Unterwegs

Küken – Woche 1

Jetzt sind die Küken schon eine Woche alt. Wieder gesehen habe ich sie nicht, da ich nicht wieder in der Stadt war. Aber ich werde stets mit Bildern versorgt, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

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Murmeln im Wasserspender verhindern hoffentlich das Ertrinken der Küken.

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Lieblingsbeschäftigung der Küken ist Fressen und Wachsen.

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In den ersten Tagen bestand die Einstreu aus Küchenrolle. Angeblich ist das besser für die Beinchen und zu verstehen, was Futter ist und was nicht.

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Die Kinder basteln fleißig Möbelstücke aus Eisstielen für die Küken.

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Dieses Küken präsentiert stolz die ersten schwarzen Flügelfedern.

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Im Vergleich zu den ersten Tagen sieht der Futtertrog schon viel kleiner aus.

Wir haben angefangen, die zukünftige Behausung der Piepmätze zu errichten.

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Auf Paletten entsteht das Gerüst des zukünftigen, transportierbaren Hühnerstalls.

Angeblich sind schon alle Küken von den Kindern mit Namen versorgt worden. Doch in den Kommentaren des letzten Beitrags habe ich so geniale Namensvorschläge von Anne und Sebastian bekommen, dass ich wohl doch nochmal nachtaufen muss, wenn die Federwedel bei mir einziehen.

Habt eine gute Woche!

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Tauender Teich – von unserer gestrigen Wanderung.


Nachtrag:

Soeben erhielt ich die aktuellen Kükennamen samt Portraitfotos. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass die Kinder so viel Spaß an der Pflege haben!

Auf Kurs

Es ist vollbracht.

Im Januar 2018 betrat ich den hiesigen Kaeseladen.
Mein erster Impuls: „Ich will ALLE Kaesesorten essen!!!“
Mein zweiter Impuls: „Wie kann ich dieses Ziel tatsaechlich erreichen und wie werde ich wissen, dass ich es erreicht habe?“
Mein dritter Impuls: „Ich fuehre eine alphabetische Liste der Kaesesorten, die ich in diesem Laden gekauft und dann verkoestigt habe. Mit einer kurzen Bemerkung, wie sie mir gefallen haben, damit ich weiss ob ich sie im Angebot wieder kaufen sollte. Damit ich nicht im Schuldturm ende, ist mein woechentlichs Kaesebudget mein errechneter Brutto-Stundenlohn.“

26 Monate spaeter.

Ich bin auf Reihe, habe das letzte Stueck Kaese erworben, das noch nicht in meiner Liste aufgefuehrt war. Jetzt umfasst diese Liste 315 alphabetisch geordnete Sorten Kaese mit jeweils einer kurzen, subjektiven Bewertung meinerseits.

Die Verkaeufer im Kaeseladen sind zu guten Freunden geworden. Freunde, die besorgt sind, was denn jetzt geschieht, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Ob es mir langweilig wuerde, denn erst in drei Wochen kommt eine Lieferung mit neuen Sorten.

Freunde, denen ich augenzwinkernd antworte, dass ich nun endlich diejenigen Kaesesorten essen kann, die mir gut geschmeckt haben.

Seit einem Monat laufe ich in meiner Mittagspause woechentlich die knapp fuenf Kilometer in die Innenstadt in meiner Mittagspause. Dort lasse ich mich mit Bagels und Kaese beladen und laufe zurueck ins Buero. Zurueck zum Buero geht es stetig bergauf, so spare ich mir die Anschaffung einer Bleiweste zu Trainingszwecken. Fresswesten sind viel praktischer.

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Die Eigentuemerin des Kaeseladens bestueckt meine Laufweste mit leckerem Kaese.

Fuer mich ist dieses Verhalten logisch. Ich moechte alle Kaesesorten gegessen haben um die bestmoegliche Kaufentscheidung treffen zu koennen. Dann erstelle ich einen Plan, wie ich dieses Ziel sinnvoll erreichen kann. Und anschliessend befolge ich den Plan ohne gross drueber nachzudenken. Ob das jetzt zwei Monate oder 87 dauert, ist dabei egal, denn ich bin auf Kurs.

Dennoch sorgt mein Vorgehen oft fuer Erstaunen. Scheint es etwas zu stringent oder obsessiv? Wuerde ich es nicht mehr geniessen, wenn ich einfach die Kaesesorten kaufen wuerde, nach denen mir gerade der Sinn steht?

Noe.

