Kaelte

Kalt und Platt.

Besonders neu ist das Jahr schon gar nicht mehr – hoechste Zeit, mal wieder zu schreiben!

Es folgen einige Updates zu meinem Leben.

Huehner

Meinen fedrigen Freunden geht es gut. Auch die derzeit frostigen Temperaturen am Morgen von -36 °C bis -40 °C stecken sie gut weg. Wenn es kaelter als -30 °C ist, lasse ich sie morgens nicht aus dem Stall. Dafuer aber fahre ich in der Mittagspause nach Hause, lasse sie in den Auslauf und gebe ihnen warmes Wasser und Apfelspalten.

Icicle (vorn) und Shadow im Winterfederkleid.
Fluffige Henne Brave wirkt etwas explodiert.

Nur wenn es morgens -40 °C ist, kommen die Huehner mittags noch etwas frostig aus dem Stall. In der Zeit hat die Sonne aber den Auslauf schon erwaermt, dass er mittlerweile waermer als im Stall ist. Die Temperatur im Stall halten die Huehner auf minimal -20 °C, doch der Auslauf heizt bei -36 °C Tageshoechsttemperatur bis auf -8 °C auf.

Natuerlich haette ich es gern ein bisschen waermer fuer die Huehner, aber eine Beheizung des Stalls waere angeblich gefaehrlicher fuer sie als die Kaelte an sich. Alle Waermeoptionen, die mit offener Flamme arbeiten, sowie auch Waermelampen, stellen eine immense Brandgefahr dar. Gerne haette ich ein paar leicht beheizte Platten aehnlich einer Heizdecke, aber dafuer reicht meine Elektrizitaet nicht aus im Winter. Bevor ich mir Huehner angeschafft habe, habe ich mit Bauern gesprochen, die Huehner ohne Strom und Heizung im Yukon-Winter halten. Aber wenn es dann so kalt ist, dass man sich vor dem Gang auf den Donnerbalken vermummen muss, dann sorge ich mich doch um meine lieben Huehner.

Frosthenne Icicle
Waerme steigt nach oben, daher rasten auch die Hennen gern auf hoeheren Sitzstangen.

Trotz den Temperaturen legen die Hennen noch Eier. Sogar mehr als es im Dezember der Fall war. Dreizehn dieser Eier uebergab ich meiner Vermieterin, denn sie wollte gern ein paar Huehner meiner grossen Rassen in ihre Herde integrieren (sagt man das bei Huehnern so? Sind doch eigentlich keine Herdetiere, sie leben eher in einer strikten Hierachie).

Jetzt liegen diese 13 Eier in ihrer Brutmaschine und werden meine Huehner vielleicht bald zu Eltern machen. Das finde ich ganz irre, immerhin sind die Huehner noch nicht mal ein Jahr alt! Dazu kommt, dass es sehr kalt war, als ich die Eier gesammelt habe, einige waren bestimmt angefroren. Nur die, deren Schale aufgeplatzt war, habe ich stattdessen aufgetaut und an Arma verfuettert. Apropos…

Arma

Arma ist schnell und voller Energie und Enthusiasmus. Und voller Unfallpotenzial.

Leider hat sie sich beim Rumtollen irgendwie die Hinterpfote aufgerissen. Es hat geblutet wie irre und man konnte bis auf den Knoechel sehen. Die Wunde wurde vom Tierarzt gesaeubert und geklammert. Durch die mit inbegriffene Narkose schwebte Arma fuer den Rest des Tages in anderen Sphaeren.

Arma unter Drogeneinfluss.

Nach zwei Wochen Leinen- und Verbandspflicht sollten die Klammern entfernt werden. Leider entfernte Arma sich einen Tag vorher ihren Verband selbst und leckte ein paar Stellen an ihrer Pfote wund. Jetzt sind die Klammern draussen, der Verband bleibt trotzdem noch erhalten.

Arma, Gesichtsausdruck wie ausgestopft.

Jetzt ueberlege ich, ob wir fuer sie eine Unfallversicherung abschliessen sollten. Es scheint ja nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich mal etwas bricht – und dann ist man gleich mehrere Tausender los.

Ich

Ich selbst bin ein wenig schlapp derzeit. Woran es liegt, weiss ich nicht genau.

Folgende Faktoren koennten dazu beitragen:

  • Es ist kalt und mein Koerper ist im Winterschlaf.
  • Mein Immunsystem kaempft insgeheim gegen eine Erkaeltung an.
  • Der Fakt, dass meine Arbeitsstunden erhoeht wurden und ich jetzt eine 44 h Arbeitswoche habe, schlaegt mir aufs Gemuet.
  • Ausser verlaengerten Wochenenden habe ich meinen letzten Urlaub im Oktober 2019 gehabt.
  • Coronamuedigkeit, wir kennen es alle.

Was mir gegen den letzten Punkt hilft, ist meine Kreativitaet in Punkto Maske auszuleben.

Ich im Buero, mit Ganzkopfmaske.

Bei den vorherrschenden Temperaturen muss man draussen eh eine Maske tragen um die Atemwege vor der Kaelte zu schuetzen, Virus hin oder her.

Ich, frostig.

Ausserdem habe ich es geschafft, einen Platz in einem oertlichen Toepferkurs zu ergattern! Zwei Stunden hatten wir schon, natuerlich mit Maske und Abstand. In der ersten Stunde haben wir uns an der Toepferscheibe versucht und in der zweiten Stunde dann die Resultate verfeinert und noch ein wenig mehr getoepfert.

