Sonne!!!

Die letzten Wochen war es ziemlich feucht hier. Hier, das heisst 40 km neben der laut Statistik trockensten Stadt Kanadas! Und ziemlich feucht bedeutet, dass es seit Ende Mai Jeden. Verdammten. Tag. Geregnet. Hat! Die drei Tage, die dann doch trocken waren, war aber alles komplett durchnaesst.

Regen und Feuchtigkeit ist eher schlecht, wenn man versucht, einen isolierten Fussboden aus Holz zu bauen. Da soll keine Feuchtigkeit drin eingeschlossen sein, sonst bekommt man die nie wieder raus und der Boden schimmelt und fault.

Was machen? Plane spannen? Die Plane muesste riesig sein und wuerde somit vom ebenfalls vorherrschenden Wind erfasst werden. Es sei denn man verwendet reichlich Baumaterialien im Wert von mehreren Hundert Dollar und baut die Konstruktion entsprechend stabil. Aber so eine Summe in den buchstaeblichen Wind schiessen nur um trotzdem mit nassgewordenen Baumaterialien zu handhaben? So viele Silikagelpaeckchen habe ich nicht, um das zu kompensieren.

Also bleibt als oekonomischere Alternative das Warten. Um die Wartezeit schneller herumzubekommen habe ich eine echte Maennergrippe ausgebruetet. Jedenfalls hat sich die Erkaeltung wie eine angefuehlt. Pfui.

Doch dann… SONNE!!! Seit Donnerstag! Und erst fuer Montag war wieder Regen angesagt! Wobei man sich nur bedingt auf die Vorhersage verlassen kann. Es war dann tatsaechlich sonnig, aber diesig draussen durch den Rauch eines Waldbrandes, der hierher geweht wurde. Die Waldbrandgefahr im Umkreis war zum Glueck eine ganze Zeit niedrig durch die ganzen Regenfaelle. Mittlerweile ist sie wieder bei extremer Waldbrandgefahr angelangt, nach nur ein paar trockenen Tagen.

Tyrel arbeitete Donnerstag spaet. Am Morgen begann er damit, Spanplatten auf Vierkanthoelzer zu befestigen. Das ist der erste Schritt zum fertigen Haus!!

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Unser lieber Trailer mit dem beginnenden Aufbau.

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Die Spanplatten sind mit einer Reihe quer liegenden Vierkanthoelzern verbunden.

Nach der Arbeit besorgte ich etwas Holzspachtel und fing an, eine Fuge zuzuspachteln. Dabei habe ich auch nur zwei Muecken eingeatmet.

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Fuge spachtel dich… Oder wie lautete doch gleich das Zauberwort?

Arma bot ihre Hilfe auch an, kam aber leider nicht die 1,5 Meter zu mich hoch.

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Arma hat nur noch eine Teilzeitstelle als Schlappohr.

Freitag nach der Arbeit ging es dann gleich weiter und das ganze Bauprojekt des Wochenendes fing richtig an. Ich besorgte mehr Spachtelmasse, damit ich alles ordnungsgemaess fertigspachteln konnte und spachtelte mir einen zurecht. Tyrel und ich ueberprueften ob alle Vierkanthoelzer in sinnvollen Abstaenden angebracht waren und versenkten jede Menge Schraubenzur Befestigung.

Der naechste Schritt war die Membrane, die wir auf die Spanplatte getackert haben. Kleine Loecher in der Membrane wurden mit Klebeband versiegelt.

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Membrane auf Spanplatten auf Vierkantholzern auf trailer.

Auf diesen Schritt folgte unendlich langes Ausrichten. Die langen Balken der Unterkonstruktion hatten wir schon im Mai zusammengeleimt und geschraut. Doch jetzt alles auf einer Laenge von knapp acht Metern wirklich gerade hinzubekommen und festzuschrauben, kostet wirklich Muehe. Aber es hilft alles nichts. Schliesslich soll unser Boden ja auch wirklich einiges aushalten koennen. Umzuege zum Beispiel und Fahrten auf unserem trailer. Und wenn der Untergestell nicht gerade und winklig ist, dann werden der Fussboden, die Waende und das Dach wirklich gruselig. Also war hebeln, ausrichten, messen und schrauben, schrauben, schrauben angesagt.

Nach dem Zusammenschrauben saemtlicher Teile nahm ich den Winkelschleifer zur Hand und schliff alles ab, was mir zu hoch vorkam. Unseren Fussboden moechte ich dann doch relativ eben haben.

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Ich knie im Schlosserfanelle auf der Konstruktion und schleife was das Geraet hergibt.

Arma ueberwachte uns freundlicherweise, sodass wir uns zu keiner Zeit Sorgen ueber irgendwas machen mussten.

