Wildnis

Flusstrip 2018: Mehr Vorbereitungen und Tag 1

Der letzte Beitrag mit etwas chaotischen Vorbereitungen endete mit dem Dienstag vor der Abreise. Es folgen die weiteren Vorbereitungen bis zum Abreisetag, sowie der erste Tag auf dem Fluss.

Vorbereitungen:

Mittwoch: Wir haben Besuch und essen Baerenbraten; Tyrel repariert hustend den Motor und ist sich sicher, dass er jetzt gut funktioniert.

Donnerstag: Tyrel wird kraenker. Ich verweigere, den Motor auf dem See zu testen und koche stattdessen ueber Nacht im Slow Cooker eine Huehnersuppe.

Freitag: Nach einer nahezu schlaflosen Nacht fiebert Tyrel und ist elend. Ich floesse ihm Suppe und Tee ein.

Samstag: Irgendwann abends mobilisiert Tyrel ausreichend Kraefte, sodass wir unseren Truck zum Zielort Carmacks fahren koennen. Auf der Rueckfahrt verlangt er erst nach Orangensaft und schlaeft dann fuer den Rest. Eigentlich wollten wir heute abend schon zum Startpunkt fahren und dort eine Nacht schlafen, aber das koennen wir knicken.

Sonntag: Tyrel fiebert nicht mehr aber hustet ganz schlimm, sobald er sich bewegt. Wir beschliessen, heute noch auszuruhen. Auf dem Fluss gibt es naemlich keine Hilfe, falls irgendwas schlimmer wird. Das Auto ist gepackt und wartet auf Tyrels Genesung. Nachmittags probieren wir dann doch den Motor auf dem See aus, klappt super! 🙂

Tag 1 auf dem Fluss:

Eigentlich wollten wir um 6 Uhr morgens losfahren, Tyrel hat einen dementsprechenden, naechtllichen Wecker gestellt. Als dieser jedoch klingelt, wird er ausgestellt ohne dass Tyrel sich zum Aufstehen bewegen kann. Ich protestiere jedenfalls nicht, predige ich ihm doch immer noch, dass er Ruhe braucht und sich kaum welche goennt.

Ca. 2,5 Stunden spaeter als geplant verlassen wir schliesslich das Haus. Das Auto ist ja schon gepackt, wir praktisch! Leider konnten wir unsere Leinenueberzuege fuer unsere Schlafsaecke nicht finden. Die sind aber wichtig, falls wir in der Naehe eines Feuers schlafen, denn ansonsten sind die teuren Schlafsaecke durch Funkenflug schnell ruiniert. Ich ueberzeuge Tyrel, in der Stadt Leinenstoff zu kaufen, damit ich die Ueberzuege auf der Autofahrt zusammennaehen kann. Er ist nicht ueberzeugt, dass das klappen wird, kauft den Stoff aber trotzdem.

Bei mir stellt sich eine Gier nach Burgern ein. Ich halte es fuer wichtig, dass eventuelle Gelueste noch vor einem mehrtaegigen Wildnistrip gestillt werden. Tut man das nicht, kann das Verlangen unertraeglich werden. Jedenfalls, wenn man so gerne isst wie ich. Tyrel ist einigermassen ueberzeugt von meinen Argumenten und ich senke meine Zaehne noch ein letztes Mal in einen Burger ohne Broetchen aber dafuer mit Salat umwickelt. Das kann man hier ohne Aufpreis dazubestellen, Burgerbroetchen fand ich schon immer zu pappig und suess.

Eine grosse Pulle Hustensaft wandert noch ins Auto, sowie zwei Karibu (Rentier) Abschussgenehmigungen. Unser Freund Joe kam erst von seiner Flusstour zurueck und hat gesehen, dass jemand ein Karibu geschossen hat. Fuer den Fall, dass statt Elch ein Karibu unsere Schusslinie kreuzt, wollen wir natuerlich vorbereitet sein.

Schliesslich geht es auf die Fahrt nach Johnson’s Crossing, unseren Startpunkt und Einstieg in den Teslin River. Waehrend ich fleissig Leinenbezuege naehe, fragt Tyrel, ob ich das nicht lieber spaeter im Camp machen moechte. Noe, sage ich, und naehe froehlich weiter. So lange brauche ich auch gar nicht, als ich fertig bin muessen wir noch ein ganzes Stueckchen fahren. Ungefaehr 30 Minuten vor unserem Zielort kommt uns James entgegengefahren in Joes Truck samt Anhaenger. Das heisst Joe hat sich wahrscheinlich gerade von James absetzen lassen und ist auf dem Fluss! Mal sehen, ob wir ihn treffen. Kommt auf seine und unsere Strategie an, die meisten wollen am ersten Tag ordentlich Kilometer machen, um alle Tages- und Wochenendjaeger hinter sich zu lassen, die zum Ausgangspunkt zurueckkehren.

Zunaechst muessen wir bei dem Motel Bescheid sagen, dass wir unseren Wagen dort fuer ungefaehr eine Woche parken wollen. An der Rezeption lachen Tyrel dann frische Haehnchenfluegel und mich ein riesiger Keks mit Schokostueckchen an, die nehmen wir auch noch mit zur Staerkung bevor wir das Boot zusammenpuzzeln. Obwohl es Montagnachmittag ist, werden etliche Boote ins Wasser gelassen. An der Stelle des Flusses gibt es eine Betonrampe, mit der man seinen Bootsanhaenger direkt ins Wasser fahren kann, um da das Boot ins Wasser zu lassen. Wir mit unserem vollgepackten Kombi, auf dessen blosses Dach ein Aluboot geschnallt wurde, sind hier irgendwie Exoten.

Eine gute Stunde dauert es, bis wir alles ins Boot gestopft haben. Das System entsteht dabei meist in Tyrels Kopf und ich gebe ihm solange verschiedene Kisten und Utensilien, bis er zufrieden ist. Und dann ist es auch schon Zeit um die Annehmlichkeiten der Zivilisation hinter sich zu lassen.

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Ich stehe an unserem Startpunkt vor dem vollgepackten Boot und lasse die imaginaeren Muskeln spielen.

Meine Haare habe ich mir dieses Jahr in viele kleine Zoepfe geflochten. Letztes Jahr hatte ich sie in zwei losen Zoepfen, was mir am Ende eine grosse Filzplatte auf dem Kopf bescherte.

Dieses Jahr fahren wir nicht alleine, wir haben eine Galleonsfigur am Bug angebracht.

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Die Pluesch-Katze Pusheen begleitet uns samt Regenbogen-Maehne und Einhorn.

Tyrel und ich hieven das Boot ins Wasser. Ich setze mich hinein, Tyrel schiebt es noch weiter ins Wasser und kommt nach. Und wir sind unterwegs.

Ich benutze mein Paddel und navigiere uns stormabwaerts und weg vom Ufer. Tyrel laesst den Motor ins Wasser und startet ihn. Wir lassen den Motor warmlaufen, sicher ist sicher und heute ist ein kuehler Tag. Dann legt Tyrel den Gang ein und wir tuckern ganz langsam den Fluss herunter.

Im Kanu letztes Jahr sassen wir hintereinander, dieses Jahr koennen wir nebeneinander sitzen, das ist schoen. Tyrel drueckt mir die Flusskarte in die Hand. „Du navigierst uns dieses Jahr. Zweites Mal auf dem Fluss, mehr Verantwortung!“

„Okay… Immer flussabwarts, bis ich Stopp rufe.“ navigiere ich vor mich hin. Wozu braucht man eigentlich ne Karte, man weiss doch wo der Fluss langfliesst. „Weisst du, wo wir auf der Karte sind?“ fragt Tyrel nach ein paar Minuten. „Hmmm, entweder in dieser oder dieser Biegung…“ „Es ist aber wichtig zu wissen, wo wir sind. Auf der Karte sind flache Stellen und Steine im Fluss eingezeichnet, die einen in ernste Schwierigkeiten bringen koennen. Ausserdem sind die Lagerplaetze verzeichnet, abends sollten wir nicht an unserem naechsten Lagerplatz vorbeifahren. Der naechste koennte weit weg sein.“ erklaert Tyrel.

Fortan suche ich die Umgebung nach Steilhaengen, Felspfeilern und Prallhaengen ab und vergleiche mit der Karte, die sich in einem grossen Gefrierbeutel befindet. Zusaetzlich halte ich natuerlich nach Tieren Ausschau, ueberpruefe die Wassertiefe und schaue, ob vor uns Gefahren im Wasser lauern koennten.

