Erfahrungsbericht

Der Umzug

Er scheint schon Monate entfernt, jedoch haben wir ihn vor nicht einmal zwei Wochen abgeschlossen, unseren Umzug.

Das letzte richtige Wochenende in unserem alten Haus haben wir unser neues Haus relativ bezugsfertig gemacht. Innenwaende wurden montiert und bemalt (mal abgesehen von den Waenden unter dem Loft). Eine Tuer wurde eingebaut, zu der sogar ein paar Stufen hochfuehren. Aus Dachlatten wurde ein Lattenrost zusammengeschraubt.

Am Montag haben wir die letzten Waende befestigt und gestrichen. Im Anschluss haben wir das Haus mit einigen schweren Haushaltsgeraeten beladen, die Ladung gesichert, und das Haus umgezogen.

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Letzter Blick ins Innere vor dem Umzug. Schweres Geraet haben wir so weit wie moeglich nach vorn ins Haus gelagert und mit einem Balken gesichert.

Zum Umzug des Hauses musste es jedoch noch anders auf dem Trailer positioniert werden. Damit wir auch auf die Wand unter dem Ueberhang zugreifen koennen, haben wir das Haus ein Stueck nach hinten versetzt errichtet. Zum sicheren Transport wollten wir nun das Haus buendig mit der Deichsel abschliessen lassen. Dazu mussten wir das Haus anheben und den Trailer zurueckfahren. Ein echter Balanceakt, der mich die Luft anhalten liess. Jetzt darf nichts schief gehen – ausserdem wird alles, was in der Theorie so gut klang, auf die harte Probe gestellt. Immerhin ist dieses System nichts, was nach unserem Wissen schonmal jemand in der Art versucht hat.

Alles klappt gut. Meine Durchbiegeberechnungen haben Stand gehalten und die Hohlprofile blieben der plastischen Verformung fast vollstaendig fern.

Im naechsten Schritt haben wir das Haus mit Befestigungspunkten versehen und mit Zurrketten an den Trailer gefesselt.

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Ketten halten Haus und Trailer zusammen. Der Teil, der die Ketten unter dem Trailer zusammenzurrt, ist nicht im Bild, aber genauso wichtig.

Das deutsche Wort „Zurrketten“ jetzt herauszufinden fuer das Teil, was fuer mich ein ratchet boomer ist, hat uebrigens genauso lange gedauert wie das Einschrauben dreier Befestigungspunkte (anchor points).

Um Steinschlaegen beim Transport vorzubeugen, haben wir noch ein Stueck Sperrholz vor das Fenster im Loft geschraubt. Dann galt es nur noch, an etwas Schoenes zu denken, waehrend wir mit unserem Haus ueber Schotterstrassen, Schlagloecher und Felder pfluegen.

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Umzug mal anders: Unser Haus kommt mit!

Das war der Montag vom Umzug. Anscheinend verliess mich ab Dienstag jeglicher Fotoelan. Aber kurz beschreiben werde ich unsere Taten trotzdem.

Dienstag.

Morgens: Tyrel arbeitet. Ich fahre eine Fuhre Feuerholz zum neuen Platz, wo unser Haus und unsere Freundin schon auf mich warten. Zusammen mit letzterer errichte ich eine grosse Zeltgarage, die uns in der naechsten Zeit als Werkstatt und Lagerraum dienen soll.

Abends: Beide Gefriertruhen samt Inhalt wandern in den Truck und werden zu unserem Freund James gefahren, der ein Stuendchen entfernt wohnt. Er hat Strom und schaffen wir Gruende, ihn regelmaessiger zu besuchen.

Mittwoch.

Morgens: Tyrel arbeitet. Berenike hilft mir immer wieder Auto und Truck zu be- und entladen mit Feuerholz, Reifen und Baumaterialien, sowie zwischen altem und neuem Zuhause hin- und herzufahren. Dabei schiesst sie das einzige Bild in diesen verrueckten Tagen.

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Arma hilft beim Beladen des Trucks.

Abends: Tyrel und ich koennen nicht fassen, wie viel Baumaterial wir besitzen. Dennoch packen wir es ein und fahren eine Fuhre rueber.

Donnerstag.

Morgens: Ich arbeite. Tyrel laedt mehr Baumaterial auf alle verfuegbaren Oberflaechen.

Abends: Tyrel arbeitet. Ich klappere die lange Liste der Erledigungen in der Stadt ab, die sich in den letzten Tagen drastisch verlaengert hat.

Freitag – noch ein Tag bis zum Auszug.

Morgens: Tyrel und ich vollenden den Turm aus Baumaterialien und entladen ihn Stueck fuer Stueck neben unserem neuen Haus.

Abends: Wir merken, dass uns jetzt noch 1,5 Tage fuer den Umzug bleiben und wir weder angefangen haben zu packen, noch zu putzen. Also fangen wir an.

Nachts: Ich goenne mir drei Stunden Schlaf als das Unheil der Welt ueber mir zusammenzubrechen scheint und erwache erstaunlich erfrischt. Tyrel schlaeft nicht, sondern mistet in der Zeit den Keller weiter aus.

Samstag – Tag des Auszugs.

Morgens: Tyrel arbeitet. Ich begutachte das Ergebnis der letzten Stunden: eine Ladung Kisten fuers neue Haus und eine Ladung fuer die Kippe scheint fertig zu sein. Also stopfte ich den Truck so voll es geht und fahre zunaechst zu unserem neuen Haus um Kisten auszuladen und (einer Vorahnung folgend) das Bett schlaffertig zu machen. Anschliessend lade ich den Truck voller aussortierter Sachen, die ich auf der Muellkippe je nach Zustand recycle oder in den Umsonstladen gebe. Wieder zu Hause spiele ich ein bisschen mit Arma und packe schliesslich weiter.

Abends: Wir packen.

Nachts: Ich habe alles gepackt, was entweder mein Zeug ist oder Gemeinschaftskram. Also fange ich an zu putzen. Tyrel packt. Als Tyrel mir das fuenfte Mal an diesem Tag zuruft, dass wir bald fertig sind, werde ich ungehalten. Doch nach Weinen ist mir nicht, ich putze mechanisch weiter und konzentriere besonders mich auf das, was mir bei einem Einzug wichtig ist: Badezimmer, Kuehlschrank, Herd. Der Rest des Hauses wird auch sauber. Sogar sauberer als bei unserem Einzug. Waehrend ich mich dem finalen Staubsaugen widme, puzzelt Tyrel langsam unseren ganzen Kram in unseren Zweitanhaenger.

