Voegel

Demuetig belichtet

Durch das fast katzenhafte Anschleichen meinerseits sind mir tatsaechlich letztens ein paar brauchbare Bilder von einem weiblichen Spruce Grouse entstanden! Ok, wahrscheinlich schleiche ich mich eher an wie ein Bison. Im Porzellanladen. Aber zum Glueck glaubt so ein Grouse meist, er oder sie ist am besten getarnt, wenn es sich so wenig wie moeglich bewegt. Sie sind noch nicht ausgestorben oder auch nur bedroht, daher muss was dran sein an der Strategie.

Auch die Weisskopfseeadler scheinen wieder mehr geworden zu sein. Einige haben Whitehorse auch im Winter die Treue gehalten und sich an der Muellkippe gelabt. Aber viele sind zur nahen Kueste von Alaska geflattert, da das Meer ja bekanntlch nie so ganz zufriert. 🙂

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Die drei Adler von der Tankstelle sitzen auf ihrem liebsten abgestorbenen Baum. Oder ist es tatsaechlich ein Moebelstueck von ihnen, das nur aussieht wie ein toter Baum? Niemand weiss es.

Die Helligkeit ist echt Wahnsinn! Laut Sonnenscheinrechner im Internet haben wir heute 15:21 h Sonnenschein und 1:44 h Daemmerung. Good old Wolfenbuettel und somit auch ganz Deutschland wird solche Werte erst am 8. Mai erreichen. Und dann ist es hier schon wieder heller. Hihi.

Aber zum Glueck wird es zu dieser Jahreszeit auch noch richtig dunkel hier im Yukon. Der grosse Vorteil davon? Genau, Nordlichter!

Nordlichter wecken bei mir das religioese Gefuehl. Das Gefuehl, dass alles irgendwie zusammen gehoert und man selbst nur ein kleines Zahnrad im grossen Getriebe ist. Und das ist voll okay! Denn es relativiert auch vieles. All die kleinen Alltagssorgen sind so nichtig. Wieder ein dicker Pickel im Gesicht oder war die Suppe versalzen? Voll egal. Der Himmel ist gruen!

Das Wort, womit sich dieses Gefuehl wohl am besten beschreiben laesst ist Demut.

Als kleines Maedchen lass ich in der Dorfkirche auf der gepolsterten Kniebank „Dem Demuetigen gibt Gott Gnade“. Daraufhin meine Frage an meinen Vater „Bin ich demuetig?!“ Die Frage wurde kurz darauf verneint. Pech gehabt. Lag vielleicht daran, dass ich die Frage „Schaemst du dich nicht?!?!“ stets beantwortete mit „Ich schaeme mich NIE!!!“. Das ist auch groesstenteils so geblieben. Ich finde, dass das Leben zu kurz ist fuer Scham oder Peinlichkeiten. Das ist doch nur dafuer da, dass man Angst hat, was andere Leute von einem halten koennen.

Also entweder ich mache etwas oder ich lasse es sein. Und wenn es doof war, mache ich es beim naechsten Mal halt anders. Und wer was Schlechtes ueber mich denkt, der haette so oder so einen Grund dafuer gefunden. Also kein Grund fuer Stress! Da bleibt nur ruhig bleiben und Nordlichter anschauen. 🙂

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Brat mir doch einer nen Schwan

Es ist wirklich geschehen: Die Temperaturen steigen schon seit einigen Tagen auf bis zu sieben Grad Celsius tagsueber und die riesigen Schneeberge sorgen mit ihrem Schmelzwasser dafuer, dass alle Autos einen schlammfarbenen Anstrich erhalten. Auch wenn ich der Meinung bin, dass Waschen bei den riesigen Matschpfuetzen nichts bringt, faehrt Tyrel unbeirrt in die Waschstrasse.

Die Ureinwohner pflegten zu sagen, der Fruehling komme zusammen mit den Schwaenen. Bislang hatte ich erst ein paar Schwaene aus lackierten Sperrholzplatten in der Stadt entdeckt. Bei naeherem Hinsehen entpuppte es sich als Werbung fuer „Swan Haven“, also Schwanenoase. Was auch immer das sein soll. Vielleicht ein Restaurant? Schnell zwei Freunde geschnappt und ab nach Marsh Lake zu Swan Haven!