Nach ein paar Stunden auf dem Wasser finden wir beide, dass es Zeit fuer die erste Pause ist. Wir steuern eine Insel an, die wir letztes Jahr ausgiebig erkundet haben. Ich finde es ist Zeit fuer eine Pause, weil ich so endlich den Mittagsproviant probieren kann. Zuhause habe ich backblechweise fleissig gebacken: Zwei Tassen Mandeln, eine Tasse Erdnuesse, eine Tasse Puffreis, einen halben Teeloeffel Salz und eine halbe Tasse Ahornsirup vermengen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und bei 160 Grad Celsius ca. 30 bis 40 min backen. Ober- Unterhitze, hier gibts meist kein Umluft und eine Tasse fasst ca. 250 ml. Bessere Riegel hab ich bisher noch nicht gegessen und ich hab schon einige Rezepte selbst ausprobiert.

Weiter gehts auf dem Fluss, wie schoen dass jetzt ein paar schoene Tage vor uns liegen! Mit einem Patpatpat untermalt der Motor unsere Aufbruchstimmung. Komischerweise wird daraus gleich darauf ein proetproetproet und dann Stille. „Kein Problem, das Benzin ist bestimmt leer“ beruhigt Tyrel.

Doch Benzin ist noch genug drin. Oel auch. Tyrel versucht den Motor wieder zu starten und zieht mehrmals heftig an der Starterschnur. Der Motor springt wieder an, die Stimmung ist jedoch gedaempft. „Lass uns bald nach einem Lagerplatz Ausschau halten.“ schlaegt Tyrel vor und ich stimme zu. Nach zwei weiteren Flussbiegungen zeigt die Karte auf der rechten Seite eine Lagermoeglichkeit an. Langsam naehern wir uns und ein orangener Punkt ist entfernt genau dort auszumachen. „Das ist Joe!“ ruft Tyrel ueberzeugt. Ich Maulwurf bin noch nicht ueberzeugt. Wir kommen immer naeher, da kann auch ich ausmachen, dass der orangene Punkt ein Gummiboot ist, wie ich es schon bei Joe gesehen habe. Dass Joe jetzt neben seinem Boot steht, hilft mir bei der Identifizierung ungemein. Wir steuern auf das Ufer zu um zu plaudern.

„Heute hab ich frueh Feierabend gemacht, es ist schon alles bereit und das Feuer brennt. Es ist genug Platz fuer euch, wenn ihr wollt.“ „Nur, wenn es dich nicht stoert!“ „Ach, Quatsch, ich hab eh mein Buch zu Hause vergessen.“

Das Boot am Ufer vertaeut ueberlegen wir, was jetzt in welcher Kiste war und was wir fuer das Lager brauchen. Tyrel schnappt sich die Kettensaege und macht etwas Feuerholz. Joe hatte naemlich kein Benzin mehr in der Kettensaege und wollte mal gucken, ob das bereits Gesaegte vielleicht zum Fruehstueck am Morgen reicht. Waehrenddessen suche ich eine ebene Stelle im Waldboden und beaeuge die umliegenden Baeume. Mit ein paar Bungeeseilen und Gurten spanne ich eine Plane zwischen den Baeumen. Eine Seite ist die tiefste, damit eventueller Niederschlag ablaufen kann. Unter der Plane breite ich eine weitere Plane auf dem Boden, auf der wir schlafen werden. Darauf die Unterlagen, Schlafsaecke im heute morgen genaehten Leinen-Ueberzug und die Innenschlafsaecke. Ich sehe auf mein Werk und bin ganz zufrieden mit mir. Das haette ich letztes Jahr noch nicht ohne Weiteres alleine geschafft.

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Es sieht nur dahingeworfen aus, ist aber eine funktionierende Lagerstaette mit System.

Auch Tyrel ist zufrieden und lobt mich. Am Feuer koennen wir heute nicht schlafen, dafuer reicht der Platz da nicht aus. Aber ich freue mich schon auf die erste Nacht im Freien seit langem.

Als die Sonne untergeht, erhitzen wir Wasser ueber dem Feuer. Wir haben eine ganze Menge Fertiggerichte von Knorr mitgebracht; so erhoffen wir uns mehr Abwechslung als die Kaesenudelodysee von letztem Jahr. Wieder schuetten wir das Fertiggericht in einen Plastikcontainer zusammen mit heissem Wasser und lassen das ganze fuer einige Zeit eingepackt in meiner dicken Jacke quellen. Heute esse ich Honig-Knoblauch-Nudeln und die sind gar nicht mal so schlecht. Noch lange sitzen wir am Feuer und erzaehlen uns gegenseitig ernste und lustige Geschichten aus unseren Leben.

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Ein warmes Feuer vor Baumsilhouetten, Abenddaemmerung und Spiegelungen im Fluss.

Ich reisse mich vom Feuer und der Gesellschaft los und gehe noch einmal hinunter zu den Booten am Fluss. Wie schoen friedlich und einfach diese Welt doch sein kann.

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Grau-orange Abendstimmung am Fluss im Niemandsland.

Heute werde ich bestimmt gut schlafen. 🙂

Der Zauber des Yukon

Der Dichter Robert W. Service lebte zu Zeiten des Goldrausches im Yukon. Er verfasste die Zeilen, die den Geist des Yukon nach Meinung der Ortsansaessigen am besten fangen konnte. Eine gelungene deutsche Uebersetzung des Gedichts „Spell of the Yukon“ habe ich auf die Schnelle nicht finden koennen, es handelt aber vom Zauber, das von diesem Land ausgeht. Ein Zauber, der viele Menschen hier her zieht und sie nicht loslaesst, wenn sie einmal hier waren.

Dass dieser Zauber durch das Internet uebertragbar ist, war mir neu. Doch es scheint so zu sein, habe ich durch meine Erzaehlungen und Bilder sirenenartig doch schon ein oder zwei Freunde zu Besuch in meine neue Heimat gelockt. 😉 In diesem Monat haben mich meine Freunde Anke und Jens besucht, die eine 17-jaehrige Flugzeugabstinenz beendet haben, um in das weite, abenteuerliche Land einzudringen.

Am letzten Tag haben wir zusammengesessen und resuemiert. Was war nicht so schoen? Das Zimmer in der Gastwirtschaft war ein wenig klein. Und die Klos sind doof, eine riesige Schuessel voller Wasser, bei der man meist mehrmals spuelen muss um alle Spuren zu beseitigen. Und was war das Schoenste?

Die Wanderungen.

Was hinter diesen beiden Worten steckt, versuche ich mit ein paar Bildern zu untermalen. Jeder, der schon mal Urlaubsbilder geschossen hat, weiss, „Das kommt gar nicht so rueber auf dem Bild“. Eine Ahnung kann man trotzdem bekommen. 🙂

Weiterhin, und nicht mit Bildern belegt, haben wir unter anderem:

  • Adlerfedern gesammelt.
  • Der Weisheit einer indianischen Medizinfrau gelauscht.
  • Baerenbraten genossen.
  • Auf dem Pferderuecken das Land erkundet.
  • Lokale Koestlichkeiten probiert.
  • Ueber Anstiege gestoehnt.
  • Ausblicke genossen.
  • Einen Wolfspelz geknuddelt.
  • Baerenspray gesprueht, nur als Test.
  • Dosen geschossen.
  • Einen hervorragenden Glen Els vernichtet.

Und vor allem gemerkt, wie toll es ist, gute Freunde zu haben. Egal, wo die sich die meiste Zeit ueber aufhalten. 🙂

Vielen Dank fuer die Zeit, ihr zwei und auf bald!


Nachtrag: Eine schoene Zusammenfassung aus der Sicht der Besucher:

So schnell vergeht die Zeit: ein halbes Jahr haben wir drüber gesprochen das wir uns bald sehen – und jetzt ist die Zeit schon wieder rum und wir haben die erste Nacht zu Hause verbracht.

