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Flusstrip 2018: Tag 3

In der Wildnis scheine ich einen helleren Schlaf zu haben. Ich wache auf, wenn ich das Feuer nicht mehr knistern hoere und lege neues Holz nach. Dann kann ich kurz nicht schlafen, weil das Feuer zu laut knistert und es zu hell geworden ist, da der Schein des Feuers die Plane ueber uns wie eine Kinoleinwand beleuchtet. Das ganze wiederholt sich etwa drei Mal, bis gegen 7 Uhr morgens Aufstehstimmung verbreitet wird und ich mich aus dem Schlafsack schaele.

Auch heute Morgen zeigt das Thermometer -12 Grad an. Schnell schluepfe ich in meine dicke Kleidung und bewege mich, um warm zu werden. Wasser muss geholt werden, sowie das Fruehstueck, was mit den anderen Lebensmitteln nachts in einem Plastikcontainer beim Boot bleibt. Vor Baerenbesuch graut es meinen Mitstreitern dabei nicht so sehr wie vor Maeusen.

Nachdem unsere Gaumen gestern durch die Elchwuerstchen und Kaesegnocci so verwoehnt wurden, gibt es heute morgen wieder ein Fertiggericht von Knorr. Joe gebe ich eine Packung hausgemachte Nussriegel mit fuer einen Snack zwischendurch auf dem Boot. Tyrel und ich beschliessen, so wenig wie moeglich selbst von den Riegeln zu essen, damit wir Joe auch eine Freude machen koennen, wo er uns doch aus der Patsche hilft und dabei noch so gut verkoestigt.

Heute Morgen brauchen wir laenger, bis wir aufbrechen. Tyrel hat ein paar duenne Baeumchen gefaellt und zusammen mit Joe wird beraten, wie die Boote nun am besten zusammengebunden werden koennen, damit alles gut navigierbar ist und das Gummiboot keinen Schaden nimmt. Ich nutze die Zeit um mich warmzuhalten, packe unser Camp zusammen und bringe die Kisten herunter in Richtung Boot. Mit der Kamera halte ich den Sonnenaufgang fest.

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Die Sonne lugt hinter den oestlichen Bergen hervor, waehrend sich noch Nebelschwaden auf dem Wasser tummeln.

Joe und Tyrel zurren derweil fleissig an den Booten herum. Zugseile, Bungeeseile und Ratschen ist etwas, was man in Unmengen mit auf einen Trip in die Wildnis nimmt und in allen moeglichen Situationen darueber gluecklich ist.

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Die Boote sind mit zwei duennen Baeumen parallel miteinander verbunden und werden wieder mit der Ausruestung eingeraeumt.

Schliesslich treiben wir auf dem Fluss. Langsam geht es voran, bei engen Kurven paddeln wir zusaetzlich, damit wir nicht auf eine Kiesbank auflaufen. Ein paar Flusswindungen weiter begruesst uns ein maechtiges Floss!

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Bestimmt 15 Meter lang ist das Floss, das mit Annehmlichkeiten wie Autositzen und einer Feuerstelle ausgeruestet ist.

Wir gehen an Land und machen uns ein Bild von der Lage. Unglaublich ausgeruestet waren die Flossfahrer unterwegs. Eine Dusche ist an Bord, eine Betonplatte mit Feuerstelle, eine Kueche, Schlafplaetze, Kisten voller noch haltbarer Lebensmittel, Werkzeuge und eine Kiste voller Naegel. Eine Landungsbruecke fuehrt zum Ufer, dort hat jemand Unmengen von Feuerholz gesaegt und ein provisorisches Klo ausgehoben und zum Teil mit Klopapier und Faekalien gefuellt.

Gab es Probleme mit dem Floss, sodass sie nicht weiter konnten? Sind sie auf Grund gelaufen und haben das Floss dann nicht mehr zurueck ins Wasser bekommen? Haben sie aus anderen Gruenden die Expedition abbrechen muessen und das Boot zurueckgelassen um im naechsten Sommer zurueckzukommen?

Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich nicht erfahren. Es bleibt nur abzuwarten, ob das Floss im naechsten Jahr noch vorhanden ist oder vom losbrechenden Eis im Fruehling zermalmt oder losgerissen wurde.

Wir lassen den Ort ruhen und ziehen weiter.

Nach einer Flussbiegung ruft Tyrel leise „es hat ein geweih…“

!!! EIn junger Elchbulle sonnt sich am Ufer und schaut uns fragend an!!! So unauffaellig, wie es nun mal geht, greife ich nach meinem Gewehr, lade Munition durch, nehme die Schutzkappen des Suchers ab und lege an. „Schiess nicht, er rennt doch schon weg!“ Und auch ich sehe nur noch den Elchgalopp… Verdammt! Joe musste den Motor bedienen, vor uns im Fluss befanden sich Kiesbaenke, Steine und Stromschnellen. Und Tyrel hat gepaddelt, um Joe zu unterstuetzen. Naja, es ist gut, dass wir wenigstens einen Elch gesehen haben. Schnell geht es zur Stelle, die der Elch zur Siesta ausgewaehlt hatte. Joe streift gegen den Uhrzeigersinn um die kleine Insel, Tyrel und ich im Uhrzeigersinn. Im Eis um die Insel entdecken wir schliesslich, wo der Elch vom Festland angereist und auch wieder abgereist ist. Schade, er ist weg.

Wir tuckern zum anderen Ufer und machen Mittag. Vielleicht kommt der Elch ja nochmal wieder. Tyrel und ich essen ein paar staubige Cracker, waehrend die Schatten der Baeume ueber uns ziehen und die Mittagpause unangenehm machen. Es ist Zeit, weiterzuziehen.