 

 

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Hund im Campingstuhl.

Irgendwann ging auch trotz Mitternachtssonnenzeit die Sonne kurz unter. Sonnenauf- und untergaenge sind besonders schoen, wenn Rauch in der Luft liegt.

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Eine blutrote Sonne vor borealen Baeumchen, die einem Scherenschnitt gleichen.

Trotz Uebermuedung, Dunkelheit, Schwaermen von Muecken und einer beruhigend trockenen Wettervorhersage beschlossen Tyrel und ich, weiterzuarbeiten. Wenn der Boden jetzt nass wird, haben wir schlechte Karten, das je wieder trocknen zu koennen.

Wir schneiden Stueckchen fuer Stueckchen Isoliermaterial zurecht und passen es an die enstandenen Faecher an. Schoen fluffig soll es sein und nicht gequetscht. Aber zu klein darf es auch nicht sein.

Waehrend wir schneiden und anpassen, donnert es weit entfernt. Dadurch, dass es hier so viele Berge gibt, entladen sich Regenschauer oft an einem anderen Berghang. Kein Grund zur Sorge.

Tatsaechlich ist es schon fast 1:30 h in der Frueh, als wir das letzte Paeckchen Isolierung zurechtschneiden und in das letzte Fach anpassen. Mit einer riesigen Rolle dicker Plastikfolie und zwei Tackern sorgen wir fuer den wetterdichten Verschluss.

Entspannt atme ich durch. Der feuchtigkeitsempfindlichste Schritt des Bodens ist geschafft. Tyrel merkt an, dass wir noch nicht fertig sind. Ein gelangweilter Vogel oder ein fieses Eichhorn koennten sich am Morgen durch das Plastik fressen. Ich sehe das ein, erinnere ich mich doch an die Raben, die ich auf einem Parkplatz dabei beobachten musste, wie sie ein neues, in Plastik eingewickeltes Sofa auf einem Truck auseinandernahmen. Also hieven wir vorsichtig Sperrholzplatten auf das Plastik.

Waehrend wir die vorletzte Platte auf das Plastik heben, faengt es an ordentlich zu regnen.

Wir laufen, holen die letzte Platte, decken alles mit Planen ab – die Konstruktion, den Stapel Sperrholzplatten, die Isolierungsreste. Dann braucht alles noch mehr Holz, zum Beschweren der Planen. Werkzeuge, Stuehle und zuallerletzt wir muessen ins Trockene gebracht werden.

Diese Nacht schlafe ich gut. Der Anfang ist gemacht. Jetzt brauchen wir noch den einen oder anderen trockenen Nachmittag, aber nicht wieder trockene Tage am Stueck.

So oder so, Ende August steht uns ein Umzug bevor. Wir haben der automatischen Verlaengerung unseres jaehrlichen Mietvertrags widersprochen. Zur Zeit haben wir zwar weder ein Haus, noch wissen wir, wo wir dieses Haus hinstellen werden. Aber ich weiss, dass es toll wird. Und auf dieses Gefuehl konnte ich mich bis jetzt immer verlassen.

Naechstes Abenteuer, wir kommen! 🙂

19 Kommentare

  1. Moin, moin Luisa,

    das sieht doch schon sehr gut aus! Ich wünsche Euch genügend trockene Tage und gutes Gelingen des Projektes „Tiny-Haus“ !
    Ich bewundere Euren Mut den Mietvertrag nicht nochmals zu verlängern obwohl Euer „Tiny-Haus“ noch nicht fertig ist und auch nicht klar ist ob es bis Ende August fertig sein wird.
    Auf den Bildern habe ich keine Vorbereitungen für Wasser- /Abwasserinstallation im Fußboden gesehen, wie wolt Ihr das umsetzen?
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Schleswig-Holstein
    Jens

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    1. Moin Jens,
      Auf fest eingebaute Wasser- und Abwassersysteme berichten wir ganz bewusst. Da wir nicht vom örtlichen Stromnetz abhängig sein wollen, ist uns die Gefahr zu groß, dass die Leitungen bei -40 Grad einfrieren, wenn wir außer Haus sind. Für Abwasser wird’s nen Eimer geben plus Klohäuschen draußen. Frisches Wasser holen wir uns wieder in Kanistern. Ich freue mich ehrlich gesagt schon sehr darauf, kein Spülklo mehr zu haben. Bei jedem Spülen geht so viel Trinkwasser das wir selbst holen müssen direkt in unsere Sickergrube… Und häufig ist einmal spülen noch nicht mal ausreichend. Eigentlich unfassbar, dass dieses System Stand der Technik ist weltweit! Wasser wird doch immer knapper.
      Viele Grüße,
      Luisa