Ich bin schon gespannt, was ich als naechstes Ziel auserwaehlen werde… erst nach meinem Berglauf-Marathon Ende Juni hoffentlich. Denn zur Zeit bin ich voll ausgelastet mit der Befolgung meines Trainingsplans. Diese Woche werde ich insgesamt 61 Kilometer laufen. Das ist schon mehr als doppelt soviel wie die Wochenleistung, ueber die ich vor 2,5 Monaten noch schwer gestoehnt habe.

Eine tolle Erfahrung die zeigt, wie anpassungs- und steigerungsfaehig der Koerper doch ist, wenn man ihn regelmaessig fordert. Mein armer Koerper, den ich jahrzehntelang als Mittel zum Zweck angesehen habe. Jetzt moechte ich ihn gern artgerechter bewegen und auslasten. Es haengt doch alles zusammen: Koerper, Geist und Seele.

Und Kaese haelt alles zusammen. 🙂

Gedanken zur dunklen Jahreszeit

Diesen Winter höre ich es besonders häufig: Viele Freunde und Bekannte bekommen ein Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit. Es ist dunkel, wenn man zur Arbeit geht und genauso dunkel, wenn man nach Hause kommt.

Das ist hier auch nicht anders. Nur, dass die Zeit, in der die Sonne über die Berggipfel späht, noch begrenzter ist. An unserem Haus hatten wir heute, am kürzesten Tag des Jahres, ca. 2,5 Stunden Sonne. Dazu kommen natürlich noch mehrere Stunden, in denen es trotzdem hell ist. Je näher man den Polen ist, desto kleinere Kreise dreht die Sonne ja. Egal ob Winter oder Sommer, die Dämmerung und Sonnenauf- und -Untergänge dauern länger.

Auch ich habe in Deutschlang gern über eine saisonale Verstimmung geklagt. Was ich heute rückblickend nicht mehr verstehe: Warum habe ich dann nicht einfach mehr Sonnenlicht getankt?

Heute hat die Sonne nur 2,5 Stunden geschienen bei -17 °C. Aber von der Zeit war ich 1,5 Stunden draußen und bin zusammen mit Arma gelaufen.

Die meisten Menschen müssen arbeiten und sind daher unter der Woche nicht bei Sonnenschein zu Hause. Ich habe den Vorteil, dass ich nur vier lange Schichten in der Woche arbeite und somit jede Woche ein langes Wochenende habe. Aber auch wenn ich arbeite, tanke ich Sonne. In meiner 30-minütigen Mittagspause gehe ich raus und spaziere. Entweder spaziere ich auf einer Straße im Industriegebiet oder im Graben vom Highway. Waldbaden kann man das eher nicht nennen. Aber es hebt die Stimmung gewaltig. Am Anfang bin ich noch oft allein gegangen. Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Arbeitskollegen dazu, die regelmäßig Interesse am Mittagsspaziergang haben. Auch für die Arbeitsmoral ist es gut. Der Nachmittag zieht sich nicht mehr so lang hin, man hat irgendwie mehr Energie.

Jetzt mal weg von der Theorie, hin zur Praxis: Wer kann schon widerstehen rauszugehen, wenn dies der Ausblick vom Küchenfenster ist?

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Hinter dem Fenster: Schnee, Berge und ein magischer Sonnenaufgang.

Auch wenn es etwas frostig war, kommt es doch größtenteils auf die angepasste Bekleidung an.

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Schon früh im Lauf überzieht der Frost Mütze, Wimpern und das Tuch vorm Gesicht.

Arma freut sich, dass sie endlich mal ziehen kann, ohne dass sich jemand beschwert. Und ich freue mich über die Gesellschaft und die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet.

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Der Schnee vor uns glitzert im goldenen Sonnenlicht.

Eigentlich bin ich noch nicht bereit dafür, dass die Tage jetzt wieder länger werden. Nach unserem sehr geschäftigen Sommer dieses Jahr bräuchte ich eigentlich eine ordentliche Polarnacht um Energie zu tanken.

Aber es ist ja wie es ist. Zur Not muss ich mir die Decke über den Kopf ziehen, dann hab ichs auch dunkel.

Jetzt stehen erstmal die Feiertage vor der Tür. Für uns heißt das wie jedes Jahr seit wir hier leben ein Lagerfeuer mit Würstchen rösten am 24. und am 25. Essen und gute Gesellschaft bei unserem Freund James.

Allen Lesern wünsche ich auch schöne Feiertage möglichst ohne Zankereien und Stress. Auf dass wir schöne und lehrreiche Erinnerungen sammeln. Und auf das Leben!

Luisa

Flußtour 2019 – Tag 8

Es ist kalt.
Immer noch und wahrscheinlich fuer die naechsten sechs Monate.