Tyrel fallen immer wieder die Augen zu. Hmm, habe nicht ich das Feuer am Leben gehalten heute Nacht und sollte jetzt muede sein? Aber wie schoen, dass seine Erkaeltung so gut ausgeheilt ist, davon ist gar nichts mehr zu spueren.

Joe reicht uns ein Stueck Christstollen herueber, wir schneiden zwei kleine Scheiben ab. In meinem Mund erklingt eine Symphonie. Wie wundervoll es schmeckt! Ist es, weil ich gerne Stollen mag, weil ich hungrig bin, weil ich mich hier von Fertiggerichten ernaehre oder liegt es an der frischen Luft? Spielt ueberhaupt keine Rolle. Mit geht es einfach prima und ich bin da, wo ich gerade sein soll.

Waehrend wir alle Ausschau halten nach einem Cousin des fluechtenden Elchbullen, mache ich ein paar Bilder von anderen Tieren.

Heute passiert nicht mehr viel. Wir halten, errichten das Lager, machen ein Feuer.

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Das Feuer waermt einen Topf mit Wasser auf einem Gitterrost. Daneben wurden schon Tyrels und meine Plastikschuessel mit Fertignudeln und heissem Wasser befuellt.

„Wollen wir naechstes Jahr Urlaub im Warmen machen?“, fragt Tyrel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Jagdtrip dafuer ausfallen wird 2019. Aber warm klingt eigentlich ganz verlockend zur Abwechslung. Tyrel moechte gern Alligatoren sehen. Die gibts doch in Louisiana, da ist das Essen so scharf und lecker, das gefaellt mir wiederum!

Wir wuenschen uns eine gute Nacht und warme Traeume.

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Flusstrip 2018: Tag 2

Die erste Nacht ausserhalb der Zivilisation. Unbedingt wollte ich Sterne gucken, der Himmel war nicht bewoelkt. Das fuehrte allerdings auch dazu, dass keine waermende Wolkendecke vorhanden war. Somit war meine Brille bald voller Kondenswasser vom Atmen, sowie Eiszapfen an den Fusseln meiner Muetze.

Geschlafen habe ich trotzdem gut. Ich wurde nur zweimal wach, weil Maeuse ueber unsere Plane gelaufen sind. Das Geraeusch bin ich zum Glueck nicht gewohnt von zu Hause.

Aus dem Schlafsack geschaelt ueberpruefe ich als erstes das Thermometer. Wie kalt ist dieser frische Morgen?

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Minus 12 Grad zeigt das Thermometer am fruehen Morgen.

Joe ist schon vor uns wach geworden und hat ein Feuer gemacht. Das restliche Wasser von gestern in unseren Toepfen ist natuerlich komplett gefroren und braucht einige Zeit, bis es kocht. Inzwischen stopfen wir Schlafsaecke und Zubehoer wieder in Stausaecke und Kisten. Wenn wir in Bewegung bleiben, wird uns auch schoen warm.

Zum Fruehstueck goenne ich mir Kaesenudeln. In diesem Jahr habe ich ja eine groessere Auswahl mitgenommen, was das Essen anbelangt. Da habe ich wenig Bedenken, dass mir die Nudeln morgen schon zum Hals raushaengen werden.

Nach dem Fruehstueck tragen wir Ausruestung herunter zum Fluss, um das Boot zu beladen. Eine wunderschoene Morgenstimmung erwartet mich.

Ein schwarzer Fleck ist irgendwie in meine Kamera gekommen und bereichert jetzt meine Bilder. Mal sehen, ob ich das zu Hause irgendwie beheben kann.

Als der Nebel sich etwas lichtet, fahren wir los mit dem Boot. Joe laesst uns einen guten Vorsprung. Falls der Motor aufgeben sollte, sagt er. Gut mitgedacht, wir hoffen aber, aus eigener Kraft zum Ziel zu kommen.

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Die Sonne scheint und vertreibt langsam den Nebel.

Der Motor merkt anscheinend, dass ihm nicht ganz vertraut wird. Eine Stunde lang treibt er das Boot zwar an, macht dabei aber merkwuerdig unbestaendige Geraeusche. Ploetzlich aber laeuft er astrein. Wir freuen uns, wahrscheinlich hat sich etwas geloest, freigebrannt oder sonst was. Dann nichts mehr. „Jetzt ist das Benzin alle.“ stellt Tyrel fest. Doch Benzin und Oel ist ausreichend vorhanden. Der Motor springt nicht wieder an, wir paddeln zum Ufer. Tyrel moechte den Vergaser reinigen, das hat schon einmal geholfen.

Bald schon schliesst Joe zu uns auf. Zusammen entfache ich mit ihm ein Feuer, damit Tyrel seine Haende waermen kann waehrend der Reparatur. Es ist schliesslich unter Null und ein bisschen windig.

Nach der Saeuberung des Vergasers machen wir uns wieder auf den Weg. Joe wartet lieber am Feuer, jetzt erst recht. Der Motor laeuft prima, wir hoffen, dass es jetzt auch so weiterlaeuft.

