der haeufig bei lavender Orpington vorkommt: Ihre Federn, vor allem am Buerzel und Schwanz, sehen immer zerzaust aus. Flurry ist die einzige Henne, die ihren Kamm modisch nach links haengend traegt. Ausserdem ist Flurry eine von zwei Freundinnen von Moonlight.

Flurrys ausgefranzter Poppes im Detail.
Australorp Henne Warrior schaut muerrisch.

Warrior ist die zweite Freundin von Moonlight und schlaeft auch nachts manchmal neben ihr auf der Stange. Sie hat den einbeinigen Flamingostand perfektioniert und ist im Winter oft in dieser Pose vorzufinden. Genau wie Flurry und Moonlight ist auch Warrior eher zurueckhaltend Menschen gegenueber. Warrior war nach Coco die zweite Henne, die ein Ei gelegt hat. Dementsprechend waren ihr Kamm und ihre Kehllappen schon relativ frueh gross und rot. So konnte ich Warrior immer gut von Maple unterscheiden, deren Kamm und Kehllappen lange klein und farblos waren. Mittlerweile sind die optischen Unterschiede gering. Meist kann ich vom Charakter beurteilen, welches Huhn ich vor mir habe. Nur wenn sie still halten, wie in der Flamingo Pose, kann ich sehen, dass Warriors Kamm etwas kleiner ist und die mittleren Spitzen enger zusammen stehen als bei Maple.

Australorp Henne Maple schaut pikiert.

Maple ist sehr mutig und oft die Erste, die Neues ausprobiert. Sie ist als erstes nach dem Umzug aus dem Stall ins Freie gehuepft. Morgens ist sie meist die Erste, die schon vor Sonnenaufgang in den Auslauf geht und dort fleissig die von mir verstreuten Koerner aufpickt. Sie laesst sich zwar nicht gern streicheln, ist aber neugierig und menschenbezogen. Maple ist das einzige Huhn der grossen Rassen (Australorp und Orpington), das auf Menschenschultern und -ruecken fliegt. Die anderen Huehner machen das nicht mehr, seit sie gross, schwer und erwachsen sind. Maple ist staendig in Bewegung, daher sind alle aktuellen Bilder, die ich von ihr habe, unscharf oder verwackelt. Doch das ist eh der Standard bei meinen Huehnerbildern. Circa 90% der Bilder, die ich von ihnen schiesse, sind unscharf. Wahrscheinlich ist auch nicht zutraeglich, dass ich die Bilder mit meinem Handy mache, aber meist klappt es ja doch.

Ameraucana Henne Shadow schaut, als ob sie etwas plant.

Genau wie Icicle ist auch Shadow ein Ameraucana Huhn und wird eines Tages gruen-blaue Eier legen. Bislang ist das nocht nicht geschehen. Aber Shadow hat im Gegensatz zu Icicle schon einen tiefroten, ausgepraegten Kamm, was auf Reife hinweist. Shadow liebt es, genau wie Icicle und Maple, auf Personen oder hoehergelegte Objekte zu fliegen. Verkuschelt ist sie allerdings weniger. Wenn ein Huhn Futter am Schnabel oder am Kopf kleben hat, hilft Shadow sehr gern bei der Hygiene. Allerdings ist sie dabei nicht besonders zaertlich und das zu reinigende Huhn, oder auch Daisy, suchen schnell das Weite.

Australorp Hahn Daisy schaut stoisch.

Daisy ist ein toller Hahn. Er war und ist nie aggressiv gegenueber Huhn oder Mensch, er beschuetzt seine Hennen, ruft sie zu guten Futterstellen und laesst ihnen den Vortritt. Vor seiner Pubertaet war er auch kuschlig und liebte es, unter den Fluegeln gestreichelt zu werden. Das ist nicht mehr der Fall, dazu nimmt er seinen Hahnenjob wohl zu ernst. Wie auch Warrior ist Daisy in der Lage, auf einem Bein zu balancieren und nach Koernern zu picken. Ich bin wirklich froh mit meiner Hahnenwahl, Daisy ist ein echter Gentleman.

