Haus

Sonne!!!

Die letzten Wochen war es ziemlich feucht hier. Hier, das heisst 40 km neben der laut Statistik trockensten Stadt Kanadas! Und ziemlich feucht bedeutet, dass es seit Ende Mai Jeden. Verdammten. Tag. Geregnet. Hat! Die drei Tage, die dann doch trocken waren, war aber alles komplett durchnaesst.

Regen und Feuchtigkeit ist eher schlecht, wenn man versucht, einen isolierten Fussboden aus Holz zu bauen. Da soll keine Feuchtigkeit drin eingeschlossen sein, sonst bekommt man die nie wieder raus und der Boden schimmelt und fault.

Was machen? Plane spannen? Die Plane muesste riesig sein und wuerde somit vom ebenfalls vorherrschenden Wind erfasst werden. Es sei denn man verwendet reichlich Baumaterialien im Wert von mehreren Hundert Dollar und baut die Konstruktion entsprechend stabil. Aber so eine Summe in den buchstaeblichen Wind schiessen nur um trotzdem mit nassgewordenen Baumaterialien zu handhaben? So viele Silikagelpaeckchen habe ich nicht, um das zu kompensieren.

Also bleibt als oekonomischere Alternative das Warten. Um die Wartezeit schneller herumzubekommen habe ich eine echte Maennergrippe ausgebruetet. Jedenfalls hat sich die Erkaeltung wie eine angefuehlt. Pfui.

Doch dann… SONNE!!! Seit Donnerstag! Und erst fuer Montag war wieder Regen angesagt! Wobei man sich nur bedingt auf die Vorhersage verlassen kann. Es war dann tatsaechlich sonnig, aber diesig draussen durch den Rauch eines Waldbrandes, der hierher geweht wurde. Die Waldbrandgefahr im Umkreis war zum Glueck eine ganze Zeit niedrig durch die ganzen Regenfaelle. Mittlerweile ist sie wieder bei extremer Waldbrandgefahr angelangt, nach nur ein paar trockenen Tagen.

Tyrel arbeitete Donnerstag spaet. Am Morgen begann er damit, Spanplatten auf Vierkanthoelzer zu befestigen. Das ist der erste Schritt zum fertigen Haus!!

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Unser lieber Trailer mit dem beginnenden Aufbau.

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Die Spanplatten sind mit einer Reihe quer liegenden Vierkanthoelzern verbunden.

Nach der Arbeit besorgte ich etwas Holzspachtel und fing an, eine Fuge zuzuspachteln. Dabei habe ich auch nur zwei Muecken eingeatmet.

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Fuge spachtel dich… Oder wie lautete doch gleich das Zauberwort?

Arma bot ihre Hilfe auch an, kam aber leider nicht die 1,5 Meter zu mich hoch.

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Arma hat nur noch eine Teilzeitstelle als Schlappohr.

Freitag nach der Arbeit ging es dann gleich weiter und das ganze Bauprojekt des Wochenendes fing richtig an. Ich besorgte mehr Spachtelmasse, damit ich alles ordnungsgemaess fertigspachteln konnte und spachtelte mir einen zurecht. Tyrel und ich ueberprueften ob alle Vierkanthoelzer in sinnvollen Abstaenden angebracht waren und versenkten jede Menge Schraubenzur Befestigung.

Der naechste Schritt war die Membrane, die wir auf die Spanplatte getackert haben. Kleine Loecher in der Membrane wurden mit Klebeband versiegelt.

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Membrane auf Spanplatten auf Vierkantholzern auf trailer.