In der Tag schaffen wir es heute zum ersten Mal auf dieser Tour, und früh fertigzumachen. Kein Frühstück, kein Wasser kochen, einfach los.

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Noch vor Sonnenaufgang sitzen wir heute im Boot.

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Langsam weicht die Daemmerung und der blaue Himmel beginnt zu leuchten.

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Die Berge werden durch die tief stehende Sonne in warman Farben angeleuchtet.

Dann gibt mein Handy auf. Meine Finger sind zu kalt um das Ladegerät rauszuholen. Die verbleibende Wärme muss ich mir aufsparen zum Karte aus der Plastikhuelle nehmen, umdrehen und wieder einpacken.

Der Nordwind ist auch heute unser treuer Begleiter.
Es ist Zeit, nach Hause zu kommen.

An einem suedlichen Ufer machen wir kurz Pause. Die Baeume schuetzen uns ein wenig vor dem Wind. Wir werfen Stoeckchen, damit Arma sich beim Hinterherjagen ordentlich aufwaermt. Auch ich laufe in meinem riesigen Winteranzug von A nach B, vom Ufer zum Treibholz, zum Baum und wieder zurueck. Bis ich mich gewappnet fuehle fuer die Weiterfahrt.

Der kalte Nordwind peitscht die Gischt in mein Gesicht, auf die Kleidung und das Boot. Bald ist Boot und Kleidung mit einer Eiskruste ueberzogen. Wahrscheinlich gar nicht so schlecht, denke ich mir. Wenigstens scheint Eis recht winddicht zu sein.

Dann kommen wir an. Weder freue ich mich besonders, noch bin ich traurig. Tyrel zieht los um unseren Truck samt Anhänger vom Grundstück unseres Freundes zu holen.

Wir verbringen einige Zeit organisieren, puzzlen und packen. Als alles gut verstaut ist, fahren wir. Zunächst nur zum örtlichen Lebensmittelgeschäft. Tyrel hat ein Verlangen nach warmer Milch; ich giere nach Kokosnusswasser. Überraschenderweise gibt es das hier sogar zu kaufen. Auf der langen Rückfahrt lasse ich es mir schmecken.

Bei unserer Ankunft stellen wir fest, dass Whitehorse eingeschneit ist. Der ganze Niederschlag vor ein paar Tagen, den wir größtenteils als Regen erlebt haben, fiel hier als Schnee.

Wir liefern Joe samt Boot und Zubehör ab und lassen das Bärenfleisch über Nacht bei unserem Freund James. Morgen werden wir wiederkommen, es portionieren und einfrieren.

In unserem Haus sind es 9 Grad. Vor der Haustür hingegen -10. Heute schlafen wir, ohne ein Lager aufzuschlagen. Doch in den nächsten Tagen steht uns eine Menge Arbeit am Haus bevor. Langsam sollten wir wirklich den Holzofen einbauen. Aber erstmal schlafen wir selig.

Flußtour 2019 – Tag 7

Ich wache auf und es ist Winter.

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Schnee bedeckt den Boden unseres Lagerplatzes. Durch das Morgengrauen wirkt alles blaeulich.

So sehr habe ich diesen Winter heibeigesehnt. Nach unserem verrueckten Sommer, den wir erst mit Bangen vor dem Wetter und dann mit pausenlosem Bauen verbracht haben schien der Winter meine einzige Hoffnung auf Ruhe und Erholung zu sein, auch wenn er zu der Zeit noch ein paar Monate in der Zukunft lag.

Anscheinend freut sich der Winter auch, mich zu sehen. Er umarmt mich herzlich.
Es ist kalt.

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Schneebedeckte Berge spiegeln sich im ruhigen Wasser.

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Zum Teil haengen die Wolken noch sehr tief in den Bergen.

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Das Ufer wird vom noch warmen Wasser noch zu sehr aufgewaermt. Hier bleibt nur wenig Schnee liegen.

Wir packen zusammen. Doch immer wieder muessen wir kurz am Feuer pausieren um unsere Finger wieder aufzuwaermen.

Unerwarteterweise holt Joe auf waehrend wir die letzten Dinge verstauen. Nachdem er ausgiebig von Arma begruesst wurde, waermt auch er seine Finger am Feuer. Er habe es sich ueberlegt und moechte doch zusammen mit uns weiterziehen. Auch die Fahrt nach Hause wird so fuer ihn stark vereinfacht, da er keinen anderen Fahrer organisieren muss, der ihn fuer 2,5 Stunden pro Weg plus Ein- und Ausladen abholen kommt. Wir hatten zwar angeboten, dass wir das trotzdem machen, aber so ist es natuerlich fuer alle einfacher.