Noch mehr nachts so gegen 2 Uhr morgens: Ich bin fertig mit dem Putzen und mit den Nerven, Tyrel mit dem Anhaenger. Seine Jugend hilft ihm durch die zweite schlaflose Nacht, wie ich vermute. Da wir drei Fahrzeuge haben, stehen uns jetzt zwei Fahrten zum neuen Heim bevor. Arma werden wir mit der zweiten Tour mitnehmen. Sie weiss eh nicht mehr, wie ihr geschieht. Auf der Fahrt merke ich, wie meine Augen nicht mehr fokussieren koennen. Ausserdem bewegen sie sich unwillkuerlich von links nach rechts wie im REM Schlaf. Trotzdem kann ich noch sehen wo ich hinfahre und ausserdem fahren wir langsam. Mit 50 km/h in der Kolonne auf dem Highway, leicht schlingernd. Ich versuche mir ein Auge zuzuhalten. Mein Lateinlehrer in der siebten Klasse hat uns damals beigebracht, dass man so betrunken sicherer Auto fahren kann. Aber leider hilft es nicht – dazu haette ich dann wohl doch erst etwas trinken muessen. Auf der gemeinsamen Rueckfahrt flehe ich Tyrel an, dass er so einem wahnsinnigen Plan von mir nicht noch einmal zustimmt. Als er einwaendet, dass er das doch zunaechst getan haette, werde ich sauer – seine Argumente gegen mein Projekt haetten gar keinen Sinn gebracht. Dann wundere ich mich, was ich denn jetzt eigentlich will.

Am nachtesten, so gegen 3:29 Uhr: Wir sind wieder zurueck am alten Haus, tueten den Hund ein und stellen sicher, dass wir die Haustuer abgeschlossen haben. Ich ueberrede Tyrel mit mir in der Einfahrt im Kreis zu sprinten. Ein bisschen Adrenalin wuerde uns gut tun. Ausserdem fahre ich jetzt vor. Die unscharfen, hin- und herwackelnden Rueckleuchten von dem Truck haben mir jedenfalls nicht geholfen auf der letzten Tour. Tatsaechlich stoeren mich meine wackelnden Augen jetzt nicht mehr so sehr. Die tranfunzeligen Scheinwerfer von meinem Subaru tauchen den Highway in schummriges Licht, welches mein Gehirn leicht umgestaltet. Ich fahre unter riesigen, gemauerten Bruecken hindurch und bekannte Landschaften aus dem Harzvorland ziehen an mir vorbei. Dabei weiss ich wo ich bin und dass mein Gehirn langsam sauer wird und mir einen kleinen Streich spielt. Ganz langsam fahre ich entlang und ermuntere mich. Wenn ich gesund ankomme, dann mache ich etwas, was ich mir sonst nie erlaube: Ich esse im Bett! Einen Erdnuss-Muesliriegel!! Etwas anderes waere im neuen Haus nicht verfuegbar, aber ich habe es geschafft, mich fuer diesen Muesliriegel zu begeistern. Den Rest der Strecke fahre ich nur noch fuer den Riegel. Wie toll das sein wird, wenn ich Im. Bett. Liege. Und. Diesen. Erdnuss. Muesli. Riegel. Essen. Werde. Ohne. Dass. Mich. Die. Potenziellen. Kruemel. Stoeren. Wuerden…

Dann sind wir da.

Alle gesund.

Der Hund sogar halbwegs munter.

Schliessen die Tuer auf und schauen in ein selbst geschaffenes Heim. Voller Kisten und nicht fertig. Aber mit einem BEREITS GEMACHTEN BETT. Fuer mich so ein schoener Anblick, dass ich wieder ein Foto mache.

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Das Haus in der ersten Nacht. Chaotischer Hafen fuer gebeutelte Umzuegler.

Wir stuermen sofort ins Bett.

Es riecht noch ein klein bisschen nach Farbe, aber nicht viel koennte uns weniger stoeren. Ich halte den Erdnuss-Muesliriegel in meinen Haenden als waere es die Verheissung. So schmeckt der Riegel auch. Als ich Tyrels gleichmaessiges Atmen hoere, stimme ich bald mit ein.

Sonntag – der Tag danach.

Nach nur sechs Stunden Schlaf bin ich wieder wach. Ich gehe eine Runde mit Arma um das Feld, auf dem wir nun wohnen. Die Sonne scheint wohlwollend auf uns.

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Ein ueberwuchertes Feld mit einem kleinen, nein – unserem kleinen Haus.

Schliesslich leine ich Arma an ihr Haus, schiesse das Bild des letzten Beitrags und fahre ins nahegelegene Caffee. Wir sind immer noch ab vom Schuss aber nicht mehr jenseits von Gut und Boese. Im Caffee fertige ich meinen letzten Eintrag an, bestelle warme Paninibrote und zwei grosse Kaffees fuer Tyrel. Heute Nachmittag muss er wieder zur Arbeit.

Doch ich werde ein bisschen lueften, ein bisschen spazieren, ein bisschen rumraeumen und tief durchatmen.

Mir faellt ein, was ich zu Grundschul- und Orientierungsstufenzeiten in 83% der mir anvertrauten Poesiealben niederschrieb:

Will man was, ganz stark und fest,

Geht’s auch ohne Wunschmaschine.

Selbst ein Schwein lernt Violine,

Wenn es nur nicht loecker laesst.

                  –     Das Sams (von Paul Maar)

Quod erat demonstrandum / Was zu beweisen war.

Endspurt

In einer Woche muss unser Umzug bereits geschafft sein. Bis dahin komme ich bestimmt nicht mehr dazu, hier ein Update reinzustellen. Daher nutze ich einfach die Gunst der Stunde jetzt: Heute steht uns Arbeit ohne Ende bevor und Tyrel schlummert noch selig neben mir. Hier kurz zu ein paar Bereichen unseres Lebens:

Gesundheit

Die Hühnersuppe hat ihre Dienste verrichtet und wir beide konnten mit 1,5 Tagen Ruhe eine Erkältung abwenden.

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Ein Trog voller würziger Hühnersuppe.