Auf diesen Schritt folgte unendlich langes Ausrichten. Die langen Balken der Unterkonstruktion hatten wir schon im Mai zusammengeleimt und geschraut. Doch jetzt alles auf einer Laenge von knapp acht Metern wirklich gerade hinzubekommen und festzuschrauben, kostet wirklich Muehe. Aber es hilft alles nichts. Schliesslich soll unser Boden ja auch wirklich einiges aushalten koennen. Umzuege zum Beispiel und Fahrten auf unserem trailer. Und wenn der Untergestell nicht gerade und winklig ist, dann werden der Fussboden, die Waende und das Dach wirklich gruselig. Also war hebeln, ausrichten, messen und schrauben, schrauben, schrauben angesagt.

Nach dem Zusammenschrauben saemtlicher Teile nahm ich den Winkelschleifer zur Hand und schliff alles ab, was mir zu hoch vorkam. Unseren Fussboden moechte ich dann doch relativ eben haben.

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Ich knie im Schlosserfanelle auf der Konstruktion und schleife was das Geraet hergibt.

Arma ueberwachte uns freundlicherweise, sodass wir uns zu keiner Zeit Sorgen ueber irgendwas machen mussten.

 

 

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Hund im Campingstuhl.

Irgendwann ging auch trotz Mitternachtssonnenzeit die Sonne kurz unter. Sonnenauf- und untergaenge sind besonders schoen, wenn Rauch in der Luft liegt.

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Eine blutrote Sonne vor borealen Baeumchen, die einem Scherenschnitt gleichen.

Trotz Uebermuedung, Dunkelheit, Schwaermen von Muecken und einer beruhigend trockenen Wettervorhersage beschlossen Tyrel und ich, weiterzuarbeiten. Wenn der Boden jetzt nass wird, haben wir schlechte Karten, das je wieder trocknen zu koennen.

Wir schneiden Stueckchen fuer Stueckchen Isoliermaterial zurecht und passen es an die enstandenen Faecher an. Schoen fluffig soll es sein und nicht gequetscht. Aber zu klein darf es auch nicht sein.

Waehrend wir schneiden und anpassen, donnert es weit entfernt. Dadurch, dass es hier so viele Berge gibt, entladen sich Regenschauer oft an einem anderen Berghang. Kein Grund zur Sorge.

Tatsaechlich ist es schon fast 1:30 h in der Frueh, als wir das letzte Paeckchen Isolierung zurechtschneiden und in das letzte Fach anpassen. Mit einer riesigen Rolle dicker Plastikfolie und zwei Tackern sorgen wir fuer den wetterdichten Verschluss.

Entspannt atme ich durch. Der feuchtigkeitsempfindlichste Schritt des Bodens ist geschafft. Tyrel merkt an, dass wir noch nicht fertig sind. Ein gelangweilter Vogel oder ein fieses Eichhorn koennten sich am Morgen durch das Plastik fressen. Ich sehe das ein, erinnere ich mich doch an die Raben, die ich auf einem Parkplatz dabei beobachten musste, wie sie ein neues, in Plastik eingewickeltes Sofa auf einem Truck auseinandernahmen. Also hieven wir vorsichtig Sperrholzplatten auf das Plastik.

Waehrend wir die vorletzte Platte auf das Plastik heben, faengt es an ordentlich zu regnen.

Wir laufen, holen die letzte Platte, decken alles mit Planen ab – die Konstruktion, den Stapel Sperrholzplatten, die Isolierungsreste. Dann braucht alles noch mehr Holz, zum Beschweren der Planen. Werkzeuge, Stuehle und zuallerletzt wir muessen ins Trockene gebracht werden.

Diese Nacht schlafe ich gut. Der Anfang ist gemacht. Jetzt brauchen wir noch den einen oder anderen trockenen Nachmittag, aber nicht wieder trockene Tage am Stueck.

So oder so, Ende August steht uns ein Umzug bevor. Wir haben der automatischen Verlaengerung unseres jaehrlichen Mietvertrags widersprochen. Zur Zeit haben wir zwar weder ein Haus, noch wissen wir, wo wir dieses Haus hinstellen werden. Aber ich weiss, dass es toll wird. Und auf dieses Gefuehl konnte ich mich bis jetzt immer verlassen.