Toepferei, Woche 1.
Die gleichen Schalen nach Woche 2, jetzt warten sie auf das erste Feuern.

Jetzt warte ich auf noch laengere Tage und waermeres Wetter. Dann werde ich mich versuchen, davonzustehlen von beiden Jobs und Ski zu laufen. Irgendwo ausserhalb jeglichen Empfangs. Denn ich weiss, dass mir das unheimlich hilft, gegen die Schlappheit oder gegen das Gefuehl, in einem Hamsterrad zu leben. Bewegung in der Natur, nur fuer mich allein. Dann fliessen meine Gedanken, Bewegung kommt in das eigene System und in die Glaubenssaetze, die man fuer sich so geschrieben hat und ich fuehle mich ganz frei.

Frei wie die Skilanglaufspur auf diesem Bergruecken.

Tja und bis das soweit ist, gebe ich mich einfach der Schlappheit und der Kaelte ein wenig hin und mach es mir mit einem Tee und der Waermflasche auf dem Sofa gemuetlich, nur um anschliessend ins Bett zu wandern.

Bleibt warm! 🙂

Laufend unterwegs

Wer haette mal gedacht, dass ich freiwillig laufen gehe?

Leute, die mich schon laenger kennen, wissen, dass Sport eher nicht so meine Staerke ist. Eher essen, schlechte Witze erzaehlen und viel mit Freunden unternehmen.

Folgendes Bild von wurde vor 10 Jahren aufgenommen und zeigt mich beim Ausueben meiner damaligen Hobbies:

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Warum entscheiden zwischen Bier trinken und rauchen, wenn auch beides gleichzeitig geht?

Das Rauchen habe ich vor knapp 10 Jahren aufgegeben. Das Bier trinken hat mich noch laenger verfolgt. Erst vor wenigen Jahren wurde mir bewusst, dass jede am Nachmittag oder Abend konsumierte Flasche einen naechtlichen Toilettengang nach sich zog. Und um das in Kauf zu nehmen, schlafe ich einfach zu gerne.

Als ob es nicht genug gewesen waere, nicht mehr zu Rauchen oder zu Trinken. Trotz dem ich der Meinung war, dass Sport Mord sei, gesellte sich 2011 das gelegentliche Radfahren dazu. Und 2014 das Wandern. Nur Laufen, so stellte ich regelmaessig und vehement klar, Laufen hasse ich! Das kann ja auch gar nicht gesund sein. Lange braucht man nicht zu recherchieren, bis man auf negative Berichte ueber den Laufsport stoesst. Knie gehen kaputt. Marathonlaeufer sterben an einem bis dahin unentdecken Herzfehler. Vom Tod des ersten Marathonlaeufers ganz zu schweigen.

Wie kam ich also dazu, meine Vorbehalte aufzugeben?

Um mal laenger auszuholen: Anfang 2018 schaffte ich mir eine Personenwaage an. Ich wusste schon vorher, dass manche Hosen nicht mehr passten und wurde dann bestaetigt, dass ich am oberen Ende des Normalgewichts kratzte. Uebergewichtig war ich schon lange genug gewesen (BMI bis zu 28). Ist schon laenger her aber macht keinen Spass. Die Knie und der Ruecken tut weh sogar ohne schaedliches Lauftraining und ich war so schnell aus der Puste, dass ich an manchen Dingen gar nicht teilnehmen wollte. Darauf hatte ich also keine Lust mehr. Aber Diaeten sind jetzt auch nicht unbedingt mein Fall. Wenn ich auf was bestimmtes verzichte so wie Kohlenhydrate, dann bekomme ich erst recht Hunger darauf. Nur kleine Portionen essen mag ich auch nicht, das Gefuehl des Vollgefressenseins ist einfach zu himmlisch. Nicht die besten Voraussetzungen, um etwas abzuspecken.

Dann stiess ich auf die Seiten von Jens auf 5zu2.wordpress.com. Von Jens erfuhr ich, was Intervallfasten ist. Man isst entweder zweimal in der Woche einen Tag lang wenig, oder man isst taeglich 16 Stunden am Tag nichts. Hoert sich zu schwierig an, dachte ich. Doch dann fiel mir auf, dass ich bereits einige Wochen lang an Arbeitstagen 12 Stunden am Stueck nichts esse. Abends um 19 Uhr esse ich noch etwas, dann gehe ich schlafen, bin um 5 Uhr ohne Fruehstueck auf der Arbeit und bin erstmal so beschaeftigt, dass ich erst um 7 Uhr Zeit habe zu fruehstuecken. Hmm. 12 oder 16 Stunden sollten doch jetzt auch kein grosser Unterschied sein, oder? Im Februar 2018 probierte ich aus, statt um 7 Uhr mein Fruehstueck um 11 Uhr zu essen. Und es hat mir keine Probleme bereitet. Seitdem habe ich von 365 Tagen bestimmt 350 Tage das Intervallfasten 16:8 betrieben. Ich fuehle mich, als haette ich mehr Energie und ich muss mir keine Gedanken mehr darueber machen, was ich auf die Arbeit zum Essen mitbrigen (Ich esse seit ca. 10 Monaten jeden Tag das gleiche auf der Arbeit). Darueberhinaus habe ich 13 kg abgenommen und jetzt einen BMI von 20, mein Mindestgewicht seit 12 Jahren.

