Winter

Huehner und Landschaft

Meine Oma hat mir gesagt, dass sie jetzt auch meine Blog-Bilder im Internet sehen kann. Das nehme ich doch gleich zum Anlass, neue Bilder hochzuladen.

Viel Neues zu erzaehlen gibt’s nicht. Ich fahre Ski und verbringe gern Zeit mit den Huehnern.

Fangen wir also mit den Huehnerbildern an.

Vier Hennen auf der Stange. Von links nach rechts: Icicle, Flurry, Moonlight, Coco.
Morgensport muss sein: Icicle streckt das rechte Beinchen samt Fluegel.
Hahn Daisy beaeugt Apfelspalten.
Der Kopf von Henne Icicle geht nahtlos in den Koerper ueber – ein Hals scheint nicht vorhanden.
Henne Brave hat in meinen Augen den perfekte Huehnerkoerper. Buschiger Hintern, kurze Beinchen, irrer Blick!
Apropos irrer Blick: Icicle streckt den nicht vorhandenen Hals und starrt.
In Grautoenen und schwarz-gruen schimmern die Federn.
Huehnerfarbenpalette und Bernsteinaugen.

Soweit zu den Huehnern. Bislang scheinen sie die Kaelte gut zu ueberstehen und legen sogar noch Eier. Alle Nachbarshuehner, die unter natuerlichen Winterbedingungen hausen (keine kuenstliche Beleuchtung und keine Beheizung), legen seit Wochen keine Eier mehr. Das sei ihnen gegoennt, im Fruehling geht es dafuer wieder voll los. Im Gegensatz zu den Industriehuehnern legen die natuerlich gehaltenen Huehner der alten Rassen dann auch ca. acht Jahre lang Eier statt nur zwei Jahre der Hoechstproduktion.

Ski fahren macht weiterhin viel Spass. Ich falle noch regelmaessig, vor allem wenn es bergab geht. Aber solange ich einmal mehr aufstehe, als ich hinfalle, passt es schon. Ganz ohne Motorenlaerm, abseits der festgetrampelten Pfade, erlebe ich diesen Winter bislang ganz intensiv.

Nebensonnenuntergang.
Ausblick ueber frostige Nadelbaeume.
Die Abendsonne leuchtet mir heim.
Abendstimmung in den Bergen.
Der letzte Gruss der Sonne.
Scherenschnitt-Baeume vor farbigen Wolken.
Meine Lieblingswinterabendfarbe: Terracotta.
Strahlender Sonnenschein ueber Glitzerschnee.

So, jetzt muss ich wieder Bilder sammeln gehen. 🙂

Wobei sich das als schwierig gestalten duerfte, denn im Dezember arbeite ich auch samstags. Der Fleischer braucht gute Wuerste und Pasteten fuer kauflustige Weihnachtsfeinschmecker. Aber vielleicht ziehe ich dafuer einfach mal in der Mittagspause los – das wenige Sonnenlicht, das mir im Dezember zur Verfuegung steht, moechte schliesslich genutzt werden!

Habt einen schoenen Dezember. Egal wie nervig manche Umstaende sein moegen: Jeder Tag ist einzigartig. Die Sonne wird nie wieder auf die gleiche Art auf- und untergehen. Wir werden nie wieder die gleiche Gesellschaft um uns haben auf die gleiche Weise. Alles veraendert sich. Daher lohnt es sich, dankbar zu sein. Jeden Tag. Denn irgendwas findet man immer, wenn man sucht.

Mit hat dieser Gedankengang in den letzten Wochen sehr geholfen, daher wollte ich ihn gern teilen. 🙂

Weiterhin weiss.

Was macht man mit zehn zahmen Ziegen?

Natuerlich – man laesst sie zehn Zentner Zucker zum Zoo ziehen, redet drueber, verbessert dabei die eigene Aussprache und macht Logopaeden gluecklich.

Was macht man aber mit nur einer zahmen Ziege?

Man laesst sie einen anderthalb Zentner Anfaengerskier in die Boeschung ziehen.

