Winter

Update in Bildern

Ich habe mir sagen lassen, dass sie manch einer derzeit vermisst, die stimmungsvollen Schneelandschaften. Ausserdem scheint Huendin Arma ein paar Freunde im Internet zu haben, die gern nach ihr fragen.

Da ich gerne teile, hier ein paar Bilder aus meinen letzten Wochen.

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Schneelandschaft im Oktober: Noch taut es ab und an.

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Arma: Eine unscharfe Schnauze und ein wachsamer Blick.

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Auch bei -15 Grad scheint Arma das Plantschen im Fluss noch Spass zu machen.

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Eine Wapitihirschdame mit modischem Peilsenderhalsband posiert im Strassengraben.

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Bei -25 Grad versuchen Tyrel und Arma einen Biberdamm zu demontieren. Doch trotz Kettensaege und Axt nimmt der Biberdamm keinen Schaden.

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Arma haelt sich mit Spruengen im Wasser bei -25 Grad warm.

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Aus einem nassen Hund wird schnell ein gefrorener Hund. Zum Glueck steht das Auto nicht weit entfernt.

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Wapitihirschemode: Der Hintern wird dezent betont durch helle Kreise.

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Armas Kopf. Tyrel findet, hier sieht sie aus wie ein Containerschiff.

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Eine kleine Wanderung bringt uns zu einem zugefrorenem See in der Nachbarschaft.

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Wer im Schnee schnueffelt, bekommt schnell einen frostigen Bart.

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Arma im sportlichen Geschirr wird von den ersten Sonnenstrahlen des Tages angestrahlt und wirkt sehr orange.

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Auf einem unserer Laeufe entdecken Arma und ich einen schoenen Aussichtsplatz mit Liegestuehlen zum Sonnenaufgang.

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Der Winter zaubert mir weissen Frostmascara und laesst meine Haare vorzeitig ergrauen.

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Arma und ich staunen ueber ein wunderschoenes Flusstal.

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Arma zeigt mir die Zunge. Sie traegt einen Bootie (Hundeschuh), weil sie sich eine Kralle an der rechten Vorderpfote ein bisschen abgebrochen hat.

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Stimmungsvoller Sonnenaufgang am Haus zur dunklen Jahreszeit.

Frohe Feiertage! 🙂

Gedanken zur dunklen Jahreszeit

Diesen Winter höre ich es besonders häufig: Viele Freunde und Bekannte bekommen ein Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit. Es ist dunkel, wenn man zur Arbeit geht und genauso dunkel, wenn man nach Hause kommt.

Das ist hier auch nicht anders. Nur, dass die Zeit, in der die Sonne über die Berggipfel späht, noch begrenzter ist. An unserem Haus hatten wir heute, am kürzesten Tag des Jahres, ca. 2,5 Stunden Sonne. Dazu kommen natürlich noch mehrere Stunden, in denen es trotzdem hell ist. Je näher man den Polen ist, desto kleinere Kreise dreht die Sonne ja. Egal ob Winter oder Sommer, die Dämmerung und Sonnenauf- und -Untergänge dauern länger.

Auch ich habe in Deutschlang gern über eine saisonale Verstimmung geklagt. Was ich heute rückblickend nicht mehr verstehe: Warum habe ich dann nicht einfach mehr Sonnenlicht getankt?

Heute hat die Sonne nur 2,5 Stunden geschienen bei -17 °C. Aber von der Zeit war ich 1,5 Stunden draußen und bin zusammen mit Arma gelaufen.

Die meisten Menschen müssen arbeiten und sind daher unter der Woche nicht bei Sonnenschein zu Hause. Ich habe den Vorteil, dass ich nur vier lange Schichten in der Woche arbeite und somit jede Woche ein langes Wochenende habe. Aber auch wenn ich arbeite, tanke ich Sonne. In meiner 30-minütigen Mittagspause gehe ich raus und spaziere. Entweder spaziere ich auf einer Straße im Industriegebiet oder im Graben vom Highway. Waldbaden kann man das eher nicht nennen. Aber es hebt die Stimmung gewaltig. Am Anfang bin ich noch oft allein gegangen. Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Arbeitskollegen dazu, die regelmäßig Interesse am Mittagsspaziergang haben. Auch für die Arbeitsmoral ist es gut. Der Nachmittag zieht sich nicht mehr so lang hin, man hat irgendwie mehr Energie.