Überrascht muß ich sagen: Es ist Sch.. kalt hier! So kalt war es im Yukon nicht. 😉

Wir hatten eine tolle und wundervolle Zeit bei und mit Euch und haben jetzt eine Haufen Erlebnisse und Eindrücke die verarbeitet werden wollen; mit Kopf und Herz :-). Es hat so viel Spaß gemacht, es war auf jeden Fall nicht der letzte Trip in eure Richtung und beim nächsten Mal wird auf jeden Fall der Umweg über Großstädte eingespart 😉
Jetzt kann ich auch ergänzend zu Deinem bzw. unserem Resümee der letzten Urlaubstage noch ergänzen:
Vielen Dank
  • Für Deine Führungsqualitäten in der Weite des Yukons 🙂
  • An Tyrel, für Zeit und Schweiß bei der Kurzeinführung in „Yukon-Life“, einschließlich Pick-up fahren 🙂
  • Für die Ausflüge in die regionale Küche, einschließlich Bärenbraten (er hat zwei neue Fans)
  • Für die schönen gemeinsamen Wanderungen und Abendessen, bei denen wir viel geschnauft und gelacht haben
Folgende Vorstellungen bzw. Wünsche konnten wir in der Zeit bei Euch umsetzen:
  • Einmal stundenlang durch die kanadische Weite reiten; quer durch Wälder, Bäche, Moorgebiete ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen
  • Wanderungen durch wunderschöne Landschaften
  • Viel von der einheimischen Tierwelt zu sehen. Einschließlich Adlern, Bären und Luchse im Garten
  • Picknicken am Yukon, begleitet vom grünblauen Strom unter strahlender Herbstsonne
Und, eigentlich ganz ungeplant, noch wunderschöne tanzende Nordlichter gesehen!!!
Diese Dinge habe ich für mich mitgenommen:
  • Acht Stunden im Westernsattel sind auch für den geübten Po eine Herausforderung 😉
  • Ich bin mutiger als ich dachte – aber immer noch leicht zu erschrecken (Vielen Dank an die Joggerin auf dem Auriol-Trail, die sich vermutlich immer noch über die „hopsende“ Touristin scheckig lacht)
  • Ich kann schießen – und sogar treffen
  • Ich mag Fell – auch wenn es nicht mehr maunzt oder bellt
  • Und ICH WILL EIN GROSSES AUTO… 😉 (Der Link zum RAM-Händler steht – allerdings die Anfrage für einen Tank-Kredit auch…) Zum Einstimmen läuft jetzt schonmal der Country- und Oldiesender im ollen Kombi
Es war also eine tolle Zeit und ist unbedingt zum Nachahmen zu empfehlen!!!
Wir wünschen Euch eine schöne und erlebnisreiche Auszeit, ohne Löcher in Boot oder Kanu und viel Erfolg beim Befüllen der Gefriertruhe!

Bis bald, seid fest gedrückt und herzlich gegrüßt

Von Sugar-Anke und Wander-Jens (der jetzt drängelt, das wir wandern gehen, damit er Jerky essen kann, weil das auf einer Wanderung dazu gehört 🙂 )

Eine Woche Yukon

Eine Woche Yukon nur? Das lohnt doch nicht… denkste! Meine Freundin Dinah hat den Selbstversuch gewagt und ihn nicht bereut.

Eine Woche nach dem Baerenbesuch stand sie auf der Matte. Zwar unterbreitete sie das Angebot, uns bei der Baerenkotbeseitigung im Flur zu helfen, doch die meisten Spuren konnten wir schon beseitigen. Nur die Dusche war noch nicht funktionstuechtig, aber wofuer gibt es eigentlich die heissen Quellen? 🙂

Viele Seen, Berge und Fluesse haben wir in den ersten Tagen besichtigt. Schwierig ist es nur, das Fotomotiv zu waehlen, denn irgendwie sind hier die meisten Ausblicke Postkarten-geeignet.

Die schoenste Farbe hat meiner Meinung nach immernoch der Yukon River. Je nach Lichteinfall scheint er mehr gruenlich oder blaeulich zu schimmern.

Bei der ganzen Knipserei bin auch ich mal spontan fotografiert worden. Das passiert sonst eher selten.

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Ich stehe immer parat… am Fotoapperat!

Auf dem Weg nach Carcross haben wir dann beschlossen, Dinah auch mal arbeiten zu lassen in einem kanadischen Traditionsberuf.

Erst fanden wir uns in der kleinsten Wueste der Welt wieder und dann im Streichelzoo. Ziemlich abwechslungsreich die Ecke um Carcross!

Mein persoenliches Highlight war unser Ausflug nach Haines, was in Alaska liegt. Yukon liegt ja an der Grenze zu Alaska und Alaska scheint Kanada ne ganze Menge Kueste geklaut zu haben. Das Meer ist nur ein paar Stunden Fahrt von Whitehorse entfernt, doch da der Kuestenstreifen zu Alaska gehoert, muss man dafuer das Land verlassen und in die USA einreisen. Fuer kanadische Staatsbuerger ist das kein grosses Problem. Deutsche brauchen jedoch ein spezielles Visum fuer die USA und muessen bezahlen, dazu noch Formulare ausfuellen und und und.

Zum Glueck stiessen wir auf zwei knuffige US-Grenzbeamten auf dem Weg nach Haines. Diese gute Erfahrung hat mindestens zwei meiner drei bisher schlechten Erlebnisse mit US-Beamten wieder wettgemacht.

Haines ist ein niedliches, kleines Fischeroertchen mit Hafen direkt an einer Bucht. Da mein Auto nicht abschliessbar ist und wir vorhatten im Wagen zu naechtigen und uns nicht tagsueber um unsere Sachen sorgen wollten, haben wir uns auf einen Wohnmobilplatz direkt am Wasser gestellt.

Wir hatten Glueck und kein Kreuzfahrschiff legte an, als wir da waren. Dann ist das kleine Fischerdoerfchen ueberlaufen mit Horden von Gaesten.

Eine Attraktion in Haines ist das Eagle Preserve, in dem Wildvoegel gehalten werden, die wegen dauerhafter Einschraenkung nach Verletzungen nicht wieder ausgewildert werden koennen. Wir haben es puenktlich zur Adlerfuetterung geschafft.

Doch auch in der Natur koennen in Haines zahlreiche Adler bewundert werden.

Sogar einen jungen Grizzlybaeren konnten wir in Haines erblicken. Einen Tag vorher hatte jedoch schon ein Schwarzbaer direkt hinter unserem Auto die Strasse ueberquert. Davon existieren allerdings keine Bilder, wir haben den Augenblick einfach genossen.

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Neugieriger Baer im Strassengraben.

Am Tag unserer Rueckfahrt wollten wir noch die mueden Beinchen strecken bevor wieder fuenf Stunden Autofahrt angesagt ist. Kurzerhand stiefelten wir einen Weg entlang, der vielversprechend aussah. Keine Ahnung wie viele Kilometer die Strecke lang ist, wenn das Schild Meilen anzeigt. irgenwann wird man schon ankommen.

Irgendwann ging es dann bergauf. Und bergauf. Und weiter bergauf. Jedes Mal, wenn man einen Huegel erklimmt, wird deutlich, dass sich dahinter noch weitere Huegel verbergen. Berge motivieren mich sehr, umdrehen kommt nicht in Frage! Dann wuerde ich mich die naechsten Tage nur wundern, welche tolle Aussicht ich jetzt verpasst habe.

Trotz der Tatsache, dass es sich um Dinahs erste richtige Wanderung handelte, machte sie gut mit. Ich wandere zwar viel und gerne, bin aber zweimal hingefallen und einmal umgeknickt. Koerperklaus laesst gruessen. Aber macht nichts, ich stehe einfach wieder auf und hab trotzdem Spass.

Endlich ging es dann auch nicht mehr hoeher und wir wurden mit einer tollen Aussicht auf Haines und die umgebenden Berge belohnt. Leider war schon eine gefuehrte Gruppe auf dem Gipfel aber so konnte wenigstens jemand ein Bild von uns schiessen.

Wieder in Kanada haben wir Halt gemacht bei den Million Dollar Falls. Wir erspaehten zwar keine Muenzen, dafuer glitzerndes Wasser neben einem gepflegten Campingplatz.

Leider stand Fuchs Louie ja nicht mehr auf der Besuchsliste. Er ist seit ueber einem halben Jahr nicht aufgetaucht. Ein Abend bei James zeigte aber, dass bereits Louie junior seinen Job uebernommen hat und gerne fuer ein Fotoshooting zur Verfuegung steht.

Im Vorbeifahren sahen wir dann noch eine Moeglichkeit der Moewenbekaempfung.

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Ein Adler hat eine Moewe erlegt und wird sich gleich ans Essen machen.

Schliesslich stand nur noch auf Dinahs Liste, dass sie einen Elch sehen moechte. In freier Wildbahn konnten wir da leider nichts herzaubern, aber wozu haben wir schliesslich das Wildlife Preserve in Whitehorse?

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Dinah mit Elchkuh.

