Wetter

Sonne!!!

Die letzten Wochen war es ziemlich feucht hier. Hier, das heisst 40 km neben der laut Statistik trockensten Stadt Kanadas! Und ziemlich feucht bedeutet, dass es seit Ende Mai Jeden. Verdammten. Tag. Geregnet. Hat! Die drei Tage, die dann doch trocken waren, war aber alles komplett durchnaesst.

Regen und Feuchtigkeit ist eher schlecht, wenn man versucht, einen isolierten Fussboden aus Holz zu bauen. Da soll keine Feuchtigkeit drin eingeschlossen sein, sonst bekommt man die nie wieder raus und der Boden schimmelt und fault.

Was machen? Plane spannen? Die Plane muesste riesig sein und wuerde somit vom ebenfalls vorherrschenden Wind erfasst werden. Es sei denn man verwendet reichlich Baumaterialien im Wert von mehreren Hundert Dollar und baut die Konstruktion entsprechend stabil. Aber so eine Summe in den buchstaeblichen Wind schiessen nur um trotzdem mit nassgewordenen Baumaterialien zu handhaben? So viele Silikagelpaeckchen habe ich nicht, um das zu kompensieren.

Also bleibt als oekonomischere Alternative das Warten. Um die Wartezeit schneller herumzubekommen habe ich eine echte Maennergrippe ausgebruetet. Jedenfalls hat sich die Erkaeltung wie eine angefuehlt. Pfui.

Doch dann… SONNE!!! Seit Donnerstag! Und erst fuer Montag war wieder Regen angesagt! Wobei man sich nur bedingt auf die Vorhersage verlassen kann. Es war dann tatsaechlich sonnig, aber diesig draussen durch den Rauch eines Waldbrandes, der hierher geweht wurde. Die Waldbrandgefahr im Umkreis war zum Glueck eine ganze Zeit niedrig durch die ganzen Regenfaelle. Mittlerweile ist sie wieder bei extremer Waldbrandgefahr angelangt, nach nur ein paar trockenen Tagen.

Tyrel arbeitete Donnerstag spaet. Am Morgen begann er damit, Spanplatten auf Vierkanthoelzer zu befestigen. Das ist der erste Schritt zum fertigen Haus!!

p_20190627_172709

Unser lieber Trailer mit dem beginnenden Aufbau.

p_20190627_172727

Die Spanplatten sind mit einer Reihe quer liegenden Vierkanthoelzern verbunden.

Nach der Arbeit besorgte ich etwas Holzspachtel und fing an, eine Fuge zuzuspachteln. Dabei habe ich auch nur zwei Muecken eingeatmet.

p_20190627_172546

Fuge spachtel dich… Oder wie lautete doch gleich das Zauberwort?

Arma bot ihre Hilfe auch an, kam aber leider nicht die 1,5 Meter zu mich hoch.

p_20190627_171517

Arma hat nur noch eine Teilzeitstelle als Schlappohr.

Freitag nach der Arbeit ging es dann gleich weiter und das ganze Bauprojekt des Wochenendes fing richtig an. Ich besorgte mehr Spachtelmasse, damit ich alles ordnungsgemaess fertigspachteln konnte und spachtelte mir einen zurecht. Tyrel und ich ueberprueften ob alle Vierkanthoelzer in sinnvollen Abstaenden angebracht waren und versenkten jede Menge Schraubenzur Befestigung.

Der naechste Schritt war die Membrane, die wir auf die Spanplatte getackert haben. Kleine Loecher in der Membrane wurden mit Klebeband versiegelt.

p_20190628_181119

Membrane auf Spanplatten auf Vierkantholzern auf trailer.

Auf diesen Schritt folgte unendlich langes Ausrichten. Die langen Balken der Unterkonstruktion hatten wir schon im Mai zusammengeleimt und geschraut. Doch jetzt alles auf einer Laenge von knapp acht Metern wirklich gerade hinzubekommen und festzuschrauben, kostet wirklich Muehe. Aber es hilft alles nichts. Schliesslich soll unser Boden ja auch wirklich einiges aushalten koennen. Umzuege zum Beispiel und Fahrten auf unserem trailer. Und wenn der Untergestell nicht gerade und winklig ist, dann werden der Fussboden, die Waende und das Dach wirklich gruselig. Also war hebeln, ausrichten, messen und schrauben, schrauben, schrauben angesagt.

Nach dem Zusammenschrauben saemtlicher Teile nahm ich den Winkelschleifer zur Hand und schliff alles ab, was mir zu hoch vorkam. Unseren Fussboden moechte ich dann doch relativ eben haben.

p_20190630_194313

Ich knie im Schlosserfanelle auf der Konstruktion und schleife was das Geraet hergibt.

Arma ueberwachte uns freundlicherweise, sodass wir uns zu keiner Zeit Sorgen ueber irgendwas machen mussten.

 

 

p_20190630_230805

Hund im Campingstuhl.

Irgendwann ging auch trotz Mitternachtssonnenzeit die Sonne kurz unter. Sonnenauf- und untergaenge sind besonders schoen, wenn Rauch in der Luft liegt.

p_20190630_223048

Eine blutrote Sonne vor borealen Baeumchen, die einem Scherenschnitt gleichen.

Trotz Uebermuedung, Dunkelheit, Schwaermen von Muecken und einer beruhigend trockenen Wettervorhersage beschlossen Tyrel und ich, weiterzuarbeiten. Wenn der Boden jetzt nass wird, haben wir schlechte Karten, das je wieder trocknen zu koennen.

Wir schneiden Stueckchen fuer Stueckchen Isoliermaterial zurecht und passen es an die enstandenen Faecher an. Schoen fluffig soll es sein und nicht gequetscht. Aber zu klein darf es auch nicht sein.