Doch waehrend des Abnehmens fragte ich mich dann, wozu ich das eigentlich mache. Um den Beschwerden vorzubeugen, die ich als Uebergewichtige hatte. Aber gehoert dazu nicht noch mehr als eine bestimmte Zahl auf der Waage zu sehen? Mitte Juni gegen 22 Uhr, draussen ist es noch taghell, verkuendet Tyrel, dass er jetzt eine Runde Laufen geht. Alle paar Monate ueberkommt ihn das Beduerfnis mal. Super, dachte ich mir, ich begleite ihn mit dem Fahrrad.

Okay, die erste Haelfte der Strecke ging es nur bergauf, das Fahrrad war mir also keine grosse Hilfe. Aber als ich den 203 cm grossen Tyrel gazellenmaessig vor mir wegspringen sah, waehrend ich schnaufend vom Rad abstieg und schieben musste, daemmerte mir, dass dieser Zustand auch nicht gesund sein kann. Was, wenn ich an der Kueste bin und ein Tsunami anrollt? Dann kann ich nicht in die Berge laufen. Oder noch viel schlimmer, was wenn ich auf dem Weg zum Supersonderverkauf im Kaeseladen bin und mein Auto ne Panne hat?!?!

Jupp, ich muss was tun. Mit 30 war das dann auch mal an der Zeit.

Zuerst fand ich ein Programm, das angeblich fuer Leute war, die Laufen hassen. Es fing an mit zwei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen im Wechsel. Laeppisch, dachte ich. Doch als ich es dann tatsaechlich ausprobierte, hustete ich mir die Lungen aus dem Leib. So nicht. War ich dann doch einfach nicht geeignet fuer das Laufen?

Zum Glueck war ich noch nicht voellig demotiviert und suchte weiter. Jetzt nicht mehr fuer Leute, die Laufen hassen, sondern fuer Leute, die nicht Laufen koennen. Da stiess ich auf das Programm „Couch to 5 k“, was anscheinend eher meinem Fitnesslevel entsprach. Da bestand die erste Woche aus 60 Sekunden Laufen abwechselnd mit 90 Sekunden gehen. Das war hoellisch anstrengend! Aber irgendwie machbar. Denn dass ich nicht mal 60 Sekunden lang laufen koennen soll, dazu war ich dann doch zu stolz.

Irgendwie habe ich es geschafft, am Ball zu bleiben. Mit Unterbrechungen, fuer die Kanutour, wegen Krankheit, wegen Temperaturen um -40 Grad, auch mal wegen extremer Unlust.

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Bei -22 Grad und Schnee gehe ich trotzdem laufen und komme zurueck zugefroren wie der Yeti.

Aber ich weiss, wenn ich mich aufraffe zu laufen, dann werde ich belohnt mit malerischem Bergpanorama, mit Ausblicken auf Seen und Taeler und mit einem ungewohnten befriedigenden Gefuehl. Einem Gefuehl, dass ich mir etwas koerperlich erarbeite, was mir nachhaltig gut tut. Dass ich mich um mich sorge und Zeit und Muehe fuer meine Gesundheit investiere.

Werde ich etwa erwachsen?! Naja, solange es sich so gut anfuehlt, bin ich auf jeden Fall dabei.

Und wer sich bei sonnigen -25 Grad zu einem 45 Minuten Lauf aufraffen kann, der bekommt sogar den Mascara umsonst dazu!

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Warum vereist eigentlich alles, wobei die Kaelte doch so trocken ist? Manche Dinge bleiben mysterioes!

Habt eine gute Woche! 🙂

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Unsere Einfahrt auf dem Weg zurueck nach dem Lauf.

Frostiger Alltag

Von Klimaerwaermung ist diesen Winter nichts zu spueren: Es ist kalt. Sehr kalt.

Wenn es in Deutschland -16 Grad waren (das kaelteste, was ich dort erlebt habe), liefen die Telefone beim ADAC heiss, viele Autos sprangen nicht mehr an und wer nicht vor die Tuer musste, tat es nicht.

Nun ist es hier kaelter. An unserem Blockhaus ist es gerne mal bis zu 16 Grad kaelter als in Whitehorse, und selbst da ist es verdammt kalt.

Wie geht man um mit der Kaelte? Nun, es gibt verschiedene Stufen von kalt.

  1. Alles bis -20 Grad wird so behandelt wie +2 Grad in Deutschland. Man zieht sich morgens eine Jacke an und faehrt zur Arbeit. Wer nett zu seinem Auto ist, laesst es ein paar Minuten laufen, bevor er losfaehrt.
  2. So um -20 bis -25 Grad sollte man den Stecker am Auto in eine Steckdose gesteckt haben (Batteriewaermer und Motorblockwaermer), ca. 30 Minuten sind okay, etwas laenger ist gut. Das Auto vorzuwaermen bei laufendem Motor ist nun spuerbar dem Komfort zutraeglich.
  3. Bei -30 bis -35 Grad sollte man wirklich, wirklich das Auto fuer einige Zeit eingestoepstelt haben. Zwangsweise habe ich das Auto auch versucht, so zu starten, was nach ein paar Ueberredungsversuchen auch geklappt hat. Aber ich hatte viel Mitleid mit dem gequaelten Auto.
  4. Unter -40 Grad gehen Dinge kaputt.

Eines Morgens Mitte Januar wache ich puenktlich um 3:30 h auf, ziehe mich an, putze die Zaehne, heize den Kamin an und schaue auf das Thermometer. Mein Blick bleibt fuer ein paar Sekunden am Zeiger haengen. -46 Grad. Oha.