Doch die Hoffnung waehrt nur ungefaehr eine Stunde. Dann proeppelt es wieder hinter dem Boot. Bis das Geraeusch ganz aufhoert. Tyrel gleicht die Stille mit wilden Fluechen aus. Ich bin ganz gelassen. Wir sind hier draussen, wir haben einen Freund hinter uns auf dem Fluss, es koennte doch echt schlimmer sein. Wir holen unsere Paddel raus und verbrennen reichlich Kalorien, waehrend wir unseren naechsten Lagerplatz anpeilen. Joe laesst sich nicht blicken, vielleicht hat er heute eher sein Lager aufgeschlangen oder gar Jagderfolg gehabt.

Einige Zeit spaeter hoeren wir leises Motorgeraeusch hinter uns und koennen dazu einen orangenen Fleck erkennen. Das muss Joe sein. Wir halten den Daumen aus dem Boot, wollen jetzt gern per Anhalter fahren. Natuerlich hilft er uns gern aus der Patsche. Wir werfen ihm unser Tau zu und er schleppt uns fuer die restliche Stunde des Tages ab.

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Joe’s 5 PS Motor zieht jetzt sein Gummiboot und unser Aluminiumboot.

Ein bisschen albern komme ich mir schon vor, so abgeschleppt zu werden. Letztes Jahr haben wir doch den ganzen Fluss nur mit Muskelkraft bepaddelt. Allerdings war das im Kanu auch viel einfacher als im Aluboot. Tyrel kommt sich glaube ich noch dooefer vor und schimpft. Da gebe ich mich lieber meinen Tagtraeumereien hin, heute denke ich schon den ganzen Tag an Suppe. Wie lecker, wie waermend und schmackhaft, vor allem im Winter. Zu Hause werde ich viel schoene Suppen kochen, das habe ich mir fest vorgenommen. Habt ihr ein tolles Rezept fuer mich? 🙂

Heute kommen wir alle zusammen am Lagerplatz an, daher sichern wir uns ein Plaetzchen am Feuer. Eine Plane wird schraeg gespannt um Niederschlag abzuhalten und eventuell sogar etwas Waerme zu fangen in den Nacht. Vielleicht ist meine Nase dann nicht so kalt, wenn ich morgen frueh aufwache.

Von unseren Essensvorraeten ist Joe alles andere als begeistert – er hat schliesslich Koch gelernt und spaeter 20 Sommer lang Kanutouren im Yukon gefuehrt und bekocht. Wir haben vor allem Fertigzeug mit, bis auf die selbstgemachten Muesliriegel. Zur Ehrenrettung habe ich ihm heute morgen davon schon eine Ration mitgegeben. Doch er behauptet, da gabs ein grosses Problem mit den Riegeln: Sie waren zu schnell alle! Schnell fasse ich den Entschluss, auf dieser Reise vor allem Joe mit den Riegeln zu versorgen. Als Dankeschoen fuer die viele Hilfe. Doch auch wir muessen heute nicht darben. Joe laedt uns zum Essen ein, er bringt immer viel zu viel mit, behauptet er. Heute gibt es also ganz dekadent in Kaese erstickte Gnocci zu Elchwuerstchen.

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Elchwuerstchen, Gnocci, Kaese und Pfeffer – die Zutaten zur Glueckseligkeit an diesem Tag.

Wie meine Freundin Anna jetzt sagen wuerde: Mir ist, als ob mir Englein in den Mund pinkeln! Wie kann ich denn am zweiten Tag der Tour schon so voller Glueck sein ob der unerwarteten Leckerei? Vielleicht, weil ich Fertiggerichte nicht gewohnt bin. Oder, weil man ja eigentlich immer die Moeglichkeit hat, sich was Leckeres zu essen zu beschaffen. Im schlimmsten Fall muss man ein paar Stunden warten. Doch hier gibt es diese Moeglichkeit nicht. Alles, was uns zur Verfuegung steht, ist in unserem Boot.

Heute bin ich sehr dankbar. Ich hoffe, dass ich diese eigentlich kleinen Umstaende in meinem Alltag in Zukunft auch zu wuerdigen weiss und freue mich schon auf die naechsten Tage. 🙂

 

Flusstrip 2018: Mehr Vorbereitungen und Tag 1

Der letzte Beitrag mit etwas chaotischen Vorbereitungen endete mit dem Dienstag vor der Abreise. Es folgen die weiteren Vorbereitungen bis zum Abreisetag, sowie der erste Tag auf dem Fluss.

Vorbereitungen:

Mittwoch: Wir haben Besuch und essen Baerenbraten; Tyrel repariert hustend den Motor und ist sich sicher, dass er jetzt gut funktioniert.

Donnerstag: Tyrel wird kraenker. Ich verweigere, den Motor auf dem See zu testen und koche stattdessen ueber Nacht im Slow Cooker eine Huehnersuppe.

Freitag: Nach einer nahezu schlaflosen Nacht fiebert Tyrel und ist elend. Ich floesse ihm Suppe und Tee ein.

Samstag: Irgendwann abends mobilisiert Tyrel ausreichend Kraefte, sodass wir unseren Truck zum Zielort Carmacks fahren koennen. Auf der Rueckfahrt verlangt er erst nach Orangensaft und schlaeft dann fuer den Rest. Eigentlich wollten wir heute abend schon zum Startpunkt fahren und dort eine Nacht schlafen, aber das koennen wir knicken.

Sonntag: Tyrel fiebert nicht mehr aber hustet ganz schlimm, sobald er sich bewegt. Wir beschliessen, heute noch auszuruhen. Auf dem Fluss gibt es naemlich keine Hilfe, falls irgendwas schlimmer wird. Das Auto ist gepackt und wartet auf Tyrels Genesung. Nachmittags probieren wir dann doch den Motor auf dem See aus, klappt super! 🙂

Tag 1 auf dem Fluss:

Eigentlich wollten wir um 6 Uhr morgens losfahren, Tyrel hat einen dementsprechenden, naechtllichen Wecker gestellt. Als dieser jedoch klingelt, wird er ausgestellt ohne dass Tyrel sich zum Aufstehen bewegen kann. Ich protestiere jedenfalls nicht, predige ich ihm doch immer noch, dass er Ruhe braucht und sich kaum welche goennt.