Naechstes Abenteuer, wir kommen! 🙂

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Wohndilemma

Nach knapp drei Jahren ist es schliesslich soweit: Tyrel und ich haben hier wirklich Fuss gefasst, gut bezahlte Vollzeitstellen und endlich endlich endlich alle Kreditkarten abbezahlt.

Dann stellt sich natuerlich die Frage „Und nun?“.

Zur Zeit leben wir zur Miete hier und zahlen ein Heidengeld fuer eine alte Holzhuette ohne Isolierung (20 cm Holzbalken auf 20 cm Holzbalken mit genuegend Stellen, an denen Wespen im Fruehling ins Haus kriechen koennen.

Leider ist das hier der Standard. Die guenstigste Wohnmoeglichkeit ist, sich ein Zimmer zu mieten in einer Wohngemeinschaft. Da zahlt man dann $700 = 463 Euro kalt plus Nebenkosten im Monat. Alles andere, wo man womoeglich sogar einen privaten Eingang plus Klo hat, ist dementsprechend teurer.

Warum das so ist, habe ich lange nicht verstanden. Hier gibt es doch wirklich genuegend Platz, oder? Die Antwort darauf ist, wie so haeufig in Kanada, die Behoerden haben gepennt. Whitehorse hat seit in den letzten 20 Jahren einen grossen Einwohnerzuwachs erfahren. Es wurden jedoch kaum neue Wohnmoeglichkeiten geschaffen. In den letzten Jahren, als die Haus- und Grundstueckspreise schon astronomisch gestiegen waren, wachte die Stadt auf und stampfte ein Neubaugebiet aus dem Wald. Das Problem ist nur, dass dieses Neubaugebiet ausschliesslich grosszuegige, gehobene Einfamilienhaeuser in Holzrahmenbauweise beinhaltet, die nun fuer $600’000 = 400’000 Euro verkauft werden. Und das bei deutlich hoeheren Lebenshaltungskosten, weniger sozialer Absicherung und vergleichbaren Einkommen zu Deutschland.

Das ist der Moment, bei dem man sehnsuechtig an Plattenbau denkt.

Unsere Situation ist nun diese, dass wir nicht laenger zur Miete wohnen wollen, aber gleichzeitig uns nicht leisten koennen, etwas zu kaufen.

Hmmmmm….

In anderen Teilen von Kanada bekommt man Grundstuecke hinterhergeworfen. Ich wuerde jedoch nur sehr schweren Herzens wegziehen. Wenn es wirklich Sinn macht, dann ja. Aber eigentlich… nee.

Was also tun? Sklaven der Bank wollen wir beide nicht sein.

Tyrel findet, wir sollten ein bisschen Geld ansparen und dann ins suedliche, flache Kanada ziehen.

Berge hinter mir zu lassen, wuerde mir wahnsinnig schwer fallen. Und ausserdem, wie sollen wir hier Geld ansparen, wenn wir es zum Fenster heraus werfen mit durch unsere Miete und Nebenkosten?

Und ueberhaupt, was passiert, wenn einer von uns mal laenger krank wird oder seinen Job verliert? Dann rasen wir wieder schnell ins Minus. Nachhaltig ist das nicht.

Ich habe viele Kollegen und Freunde gefragt, wie sie sich hier ein Haus leisten koennen. Die Antwort lauteten entweder „Wir/Unsere Eltern sind schon vor 10 (und mehr) Jahren in den Markt eingestiegen und haben bei Hausverkaeufen viel Geld gemacht.“ oder „Mach dir nicht so viele Gedanken, die Preise steigen doch weiter und in ein paar Jahren kannst du dein Haus dann gewinnbringend verkaufen!“

Aehm, und was ist, wenn die Preise nicht steigen? Mag sein, dass mir mein Masterabschluss in Business hier nicht viel weiterhilft aber diese Wette scheint mir wirklich zu riskant. Eine Hausfinanzierung ist hier mit 5% Eigenbeteiligung moeglich fuer bis zu 20 Jahre Finanzierung. Der Anteil, der dabei an die Bank geht und einfach so verpufft, macht mich ganz schwindelig.