Jetzt wuerde ich euch gerne noch meine 36 anderen Huehner vorstellen. Dabei gibt es nur ein Problem: Ich habe sie noch nicht! 🙂 In 2021 wuerde ich wirklich gern meine Huehnerschar vergroessern. Allerdings braeuchte ich dazu einen groesseren Stall fuer den Winter. Und ob der dann noch transportabel ist, ist die Frage. Denn irgendwann werden wir wieder umziehen muessen. Ich ueberlege noch und kratze meinen Kopf ganz fleissig, wie sich dieses Problem elegant loesen laesst.

Fuer alle, die sich bis hierher tapfer durchgelesen haben, gibt es zur Belohnung Winterbilder.

Huehnerstall vor Morgenrot.
Fliegender Hund auf geraeumter Strasse.
Zaun, Feld, Berg.
Fast unberuehrter Schnee und ein Flugzeug am Himmel!
Schneehund bittet um Stockwurf.
Letztes Tageslicht.

Wenn die Temperaturen deutlich unter -15 °C sinken, finde ich manche Eier durchgefroren mit gerissener Schale vor, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Das finde ich schade. Aber Arma freut sich. Ueber Nacht taue ich die Fehleier auf und morgens freut sich Arma ueber etwas extra Eiweiss. Ich freue mich auch, immerhin wird so nichts vergeudet.

Arma wartet auf die Fresserlaubnis, waehrend Schnee auf ihrer Schnauze schmilzt.
Das Ei ist innerhalb von ein paar Sekunden aufgeschlabbert.

Aber auch die Huehner gehen nicht leer aus. Auf der Arbeit brachte mir ein Mechaniker eine Box voller abgelaufener Flugzeug-Notfallrationen in mein Buero mit den Worten „Als ich Huehner hatte, haben die das Zeug geliebt!“. Dankend habe ich also angenommen. Dass jemand an meine Huehner denkt, macht mich gluecklich.

Ein Block Notfallration enthaelt 2400 Kilokalorien. Jede ueberlebende Person darf einen Riegel a 200 Kilokalorien alle sechs Stunden essen.
Was mich ueberrascht hat, waren die Trinkanweisungen. Die ersten 24 Stunden soll man gar nichts trinken und danach einen halben Liter Wasser pro Tag. Wie soll man denn dann die vier trockenen Riegel runterwuergen?

Dass deutsche Flugzeuge solche Notfallrationen an Bord haben, bezweifle ich. In Kanada ist es vorgeschrieben, wenn man weite Strecken ueber unbewohnte Gebiete fliegt, aber ob die Definition auf Europa zutreffen kann?

Henne Icicle begutachtet eine noch eingeschweisste Ration.

Die Huehner durften testen. Ausnahmsweise wollte ich mal aus meiner Hand fuettern um zu sehen, ob die Notfallrationen wirklich so gut ankommen.

Icicle, Coco und Brave stuerzten sich gleich auf die Leckerei.
Kurz darauf gesellen sich Maple und Flurry dazu.

Fazit: Huehner gluecklich und satt, abgelaufene Nahrung wird verwertet, alle sind gluecklich.

Das Laecheln ist etwas eingefroren nach meiner Skitour zur Arbeit, aber es ist da!

Lasst es euch gut gehen!

Huehner und Landschaft

Meine Oma hat mir gesagt, dass sie jetzt auch meine Blog-Bilder im Internet sehen kann. Das nehme ich doch gleich zum Anlass, neue Bilder hochzuladen.

Viel Neues zu erzaehlen gibt’s nicht. Ich fahre Ski und verbringe gern Zeit mit den Huehnern.

Fangen wir also mit den Huehnerbildern an.