Ziehende Ziege, zieht wohin sie will.
Oftmals landet der Ziegen-Skijoring-Versuch mit dem Sieg der Gravitation ueber meine fragile Balance. Die Empathiefaehigkeit der Ziege scheint trotz Zahmheit begrenzt.

Nach Muskelkater vom Lachen und blauen Flecken steht fuer mich fest, dass ich ohne Zugziege doch etwas sicherer auf meinen Fussbrettern dahingleite.

Ski allein under the power line.

Ansonsten ist es derzeit nicht mehr ganz so kalt, die Minusgrade sind nur noch einstellig. Fuehlt sich fruehlinghaft an, laesst den Schnee aber genauso teilnahmslos weiterliegen wie bisher.

Winterpanorama
Der breite Fluss (links im Bild) ist fast gaenzlich zugefroren.
Schnee auf Zweig vor noch mehr Schnee.
Ein Schneehund – Arma liebt es weiterhin, unter der Schneedecke nach Stoeckern zu stoebern.

Habt eine gute Woche!

Ganz viel Schnee

Jetzt hab ich Skis und langsam hab ich auch den Dreh raus, wie man sich darauf fortbewegt. Nebenwirkung: Muskelkater an exotischen Stellen meines Körpers.

Ich, balanciere auf Skis.
Vorwärtslehnen ist beim Langlauf angeblich Pflicht.

Ansonsten lag schon viel Schnee, es kam aber noch ein Blizzard oben drauf. Sehr ungewöhnlich für diese Gegend, die doch eher für ihre TROCKENE KÄLTE berühmt ist.

Viele Sachen sind eher doof mit so viel Schnee. Zur Arbeit fahren, den Hühnern Wasser geben oder auf den Donnerbalken laufen in etwa. Aber es gibt auch einen Vorteil, auf den ich mich hier konzentrieren möchte: Es herrscht Postkartenwetter.

Weißer Himmel, weißer Boden.
Schneestapel auf Holzstapel.
Schneebaumsilhouetten im Gegenlicht.
Kalte Schnauze, ohne Keks und Schoko, mit Eis und Hund.
Sun Dog, zu deutsch Nebensonnen. Eine schöne Himmelserscheinung, durch Eiskristalle hervorgerufen.

Habt eine gute Woche!

Jahreszeitenwechsel

Im deutschsprachigen Internet kursieren derzeit die schönsten Herbstbilder. Da möchte ich natürlich mithalten.

Es folgen einige Bilder von meiner Jahreszeit im Yukon.

Mitte Oktober, ich habe die Eingebung,dass der Winter jeden Moment über mir und vor allem den Hühnern zusammenbricht. Also baue ich einen Hühnerauslauf, der im nächsten Sommer als Gewächshaus dienen kann.

Tyrel kann meine Panik nicht verstehen, hilft mir aber nach Fertigstellung, den Hühner-Wintergarten an den rechtmäßigen Platz zu hieven.

Die ersten Schneeflocken fielen auf den Hühner-Wintergarten gleich in der ersten Nacht.

Seitdem ist es kalt. Und das durchgehend, abgesehen von zwei Tagen mit starkem Sturm aus Süden.

Die Winterboten sind nicht zu übersehen. Pinke Berge am Morgen, dramatische Sonnenuntergänge. Eisschollen, die den Fluss hinuntertreiben. Vereiste Wimpern nach einer Radtour.

Die Hühner lieben ihren Auslauf. Von Schnee halten sie eher wenig. Daher streue ich ihnen jeden Morgen ein paar Leckereien auf den strohbedeckten Boden. Körner und Samen, Mais und Rosinen müssen eifrig erscharrt werden. Oft gibt es dazu noch frisches Obst und Gemüse. Für kalte Tage habe ich selbst Kraftfutter hergestellt aus dem Scharrfutter und Fett aus ausgekochten Rinderknochen aus der Fleischerei.