Die Woche ging schnell vorbei. Doch viele neue Eindruecke wurden gewonnen und die Seele konnte etwas durchatmen. Das ist doch die Hauptsache, egal ob das in zwei Jahren gelingt, in einer Woche oder vielleicht nur in den 6 Minuten, in denen du diesen Beitrag gelesen hast. 🙂

Es klopft an der Wand (Achtung, blutige Bilder)

Es ist Mittwoch abend. Wieder einmal stelle ich um 21 Uhr fest, dass es schon wieder viel zu spaet geworden ist. Der Wecker klingelt um 4:20 h in der Frueh und ich brauche eine gute Muetze Schlaf, um mein Gehirn im vollen Umfang nutzen zu koennen.

Gegen 21:30 h liege ich dann auch endlich im Bett und schlafe ein. Tyrel bleibt meist noch etwas auf, da er nicht so frueh aufstehen muss und schleicht dann spaeter leise ins Schlafzimmer.

Ich werde wach, da Tyrel sich neben mir ruckartig bewegt. Draussen kracht es.

„Da ist ein Baer!!“

Klare Gedanken fassen kann ich noch nicht. Was kracht da an der Aussenwand des Schlafzimmers, warum soll das ein Baer sein und was ist hier ueberhaupt los? So frage ich dann einfach „Und jetzt?!“

„Ich werde ihn schiessen!“

Achja, es ist ja Baerensaison und wir haben zusammen ganze vier Abschussgenehmigungen fuer Schwarbaeren und zwei fuer Grizzlybaeren. Aber bitte warum wuerde ein Baer gegen unsere Wand krachen?

Waehrend ich noch versuche, die Dinge in meinem Kopf zu sortieren, ist Tyrel angezogen und hat seine Schrotflinte geladen mit speziellen kupferummantelten Bleigeschossen, petetrator slugs.

Einfach im Bett liegen bleiben kann ich auch nicht. Ich ziehe einen Wollpulli ueber und gehe ins Wohnzimmer. Um auch irgendwie bewaffnet zu sein, greife ich zu unserem Baerenspray, und komme mir dabei albern vor, als ich Tyrel durchs Fenster beim Anschleichen sehe. Aber falls der Baer Tyrel am Wickel haben sollte, ist es am besten, mit Baerenspray auf das Knaeul zu spruehen. So toetet man wenigstens nicht den Falschen aus Versehen.

Tyrel legt an und es knallt.

Dann geht er zurueck zur Tuer, wo ich ihm entgegen gehe.

„Ein Schwarzbaer! Ich hab ihn getroffen aber er ist entkommen. Wir muessen ihn aufspueren!“

Schnell lade auch ich meine neue Schrotflinte mit den penetrator slugs, schnalle meine Bauchtasche mit Jagdgenehmigung, Abschussgenehmigungen und Munition um und schluepfe in bereitstehende Gummistiefel. Wir gehen zur Abschussstelle.

Der Baer hat eine kleine Gefriertruhe umgeschmissen und inspiziert. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, denn sie ist leer. Hat sie vielleicht interessant gerochen? Schwarzbaeren sollen einen Geruchssinn haben, der sieben Mal besser ist als der von Hunden!

Tyrel geht schnell noch ins Haus und holt die Kopflampen fuer den Fall, dass es dunkel wird. Noch ist es zum Glueck hell so hoch im Norden. Ich stehe da mit meiner Flinte und schaue auf die umliegenden Buesche. Irgendwo ist der Baer, sehr wahrscheinlich verletzt und zu allem bereit. Die Pferde, die auf dem Feld neben unserem Haus stehen, sind ganz aufgeregt, laufen umher und geben blubberige Geraeusche von sich. Und dann hoere ich ein tiefes Stoehnen von weiter rechts, etwas entfernter. Da muessen wir hin!

Mit Tyrel streife ich durch das Gebuesch hinter unserem Haus. „Vergiss nicht, auch auf die Baeume zu schauen!“ fluestert er mir zu. Stimmt ja, Schwarzbaeren sind ausgezeichnete Kletterer. Ein komisches Gefuehl ist es schon, durch das Dickicht zu streifen in dem Wissen, dass ein verletzter Baer ganz in der Naehe ist und der Baer mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr genau weiss, wo wir gerade trampeln.

Wir schluepfen schliesslich durch den Zaun zur Pferdeweide um zu sehen, warum die Pferde so einen Radau machen. Beide Pferde stehen direkt in einer Ecke der Weide und starren auf einen Punkt. Als wir uns naehern, rennt das juengere Pferd wie von der Tarantel gestochen weg. Das Aeltere ist auch sichtlich nervoes und weicht uns schnell aus.

Tatsaechlich haben die Pferde auf den Baeren gestarrt, der etwas entfernt auf der anderen Seite des Weidezauns liegt und sich noch bewegt. Doch mit der Schrotflinte koennen wir keinen sauberen Schuss landen. Ich gehe zurueck, um das Gewehr mit Vergroesserungsglas (Scope) zu holen, waehrend Tyrel die Position der Pferde einnimmt und den Baeren im Auge behaelt.

Wieder streife ich durch Buesche und bewundere meine Jagdbekleidung. Ich trage einen Wollpulli und eine Schlafhose aus Fleece, dazu Gummistiefel, Brille und meine Zahnschiene gegen Knirschen neben Schrotflinte und Bauchtasche.

Im Haus muss ich erstmal dringend pinkeln, lade dann das Gewehr, packe extra Munition in meine Bauchtasche und schnalle das Gewehr auf den Ruecken. In den Haenden halte ich nach wie vor die Schrotflinte. Die ist einfach praktischer im Busch, falls man sofort auf eine Situation reagieren muss.

Tyrel hat in der Zwischenzeit seine Position gewechselt, der Baer ist aufgestanden. Mittlerweile liegt er wieder auf dem Ruecken und wir versuchen uns zu einer Position zu bewegen, in der wir einen sauberen Schuss landen koennen. „Wenn er noch mehr in diese Richtung geht, verschwindet er im Sumpf. Wir muessen ihn umzingeln!“, weist Tyrel an. Einen verletzten Baeren zu umzingeln hoert sich nicht nach der Beschaeftigung an, die man der Nachtruhe unbedingt vorziehen wuerde. Doch ich moechte in diesem Moment nur noch eins: Das Leid des Baeren beenden.

Als wir den Baeren zu umkreisen versuchen, rappelt er sich wieder auf und geht weiter. Ich kann meine Augen nicht von ihm lassen, es ist ein majestaetischer Anblick, wie der Baer in seiner Kraft trotz seiner Schmerzen noch so schreiten kann. Dann sieht Tyrel eine gute Schussposition und schiesst zwei Mal. Der Baer bricht zusammen.

Er stoehnt und windet sich, rollt einen Abhang herunter. Dann wird es sehr still. Wir beobachten den Baeren fuer ein paar Minuten. Nichts ruehrt sich.

Jetzt ist es Zeit, an die naechsten Schritte zu denken. Tyrel entwertet eine Abschusserlaubnis. Wir gehen zum Haus und ueberlegen, wie wir den Baeren transportieren koennen. Die Moskitos zerfleischen uns so nah am sumpfigen Gebiet und es waere schoen, wenn wir ihn etwas geschuetzter verarbeiten koennten. Leider ist uns ein Griff unserer Schubkarre vor zwei Wochen abgebrochen. Und wie bekommen wir den Baeren den Hang hoch? Ich schlage vor, es mit dem Plastikkinderschlitten zu versuchen, der uns schon beim Transport des Bisons gute Dienste erwiesen hat.

Beim Haus spruehen wir erstmal die anscheinend verlockende Gefriertruhe mit Chlorwasser aus, damit wir nicht noch mehr Baeren anlocken. Ich ziehe mir Handschuhe an, da es jetzt wahrscheinlich blutig wird. Mit Schlitten und kaputter Schubkarre kehren wir zurueck. Zwei Schrotflinten haben wir natuerlich noch dabei. Manchmal werden weitere Baeren von den Schuessen angelockt.

Wir stellen den Schlitten neben den Baeren und versuchen ihn hinein zu rollen. Mit ist ganz mulmig zumute, der Baer hatte sich eben noch bewegt und sieht so aus, als wuerde er nur schlafen. Da stelle ich mich lieber an das hintere Ende. Als Tyrel das Vorderbein bewegt, ertoent ein Grollen und ich erschrecke mich. Doch das Grollen wurde durch die Loecher in der Lunge erzeugt, durch die beim Bewegen Luft stroemte. Schliesslich liegt der Baer im gelben Schlitten.