Es ist ein langer Tag auf dem Fluss; das Wetter bedeckt aber trocken.
Und so kalt.

Wie in einem Schwarzweißfilm zieht die Landschaft an uns vorbei. Ein unbarmherziger Nordwind peitscht uns entgegen. Auf dem Fluss gibt es kein Entrinnen.

An einer Elchkuh mit Kalb ziehen wir vorbei. Halbherzig rufen wir nach einem maennlichen Gegenpart, das wir schiessen koennten. Doch gleichzeitig wollen wir weiter, immer weiter. Meine Hände und Füße wackeln noch, aber das Gefühl entweicht langsam.

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Arma friert mit uns mit. Ein trockenes Handtuch auf ihr bietet ein bisschen zusaetzlichen Schutz vor dem Wind.

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Der Winter ist bereits da, nur der Fluss muss es noch einsehen und erstarren.

Sollten wir lieber einen Tag laenger lagern und das Wetter abwarten? Doch der Nordwind verspricht kein besseres Wetter. Weiter, einfach weiter.

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Die Sonne steht schon tief am Horizont, als wir noch weiterziehen.

Zeh Kilometer vor dem eigentlich anvisierten Ziel beschliessen wir mit steifen Gliedern und hochgezogenen Schultern, für heute zu lagern. Joe und Tyrel schwingen die Kettensägen, ich mache Feuer mit mitgebrachtem Holz vom letzten Lager und bringe Sachen vom Boot. Dann bereite ich das Essen zu. Heute gibt es eine Reispfanne mit Jambalaya-Gewuerzmischung. Schmeckt so gut und wuerzig!

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Reis, Wuerstchenscheiben, Paprika und viel Gewuerz. Das Essen waermt!

Arma ist aufgedreht, sie war viel zu lange im Boot heute (100 km). Sie wird gefüttert, bespielt, beschmust und zu Bett gebracht.

Morgen wird ein langer Tag. Auch wir sehen zu, dass wir so bald wie moeglich in den Schlafsack schluepfen. Dreimal erinnere ich Tyrel, dass wir so frueh wie moeglich los muessen morgen. Keine Urlaubsroutine, kein ausgedehntes Fruehstueck. Einfach los. Sonst sind wir vor Mitternacht nicht zu Hause.

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Tyrels Kopflampe und Armas Augen leuchten um die Wette vor dem Lagerfeuer.

Dreimal mache ich die Ansage, dreimal stimmt Tyrel zu. Das sollte reichen. Ich waessere ein letztes Mal fuer heute den Busch und krieche fast schnurrend in meinen fluffigen Schlafsack.

Die mit kochendem Wasser befüllte Wasserflasche, die ich vorhin schon hineingelegt habe, versüßt mir wie jeden Abend die Nachtruhe.

Flußtour 2019 – Tag 6

Genau wie die letzten Tage auch, wache ich heute wieder als erste auf.
Ich drehe mich noch einmal im Schlafsack herum und horche genau in mich herein. Bin ich ausgeschlafen? Ja.
Also stehe ich auf.

Ich ziehe mich an und versuche dabei so kuschlige Waerme wie moeglich aus dem Schlafsack in meine Kleidung zu retten. Das ist nur gar nicht so einfach bei ordentlichen Minusgraden.

Als Naechstes mache ich ein ordentliches Feuer. Zum einen kann ich daran meine Finger waermen, zum anderen essen Tyrel und ich auf dem Fluss gern ein warmes Fruehstueck. Das hilft uns, in die Gaenge zu kommen. Im Alltag fruehstuecke ich ueberhaupt nicht und esse erst gegen Mittag meine erste Mahlzeit. Aber hier brauche ich was im Bauch. Unser Mittagessen auf dem Fluss ist auch eher ein kleiner Snack.

Ich koche Wasser, bespasse Arma, erledige meine Morgentoilette.
Und warte.

Tyrel wacht schliesslich auf.
„Es ist 6 Uhr in der Früh! Warum sitzt du da rum in voller Montur?!“

Oh.
Das erklaert dann auch, warum die Daemmerung immer noch nicht eingesetzt hat.

Ungefaehr 20 min später sehe ich ein dass es doch ein wenig arg frueh ist um auf den Tagesanbruch zu warten, ziehe mich wieder aus und gehe schlafen. Kann sogar nochmal gut träumen.

Ein paar Stunden spaeter (oder auch am echten Tagesbeginn).
Wie immer zieht Joe als Erster los. Seine Morgenroutine ist so eingespielt, dass er mit ein paar Handgriffen eingepackt hat. Warmes Wasser fuer Kaffee und Fruehstueck hat er immer schon vom Vorabend bereit.