Bislang scheinen meine fedrigen Freunde auch mit Temperaturen bis zu -23 °C ohne Heizung gut auszukommen. Alle haben ihre dicken Daunenjacken an und kuscheln nachts – das scheint ihr Geheimnis zu sein.

Seitdem das erste Ei gelegt wurde, gab es insgesamt nur drei eierlose Tage. An alles anderen Tagen fand ich ein bis drei Eier im Hühnerhaus. Noch legen nicht alle Hennen. Ich bin schon gespannt, wann ich das erste grün-blaue Ameraucana-Ei finden werde.

Arma scheint der Wintereinbruch genauso wenig auszumachen wie letztes Jahr. Und ich spezialisiere mich immer noch auf lustige Bilder von ihr.

Arma-Derp vor malerischer Winterlandschaft.

In den letzten Tagen ist viel Schnee gefallen, ca. 20 cm. Zum Fleischer bin ich trotzdem zur Arbeit geradelt. Es ist der einzige Weg, der mit 6,4 km genau richtig zum radeln ist. Im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Wegen im Yukon, für die man meist erst das Auto anwerfen muss. Daher weigere ich mich bisher standhaft, die Strecke das erste Mal mit dem Auto zu fahren.

Doch ich muss einsehen, dass es bei den Straßenbedingungen hier im Winter außerhalb der Stadt zu gefährlich ist, sich mit Autos und LKW die Straße zu teilen.

Also was tun?

Ich habe mir heute mein erstes Paar Langlauf Ski gekauft. Morgen werde ich die ersten Schritte darauf laufen. Und hoffentlich kann ich kommenden Freitag zum ersten Mal zur Arbeit Ski laufen.

Ski Heil!

Schneebehangene, boreale Nadelbäume.

Auf Kurs

Es ist vollbracht.

Im Januar 2018 betrat ich den hiesigen Kaeseladen.
Mein erster Impuls: „Ich will ALLE Kaesesorten essen!!!“
Mein zweiter Impuls: „Wie kann ich dieses Ziel tatsaechlich erreichen und wie werde ich wissen, dass ich es erreicht habe?“
Mein dritter Impuls: „Ich fuehre eine alphabetische Liste der Kaesesorten, die ich in diesem Laden gekauft und dann verkoestigt habe. Mit einer kurzen Bemerkung, wie sie mir gefallen haben, damit ich weiss ob ich sie im Angebot wieder kaufen sollte. Damit ich nicht im Schuldturm ende, ist mein woechentlichs Kaesebudget mein errechneter Brutto-Stundenlohn.“

26 Monate spaeter.

Ich bin auf Reihe, habe das letzte Stueck Kaese erworben, das noch nicht in meiner Liste aufgefuehrt war. Jetzt umfasst diese Liste 315 alphabetisch geordnete Sorten Kaese mit jeweils einer kurzen, subjektiven Bewertung meinerseits.

Die Verkaeufer im Kaeseladen sind zu guten Freunden geworden. Freunde, die besorgt sind, was denn jetzt geschieht, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Ob es mir langweilig wuerde, denn erst in drei Wochen kommt eine Lieferung mit neuen Sorten.

Freunde, denen ich augenzwinkernd antworte, dass ich nun endlich diejenigen Kaesesorten essen kann, die mir gut geschmeckt haben.

Seit einem Monat laufe ich in meiner Mittagspause woechentlich die knapp fuenf Kilometer in die Innenstadt in meiner Mittagspause. Dort lasse ich mich mit Bagels und Kaese beladen und laufe zurueck ins Buero. Zurueck zum Buero geht es stetig bergauf, so spare ich mir die Anschaffung einer Bleiweste zu Trainingszwecken. Fresswesten sind viel praktischer.

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Die Eigentuemerin des Kaeseladens bestueckt meine Laufweste mit leckerem Kaese.