Jetzt mal weg von der Theorie, hin zur Praxis: Wer kann schon widerstehen rauszugehen, wenn dies der Ausblick vom Küchenfenster ist?

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Hinter dem Fenster: Schnee, Berge und ein magischer Sonnenaufgang.

Auch wenn es etwas frostig war, kommt es doch größtenteils auf die angepasste Bekleidung an.

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Schon früh im Lauf überzieht der Frost Mütze, Wimpern und das Tuch vorm Gesicht.

Arma freut sich, dass sie endlich mal ziehen kann, ohne dass sich jemand beschwert. Und ich freue mich über die Gesellschaft und die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet.

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Der Schnee vor uns glitzert im goldenen Sonnenlicht.

Eigentlich bin ich noch nicht bereit dafür, dass die Tage jetzt wieder länger werden. Nach unserem sehr geschäftigen Sommer dieses Jahr bräuchte ich eigentlich eine ordentliche Polarnacht um Energie zu tanken.

Aber es ist ja wie es ist. Zur Not muss ich mir die Decke über den Kopf ziehen, dann hab ichs auch dunkel.

Jetzt stehen erstmal die Feiertage vor der Tür. Für uns heißt das wie jedes Jahr seit wir hier leben ein Lagerfeuer mit Würstchen rösten am 24. und am 25. Essen und gute Gesellschaft bei unserem Freund James.

Allen Lesern wünsche ich auch schöne Feiertage möglichst ohne Zankereien und Stress. Auf dass wir schöne und lehrreiche Erinnerungen sammeln. Und auf das Leben!

Luisa

Flußtour 2019 – Tag 8

Es ist kalt.
Immer noch und wahrscheinlich fuer die naechsten sechs Monate.

In der Tag schaffen wir es heute zum ersten Mal auf dieser Tour, und früh fertigzumachen. Kein Frühstück, kein Wasser kochen, einfach los.

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Noch vor Sonnenaufgang sitzen wir heute im Boot.

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Langsam weicht die Daemmerung und der blaue Himmel beginnt zu leuchten.

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Die Berge werden durch die tief stehende Sonne in warman Farben angeleuchtet.

Dann gibt mein Handy auf. Meine Finger sind zu kalt um das Ladegerät rauszuholen. Die verbleibende Wärme muss ich mir aufsparen zum Karte aus der Plastikhuelle nehmen, umdrehen und wieder einpacken.

Der Nordwind ist auch heute unser treuer Begleiter.
Es ist Zeit, nach Hause zu kommen.

An einem suedlichen Ufer machen wir kurz Pause. Die Baeume schuetzen uns ein wenig vor dem Wind. Wir werfen Stoeckchen, damit Arma sich beim Hinterherjagen ordentlich aufwaermt. Auch ich laufe in meinem riesigen Winteranzug von A nach B, vom Ufer zum Treibholz, zum Baum und wieder zurueck. Bis ich mich gewappnet fuehle fuer die Weiterfahrt.

Der kalte Nordwind peitscht die Gischt in mein Gesicht, auf die Kleidung und das Boot. Bald ist Boot und Kleidung mit einer Eiskruste ueberzogen. Wahrscheinlich gar nicht so schlecht, denke ich mir. Wenigstens scheint Eis recht winddicht zu sein.

Dann kommen wir an. Weder freue ich mich besonders, noch bin ich traurig. Tyrel zieht los um unseren Truck samt Anhänger vom Grundstück unseres Freundes zu holen.

Wir verbringen einige Zeit organisieren, puzzlen und packen. Als alles gut verstaut ist, fahren wir. Zunächst nur zum örtlichen Lebensmittelgeschäft. Tyrel hat ein Verlangen nach warmer Milch; ich giere nach Kokosnusswasser. Überraschenderweise gibt es das hier sogar zu kaufen. Auf der langen Rückfahrt lasse ich es mir schmecken.

Bei unserer Ankunft stellen wir fest, dass Whitehorse eingeschneit ist. Der ganze Niederschlag vor ein paar Tagen, den wir größtenteils als Regen erlebt haben, fiel hier als Schnee.