Wir lassen uns wieder Zeit (ist ja auch unser wohlverdienter Urlaub) und frühstücken. Mittlerweile ist es auch gar nicht mehr frostig, ein Südwind weht und die Sonne scheint.

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Ein sonniges Flussufer mit entspanntem Hund.

Doch am südlichen Horizont ziehen Wolken auf, die immer dunkler werden. Uns bleibt eh nichts anderes uebrig als zu packen und loszuziehen, wie jeden Morgen. Also tun wir genau das.

Nach einiger Zeit auf dem Wasser beginnt leichter Regen.
Der Regen wird stärker.
Wir legen am Ufer an,  um unsere Regensachen anzuziehen.
Doch der Regen hört nicht auf.

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Grau-nasse Aussichten, am Himmel ist kein blauer Fleck mehr auszumachen.

Schliesslich stossen wir auf Joe. Wir sagen ihm, dass wir lieber Strecke machen wollen um in circa zwei Tagen zu Hause zu sein.
Doch Joe moechte noch laenger auf dem Fluss bleiben.

Wir verabschieden uns vorsorglich. Arma versteht nicht, warum wir ihren liebsten Spielkameraden Joe zurücklassen. Mir fällt es auch schwer, aber schlimmer wäre es, das Fleisch verderben zu lassen. Und durch das wechselhafte Wetter wird dieser Fall immer wahrscheinlicher, je mehr Tage ins Land ziehen. Immerhin haben wir den Baeren an Tag 1 erlegt. Heute ist schon Tag 6.
Bärenfleisch muss man laut Gesetz im Gegensatz zu z.B. Elchfleisch zwar nicht verwerten, doch für uns ist es wertvoller als der Pelz.

Im Regen ziehen wir weiter.

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Am nassen Ufer sind Ueberbleibsel einer kleinen Holzhuette der Goldrauschzeit zu sehen.

Was habe ich früher eigentlich bei Regen gemacht, ueberlege ich mir.
Durchgefroren und nass war ich doch eher selten.

Ich habe bei Regenwetter viel Fernsehen geguckt.
Erst am elterlichen Kamin, dann mit Freunden und Bier, später mit Whiskey allein Zuhaus.

Manchmal war ich doch draussen. Mit Oma und Opa in der Laube. Oder ich habe mich beim Zelten im Garten vom Regenprasseln in den Schlaf singen lassen.

Kälte schält sich mittlerweile zwischen alle Lagen Kleidung.
Ich bekomme kalte Zähne und eine taube Nase.

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Die Regenwolken haengen tief in den Bergen und goennen uns eine kalte Dusche.

Der Regen verwandelt sich in Schneeregen während wir unser Lager aufschlagen. Heute spannen wir zwei Planen, die sich gegenueberstehen wie ein A, nur mit einer Luecke im Giebel. Die Luecke, damit wir ein Feuer machen koennen und uns keine Gedanken ueber Rauchabzug oder brennende Planen machen muessen. Die zweite Plane, damit wir dort unser ganzen Sachen auslegen und trocknen können.

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Tyrel waermt sich am Feuer zwischen unseren gespannten Planen.

Falls das Wetter nicht besser wird, bleiben wir doch einen Tag laenger hier.

Armas Appetit ist wiederhergestellt. Das hat nach dem Baerenlebervorfall nur fuenf Tage gedauert. Ich freue mich sehr.

Auch wir schlingen Unmengen von Spaghetti mit Speck und Möhren hinunter. Mein hungriges Gehirn hat mir dringend empfohlen, ein ganzes Kilo ungekochte Spaghetti zuzubereiten. Gekocht sieht das dann doch uebertrieben aus. Aber nach dem Abendessen zeichnet sich ab, das es aufgewaermt gerade so zum Fruehstueck reichen wird.

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Ich arbeite mich langsam durch den Haufen vor Fett triefenden Nudeln durch. Mein Koerper giert geradezu danach.

 

 

Nach getaner Arbeit und im molligen Schlafsack wirkt das Sauwetter gar nicht mehr so unwillkommen.

Schnee-Regen-Graupel singen mich leise auf der Plane knuspernd in den Schlaf, während ich mich der Stroemung des Universums einfach füge.

Flußtour 2019 – Tag 4

Joe eroeffnet uns heute Morgen, dass er noch eine weitere Nacht hier lagert. Er hat frische Elchspuren erspaeht.

Tyrel moechte, dass ich entscheide ob wir auch bleiben oder weiterziehen.
Ich will weiter, nach meiner Logik verdoppeltet diese Taktik die Chance, einen Elchbullen zu sehen. Nur ein bisschen.