Fuer mich ist dieses Verhalten logisch. Ich moechte alle Kaesesorten gegessen haben um die bestmoegliche Kaufentscheidung treffen zu koennen. Dann erstelle ich einen Plan, wie ich dieses Ziel sinnvoll erreichen kann. Und anschliessend befolge ich den Plan ohne gross drueber nachzudenken. Ob das jetzt zwei Monate oder 87 dauert, ist dabei egal, denn ich bin auf Kurs.

Dennoch sorgt mein Vorgehen oft fuer Erstaunen. Scheint es etwas zu stringent oder obsessiv? Wuerde ich es nicht mehr geniessen, wenn ich einfach die Kaesesorten kaufen wuerde, nach denen mir gerade der Sinn steht?

Noe.

Ich bin schon gespannt, was ich als naechstes Ziel auserwaehlen werde… erst nach meinem Berglauf-Marathon Ende Juni hoffentlich. Denn zur Zeit bin ich voll ausgelastet mit der Befolgung meines Trainingsplans. Diese Woche werde ich insgesamt 61 Kilometer laufen. Das ist schon mehr als doppelt soviel wie die Wochenleistung, ueber die ich vor 2,5 Monaten noch schwer gestoehnt habe.

Eine tolle Erfahrung die zeigt, wie anpassungs- und steigerungsfaehig der Koerper doch ist, wenn man ihn regelmaessig fordert. Mein armer Koerper, den ich jahrzehntelang als Mittel zum Zweck angesehen habe. Jetzt moechte ich ihn gern artgerechter bewegen und auslasten. Es haengt doch alles zusammen: Koerper, Geist und Seele.

Und Kaese haelt alles zusammen. 🙂

Sammelsurium

Das Jahr ist nun schon etliche Wochen alt.
Und ich kann mich nicht aufraffen, zu schreiben.

Viele Emails von lieben Menschen schauen mich erwartungsvoll im Posteingang an.
Blogbeitraege fristen ihr Dasein als Entwurf, da sie irgendwie nie fertig zu sein scheinen.
Mit einem Bein bin ich noch tief im Winterschlaf, das andere laeuft den immer laenger werdenden Tagen entgegen. Und dem Berglauf Ende Juni.

Aber heute, da schreibe ich einfach wieder, egal was.

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe:

  • Mein grosses Suedfenster im Buero eignet sich super, um Pflanzen vorzuziehen. Ja, bei mir wachsen jetzt schon kleine Tomatenpflanzen. Allen Leuten, die sich wundern, ob das nicht viel zu frueh ist, sage ich, dass ich es aber gern so wollte. So.
  • Hunde koennen Zwingerhusten bekommen obwohl sie dagegen geimpft sind. Und hustende Hunde duerfen nicht in die Hundeschule.
  • Wenn man mittags auf der Arbeit in Laufmontur verkuendet, dass man kurz einkaufen geht, nimmt einen keiner ernst. Wenn man nach einiger Zeit mit Kaese und Bagels beladen zurueck kommt, sind alle ernsthaft ueberrascht.
  • Ein paar Tage Brechdurchfall kann nachhaltig das Essverhalten veraendern: Ich steh jetzt auf Haferschleim, waehrend es mich vorher schon beim Gedanken daran geschuettelt hat.
  • Wenn man im Franzoesischkurs versucht, einen starken Quebec-Akzent zu imitieren und gleichzeitig ueber Poutine zu reden, spricht man stattdessen ueber Prostituierte. Poutine =/ Poutain.
  • -37 °C ist nicht zu kalt zum Laufen. -44 °C ist definitiv zu kalt.
  • Wenn man im Winter ohne Strom lebt und trotzdem zur Arbeit fahren will/muss, darf man frueh aufstehen. Erst muss der Generator gestartet werden (mit Akkubohrmaschine statt Kordel), dann muss der Generator warm laufen, dann muss man 15 Meter Verlaengerungsschnur von Generator zu Auto verlegen um Motorblock sowie Batterie elektrisch mindestens eine Stunde zu beheizen. Anschliessend startet das Auto [vielleicht] und es kann aufgewaermt werden… Freitags klingelte mein Wecker um 2:30 h.
  • Auch freitags um 2:30 h bin ich froh, dass wir nicht mehr im alten Haus leben. Da waere der Winter anders, jedoch noch unkomfortabler gewesen bei gleichzeitig weitaus hoeheren Kosten.
  • Bei Temperaturen kaelter als -25 °C brauchen Tyrel und ich ungefaehr gleich lange auf dem Donnerbalken. Fuer jedes Grad Kelvin mehr braucht Tyrel ca. eine Minute laenger.
  • Dienstags nach einem 10,5 h Arbeitstag noch zwei Stunden Franzoesischkurs dranzuhaengen ist sportlich. Dann auf Franzoesisch die ganze Zeit ueber leckeres Essen reden zu muessen, ist fies. J’aime le fromage!
  • Auch wenn man 45 km in der Woche laeuft, ist es noch immer sauanstrengend! Ich weiss nicht, ob sich das jemals aendern wird. Aber ich merke deutliche Verbesserungen in meiner Grundstimmung und -fitness. Also laufe ich mehr… weil ich mich besser fuehle wenn ich gerade nicht laufe?!
  • Arma ist sehr gelehrig und fuehrt Befehle 1A aus, solange kein anderer Hund in der Naehe ist. Oder andere Menschen. Oder Autos fahren. Oder da ein verdammter Stock liegt!
  • Wenn man so gut wie jeden Tag der Oeffnungszeiten in der neuen Fleischerei abhaengt, die ausschliesslich lokales Fleisch verkauft, wird man irgendwann mit „Welcome Home / Willkommen Zuhause“ begruesst. Weiteres Vorgehen: Schritt 1: Vorschlagen, dass Grillfackeln produziert und zum Verkauf angeboten werden. Schritt 2: ???. Schritt 3: PROFIT.
  • Wenn der letzte von drei Manager-Kollegen aus persönlichen Gründen am Vormittag nach Hause geht, ist es anscheinend völlig angemessen, Céline Dion zu singen.