Wir liefern Joe samt Boot und Zubehör ab und lassen das Bärenfleisch über Nacht bei unserem Freund James. Morgen werden wir wiederkommen, es portionieren und einfrieren.

In unserem Haus sind es 9 Grad. Vor der Haustür hingegen -10. Heute schlafen wir, ohne ein Lager aufzuschlagen. Doch in den nächsten Tagen steht uns eine Menge Arbeit am Haus bevor. Langsam sollten wir wirklich den Holzofen einbauen. Aber erstmal schlafen wir selig.

Flußtour 2019 – Tag 7

Ich wache auf und es ist Winter.

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Schnee bedeckt den Boden unseres Lagerplatzes. Durch das Morgengrauen wirkt alles blaeulich.

So sehr habe ich diesen Winter heibeigesehnt. Nach unserem verrueckten Sommer, den wir erst mit Bangen vor dem Wetter und dann mit pausenlosem Bauen verbracht haben schien der Winter meine einzige Hoffnung auf Ruhe und Erholung zu sein, auch wenn er zu der Zeit noch ein paar Monate in der Zukunft lag.

Anscheinend freut sich der Winter auch, mich zu sehen. Er umarmt mich herzlich.
Es ist kalt.

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Schneebedeckte Berge spiegeln sich im ruhigen Wasser.

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Zum Teil haengen die Wolken noch sehr tief in den Bergen.

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Das Ufer wird vom noch warmen Wasser noch zu sehr aufgewaermt. Hier bleibt nur wenig Schnee liegen.

Wir packen zusammen. Doch immer wieder muessen wir kurz am Feuer pausieren um unsere Finger wieder aufzuwaermen.

Unerwarteterweise holt Joe auf waehrend wir die letzten Dinge verstauen. Nachdem er ausgiebig von Arma begruesst wurde, waermt auch er seine Finger am Feuer. Er habe es sich ueberlegt und moechte doch zusammen mit uns weiterziehen. Auch die Fahrt nach Hause wird so fuer ihn stark vereinfacht, da er keinen anderen Fahrer organisieren muss, der ihn fuer 2,5 Stunden pro Weg plus Ein- und Ausladen abholen kommt. Wir hatten zwar angeboten, dass wir das trotzdem machen, aber so ist es natuerlich fuer alle einfacher.

Es ist ein langer Tag auf dem Fluss; das Wetter bedeckt aber trocken.
Und so kalt.

Wie in einem Schwarzweißfilm zieht die Landschaft an uns vorbei. Ein unbarmherziger Nordwind peitscht uns entgegen. Auf dem Fluss gibt es kein Entrinnen.

An einer Elchkuh mit Kalb ziehen wir vorbei. Halbherzig rufen wir nach einem maennlichen Gegenpart, das wir schiessen koennten. Doch gleichzeitig wollen wir weiter, immer weiter. Meine Hände und Füße wackeln noch, aber das Gefühl entweicht langsam.

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Arma friert mit uns mit. Ein trockenes Handtuch auf ihr bietet ein bisschen zusaetzlichen Schutz vor dem Wind.

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Der Winter ist bereits da, nur der Fluss muss es noch einsehen und erstarren.

Sollten wir lieber einen Tag laenger lagern und das Wetter abwarten? Doch der Nordwind verspricht kein besseres Wetter. Weiter, einfach weiter.

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Die Sonne steht schon tief am Horizont, als wir noch weiterziehen.

Zeh Kilometer vor dem eigentlich anvisierten Ziel beschliessen wir mit steifen Gliedern und hochgezogenen Schultern, für heute zu lagern. Joe und Tyrel schwingen die Kettensägen, ich mache Feuer mit mitgebrachtem Holz vom letzten Lager und bringe Sachen vom Boot. Dann bereite ich das Essen zu. Heute gibt es eine Reispfanne mit Jambalaya-Gewuerzmischung. Schmeckt so gut und wuerzig!

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Reis, Wuerstchenscheiben, Paprika und viel Gewuerz. Das Essen waermt!

Arma ist aufgedreht, sie war viel zu lange im Boot heute (100 km). Sie wird gefüttert, bespielt, beschmust und zu Bett gebracht.