Die Sicht ist schlecht, durch das eisige Wetter und den Temperaturunterschied zum noch nicht gefrorenem Fluss wabert viel Dampf auf dem Wasser und im ganzen Flussbett.

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Tyrel in unserer Bootskonstruktion vor stimmungsvoll-nebliger Flusskulisse.

Nach dem Zusammenpacken fahren wir vorsichtig los.
Der erste laut Karte geeignete Lagerplatz gefaellt uns nicht.

Wir sehen eine Elchkuh, die das Weite sucht. Doch kein Elchmann ist in Sicht.
Der nächste Lagerplatz ist auch wenig geeignet.
Genau wie der uebernächste.

Trotzdem gehen wir haeufig an Land. Suchen nach Spuren, imitieren mehr oder weniger gelungene Elchlaute. Erkunden.


Dann schliesslich die Sensation: Ein Boot!!
Nein, drei superschnelle, sauteure Boote.
Und eine Gruppe Kumpels in Tarnkleidung.

Wir fahren mit unseren abgewrackten, zusammengebundenen Kähnen vorbei, da muss ich schon kichern.
„Habt ihr schon Glück gehabt?“, rufe ich zu ihnen herueber, nachdem wir uns schon fuer einige Minuten gegenseitig anstarren waehrend wir naeher kommen.

Wortlos deutet einer direkt neben sich auf einen abgesägten Elchkopf mit gigantischen Schaufeln.

„Wie konntest du das übersehen?!“, zischt Tyrel fassungslos. Ich muss wieder kichern.

„Und ihr?“, hallt es herüber.
„Wir haben nen Grizzlybären!“
„Ein Grizzly, gute Sache!“

Wir schippern weiter, waehrend ich nicht aufhoeren kann zu kichern.

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Arma hilft mir beim Ausschau halten.

In den drei Jahren auf dem Fluss bin ich immer noch keiner Jägerin begegnet, fällt mir auf. Jagen scheint hier eher etwas zu sein, was man mit seinen Kumpels macht. Außerdem würden die meisten Leute ihre zwei Wochen in Mexico ungern gegen zwei Wochen Kälte, Entbehrungen und harter körperlicher Arbeit auf der Jagd tauschen.

Heute Abend halten sich die Entbehrungen im Rahmen. Zum Glueck haben wir Arma, die uns sowohl mit dem Feuerholz, als auch beim Enspannen behilflich ist.

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Ein moosiges Plaetzchen in der Sonne laedt Arma zum Doesen ein.

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Maulsperre: Arma liebt Stoeckchen werfen, selbst wenn das Stoeckchen ein grosses Stueck Feuerholz ist.

Ich bin dankbar, dass Tyrel keiner ist, der Männerabende hat, Hockey im Fernsehen guckt und auf teure Autos und Markenklamotten steht. Da ist ja überhaupt nichts Schlimmes dran, aber ich persoenlich verstehe den Reiz nicht. In der Zeit und mit dem Geld würde ich viel lieber andere Dinge machen. Ein kleines Haus bauen zum Beispiel. Oder auf eine schöne Wanderung gehen.

Da habe ich es doch ganz passend mit ihm getroffen, freue ich mich während ich das Abendessen in unserem schließlich gefundenen Lager zubereite. Tyrel macht währenddessen an unserem Bootsmotor einen Ölwechsel. Die Frage, warum das in der Wildnis jetzt unbedingt nötig sei, lasse ich kurzerhand fallen und wünsche ihm viel Erfolg.

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Die letzten Sonnenstrahlen geniessen wir bei einer Pfanne Gnocchi, Speck und Zwiebeln.

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Unser Lager fuer heute Nacht. Zwei Feldbetten unter einer gespannten Plane.

Flusstour 2019 – Tag 3 (Achtung, Bilder von Fleisch und totem Tier!)

In der Nacht weckt mich Armas Bellen.
Ist da etwas?
Guter Hund!

Sie bellt sehr selten, was ich begruesse. Aber jetzt ist ihr etwas nicht geheuer und sie warnt uns. Tyrel hoert auch Schritte im Unterholz am Ufer. Aber sie entfernen sich bereits. Um uns schwarze Nacht. Ich schlafe wieder ein.

Etwas spaeter (es ist immer noch pechschwarz) werde ich wieder geweckt, dieses Mal von Tyrel.
Wir müssen packen und los!
Es ist 7 Uhr morgens.