Vier Hennen auf der Stange. Von links nach rechts: Icicle, Flurry, Moonlight, Coco.
Morgensport muss sein: Icicle streckt das rechte Beinchen samt Fluegel.
Hahn Daisy beaeugt Apfelspalten.
Der Kopf von Henne Icicle geht nahtlos in den Koerper ueber – ein Hals scheint nicht vorhanden.
Henne Brave hat in meinen Augen den perfekte Huehnerkoerper. Buschiger Hintern, kurze Beinchen, irrer Blick!
Apropos irrer Blick: Icicle streckt den nicht vorhandenen Hals und starrt.
In Grautoenen und schwarz-gruen schimmern die Federn.
Huehnerfarbenpalette und Bernsteinaugen.

Soweit zu den Huehnern. Bislang scheinen sie die Kaelte gut zu ueberstehen und legen sogar noch Eier. Alle Nachbarshuehner, die unter natuerlichen Winterbedingungen hausen (keine kuenstliche Beleuchtung und keine Beheizung), legen seit Wochen keine Eier mehr. Das sei ihnen gegoennt, im Fruehling geht es dafuer wieder voll los. Im Gegensatz zu den Industriehuehnern legen die natuerlich gehaltenen Huehner der alten Rassen dann auch ca. acht Jahre lang Eier statt nur zwei Jahre der Hoechstproduktion.

Ski fahren macht weiterhin viel Spass. Ich falle noch regelmaessig, vor allem wenn es bergab geht. Aber solange ich einmal mehr aufstehe, als ich hinfalle, passt es schon. Ganz ohne Motorenlaerm, abseits der festgetrampelten Pfade, erlebe ich diesen Winter bislang ganz intensiv.

Nebensonnenuntergang.
Ausblick ueber frostige Nadelbaeume.
Die Abendsonne leuchtet mir heim.
Abendstimmung in den Bergen.
Der letzte Gruss der Sonne.
Scherenschnitt-Baeume vor farbigen Wolken.
Meine Lieblingswinterabendfarbe: Terracotta.
Strahlender Sonnenschein ueber Glitzerschnee.

So, jetzt muss ich wieder Bilder sammeln gehen. 🙂

Wobei sich das als schwierig gestalten duerfte, denn im Dezember arbeite ich auch samstags. Der Fleischer braucht gute Wuerste und Pasteten fuer kauflustige Weihnachtsfeinschmecker. Aber vielleicht ziehe ich dafuer einfach mal in der Mittagspause los – das wenige Sonnenlicht, das mir im Dezember zur Verfuegung steht, moechte schliesslich genutzt werden!

Habt einen schoenen Dezember. Egal wie nervig manche Umstaende sein moegen: Jeder Tag ist einzigartig. Die Sonne wird nie wieder auf die gleiche Art auf- und untergehen. Wir werden nie wieder die gleiche Gesellschaft um uns haben auf die gleiche Weise. Alles veraendert sich. Daher lohnt es sich, dankbar zu sein. Jeden Tag. Denn irgendwas findet man immer, wenn man sucht.

Mit hat dieser Gedankengang in den letzten Wochen sehr geholfen, daher wollte ich ihn gern teilen. 🙂

Weiterhin weiss.

Was macht man mit zehn zahmen Ziegen?

Natuerlich – man laesst sie zehn Zentner Zucker zum Zoo ziehen, redet drueber, verbessert dabei die eigene Aussprache und macht Logopaeden gluecklich.

Was macht man aber mit nur einer zahmen Ziege?

Man laesst sie einen anderthalb Zentner Anfaengerskier in die Boeschung ziehen.

Ziehende Ziege, zieht wohin sie will.
Oftmals landet der Ziegen-Skijoring-Versuch mit dem Sieg der Gravitation ueber meine fragile Balance. Die Empathiefaehigkeit der Ziege scheint trotz Zahmheit begrenzt.

Nach Muskelkater vom Lachen und blauen Flecken steht fuer mich fest, dass ich ohne Zugziege doch etwas sicherer auf meinen Fussbrettern dahingleite.

Ski allein under the power line.