Ca. 2,5 Stunden spaeter als geplant verlassen wir schliesslich das Haus. Das Auto ist ja schon gepackt, wir praktisch! Leider konnten wir unsere Leinenueberzuege fuer unsere Schlafsaecke nicht finden. Die sind aber wichtig, falls wir in der Naehe eines Feuers schlafen, denn ansonsten sind die teuren Schlafsaecke durch Funkenflug schnell ruiniert. Ich ueberzeuge Tyrel, in der Stadt Leinenstoff zu kaufen, damit ich die Ueberzuege auf der Autofahrt zusammennaehen kann. Er ist nicht ueberzeugt, dass das klappen wird, kauft den Stoff aber trotzdem.

Bei mir stellt sich eine Gier nach Burgern ein. Ich halte es fuer wichtig, dass eventuelle Gelueste noch vor einem mehrtaegigen Wildnistrip gestillt werden. Tut man das nicht, kann das Verlangen unertraeglich werden. Jedenfalls, wenn man so gerne isst wie ich. Tyrel ist einigermassen ueberzeugt von meinen Argumenten und ich senke meine Zaehne noch ein letztes Mal in einen Burger ohne Broetchen aber dafuer mit Salat umwickelt. Das kann man hier ohne Aufpreis dazubestellen, Burgerbroetchen fand ich schon immer zu pappig und suess.

Eine grosse Pulle Hustensaft wandert noch ins Auto, sowie zwei Karibu (Rentier) Abschussgenehmigungen. Unser Freund Joe kam erst von seiner Flusstour zurueck und hat gesehen, dass jemand ein Karibu geschossen hat. Fuer den Fall, dass statt Elch ein Karibu unsere Schusslinie kreuzt, wollen wir natuerlich vorbereitet sein.

Schliesslich geht es auf die Fahrt nach Johnson’s Crossing, unseren Startpunkt und Einstieg in den Teslin River. Waehrend ich fleissig Leinenbezuege naehe, fragt Tyrel, ob ich das nicht lieber spaeter im Camp machen moechte. Noe, sage ich, und naehe froehlich weiter. So lange brauche ich auch gar nicht, als ich fertig bin muessen wir noch ein ganzes Stueckchen fahren. Ungefaehr 30 Minuten vor unserem Zielort kommt uns James entgegengefahren in Joes Truck samt Anhaenger. Das heisst Joe hat sich wahrscheinlich gerade von James absetzen lassen und ist auf dem Fluss! Mal sehen, ob wir ihn treffen. Kommt auf seine und unsere Strategie an, die meisten wollen am ersten Tag ordentlich Kilometer machen, um alle Tages- und Wochenendjaeger hinter sich zu lassen, die zum Ausgangspunkt zurueckkehren.

Zunaechst muessen wir bei dem Motel Bescheid sagen, dass wir unseren Wagen dort fuer ungefaehr eine Woche parken wollen. An der Rezeption lachen Tyrel dann frische Haehnchenfluegel und mich ein riesiger Keks mit Schokostueckchen an, die nehmen wir auch noch mit zur Staerkung bevor wir das Boot zusammenpuzzeln. Obwohl es Montagnachmittag ist, werden etliche Boote ins Wasser gelassen. An der Stelle des Flusses gibt es eine Betonrampe, mit der man seinen Bootsanhaenger direkt ins Wasser fahren kann, um da das Boot ins Wasser zu lassen. Wir mit unserem vollgepackten Kombi, auf dessen blosses Dach ein Aluboot geschnallt wurde, sind hier irgendwie Exoten.

Eine gute Stunde dauert es, bis wir alles ins Boot gestopft haben. Das System entsteht dabei meist in Tyrels Kopf und ich gebe ihm solange verschiedene Kisten und Utensilien, bis er zufrieden ist. Und dann ist es auch schon Zeit um die Annehmlichkeiten der Zivilisation hinter sich zu lassen.

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Ich stehe an unserem Startpunkt vor dem vollgepackten Boot und lasse die imaginaeren Muskeln spielen.

Meine Haare habe ich mir dieses Jahr in viele kleine Zoepfe geflochten. Letztes Jahr hatte ich sie in zwei losen Zoepfen, was mir am Ende eine grosse Filzplatte auf dem Kopf bescherte.

Dieses Jahr fahren wir nicht alleine, wir haben eine Galleonsfigur am Bug angebracht.

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Die Pluesch-Katze Pusheen begleitet uns samt Regenbogen-Maehne und Einhorn.

Tyrel und ich hieven das Boot ins Wasser. Ich setze mich hinein, Tyrel schiebt es noch weiter ins Wasser und kommt nach. Und wir sind unterwegs.

Ich benutze mein Paddel und navigiere uns stormabwaerts und weg vom Ufer. Tyrel laesst den Motor ins Wasser und startet ihn. Wir lassen den Motor warmlaufen, sicher ist sicher und heute ist ein kuehler Tag. Dann legt Tyrel den Gang ein und wir tuckern ganz langsam den Fluss herunter.