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Gegen Mittag hat Tyrel netterweise ein Bild vom Thermometer gemacht. Bei Sonnenschein zeigt es immerhin -45 Grad an und nicht mehr -46 wie noch um 3:45 am Morgen.

Letzten Winter habe ich -40 Grad erlebt, bin dann aber einfach nicht rausgegangen. Heute muss ich. Und zwar bald.

Naja, denke ich mir, -6 Grad sind kein Problem, genauso wie -16 Grad. Bei -26 und -36 Grad ist es gut, wenn das Auto eingestoepselt ist und man es vorwaermt und dann ist auch alles okay. Warum sollte es bei -46 Grad anders sein? Auf jeden Fall sollte ich es gut vorwaermen lassen, am besten 15 Minuten.

Schnell ziehe ich mir Jacke, Muetze und Handschuhe ueber und schleiche mit dem Autoschluessel bewaffnet zum Auto. Auf dem Weg dahin atme ich zu tief durch die Nase, die Luft beisst in meine Luftroehre und laesst mich husten. „Bloss flach atmen!“, denke ich mir und oeffne schliesslich die Autotuer und setze mich auf den Fahrersitz.

Die Tuer faellt hinter mir nicht ins Schloss. Nach 8 Versuchen gebe ich auf und stecke den Schluessel ins Zuendschloss bei offener Tuer und drehe ihn um.

Mein Auto starrt mich mit wortlosem Entsetzen an. Es macht kein Geraeusch, jedoch sind die Displays, die normalerweise Uhrzeit und gefahrene Strecke anzeigen, beleuchtet und blank. Nochmals drehe ich den Schluessel in die Ausgangsposition und wieder auf Start, doch nichts geschieht.

„Verdammt!“, denke ich mir. „Wie soll ich denn jetzt zur Arbeit kommen?! Der Truck ist noch nicht eingestoepselt, das wollte ich ja jetzt machen bevor ich fahre. So springt der mit Sicherheit nicht an! AAaah, Auto!!!“ und ich versuche es wieder und wieder. Schliesslich ertoent ein gequaeltes Leiern und das Auto springt tatsaechlich an! Auch wenn die Motorengeraeusche sich noch nicht allzu gesund anhoeren. Aber dafuer waermt es sich ja lang genug auf, bevor ich fahre. Die Gangschaltung befoerdere ich in den Leerlauf. Sowohl Kupplung, als auch Schalthebel lassen sich nur mit erheblicher Kraftaufwendung betaetigen.

Bevor ich wieder ins Haus gehe, muss ich aber noch die Lueftung anschalten, sonst fahre ich in einem Eisblock. Ich stelle die Lueftung von 0 auf 3 und statt Luft kommt mir ein ohrenbetaeubendes „UELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUE“ entgegen. Nach ca. 10 Sekunden verstummt das Geraeusch und ich habe getan, was zu tun ist. Nach dem Aussteigen laesst sich die Tuer auch nach 15 Versuchen nicht schliessen. Ich lehne sie an, so gut es geht, ziehe den Autostecker aus dem Verlangerungskabel, stoepsel den Truck fuer Tyrel spaeter ein und warte im Haus 17 Minuten ab.

Schliesslich muss ich los. Das Auto ist einigermassen warm von innen. Jedenfall mit Stiefeln, Jacke, Handschuhen und Muetze. Die Autotuer benoetigt weitere 18 Versuche, bis sie schliesst und das Auto aufhoert, vor Protest zu piepen. Und dann fahre ich auch schon los. Die Lenkung, Pedale und Schaltung sind sehr muehsam zu betaetigen aber das Autochen faehrt den Huegel hoch.

Einige Stellen unserer Zufahrtsstrasse sind voller Riffel. Das Auto macht komische Klappergeraeusche und fuehlt sich so fremd an, als wuerde es gleich in der Mitte auseinanderbrechen. In der Mitte der Riffelstrecke schwingt die Fahrertuer auf, laesst sich aber schon beim dritten Versuch schliessen.

Dann fahre ich schon auf der Strasse und anschliessend auf dem Highway. Puh, geschafft, ich bin auf dem Weg, denke ich mir und schalte das Radio ein um eine CD zu hoeren. Das Album Nifelwind von Finntroll ist eingelegt und es laeuft das Lied „I trädens sång“.

Die Lautstaerke ist mir jedoch etwas zu hoch, weswegen ich versuche, den Regler ein bisschen herunterzudrehen.

DAS KLAPPT ABER NICHT, DENN ES WIRD IMMER LAUTER, JE MEHR ICH HERUNTERDREHE!!! (Wer mag, kann die Situation gerne nachstellen ^^)

DANN SCHALTE ICH DAS RADIO EINFACH AUS und hoffe, dass ich keinen Herzinfarkt bekomme, wenn ich es wieder einschalte. Beim naeheren Betrachten sehen die LCD Displays auch nicht besonders gluecklich aus. Sie zeigen zwar Uhrzeit und Distanz an, haben ausserdem noch schwarze Aderchen in ungenutzten Feldern entwickelt.

Etwas weiter auf dem Highway sehe ich merkwuerdige Nebelschwaden, die sich in Bodenhoehe tummeln. Als ich hindurchfahre, bestaetigt sich mein Verdacht: Es ist Kaminrauch von den umliegenden Huetten, der bei diesen Temperaturen nicht emporsteigt, sondern augenscheinlich auf den Boden faellt.