Das heisst also, dass unser erstes Ziel sein sollte, so viel Geld wie moeglich anzusparen. Vor etlichen Jahren schon hat mir Peter Zwegat auf RTL2 erklaert, wie das geht: Einnahmen erhoehen (oft schwierig) oder Ausgaben senken. Und fuer was geben wir bei Weitem am meisten Geld aus? Genau, Miete und Nebenkosten. Aaaaaah!!

Schritt zurueck: Haben wir nicht schonmal diese Kosten gesenkt? Als wir zuerst nach Kanada kamen, haben wir doch auch kostenguenstig gewohnt. Nicht komfortabel und auch im Winter bei zwei Vollzeitstellen nicht durchfuehrbar, aber der winzige Wohnwagenanhaenger hat uns den Start ermoeglicht. Was, wenn wir nochmal in die Richtung gehen? Nicht in dem kleinen Wohnwagen, aber mobil, vielleicht ein bisschen groesser und auf jeden Fall mit Isolierung… Eine Idee war geboren. Also eher eine Idee fuer uns, denn es gibt immer mehr Leute, die kleiner wohnen wollen und daher ist die Tiny House Bewegung entstanden.

Nach etlichen Diskussionen, gedanklichen Entwuerfen und Mediationsgespraechen bei unserem Freund James gelang es Tyrel und mir auch, unsere Energien diesbezueglich in aehnliche Richtungen zu lenken. Wenn zwei Sturkoeppe aufeinandertreffen, muss man damit rechnen, dass man nicht immer einer Meinung ist. Aber wenn man sich dann einigt, arbeiten beide mit voller Energie zusammen, das ist umso besser!

Nachdem einige grundlegende Fragen geklaert wurden, suchen wir nun also nach einem Anhaenger (= trailer). Keinem Wohnwagen, sondern ein flacher, wo wir ein kleines Haeuschen draufbauen koennen. Nicht, dass einer von uns schonmal eine Hundehuette oder aehnliches gebaut haette. Von einem Haus ganz zu schweigen. Aber wenn man sich etwas ernsthaft vornimmt, sind dem in meiner Erfahrung kaum Grenzen gesetzt.

Das trailer Angebot in unserer Tagesfahrt-Umgebung ist relativ mau. Zur Auswahl stehen zwei nicht perfekte trailer; und in Diskussionen darum, ob dieser oder jener trailer fuer unsere Anspueche ausreichend waere. Ja, keine Ahnung!

Da ich praktisch veranlagt bin, fuhr ich nach der Arbeit in die Stadt und besorgte eine Heissklebepistole samt Klebestiften und zwei grosse Kartons Eisstiele. Zu Hause hab ich einfach losgelegt. In den letzten Tagen hab ich mir ein wenig Theorie angelesen, wie in Nordamerika Hauser gebaut werden (aus Holzrahmen) und die maximalen Bestimmungen fuer trailer Masse auf kanadischen Strassen gewaelzt. Auf einer Muellsack-Tischdecke habe ich dann einfach drauflosgeklebt. Erstmal den Grundriss des einen Trailers, der in Frage kommt, im Massstab 1 : 24. Hierbei wird die Laenge eines Fusses in einem halben Zoll nachgestellt. Ja, Kanada benutzt offiziell das metrische System. Nein, in der Praxis wird es in vielen Faellen nicht benutzt. Der Bau ist einer dieser Faelle.