Anbei ein paar Impressionen.

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Lebensrettend: Am Generator den Seilzugstarter abbauen und stattdessen die Antriebswelle mit einem Akkubohrer in Wallung bringen.

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Ja, -44 °C ist Sockenwetter.

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Ist die Kaelte eigentlich noch trocken, wenn der Gesichtsschutz zufriert und man von Eis umgeben ist?

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Frostiger Hund im Schnee.

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Malerisch, egal bei welchen Temperaturen: Sonnenuntergaenge.

 

Update in Bildern

Ich habe mir sagen lassen, dass sie manch einer derzeit vermisst, die stimmungsvollen Schneelandschaften. Ausserdem scheint Huendin Arma ein paar Freunde im Internet zu haben, die gern nach ihr fragen.

Da ich gerne teile, hier ein paar Bilder aus meinen letzten Wochen.

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Schneelandschaft im Oktober: Noch taut es ab und an.

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Arma: Eine unscharfe Schnauze und ein wachsamer Blick.

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Auch bei -15 Grad scheint Arma das Plantschen im Fluss noch Spass zu machen.

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Eine Wapitihirschdame mit modischem Peilsenderhalsband posiert im Strassengraben.

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Bei -25 Grad versuchen Tyrel und Arma einen Biberdamm zu demontieren. Doch trotz Kettensaege und Axt nimmt der Biberdamm keinen Schaden.

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Arma haelt sich mit Spruengen im Wasser bei -25 Grad warm.

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Aus einem nassen Hund wird schnell ein gefrorener Hund. Zum Glueck steht das Auto nicht weit entfernt.

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Wapitihirschemode: Der Hintern wird dezent betont durch helle Kreise.

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Armas Kopf. Tyrel findet, hier sieht sie aus wie ein Containerschiff.

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Eine kleine Wanderung bringt uns zu einem zugefrorenem See in der Nachbarschaft.

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Wer im Schnee schnueffelt, bekommt schnell einen frostigen Bart.

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Arma im sportlichen Geschirr wird von den ersten Sonnenstrahlen des Tages angestrahlt und wirkt sehr orange.