Swan Haven entpuppte sich tatsaechlich als Schwanenbeobachtungspunkt im Fruehjahr. Die Schwaene sind auf dem Weg zu ihren Brutplaetzen im Norden und nutzen eine nicht zugefrorene Stelle im Marsh Lake zum Seepflanzen verspeisen und Krach machen. Dabei sind wir genau zur rechten Zeit gekommen. Zwei Tage eher waren genau 4 Schwaene am anderen Ende des Sees gezaehlt worden. Gestern waren es bereits ueber 500 Trompeterschwaene.

So friedvoll das weisse Federvieh auch erscheinen mag, ueber den ganzen See schallte es HONKHONKHONKHONKHONKHONKHONK, was angeblich auch die ganze Nacht ueber anhalten soll. Noch ist der Schwanenhoehepunkt nicht erreicht. Und die Tundraschwaene kommen erst noch durch.

Interessanterweise ist Marsh Lake nur im Fruehling eine Haltestelle auf der Schwanenmigration. Der Spiegel des Sees sinkt ueber den Winter so sehr, dass das ganze Gruenzeug im Wasser super erreichbar ist und abgegrast wird. Im Sommer und Herbst dagegen steht das Wasser viel hoeher, so dass kein Federvieh mehr gruendeln kann. Die Pfanzen haben Zeit zu wuchern und im naechsten Fruehjahr den Schwaenen wieder ein reichhaltiges Buffet bieten zu koennen.

Auch auf meinem so gut wie taeglichen Kameraspaziergang schoss ich mittlerweile Bilder, auf denen man Voegel erkennen kann.

Und schon wieder Fruehling? Das bedeutet, dass ich echt schon ueber ein Jahr verheiratet bin! 🙂 Neben lieben Glueckwuenschen haben wir auch ueberraschend ein Geschenk erhalten. Einen grossen Pappkarton vom oertlichen Gerber, mit dessen Sohn und Schwiegertochter ich befreundet bin (Tyrel kennt eh die halbe Stadt). Unwissentlich hat er voll ins schwarze getroffen: Wir erhielten ein Fell eines kleinen Bisons!!! Wie cool ist das bitte?! An zwei Stellen loesen sich die Haare ein bisschen vom Leder, daher kann der Gerber das Fell wahrscheinlich nicht verkaufen.

Ich dachte immer, Bisonfell ist ganz zottelig und drahtig. Aber unter den herausstehenden Zotteln ist die Unterwolle super weich! Wer moechte nicht mal mit einem Bison schmusen?!

Ich habe uebrigens keinen Schnurrbart auf dem Bild. Ich habe kurz vorher dem Schokoladen- und Erdnussbuttergott gefroent und bin noch ziemlich verschmiert (weiss jetzt auch nicht, ob das vorteilhafter ist als ein echter Schnurrbart…).

Da sich die Awardberichte in letzter Zeit ziemlich gehaeuft haben, gelobte ich ja eine Pause davon. Jetzt hat mir aber die wunderbare Tally von https://tallyshome.wordpress.com/ so tolle Fragen gestellt, dass ich die einfach beantworten musste. So.

1. Du bist krank (so wie ich heute), was tust du, um dennoch gut über die kommenden Tage zu kommen?
So oft wie möglich würde ich mein liebes Bett aufsuchen und versuchen, meinen Mann dazu zu bringen, mir was Leckeres zu kochen und seinen Ingwer-Zimt-Zitronen-Tee zu kredenzen. Und einen Film mit mir zu gucken. Mich zu plüschen… Mir zu sagen, dass es mir bald besser geht… Achja, schön wärs eigentlich! 😂

2. Man bietet dir 1 Millionen Euro an, wenn du mit dem Bloggen aufhörst und auch in Zukunft NIE wieder bloggst. Nimmst du es an? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, warum? Und vor allem, was machst du dann?!
Klar, Kohle her aber sofort!!! Ich kaufe mir Land, zimmer mir ne Hütte drauf und fütter ein paar Schweine dick. 😍
Mit der restlichen Kohle beschäftige ich einen südkoreanischen Immigranten, handgeschriebene Neuigkeiten an meine Follower per Brieftaube rauszuschicken. Und mir nebenbei Kimchi zuzubereiten.