Nachdem die Bodenplatte erbaut war, ging es also an die Konstruktion der ersten Wand in Holzrahmenbauweise. Dazu muss klar sein, wo spaeter Fenster, oder in diesem Fall Tueren, eingesetzt werden. In Abschnitten, wo spaeter weder Fenster, noch Tueren sein werden, wird alle zwei Fuss (bei meinem Modell bei jedem Zoll) ein vertikaler Balken eingesetzt. Schliesslich bringt man horizontale Verstrebungen an, die das ganze versteifen und an die spaeter Regale und Wandschraenke angeschraubt werden.

Nach der ersten Wand musste ich dringend ins Bett. Und nach einer ausgiebigen Muetze Schlaf musste ich euch dringend von meinem neuen Projekt berichten. Aber heute Abend wird ganz sicher weitergeklebt.

Und hoffentlich folgt auf die Kleberei irgendwann auch Naglerei. Hoechstwahrscheinlich muessen wir uns fuer die Materialien Geld leihen. Aber durch die Mietersparnisse wuerden wir das Geld schnell wieder zurueckgezahlt haben, sobald wir im kleinen Haus wohnen.

Gedanklich bin ich jetzt schon eingezogen. Meine pragmatische Seite schreit und klagt die Luftschloesser an. Doch ohne Traeume und Plaene wuerde das kleine Haus ganz sicher nie Realitaet werden. Daher traeume ich einfach weiter. 🙂

Unerwünschter Besuch zum Jubiläum

Es ist Mitternacht. Heute bin ich seit zwei Jahren in Kanada.

Eigentlich wollte ich mich nach einer guten Mütze Schlaf in Ruhe hinsetzen und mein zweites Jahr resümieren.

Doch gerade kommen wir nach Hause von einen schönen Abendessen mit James. Komisch, die Eingangstür ist blockiert, war der Wind so stark, dass die Holzblöcke einfach umgefallen sind? Wir versuchen, die Tür zu entsperren und zu öffnen, dabei knallt mir Tyrel die Tür volle Elle an den Kopf. Sauer gehe ich in den Vorraum und schließe die Haustür auf.

Was… Warum ist der Abstelltisch umgeworfen? Und so viel liegt auf dem Boden… Ich verstehe nichts und starre auf das Chaos.

„Das ist ein verdammter Einbruch, schnell weg hier!!!“ Tyrel zieht mich am Arm wieder nach draussen.

„NICHT LAUFEN! Geh einfach zum Auto und setz dich rein! Ich hole die Schrotflinte aus meinem Auto.“

Wir gehen ums Haus. Jemand hat die Insektennetze herunter gerissen. Das Schlafzimmerfenster steht komplett offen. Tyrel brüllt ins offene Fenster und horcht. Nichts regt sich.

Schließlich betreten wir das Haus durch die Haustür. Tyrel ruft und lauscht. Ich halte Abstand.

Chaos. Die Kettensäge ist noch da. Alles andere auch. Und Bärenscheiße. Gegessen hat er nichts, nicht einmal die Mülltüte mit den Küchenresten durchwühlt. Der Kühlschrank ist geschlossen. Die Dusche ist zerstört. Ein Sofa angenagt. Ein Fenster kaputt. Viel kleine Sachen.

 

Wir telefonieren mit unserer Hausverwaltung, unserem Vermieter und schließlich der Jagdbehörde. Ein Schwarzbär hat in unserer Gegend schon viel Schaden angerichtet. Erst heute war er bei unserer Hausverwalterin auf der Veranda und hat sich von Menschen nicht stören lassen.

Der Herr von der Jagdbehörde kommt gleich vorbei und stellt eine Bärenfalle auf. Wenn wir den Bären sehen, sollen wir ihn sofort erschießen und nicht erst versuchen, zu verjagen.

Wo oder ob ich heute schlafen werde, weiß ich noch nicht.

Happy Canada Day!