Ansonsten ist es derzeit nicht mehr ganz so kalt, die Minusgrade sind nur noch einstellig. Fuehlt sich fruehlinghaft an, laesst den Schnee aber genauso teilnahmslos weiterliegen wie bisher.

Winterpanorama
Der breite Fluss (links im Bild) ist fast gaenzlich zugefroren.
Schnee auf Zweig vor noch mehr Schnee.
Ein Schneehund – Arma liebt es weiterhin, unter der Schneedecke nach Stoeckern zu stoebern.

Habt eine gute Woche!

Ganz viel Schnee

Jetzt hab ich Skis und langsam hab ich auch den Dreh raus, wie man sich darauf fortbewegt. Nebenwirkung: Muskelkater an exotischen Stellen meines Körpers.

Ich, balanciere auf Skis.
Vorwärtslehnen ist beim Langlauf angeblich Pflicht.

Ansonsten lag schon viel Schnee, es kam aber noch ein Blizzard oben drauf. Sehr ungewöhnlich für diese Gegend, die doch eher für ihre TROCKENE KÄLTE berühmt ist.

Viele Sachen sind eher doof mit so viel Schnee. Zur Arbeit fahren, den Hühnern Wasser geben oder auf den Donnerbalken laufen in etwa. Aber es gibt auch einen Vorteil, auf den ich mich hier konzentrieren möchte: Es herrscht Postkartenwetter.

Weißer Himmel, weißer Boden.
Schneestapel auf Holzstapel.
Schneebaumsilhouetten im Gegenlicht.
Kalte Schnauze, ohne Keks und Schoko, mit Eis und Hund.
Sun Dog, zu deutsch Nebensonnen. Eine schöne Himmelserscheinung, durch Eiskristalle hervorgerufen.

Habt eine gute Woche!

Jahreszeitenwechsel

Im deutschsprachigen Internet kursieren derzeit die schönsten Herbstbilder. Da möchte ich natürlich mithalten.

Es folgen einige Bilder von meiner Jahreszeit im Yukon.

Mitte Oktober, ich habe die Eingebung,dass der Winter jeden Moment über mir und vor allem den Hühnern zusammenbricht. Also baue ich einen Hühnerauslauf, der im nächsten Sommer als Gewächshaus dienen kann.

Tyrel kann meine Panik nicht verstehen, hilft mir aber nach Fertigstellung, den Hühner-Wintergarten an den rechtmäßigen Platz zu hieven.

Die ersten Schneeflocken fielen auf den Hühner-Wintergarten gleich in der ersten Nacht.

Seitdem ist es kalt. Und das durchgehend, abgesehen von zwei Tagen mit starkem Sturm aus Süden.

Die Winterboten sind nicht zu übersehen. Pinke Berge am Morgen, dramatische Sonnenuntergänge. Eisschollen, die den Fluss hinuntertreiben. Vereiste Wimpern nach einer Radtour.

Die Hühner lieben ihren Auslauf. Von Schnee halten sie eher wenig. Daher streue ich ihnen jeden Morgen ein paar Leckereien auf den strohbedeckten Boden. Körner und Samen, Mais und Rosinen müssen eifrig erscharrt werden. Oft gibt es dazu noch frisches Obst und Gemüse. Für kalte Tage habe ich selbst Kraftfutter hergestellt aus dem Scharrfutter und Fett aus ausgekochten Rinderknochen aus der Fleischerei.

Bislang scheinen meine fedrigen Freunde auch mit Temperaturen bis zu -23 °C ohne Heizung gut auszukommen. Alle haben ihre dicken Daunenjacken an und kuscheln nachts – das scheint ihr Geheimnis zu sein.

Seitdem das erste Ei gelegt wurde, gab es insgesamt nur drei eierlose Tage. An alles anderen Tagen fand ich ein bis drei Eier im Hühnerhaus. Noch legen nicht alle Hennen. Ich bin schon gespannt, wann ich das erste grün-blaue Ameraucana-Ei finden werde.