Im Kanu letztes Jahr sassen wir hintereinander, dieses Jahr koennen wir nebeneinander sitzen, das ist schoen. Tyrel drueckt mir die Flusskarte in die Hand. „Du navigierst uns dieses Jahr. Zweites Mal auf dem Fluss, mehr Verantwortung!“

„Okay… Immer flussabwarts, bis ich Stopp rufe.“ navigiere ich vor mich hin. Wozu braucht man eigentlich ne Karte, man weiss doch wo der Fluss langfliesst. „Weisst du, wo wir auf der Karte sind?“ fragt Tyrel nach ein paar Minuten. „Hmmm, entweder in dieser oder dieser Biegung…“ „Es ist aber wichtig zu wissen, wo wir sind. Auf der Karte sind flache Stellen und Steine im Fluss eingezeichnet, die einen in ernste Schwierigkeiten bringen koennen. Ausserdem sind die Lagerplaetze verzeichnet, abends sollten wir nicht an unserem naechsten Lagerplatz vorbeifahren. Der naechste koennte weit weg sein.“ erklaert Tyrel.

Fortan suche ich die Umgebung nach Steilhaengen, Felspfeilern und Prallhaengen ab und vergleiche mit der Karte, die sich in einem grossen Gefrierbeutel befindet. Zusaetzlich halte ich natuerlich nach Tieren Ausschau, ueberpruefe die Wassertiefe und schaue, ob vor uns Gefahren im Wasser lauern koennten.

Nach ein paar Stunden auf dem Wasser finden wir beide, dass es Zeit fuer die erste Pause ist. Wir steuern eine Insel an, die wir letztes Jahr ausgiebig erkundet haben. Ich finde es ist Zeit fuer eine Pause, weil ich so endlich den Mittagsproviant probieren kann. Zuhause habe ich backblechweise fleissig gebacken: Zwei Tassen Mandeln, eine Tasse Erdnuesse, eine Tasse Puffreis, einen halben Teeloeffel Salz und eine halbe Tasse Ahornsirup vermengen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und bei 160 Grad Celsius ca. 30 bis 40 min backen. Ober- Unterhitze, hier gibts meist kein Umluft und eine Tasse fasst ca. 250 ml. Bessere Riegel hab ich bisher noch nicht gegessen und ich hab schon einige Rezepte selbst ausprobiert.

Weiter gehts auf dem Fluss, wie schoen dass jetzt ein paar schoene Tage vor uns liegen! Mit einem Patpatpat untermalt der Motor unsere Aufbruchstimmung. Komischerweise wird daraus gleich darauf ein proetproetproet und dann Stille. „Kein Problem, das Benzin ist bestimmt leer“ beruhigt Tyrel.

Doch Benzin ist noch genug drin. Oel auch. Tyrel versucht den Motor wieder zu starten und zieht mehrmals heftig an der Starterschnur. Der Motor springt wieder an, die Stimmung ist jedoch gedaempft. „Lass uns bald nach einem Lagerplatz Ausschau halten.“ schlaegt Tyrel vor und ich stimme zu. Nach zwei weiteren Flussbiegungen zeigt die Karte auf der rechten Seite eine Lagermoeglichkeit an. Langsam naehern wir uns und ein orangener Punkt ist entfernt genau dort auszumachen. „Das ist Joe!“ ruft Tyrel ueberzeugt. Ich Maulwurf bin noch nicht ueberzeugt. Wir kommen immer naeher, da kann auch ich ausmachen, dass der orangene Punkt ein Gummiboot ist, wie ich es schon bei Joe gesehen habe. Dass Joe jetzt neben seinem Boot steht, hilft mir bei der Identifizierung ungemein. Wir steuern auf das Ufer zu um zu plaudern.

„Heute hab ich frueh Feierabend gemacht, es ist schon alles bereit und das Feuer brennt. Es ist genug Platz fuer euch, wenn ihr wollt.“ „Nur, wenn es dich nicht stoert!“ „Ach, Quatsch, ich hab eh mein Buch zu Hause vergessen.“

Das Boot am Ufer vertaeut ueberlegen wir, was jetzt in welcher Kiste war und was wir fuer das Lager brauchen. Tyrel schnappt sich die Kettensaege und macht etwas Feuerholz. Joe hatte naemlich kein Benzin mehr in der Kettensaege und wollte mal gucken, ob das bereits Gesaegte vielleicht zum Fruehstueck am Morgen reicht. Waehrenddessen suche ich eine ebene Stelle im Waldboden und beaeuge die umliegenden Baeume. Mit ein paar Bungeeseilen und Gurten spanne ich eine Plane zwischen den Baeumen. Eine Seite ist die tiefste, damit eventueller Niederschlag ablaufen kann. Unter der Plane breite ich eine weitere Plane auf dem Boden, auf der wir schlafen werden. Darauf die Unterlagen, Schlafsaecke im heute morgen genaehten Leinen-Ueberzug und die Innenschlafsaecke. Ich sehe auf mein Werk und bin ganz zufrieden mit mir. Das haette ich letztes Jahr noch nicht ohne Weiteres alleine geschafft.

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Es sieht nur dahingeworfen aus, ist aber eine funktionierende Lagerstaette mit System.

Auch Tyrel ist zufrieden und lobt mich. Am Feuer koennen wir heute nicht schlafen, dafuer reicht der Platz da nicht aus. Aber ich freue mich schon auf die erste Nacht im Freien seit langem.