3. Wenn du deinen Charakter in 4 Wörtern beschreiben müsstest, welche wären es dann?
Durch und durch durch. XD

4. Hast du schon mal den Sinn deines Lebens gesucht und wurdest du fündig?
Sind wir nicht alle auf der Suche? 😉
Für mich habe ich gefunden, dass ich erstmal lernen musste, was mir gut tut. Und dann ganz einfach dem guten Gefühl folgen. Auch wenn es einen über den Atlantik führt.

5. Du bestellst dein absolutes Lieblingsgericht im Restaurant. Es wird perfekt zubereitet und dir an den Tisch gebracht. DANN kommt eine dir bekannte Person (nicht das eigene Kind!) , die du gut leiden kannst und klaut dir ungefragt etwas vom Teller. Wie reagierst du?
Am liebsten würde ich meinen Hintern in seinen oder ihren Teller drücken. In Wirklichkeit klaue ich eher vom gegnerischen Teller so viel wie möglich, sabber mein restliches Essen an, damit es für andere nicht mehr begehrenswert ist oder ich raste aus. Ganz nach Laune. 😇

6. Ausnahme Zustand. Die Zombiapokalypse ist da! Es geht um das nackte Überleben. In welcher Situation wärst du bereit einen Menschen zu töten?
In so ziemlich jeder Situation, in der mir oder meinem Lieben dieser Mensch verdammt gefährlich wird und uns ans Leder will. Quid pro quo.

7. In welcher Zeit würdest du gerne leben wollen? Und warum?
Seit ich die örtliche Bücherei geplündert habe, wäre ich gern Pionier gewesen. Entweder zur Zeit des Goldrausches hier im Yukon oder Alaska oder auch im Wilden Westen. Ganz irre muss das gewesen sein. Nix da, nur Natur. Alles selber machen, auch die Gesetze oder den Speck. Hi Hi.

8. Wenn du es dir aussuchen könntest, in welchem Beruf würdest du dann arbeiten wollen und vor allem in welcher Position?
Ich wäre gern selbstständig. Nicht als Nageldesignerin (glaube noch nicht mal, dass ich dafür Talent hätte), aber als irgendwas anderes. Touristenbranche würde sich hier im Yukon gut anbieten. Ich kann gut und viel arbeiten und würde das gerne auch in meine eigene Tasche tun. So wäre dann auch mal eine längere Auszeit möglich, ohne dass man darum betteln muss.

9. Gibt es etwas, was du noch nie getan hast, aber wahnsinnig gerne einmal tun würdest? Und warum tust du es nicht?
Super gerne würde ich einmal Langstreckenwandern. So richtig lang. Von Mexiko nach Kanada durch die ganzen USA in einem Stück ohne schummeln, vielleicht auf dem Pacific Crest Trail. Bislang habe ich es nicht gemacht, weil ich schon nach Kanada auswandern wollte, als ich davon das erste Mal erfuhr. Und jetzt kann ich erstens nicht das Land verlassen, bis ich meinen Papierkram zusammen habe und zweitens ist der Trail seit dem Film „Wild“ mit Reese Witherspoon reichlich überfüllt. Mal gucken, vielleicht ergibt es sich ja nochmal später irgendwann.

10. Hat das Osterfest irgendeine Bedeutung für dich und wie wirst du die Zeit zu Ostern verbringen?
Klar hat es eine Bedeutung! Jesus ist von den Toten auferstanden, genau wie in einem Zombiefilm, nur religiöser! 😀 Normalerweise war Ostern Grillen bei meinen Eltern (ist es jetzt immer noch, nur ohne mich 😉 ). Dieses Jahr Ostern weiß ich noch gar nicht, was ich mache. Vielleicht helfe ich dann schon auf einer Farm aus und sammle das erste Mal echte Eier?

 

Ich bin schoen ganz gespannt auf den zweiten Fruehlingsboten: Den Krokus! Gross und lila lugt er hier angeblich aus dem Boden hervor, wenn der Schnee noch ein bisschen mehr gewichen ist. Ich halte Ausschau! 🙂

Unscharfe Voegel und mehr Tageslicht!

Meine Karriere als schlechtester Hobby-Ornithologe der Welt ist wirklich kaum aufzuhalten! Die 700 gr Kamera stets dabei, verpasse ich wirklich keine Gelegenheit, ein schlechtes Bild zu schiessen!

Eigentlich mache ich nur weiter damit, um zu gucken, ob es irgendwann besser wird mit den Bildern. Werde mir mal ein paar Anleitungen zum Bilderschiessen einverleiben. An der Kamera sollte es ja eigentlich nicht liegen.