Arma scheint der Wintereinbruch genauso wenig auszumachen wie letztes Jahr. Und ich spezialisiere mich immer noch auf lustige Bilder von ihr.

Arma-Derp vor malerischer Winterlandschaft.

In den letzten Tagen ist viel Schnee gefallen, ca. 20 cm. Zum Fleischer bin ich trotzdem zur Arbeit geradelt. Es ist der einzige Weg, der mit 6,4 km genau richtig zum radeln ist. Im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Wegen im Yukon, für die man meist erst das Auto anwerfen muss. Daher weigere ich mich bisher standhaft, die Strecke das erste Mal mit dem Auto zu fahren.

Doch ich muss einsehen, dass es bei den Straßenbedingungen hier im Winter außerhalb der Stadt zu gefährlich ist, sich mit Autos und LKW die Straße zu teilen.

Also was tun?

Ich habe mir heute mein erstes Paar Langlauf Ski gekauft. Morgen werde ich die ersten Schritte darauf laufen. Und hoffentlich kann ich kommenden Freitag zum ersten Mal zur Arbeit Ski laufen.

Ski Heil!

Schneebehangene, boreale Nadelbäume.

Zu Hause

Ja, das Virus ist mittlerweile auch im Yukon angkommen. Bislang wurden vier Personen positiv getestet, doch die Auswirkungen haben wir schon deutlich vorher gespürt.

So ist das wohl in den Gebieten, die vom Touristenaufkommen abhängig sind. Quarantäne = keine Reisenden = kein Einkommen = Laden dicht. Tyrel ist schon knapp zwei Wochen arbeitslos. Ich arbeite noch, wohl wissend, dass Fluggesellschaften drastisch Personal einsparen müssen um zu überleben. Bislang trifft es die Arbeiter, die offensichtlich nichts mehr zu tun haben, da kaum noch Flüge durchgeführt werden und die Prognosen täglich schlechter werden. Ich hätte noch Arbeit um mich eine ganze Zeit damit zu beschäftigen. Aber wenn ich Direktor wäre, würde ich mich einsparen wenn es ums Überleben der Firma geht? Zu einer eindeutigen Antwort komme ich nicht.

Naja, es kommt ja eh wie es kommt. Solange wie ich kann, laufe ich eine Runde mit Arma zum Sonnenaufgang, schmeiße den Computer an inklusive mobilem Internet und arbeite.

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Dramatische Farben zur Morgendämmerung.

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Photovoltaikpaneele sorgen für austeichend Strom zur Tageszeit.

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Klapptisch, Klappstuhl, Klappcomputer, klappt alles.

Endlich beantwortet auch das Universum meine Frage, wie um Himmels Willen ich denn das mörderische Programm stemmen soll, das ich mir für dieses Frühjahr vorgenommen habe. Laufen ohne Ende, das Feld bereiten, Büsche und Bäume pflanzen, Hühnerstall bauen, Hühner aufziehen, noch mehr laufen. Das scheint plötzlich nach tollen Projekten und nicht mehr nach Aufgabe der kompletten freien Nicht-Arbeitszeit.

Egal wie sich die Situation entwickelt, jedenfalls wird mir erstmal nicht langweilig. Und jeden Tag aufs Neue bin ich unendlich dankbar dafür, dass wir in unserem kleinen Häuschen leben. Würden wir noch im alten Haus leben, hätten wir jetzt arge Existenzsorgen.

Also: Man darf ruhig auch mal auf seine scheinbar irren Eingebungen hören!

Diese Woche stehen noch 11 km auf der Laufagenda. Da schnüre ich doch gleich meine Laufschuhe. Egal ob mein Lauf abgesagt wird oder nicht, ich freue mich schon darauf, Ende Juni meinen Marathon zu laufen. Ohne andere Teilnehmer hätte ich auch echte Chancen aufs Siegertreppchen!

Passt auf euch auf! 🙂