Und sie scheint doch!

Gestern dann, am zweitkuerzesten Tag des Jahres, habe ich mich nochmal aufgemacht. Zwar nicht zur malerischen Aussicht im Nirgendwo sondern vom Industrie- ins Wohngebiet und wieder zurueck.

Trotzdem war ich draussen und trotzdem war es schoen.

Wobei ich nicht viele Leute kenne, die einen Lauf bei -26 °C als schoen bezeichnen wuerden. Aber vereinzelt gibt es sie, die Gleichgesinnten.

Landschaft in weiss-blau-flieder.

„Wie gut, dass ich laufe.“, denke ich mir, waehrend ich mir meinen Gesichtsschutz mit behandschuhten Fingern ueber die Nase ziehe. „Anstonsten wuerde mir noch kalt werden!“

Der fliederfarbende Streifen durchzieht die blaue Stunde und sinkt tiefer und tiefer, immer dem Horizont entgegen.

Mond, Strassenlaternen, Winterfarben.

Ich laufe den Berg hinauf. Einerseits um meine Kondition zu verbessern, andererseits um meiner Freundin, die auf dem Berg wohnt, etwas zu ueberreichen.

Dort angekommen verquatsche ich mich ein bisschen im warmen Haus. Die Eiskristalle auf meiner Kleidung schmelzen, machen nass und kalt. Keine gute Kombination bei dem Wetter, aber ich kann mich ganz gut einschaetzen und weiss, dass ich den Berg nur einmal runter- und wieder hinauflaufen muss um wieder Betriebstemperatur erreicht zu haben.

Das Morgenflieder hinterlegt schon die Berge am Horizont.
Irgendwann verwandelt sich das Flieder in Terracotta.

Dann wird es hell im Osten.

Direkt angestrahlte Wolken leuchten bevor die Sonne strahlt.

Schliesslich kommt meine liebste Winterdekoration zum Vorschein.

Die ersten, roten Sonnenstrahlen lassen Fichtenwipfel erstrahlen.

Ich muss noch zwei weitere Kilometer laufen, bis auch ich von den Strahlen erfasst werde.

Winterfarben: Weiss, blau, gold, orangerot.

Kurz vor 12 Uhr mittags zaubert mir die Morgensonne einen rosigen Teint aufs Gesicht.

Ich, frostig-rosig mit Kinn-Eiszapfen.

Wieder im Buero angekommen frage ich meine Kollegin, was ihre Plaene fuer die Feiertage sind.

„Mich entspannen und zunehmen.“

Das finde ich genial – die Kombination scheint erreichbar und am Ende hadert man nicht mit den kneifenden Hosen. Es war schliesslich so geplant!

In diesem Sinne: Moegen unsere Plaene gelingen. 🙂

26 Kommentare

  1. Wie sagten wir gestern: anderer Kulturkreis, anderer Schmerzlevel. Ich gehe von Oktober bis März mit der Ausrede nicht laufen, dass es hier „zu kalt“ ist. Also frühmorgens, vor der Arbeit. Ich schäme mich schon für die Bequemlichkeit, aber bei uns ist es auch nur nasskalt, grau, und ich habe nicht so wahnsinnig zauberhafte Ausblicke, für die es sich lohnt. Ich laufe mit gesenktem Haupt und inspiziere den dreckigen Gehweg, um den Hunde-Tretminen auszuweichen. Das ist nicht so erquicklich. Dann lieber Eiszapfen am Kinn: Irre! 🤩

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    1. Liebe Anke,
      es stimmt schon, man braucht etwas, was einen zum Laufen motiviert. Bei Dunkelheit laufe ich auch ungern, da lenkt einen nichts ab vom eigenen Diskomfort und dem Gedanken, dass man gerade auch genauso gut auf dem Sofa liegen koennte. Zum Glueck habe ich die Moeglichkeit, in meiner Mittagspause zu laufen. Und bei dir ist es auch nicht mehr lange bis zum April. 🙂

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  2. Hey Luisa, jetzt verwöhnst du deine follower ja direkt. Zwei Beiträge in kurzer Zeit. 🤪👍

    Wirklich tolle Bilder! Und doch sehr ähnlich. Ok, wir haben mehr keine Berge, aber Licht und Schnee Landschaft ist ähnlich. Heute früh durfte ich mich freuen. Denn es hat nachts geschneit und jetzt liegen hier mal eben 10 cm Schnee. Und es schneit weiter. Weiß Weihnacht ist also garantiert.

    Genieß das Wetter und die Landschaft. Und lass es dir schmecken die Tage.