Als die Sonne untergeht, erhitzen wir Wasser ueber dem Feuer. Wir haben eine ganze Menge Fertiggerichte von Knorr mitgebracht; so erhoffen wir uns mehr Abwechslung als die Kaesenudelodysee von letztem Jahr. Wieder schuetten wir das Fertiggericht in einen Plastikcontainer zusammen mit heissem Wasser und lassen das ganze fuer einige Zeit eingepackt in meiner dicken Jacke quellen. Heute esse ich Honig-Knoblauch-Nudeln und die sind gar nicht mal so schlecht. Noch lange sitzen wir am Feuer und erzaehlen uns gegenseitig ernste und lustige Geschichten aus unseren Leben.

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Ein warmes Feuer vor Baumsilhouetten, Abenddaemmerung und Spiegelungen im Fluss.

Ich reisse mich vom Feuer und der Gesellschaft los und gehe noch einmal hinunter zu den Booten am Fluss. Wie schoen friedlich und einfach diese Welt doch sein kann.

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Grau-orange Abendstimmung am Fluss im Niemandsland.

Heute werde ich bestimmt gut schlafen. 🙂

Der Zauber des Yukon

Der Dichter Robert W. Service lebte zu Zeiten des Goldrausches im Yukon. Er verfasste die Zeilen, die den Geist des Yukon nach Meinung der Ortsansaessigen am besten fangen konnte. Eine gelungene deutsche Uebersetzung des Gedichts „Spell of the Yukon“ habe ich auf die Schnelle nicht finden koennen, es handelt aber vom Zauber, das von diesem Land ausgeht. Ein Zauber, der viele Menschen hier her zieht und sie nicht loslaesst, wenn sie einmal hier waren.

Dass dieser Zauber durch das Internet uebertragbar ist, war mir neu. Doch es scheint so zu sein, habe ich durch meine Erzaehlungen und Bilder sirenenartig doch schon ein oder zwei Freunde zu Besuch in meine neue Heimat gelockt. 😉 In diesem Monat haben mich meine Freunde Anke und Jens besucht, die eine 17-jaehrige Flugzeugabstinenz beendet haben, um in das weite, abenteuerliche Land einzudringen.

Am letzten Tag haben wir zusammengesessen und resuemiert. Was war nicht so schoen? Das Zimmer in der Gastwirtschaft war ein wenig klein. Und die Klos sind doof, eine riesige Schuessel voller Wasser, bei der man meist mehrmals spuelen muss um alle Spuren zu beseitigen. Und was war das Schoenste?

Die Wanderungen.

Was hinter diesen beiden Worten steckt, versuche ich mit ein paar Bildern zu untermalen. Jeder, der schon mal Urlaubsbilder geschossen hat, weiss, „Das kommt gar nicht so rueber auf dem Bild“. Eine Ahnung kann man trotzdem bekommen. 🙂

Weiterhin, und nicht mit Bildern belegt, haben wir unter anderem:

  • Adlerfedern gesammelt.
  • Der Weisheit einer indianischen Medizinfrau gelauscht.
  • Baerenbraten genossen.
  • Auf dem Pferderuecken das Land erkundet.
  • Lokale Koestlichkeiten probiert.
  • Ueber Anstiege gestoehnt.
  • Ausblicke genossen.
  • Einen Wolfspelz geknuddelt.
  • Baerenspray gesprueht, nur als Test.
  • Dosen geschossen.
  • Einen hervorragenden Glen Els vernichtet.

Und vor allem gemerkt, wie toll es ist, gute Freunde zu haben. Egal, wo die sich die meiste Zeit ueber aufhalten. 🙂

Vielen Dank fuer die Zeit, ihr zwei und auf bald!


Nachtrag: Eine schoene Zusammenfassung aus der Sicht der Besucher:

So schnell vergeht die Zeit: ein halbes Jahr haben wir drüber gesprochen das wir uns bald sehen – und jetzt ist die Zeit schon wieder rum und wir haben die erste Nacht zu Hause verbracht.

Überrascht muß ich sagen: Es ist Sch.. kalt hier! So kalt war es im Yukon nicht. 😉

Wir hatten eine tolle und wundervolle Zeit bei und mit Euch und haben jetzt eine Haufen Erlebnisse und Eindrücke die verarbeitet werden wollen; mit Kopf und Herz :-). Es hat so viel Spaß gemacht, es war auf jeden Fall nicht der letzte Trip in eure Richtung und beim nächsten Mal wird auf jeden Fall der Umweg über Großstädte eingespart 😉
Jetzt kann ich auch ergänzend zu Deinem bzw. unserem Resümee der letzten Urlaubstage noch ergänzen:
Vielen Dank
  • Für Deine Führungsqualitäten in der Weite des Yukons 🙂
  • An Tyrel, für Zeit und Schweiß bei der Kurzeinführung in „Yukon-Life“, einschließlich Pick-up fahren 🙂
  • Für die Ausflüge in die regionale Küche, einschließlich Bärenbraten (er hat zwei neue Fans)
  • Für die schönen gemeinsamen Wanderungen und Abendessen, bei denen wir viel geschnauft und gelacht haben
Folgende Vorstellungen bzw. Wünsche konnten wir in der Zeit bei Euch umsetzen:
  • Einmal stundenlang durch die kanadische Weite reiten; quer durch Wälder, Bäche, Moorgebiete ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen
  • Wanderungen durch wunderschöne Landschaften
  • Viel von der einheimischen Tierwelt zu sehen. Einschließlich Adlern, Bären und Luchse im Garten
  • Picknicken am Yukon, begleitet vom grünblauen Strom unter strahlender Herbstsonne
Und, eigentlich ganz ungeplant, noch wunderschöne tanzende Nordlichter gesehen!!!
Diese Dinge habe ich für mich mitgenommen:
  • Acht Stunden im Westernsattel sind auch für den geübten Po eine Herausforderung 😉
  • Ich bin mutiger als ich dachte – aber immer noch leicht zu erschrecken (Vielen Dank an die Joggerin auf dem Auriol-Trail, die sich vermutlich immer noch über die „hopsende“ Touristin scheckig lacht)
  • Ich kann schießen – und sogar treffen
  • Ich mag Fell – auch wenn es nicht mehr maunzt oder bellt
  • Und ICH WILL EIN GROSSES AUTO… 😉 (Der Link zum RAM-Händler steht – allerdings die Anfrage für einen Tank-Kredit auch…) Zum Einstimmen läuft jetzt schonmal der Country- und Oldiesender im ollen Kombi
Es war also eine tolle Zeit und ist unbedingt zum Nachahmen zu empfehlen!!!
Wir wünschen Euch eine schöne und erlebnisreiche Auszeit, ohne Löcher in Boot oder Kanu und viel Erfolg beim Befüllen der Gefriertruhe!

