Monat: September 2016

Aurora genialis

Gestern abend war es wieder so weit

Gruene Pinselstriche quer ueber den Himmel

Mal langsam, mal schnell

Kommen und gehen wie sie wollen

 

Vor drei Tagen war ein ganz eigenartiges Licht am fruehen Morgen. Alles war rosa. Also bin ich raus in langer Unterhose und hab versucht es mit meiner Handykamera so gut einzufangen wie es geht.

Obwohl kaum noch Blaetter an den Baeumen sind, ist dieser Spaetherbst voller Farben.

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Konfitür-Allüren

Es ist soweit, mit nur 2,5 Wochen Verspätung sind die Grundstücksbesitzer von ihren Reisen zurückgekommen. Ich kenne ja Leute, die fast immer spät dran sind. Und ich habe auch schon von der Redensart gehört „Komm ich heut nicht, komm ich morgen“. Aber 2,5 Wochen… Dafür wird so schnell kein deutsches Sprichwort erfunden werden.

Immerhin sind wir jetzt freier in unseren Planungen und müssen nicht zu bestimmten Zeiten zu Hause sein um Tiere zu füttern. Und die nächsten Tage wollen sie auch zwei oder drei Pferde holen um sie den Winter über am Haus zu haben. Bislang sind wir allerdings noch unbepferdet und machen lange Gesichter.

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Ja, Mister Ed trägt modische Crocs im Walmart!

 

Auch die restlichen Hühner sind nun über den Jordan geflattert. Jon hat eine Rupfmaschine von Bekannten geliehen, ein Gestell mit Grillrost, unter dem Gummifinger auf einer rotierenden Welle montiert sind. Die Finger tauchen aus dem Rost auf, greifen sich Federn und rupfen sie aus wenn alles gut geht. Damit ging das Ganze recht flott.

Trotzdem bin ich froh, dass die Masthühner fort sind. Die sind echt gruselig, picken den ganzen Tag unter. Am liebsten sich gegenseitig auf den Hintern, was zu einem toten Huhn alle paar Tage führt. Wahrscheinlich sind sie so gezüchtet worden, dass sie immer Hunger haben und dadurch fies werden. Legehennen sind mir lieber.

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Nach der letzten Dusche

 

Endlich haben wir auch den Trailer auf seinen Überwinterungsplatz schieben können! Bislang war noch eine Menge Kram im Weg von einer Frau, die auf dem Grundstück für eine Zeit lang gewohnt hat. Aber nach 2,5 Monaten hat sie es so weit weggeräumt, dass wir mit Truck und Trailer durchkamen. Super yeah! 🙂

Mit einem größeren Zaun-Streich-Projekt bin ich jetzt fertig geworden. Was macht man also als seriöse Yukon-Trailer-Bewohnerin im Herbst mit Freizeit?

Genau, man geht in den Busch und sammelt Cranberries. Leider wachsen die hier nicht an Büschen, sondern vereinzelt an kleinen Pflänzchen direkt auf dem Boden. Und sehr verstreut. Knapp drei Stunden intensives Beerensammeln verschaffte mir immerhin etwas Rot in meinem Dünsteinsatz für den Kochtopf.

Jetzt hatte ich also Beeren gesammelt… In der feststellen müssen, dass sie verdammt sauer sind und pur nicht allzu lecker in großen Mengen. Also besorgte ich mir ein paar Einmachgläser, Pektin, Apfelsaft und mischte nur soviel braunen Zucker unter die Masse, dass es nicht mehr super-sauer ist. Aber noch schön säuerlich. Genau richtig für mich. Und ein schöner Weg, die Sonne für den nahenden Winter einzufangen.

Bislang hatte ich nur einmal Konfitüre eingekocht… Ich war Pächterin eines Schrebergartens und unverhofft wurde der Stachelbeerenstrauch reif. Reif mit so vielen Früchten, dass ich lang genug versuchte, so zu tun, als wären sie gar nicht da. Aber zum Glück kam meine Freundin Lena zu Besuch. Zusammen plünderten wir den Strauch und verbannten die Früchte in Schraubgläser. War ganz schön lecker!

Was sonst noch lecker ist: Mein derzeitiges Lieblingsessen! Gebratener Speck mit gebackenen Bohnen. Mmmhhhmmm. Nicht kreativ oder gesund, aber geil! Natürlich streue ich noch ein wenig Käse drüber, aber das sollte selbstverständlich sein.

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Ich hoffe wenn ich es lang genug esse, wächst mir endlich ein Flanell-Holzfällerhemd über der deutschen Feldbluse… Aber dafür muss ich wohl noch ein paar Dosen platt machen.