Nach 20 Minuten Fahrt scheinen sich die Displays erholt zu haben und mir ist es moeglich, Fintroll in einer angenehmeren Lautstaerke zu hoeren.

Als ich letztendlich mein Ziel in Whitehorse erreiche, steht mein Auto wie jeden Morgen vor einem verschlossenen Tor. Ich muss das Fenster runterkurbeln und den Sicherheitscode eingeben, bevor es sich oeffnet. Die Zahlen liegen nur so dicht beieinander, dass ich dafuer meinen dicken Handschuh ausziehen muss. Obwohl es in Whitehorse „nur noch“ -36 Grad sind, tut mir meine Hand nach dem kurzen Tippen auf der Tastatur fuer ein paar Minuten weh.

Auf der Arbeit angekommen, stoepsel ich das Auto wieder in eine Steckdose. Ein Verlaengerungskabel habe ich immer dabei.

Ich gehe in mein warmes Buero, freue mich, dass alles so gut geklappt hat und meine Hochachtung vor den Ureinwohnern, die die Behausung teils mit Tranfunzeln gewaermt haben, steigt um ein Vielfaches.

Uebrigens gehe ich durchaus spazieren, wenn es bis zu -35 Grad sind. Man muss das Haus ja auch mal verlassen, sonst gibt es cabin fever, das Huettenfieber, was schon einige Verrueckte hervorgebracht hat.

Zwei Beweisbilder kann ich spontan liefern:

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Ein eisiger Spaziergang im letzten Winter bei -34 Grad. Trotz Gesichtsmaske sind alle feinen Haare von einer Eisschicht ueberzogen.

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Aufnahme von vor ein paar Tagen bei -36 Grad. Die flauschige Kunstfellmuetze ist mehr weiss als braun und auch am Nasenloch der Gesichtsmaske bilden sich Zapfen.

Habt eine gute Woche! 🙂

Ein Sonnenaufgang im Winter

Irgendwie bin ich immernoch mit der literarischen Aufarbeitung der Herbstaktivitaeten beschaeftigt. Doch jetzt hat mich die liebe Anke schon zwei mal nach Winterbildern gefragt, was ich ihr bis jetzt schuldig geblieben bin.

Daher dieser Einschub. Als kleines Dankeschoen fuer die lieben Karten, Fotos und Emails, die mich mit Weihnachtswunschen erreicht haben (ein Fresspaket von meinen Eltern war auch dabei)! Ich bin jetzt schon 1,5 Jahre nicht mehr in Deutschland und ich freue mich, dass ich immer noch ein Stueck dazu gehoere. 🙂

Wenn ich gefragt werde, ob die dunkle Jahreszeit nicht total doof ist, muss ich verneinen. Ich mag die Zeit. Die Kaelte, die Ruhe, das prasselnde Kaminfeuer, vor dem ich auftauen kann. Die Nordlichter! Das Glitzern des Schnees im Schein der Kopflampe. Das goldene Licht am Tage. Und vor allem: Die pinken Berge am Morgen!!!

Heute morgen bin ich ganz frueh aufgestanden, noch vor Sonnenaufgang, um diesen schoenen Moment festzuhalten. Naja, vor Sonnenaufgang ist ehrlich gesagt auch nicht so schwierig, da die Sonne in Whitehorse heute offiziell um 10:10 h aufgeht. 🙂 Um 9:30h machte ich mich also dick eingemummelt auf nach draussen, wo immerhin -30 Grad herrschten.

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In der Daemmerung gehe ich unsere 600 m lange, verschneite Zufahrt zum Haus entlang.

Ziemlich am Anfang unserer Zufahrt liegt ein kleiner Huegel, von dem man eine schoene Aussicht hat. Den habe ich natuerlich gleich erklommen.

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Im Osten faerbt sich der Himmel langsam heller hinter der Bergsilhouette.

Doch es ist noch ziemlich dunkel. Da hilft nur Warten. „Warum habe ich eigentlich meine Brille auf und nicht meine Kontaktlinsen eingesetzt?“, frage ich mich, waehrend ich die Glaeser das erste mal mehr oder weniger erfolgreich vom Frost befreie.

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Im Westen faerbt sich der Himmel rosa.

Zum Glueck drehe ich mich um, waehrend ich auf meinen kalten Fuessen hin- und herwippe. Obwohl es noch ziemlcih dunkel ist, nimmt der Himmel im Westen schon eine dunkelrosa Farbe an. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis meine lieben Berge gefaerbt sind.

Langsam faengt es an. Die im Westen liegenden Berge scheinen schon ein klein wenig rosa zu werden. Zwischen jedem Bild stecke ich meine Kamera in meine Jacke, damit sie nicht ploetzlich aufhoert, zu funktionieren. Bei -30 Grad dauert es nur einige Minuten, bis die Batterie ihre Dienste verweigert.

Auf der Ostseite sehe ich schon, wie die Sonne durch einen Bergpass gebrochen ist und ihre langen Strahlen hindurchstreckt.

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Ein wenig ist zu erkennen, dass ein Berg in der Ostseite angestrahlt wird.

Der weisse Streifen vor den Bergen ist der Yukon River. Eine duenne Wolkenschicht breitet sich zur rechten Seite meines Sichtfeldes aus, ungefaehr auf mittlerer Hoehe der Berge.

Und schliesslich ist es soweit und meine lieben Berge sind im praechtigen Pink gefaerbt.