Bis bald, seid fest gedrückt und herzlich gegrüßt

Von Sugar-Anke und Wander-Jens (der jetzt drängelt, das wir wandern gehen, damit er Jerky essen kann, weil das auf einer Wanderung dazu gehört 🙂 )

Eine Woche Yukon

Eine Woche Yukon nur? Das lohnt doch nicht… denkste! Meine Freundin Dinah hat den Selbstversuch gewagt und ihn nicht bereut.

Eine Woche nach dem Baerenbesuch stand sie auf der Matte. Zwar unterbreitete sie das Angebot, uns bei der Baerenkotbeseitigung im Flur zu helfen, doch die meisten Spuren konnten wir schon beseitigen. Nur die Dusche war noch nicht funktionstuechtig, aber wofuer gibt es eigentlich die heissen Quellen? 🙂

Viele Seen, Berge und Fluesse haben wir in den ersten Tagen besichtigt. Schwierig ist es nur, das Fotomotiv zu waehlen, denn irgendwie sind hier die meisten Ausblicke Postkarten-geeignet.

Die schoenste Farbe hat meiner Meinung nach immernoch der Yukon River. Je nach Lichteinfall scheint er mehr gruenlich oder blaeulich zu schimmern.

Bei der ganzen Knipserei bin auch ich mal spontan fotografiert worden. Das passiert sonst eher selten.

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Ich stehe immer parat… am Fotoapperat!

Auf dem Weg nach Carcross haben wir dann beschlossen, Dinah auch mal arbeiten zu lassen in einem kanadischen Traditionsberuf.

Erst fanden wir uns in der kleinsten Wueste der Welt wieder und dann im Streichelzoo. Ziemlich abwechslungsreich die Ecke um Carcross!

Mein persoenliches Highlight war unser Ausflug nach Haines, was in Alaska liegt. Yukon liegt ja an der Grenze zu Alaska und Alaska scheint Kanada ne ganze Menge Kueste geklaut zu haben. Das Meer ist nur ein paar Stunden Fahrt von Whitehorse entfernt, doch da der Kuestenstreifen zu Alaska gehoert, muss man dafuer das Land verlassen und in die USA einreisen. Fuer kanadische Staatsbuerger ist das kein grosses Problem. Deutsche brauchen jedoch ein spezielles Visum fuer die USA und muessen bezahlen, dazu noch Formulare ausfuellen und und und.

Zum Glueck stiessen wir auf zwei knuffige US-Grenzbeamten auf dem Weg nach Haines. Diese gute Erfahrung hat mindestens zwei meiner drei bisher schlechten Erlebnisse mit US-Beamten wieder wettgemacht.

Haines ist ein niedliches, kleines Fischeroertchen mit Hafen direkt an einer Bucht. Da mein Auto nicht abschliessbar ist und wir vorhatten im Wagen zu naechtigen und uns nicht tagsueber um unsere Sachen sorgen wollten, haben wir uns auf einen Wohnmobilplatz direkt am Wasser gestellt.

Wir hatten Glueck und kein Kreuzfahrschiff legte an, als wir da waren. Dann ist das kleine Fischerdoerfchen ueberlaufen mit Horden von Gaesten.

Eine Attraktion in Haines ist das Eagle Preserve, in dem Wildvoegel gehalten werden, die wegen dauerhafter Einschraenkung nach Verletzungen nicht wieder ausgewildert werden koennen. Wir haben es puenktlich zur Adlerfuetterung geschafft.

Doch auch in der Natur koennen in Haines zahlreiche Adler bewundert werden.

Sogar einen jungen Grizzlybaeren konnten wir in Haines erblicken. Einen Tag vorher hatte jedoch schon ein Schwarzbaer direkt hinter unserem Auto die Strasse ueberquert. Davon existieren allerdings keine Bilder, wir haben den Augenblick einfach genossen.

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Neugieriger Baer im Strassengraben.

Am Tag unserer Rueckfahrt wollten wir noch die mueden Beinchen strecken bevor wieder fuenf Stunden Autofahrt angesagt ist. Kurzerhand stiefelten wir einen Weg entlang, der vielversprechend aussah. Keine Ahnung wie viele Kilometer die Strecke lang ist, wenn das Schild Meilen anzeigt. irgenwann wird man schon ankommen.