      Gefällt 2 Personen

      1. Danke Luisa für die ausführliche Antwort.
        Ich hatte schon vermutet, dass das der Grund ist für das Nichtvorhandensein einer
        Vorbereitung von Wasser-/Abwasserinstallation.
        Nachts bei -40 Grad raus aufs Klohäuschen gehen – was für eine gruselige Vorstellung für mich.
        Da bleibe ich lieber in der Zivilisation. 😉

        Liebe Grüße
        Jens

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      2. Moin Jens,
        Die Alternative wären elektrisch beheizte Rohre, so wie wir es zur Zeit haben. Aber zum einen geht dabei ordentlich Geld drauf und zum anderen kann man das mit Solarstrom im Winter nicht zuverlässig abdecken. Letzten Winter hatten wir hier bei -40 Grad einen 9-stündigen Stromausfall. Zum Glück könnten wir die Leitungen nach fünf Tagen selbst reparieren. Naja, lehrreich war’s schon in mehrerer Hinsicht. 😉
        Und falls ich es nicht packe nachts aufs Klohäuschen zu gehen im Winter, muss halt ein guter alter Nachttopf her. 😁 Irgendwie geht’s doch immer.
        Viele Grüße,
        Luisa

        Gefällt 2 Personen

    1. Hi Jac,
      Danke für deinen Mutzuspruch! 🙂
      Irgendwie muss es ja jetzt werden, jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Aber du hast recht, bislang ist alles irgendwie geworden, das gibt Zuversicht.
      Liebe Grüße,
      Luisa

      Gefällt mir

  2. Yeah endlich geht der Spaß richtig los was?
    Ich finde solche Bauprojekte immer spannend – insbesondere, wenn man die Protagonisten kennt.
    Ich freu mich schon auf die weiteren Berichte.

    Gefällt 1 Person

  3. Das ist wirklich ein toller Beitrag, es hat mir sehr gut gefallen, dass Du mit so vielen Mühe so was bauen wolltest! Ich wünsche Dir weiter viel Erfolg! 🙂

    PS: Ist es so sicher, Flex mit der Handschuhe zu benutzen? Also für die rotierenden Geräte dürfte man eigentlich keine Handschuhe haben, soweit ich weiß. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Tom,
      vielen Dank fuer das Kompliment! 🙂 Da schreibt sich der naechste Beitrag gleich viel leichter, wenn ich weiss, dass das Thema gefaellt.

      Lustig, dass du das mit den Handschuhen ansprichst – ich hatte die gleichen Bedenken. Das habe ich in meiner Industriemechanikerausbildung gelernt. Wo sich was dreht, besser keine Handschuhe. Aber beim genaueren Hinsehen kann sich bei der Flex mit Schleifpapier kein Handschuh verfangen und mir die Hand brechen. Die Gefahr, dass ich ohne Handschuhe mir meine Haut abschmirgle habe ich als groesser erachtet und mich daher fuer die Handschuhe entschieden.
      Wegen der Arbeitssicherheit haette ich vielleicht eher eine Arbeitsschutzbrille tragen sollen. Da ich Brillentraeger bin waere aber nur eine Ueberbrille gegangen. Und bei den vorherrschenden 30 Grad ist mir schon meine leichte Brille von der Nase gerutscht durch den Schweiss ^^‘
      Zum Glueck lassen wir immer Umsicht walten und hatten wir noch keine Unfaelle.

      Viele Gruesse,
      Luisa

      Gefällt 3 Personen

      1. Ich arbeite auch zusätzlich bei einem ehrenamtlichen Projekten und da sind wir auch oft mit den Werkzeugen beschäftigt. Letztens müssten wir mit den Sponsoren ein Video drehen und ich musste mich wie ein Astronaut ausziehen, um überhaupt aufnehmen zu dürfen. 😅
        Wenn man eine Brille hat, dann sollte man keine Schutzbrille tragen, denke ich auch. 😁

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  4. draussen kacken gehn bei minus 40 grad
    ja das is schon nich einfach
    und doch bin ich deiner / eurer meinung
    das abwassersystem dauerhaft zu beheizen is unsinn
    es bring mehr sinn
    den donnerbalken
    gasbeheizt fünf minuten vor wurst 😀
    zu klimatisieren
    technisch und finanziell is das ne kleine leistung
    jeden tag 50 liter frischwasser nur zum spühlen
    für eine person zu verschwenden
    wenn man sie über kilometer rankarren muß
    is etwas übertrieben
    gruß ronny

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Ronny,
      Da gebe ich dir vollkommen recht!
      Allerdings trifft das vielleicht nicht auf Hochhäuser zu. Da müssen dann in den unteren Stockwerken alle weichen, wenn der oberste Donnerbalken in Gebrauch ist xD
      Viele Grüße,
      Luisa

      Gefällt 1 Person

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