Na gut, dann stehe ich eben auf. Arma begleitet mich zur Morgenroutine (Pinkeln, Strecken und Feuer machen mit nassem Holz). Wenigstens regnet es gerade nicht. Als das Feuer endlich prasselt, wende ich mich wieder Tyrel zu. Der hat sich nach seinem Weckdrill nicht wieder bewegt und schlaeft felsenfest.

Das heisst dann wohl, dass ich Fruehstueck mache.

Ich lasse mir Zeit. Hier in der Wildnis besitzen Uhren keine Macht. Und ich geniesse den Frieden der Morgenstunden.

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Die Wolken haengen tief ueber den Bergen, aber der Tag beginnt trocken und mit einem spiegelglatten Fluss.

Ein paar Stunden nach Tyrels Weckruf muss ich ihn schliesslich wecken. Er geniesst sein Fruehstueck im Schlafsack, es gibt gegrillte Kaesesandwiches mit Chili-Thunfisch. Ich lasse mir nicht nehmen, diesen Umstand zu dokumentieren.

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Arma frisst wieder nichts außer ein paar Happen aus Tyrels Hand.
Ich bin etwas besorgt. Aber sie spielt mit Stöcken und rennt umher wie wild. Kann also nicht so schlimm sein.

Der Baer (also das Fell samt Schaedel und Tatzen) sieht beim Zusammenpacken aus, als haette er eine wilde Nacht hinter sich gehabt.

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Der Grizzlykopf samt Hintertatze auf einem in der Wildnis herumstehenden Klapptisch.

Als wir alles im Boot verstaut haben, und Arma uns erwartungsvoll anblickt, bin auch ich bereit fuer einen neuen Tag auf dem Fluss.

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Hund und Boot sind bereit fuer das Ablegen.

Auch dieses Jahr ist der Flusspegel niedrig. Haeufig muessen wir flache Stellen im Fluss umfahren, was bei unserer Bootskonstruktion gar nicht so einfach ist. Doch Tyrel macht das wirklich prima. Ich throne waehrenddessen auf dem gepolsterten Vordersitz, navigiere nach Karte und halte Ausschau nach Felsen, Wetter und natuerlich Wild.

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Das Wetter klart auf – Erste Sonnenstrahlen waermen die Berge und vertreiben die letzten Wolkendecken.

Arma stinkt hin und wieder nach Bärenleber, anscheinend ist ihre Beute noch nicht ganz verdaut. Aber frische Luft gibt es hier im Ueberfluss, daher ziehen auch diese Wolken schnell ab.

Einige Stunden sind wir auf dem Fluß unterwegs, dann sehen wir Joes Boot und landen.
Wir beschließen auch hier zu lagern.

Joe merkt an, dass er den ganzen Tag daran denken musste, dass die Tenderloins (Lendchen?) vom Grizzly vorzüglich schmecken würden zusammen mit seinen Kartoffeln, Karotten und Pilzen… Ich stimme zu und mache mich auf den Weg zum Boot, um die besagten Stueckchen herauszuschneiden.

Ich bereite alles zu, mit ein paar Tipps vom gelernten Koch Joe und füge nach dem Braten und Köcheln noch eine Dose Pilzsuppe hinzu.
Das Resultat ist einfach nur köstlich!

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Mit meinem Goeffel verzehre ich den dicken Kartoffel-Moehren-Pilz-Grizzly-Eintopf. Dies ist die erste Portion von vielen an diesem Abend.

Den Abend lang stiehlt sich Arma mehrmals davon, um etwas entfernt einen Baum mit einem Eichhörnchen darauf zu bewachen. Das deute ich als Zeichen, dass es ihr gut geht. Wenigstens frisst sie heute Abend eine winzige Portion ihres Futters.

Wie ich schon in einem vorigen Beitrag erwaehnte, habe ich keine Süßigkeiten mitgenommen, da ich zu viel davon esse und meinem Koerper nicht Unmengen an Zucker auf Dauer antun moechte. Ich dachte hier in der Wildnis kann ich auf Entzug gehen.
Doch Joe bietet belgische Schokolade mit Mandeln und Rosinen an. Tyrel lehnt ab, ich vergesse meine Vorsaetze und schwebe auf einer süßen Schokowolke.

Warum hier draussen alles so viel besser schmeckt, weiss ich nicht. Aber irgendjemand sollte dieses Phaenomen unbedingt wissenschaftlich untersuchen!

Flusstour 2019 – Tag 2 (Achtung, Bilder von Innereien)

Die letzte Nacht war nicht so erholsam wie erhofft. Jede Bewegung liess mich vor Schmerzen aufschrecken. Nein, diese Nacht in der Wildnis war nicht die Wunderheilung, die ich mir fuer meinen Nacken gewuenscht habe.