Pink vor hellblau: Schoenste Schluepferfarben bietet das winterliche Morgenszenario, das ich im Sommer irgendwie vermisse. Doch die Sonne muss noch aufgehen… es ist nun auch schon spaeter als 10:10 h. Die Sonne muss wohl noch ueber den Berg klettern.

Gegen 10:30 h ist es dann schliesslich soweit und die ersten Sonnenstrahlen treffen auf die Kameralinse. Ein Gefuehl der Erleichterung durchstroemt mich. Dass die Sonne jeden Tag aufs Neue aufgeht, scheint wie ein erfuelltes Versprechen, wie ein Grund, die Hoffnung nicht aufzugeben. Oder bin ich nur so froh, bald wieder ins Warme zu treten?

Dann bricht die Sonne komplett durch und das rosa Licht ersteckt sich auf meinen Huegel und mich selbst. Wie schoen es ist, dass man sich auf einige Sachen wirklich verlassen kann.

Dieses rosa Licht am Morgen ist fuer mich die schoenste Weihnachtsdekoration, die ich mir vorstellen kann. Dazu ist Weihnachten auch der Punkt, an dem die Tage wieder laenger werden. Das Fest hat hier eine ganz neue Bedeutung fuer mich bekommen.

Jetzt bin ich aber wirklich froh, wieder ins Haus zu gehen und aufzutauen vor dem warmen Kamin, den ich am Morgen angefeuert habe.

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Der Kaminrauch wird schon von der Sonne erleuchtet, der Rest liegt noch im Dunkeln.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins spannende 2018 wuenscht euch allen aus dem Yukon eure Luisa!

Achterbahn der Temperaturen

Als ich Samstag morgens langsam wach wurde, war alles ein bisschen anders. Ich lag zu einer Kugel zusammengerollt unter den dicken Decken. Mein Kopf war auch unter der Decke; wie eine Robbe unter dem Eis hatte ich mir ein Luftloch zum Atmen geschaffen. Und was ich da einatmete, war eisig.

Stimmt, fiel mir ein, niemand ist in der Nacht aufgestanden und hat Holz nachgelegt in den Ofen. Und gestern Abend waren es draussen schon -30 °C.

Die Regeln brauchten nicht ausgesprochen werden und standen doch sofort fest. Es war die gleiche Regel, die auch im Bierausschank nach einer Peiner Brauereibesichtigung gilt: Wer zuerst zum Toilettengang aufsteht, verliert.

Bald war klar, dass ich bei diesem Duell den Kürzeren ziehen werden (im Gegensatz zu Peine!). Fünf Minuten noch harderte ich mit meinem Schicksal unter der warmen Decke. Dann brüllte ich „Allahu Akbar!!!!“ Und riss mir selbst die Decke vom spärlich bekleideten Leib. Irre, wie schnell man sich anziehen kann bei -5 ° zu Hause. 🙂

Der Ofen war schnell gezündet und auch der Herd versuchte, Wasser für Tee und Wärmflasche zu erhitzen. Doch ich warf mir schnell noch ein paar Lagen über und ging raus, um zu sehen, welche Aussentemperatur mir so einen frostigen Morgen beschert.

Stolze -39 Grad! Vor ein paar Tagen waren es doch erst +3 Grad. Für morgen kündigt die Wettervorhersage schon wieder Null Grad an. Früher dachte ich mal, ich sei wetterfühlig. Da würde ich hier ja gar nicht mehr aus den Zipperlein rauskommen. Nee, ich nehme es einfach, wie es kommt. 🙂

Neuguinea-Dingo Kito Ist mittlerweile einmal zu oft weggerrannt. Meist landet sie in der mehreren Kilometer entfernten Tankstelle. Die Mitarbeiter haben Mitleid mit ihr und füttern sie dann, was der ganzen Sache nicht dienlich ist. Debs und Jons Telefonnummer trägt Kito aber am Halsband, so dass sie abgeholt wird. Bei Kitos letztem Tankstellenbesuch haben die Mitarbeiter allerdings ein Foto von ihr gemacht und einen Beitrag auf Facebook gepostet: Debs Hund ist schon wieder weggelaufen.
Das besiegelte ihr Schicksal. Vorerst ist sie Kabel-Kito und ihr Wirkungsbereich auf einen Radius von etwa 2,5 Metern beschränkt. Einerseits mag ich sie nicht besonders, weil sie eine verwöhnte Bratze ist, die mit allem davonkommt und schon reichlich Sachen zerkaute. Andererseits tut sie mit Leid, so am Kabel. Daher gehe ich manchmal mit ihr und dem immer noch freilaufenden Labrador Buddy spazieren. Ich habe ja auch was davon. Die Aussicht.

Nach meinem todesmutigen Ofenzünden Samstag morgen hab ich gleich noch was Verrücktes gemacht: Ich bin zum Canadian Tire gegangen und habe mit meinem Waffenschein ein Gewehr gekauft. Einfach so. Die Kalibergröße lautet .30-06 (sprich thirty-odd-six), was früher einmal das Standardkaliber für die US-Army war. Mittlerweile gibt es das Nato-Kaliber, was Tyrels Gewehr .308 entspricht. Das Geschoss ist bei beiden Gewehren gleich mit 7,62 mm Durchmesser. Allein die Patronenhülse ist anders geformt und durch die unterschiedliche Form können andere Pulvermengen und damit auch Geschossgeschwindigkeiten erreicht werden. Für meine .30-06 kann ich Munition mit 180 Grain kaufen, wobei Grain schon wieder eine verwirrende Maßeinheit ist. Ein Grain entspricht ca. 15 Gramm Schiesspulver.

