Monat: Dezember 2021

Und sie scheint doch!

Gestern dann, am zweitkuerzesten Tag des Jahres, habe ich mich nochmal aufgemacht. Zwar nicht zur malerischen Aussicht im Nirgendwo sondern vom Industrie- ins Wohngebiet und wieder zurueck.

Trotzdem war ich draussen und trotzdem war es schoen.

Wobei ich nicht viele Leute kenne, die einen Lauf bei -26 °C als schoen bezeichnen wuerden. Aber vereinzelt gibt es sie, die Gleichgesinnten.

Landschaft in weiss-blau-flieder.

„Wie gut, dass ich laufe.“, denke ich mir, waehrend ich mir meinen Gesichtsschutz mit behandschuhten Fingern ueber die Nase ziehe. „Anstonsten wuerde mir noch kalt werden!“

Der fliederfarbende Streifen durchzieht die blaue Stunde und sinkt tiefer und tiefer, immer dem Horizont entgegen.

Mond, Strassenlaternen, Winterfarben.

Ich laufe den Berg hinauf. Einerseits um meine Kondition zu verbessern, andererseits um meiner Freundin, die auf dem Berg wohnt, etwas zu ueberreichen.

Dort angekommen verquatsche ich mich ein bisschen im warmen Haus. Die Eiskristalle auf meiner Kleidung schmelzen, machen nass und kalt. Keine gute Kombination bei dem Wetter, aber ich kann mich ganz gut einschaetzen und weiss, dass ich den Berg nur einmal runter- und wieder hinauflaufen muss um wieder Betriebstemperatur erreicht zu haben.

Das Morgenflieder hinterlegt schon die Berge am Horizont.
Irgendwann verwandelt sich das Flieder in Terracotta.

Dann wird es hell im Osten.

Direkt angestrahlte Wolken leuchten bevor die Sonne strahlt.

Schliesslich kommt meine liebste Winterdekoration zum Vorschein.

Die ersten, roten Sonnenstrahlen lassen Fichtenwipfel erstrahlen.

Ich muss noch zwei weitere Kilometer laufen, bis auch ich von den Strahlen erfasst werde.

Winterfarben: Weiss, blau, gold, orangerot.

Kurz vor 12 Uhr mittags zaubert mir die Morgensonne einen rosigen Teint aufs Gesicht.

Ich, frostig-rosig mit Kinn-Eiszapfen.

Wieder im Buero angekommen frage ich meine Kollegin, was ihre Plaene fuer die Feiertage sind.

„Mich entspannen und zunehmen.“

Das finde ich genial – die Kombination scheint erreichbar und am Ende hadert man nicht mit den kneifenden Hosen. Es war schliesslich so geplant!

In diesem Sinne: Moegen unsere Plaene gelingen. 🙂

Sonnenwende

Ich mach mich auf

Und lauf durch tiefen Schnee

Um mich herum nur Weiss und Grau

Die Sonne werd ich nicht sehn.

Schnee, fallend.
Kiefern, stehend.
Weg, behangen.
Weg, ueber Berggrat.
Pappel, beschneit.
Fluss, gefroren.

Ein wunderschoener Tag gestern, an dem die Welt wie durch einen schwarz-weiss Filter auf mich wirkt.

Doch der Winter hat auch andere Farben.

Zwei Nebensonnen in Terracotta.
Drei Nebensonnen in Gold.
Elchkuh in Braun.
Schnee in Gelbgrau.
Ich in Frostig.

Eine warme und waermende Weihnachtszeit euch allen!

Frostig-frohe Gruesse aus dem Yukon,

Luisa