Der Baer ist ein stattliches Maennchen mit geschaetzt 150 kg Gewicht. Der Geruch steigt mir in die Nase und ich verstehe nicht, dass ich diesen Geruch nicht immer im Gedaechtnis habe. Suess-feucht-herb. Meine DNA scheint ihn seit Urzeiten zu kennen, meine Nackenhaare stellen sich auf. Es scheint der Geruch der Gefahr zu sein.

Zwischen duennen Baeumen und Gebuesch zerren wir den Baeren schliesslich den Hang hoch. Neben den Schlitten legen wir die Schubkarre auf die Seite und schaffen es irgendwie, die Schubkarre samt Baeren aufzurichten. Der Weg nach Hause mit Baeren in der Schubkarre ist lang. Wir koennen nicht ueber die Pferdeweide abkuerzen und durch kein Gebuesch fahren. Doch irgendwann stehen wir vor dem Haus.

Wir raeumen den Weg frei von der Haustuer bis zum grossen Tisch in Wohnzimmer und legen aufgeschnittene Plastiksaecke aus, um das spaetere Aufraeumen zu begrenzen. Dann hiefen wir die Schubkarre Stufe fuer Stufe zur Haustuer und fahren den Baeren ins Wohnzimmer. Hier atmen wir erstmal tief durch.

Ich zuecke den Fotoapperat, irgendwie moechte ich nicht, dass der Baer so ganz gesichtslos in unserer Gefriertruhe verschwindet.

Waehrend Tyrel mehr Muellsaecke ausbreitet und den Wohnzimmertisch fuer das Verarbeiten vorbereitet, raeume ich den Kuehlschrank um und nehme Glasplatten und Schubladen heraus. Zum Glueck haben wir nicht viel im Kuehlschrank, ich wollte nach der Arbeit gross einkaufen. Jetzt denke ich, dass es in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit weise ist, den Baeren nur auszuweiden, zu Haeuten und in grosse Stuecke zu teilen, die man dann im Kuehlschrank fuer ein paar Tage aufbewahrt, bis man alles zerteilt und einfriert.

Als alles vorbereitet ist, muss der grosse Baer noch irgendwie auf den Tisch gewuchtet werden. Ich merke, wie mir die Kraefte mit jedem neuen Versuch mehr versagen und mein Koerper nach Schlaf verlangt. Tyrel schlaegt vor, dass wir drei Betonschalungssteine aus dem Garten holen und die Schubkarren an sich aufbocken. Hier lerne ich mal wieder ein neues englisches Wort, diese Steine nennt man cinder blocks, was sich mit Schlackenblock uebersetzen liesse. Nach weiteren Kraftanstrengungen helfen uns diese Steine tatsaechlich, die Schubkarre aufzubocken und den Baeren auf dem Tisch zu platzieren.

Tyrel sieht mich an und ich scheine so auszusehen, wie ich mich fuehle. Er schickt mich ins Bett. Fuer anderthalb Stunden versuche ich zu schlafen, muss aber immer wieder an den Baeren denken und wie dankbar ich bin, dass ich ihn von so Nahem betrachten konnte. Dann frage ich mich, warum ich nicht wie andere auch die Baeren bei einer Wohnmobilreise vom Strassenrand aus beobachten kann. So richtig eine Antwort faellt mir nicht ein. Die Jagd jedoch ist mittlerweile zu einem wichtigen Bestandteil in meinem Leben geworden. Es fuehlt sich ehrlich an, das Fleisch zu essen von einem Lebewesen, in dessen letzten Lebensminuten man dabei war. Es ist eine Auseinandersetzung mit Leben und Tod. Keine Auslagerung der Verantwortlichkeiten.

Schliesslich uebermannt mich noch ein kurzes Nickerchen. Ich traeume, dass Tyrel und ich unbedingt in die Pullman City Westernstadt im Harz muessen, um eine Auskunft zu erhalten. Doch die Wetsernstadt ist geschlossen. Dann klingelt der Wecker. Komischerweise fuehle ich mich nicht so schlecht wie vermutet.

Als erstes moechte ich sehen, wie sich Tyrel schlaegt. Ich oeffne die Schlafzimmertuer und ein beissender Geruch kommt mir entgegen. Eingeweide. Im Wohnzimmer treffe ich auf einen ueberraschend zurechnungsfaehig wirkenden Mann, der den Baeren komplett ausgeweidet hat. Jetzt ist nur noch das Haeuten und Zerteilen dran. Ob er das schafft, bevor er auch zur Arbeit muss? Er ist zuversichtlich, obwohl es nur noch wenige Stunden bis dahin sind.

Ich mache mich fertig und gehe zur Arbeit. Spaeter korrespondieren Tyrel und ich. Gegen Mittag schickt er mir eine Nachricht, dass ihm gerade aufgefallen ist, dass er beim Haeuten anscheinend doch etwas muede war. Ich soll in den Kuehlschrank gucken, wenn ich nach Hause komme.

Im Kuehlschrank finde ich dann Folgendes vor:

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Der Kuehlschankinhalt. Eine Menge Baerenfleisch, dann der Hals und Kopf. Doch der Kopf ist noch voll bepelzt.

Tyrel muss so geistig umnachtet gewesen sein aufgrund des Schlafmangels, dass er den Pelz um den Kopf einfach abgeschnitten hat. Okay, das sieht dann wahrscheinlich komisch aus, wenn man das Baerenfell ohne Kopf hat. Aber vielleicht verarbeiten wir es nach dem Gerben ja und machen Handschuhe daraus, oder einen Bikini. Dann faellt es gar nicht mehr auf. 🙂

Einige Teile hatten nicht mehr in den Kuehlschrank gepasst. Die hat Tyrel dann in unsere Gefriertruhe gelegt und wir haben sie nach der Arbeit wieder herausgenommen und verarbeitet. Doch an dem Rest sitzen wir immer noch dran. Der Baer ist ganz schoen gross und hatte auch gute Fettreserven. Vor allem dafuer, dass die Baeren erst vor kurzem aus dem Winterschlaf erwacht sind. Daher wundert es mich noch mehr, dass er unsere leere Kuehltruhe demolieren wollte.

Ich betrachte sein Opfer einfach als ein grosses Geschenk, fuer das ich sehr dankbar bin! Und jetzt mache ich mich an die Zubereitung des heutigen Abendessens. Es gibt Baerengulasch.

Gartenbesuch

Am vorletzten Samstag ging ich wie jeden Tag, den ich nicht arbeite, spazieren. Der schmelzende Schnee ist nicht mehr puderig und knischt so schoen unter den warmen Stiefeln. Ich versuche, verschiedene Toene zu erzeugen auf den ersten 30 Metern vor unserer Haustuer.

Ploetzlich kracht es im Gebuesch von links. Es scheint ein sehr grosses, verschrecktes Tier zu sein, was da einen Rabatz veranstaltet. Die Eisdecke vom Fluss zerbricht sogar.

Ganz ruhig stehe ich in unserer Einfahrt. Was immer da den Laerm veranstaltet, es ist eh schneller als ich. Ganz untaetig will ich trotzdem nicht sein, ich rufe ein lautes „EY!!“ hinterher. Was besseres faellt mir nicht ein.

Schliesslich setze ich meinen Spaziergang fort. Vor zwei Wochen habe ich Elchspuren am anderen Ende unseres Grundstuecks gesichtet. Ist der Elch vielleicht immer noch in der Gegend?

Nach meinem Spaziergang gehe ich in die Richtung, aus der die Geraeusche stammten. Tatsaechlich finde ich eine Menge Elchspuren. Sie fuehren in dichtes Gestruepp, was den Laerm erklaert. So dicht, dass ich nicht nachfolge. Die Spuren sind relativ klein, es muss sich um einen jungen Elch handeln.

Zwei Tage spaeter geht Tyrel aus dem Haus, um unser Grundstueck mit dem Morgenurin abzustecken. Begeistert kommt er zurueck: „Der Elch ist in der Einfahrt, komm schnell!“ Schnell wie ein Blitz, der nicht ganz so schnell ist, greife ich Jacke und Kamera und gehe auf die Pirsch. Am Platz, wo Tyrel den Elch gesehen hat, ist er nicht mehr. Aber kurz darauf erspaeht Tyrel ihn im Gebuesch!

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Die Umrisse eines Elchs sind im Gestruepp zu erkennen.