In ein paar Tagen gehe ich zum Vorsprechen auf die Farm meiner Wahl. Den Anzug mit Bluse und feinen Schuhen kann ich mir dieses Mal wohl schenken. Wahrscheinlich kann ich Mitte bis Ende April schon anfangen. Das haengt ganz davon ab, wann der ganze Schnee geschmolzen ist. Davor macht es einfach wenig Sinn, auf einer Farm zu arbeiten. 😉 Ich bin schon gespannt auf neue Erfahrungen!

Uebrigens ist das Tageslicht einfach wunderbar nach der langen dunklen Zeit! Zur Zeit haben wir 13:01 Stunden Tageslicht und 01:26 Stunden Daemmerung taeglich. Verglichen mit Berlin sind das 44 Minuten mehr Tageslicht und 18 Minuten mehr Daemmerung. Und das Gute: Jeden Tag werden es knapp 6 Minuten Tageslicht mehr! Da kommt Laune auf! 🙂

#Versatile Blogger Award und zwei Voegels

Da wacht man morgens ganz normal auf, entzündet ein Feuerchen im Ofen, geht Pinkeln und schnell wieder ins warme Bett, räkelt sich und… ist plötzlich für den Versatile Blogger Award nominiert! (Versatile bedeutet übrigens vielseitig, musste ich auch erst nachschlagen)

Und das auch noch von einem Blog, der mich drei Tage lang am Abwaschen gehindert hat, weil ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen:
tallyshome – Mama, aber anders
Nach langem Kinderwunsch ist Tally mit einem strammen Burschen gesegnet worden, der ihr Leben ganz schön umkrempelt. Auch wenn Tally keinem Mama- und Hausfrau-Klischee so recht entspricht, meistert sie alle Herausforderungen und gibt irre witzige Rückblicke aus ihrem bisherigen Leben.

Beim Versatile Blogger Award muss man sieben Fakten über sich erzählen und dann weitere Blogs nominieren. Da ich erst für den Liebsten Award interessante und verdiente Blogs hevorgezaubert habe, lass ich das dieses Mal einfach sein. Aber sieben Fakten über mich dürft ihr gerne hören.

1. Gestern beim spazieren gehen ist mir aufgefallen, dass ich die gleiche Bekleidung bei -15 Grad wie bei +15 Grad trage, abgesehen von dünner Mütze statt Hut und leichten Handschuhen. Pulli, dünne Jacke, lange Unterhose, hässliche Jeans. Verstehe ich nicht, macht aber gar nichts.

2. Wenn ich mir den Wecker stelle und um eine bestimmte Uhrzeit aufstehen möchte, kann ich nicht volle Uhrzeiten einstellen. Es würde mich wahnsinnig machen, wenn mein Wecker um Punkt 6 Uhr klingelt. Meine Schulzeit über klingelte der Wecker also um 05:52 h. Wäre ich ganz müde, würde ich ihn vielleicht auf 06:04 h stellen.

3. Wenn man mich mal mit richtig, richtig schlechter Laune erleben möchte: Da gibt es zwei Dinge, die immer funktionieren. Entweder lasst mich am Nachmittag mehr als 30 Minuten ein Nickerchen machen oder versprecht mir Essen und haltet mich dann ewig hin. Ich erinnere mich an eine Situation mit meinem ehemaligen Arbeitskollegen Hackmett (Name der Redaktion bekannt), der nach einem stressigen Arbeitstag mit mir Burger essen gehen wollte. Es war bereits sehr später Nachmittag und ich hatte den Tag über kaum etwas gegessen, da machten wir uns endlich auf den Weg, als Hackmett die Worte sprach „Lass uns noch mal ganz kurz in die E-Station gehen. Ich möchte dir was zeigen.“
Ca. zwei Stunden später scherzte Hackmett immer noch mit den dort anwesenden Kollegen rum während er Ratschläge verteilte, wie eine Störung zu beheben sei.
Dies erweckte die dunkle Seite der Macht in mir… Hackmett versorgte mich seit dem sehr umsichtig mit Essen.