Seit zwei Tagen habe ich Nacken und kann meinen Kopf weder nach oben noch groß zu den Seiten bewegen, was auch nicht sonderlich hilfreich ist. Aber immerhin hängt er noch am Rest des Körpers, also will ich mich nicht zu sehr beschweren.

Hausfortschritt

Die Fassade ist fertig und bemalt, der Boden ist einzugswürdig, die Decke vorhanden und gestrichen. Außerdem haben wir eine Treppe.

Einen Rückschlag hatten wir auch, an einer Stelle war die Wand undicht und Wasser lief herein. Zum Glück stellte sich heraus, dass nur die Fenster noch nicht richtig mit Silikon abgedichtet waren. Das Wasser kam durch den Bauschaum hinein. Jetzt ist alles dicht und kein Problem mehr.

Strategie

Zum Glück habe ich Tyrel vor ein paar Tagen überzeugen können, dass a)tens es Irrsinn ist, jetzt noch nebenbei einen Schuppen bauen zu wollen anstatt die Kräfte auf unser Haus zu konzentrieren und b)tens wir auch wirklich keinen Kies selbst schaufeln und durch die Gegend fahren sollten. Eine Ladung haben wir wir nämlich selbst geholt. Es dauert ewig und gerade viel kommt nicht bei rum.

Also griff ich zum Portemonnaie und bestellte zwei Kieslaster sowie kaufte ein Garagenzelt. Also ein Zelt, das eigentlich dafür gedacht ist, sein Auto darin zu parken. Wir brauchen es als Werkstatt.

Ausblick

Das Haus komplett fertigstellen werden wir irgendwann, wenn wir bereits darin wohnen. Das macht aber gar nichts; für zwei Monate und zwei Arbeiter, die nebenbei noch ihren Vollzeitstellen nachgehen, sind wir schon wir gekommen. Komfortabler als zelten ist es auf alle Fälle.

Unser Plan:

  • Innenwände anbringen
  • Lattenrost basteln und mit Matratze rein in die Bude
  • Arbeitsplatte mit Waschbecken bauen
  • Haus umziehen und Garagenzelt aufbauen
  • Unseren Kram umziehen
  • Das alte Haus putzen
  • Fertig

Mal sehen, wie alles klappt. So oder so sind wir in einer Woche draußen. Mit wenig Schlaf werden wir das schon schaffen. Bis jetzt hat alles irgendwie geklappt.

Arma

Derzeit sind alle Pfoten und Schultern heil. Sie hinkt nicht, hat mittlerweile aber gelernt zu bellen. Zum Glück macht sie das ausschließlich, wenn sie uns vor etwas warnen möchte, was ihr nicht geheuer ist. Bären, unbekannte Menschen im Feld, ein Rabe auf der Einfahrt.

Unser neues Land gefällt ihr gut. Dort gibt es noch nicht enden wollende Quellen von knusprigen Pilzen und Hagebutten, die sie direkt vom Rosenbusch frisst.

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Ein lecker getrockneter Pilz wurde von Hündin Arma aufgespürt.

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Durch eine hagebuttenreiche Diät wood Arma wahrscheinlich gut mit Vitamin C versorgt.

So meine Lieben.

Seht es mir bitte nach, wenn ich in den nächsten zwei Wochen keine E-Mails beantworte. Ich lese alles und freue mich, aber schaffe es beim besten Willen zeitlich nicht zu antworten. Daher dieser Beitrag, damit alle wissen, dass wir noch guter Dinge sind. Nur schwer beschäftigt.

Habt eine gute Zeit!

Nensterchen

Es war einmal ein Dach. Das sass friedlich auf einer Wand. Doch dann erkannten sie, dass sie nackt waren. Sie hefteten Membranlagen zusammen und machten sich einen Schurz.

So oder so aehnlich lautet die Schoepfungsgeschichte der letzten Woche. Oder sollte ich sagen Erschoepfungsgeschichte? Nein nein, es ist immer noch viel zu tun – keine Muedigkeit vorschuetzen!

Wir waren stehengeblieben beim fertigen Dach. Freitag sollte es weiter gehen. Leider endete der Abend jedoch in einem Besuch beim tieraertzlichen Notdienst. Ein ungluecklicher Sprung von Arma hat ihre Vorderpfote verletzt. Zum Glueck ist nichts gebrochen und in ein paar Wochen sollte alles wieder einwandfrei verheilt sein.

So viel Aufregung liess mich am Samstag bis 13:48 h im Bett verweilen. Danach war ich zum Baeren… aaeh Beerenpfluecken verabredet. Was fuer ein Spass! Der oertlichen Beerenfarm stehen im Gegenteil zu Deutschland keine Arbeitskraefte zur Verfuegung, die aufgrund des Wohlstandgefaelles guenstig von morgens bis abends fleissig unter Mindestlohn alles abpfluecken. Selbst die Grenze zu Mexico ist hier knapp 5000 km entfernt. Wie pflueckt man also moeglichst viele Beeren ohne Personal zu bezahlen? 

Ganz einfach: Man ruft Tage zum Selbstpfluecken aus (U Pick). Statt fuer die Beeren zu zahlen, die die fleissigen Pfluecker erbeutet haben, muessen sie die Haelfte an den Besitzer des Feldes abgeben. Der friert die Beeren zunaechst ein und moechte spaeter Getraenke daraus brauen und die dann in Japan vermarkten. In Japan sind die haskap berries naemlich der letzte Schrei (zu deutsch blaue Heckenkirsche). Sie sollen voller Antioxidanzien sein. Ausserdem schmecken sie lecker.

Da ich mit zwei Freunden pfluecken war, blieb mir am Ende ein Sechstel der Gesamternte (klingt irgendwie nach ner Matheaufgabe aus der fuenften Klasse, oder?). Von dem Sechstel wurde am selben Abend die Haelfte von Tyrel und mir inhaliert. Und am Sonntag teilte ich die uebriggebliebene Haelfte wiederum in zwei Teile, wovon ich einen Teil fuer spaetere Naschereien aufhob und den anderen in Konfituere verwandelte.

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Intakte haskap berries neben aufgekochten haskap berries auf dreckigem Herd.

Die Naschbeeren wurden am Montag dezimiert und auch die Konfituere ist schon 1/8 weniger geworden.