Morgen wird ein langer Tag. Auch wir sehen zu, dass wir so bald wie moeglich in den Schlafsack schluepfen. Dreimal erinnere ich Tyrel, dass wir so frueh wie moeglich los muessen morgen. Keine Urlaubsroutine, kein ausgedehntes Fruehstueck. Einfach los. Sonst sind wir vor Mitternacht nicht zu Hause.

Tyrel dog

Tyrels Kopflampe und Armas Augen leuchten um die Wette vor dem Lagerfeuer.

Dreimal mache ich die Ansage, dreimal stimmt Tyrel zu. Das sollte reichen. Ich waessere ein letztes Mal fuer heute den Busch und krieche fast schnurrend in meinen fluffigen Schlafsack.

Die mit kochendem Wasser befüllte Wasserflasche, die ich vorhin schon hineingelegt habe, versüßt mir wie jeden Abend die Nachtruhe.

Wohndilemma

Nach knapp drei Jahren ist es schliesslich soweit: Tyrel und ich haben hier wirklich Fuss gefasst, gut bezahlte Vollzeitstellen und endlich endlich endlich alle Kreditkarten abbezahlt.

Dann stellt sich natuerlich die Frage „Und nun?“.

Zur Zeit leben wir zur Miete hier und zahlen ein Heidengeld fuer eine alte Holzhuette ohne Isolierung (20 cm Holzbalken auf 20 cm Holzbalken mit genuegend Stellen, an denen Wespen im Fruehling ins Haus kriechen koennen.

Leider ist das hier der Standard. Die guenstigste Wohnmoeglichkeit ist, sich ein Zimmer zu mieten in einer Wohngemeinschaft. Da zahlt man dann $700 = 463 Euro kalt plus Nebenkosten im Monat. Alles andere, wo man womoeglich sogar einen privaten Eingang plus Klo hat, ist dementsprechend teurer.

Warum das so ist, habe ich lange nicht verstanden. Hier gibt es doch wirklich genuegend Platz, oder? Die Antwort darauf ist, wie so haeufig in Kanada, die Behoerden haben gepennt. Whitehorse hat seit in den letzten 20 Jahren einen grossen Einwohnerzuwachs erfahren. Es wurden jedoch kaum neue Wohnmoeglichkeiten geschaffen. In den letzten Jahren, als die Haus- und Grundstueckspreise schon astronomisch gestiegen waren, wachte die Stadt auf und stampfte ein Neubaugebiet aus dem Wald. Das Problem ist nur, dass dieses Neubaugebiet ausschliesslich grosszuegige, gehobene Einfamilienhaeuser in Holzrahmenbauweise beinhaltet, die nun fuer $600’000 = 400’000 Euro verkauft werden. Und das bei deutlich hoeheren Lebenshaltungskosten, weniger sozialer Absicherung und vergleichbaren Einkommen zu Deutschland.

Das ist der Moment, bei dem man sehnsuechtig an Plattenbau denkt.

Unsere Situation ist nun diese, dass wir nicht laenger zur Miete wohnen wollen, aber gleichzeitig uns nicht leisten koennen, etwas zu kaufen.

Hmmmmm….

In anderen Teilen von Kanada bekommt man Grundstuecke hinterhergeworfen. Ich wuerde jedoch nur sehr schweren Herzens wegziehen. Wenn es wirklich Sinn macht, dann ja. Aber eigentlich… nee.

Was also tun? Sklaven der Bank wollen wir beide nicht sein.

Tyrel findet, wir sollten ein bisschen Geld ansparen und dann ins suedliche, flache Kanada ziehen.

Berge hinter mir zu lassen, wuerde mir wahnsinnig schwer fallen. Und ausserdem, wie sollen wir hier Geld ansparen, wenn wir es zum Fenster heraus werfen mit durch unsere Miete und Nebenkosten?

Und ueberhaupt, was passiert, wenn einer von uns mal laenger krank wird oder seinen Job verliert? Dann rasen wir wieder schnell ins Minus. Nachhaltig ist das nicht.