4. Mein Gehirn ist merkwürdig. Immer noch kann ich einige Verse des Gedichts zitieren, das meine Schwester vor ca. 20 Jahren für die Schule auswendig lernen sollte…
Zu Dionys dem Tyrannen
Schlich Damon, dem Dolch im Gewande.
Ihn schlugen die Häscher im Bande.
„Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!“
Entgegnete finster der Wüterich.
„Die Stadt vom Tyrannen befreien.“
„Das sollst du am Kreuze bereuen!“

Damon wollte übrigens noch seine Schwester unter die Haube bringen (ich hätte mich ja bedankt! Das kann ich ja wohl noch selbst) und ließ seinen Kumpel in der Todeszelle als Pfand. Der Rückweg erwies sich aber als schwierig und Damon kam gerade rechtzeitig, um seinen Freund auszulösen. Dionys fand das so klasse, dass er das Tyrannentum aufgab und mit den zweien einen Beste Freunde Club gründete.

Ebendieses Gehirn beschloss aber vor ca. zwei Wochen, einfach zu vergessen, wie man ein Feuer im Ofen entzündet!!! Nicht, dass das hier irgendwie wichtig wäre oder ich es voll drauf hatte. Egal, Tyrel hat es mir freundlicherweise nochmal erklärt und gezeigt und seitdem kann ich es wieder.

5. Tyrel und ich teilen uns neben dem Ehebett auch noch den Deo-Stick, Socken, Unterhemden, lange Unterhosen und ein paar Pullis. Äußerst praktisch.

6. Ich kann die Speicheldrüsen unter meiner Zunge steuern und so wie eine Speikobra einen feinen Speichelstrahl aus meinem geöffneten Mund schießen. Vielleicht ist dem einen oder anderen das schon mal versehentlich beim morgendlichen Gähnen vor dem Spiegel passiert. Eine Schulfreundin fand dieses „Talent“ damals so faszinierend, dass wir zusammen durch den Pausenraum gegangen sind. Sie sagte mir, wen oder was ich anspeien sollte und ich spie. Wir hatten viel Spaß mit unserem perfiden Spiel.

7. Ziemlich vielen fremden Leuten komme ich unheimlich bekannt vor. Oft werde ich gefragt, ob ich öfter schon man in Stadt XY unterwegs war. Oder ob ich mit YZ verwandt bin. Nein bin ich nicht. Keine Ahnung, ob ich ein Allerweltsgesicht habe oder woran das liegt. Immerhin scheinen es aber bislang keine negativen Verknüpfungen im Hirn zu sein, die ich da anrege. Also ist es mir recht. Bei Leuten die mir gleich sympathisch sind, stelle ich mir gerne vor, dass wir uns aus einem Paralleluniversum oder einem früheren Leben kennen.

Soooo, nun nominiere ich aus oben genannten Gründen niemanden. Wer trotzdem jetzt unbedingt auf etwas klicken möchte, den verweise ich auf meine Lieblings-Witzseite, allerdings ist alles auf Englisch und wahrscheinlich nicht barrierefrei.
9gag.com

Uebrigens habe ich bislang keine weiteren Eulen sichten koennen. Komisch eigentlich, habe ich doch schon zwei Stueck innerhalb 8,5 Monaten gesehen. Aber als Ausgleich gibt es hier meine ersten zwei Vogelbilder, auf denen man wenigstens was erkennen kann (auch wenn die Biester weit weg waren!), so wie mein Lieblingsausblick auf meiner Standard-Spaziergang-Route.

Nochmal Danke an Tally und nun folgt erstmal ein awardfreier Berichtszeitraum. Alala.

Eule mit Weule

Die Schatten hinter Bäumen werden kürzer, die Tage heller und die Eichhörnchen lauter. Auch wenn das Thermometer seit einer Woche morgendlich höchstens -30 Grad anzeigt, scheint es hier sowas wie Frühling zu werden. Tyrel und ich gingen einen neuen Weg erkunden und erneut wurde eine schöne Wanderung durch eine Eulensichtung gekrönt. Dieses Mal habe ich keine great horned owl gesehen, sondern eine hawk owl, zu deutsch Sperbereule.