Der geneigte Leser fragt sich vielleicht, warum wir noch ein Gewehr brauchen. Die Antwort ist einfach: Sie erfüllt die Mindestvoraussetzungen, um ein Bison zu erschießen mit 180 Grain Munition. Tyrels 308 hat leider ein bisschen zu wenig Wumms. Weil das Wetter der Vorhersage gefolgt ist und aufwärmte, gehen wir morgen (Mittwoch) nochmal auf Bison-Jagd. Tyrel hat naemlich ganze vier Tage frei von der Arbeit. Sein erster Urlaub, seit wir in Kanada sind. 🙂 Dieses Mal jagen wir aber an anderer Stelle. Letztes Mal hatten wir eine von einem Freund geliehene Waffe mitgenommen. Aber die wurde mittlerweile verkauft. So dass wir jetzt bei einem Super-Sonderangebot von $299 zugeschlagen haben.
Die Savage Axis 30-06 stainless steel ist zwar nichts zum Angeben aber grundsolide und perfekt für das, was wir vorhaben. Ich darf zwar selbst noch nichts bis auf Grouse, Stachelschwein, Erdhörnchen und Hasen jagen, aber ich kann beim Zerteilen und Tragen helfen. Die Arbeit fängt nämlich erst an, nachdem man den Schuss abgegeben hat.

In Kanada ist es unter Strafe verboten, verwertbares Fleisch zurückzulassen oder verderben zu lassen. Im besten Fall darf man nie wieder Jagen, im schlimmsten Fall winken Geldstrafe und / oder Gefängnis. Das finde ich auch gut so. Wenn man schon ein Leben nimmt, schuldet man es dem Tier, dass es respektiert wird und nicht umsonst gestorben ist, sondern andere Lebewesen nährt.

Genug Philosophie und Waffenkunde. Jedes Mal, wenn ich in der Stadt bin, erfreue ich mich über den Taubenersatz. Für Tauben ist es wohl zu kalt hier, es gibt jedenfalls keine. Der Job der Flugratten kann aber nicht unbesetzt bleiben. Dick aufgeplusterte, schwarz glänzende Raben tummeln sich auf Parkplätzen und Müllhalden und picken an allem rum, was vielleicht essbar sein könnte. Ich beobachte sie gerne dabei.

Gestern habe ich uebrigens endlich das geschafft, worauf ich seit ueber einem Monat trainiere: Ich bin die ganze Strecke die Strasse hochgeradelt! Yeah! Die Bedingungen waren aber auch super, es waren ploetzlich nur noch -10 Grad, die Strasse war frisch gerauemt und ich hatte meine Reifen aufgepumpt. Als ich schliesslich ankam, konnte ich nicht mehr. Eigentlich schon vorher aber ich war so dicht dran und wollte es endlich schaffen. Ich brauchte also einige Zeit, um wieder zu Atem zu kommen und rollte dann bergab. Yeah!

Als Tyrel ausgeruht von der Arbeit kam, fragte er mich gleich, ob wir nicht zusammen Fahrrad fahren wollen. Da meine Beine sich noch wie weichgekochte Macaroni anfuehlten, musste ich leider passen. Nachdem er 25 Minuten alleine unterwegs war, klingelte mein Handy. „Rate mal, was ich gefunden habe!“ „Kaese?“ „Nein! Ich habe etwas Groesseres in den Baeumen neben mir gesehen und dachte, es seien grosse Vogelnester. Aber als ich mit meiner Kopflampe genauer leuchtete, sah ich Katzenaugen!“ „Katzenaugen?“ „Hier sitzen drei Luchse im Baum!!“

Wenn das nicht cool ist, weiss ich nicht, was cool ist. Er hat mir sogar ein Foto zur Verfuegung gestellt. Nicht die beste Qualitaet, aber man kann die Miez gut erkennen. 🙂

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Luchsi guckt grimmig in die Kamera, waehrend er oder sie sich auf einen viel zu schmalen Baum gerettet hat. Trotz der offensichtlichen schlechten Laune ist die Flauschigkeit extrem!

Beim naechsten Beitrag kann ich hoffentlich Bilder einer erfolgreichen Jagd einstellen. Es gibt uebrigens keinen Begriff fuer das Jagdglueck wie Waidmannsheil hier in Kanada. Also wuensche ich es mir einfach selbst! 😉

Bike Pride

Eins vorneweg: Alle Fahrradtypen sind wunderschön und sollten gefeiert werden.
Doch ich habe mich verliebt in den sinnlichsten Typen. Seitdem steht für mich fest: Echte Räder haben Kurven.

Der Name ist diskriminierend und sollte boykottiert werden. Ja, ich habe mir ein Fatbike gekauft. Aber es ist nur stabil gebaut und hat halt schwere Speichen. Gegen diese Rundungen kann kein ultraleichtes Rennrad ankommen.