Waehrend wir schneiden und anpassen, donnert es weit entfernt. Dadurch, dass es hier so viele Berge gibt, entladen sich Regenschauer oft an einem anderen Berghang. Kein Grund zur Sorge.

Tatsaechlich ist es schon fast 1:30 h in der Frueh, als wir das letzte Paeckchen Isolierung zurechtschneiden und in das letzte Fach anpassen. Mit einer riesigen Rolle dicker Plastikfolie und zwei Tackern sorgen wir fuer den wetterdichten Verschluss.

Entspannt atme ich durch. Der feuchtigkeitsempfindlichste Schritt des Bodens ist geschafft. Tyrel merkt an, dass wir noch nicht fertig sind. Ein gelangweilter Vogel oder ein fieses Eichhorn koennten sich am Morgen durch das Plastik fressen. Ich sehe das ein, erinnere ich mich doch an die Raben, die ich auf einem Parkplatz dabei beobachten musste, wie sie ein neues, in Plastik eingewickeltes Sofa auf einem Truck auseinandernahmen. Also hieven wir vorsichtig Sperrholzplatten auf das Plastik.

Waehrend wir die vorletzte Platte auf das Plastik heben, faengt es an ordentlich zu regnen.

Wir laufen, holen die letzte Platte, decken alles mit Planen ab – die Konstruktion, den Stapel Sperrholzplatten, die Isolierungsreste. Dann braucht alles noch mehr Holz, zum Beschweren der Planen. Werkzeuge, Stuehle und zuallerletzt wir muessen ins Trockene gebracht werden.

Diese Nacht schlafe ich gut. Der Anfang ist gemacht. Jetzt brauchen wir noch den einen oder anderen trockenen Nachmittag, aber nicht wieder trockene Tage am Stueck.

So oder so, Ende August steht uns ein Umzug bevor. Wir haben der automatischen Verlaengerung unseres jaehrlichen Mietvertrags widersprochen. Zur Zeit haben wir zwar weder ein Haus, noch wissen wir, wo wir dieses Haus hinstellen werden. Aber ich weiss, dass es toll wird. Und auf dieses Gefuehl konnte ich mich bis jetzt immer verlassen.

Naechstes Abenteuer, wir kommen! 🙂

Winterimpressionen

Nach dem letzten Winterbeitrag ist eine ganze Menge Schnee gefallen – gut 20 cm in 48 Stunden. Es gab eine oeffentliche Schneefallwarnung. Und das wars dann auch schon mit den Besonderheiten darueber. Der Flugverkehr hat nicht gelitten und es gab auch kein Verkehrschaos. Wenn man nicht dazu zaehlt, dass sich hinter mir eine Schlange auf dem ungeraeumten Highway gebildet hat, da ich 70 km/h statt 90 km/h gefahren bin. Allerdings war ich ja auch nur mit meinem kleinen Auto mit Zweiradantrieb unterwegs, da muessen die Allradfahrer schon ein wenig Verstaendnis haben.

Jedenfalls nahm ich den Schneefall zum Anlass, wieder auf meinen Haushuegel zu kraxeln und ein paar Winterbilder zu schiessen – ich kann mir nicht vorstellen, dass Ankes Winterbilderwunsch durch den letzten Beitrag schon fuer die ganze Saison besaenftigt wurde 😉

Dieses Mal bin ich Nachmittags auf Bilderjagd gegangen. Bevor die Sonne ganz untergeht. Die Stimmung ist auch wunderschoen, jedoch anders als die Morgenstimmung.

K640_DSC02102

Panoramabild der letzten Sonnenstrahlen des Tages

Nachmittags ist das Licht eher golden. Und leider gibt es meine schoenen pinken Berge nur Morgens. Aber der Nachmittag steht dafuer fuer eine andere Farbe: Terracotta.

K640_DSC02106

Die Wolken im Westen faerben sich gold-orange vor einem noch blauen Himmel.

K640_DSC02103

Die Berge im Osten erstrahlen noch einmal im Terracotta, bevor sie in der Nacht verschwinden.

Auch die Nordlichter tanzen gelegentlich fuer uns des Nachts.

K640_DSC01979

Gruen-gelbe Schatten winden sich hinter schwarzen Baumumrissen.

Vor einer Woche dann fuhr ich mittags fuer Erledigungen in die Stadt. Bei – 30 Grad heisst schlechte Sicht uebrigens nicht mehr Nebel, sondern Eiskristalle, die mir eine Sicht von ca. 100 Metern erlaubten. Doch auf meiner Rueckfahrt war die Sicht ploetzlich gut. Die Eiskristalle waren aber nicht verschwunden, hoben sich nur ein wenig an, um sich einige Meter ueber Bodenhoehe zu versammeln.

„Davon muss ich Fotos machen!“ nehme ich mir vor und beobachte das Phaenomen auf meiner Fahrt. Zu Hause angekommen haben sich die Eiskristalle so weit gehoben, dass sogar ein paar Sonnenstrahlen auf Bergen zu sehen sind.

K640_DSC02116

Der Himmel reisst auf zwischen Eiskrstalldecke und Bergsilhouette.

K640_DSC02117

Die Kaeseglocke aus schlechter Sicht laesst die Landschaft dunkel erscheinen.

Und dann findet ein Sonnenstrahl den Weg durch den Brei aus Eiskristallen und gibt die Sicht frei auf eine Postkartenansicht, direkt vor meiner Haustuer.

K640_DSC02119

Schneebedeckte Baeume vor einer sonnenbeschienenen Bergflanke unter der Dunstglocke.

Wie schoen die Welt doch ist. Einfach so.