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Auf einem unserer Laeufe entdecken Arma und ich einen schoenen Aussichtsplatz mit Liegestuehlen zum Sonnenaufgang.

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Der Winter zaubert mir weissen Frostmascara und laesst meine Haare vorzeitig ergrauen.

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Arma und ich staunen ueber ein wunderschoenes Flusstal.

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Arma zeigt mir die Zunge. Sie traegt einen Bootie (Hundeschuh), weil sie sich eine Kralle an der rechten Vorderpfote ein bisschen abgebrochen hat.

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Stimmungsvoller Sonnenaufgang am Haus zur dunklen Jahreszeit.

Frohe Feiertage! 🙂

Gedanken zur dunklen Jahreszeit

Diesen Winter höre ich es besonders häufig: Viele Freunde und Bekannte bekommen ein Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit. Es ist dunkel, wenn man zur Arbeit geht und genauso dunkel, wenn man nach Hause kommt.

Das ist hier auch nicht anders. Nur, dass die Zeit, in der die Sonne über die Berggipfel späht, noch begrenzter ist. An unserem Haus hatten wir heute, am kürzesten Tag des Jahres, ca. 2,5 Stunden Sonne. Dazu kommen natürlich noch mehrere Stunden, in denen es trotzdem hell ist. Je näher man den Polen ist, desto kleinere Kreise dreht die Sonne ja. Egal ob Winter oder Sommer, die Dämmerung und Sonnenauf- und -Untergänge dauern länger.

Auch ich habe in Deutschlang gern über eine saisonale Verstimmung geklagt. Was ich heute rückblickend nicht mehr verstehe: Warum habe ich dann nicht einfach mehr Sonnenlicht getankt?

Heute hat die Sonne nur 2,5 Stunden geschienen bei -17 °C. Aber von der Zeit war ich 1,5 Stunden draußen und bin zusammen mit Arma gelaufen.

Die meisten Menschen müssen arbeiten und sind daher unter der Woche nicht bei Sonnenschein zu Hause. Ich habe den Vorteil, dass ich nur vier lange Schichten in der Woche arbeite und somit jede Woche ein langes Wochenende habe. Aber auch wenn ich arbeite, tanke ich Sonne. In meiner 30-minütigen Mittagspause gehe ich raus und spaziere. Entweder spaziere ich auf einer Straße im Industriegebiet oder im Graben vom Highway. Waldbaden kann man das eher nicht nennen. Aber es hebt die Stimmung gewaltig. Am Anfang bin ich noch oft allein gegangen. Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Arbeitskollegen dazu, die regelmäßig Interesse am Mittagsspaziergang haben. Auch für die Arbeitsmoral ist es gut. Der Nachmittag zieht sich nicht mehr so lang hin, man hat irgendwie mehr Energie.

Jetzt mal weg von der Theorie, hin zur Praxis: Wer kann schon widerstehen rauszugehen, wenn dies der Ausblick vom Küchenfenster ist?

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Hinter dem Fenster: Schnee, Berge und ein magischer Sonnenaufgang.

Auch wenn es etwas frostig war, kommt es doch größtenteils auf die angepasste Bekleidung an.

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Schon früh im Lauf überzieht der Frost Mütze, Wimpern und das Tuch vorm Gesicht.

Arma freut sich, dass sie endlich mal ziehen kann, ohne dass sich jemand beschwert. Und ich freue mich über die Gesellschaft und die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet.

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Der Schnee vor uns glitzert im goldenen Sonnenlicht.

Eigentlich bin ich noch nicht bereit dafür, dass die Tage jetzt wieder länger werden. Nach unserem sehr geschäftigen Sommer dieses Jahr bräuchte ich eigentlich eine ordentliche Polarnacht um Energie zu tanken.

Aber es ist ja wie es ist. Zur Not muss ich mir die Decke über den Kopf ziehen, dann hab ichs auch dunkel.