Habemus caminum… und fünf Hühner weniger

Es ist vollbracht, der Ofen rauchte zum ersten Mal. Und vorerst bleibt er auch wieder kalt, da eine Wand ziemlich warm wurde. Wir müssen sie erst isolieren, bevor wir weiterheizen. Aber immerhin wissen wir, dass es geht. Und bis wir ein Hitzeschutzblech installieren, können wir morgens bei kuschligen 2 bis 5 °C aus den Federn schlüpfen. Immer noch besser als vor Hitze nicht zum Schlaf zu kommen. Sobald die Temperatur im Bett von Grottenolm zu Kängurubaby gewechselt ist, fallen die Augen automatisch zu. 🌜 Habe jetzt auch endlich ein Schneekoppe-Beweisbild geschossen.

Wenn Tyrel auf der Arbeit ist, gehe ich immer noch meinem Yukon-Job nach: Zäune streichen. Gestern habe ich bei Tyrels Freundin Dona rumgestrichen. Und heute kam die SMS von ihr:
Luisa!!!
You are SO my kinda gal!!!!
You just waltz right in an GET SHIT DONE!!!
I love that!!!
☀☀☀

Es ist schön, sich eine gute Reputation zu bewahren. 🙂

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Das Grouse wurde artgerecht zubereitet.
Zuerst habe ich Möhren und Zwiebeln in reichlich gesalzener Butter angebraten, dann die Überbleibsel des Hühnchens hinzugefügt (Brust, ein Bein und das Herz) und alles mit Pfeffer, Salz und Thymian gewürzt. Das ganze mit Deckel ab in den Ofen und hin und wieder das Hühnchen mit der Butter übergießen. Fertisch. Und leggah. Gegessen habe ich es mit verrücktem Bratreis. Mjam.
Schmeckt gar nicht nach Geflügels ondern eher nach Wild. So herzhaft, fast ein Hauch nach Leber.

Da Deb samt Familie immer noch nicht von ihrer Reise wiedergekehrt sind, haben sie uns gefragt, ob wir nicht den Gefrierschrank schon mal mit fünf der Masthühner füllen können. Herausforderung angenommen. Hier sind die 13 Schritte, wie man in so einem Fall vorgeht:

1. Plane zwischen zwei Bäumen spannen, da Dauerregen bei 8 °C.
2. Feuer machen, großen Topf Wasser aufsetzen, warten bis es warm ist.
3. Hühner kalt machen. Ich hätte dieses Mal gern die Hals-Umdreh-Methode ausprobiert. Aber die Hühner wohnen in einem weitläufigen Stall, der aber leider nicht mal hüfthoch ist. Hühner Jagen Fehlanzeige. Und nen Kescher hatten wir auch nicht. Also blieb wieder die .22 Büchse Mittel der Wahl. Dieses Mal Tyrel die ausführende Gewalt.
4. Hühner einsammeln und Kopf abschlagen.
5. Kopfüber für 10 Minuten aufhängen.
6. Kurz in das 60 – 70 °C warme Wasser halten.
7. Rupfen. So ein kurzes, trügerisches Wort. Immerhin habe ich gelernt, woher das Sprichwort „Mit dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen“ kommt. Wenn man ein Hühnchen zusammen rupft, kann man a-tens nicht weg (es muss ja gemacht werden) und b-tens hat man genügend Zeit, jegliche Befindlichkeit ausführlich auszudiskutieren. Und an den emotional passenden Stellen die Diskussion mit wütenden Rupfgeräuschen zu untermalen.
Wir haben eher ruhig gerupft und dem Regen gelauscht. Er war aber auch kaum zu überhören.
8. Hinten aufschneiden, Innereien raus. Magen, Leber und Herz beiseite legen, wird aufgehoben. Magen leeren und Innenwand entfernen. Rest in die Tonne zu den Federn.
9. Füße abschneiden, aufheben für die Hunde.
( Wiederholung der Punkte 6 bis 9 für die restlichen hängenden Hühner )
10. Hühner, Organe und alles andere waschen.
11. Eintüten.
12. Einfrieren.
13. Federn und übriges Gedärm in Feuer verbrennen.

Und, merkt ihr was? Genau. Es sind nur 12 Schritte zur Abstinenz für Alkoholiker aber 13 Schritte zum Huhn im Gefrierfach.
Naja, wieder was gelernt: Nicht nur nasser Hund riecht unangenehm, nasses Huhn auch.

Noch etwas Erfreuliches zum Abschluss: Wir haben einen kleinen Ausflug eingelegt zum Miles Canyon hier in Whitehorse. Da fließt der Yukon rasch zwischen zwei Felswänden dahin. Früher hat die Stadt Whitehorse auch hier ihren Namen erhalten. Das Wasser war so wild und schäumend, dass es an die Mähne eines weißen Pferdes erinnert hat. Da nun ökologisch korrekt ein Damm die Haushalte mit Strom versorgt und das Wasserlevel angehoben hat, ist die Mähne nicht mehr zu sehen. Macht nichts, ich glaubs trotzdem.