In Deutschland habe ich hin und wieder ein Fatbike gesehen und mich gefragt, welcher Ingenieur denn bitte freiwillig ein völlig ineffizientes Fahrrad entwickelt, was genauso sinnvoll ist wie ein Monstertruck in den 90er Jahren. Nur dass man mit dem Fahrrad noch keine Stadien füllen kann um durch brennende Reifen zu fahren oder über 5 LKW zu springen.
Das war genauso so lange meine Meinung, bis ich eins probegefahren bin. Über Eis und einer Mischung aus tiefem und festgefahrenem Schnee mit einigen Bordsteinen versetzt. Und ich bin so gefahren als wäre das normaler Asphalt.
In einer Welt, auf der ein gutes halbes Jahr lang Schnee liegt, ist das verdammt nützlich! Mit meinem deutschen Trekkingrad bin ich auch im Winter gefahren. Das ging immer so lange gut, bis ein Flatschen Eisschnee auf dem Weg lag. Dann hieß es Schneckentempo und festhalten. Oft genug sprang das Vorderrad aber hin und her, sodass ich schieben musste um nicht zu fliegen.
Dem Fatbike ist alles egal. Mit den 100 mm breiten Felgen walzt es einfach alles platt und gräbt sich weder in Sand noch Schnee ein. Wer mal versucht hat, mit dem Rad die Nachbarskinder auf dem Spielplatzsand zu beeindrucken, weiß, dass das normalerweise eine mühselige Angelegenheit ist.

Jetzt fahre bzw. schiebe ich mich und das Rad jeden Tag zum Ende der Straße hoch. Das dauert je nach Verfassung 35 bis 45 Minuten. Der Rückweg ist mit drei Minuten ohne Treten deutlich angenehmer und die kleine Belohnung. Durch die anhaltenden Temperaturen letzter Woche von -30 bis -35 °C wuchs mir auch zuverlässig ein lieblicher SchwEISsschnurrbart. Besser geht es nicht! Die folgenden Bilder dokumentieren meinen Bartwuchs, chronologisch geordnet von -30 bis -35 Grad.

Meist versuche ich, gegen Sonnenaufgang meine Tour zu machen. Das manchmal goldene, manchmal rosa oder orange Licht der Sonne zu dieser Jahreszeit ist wirklich einzigartig.

Mittlerweile ist ein starker Suedwind aufgezogen und es sind sommerliche -5 Grad Celsius geworden. Das ist immerhin ein Temperaturunterschied wie von 0 Grad auf 30 oder 35 Grad innerhalb von zwei Tagen. So ein warmer Wind wird hier Chinook genannt und der kommt einfach von Zeit zu Zeit bis es wieder richtig kalt wird.

Nach einer superlangen Wartezeit ist jetzt auch endlich der ganze Papierkram eingereicht, der mir zur unbefristeten Aufenthaltserlaubnis verhelfen soll. Frueher dachte ich in Deutschland ist die Buerokratie verstaubt und umstaendlich. Als 16jaehrige versuchte ich einst, eine Mofa ohne Betriebserlaubnis mit Kaufvertrag, den mein Bruder unterschrieben hatte, auf mich zuzulassen. Das Wartezimmer des Strassenverkehrsamtes sah mich in den folgenden Wochen mehr als mein damaliger Freund. Zugegeben, mit dem stark bebrillten, untersetzten Mann des Nummernschildcenters haette ich auch wahrscheinlich eine harmonischere Beziehung fuehren koennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

In Deutschland haette man nur mit Reisepass, Perso und Krankenversicherungsnachweis zum Auslaenderamt gehen muessen und waer legal wieder herausgekommen. In Kanada brauchen sie Beweise. Dass man existiert. Wo man wohnt. Wann man sich besucht hat und wo. Dass man keine Tuberkulose hat (inkl. Roentgenbild) und keine krimelle Vergangenheit. Schriftlich und beglaubigt. Nebst Ausfuellen unzaehliger Fragebogen. Dass, was so lange gedauert hat, war jedoch die Namensaenderung von Tyrel. Da er meinen Nachnamen annehmen wollte, mussten alle seine Dokumente geandert werden (nacheinander!), bis man dann einen neuen Reisepass beantragen konnte. Dafuer muss man drei langjaehrige kanadische Freunde finden, die eidesstattlich versichern, dass man existiert und das Blut zum gewissen Teil aus Ahornsirup besteht. Am laengsten hat aber die Aenderung des Fuehrerscheins gedauert mit 2,5 Monaten. Und warum? Weil sies koennen.

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Ein Stapel Antraege – schnell weg damit und ab die Post!

Als dann schliesslich der Reisepass in der Post war, wollte ich sofort alles wegschicken. Als ich die Aktualitaet der Formulare auf der Regierungsseite pruefte, erschien aber die Meldung, dass fuenf Tage spaeter ein neuer Prozess mit neuen Formularen eingefuehrt wird, mit dem die Aufenthaltserlaubnis in 12 statt 26 Monaten ins Haus flattern koennte. Also habe ich genau genommen Zeit gespart, indem die Namensaenderung so lange gedauert hat! In drei bis vier Monaten sollte auch meine Arbeitserlaubnis  da sein. Darauf freue ich mich wirklich, endlich wieder was zur Haushaltskasse beitragen!!

Doch so lange wird mir die Zeit auch nicht lang. Es gibt immer was zu tun und das ohne Fernseher, der einen auf Standby stellt waehrend man in die Roehre guckt. 🙂

Das Schoene ist, dass ich dem Ganzen ohne Sorgen begegnen kann. Ich weiss, dass es wird. Bis jetzt ist alles geworden. Und wenn man sich den Kopf zerbricht, gewinnt man nichts ausser Magengeschwueren. Man kann es eh nicht aendern. Jeden Tag stehe ich auf und mache das, was anliegt, so gut ich kann. Und nebenbei versuche ich mein Leben so auszurichten, dass das, was anliegt, mir auch noch Spass macht. So laesst es sich aushalten, egal ob Chinook oder nicht.