Rechnet ihr noch mit?! Ich versuche nur zu helfen fuer den Fall, dass ihr auch mal ein Haus in inch bauen wollt! 😀

Wer mitgerechnet hat wird erkennen, dass ich, gemessen an der eingefahrenen Beerenernte deutlich zu wenig Beeren zu Hause habe!!! Ich verzweifle nicht und hoffe jetzt darauf, dass dieses Wochenende wieder Beeren gepflueckt werden duerfen.

Neben den Beeren gab es auch noch mein Nebenprojekt, das Haus. Hihi.

Freitag: Nottierarzt in der Stadt.

Samstag: Beeren und Starkregen.

Kommen wir zum Sonntag. Es regnet munter und mit nur wenigen Nieselpausen, aber wir haben dennoch eine Beschaeftigung gefunden: Den trailer umstellen. Fuer die Arbeiten an den Aussenwaenden steht uns am aktuellen Standort eindeutig zu wenig Platz zur Verfuegung. Also heisst es Reifendruck ueberpruefen, trailer abbocken, Truck samt neu eingebauter Kupplung und staerkerem Federpaket positionieren, trailer mit Truck kuppeln, und lotsen.

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Unser Ford F-250 mit Haus im Schlepptau.

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Haus am neuen Standort auf offenerer Flaeche.

Irgendwas war noch los am Sonntag aber ich kann mich nicht mehr erinnern *kratzkratz*.

Am Montag taetigen wir unsere Stadterledigungen. Am Abend teilt sich die Wolkendecke, was wir gleich ausnutzen. Zum Feierabend habe ich lange Arme, aber das Haus sieht verdammt anders aus!

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Unser Haus ist mit Membran umwickelt.

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Auch im Innenraum stellt sich langsam ein Raumgefuehl ein.

Dienstag nach der Arbeit schaffen wir es auf wundersame Weise, alle Fenster einzubauen. Ausserdem fange ich an, die Waende von innen zu isolieren.

Nach diesem langen Dienstag habe ich einiges an Schlaf nachzuholen, was ich Mittowoch und Donnerstag versuche zu tun (mir aber nicht gelingt, ich bin immer noch muede!).

Zwischen Arbeit, Erledigungen in der Stadt, Kochen, Haushalt und Schlaf schneiden wir fleissig die Glasswolle-Isolierung zurecht und stecken sie in jede Ritze der Waende.

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Ein Foto waherend des Isolierungsprozesses.

Die naechsten Arbeitsschritte sind, die Dampfsperre auf die Innenwaende zu tackern, den Holzboden von der schuetzenden Plastikfolie zu befreien und zu behandeln, und ausserdem Sperrholzverkleidungen ohne Ende zuzusaegen und anzuschrauben. Innen und Aussen.

Ein weiterer Plan, fast genauso wichtig: Haskap berries pfluecken!!! Der Winter naht. Heute musste ich zum ersten Mal seit Mai morgens um 4 Uhr mein Fernlicht einschalten um besser zu sehen. Die dunkle Jahreszeit ist auf dem Vormarsch.

Auf jeden Fall bin ich echt froh, dass das Haus langsam aber sicher Formen annimmt. Ende diesen Monats ziehen wir aus – so oder so.

Habt ein gutes Wochenende! 🙂

Ein Hang zum Ueberhang

In der vergangenen Woche ging es mit dem Bau unseres zukuenftigen Hauses eher schleppend voran. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass wir uns auf die Standortsuche konzentriert haben und an drei Tagen zu Besichtigungen oder Gespraechen in die Gegend gefahren sind. Dann hat es an zwei Tagen heftig geregnet oder gehagelt und ausserdem kam unser Vermieter aus Edmonton zu Besuch, um seiner Tochter zu zeigen, wo er aufgewachsen ist. Achja, in die Arbeit musste ich auch ungeplant am Wochenende. Und nebenbei arbeite ich auch noch an vier Tagen 10 Stunden plus je 30 Minuten Anfahrt und versuche einen Haushalt zu schmeissen…

Genug der faulen Ausreden! 😀 Trotz der oben aufgezaehlten Feinheiten sieht das Haus jetzt anders aus als noch im letzten Bericht.

Zuerst stellen wir die kleine aeussere Wand auf, die im letzten Beitrag noch auf dem Boden lag und befestigen diese sicher. Daraufhin stellt sich die Frage, wie wir den Ueberhang des Lofts bauen, so ganz in der Luft haengend. Beim Transport wird dieser Ueberhang auf der Deichsel aufliegen; doch wir bauen das Haus aufgebockt, damit wir auch von der Unterseite aus alles sicher verschrauben koennen. Also bauen wir eine temporaere Plattform auf die Deichsel, die den Ueberhang waehrend des Baus unterstuetzt.

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Eine kleine Plattform ragt ueber die Bodenplatte hinaus.

Auf die Plattform kommt die Aussenseite des Ueberhangs. Die muessen wir natuerlich wieder gut isolieren, damit uns beim Schlafen auch schoen warm ist. Genauso wie den Boden auch bauen wir den Loft Boden aus (von unten nach oben) OSB Platten, Membran, Holzrahmen und Isolierung, Dampfsperre, Sperrholz.

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Der Holzrahmen des Lofts ist gebaut.

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Von der Seite kann man die Groesse des Ueberhangs gut erkennen.

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Nur der ueberstehende Teil des Lofts wird isoliert.

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Ich stehe vor vollendetem Loftboden.

Nun fehlen nur noch die Waende des Lofts, die zugleich die letzten Waende des Hauses sind. Ein Fenster soll dort auch noch eingebaut werden. Ich plane und rechne fuer die kurze Wand mit Fenster, waehrend Tyrel schon mal anfaengt Holz fuer die langen Waende zu saegen.

Nach viel Saegen, Schrauben und Ausrichten steht schliesslich die letzte Wand.

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Alle Waende unseres Hauses stehen nun.

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Ein kleines Fenster im Loft sorgt fuer gute Durchlueftung und fuer einen Notausgang im Falle eines Falles.

Waehrend ich mich im Bett versuche auf das bevorstehende Weckerklingeln um 3:17 vorzubereiten, schraubt Tyrel noch die doppelte Kopfplatte auf die Waende. Jetzt sind sie auch am oberen Endefest miteinander verbunden und winklig.

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Das obere Vierkantholz ist verdoppelt worden. 