Nach einem Foto schreitet der Elch von dannen. Wenigstens flieht er nicht mehr kopflos! 🙂

Die Pferdebesitzer, die im Sommer ihre Pferde auf der Weide vor unserem Haus grasen lassen, haben etwas Heu zurueckgelassen, welches langsam von Rehen aufgezehrt wird. Um diesen Heuballen finden sich in den folgenden Tagen immer mehr Elchspuren und der Ballen schrumpft merklich. Eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit steht der Elch in ploetzlich in der Einfahrt und springt ueber den Zaun, um mir aus dem Weg zu gehen. Ein Schauspiel, das ich wohl nicht vergessen werde.

Jetzt sind reichlich Elchspuren auf unserem Grundstueck verteilt, so dass wir gar nicht mehr wissen, ob der Elch noch in der Gegend oder schon weitergezogen ist. Heute haben wir darueber diskutiert und schliesslich eine Dokumentation im Internet angesehen. Dann kam die Antwort auf unsere Spekulationen direkt ins Wohnzimmer geliefert.

Ganz langsam und gemaechlich schlendert der Elch, von dem wir nun wissen, dass es eine Elchin ist, durch die Einfahrt. Nach 10 Minuten schleichen wir hinaus um sie nun auf frischer Tat bei den letzten Heuresten zu ertappen… und wir haben Glueck!

Es ist ganz aufregend, sich an ein so grosses Tier heranzuschleichen, wohlwissend, dass es einen laengst bemerkt hat. Ich moechte es nicht stoeren und auch nicht zu sehr auf die Pelle ruecken. Aber die Elchkuh beobachtet mich aufmerksam wenn ich mich bewege und beruhigt sich kurz darauf und frisst weiter.

Beim Beobachten der Bilder faellt mir auf, dass das rechte Hinterbein der Elchkuh auffaellig ist. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass sie ein Loch hat zwischen Fersengelenk und Achillessehne. Die Wunde scheint schon aelter zu sein, sie ist nicht blutig oder geschwollen. Und auch scheint es ihr keine Probleme zu bereiten. Das Gangbild ist klar, Frau Elch humpelt nicht und belastet beide Seiten gleich stark.

Tyrel ist der Meinung, dass die Wunde so gut verheilen konnte, weil Elche sich mit Schmerzmitteln vollpumpen. Immerhin essen sie gern Weiden, deren Rinde zur Herstellung von Aspirin verwendet wird. Ich weiss noch nicht, ob ich der Logik ganz folge, finde den Grundgedanken aber gut! 🙂

Jetzt noch ein paar Antworten auf Fragen, die mir juengst von einer Mitbloggerin gestellt wurden:

Tally von Tallyshome stellt gerne Fragen, wenn sie nicht von den Irrungen und Wirrungen ihres verrueckt-schoenen Alltags berichtet. Und ich antworte gerne. 🙂

1. Es gibt Leute, die der Meinung sind, in eine solche Welt sollte man keine Kinder mehr setzen. Siehst du das genauso? Und wenn nicht, was würdest du diesen Menschen sagen wollen?

Das ist durchaus eine Meinung, die man akzeptieren kann und wo ich nicht mit einem Gespraechspartner an seiner Meinung ruetteln muss. Wer sich nicht fortpflanzen moechte, soll das bitte auch nicht tun! Vielleicht brauchen wir aber noch ein paar Weltverbesserer auf dieser Welt, die erst noch geboren werden muessen, wer weiss das schon so genau.

2. Die Medizin entwickelt sich stetig weiter. Künstliche Organe, Klonen etc. Eine gute Sache? Oder gefährlich?

Ich habe mich einige Zeit mit Leih- ung Eimutterschaften und deren psychologischen Folgen auseinandergesetzt, weil ich das Thema spannend finde. Es scheint so zu sein, dass es fuer Eizellspenderinnen und Leihmuetter aus Laendern wie den USA (nicht aus Armutsverhaeltnissen) keine negativen psychologischen Folgen gibt. Das ist anders, wenn eine Frau gleichzeitig Ei- und Leihmutter ist, da das geborene Kind sie eventuell an Verwandte erinnert und sie es behalten moechte. Von daher denke ich, dass das eine gute Sache ist, um kinderlosen Paaren zu helfen. Bei anderen Verfahren wie kuenstlichen Organen, Klonen und weiterem wuerde ich mich jedes Mal neu informieren und vor allem die Fragen stellen „Zu welchem Zweck?“ und „Zu welchem Preis?“.

3 . In CERN forschen sie seit einigen Jahren schon mit Antimaterie. Das, woraus die schwarzen Löcher sind. Kritiker und auch diverse Verschwörungstheoretiker fürchten, dass es irgendwann einmal zu einem riesigen Fehler kommen könnte, so dass die Antimaterie sich selbstständig macht und somit ein riesiges schwarzes Loch auf der Erde entsteht. Macht dir so ein Gedanke Angst? Wie stehst du zu solchen Forschungen?

Ich kann mich noch an die Zeit des ersten Versuchs erinnern, zu der einige Physiker Eilklagen vor Gericht gebracht haben, um alles abzublasen. Auch mit meinem vielleicht dazu nicht ausreichendem physikalischen Basiswissen erschien mir die gefuehlte Gefahr eher gering. Und falls ein tatsaechlich ein schwarzes Loch die Erde verschlingen sollte, haette einem der Bunker im Vorgarten oder der Extravorrat Teelichter von IKEA auch nicht weiter geholfen. Von daher hab ich keine Angst und lebe einfach. 🙂

4. Thema Übernatürlich: Ist dir schon mal etwas passiert, was du trotz jeder Wissenschaft nicht erklären konntest und das du deshalb als „übernatürlich“ bezeichnen würdest?

Ja, das passiert mir recht regelmaessig. Dass man zum Beispiel aus dem Nichts heraus sehr intensiv an bestimmte Leute denken muss, von denen man Monate nichts gehoert hat und am naechsten Tag haben sie Kontakt zu dir gesucht. Ich glaube aber auch, dass da schon etwas Erklaerbares dahinter steckt, wir wissen nur noch nicht was. Wenn man sich nur vorstellt, was die Leute noch im Mittelalter geglaubt haben, wo Krankheiten herkommen usw. und wie nah das Mittelalter an unserem Zeitalter ist, gemessen am Alter der Welt… dann ist es vermessen zu glauben, dass wir ploetzlich so weit sind, alles zu wissen und alles erklaeren zu koennen. Ich glaube, es ist wichtig mit offenen Augen durch die Welt zu sehen und sich keine Eindruecke zu verbieten, nur weil sie keinen Sinn machen mit den bisher erlernten Erklaerungsmodellen.

5. Ist das Schicksal vorherbestimmt oder selbstbestimmt?

Beides. Ich glaube es gibt verschiedene Szenarios, die moeglich sind. Letzendlich muessen wir uns dafuer entscheiden, jeden Tag. Ich entscheide mich gerne immer wieder fuer das, was mein Leben jetzt ausmacht. 🙂

6. Ich persönlich glaube nicht an einen personifizierten Gott. Und du?

Wenn ich ganz allein in der Natur umherwandere und meine Gedanken streifen lasse, dann habe ich das starke Gefuehl, das alles eins ist und alles zusammen haelt mit etwas Gutem, Liebenden. Nein, ich habe nicht das Gefuehl, dass das ein Mann mit langem, weissen Bart ist, obwohl ich ja pro Bart bin. Aber ich glaube, da ist etwas.

7. Wenn du die Welt in der du Leben könntest, selbst gestalten könntest, wie sähe sie dann aus? Mit Drachen und Einhörner? Sience fiction pur? Eher das was wir jetzt haben aber besser? Entschärftes Mittelalter? Schadowrun?! Erzähl mir davon!

In Deutschland habe ich mir mehr Abenteuer, Winter, Nordlichter, Berge, Wildnis und Bisons gewuenscht. Das habe ich alles im Yukon gefunden. Jetzt wuensche ich mir, dass wir bald reisen koennen, wie wir wollen. Ich moechte eine Revolution wie das Internet fuer Information und Kommunikation, nur fuer Transport. Und nein, das Elektroauto ist keine richtige Innovation fuer mich. Ich moechte auf Energiebahnen reisen koennen ganz ohne Motor. Beamen waere auch okay. Ansonsten bin ich ganz zufrieden. 🙂

Habt eine gute Woche!