Wieder war ich mächtig beeindruckt, was Eulen doch für zauberhafte Kreaturen sind. Im Zoo waren sie mir etwas unheimlich, wenn sie mich mit ihrem durchdringenden Blick durch das Drahtgeflecht ansahen. Aber hier draußen in der wilden, weitläufigen Kälte? Hier erlebe ich es als sehr inspirierendes Ereignis. Der große Vogel könnte schließlich sonst wo hineulen, ich gehe auf einem winzigen Pfad in seinem Wohnzimmer spazieren. Und trotzdem gönnt er mir seine Aufmerksamkeit und starrt mich mit gelben Augen an. Dreht den Kopf wie R2D2 nach hinten und starrt mich wieder an. Nur um mir klar zu machen, dass Smartphone Kameras nicht für Tierbeobachtungen ausgelegt sind. So ein Mist.

Gestern Morgen lauschte ich ein wenig dem Ofen in der Dunkelheit. Bis sich ein weiteres Geräusch dazugesellte. Draußen, vor dem Trailer, singt eine great horned owl ihr hoo hohoo hoo. Im Zwielicht begegne ich den -31 Grad mit langer Unterhose, Pulli und Crocs über den nackten Füßen. Aber die Eule sehe ich nicht.

Zurück im angewärmten Bett überkommt mich eine Idee. Mir stehen eine Kamera und Spaziergänge zur Verfügung. Wie wäre es, wenn ich beides kombiniere und zu einem kleinem Hobby-Stalker der heimischen Fauna werde?

Gesägt, tun getan. Nach einem anständigen Fußmarsch ging und stellte ich mich dann auf die Lauer… Fürs legen lag mir dann doch zuviel Schnee herum. Nachdem meine Finger und einige Gesichtspartien von meinem Nervensystem als nicht mehr vorhanden gemeldet wurden, machte ich mich auf den Rückweg mit fetter Beute: Ich hatte doch glatt drei Bilder geschossen!!!

*hust*
Okay, ich kann mich bestimmt noch verbessern. Wäre ja auch frustrierend, wenn ich der geborene Ornithologe wäre und die ersten 29 Jahre davon keinen blassen Schimmer davon gehabt hätte, oder? Vielleicht gehe ich erstmal auf Jagd im Buchladen und schaue, ob ein Buch mit beschrifteten Piepmätzen vorrätig ist. Aber die Kamera will ich jetzt häufiger mitschleppen auf meine Erkundungstouren. Man kann ja nie wissen!

Bei einer unserer Wanderungen in einem uns noch unbekannten Gebiet hier in der Gegend sind Tyrel und ich auf eine Art kanadischen Zen-Garten gestoßen. Der Berg im Hintergrund hat wohl vor einiger Zeit mächtig gebröckelt und einige Findlinge hinterlassen. Bis jetzt ist dieser Berg mein liebster im Yukon. Ich mag ihn richtig gerne und würde ihn gerne mal besteigen (ja, ich weiß, die Frühlingsgefühle…). Dabei kannte ich noch nicht mal seinen Namen!

Nach einigen Recherchen stellte er sich heraus, dass er fieshafterweise überhaupt keinen richtigen Namen hat! Für meine Verhältnisse ist er groß und toll und schön und in Deutschland hätte jeder Gipfel bestimmt einen geschichtsträchtigen Namen. Hier heißt er einfach nur „Ibex Area Mountain“. Weil er irgendwo in der Nähe vom Ibex Mountain und dem Ibex River rumsteht. Das wird ihm nicht gerecht. Ich werde ihn Karrrsten nennen. Und wenn Tyrels Arbeitskollegin Bella in ein paar Wochen wieder zum Sommerjob aufschlägt, können wir Karrrsten vielleicht zusammen erzwingen (mein Wanderbuch sagt, das dauert neun Stunden! *keuch*).

Letzte Woche Samstag habe ich übrigens meinem ersten Konzert im Yukon beigewohnt und dann auch noch mit lokaler Musik! Claire Ness wurde in Whitehorse geboren und ist hier aufgewachsen. Ihre Musik ist eher im Bereich Country oder Folk einzuordnen, macht gute Laune und verleitet zum Träumen.

Der Vorband-Musiker war Fleetwood Holly, ein junger Mann aus Ostdeutschland (so wurde er angekündigt! Ist das nicht irre, dass die Kanadier da unterscheiden?), der jetzt auf einem Hausboot auf dem Yukon River bei Dawson City hier im Yukon wohnt und fleißig Musik macht.

Viele Wege führen nach Rom… Und noch viel mehr, viel buntere zum eigenen Glück. 🙂 Zum Beispiel auf den zugefrorenen Yukon-River zum Sonnenuntergang.