Wir haben uns fuer eine Flachdachkonstruktion entschieden, da es unsere Prioritaet ist, die groesstmoegliche Raumhoehe bei gleichzeitig niedriger Gesamthoehe zu erreichen. So koennen wir aufrecht stehen, brauchen aber keine Genehmigung, wenn wir das Haus an einen anderen Ort transportieren.

Eine hohe Schneelast ist nicht zu erwarten. Die mittlere Schneetiefe im Winter liegt hier bei gerade mal 20 cm. Trotz langem Winter. Das ist der einzige Vorteil, den ich mir unter dem Begriff „trockene Kaelte“ vorstellen kann. Auch wenn mir viele Leute gern erzaehlen, dass die „trockene Kaelte“ viel besser zu ertragen ist, kann ich mir immernoch keine nasskalten -30 Grad vorstellen. Es ist doch eh alles gefroren! Nur weniger Schnee liegt herum; das leuchtet ein und ist auch ganz praktisch.

Natuerlich ist ein Flachdach flach, aber trotzdem schraeg. Nur so kann Niederschlag ablaufen. Aus diesem Grund ist die Suedseite unseres Hauses zwei Zoll (~5 cm) hoeher als unsere Nordseite. Die Ost- und Westseiten muessen dementsprechend schraeg angepasst werden.

Gestern machten wir uns an die Dachsparren. Ich hatte grossen Spass – endlich wurde meine Frage aus der neunten Klasse beantwortet: „Wo zum Teufel werde ich in meinem Leben Winkelfunktionen und den Satz des Pythagoras anwenden?!“ Genau jetzt.

Fleissig rechne ich herum und weiss schliesslich, wie lang die Dachsparren theoretisch sein muessen und wo ich welche Winkel einschneiden muss, damit sie eben auf den Waenden aufliegen.

Jetzt muss es nur noch in der Praxis klappen… Der Sparren wird angesetzt und:

 

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Der Sparren passt auf die Wand genau wie vorher ausgerechnet!

Tyrel und ich beratschlagen ueber die Laenge des Sparren. Wollen wir einen Ueberhang des Dachs? Ein paar Zoll koennten wir uns leisten, bis die maximale Breite ohne Genehmigung erlaubt ist. Wir beschliessen, dass wir das Dachblech etwas ueberstehen lassen, aber die Holzkonstruktion des Daches buendig mit der Wand abschliessen.

Wir ueberlegen auch, ob wir mehr wegsaegen sollen um mehr Holz in Axialrichtung an die Wand anliegen zu lassen. Doch wir entscheiden uns dagegen, denn das wuerde auch bedeuten, dass wir die geplante Deckenhoehe herabsetzen. Wir erwarten keine enormen Kraefte, die in dieser Richtung auf das Dach einwirken. Mir war wichtig, dass die Sparren eben auf den Waenden sitzen um alles ordentlich festschrauben zu koennen. Und das ist geschafft.

Wir beschliessen, den bereits angefertigten Sparren als Vorlage zu nehmen und einen weiteren Sparren zu fertigen. Passt. Das reicht mir, um mich schlafen zu legen – immerhin muss ich morgen wieder extrem frueh aufstehen. Tyrel saegt am Abend noch 24 Sparren zurecht, bevor auch er schlafen geht.

In den kommenden drei Tagen wird Tyrel abends arbeiten, wir koennen also nicht zusammen anpacken. Wie das Blech aufs Dach kommen soll, weiss ich daher noch nicht genau. Vielleicht lassen wir uns was einfallen, wie wir mit nur je einer Person weiterbauen koennen. Vielleicht kommt das Blech auch erst am Samstag mit vereinten Kraeften aufs Dach und wir widmen uns bis dahin anderen Bauprojekten.

Irgendwie lustig, ich fiebere selbst mit, wie es weiter geht! 😀

Ein Stueckchen Land

Dienstag Morgen.

Ich drucke und unterschreibe meinen Urlaubsantrag fuer Ende August auf der Arbeit. Im Feld fuer die Begruendung schreibe ich: „Ich ziehe um… in ein Haus das noch zu bauen ist und auf ein Stueck Land von dem ich nicht weiss, wo es sein wird. Also nehme ich lieber Urlaub fuer die Zeit, in der es geschehen wird.“

Der Direktor grinst und unterschreibt. Tyrel wird sich nicht freinehmen koennen, da das die Hauptsaison in seinem Betrieb ist. Also ist es doppelt gut, dass wenigstens ich auch waehrend des Tages das alte Haus abfertigen und Sachen zum neuen Ort fahren kann.

Ein Blick auf den Kalendar zeigt mir, dass der Umzug bereits naechsten Monat stattfinden wird. Vielleicht ist das eine gute Zeit, um sich nach einem Stueckchen Land umzusehen.

Dienstag Mittag.

Meine Mittagspause nutze ich zum Traeumen. Was waere denn perfekt fuer uns? Irgendwas bekommen wir eh, aber wenn ich es mir aussuchen koennte, was sind die Kriterien unseres Traumlandes?

  • Nahe an Tyrel’s Arbeitsstelle, damit nur ich zur Arbeit fahren muss. Und ich arbeite in der Stadt, wo wir nicht gern wohnen moechten.
  • Genug Platz fuer ein 9 m x 2,5 m grosses Haeusschen sowohl einen 2 m x 5 m Schuppen plus drei Fahrzeuge und einen Anhaenger.
  • Genug Sonnenlicht, um der Sonne auch im Winter etwas Solarstrom abringen zu koennen.
  • Die Moeglichkeit, dass wir in der Naehe eine Grube graben koennen. Nicht fuer unseren Burggraben, sondern fuer unser zukuenftiges Klohaeuschen.

Das schreibe ich schnell auf, stelle uns kurz vor und bastel ein paar Fotos dazu von uns mit Arma. Fertig ist das PDF Dokument.

Unsere Freundin Berenike hat mir neulich erzaehlt, dass unsere Wunschgegend eine eigene Facebookgruppe hat. Bei Facebook sind weder Tyrel noch ich angemeldet. Also stellt Berenike unser Gesuch online.

Dienstag Nachmittag.

Tyrel und ich sitzen Gruenkohl-mampfend auf dem Sofa. Genau wie gestern regnet es mal wieder, obwohl es laut Wetterbericht trocken sein sollte. Der Weiterbau faellt also ins Wasser.