Projekt Elchkanu Tag 7

Morgens reibe ich mir als erstes den Schlaf aus den Augen und luge dann zum Thermometer herueber. Aha, Null Grad. Solang die Nase morgens nicht friert (das tut sie unter ca. -5 Grad) ist mir alles recht.

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Unter einer aufgespannten Plane hinter einem Stapel Holz haben wir friedlich geschlummert und das Feuer am Leben gehalten.

Ich schnappe meine Kamera und mache meinen morgendlichen Rundgang. Immerhin lagern wir heute bei Erickson’s Woodyard. Hier war eine Anlegestelle fuer die Schaufelraddampfer, die vor ca. 100 Jahren den Yukon hoch und runter gefahren sind. So schnell wie irgend moeglich wurden mit speziellen Karren Unmengen Holz an Bord geladen. Die Holzarbeiter saegten nach Abfahrt weiter per Hand Baeume um und lebten in kleinen Huetten.

Doch auch juengere Spuren sind zu finden. Jaeger, die den Fluss herunterfahren, haben naemlich spezielle Anforderungen. Sobald eine Beute erzielt wurde, werden die gehaeuteten und ausgenommenen Keulen und Teile in luftdurchlaessige aber insekten- und schmutzundurchlaessige Saecke gesteckt.

Dabei ist die Anforderung an das Fleisch, dass es sauber, trocken und kuehl lagert. Gar nicht so einfach, wenn man noch ein paar Tage auf dem Fluss unterwegs ist. Wenn man das Fleisch im Liegen lagert, ist die Unterseite nie trocken und kuehl. Daher muss man die Saecke ueber Nacht aufhaengen. Der geneigte Jaeger baut sich aus ein paar Baumstaemmen eine Haengevorrichtung vor Ort.

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Schmale Baumstaemme sind horizontal auf ca 2 m Hoehe befestigt. Das geschieht entweder von Baum zu Baum oder von Baum zu Dreibein aus weiteren Baumstaemmen. Im Hintergund glitzert der Yukon River gruenblau.

Nun bin ich aber schon mehr als hungrig. Als ich zurueckkehre zu unserem Schlafplatz, kocht zum Glueck das Flusswasser schon ueber dem Feuer! Kann sich irgendwer vorstellen, was es Gutes zum Fruehstueck gibt??

Genau, Kaesemaccaroni. Kochendes Wasser zusammen mit ungekochten Nudeln in die Tupperdose, warm in die dicke Jacke einpacken und warten. Nach einiger Zeit sind die Nudeln dann zwar sehr matschig und schleimig, aber essbar. Wasser abgiessen aber ein bisschen davon bei den Nudeln behalten, denn das Kaesepulver muss ja angeruehrt werden. Ich brauche wirklich ein wenig Abwechslung und krame in der Essenskiste. Schliesslich „verfeinere“ ich das fragwuerdige Mahl mit betraechtlichen Mengen von scharfer Sriracha-Majo und Chili-Oel.

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Auf einer Plastikbox sitzend freue ich mich ueber kulinarische Ergaenzungen zu den Kaesenudeln in meiner Tupperbox.

Meine Lippen, die mittlerweile alle paar Milimeter eingerissen sind, brennen wie Feuer und erinnern mich die naechsten Stunden noch an diese clevere Idee.

Schliesslich haben wir alles gepackt und verzurrt und gleiten wieder dahin.

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Vor dem Kanu spiegelt der glatte Yukon River die umgebenden Waelder und Berge.

Langsam versuche ich mich schon auf die Ankunft vorzubereiten. Morgen abend werden wir schon ankommen, wenn wir keinen Elch mehr sehen. Was ist alles zu tun? Auf dem Fluss ist alles so einfach, weil es logisch und naturgegeben ist. Wenn ich muede bin, bereite ich das Nachtlager, wenn ich hungrig bin, eine Mahlzeit. Wenn mir kalt ist, mache ich ein Feuer. Nichts ist abstrakt, alles greifbar.

Auf jeden Fall muss ich etwas wegen meiner Haare unternehmen!!! War ja ne ganz tolle Idee, sie in losen Zoepfen zu flechten. Um die Ohren zu waermen. Unter der Sturmhaube und Muetze. Mittlerweile waermen sie noch mehr, da sie sich in zwei Filzplatten verwandelt haben, die ich zur Schadensbegrenzung mit einem Zopfgummi zum Dutt hinter den Nacken gebunden habe. Zuhause habe ich noch nicht mal eine Spuelung… vielleicht kann ich ja eine im kleinen Laden in Carcross kaufen.

Dann schweifen meine Gedanken wieder zu Kaesekuchen, Puzzle und Soljanka und die Kilometer gleiten so dahin.

Zur Mittagspause schauen wir auf der Karte genau nach, wo wir sind. Zu unserer Ueberraschung sind wir heute schon 50 km gepaddelt! Wenn wir weiterpaddeln, wuerden wir also ganz in der Naehe von Carmacks uebernachten. „Nee, das ist doof.“ wirft Tyrel ein. „Nachdem der Little Salmon River in den Yukon muendet, verlaeuft eine Strasse direkt am Flussufer. Wenn wir so nahe an der Zivilisation sind, koennen wir auch gleich ganz nach Hause paddeln.“

Hmmm… eigentlich war ich doch noch auf eine Nacht im Freien vorbereitet. Aber nach 7 Tagen klingt eine Dusche und ein Bett dann doch verlockend. Vor allem, wenn die Alternative ein Campen am Highway darstellt.

„Okay, wir versuchen es!“ stimme ich zu. „Dann lass mich auch mal richtig in die Ruder langen!“ Tyrel hatte mich naemlich die letzten Tage ueber zur Schonung meiner Kraefte ermahnt. Wir seien schliesslich noch einige Tage in der Wildnis unterwegs, da muss man ein paar Reserven fuer Unvorhergesehenes ueber haben. Stimmt ja, wenn man darueber nachdenkt. Und wieder ein Pluspunkt fuer die Ehe mit einem Wildnisguide.

Schliesslich filtern wir noch etwas Wasser und ziehen weiter.

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Wir haben eine Plastikflasche voller Wasser gefuellt und druecken das Wasser durch unseren kleinen Sawyer Squeeze Mini Filter in einen Thermosbecher hinein.

Morgens und Abends kochen wir das Flusswasser vor dem Trinken ab. Doch unterwegs waere das viel zu aufwaendig, da wir Holz saegen und ein Feuer machen muessten. Also benutzen wir unseren kleinen Wasserfilter. Das Wasser daraus schmeckt mir um Laengen besser als das Abgekochte. Aber das Flusswasser ist so kalt, dass mir beim Filtern die Haende taub werden. Der Filter hat winzig kleine Roehrchen, durch die Keime und Erreger einfach nicht durchpassen. Daher muss man den Filter auch nie wechseln. Aber er darf nicht frieren, sonst platzen die Roehrchen und es wird nicht mehr alles herausgefiltert. Daher wohnt unser Filter auf unserer Tour in Tyrels Hosentasche und darf auch nachts mit in den Schlafsack.

Zurueck auf dem Fluss gebe ich alles. Kilometer um Kilometer kommen wir unserem Ziel naeher. Am liebsten wuerde ich jetzt Musik hoeren, habe aber nichts entsprechendes dabei. Da frage ich mich, ob ich denn nicht einfach Musik in meinem Kopf spielen lassen kann, ein Ohrwurm ist schliesslich nichts anderes. Ich suche mir eine CD aus und lasse die ersten Toene von System of a Downs „Steal this Album“ erklingen. Als ich das letzte Lied zu Ende gehoert habe, schaue ich auf die Uhr. Es ist tatsaechlich eine Stunde vergangen! Kurios.

„Katze! Katze!!!!!“ ruft Tyrel und erloest mich aus der Frage, welche Musik ich als naechstes spielen soll. Tatsaechlich! Am Ufer sitzt eine knuddelige Katze und grinst uns an. Natuerlich hole ich sofort die Kamera raus, um den Moment festzuhalten.

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Ein Luchs sitzt am Ufer und schaut uns neugierig an.

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Spaeter wurde seine Auferksamkeit von etwas anderem gefangen. Er ist trotzdem noch sehr knuffelig.

„Wenn du ein Luchsbaby zaehmst, darfst du es von mir aus auch behalten!“ bietet Tyrel grossmuetig an. In freier Natur gefallen sie mir aber viel besser.