    Gruss
    Michael

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    1. Hallo Anja,
      Du hast Recht! Wenn man in die Gefriertruhe zum Aufwärmen gehen könnte, dann ist es einfach kalt. 😄 Aber zum Glück haben wir ein Häuschen mit Ofen, da geht es uns gut.
      Macht euch ein schönes Weihnachtsfest und ganz liebe Grüße aus dem Yukon!
      Luisa

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  3. Hier regnets. Eine Schneelandschaft wäre mir jetzt auch lieber. Wieder so tolle Fotos. Da kann man sich echt drin verlieren…. Hab ein schönes Weihnachtsfest, liebe Luisa. Und die Pläne deiner Kollegin lass ich mir auch mal durch den Kopf gehen. Nicht verkehrt, das was sowieso eintritt vorher als Plan festzulegen. Hat was. 🙂

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    1. Liebe Juni,
      Dir und deinen Lieben auch ein frohes Weihnachtsfest. 😊 Jetzt ist es ja nicht mehr lang bis zur Bescherung bei euch und auch ich muss nur noch einmal arbeiten gehen. Hihi!
      Alles Liebe aus Kanada,
      Luisa

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  4. Moin Luisa,

    bis ca. minus 5 Grad gehe ich auch noch Walken. Bei Temparaturen darunter merke ich, dass meine Bronchien das gar nicht mögen und bleibe Zuhause. Wobei es sein mag, dass minus 5 Grad hier in Schleswig-Holstein anders sind als die tiefen Temperaturen in Polarkreisnähe.

    Liebe Grüße und nochmal schöne Weihnachten
    Jens

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    1. Moin Jens,
      Für mich fühlen sich die gleichen Temperaturen eigentlich überall auf der Welt gleich an. In meinem ersten Winter hier habe ich die Kälte auch noch nicht gut vertragen können. Aber man lernt dazu: Viel trinken ist wichtig, da das Brennen in den Bronchien nicht von der Kälte kommen, sondern von der Anstrengung des Körpers, die kalte Luft ausreichend anzufeuchten und zu erwärmen. Daher stellt es eigentlich kein Problem dar, wenn man ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen hat und die Luft vor eintreten in die Atemwege durch z.B. einen Schal vor dem Gesicht anwärmt.
      Aber trotzdem ist jeder anders. 🙂
      Viele Grüße und ein frohes Fest!
      Luisa

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    1. Stimmt, das Sams hatte auch einen Neoprenanzug an! Beim Laufen ist es finde ich schwer am Anfang wieder reinzukommen. Aber zum Glück braucht man kein Talent und keine besondere Technik, man muss es einfach immer wieder machen und wird automatisch besser. 🙂
      Ganz liebe Grüße! Wir kamen gerade wieder ins Haus von einem sehr frostigen Spaziergang. 🥶

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  5. Ich wünsche frohe Weihnachten gehabt zu haben! 😀
    Heute morgen habe ich eine schöne Wortschöpfung gehört. „Mauseknöchel hoher Schneefall“. So viel Schnee lag ca. am 1. Weihnachtsfeiertag bei uns. Und jetzt sollen es zu Silvester sogar 15° warm werden….
    Dazu viel Regen. In Verbindung mit den vielen Holztransportern, welche die Waldwege in morastige Schlammpfützen verwandeln. Es sind also ehe Gummistiefel, statt Laufschuhe angesagt.

    Schön, von Dir zu lesen. Und danke für die schönen Bilder! Genieße für mich mit!
    Gabi

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    1. Hallo Gabi,
      ein bisschen Puderzuckerschnee ist doch besser als gar nichts, oder? Vielleicht kommt das dicke Ende vom Winter bei euch wieder im Februar, wer weiss das schon. 🙂
      Hier schneit es mal wieder mit Schneefallwarnung und eine wirkliche Besserung ist nicht in Sicht. Naja, so gibt es Muckis vom Schneeschaufeln, was solls.

      Alles Liebe,
      Luisa

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      1. Achte beim schaufeln auf Rücken und Schulter. Mache nicht die gleichen Fehler wie ich und halte Dich für Superwoman. Das kann nach hinten losgehen.
        Das macht sich besonders bemerkbar, wenn der ‚Puderzucker‘ klatschnass und schwer ist 😉
        Gestern habe ich eine Wetterprognose gesehen. Wenn das Nordamerikanische Vorhersagemodell Recht hat, wird es im Januar richtig eisig bei Dir.
        Achte auf Dich! :*

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      2. Genau, naechste Woche soll es maikuehl werden. Wir schauen mal, aendern kann man es eh nicht. Ein paar mal haben wir diesen Winter schon an den -40 gekratzt aber kaelter war es noch nicht. Das ist dann immer ein besonderer Aufriss mit Autos starten morgens so ohne Strom. Aber weiterhin ist mit das viel lieber als voellig ueberzogene Mieten zu bezahlen, also bin ich zufrieden. 🙂
        Liebe Gruesse und komm gut ins Neue Jahr ❤

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      3. Ja, Du hast Recht mit der Miete.
        Wenn ich die Geschehnisse und Veränderungen um uns herum so betrachte, seid Ihr mit dem Häuschen sehr komfortabel aufgestellt. Alles weitere macht man sich passend, wie man es braucht.
        Bis nächstes Jahr! ❤

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  6. Alter Schwede! Und ich hab neulich einen Bericht gesehen über die kältesten Ecken der Welt und dachte: boah, ich möchte auch mal irgendwann irgendwo sein, wo sich an den Wimpern so Schneeklumpen bilden xD hat mich direkt daran erinnert haha

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    1. Ich wuerde da einen Ort kennen, an dem das moeglich ist. 😉 Sag Bescheid, wenn du dich in meine Gegend verirren solltest!
      Dann wuerde ich dir ein nordamerikanisches Fruehstueck naeherbringen nachdem du jetzt doch offizieller Thanksgivingfan bist. Hast du schon mal Eggs Benedict gehabt?
      Mjam!
      Liebe Gruesse von oben links 🙂

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