Jetzt stehen erstmal die Feiertage vor der Tür. Für uns heißt das wie jedes Jahr seit wir hier leben ein Lagerfeuer mit Würstchen rösten am 24. und am 25. Essen und gute Gesellschaft bei unserem Freund James.

Allen Lesern wünsche ich auch schöne Feiertage möglichst ohne Zankereien und Stress. Auf dass wir schöne und lehrreiche Erinnerungen sammeln. Und auf das Leben!

Luisa

Flußtour 2019 – Tag 8

Es ist kalt.
Immer noch und wahrscheinlich fuer die naechsten sechs Monate.

In der Tag schaffen wir es heute zum ersten Mal auf dieser Tour, und früh fertigzumachen. Kein Frühstück, kein Wasser kochen, einfach los.

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Noch vor Sonnenaufgang sitzen wir heute im Boot.

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Langsam weicht die Daemmerung und der blaue Himmel beginnt zu leuchten.

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Die Berge werden durch die tief stehende Sonne in warman Farben angeleuchtet.

Dann gibt mein Handy auf. Meine Finger sind zu kalt um das Ladegerät rauszuholen. Die verbleibende Wärme muss ich mir aufsparen zum Karte aus der Plastikhuelle nehmen, umdrehen und wieder einpacken.

Der Nordwind ist auch heute unser treuer Begleiter.
Es ist Zeit, nach Hause zu kommen.

An einem suedlichen Ufer machen wir kurz Pause. Die Baeume schuetzen uns ein wenig vor dem Wind. Wir werfen Stoeckchen, damit Arma sich beim Hinterherjagen ordentlich aufwaermt. Auch ich laufe in meinem riesigen Winteranzug von A nach B, vom Ufer zum Treibholz, zum Baum und wieder zurueck. Bis ich mich gewappnet fuehle fuer die Weiterfahrt.

Der kalte Nordwind peitscht die Gischt in mein Gesicht, auf die Kleidung und das Boot. Bald ist Boot und Kleidung mit einer Eiskruste ueberzogen. Wahrscheinlich gar nicht so schlecht, denke ich mir. Wenigstens scheint Eis recht winddicht zu sein.

Dann kommen wir an. Weder freue ich mich besonders, noch bin ich traurig. Tyrel zieht los um unseren Truck samt Anhänger vom Grundstück unseres Freundes zu holen.

Wir verbringen einige Zeit organisieren, puzzlen und packen. Als alles gut verstaut ist, fahren wir. Zunächst nur zum örtlichen Lebensmittelgeschäft. Tyrel hat ein Verlangen nach warmer Milch; ich giere nach Kokosnusswasser. Überraschenderweise gibt es das hier sogar zu kaufen. Auf der langen Rückfahrt lasse ich es mir schmecken.

Bei unserer Ankunft stellen wir fest, dass Whitehorse eingeschneit ist. Der ganze Niederschlag vor ein paar Tagen, den wir größtenteils als Regen erlebt haben, fiel hier als Schnee.

Wir liefern Joe samt Boot und Zubehör ab und lassen das Bärenfleisch über Nacht bei unserem Freund James. Morgen werden wir wiederkommen, es portionieren und einfrieren.

In unserem Haus sind es 9 Grad. Vor der Haustür hingegen -10. Heute schlafen wir, ohne ein Lager aufzuschlagen. Doch in den nächsten Tagen steht uns eine Menge Arbeit am Haus bevor. Langsam sollten wir wirklich den Holzofen einbauen. Aber erstmal schlafen wir selig.

Flußtour 2019 – Tag 7

Ich wache auf und es ist Winter.

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Schnee bedeckt den Boden unseres Lagerplatzes. Durch das Morgengrauen wirkt alles blaeulich.

So sehr habe ich diesen Winter heibeigesehnt. Nach unserem verrueckten Sommer, den wir erst mit Bangen vor dem Wetter und dann mit pausenlosem Bauen verbracht haben schien der Winter meine einzige Hoffnung auf Ruhe und Erholung zu sein, auch wenn er zu der Zeit noch ein paar Monate in der Zukunft lag.