Ich habe viele Kollegen und Freunde gefragt, wie sie sich hier ein Haus leisten koennen. Die Antwort lauteten entweder „Wir/Unsere Eltern sind schon vor 10 (und mehr) Jahren in den Markt eingestiegen und haben bei Hausverkaeufen viel Geld gemacht.“ oder „Mach dir nicht so viele Gedanken, die Preise steigen doch weiter und in ein paar Jahren kannst du dein Haus dann gewinnbringend verkaufen!“

Aehm, und was ist, wenn die Preise nicht steigen? Mag sein, dass mir mein Masterabschluss in Business hier nicht viel weiterhilft aber diese Wette scheint mir wirklich zu riskant. Eine Hausfinanzierung ist hier mit 5% Eigenbeteiligung moeglich fuer bis zu 20 Jahre Finanzierung. Der Anteil, der dabei an die Bank geht und einfach so verpufft, macht mich ganz schwindelig.

Das heisst also, dass unser erstes Ziel sein sollte, so viel Geld wie moeglich anzusparen. Vor etlichen Jahren schon hat mir Peter Zwegat auf RTL2 erklaert, wie das geht: Einnahmen erhoehen (oft schwierig) oder Ausgaben senken. Und fuer was geben wir bei Weitem am meisten Geld aus? Genau, Miete und Nebenkosten. Aaaaaah!!

Schritt zurueck: Haben wir nicht schonmal diese Kosten gesenkt? Als wir zuerst nach Kanada kamen, haben wir doch auch kostenguenstig gewohnt. Nicht komfortabel und auch im Winter bei zwei Vollzeitstellen nicht durchfuehrbar, aber der winzige Wohnwagenanhaenger hat uns den Start ermoeglicht. Was, wenn wir nochmal in die Richtung gehen? Nicht in dem kleinen Wohnwagen, aber mobil, vielleicht ein bisschen groesser und auf jeden Fall mit Isolierung… Eine Idee war geboren. Also eher eine Idee fuer uns, denn es gibt immer mehr Leute, die kleiner wohnen wollen und daher ist die Tiny House Bewegung entstanden.

Nach etlichen Diskussionen, gedanklichen Entwuerfen und Mediationsgespraechen bei unserem Freund James gelang es Tyrel und mir auch, unsere Energien diesbezueglich in aehnliche Richtungen zu lenken. Wenn zwei Sturkoeppe aufeinandertreffen, muss man damit rechnen, dass man nicht immer einer Meinung ist. Aber wenn man sich dann einigt, arbeiten beide mit voller Energie zusammen, das ist umso besser!

Nachdem einige grundlegende Fragen geklaert wurden, suchen wir nun also nach einem Anhaenger (= trailer). Keinem Wohnwagen, sondern ein flacher, wo wir ein kleines Haeuschen draufbauen koennen. Nicht, dass einer von uns schonmal eine Hundehuette oder aehnliches gebaut haette. Von einem Haus ganz zu schweigen. Aber wenn man sich etwas ernsthaft vornimmt, sind dem in meiner Erfahrung kaum Grenzen gesetzt.

Das trailer Angebot in unserer Tagesfahrt-Umgebung ist relativ mau. Zur Auswahl stehen zwei nicht perfekte trailer; und in Diskussionen darum, ob dieser oder jener trailer fuer unsere Anspueche ausreichend waere. Ja, keine Ahnung!

Da ich praktisch veranlagt bin, fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt und besorgte eine Heissklebepistole samt Klebestiften und zwei grosse Kartons Eisstiele. Zu Hause hab ich einfach losgelegt. In den letzten Tagen hab ich mir ein wenig Theorie angelesen, wie in Nordamerika Hauser gebaut werden (aus Holzrahmen) und die maximalen Bestimmungen fuer trailer Masse auf kanadischen Strassen gewaelzt. Auf einer Muellsack-Tischdecke habe ich dann einfach drauflosgeklebt. Erstmal den Grundriss des einen Trailers, der in Frage kommt, im Massstab 1 : 24. Hierbei wird die Laenge eines Fusses in einem halben Zoll nachgestellt. Ja, Kanada benutzt offiziell das metrische System. Nein, in der Praxis wird es in vielen Faellen nicht benutzt. Der Bau ist einer dieser Faelle.