„Hmmm… Ich hatte mir das schon so vorgestellt, dass sich gleich am ersten Abend jemand meldet, der ein tolles Stueck Land fuer uns hat.“, lamentiere ich in das Regengeprassel auf unserem Blechdach.

Tyrel entgegnet, dass noch keine 24 Stunden vergangen sind, seit unser Gesuch veroeffentlicht wurde. Und ich jetzt wirklich keinen Grund habe, ungeduldig zu sein. Aber ungeduldig bin ich gar nicht. In meiner Fantasie war es nur anders.

Da klingelt mein Handy.

Die Yukon Regierung moechte eine Umfrage ueber unsere Selbststaendigkeit durchfuehren. Ich gebe an Tyrel weiter, der verspricht spaeter zurueckzurufen.

Ein wenig spaeter klingelt Tyrels Handy.

Statt einer weiteren Umfrage ist es A. A hat unsere Anzeige gelesen und hat ein Stueck Land, auf dem er eigentlich ein Mietshaus bauen wollte, aber nie dazu gekommen ist. Er wohne nur zwei Kilometer von Tyrels Arbeitsplatz entfernt. Aber das Land muesse noch gerodet werden. Wir verabreden uns zu einem Treffen vor Ort am naechsten Abend.

„Genau so habe ich mir das vorgestellt.“, grinse ich. „Geht doch!“

Mittwoch Nachmittag.

Ich bringe es nicht uebers Herz, das Nickerchen von Tyrel auf der Couch zu unterbrechen. Stattdessen gehe ich mit Arma eine kurze Runde und versuche selbst kurz zu schlummern. Der Wecker wird in 28 Minuten klingeln. Statt des Weckers werde ich nach 25 Minuten von Tyrel geweckt, der mich darauf hinweist, dass wir in einer halben Stunde das Haus verlassen muessen. Daraufhin versuche ich ein bis zwei Augen aufzuhebeln.

Dann klingelt mein Handy. Es ist B, die unsere Anzeige gelesen hat und eventuell ein passendes Stueck Land fuer uns im Angebot haette. Ich werde mich bei ihr melden, sobald unser Termin mit A beendet ist.

Wir packen Arma ein und fahren zur verabredeten Adresse von A.

Mittwoch Abend.

A wohnt mit seiner Freundin auf einem grossen, bewaldeten Grundstueck. Ihr Haus steht ganz am Ende des Grundstuecks und die Einfahrt schlaengelt sich von links nach rechts, dann wieder nach links. Durch die erste Kurve ist ein imaginaeres Dreieck vorne rechts auf dem Grundstueck vom restlichen Gebiet abgetrennt. Und dieses Dreieck steht nun fuer uns zur Diskussion. Die beiden hatten schon laenger ueberlegt, hier eventuell ein Mietshaus hinzubauen. Auch die Eltern von A hatten angedeutet, dass das ein super Platz fuer ein Haus fuer ihren Ruhestand waere. Bis die Flaeche jedoch wirklich bebaut wird, wuerden noch ein paar Jahre vergehen. Eine Reihe Baeume soll jeweils stehen bleiben zur Einfahrt und den beiden Grunstuecksgrenzen hin. Das ist prima fuer die Privatsphaere, aber nicht optimal, um Solarstrom zu erzeugen. Vor allem im Winter, wenn wir unsere Autobatterie plus Motorblock elektrisch vorheizen muessen, damit das Auto auch anspringt. Eventuell gibt es auch dort eine Moeglichkeit, im Winter die Autos an deren Stromnetz anzuschliessen. Waehrend unserer Begehung des Grundstuecks findet sich Arma in der Mitte von vier weiteren Hunden wieder und wird zum Teil ziemlich in die Mangel genommen, zum Teil sehr freundlich zum Spiel eingeladen. Ein schoenes Bild. Wir verabschieden uns mit einem sehr guten Gefuehl.

Danach geht es gleich weiter zu B. Bs Grundstueck ist sehr entwickelt – eigentlich sind bis um das Haus herum alle Baeume einer Wiese gewichen. B und ihr Partner sind genau wie A samt Freundin sehr sympathisch und fuehren uns herum. Zur Diskussionen steht eine alte, eingezaeunte Pferdewiese, auf der unzaehlige wilde Erdbeeren wachsen. Mjam. Die Erzeugung von Solarstrom waere hier gar kein Problem. Je 20 Meter entfernt steht auf der einen Seite ein wall tent, also ein befestigtes, grosses Leinenzelt; sowie ein grosser Wohnwagen auf der anderen Seite. Auf Nachfrage bejahrt B, dass beide Objekte vermietet und bewohnt sind. Der Wohnwagen gehoert schon zum Grundstueck des Nachbarn. Die imaginaere Grenzlinie wuerde direkt an die Pferdewiese grenzen, eventuell sogar ein bisschen von ihr einschliessen. B plant keine Entwicklung der Wiese und wuerde sich freuen, wenn jemand auf ihr wohnen wuerde.

Nach dem Treffen bei B fahren wir zu unserer Freundin Berenike und beratschlagen ein wenig. Wir sind uns einig, dass es toll ist, zwei Optionen zu haben. Vor allem, da weder A noch B sich bislang Gedanken zur Hoehe der Miete gemacht haben. Wir haben beiden versichert, dass wir keine sofortige Antwort brauchen und sie sich in Ruhe darueber Gedanken machen sollen. Unsere Tendenz geht zu A. Zwar ist es nicht ganz so sonnig, dafuer haetten wir mehr Privatsphaere und koennten eventuell sogar unsere Autos im Winter mit Strom vorheizen, ohne unsere Solarbatterien dafuer zu pluendern. Und bei B wuerde der Frieden des Standorts schon davon abhaengig sein, was fuer Nachbarn man im Wall Tent und dem Wohnwagen bekommt.

Mittwoch Nacht.

Es ist schon nach meiner Schlafenszeit, daher fahren wir bald nach Hause. Ich moechte etwas im Internet nachschlagen und zuecke mein Handy. Da sehe ich, dass ich eine Nachricht erhalten habe. Von jemandem, der uns ein Stueck Land zeigen moechte. Wir fahren rechts ran und fragen, ob wir gleich vorbeikommen sollen, da wir in der Gegend sind. C bejaht. Sie wohnt auf der gleichen Strasse wie Berenike, also fahren wir genau dort hin, von wo wir eben kamen.