Update: Dave von der Jagdbehörde ist mit uns durch das Haus gegangen, hat Haarproben mitgenommen. Dass Bären in Häuser einbrechen, ist mehr als unüblich. Oft plündern sie Hütten im Nirgendwo. Aber erst, wenn seit Monaten kein Mensch mehr drin war und es nicht mehr nach Mensch riecht. Dieser Bär hatte aber wohl Angst bekommen, als er im Haus war. Daher hat er nichts gegessen, wollte einfach nur raus aus irgendeinem Fenster und hat dabei ne Menge zerstört. Und uns in den Flur geschissen.

Dave holt jetzt eine Bärenfalle, die derzeit eine Strasse weiter steht, um ebendiesen Meister Petz zu fangen. Die Bärenfalle wird nun in unseren Vorgarten gestellt.

Ob sie auch Köder in die Falle legen, frage ich.

Ja, ne Menge!

Und was für Köder?

Einen Haufen Biberfleisch. Das sind die fettigsten Tiere, die hier rumlaufen.

Wird der Bär getötet, wenn er in die Falle getappt ist?

Ja, er ist gefährlich und kann nirgendwo freigelassen werden ohne dass er andere Menschen gefährdet.

Ist es sicher, heute Nacht hier zu schlafen?

Ja, der Bär würde wahrscheinlich gleich reißaus nehmen, wenn er euch hört oder riecht. Ausserdem wurde er nicht dafür belohnt, hier einzubrechen. Er hat nichts gegessen, hat kein positives Erlebnis gehabt. Wenn er nochmal in die Nähe kommt, würde er eher in die Falle gehen.

 

Ich habe beschlossen, heute zu zelten. Im Wohnzimmer. Nur im Innenzelt, so können wir sehen, was draussen los ist. Und die 688632 Moskitos, die jetzt unsere Mitbewohner geworden sind, saugen uns nicht leer.

Was für ein Jubiläum. Ich baue dann mal ein Zelt im Wohnzimmer auf. Kann die Situation aber schon wieder positiv sehen. Nichts wirklich Schlimmes ist passiert. Wir müssen morgen nicht arbeiten. Und lustigerweise hat der Bär unsere beiden Schwarzbärenfelle von der Wand gerissen, den Grizzly, Wolf und das Bison aber hängen lassen. Dieses Mal 1:0 für den Bären!

Liebe Grüße und macht euch keine Sorgen, mir geht es gut. 🙂

Das Haus

Wie bereits im letzten Beitrag angekuendigt, haben wir uns mittlerweile wieder einmal raeumlich veraendert. Langsam bin ich so routiniert im Sachen einpacken, Anhaenger beladen und Trailer reisefest machen, dass ich direkt in eine Sinti oder Roma- Familie gehoeren koennte.

Seit Ende des letzten Winters erinnere ich Tyrel regelmaessig an eine Sache:

Den naechsten Winter moechte ich in etwas Isoliertem verbringen!!!

Das hat nicht den Grund, dass der letzte Winter total schrecklich war. Im Gegenteil, ich habe viel gelernt und hatte auch reichlich Spass am Abenteuer. Aaabert: Es gab dann doch eine Sache, die ich gar nicht lustig fand. Das war naemlich nach Hause kommen, nachdem beide fuer mehrere Stunden gleichzeitig das Haus verlassen hatten. Sei es, um in der Stadt Waesche zu waschen und Internet mit Burgern zu konsumieren oder auch eine ausgedehnte Wanderung in Winterlandschaften. In beiden Faellen kam man durchgefroren nach Hause und… wurde von einem -10 Grad „warmen“ Heim begruesst. Alles war eingefroren. Auch das Kriechen mit Winterjacke unter die Bettdecke brachte nicht viel, da man selbst noch ganz kalt von den -30 Grad draussen war und das Bett als Kuehlbox fungierte. Also wurde schnell der Ofen entzuendet und gleichzeitig Wasser gekocht, um sich mit Waermflasche und Tee noch weiter ausfzutauen. Das ganze Prozedere war schnell getan aber es dauerte gut und gerne 3 (in Worten: drei) Stunden, bis sich die Bude so sehr aufgewaermt hat, dass man im Schlafanzug nicht am Boden festfror.