Nachdem die Bodenplatte erbaut war, ging es also an die Konstruktion der ersten Wand in Holzrahmenbauweise. Dazu muss klar sein, wo spaeter Fenster, oder in diesem Fall Tueren, eingesetzt werden. In Abschnitten, wo spaeter weder Fenster, noch Tueren sein werden, wird alle zwei Fuss (bei meinem Modell bei jedem Zoll) ein vertikaler Balken eingesetzt. Schliesslich bringt man horizontale Verstrebungen an, die das ganze versteifen und an die spaeter Regale und Wandschraenke angeschraubt werden.

Nach der ersten Wand musste ich dringend ins Bett. Und nach einer ausgiebigen Muetze Schlaf musste ich euch dringend von meinem neuen Projekt berichten. Aber heute Abend wird ganz sicher weitergeklebt.

Und hoffentlich folgt auf die Kleberei irgendwann auch Naglerei. Hoechstwahrscheinlich muessen wir uns fuer die Materialien Geld leihen. Aber durch die Mietersparnisse wuerden wir das Geld schnell wieder zurueckgezahlt haben, sobald wir im kleinen Haus wohnen.

Gedanklich bin ich jetzt schon eingezogen. Meine pragmatische Seite schreit und klagt die Luftschloesser an. Doch ohne Traeume und Plaene wuerde das kleine Haus ganz sicher nie Realitaet werden. Daher traeume ich einfach weiter. 🙂

Laufend unterwegs

Wer haette mal gedacht, dass ich freiwillig laufen gehe?

Leute, die mich schon laenger kennen, wissen, dass Sport eher nicht so meine Staerke ist. Eher essen, schlechte Witze erzaehlen und viel mit Freunden unternehmen.

Folgendes Bild von wurde vor 10 Jahren aufgenommen und zeigt mich beim Ausueben meiner damaligen Hobbies:

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Warum entscheiden zwischen Bier trinken und rauchen, wenn auch beides gleichzeitig geht?

Das Rauchen habe ich vor knapp 10 Jahren aufgegeben. Das Bier trinken hat mich noch laenger verfolgt. Erst vor wenigen Jahren wurde mir bewusst, dass jede am Nachmittag oder Abend konsumierte Flasche einen naechtlichen Toilettengang nach sich zog. Und um das in Kauf zu nehmen, schlafe ich einfach zu gerne.

Als ob es nicht genug gewesen waere, nicht mehr zu Rauchen oder zu Trinken. Trotz dem ich der Meinung war, dass Sport Mord sei, gesellte sich 2011 das gelegentliche Radfahren dazu. Und 2014 das Wandern. Nur Laufen, so stellte ich regelmaessig und vehement klar, Laufen hasse ich! Das kann ja auch gar nicht gesund sein. Lange braucht man nicht zu recherchieren, bis man auf negative Berichte ueber den Laufsport stoesst. Knie gehen kaputt. Marathonlaeufer sterben an einem bis dahin unentdecken Herzfehler. Vom Tod des ersten Marathonlaeufers ganz zu schweigen.

Wie kam ich also dazu, meine Vorbehalte aufzugeben?

Um mal laenger auszuholen: Anfang 2018 schaffte ich mir eine Personenwaage an. Ich wusste schon vorher, dass manche Hosen nicht mehr passten und wurde dann bestaetigt, dass ich am oberen Ende des Normalgewichts kratzte. Uebergewichtig war ich schon lange genug gewesen (BMI bis zu 28). Ist schon laenger her aber macht keinen Spass. Die Knie und der Ruecken tut weh sogar ohne schaedliches Lauftraining und ich war so schnell aus der Puste, dass ich an manchen Dingen gar nicht teilnehmen wollte. Darauf hatte ich also keine Lust mehr. Aber Diaeten sind jetzt auch nicht unbedingt mein Fall. Wenn ich auf was bestimmtes verzichte so wie Kohlenhydrate, dann bekomme ich erst recht Hunger darauf. Nur kleine Portionen essen mag ich auch nicht, das Gefuehl des Vollgefressenseins ist einfach zu himmlisch. Nicht die besten Voraussetzungen, um etwas abzuspecken.