Irgendwann ging es dann bergauf. Und bergauf. Und weiter bergauf. Jedes Mal, wenn man einen Huegel erklimmt, wird deutlich, dass sich dahinter noch weitere Huegel verbergen. Berge motivieren mich sehr, umdrehen kommt nicht in Frage! Dann wuerde ich mich die naechsten Tage nur wundern, welche tolle Aussicht ich jetzt verpasst habe.

Trotz der Tatsache, dass es sich um Dinahs erste richtige Wanderung handelte, machte sie gut mit. Ich wandere zwar viel und gerne, bin aber zweimal hingefallen und einmal umgeknickt. Koerperklaus laesst gruessen. Aber macht nichts, ich stehe einfach wieder auf und hab trotzdem Spass.

Endlich ging es dann auch nicht mehr hoeher und wir wurden mit einer tollen Aussicht auf Haines und die umgebenden Berge belohnt. Leider war schon eine gefuehrte Gruppe auf dem Gipfel aber so konnte wenigstens jemand ein Bild von uns schiessen.

Wieder in Kanada haben wir Halt gemacht bei den Million Dollar Falls. Wir erspaehten zwar keine Muenzen, dafuer glitzerndes Wasser neben einem gepflegten Campingplatz.

Leider stand Fuchs Louie ja nicht mehr auf der Besuchsliste. Er ist seit ueber einem halben Jahr nicht aufgetaucht. Ein Abend bei James zeigte aber, dass bereits Louie junior seinen Job uebernommen hat und gerne fuer ein Fotoshooting zur Verfuegung steht.

Im Vorbeifahren sahen wir dann noch eine Moeglichkeit der Moewenbekaempfung.

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Ein Adler hat eine Moewe erlegt und wird sich gleich ans Essen machen.

Schliesslich stand nur noch auf Dinahs Liste, dass sie einen Elch sehen moechte. In freier Wildbahn konnten wir da leider nichts herzaubern, aber wozu haben wir schliesslich das Wildlife Preserve in Whitehorse?

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Dinah mit Elchkuh.

Die Woche ging schnell vorbei. Doch viele neue Eindruecke wurden gewonnen und die Seele konnte etwas durchatmen. Das ist doch die Hauptsache, egal ob das in zwei Jahren gelingt, in einer Woche oder vielleicht nur in den 6 Minuten, in denen du diesen Beitrag gelesen hast. 🙂

Berufsstände

Meine Augen haben sich wieder etwas mehr auf unscharf gestellt und verdreht. Die Sehschwäche kratzt mittlerweile an der -7 und auch die Hornhautverkrümmung hat zugenommen.

Unschöner Nebeneffekt: Die torischen Kontaktlinsen drehen auch fleißig im Auge umher und ich sehe nur noch mit einem Auge scharf. Maximal einem Auge.

Dann stellen wir halt vorerst auf das gute alte Nasenfahrrad um.

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Ich, bebrillt, vor elektronischen Zeichnungen im Büro.

Tyrel findet, dass ich jetzt wirklich aussehe wie ein Ingenieur. Und irgendwie bin ich das ja auch.

An manchen Tagen auf der Arbeit klappt es erstaunlich gut. Ich ändere Zeichnungen von Flugzeugelektronik anhand von Ingenieursaufträgen. Ich verfasse meinen ersten kleinen Ingenieursauftrag zum Austausch von Navigationscontrollern.

Dann gibt es wieder Tage, an denen ich mich frage, was ich hier eigentlich mache und wie irgendwer auf die Idee kommt, dass ich dafür qualifiziert bin.

Doch dann beruhige ich mich schnell wieder. Natürlich bin ich qualifiziert. Immerhin habe ich 1998 alle Folgen der Sendung mit der Maus gesehen, die den Flugzeugbau erklärt haben!

Nachmittags gehe ich spazieren und treffe auf Biberdämme. Vor Ort stand ich in einer Mückenwolke. Doch das Bild, das ich geschossen habe, schaue ich mir später noch sehr gerne an.

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Ein Biberdamm staut einen kleinen Bach auf, umgeben von frischem Grün.

Was für schöne Farben. Und eine ganz raffinierte Baukunst, die diese Nagetiere einfach so vollbringen.

Oh Kanada, du bringst mich immer wieder zum Staunen. 🙂

Fuchsingen

Leider kam Fuchs Louie unseren Freund James schon seit einigen Monaten nicht mehr besuchen. Bei der langen Zeit kann man wohl davon ausgehen, dass er auch nicht mehr vorbeigehumpelt kommt. Schade.

Ende des Winters kam uns eine uebergrosse Ratte besuchen… Bei genauerem Hinsehen stellte man dann fest, dass die Ratte zu lange Beine hat, um eben Ratte zu sein. Ein Fuchs ohne fluffiges Fell schlich um unser Haeuschen herum bei -30 Grad!!!

Das eine oder andere Mal haben wir dann ein bisschen Hundefutter vor der Tuer vergessen… *raeusper*

Und jetzt ist dem Fuchs Skinny schon mehr Fell gewachsen als den Winter ueber. Dass seine Fuchsfreunde gerade ihren Pelz verlieren, scheint ihn dabei nicht zu stoeren. 🙂

Vor ein paar Tagen lungerte er wieder im Garten herum und ich nahm die Kamera zur Hand.

Bei Fuechsen finde ich es faszinierend, in wie vielen Farbspielen sie zu beobachten sind. Manche sind orange, manche schwarz, aber man sieht sie auch in karamell- honig farben oder aber fast weiss und grau und alles dazwischen.

Ich hoffe jedenfalls, dass Skinny sich einen echten Fuchspelz zulegt, bevor der naechste Winter den Yukon in die Finger bekommt!