C und ihr Mann plus drei Jugendliche Soehne wohnen auf einem riesigen Grundstueck mit einer kleinen Hobbyfarm. Wir sehen Ziegen, Enten, Huehner, Truthaehne, Katzen und einen grossen, freundlichen Hund, der sehr lieb mit Arma spielt. C meint etwas verlegen, dass sie sich mit soetwas gar nicht auskennen. Tiny Houses, oder eine Flaeche vermieten. Aber sie haben vier Felder, die je gut 20’000 Quadratmeter gross sind. Und diese Felder liegen brach. In ein paar Jahren werden sie dort wahrscheinlich Heu anbauen. Aber das ist Zukunftsmusik. Beide arbeiten Vollzeit und sind mit den Soehnen und der Hobbyfarm voll ausgelastet. Auch braeuchten sie viele neue Geraetschaften, um die Felder zu bewirtschaften. Die moechten auch erstmal angeschafft und bezahlt werden. Die beiden stellen auch uns viele Fragen ueber unser zukuenftiges Haus und ueber uns. Dabei stellen sie fest, dass sie die Agrarbehoerde fragen muessten, ob sie temporaere Strukturen auf einem der Felder errichten duerften ohne den landwirtschaftlichen Titel zu verlieren. Auch C und ihr Mann fragen eher uns nach der Miete, was wir uns so vorgestellt haetten. Wir teilen den finanziellen Rahmen mit, den wir uns vorstellen wuerden. Aber gleichzeitig ermutigen wir auch, selbst zu ueberlegen und andere Leute nach ihrer Meinung zu fragen. Schliesslich sollen bei solch einer Vereinbarung alle zufrieden sein.

Tierisch muede fahren wir schliesslich doch nach Hause.

Bei A oder bei C wuerden wir wirklich gern wohnen. Vielleicht springt ja noch einer von beiden ab oder schlaegt eine fuer uns viel zu hohe Miete vor – dann haetten wir immer noch eine super Alternative. Auf jeden Fall sind wir sehr froh, dass auch die Stellplatzsuche gut voran geht.

Sonne!!!

Die letzten Wochen war es ziemlich feucht hier. Hier, das heisst 40 km neben der laut Statistik trockensten Stadt Kanadas! Und ziemlich feucht bedeutet, dass es seit Ende Mai Jeden. Verdammten. Tag. Geregnet. Hat! Die drei Tage, die dann doch trocken waren, war aber alles komplett durchnaesst.

Regen und Feuchtigkeit ist eher schlecht, wenn man versucht, einen isolierten Fussboden aus Holz zu bauen. Da soll keine Feuchtigkeit drin eingeschlossen sein, sonst bekommt man die nie wieder raus und der Boden schimmelt und fault.

Was machen? Plane spannen? Die Plane muesste riesig sein und wuerde somit vom ebenfalls vorherrschenden Wind erfasst werden. Es sei denn man verwendet reichlich Baumaterialien im Wert von mehreren Hundert Dollar und baut die Konstruktion entsprechend stabil. Aber so eine Summe in den buchstaeblichen Wind schiessen nur um trotzdem mit nassgewordenen Baumaterialien zu handhaben? So viele Silikagelpaeckchen habe ich nicht, um das zu kompensieren.

Also bleibt als oekonomischere Alternative das Warten. Um die Wartezeit schneller herumzubekommen habe ich eine echte Maennergrippe ausgebruetet. Jedenfalls hat sich die Erkaeltung wie eine angefuehlt. Pfui.

Doch dann… SONNE!!! Seit Donnerstag! Und erst fuer Montag war wieder Regen angesagt! Wobei man sich nur bedingt auf die Vorhersage verlassen kann. Es war dann tatsaechlich sonnig, aber diesig draussen durch den Rauch eines Waldbrandes, der hierher geweht wurde. Die Waldbrandgefahr im Umkreis war zum Glueck eine ganze Zeit niedrig durch die ganzen Regenfaelle. Mittlerweile ist sie wieder bei extremer Waldbrandgefahr angelangt, nach nur ein paar trockenen Tagen.

Tyrel arbeitete Donnerstag spaet. Am Morgen begann er damit, Spanplatten auf Vierkanthoelzer zu befestigen. Das ist der erste Schritt zum fertigen Haus!!

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Unser lieber Trailer mit dem beginnenden Aufbau.

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Die Spanplatten sind mit einer Reihe quer liegenden Vierkanthoelzern verbunden.

Nach der Arbeit besorgte ich etwas Holzspachtel und fing an, eine Fuge zuzuspachteln. Dabei habe ich auch nur zwei Muecken eingeatmet.

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Fuge spachtel dich… Oder wie lautete doch gleich das Zauberwort?

Arma bot ihre Hilfe auch an, kam aber leider nicht die 1,5 Meter zu mich hoch.

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Arma hat nur noch eine Teilzeitstelle als Schlappohr.

Freitag nach der Arbeit ging es dann gleich weiter und das ganze Bauprojekt des Wochenendes fing richtig an. Ich besorgte mehr Spachtelmasse, damit ich alles ordnungsgemaess fertigspachteln konnte und spachtelte mir einen zurecht. Tyrel und ich ueberprueften ob alle Vierkanthoelzer in sinnvollen Abstaenden angebracht waren und versenkten jede Menge Schraubenzur Befestigung.

Der naechste Schritt war die Membrane, die wir auf die Spanplatte getackert haben. Kleine Loecher in der Membrane wurden mit Klebeband versiegelt.

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Membrane auf Spanplatten auf Vierkantholzern auf trailer.

Auf diesen Schritt folgte unendlich langes Ausrichten. Die langen Balken der Unterkonstruktion hatten wir schon im Mai zusammengeleimt und geschraut. Doch jetzt alles auf einer Laenge von knapp acht Metern wirklich gerade hinzubekommen und festzuschrauben, kostet wirklich Muehe. Aber es hilft alles nichts. Schliesslich soll unser Boden ja auch wirklich einiges aushalten koennen. Umzuege zum Beispiel und Fahrten auf unserem trailer. Und wenn der Untergestell nicht gerade und winklig ist, dann werden der Fussboden, die Waende und das Dach wirklich gruselig. Also war hebeln, ausrichten, messen und schrauben, schrauben, schrauben angesagt.

Nach dem Zusammenschrauben saemtlicher Teile nahm ich den Winkelschleifer zur Hand und schliff alles ab, was mir zu hoch vorkam. Unseren Fussboden moechte ich dann doch relativ eben haben.