Dann stiess ich auf die Seiten von Jens auf 5zu2.wordpress.com. Von Jens erfuhr ich, was Intervallfasten ist. Man isst entweder zweimal in der Woche einen Tag lang wenig, oder man isst taeglich 16 Stunden am Tag nichts. Hoert sich zu schwierig an, dachte ich. Doch dann fiel mir auf, dass ich bereits einige Wochen lang an Arbeitstagen 12 Stunden am Stueck nichts esse. Abends um 19 Uhr esse ich noch etwas, dann gehe ich schlafen, bin um 5 Uhr ohne Fruehstueck auf der Arbeit und bin erstmal so beschaeftigt, dass ich erst um 7 Uhr Zeit habe zu fruehstuecken. Hmm. 12 oder 16 Stunden sollten doch jetzt auch kein grosser Unterschied sein, oder? Im Februar 2018 probierte ich aus, statt um 7 Uhr mein Fruehstueck um 11 Uhr zu essen. Und es hat mir keine Probleme bereitet. Seitdem habe ich von 365 Tagen bestimmt 350 Tage das Intervallfasten 16:8 betrieben. Ich fuehle mich, als haette ich mehr Energie und ich muss mir keine Gedanken mehr darueber machen, was ich auf die Arbeit zum Essen mitbrigen (Ich esse seit ca. 10 Monaten jeden Tag das gleiche auf der Arbeit). Darueberhinaus habe ich 13 kg abgenommen und jetzt einen BMI von 20, mein Mindestgewicht seit 12 Jahren.

Doch waehrend des Abnehmens fragte ich mich dann, wozu ich das eigentlich mache. Um den Beschwerden vorzubeugen, die ich als Uebergewichtige hatte. Aber gehoert dazu nicht noch mehr als eine bestimmte Zahl auf der Waage zu sehen? Mitte Juni gegen 22 Uhr, draussen ist es noch taghell, verkuendet Tyrel, dass er jetzt eine Runde Laufen geht. Alle paar Monate ueberkommt ihn das Beduerfnis mal. Super, dachte ich mir, ich begleite ihn mit dem Fahrrad.

Okay, die erste Haelfte der Strecke ging es nur bergauf, das Fahrrad war mir also keine grosse Hilfe. Aber als ich den 203 cm grossen Tyrel gazellenmaessig vor mir wegspringen sah, waehrend ich schnaufend vom Rad abstieg und schieben musste, daemmerte mir, dass dieser Zustand auch nicht gesund sein kann. Was, wenn ich an der Kueste bin und ein Tsunami anrollt? Dann kann ich nicht in die Berge laufen. Oder noch viel schlimmer, was wenn ich auf dem Weg zum Supersonderverkauf im Kaeseladen bin und mein Auto ne Panne hat?!?!

Jupp, ich muss was tun. Mit 30 war das dann auch mal an der Zeit.

Zuerst fand ich ein Programm, das angeblich fuer Leute war, die Laufen hassen. Es fing an mit zwei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen im Wechsel. Laeppisch, dachte ich. Doch als ich es dann tatsaechlich ausprobierte, hustete ich mir die Lungen aus dem Leib. So nicht. War ich dann doch einfach nicht geeignet fuer das Laufen?

Zum Glueck war ich noch nicht voellig demotiviert und suchte weiter. Jetzt nicht mehr fuer Leute, die Laufen hassen, sondern fuer Leute, die nicht Laufen koennen. Da stiess ich auf das Programm „Couch to 5 k“, was anscheinend eher meinem Fitnesslevel entsprach. Da bestand die erste Woche aus 60 Sekunden Laufen abwechselnd mit 90 Sekunden gehen. Das war hoellisch anstrengend! Aber irgendwie machbar. Denn dass ich nicht mal 60 Sekunden lang laufen koennen soll, dazu war ich dann doch zu stolz.

Irgendwie habe ich es geschafft, am Ball zu bleiben. Mit Unterbrechungen, fuer die Kanutour, wegen Krankheit, wegen Temperaturen um -40 Grad, auch mal wegen extremer Unlust.

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Bei -22 Grad und Schnee gehe ich trotzdem laufen und komme zurueck zugefroren wie der Yeti.