Anscheinend freut sich der Winter auch, mich zu sehen. Er umarmt mich herzlich.
Es ist kalt.

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Schneebedeckte Berge spiegeln sich im ruhigen Wasser.

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Zum Teil haengen die Wolken noch sehr tief in den Bergen.

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Das Ufer wird vom noch warmen Wasser noch zu sehr aufgewaermt. Hier bleibt nur wenig Schnee liegen.

Wir packen zusammen. Doch immer wieder muessen wir kurz am Feuer pausieren um unsere Finger wieder aufzuwaermen.

Unerwarteterweise holt Joe auf waehrend wir die letzten Dinge verstauen. Nachdem er ausgiebig von Arma begruesst wurde, waermt auch er seine Finger am Feuer. Er habe es sich ueberlegt und moechte doch zusammen mit uns weiterziehen. Auch die Fahrt nach Hause wird so fuer ihn stark vereinfacht, da er keinen anderen Fahrer organisieren muss, der ihn fuer 2,5 Stunden pro Weg plus Ein- und Ausladen abholen kommt. Wir hatten zwar angeboten, dass wir das trotzdem machen, aber so ist es natuerlich fuer alle einfacher.

Es ist ein langer Tag auf dem Fluss; das Wetter bedeckt aber trocken.
Und so kalt.

Wie in einem Schwarzweißfilm zieht die Landschaft an uns vorbei. Ein unbarmherziger Nordwind peitscht uns entgegen. Auf dem Fluss gibt es kein Entrinnen.

An einer Elchkuh mit Kalb ziehen wir vorbei. Halbherzig rufen wir nach einem maennlichen Gegenpart, das wir schiessen koennten. Doch gleichzeitig wollen wir weiter, immer weiter. Meine Hände und Füße wackeln noch, aber das Gefühl entweicht langsam.

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Arma friert mit uns mit. Ein trockenes Handtuch auf ihr bietet ein bisschen zusaetzlichen Schutz vor dem Wind.

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Der Winter ist bereits da, nur der Fluss muss es noch einsehen und erstarren.

Sollten wir lieber einen Tag laenger lagern und das Wetter abwarten? Doch der Nordwind verspricht kein besseres Wetter. Weiter, einfach weiter.

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Die Sonne steht schon tief am Horizont, als wir noch weiterziehen.

Zeh Kilometer vor dem eigentlich anvisierten Ziel beschliessen wir mit steifen Gliedern und hochgezogenen Schultern, für heute zu lagern. Joe und Tyrel schwingen die Kettensägen, ich mache Feuer mit mitgebrachtem Holz vom letzten Lager und bringe Sachen vom Boot. Dann bereite ich das Essen zu. Heute gibt es eine Reispfanne mit Jambalaya-Gewuerzmischung. Schmeckt so gut und wuerzig!

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Reis, Wuerstchenscheiben, Paprika und viel Gewuerz. Das Essen waermt!

Arma ist aufgedreht, sie war viel zu lange im Boot heute (100 km). Sie wird gefüttert, bespielt, beschmust und zu Bett gebracht.

Morgen wird ein langer Tag. Auch wir sehen zu, dass wir so bald wie moeglich in den Schlafsack schluepfen. Dreimal erinnere ich Tyrel, dass wir so frueh wie moeglich los muessen morgen. Keine Urlaubsroutine, kein ausgedehntes Fruehstueck. Einfach los. Sonst sind wir vor Mitternacht nicht zu Hause.

Tyrel dog

Tyrels Kopflampe und Armas Augen leuchten um die Wette vor dem Lagerfeuer.

Dreimal mache ich die Ansage, dreimal stimmt Tyrel zu. Das sollte reichen. Ich waessere ein letztes Mal fuer heute den Busch und krieche fast schnurrend in meinen fluffigen Schlafsack.

Die mit kochendem Wasser befüllte Wasserflasche, die ich vorhin schon hineingelegt habe, versüßt mir wie jeden Abend die Nachtruhe.