Es war zum Glueck nicht allzu haeufig der Fall, dass dieses Szenario eintrat. Ich war meistens zu Hause oder wir waren gemeinsam nicht laenger als 3 oder 4 Stunden unterwegs. Mein Hirn fragte sich trotzdem schon nach der Situation im naechsten Winter… und stellte fest, dass wir hoechstwahrscheinlich beide arbeiten werden! Vollzeit!! Das wuerde bedeuten, dass das Aufheizen des Grauens fast taegliche Routine wuerde!!! Nein, danke. Das brauche ich wirklich nicht.

Daher meine mehrmals im Monat platzierten Erinnerungen an Tyrel. Naechster Winter… Isoliert… Schon bald entsponn sich die Idee, dass wir doch eine kleine, portable Huette selbst bauen koennten. Entweder aus Holz mit Isolierung (Standardbauweise in Nordamerika) oder auch in einen gekauften Ueberseecontainer hinein. Die Idee finde ich immer noch gut! Doch dann kam schliesslich der Sommer… und mit ihm eine verrueckte Zeit voller Geschaeftigkeit, Besuche, Veraenderungen und mehr als Vollzeit Beschaeftigungen bei beiden von uns. Und schon befanden wir uns im Monat August.

Als ich Ende Juli erneut meine Wintererinnerung platzierte und Tyrel antwortete, dass wir nach Ueberseecontainern Ausschau halten sollte, wurde mir klar, dass das dieses Jahr wohl nichts mehr wird. Der gesamte Herbst spielt sich hier im Monat September ab und ab Oktober ist es dann schon Winter. In zwei Monaten ein kleines Haus bauen? Bestimmt moeglich. Aber dazu braucht man eine Menge Zeit. Und das ist das Gut, was wir zur Zeit am wenigsten haben! Also veraenderte ich meine Erinnerung leicht und fuegte immer an, dass wir uns ja fuer diesen Winter ganz eventuell etwas mieten koennen, da wir zur Zeit sehr beschaeftigt sind und auch noch im Fruehjahr anfangen koennen, etwas zu bauen. Am liebsten haette ich gesagt „Das ist total unrealistisch, dass wir in der kurzen Zeit noch was bauen koennen, denk doch mal nach!“. Aber so wuerde ich Tyrel recht geben, wenn er mich als Pessimisten darstellt. Und es ist doch wirklich netter ausgedrueckt mit den ganzen Konjunktiven 😉

Durch meine diplomatischen Fortschritte war es sogar Tyrel (!), der als erster im Internet nach Mietobjekten Ausschau hielt. Unsere Ansprueche waren dabei: Moeglichst keine Nachbarn, etwas Isoliertes, das die Waerme haelt und moeglichst auf der Haelfte des Weges zwischen Whitehorse und unserem Woodlot. Eine Huette in der falschen Richtung aus der Stadt heraus wollten wir besichtigen. Der Termin wurde jedoch mehrmals verschoben, sodass wir inzwischen ein weiteres Objekt erspaeht hatten. Dieses Objekt war ein Holzhaus mit Strom und einer Gasheizung nebst Kamin, das genau in der Mitte zwischen Woodlot und Stadt liegt. Gleich haben wir die Maklerin angerufen, eine Selbstauskunft mit nettem Brief geschrieben und uns beim Gruppenbesichtigungstermin schoen bei der Maklerin eingeschleimt. Und es hat geklappt! In der Nacht vom 1. September sind wir eingezogen! 🙂

Die Herausforderung beim Einzugtermin: Bereits am 3. September erwarteten wir ein Flugzeug, aus dem mein Bruder mit Frau aussteigen sollten. Und das Haus wollte gruendlich ausgeraeumt und geputzt werden! Der darauffolgende Schlafentzug zahlte sich schliesslich aus. Das Haus war wohnlich geworden, der Teppich mit einem speziellen Reinigungsgeraet gewaschen und ein Gaestezimmer aus dem Boden gestampft. Ehrlich gesagt bin ich immer noch muede davon… Schlaf ist mein Lebenselixier!