Aber ich weiss, wenn ich mich aufraffe zu laufen, dann werde ich belohnt mit malerischem Bergpanorama, mit Ausblicken auf Seen und Taeler und mit einem ungewohnten befriedigenden Gefuehl. Einem Gefuehl, dass ich mir etwas koerperlich erarbeite, was mir nachhaltig gut tut. Dass ich mich um mich sorge und Zeit und Muehe fuer meine Gesundheit investiere.

Werde ich etwa erwachsen?! Naja, solange es sich so gut anfuehlt, bin ich auf jeden Fall dabei.

Und wer sich bei sonnigen -25 Grad zu einem 45 Minuten Lauf aufraffen kann, der bekommt sogar den Mascara umsonst dazu!

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Warum vereist eigentlich alles, wobei die Kaelte doch so trocken ist? Manche Dinge bleiben mysterioes!

Habt eine gute Woche! 🙂

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Unsere Einfahrt auf dem Weg zurueck nach dem Lauf.

Elchfreitag

Freitag. Karfreitag.

Elchfreitag.

Es ist morgens, ich putze meine Zaehne im Badezimmer. Tyrel ruft mich in die Kueche, ich soll unbedingt kommen!

Schliesslich stehe ich in der Kueche und gucke ihn fragend mit Zahnbuerste im Hals an. „Wow, du wachsamer Jager! Guck aus dem Fenster!!“ Vor dem Fenster, so wie letzte Woche: Elchi! Durch Fenster und Fliegengitter schiesse ich ein paar Bilder.

Eine ganze Weile sitze ich im Sessel am Kuechenfenster. Wie schoen es ist, dass wir so viele Buesche haben, dass Elchi immer noch genug Futter findet. Mittlerweile wissen wir dank Nicoles Kommentar auf dem letzten Beitrag, dass Elche Heu nicht gut verdauen koennen. Seit dem liegt ein halber Heuballen elchsicher im Vorraum zu unserer Haustuer und duftet vor sich hin.

Schliesslich bleibt Elchi stehen… und legt sich einfach in den Schnee! Natuerlich muss ich das wieder festhalten.

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Elchi hat uns den Ruecken zugekehrt und sonnt sich im Schnee.

Ich freue mich, dass Elchi uns so sehr vertraut, dass sie sich so nah am Haus sonnt und uns sogar dabei den Ruecken zukehrt!

Ein wenig beobachte ich sie noch, sie liegt einfach da und kaut. Nicht mal der Kopf bewegt sich, nur die Ohren ein wenig.

Schliesslich muss Tyrel zur Arbeit fahren. Hmmm, Elchi liegt nur ca. 35 Meter entfernt vom Auto, das wir nun starten muessen. Wahrscheinlich muss ich sie aufschrecken, wenn ich das Auto starte. Es sind -15 Grad, da sollte das Auto etwas warmlaufen, bevor man faehrt.

Ich schleiche mich mit Kamera und Autoschluessel raus. Knarze ueber den Schnee zum Auto. Elchi weiss, dass ich da bin, laesst sich aber nicht stoeren.

Dann ist es wirklich Zeit, das Auto zu starten. Ich oeffne die Tuer, Elchi macht sich nichts draus. Ich starte das Auto, Elchi steht auf.

Einerseits finde ich es schade, dass ich Elchi aufschrecken musste aus der Siesta aber andererseits ist es gut, dass sie nicht zu sehr an den Menschen gewoehnt ist. Der Schrecken haelt sich jedoch in Grenzen. Sie galloppiert fuer zwei Schritte, dann geht sie im Elchtempo fuer weitere fuenf Schritte.

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Elchi hat keine Lust auf Autolaerm. Ihr Fell glaenzt wunderschoen im Sonnenlicht.

Nach ihrer aeusserst kurzen Flucht steht sie am naechsten Gebuesch und faengst schliesslich wieder an zu fressen.

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Elchi verschwindet im Gebuesch.

Nach ein paar Minuten, als wir mit dem Auto wegfahren, steht Elchi immernoch da und frisst. Jetzt haben wir sie schon ein paar Tage nicht mehr gesehen. Ich wuensche ihr alles Gute auf ihrem mit langen Beinen beschrittenen Weg. 🙂 Vielleicht sieht man sich ja mal wieder!

Euch allen wuensche ich eine schoene, kurze Woche!