Ein paar Kilometer weiter hoere ich ein leises Fluchen von Tyrel. „Verdammt, warum ist das kein Schwarzbaer?!“ Am Ufer, ca. 15 bis 20 Meter entfernt von uns sucht ein dicker Grizzlybaer den Strand nach Essbarem ab. Ein Grizzly darf nur alle drei Jahre gejagt werden und Tyrel darf erst naechstes Jahr wieder einen Grizzly jagen.

„Super, dann mache ich gleich ein Foto!“ denke ich mir und greife nach der Kamera. Leider bemerkt und Meister Petz, als ich die Kamera einschalte und bricht sofort mit einem Affenzahn durch das Gebuesch in den Wald hinein. Wow! Was fuer eine Geschwindigkeit und Kraft, es sind etliche Weidenzweige zerbrochen.

Zwei Dinge, die ich bisher nur theoretisch wusste, machen fuer mich nun wirklich Sinn.

  1. Lauf niemals vor einem Baeren davon denn er ist eh schneller als du.
  2. Der Otto-Normalbaer moechte mit Menschen nichts zu tun haben und verkruemelt sich von alleine.

Immer noch bin ich beeindruckt von der Kraft des Baeren. Und lege mich extra schwer ins Zeug beim Paddeln. Jetzt moechte ich baerenstark sein!

Langsam wird es dunkel. „Meinst du, wir koennen es wirklich noch schaffen heute anzukommen?“ frage ich Tyrel. „Na klar, wir muessen immerhin keinen Schlafplatz suchen, keine Plane spannen, keine Ausruestung schleppen, kein Feuerholz saegen, kein Feuer machen,…“ Ganut. Paddelpaddelpaddel.

*Plunsch!!!* „Wat?? Hier ist doch niemand! Warum schmeisst jemand Steine ins Wasser?“ wundere ich mich. „Das ist nur ein idiotischer Biber, der uns zeigen moechte, wie wenig er von uns haelt.“ *Plunsch!* Schon wieder!! „Hoer bitte auf zu Paddeln, ich moechte ein Foto schiessen!“ denn schliesslich habe ich eben den Biberkopf erspaeht, als er ein paar Meter weiter aufgetaucht ist. Ohne Paddeln dreht sich das Kanu im Kreis und treibt weiter flussabwaerts, der Biber jedoch schwimmt entgegen der Stroemung. Mit dem drehenden Kanu, dem abtauchenden Biber und dem grossen Zoom kommt leider kein Foto zustande. Am liebsten wuerde ich auch etwas in Wasser werfen, um dem Biber zu zeigen, dass wir ihn mittlerweile auch doof finden. Komischwerweise finde ich aber keinen grossen Stein im Kanu und paddel einfach weiter.

Nachdem wir jetzt schon geraume Zeit neben dem Highway entlangpaddeln, finde ich auch gut, dass wir heute schon ankommen. Hier waere es keine schoene letzte Nacht gewesen. Und ausserdem habe ich mir komplett die Wehmut der letzten Nacht und des letzten Morgens gespart. Morgen werde ich reichlich Muskelkater haben und ihn im weichen Bett geniessen koennen.

Schliesslich – Endlich – Letztlich mehren sich die Huetten links und rechts an den Uferbaenken. Nur noch zwei Kilometer bis zum Ziel. Zeit fuer ein letztes Foto auf dem Fluss.

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Die Lippen springen bei jedem Grinsen mehr auf und brennen, daher sieht mein Laecheln ein wenig waechsern aus.

Die Sonne ist bereits untergegangen und im Gegenlicht erinnert das Bild an einen Scherenschnitt mit lila Wolken.

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Sonnenuntergang am Yukon River

Der Yukon ist nun schon ziemlich breit und schnell fliessend, sodass wir rechtzeitig auf die richtige Flussseite wechseln koennen, um die Bootsrampe nicht zu verpassen.

Und dann… ist es ploetzlich vorbei.

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Hinter der Bruecke bei Carmacks haben wir das Kanu an Land gezogen und unsere Tour beendet. Ich strecke meine Arme zum Himmel.

Waehrend ich ueber das Kanu und unsere Habseligkeiten wache, holt Tyrel unseren Truck, den wir bei einem Bekannten in Carmacks geparkt haben. Ich lasse den Trip nochmal Revue passieren. Schoen wars gewesen. Alle Elche leben noch. Einerseits bedaure ich unsere leere Kuehltruhe, andererseits freue ich mich fuer die Elche. Ich finde es gut, dass man bei einer Jagd nicht selbstverstaendlich mit Beute nach Hause kommt, sondern die Tiere eine Chance haben zu entkommen. Ich bin dankbar fuer die Schoenheit der Natur und dass ich sie so unmittelbar erleben darf. Und ich freue mich auf eine heisse Dusche und ein warmes Zuhause und weiches Bett.

Danke an alle, die mich auf dieser Reise im Geiste begleitet haben! 🙂

 

Ueberland in die Wildnis

Seitdem ich auf der Farm arbeite und auch lebe, sind kaum zwei Tropfen Wasser vom Himmel gefallen. Noch ist aber die Quelle nicht versiegt, sodass fleissig von Hand und mit Sprinklern gewaessert wird. Heute habe ich den Bok Choi, den ich vor ein paar Wochen ins Gruenhaus gepflanzt habe, zum grossen Teil geerntet. Das war ein schoenes Gefuehl. 🙂 Auch der Gruenkohl waechst und gedeiht unter der Vliesabdeckung. Und die kleinen Huehner und Truthaehne werden immer mutiger und frecher… Bald werden sie aus der isolierten Huette nach draussen in Gehege umziehen.

Tyrel und ich hatten einen gemeinsamen freien Tag und nutzten den auch gleich fuer eine Radtour. Es ging fuer einige Stunden in die tiefste Pampa auf dem Dawson Overland Trail. Bevor Mitte des letzten Jahrhunderts eine Strasse nach Dawson gebaut wurde, war dieser Weg die einzige Moeglichkeit, im Winter nach Dawson zu gelangen oder aus Dawson zu fliehen (es sei denn man hatte einen Hundeschlitten und war ziemlich ein verdammter Haudegen). Winter ist die Zeit des Jahres, in der der Yukon River zugefroren ist und somit nicht fuer die damaligen Schaufelraddampfer passierbar. In etwa sind damit die Monate November bis Mai gemeint, also 7/12 des Jahres.

Auf dem Dawson Overland Trail wurde man dick eingepackt auf einem Pferdeschlitten transportiert. Die Pferde wurden an jeder Station gewechselt und eine bewirtete Huette stand zum Aufwaermen bereit. So dauerte die gut 500 km lange Reise zwischen Whitehorse und Dawson City ganze fuenf Tage.

Eine alte, eingestuerzte Huette haben wir entdeckt und auch ein paar verottete Pferdegatter erspaeht. Aber vor allem beeindruckte die malerische, unberuehrt wirkende Landschaft. Dies hat sich wohl auch Mary gedacht, die hier seit 1955 begraben liegt und mit ihrem eingezaeunten Grab eine schoene letzte Ruhestaette fand.

Als wir beschlossen, dass wir lange genug unterwegs waren, machten wir eine Pause. Natuerlich mit guter Verpflegung! Von der Farm habe ich leckere Erbsensprossen bekommen, die wir uns auf einen Frischkaesebagel gelegt haben. Schmeckt wie Spinat, nur erbsiger!

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Vor Berg, Tal und Laubbaeumen, die erste Blaetter bilden: Ein erbstastischer Bagel!

Nach dem Imbiss fuehlten wir uns gestaerkt genug fuer die Rueckfahrt und ignorierten fast erfolgreich das schmerzende Sitzfleisch. Die Ruhe fernab jeder Strasse wird mir eine liebe Erinnerung bleiben.

An unserem naechsten Stadttag sah ich auf einem Parkplatz ein Auto eintrudeln, dass jedem deutschen TUEV-Pruefer die Fussnaegel hochklappen lassen wuerde. Es fehlte einfach die Fahrertuer!

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Ein durchgerosteter Amischlitten mit fehlender Fahrertuer. Wenigstens war der Fahrer angeschnallt, als er auf den Parkplatz rollte.

Hier in Kanada und vor allem im Yukon gelten irgendwie andere Regeln. Selbst, wenn die Polizei den Herren in seinem Sommerauto anhalten wuerde, wahrscheinlich gaebe es nur eine Verwarnung. Andererseits ist der Verkehr hier auch viel entspannter und Autobahnen sind nur ein suesser Traum einiger Jugendlichen.

Aber auch nach fast einem Jahr finde ich noch etwas zum Staunen und Schmunzeln. Mir gefaellts! 🙂