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Ich knie im Schlosserfanelle auf der Konstruktion und schleife was das Geraet hergibt.

Arma ueberwachte uns freundlicherweise, sodass wir uns zu keiner Zeit Sorgen ueber irgendwas machen mussten.

 

 

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Hund im Campingstuhl.

Irgendwann ging auch trotz Mitternachtssonnenzeit die Sonne kurz unter. Sonnenauf- und untergaenge sind besonders schoen, wenn Rauch in der Luft liegt.

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Eine blutrote Sonne vor borealen Baeumchen, die einem Scherenschnitt gleichen.

Trotz Uebermuedung, Dunkelheit, Schwaermen von Muecken und einer beruhigend trockenen Wettervorhersage beschlossen Tyrel und ich, weiterzuarbeiten. Wenn der Boden jetzt nass wird, haben wir schlechte Karten, das je wieder trocknen zu koennen.

Wir schneiden Stueckchen fuer Stueckchen Isoliermaterial zurecht und passen es an die enstandenen Faecher an. Schoen fluffig soll es sein und nicht gequetscht. Aber zu klein darf es auch nicht sein.

Waehrend wir schneiden und anpassen, donnert es weit entfernt. Dadurch, dass es hier so viele Berge gibt, entladen sich Regenschauer oft an einem anderen Berghang. Kein Grund zur Sorge.

Tatsaechlich ist es schon fast 1:30 h in der Frueh, als wir das letzte Paeckchen Isolierung zurechtschneiden und in das letzte Fach anpassen. Mit einer riesigen Rolle dicker Plastikfolie und zwei Tackern sorgen wir fuer den wetterdichten Verschluss.

Entspannt atme ich durch. Der feuchtigkeitsempfindlichste Schritt des Bodens ist geschafft. Tyrel merkt an, dass wir noch nicht fertig sind. Ein gelangweilter Vogel oder ein fieses Eichhorn koennten sich am Morgen durch das Plastik fressen. Ich sehe das ein, erinnere ich mich doch an die Raben, die ich auf einem Parkplatz dabei beobachten musste, wie sie ein neues, in Plastik eingewickeltes Sofa auf einem Truck auseinandernahmen. Also hieven wir vorsichtig Sperrholzplatten auf das Plastik.

Waehrend wir die vorletzte Platte auf das Plastik heben, faengt es an ordentlich zu regnen.

Wir laufen, holen die letzte Platte, decken alles mit Planen ab – die Konstruktion, den Stapel Sperrholzplatten, die Isolierungsreste. Dann braucht alles noch mehr Holz, zum Beschweren der Planen. Werkzeuge, Stuehle und zuallerletzt wir muessen ins Trockene gebracht werden.

Diese Nacht schlafe ich gut. Der Anfang ist gemacht. Jetzt brauchen wir noch den einen oder anderen trockenen Nachmittag, aber nicht wieder trockene Tage am Stueck.

So oder so, Ende August steht uns ein Umzug bevor. Wir haben der automatischen Verlaengerung unseres jaehrlichen Mietvertrags widersprochen. Zur Zeit haben wir zwar weder ein Haus, noch wissen wir, wo wir dieses Haus hinstellen werden. Aber ich weiss, dass es toll wird. Und auf dieses Gefuehl konnte ich mich bis jetzt immer verlassen.

Naechstes Abenteuer, wir kommen! 🙂

Hundeleben

Erkenntnisse der ersten zwei Monate mit Hund:

  • Ich komme zu fast nichts mehr zu Hause!

Das ist einerseits gut, da ich auch nicht mehr dazu komme, auf dem Sofa zu hocken und das Internet nach lustigen Bildern abzusuchen. Jetzt bin ich auf jeden Fall haeufiger draussen, als es vorher der Fall war. Andererseits komme ich auch nicht mehr zum Bloggen, da der Hund direkt Bloedsinn anstellt, wenn man fuenf Minuten konzentriert etwas anderes machen moechte. Aaalso muss ich mich in der Hinsicht ein bisschen umorganisieren. Schreiben, wenn Tyrel mit dem Hund beschäftigt ist, zum Beispiel.

  • „Mein Gott, bist du groooss geworden!!“

Ein Ausspruch saemtlicher Freunde jedes Mal, wenn sie Arma erblicken. Erschreckenderweise ist es uns auch passiert, als wir sie nach sieben Tagen Deutschland aus der Hundepension abgeholt haben… Der Fotovergleich spricht fuer sich!

 

  • Einem Hundeblick ist schwer zu widerstehen.

Obwohl Arma jetzt schon deutlich weniger Welpe ist als noch vor zwei Monaten, zieht der klassische Hundeblick immer noch. Gemein: Besonders niedlich ist der Blick, wenn man sie gerade eher ausschimpfen als knuddeln sollte.

 

  • Manchmal waere man gern allein.

So eine (auch von Hunden) ungestoerte Privatsphaere hat echt was. Wenn man eine fiese Erkaeltung hat und ungestoerte Mittagsruhe halten moechte. Wenn man etwas kocht und einem eine Zutat auf den Boden faellt (die im Bauch des Hundes wirklich nicht mehr zu retten ist). Wenn man auf dem Klo die Unterbuchse runterzieht, um 0,3 Sekunden spaeter einen Hundekopf darin zu finden. Oder wenn man haeufig mit dem Auto fahren muss, weil man am Ende der Welt wohnt, aber dem Hund bei jeder Fahrt hoechst dramatisch uebel wird samt Erbrechen.

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Hund mit ueberdimensionalen, sich abseilenden Schleimzapfen an der Schnauze.

  • Eigentlich ist es aber ganz schoen.

Wenn Tyrel wild mit seinem Hund spielt, der im Anschluss zum Kuscheln dieses Mal jedoch lieber zu mir moechte.

Wenn man die Umwelt noch einmal mit messerscharfen Hundesinnen kennen lernt.

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Vorsichtiger Hund schnueffelt am Pferd.

Wenn ein vielfach geworfener Ball wirklich apportiert und hergegeben wird.

Und natuerlich wenn sich Arma jedes Mal aufs Neue von Herzen freut, mein manchmal auch genervtes und uebermuedetes Antlitz zu sehen. 

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Hund mit Herzchenaugen vor Postenkartenlandschaft