Jagderfolg und Kochinspirationen

Es ist soweit, ich habe den waidmännischen Initiationsritus bestanden (tätärätäää).
Grouse: 0
Ich: 1

Nach allen Regeln der legalen Kunst habe ich mein erstes Wild erlegt. Die legalen Umstände waren:
– Waffe Kaliber .22
– mindestens einen Kilometer von umliegenden Grundstücken entfernt
– auf erlaubtem Jagdgebiet
– innerhalb der Saison
– eine Armlänge von meinem Mann entfernt (der einen Waffenschein hat)
– zwischen einer Stunde vor Sonnenaufgang und einer Stunde nach Sonnenuntergang (sollte hell sein)

Das Grouse saß im Baum und fühlte sich mehr als ausreichend getarnt. Ich schlich mich an. Verfehlte den ersten Schuss. Grouse ging einen Schritt zur Seite auf dem Ast und dachte auch nichts weiter dabei. Der zweite Schuss saß, ein kurzes Geflatter am Boden und das wars. Kein Drama.

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Das warme Hühnchen lag auf dem Boden. Es tat mir wieder leid aber ich habe mich nicht schlecht gefühlt. Ich war sehr dankbar. Ich habe es ausgenommen und gesäubert und werde etwas ganz Leckeres daraus zubereiten. Hat jemand eine Rezeptidee? 😃

Ein bisschen verblüfft bin ich immer noch, wie einfach es ist, ein Leben zu nehmen. Wo ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier? Ist es zeitgemäß, Tiere zu essen oder brauchen wir das gar nicht mehr?
Ich respektiere und verstehe die Einstellungen von Vegetariern und Veganern. Aber wenn ich mir die Tierwelt so ansehe, gehört das Fressen und Gefressen werden zum Ökosystem unbedingt dazu. Ja, Massentierhaltung und Hormone, Steroide und Antibiotika im Futter haben wenig mit dem Ökosystem zu tun. Da scheint etwas aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Aber wenn ich in einem Land lebe, in dem ich nicht zwangsläufig an der Spitze der Nahrungskette stehe und mir ein Grouse schieße um es zu verspeisen, dann fühle ich mich wieder mehr als Teil des Ganzen.

Aber genug Pathos und Geschmacksknospen auf!
Was macht man, wenn der Ehemann freudig strahlend vom Einkaufen nach Hause kommt, weil er was Schönes mitgebracht hat? Genau, sich freuen. Auch wenn es sich, wie in diesem Fall, um eine Kiste unreifer Mangos und einem Sack voller vergammelter Riesenbananen handelt. Fehlen nur noch zwei Kartons zerbrochene Eier um den Einkauf perfekt zu machen.
Aber weit gefehlt, ich hatte zwei Sachen zu lernen: die Mangos reifen astrein nach und die vergammelten Bananen sind keine echten Bananen sondern Kochbananen. Bei denen gehört die gammige Pelle wohl fast mit dazu und macht nichts.

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Nach ein paar Tagen stellte ich mir dann aber doch die Frage, was ich mit dem Sack respektive der Kiste machen soll. Wenn ich koche, stelle ich mir nämlich erst die Frage „Was muss weg?“. Und sowohl die Mangos als auch die Kochbananen wurden vom draufgucken nicht weniger.
Da passte es sich gut, dass ich beim Stöbern auf dem Blog von ReiseSpeisen Appetit auf Bananenbrot bekam (ordinäre Bananen, keine Kochbananen!). Das Rezept findet ihr unter https://reisespeisen.wordpress.com/2016/01/29/bananenbrot/ . Statt Walnüssen habe ich Rosinen und Mandelstifte hinzugefügt, die hatte ich noch über vom Hefezopf. Und eine Mango. Das Ergebnis war überraschend lecker und nicht zu bananig und wurde am nächsten Tag auf einer Wanderung von Tyrel, seiner Arbeitskollegin Bella und mir restlos verputzt.

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Bleiben noch die Gammel.. ääh Kochbananen. Was machen damit? Kochen? Tyrel riet mir zum Braten und ging zur Arbeit. Aha.
Die geschälte Banane sah wirklich nett und ungammlig aus. Also wurde sie in Butter gebraten bis sie ein bisschen gesunde Brat-Bräune bekam und dann zusammen mit Reese-Spread verspeist. Reese sind normalerweise die Erdnussbutter-Schokolade-Pralinen. Aber da ein mittleres Glas Nutella hier gute 10$ kostet, kam mir die (Erd- statt Hasel-) Nuss-Nugat-Creme gerade recht. Es sind sogar winzig kleine Crunch-Partikel drin, hmmmm….
Aber zurück zur gebratenen Kochbanane. Sie war wirklich, wirklich lecker. Fruchtig irgendwie und nicht zu matschig-bananig wie befürchtet.
Also Tyrel, danke für deinen tollen Einkauf! Wieder ne Menge gelernt. 😊🍌🍫

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Ansonsten suche ich immer noch den Herbst. Eben war noch Sommer und der Herbst kündigte sich nur in Farben an und jetzt klopft der Winter schon an der Tür. Die Bergspitzen sind schneebedeckt, die Kraniche und Gänse reisen aus und der Rest hüllt sich in Wolken und/oder Regen.


Und ich sitze bei A&W und trinke ein Root Beer mit Vanilleeis, ein so genanntes Root Beer Float. 😋