Von dem Besuch meines Bruders und meiner Schwaegerin werde ich getrennt nochmal berichten. Gestern sind die beiden wieder in ein Flugzeug gestiegen und wir hatten alle Spass zusammen 🙂

Die erste Nacht im Haus hat mir gar keinen Spass gemacht. Ueberall war geschmacklose Deko von fremden Leuten an der Wand. Man hoert, wenn nachts die Heizung anspringt und nicht mehr, wie der Wind durch die Baeume streift. Und ueberall liegt Teppich!!! Pfui! Ich bin ein grosser Freund von wischbaren Boeden. Am Tag nach unserem EInzug haben wir dann noch eine Tour zu James gemacht, um unsere verbleibenden Sachen abzuholen. Beim Einladen der Kisten auf den Anhaenger wurde ich ziemlich froestelig, es war nur knapp ueber Null Grad und ich hatte noch nicht mal eine lange Unterhose an! Wieder im Haus die unerwartete Ueberraschung: Man kommt nach Hause und es ist… warm?! Hexerei!!! …an die man sich bestimmt gewoehnen kann. 🙂 Spaetestens nach der erfolgten kompletten Reinigung des ganzen Hauses fuehle ich mich auch wohl hier. Es ist rustikal, aber wir haben sogar Strom, eine Waschmaschine samt Trockner und Internet und solche Spirenzchen! Das bedeutet eine grosse Zeitersparnis in unserer Freizeit (die wir dann mit Holz saegen fuellen koennen), da wir nicht mehr wegen jedem Mist in die Stadt fahren muessen.

So, genug geschrieben, es muessen Bilder her!

Eine Information noch an meine lieben Mitblogger:

Laut dem allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin leben in Deutschland etwa 150’000 Blinde und etwa 500’000 hochgradig sehbehinderte Menschen. Das Internet stellt fuer sie eine tolle Moeglichkeit dar, an Informationen zu kommen oder auch zum Beispiel Blogs zu lesen, genau wie bei uns Sehenden. Wenn Bilder eingefuegt werden, die nicht weiter erklaert werden, stellt das eine Barriere dar, die den Lesespass erheblich mindert. Und auch wir Sehlinge koennen manchmal nicht alles auf den Bildern erkennen oder wissen nicht genau, was der Autor denn nun darauf zeigen moechte.

Von daher moechte ich darauf aufmerksam machen, dass es sich wirklich lohnt, Bildbeschreibungen einzufuegen! Durch die tolle Aufklaerung auf dem Blog lydiaswelt bin ich seit bald einem Jahr fleissig am Bilder beschreiben. Es dauert nicht lange, macht mir wirklich Spass und hilft anderen. 🙂

Ob ich jetzt dauerhaft so feudal wohnen moechte, weiss ich noch nicht. Ein bisschen vermisse ich das einfache Leben in einem kleinen Heim schon. Andererseits bedeuten Strom, Internet und Wasser schon erhebliche Vereinfachungen des taeglichen Lebens. Aber wir der gute Miffy von Nuttingham mir schon versicherte, kann ich die Bude ja jederzeit niederbrennen und in ein Zelt ziehen… oder so. 😀 Wie gut, dass man immer auf den Rat guter Freunde zaehlen kann.

Morgen werde ich dann auch anfangen, den riesigen Berg unbeantworteter Mails abzuarbeiten! Fuer dieses Jahr ist auch kein Umzug und/ oder Besuch aus Deutschland mehr angedacht. Und nur noch mit meinen Jobs und dem Internet im Haus wird eine zeitnaehere Beantwortung hoffentlich in greifbare Naehe ruecken. 🙂