Dafuer war Arma ueberraschend ruhig und hat in ihrem Koerbchen geschlafen. Ich hatte befuerchtet, dass sie sehr unruhig ist und weint. Immerhin war dies ihre erste Nacht, die sie draussen in unbekannter Umgebung verbracht hat. Und kalt war es auch.

Der erste Gang fuehrt mich zu der Stelle, an der wir den Baeren gestern verarbeitet haben. Ist das Fleisch unberuehrt? Welche Tiere waren am gut pile und haben sich an Innereien genaehrt? Meine Bedenken sind unbegruendet. Bis auf ein grosses Stueck Baerenleber, welches sich zur Zeit anscheinend in Arma befindet, ist alles so, wie ich es gestern abend verlassen habe.

Anschliessend inspiziere ich das Fell. Tyrel hat es gestern abend zum Auswaschen auf unser Boot drapiert.

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Das Grizzlyfell samt Kopf und Tatzen haengt ueber einer Holzlatte unseres Bootes.

Leichte Panik steigt auf – ich kann den Hodensack am Fell nicht finden. Aber die Jagdvorschriften sehen vor, dass ein Geschlechtsmerkmal am Grizzlyfell verbleiben und vorgezeigt werden muss. Ich bin mir nicht sicher warum, denn auch Baerinnen duerfen gejagt werden. Aber nur, wenn sie keine Jungen haben. Bewaffnet mit einem Messer und einer Plastiktuete gehe ich zurueck zum gut pile und schneide Penis und Hoden heraus. Baeren sind eine der wenigen Tiere, die Penisknochen haben. Daher wird es der Behoerde hoffentlich ausreichen, wenn ich die maennlichen Organe separat einreiche.

Wir packen, waehrend Arma ihr Fruehstueck verweigert. Joe ist routinierter als wir und faehrt schon los. Wir lassen uns noch etwas mehr Zeit. Zum einen vergroessern wir damit unsere Jagdchancen, zum anderen nutze ich die Zeit, um mein Gewehr zu trocknen, zu saeubern und zu oelen. Nach dem regnerischen Tag gestern ist das wirklich noetig.

Flussaufwaerts sehe ich sieben Karibus, die scheinbar im Fluss spielen. Was fuer ein schoener Anblick! Leider habe ich meine gute Kamera nicht dabei, da die Akkus leer sind und ihre Bilder ausserdem einen Schatten haben.

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Die kleinen Punkte im oberen Fluss sind tatsaechlich Karibus!

 

Als alles sicher verstaut ist, fahren wir.

Arma ist immer noch ungewohnt ruhig. Sie schlaeft. Sie stinkt bestialisch. Dann wuergt sie Grizzlyleber hervor. Jetzt stinken Arma, das dampfende Stueck Leber und anschliessend meine Hand, die die Leber in den Fluss wirft. Pfui!

Wir legen ein paar kurze Stopps ein. Arma und Tyrel scheinen die gleichen Pinkelpausen zu benoetigen. Und es kann ja immer sein, dass man einen Elchbullen entdeckt, den man vom Fluss aus nicht gesehen haette.

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Pinkelpause fuer Arma vor malerischer Kulisse.

Schliesslich kommen wir am Lagerplatz an, den Joe zu unserem heutigen Ziel erklaert hat. Nur Joe ist nicht da. Ich kann verstehen warum, mir ist es hier entschieden zu windig! Das kann dazu fuehren, dass hinter der Plane ein Luftwirbel entsteht, der mir die ganze Nacht ueber Rauch vom Feuer ins Gesicht blaest. Darauf kann ich gut verzichten – ich hoffe heute Nacht kann ich besser schlafen als gestern.

Doch Tyrel ist anderer Meinung. „Der Wind hoert bestimmt auf zu blasen. Ausserdem muessen wir nicht jede Nacht mit Joe lagern. Ich geniesse durchaus Zeit in der Wildnis mit dir zusammen, sonst haette ich dich nicht geheiratet.“

Ob der Wind abflaut, da bin ich mir nicht sicher. Aber dem zweiten Argument kann ich mich nicht entziehen und verstehe den Wink mit dem Zaunpfahl. Heute abend werde ich meinen Ehemann ein bisschen bauchpinseln und mit ihm rumalbern. Das macht er naemlich nur, wenn er mit mir alleine ist.

Doch zunaechst muessen wir das Lager auch aufschlagen. Wir spannen Splanen, tragen alle benoetigten Sachen vom Boot zum auserkorenen Platz. Feuerholz ist hier genug vorhanden, nur ist es ziemlich nass durch den Regen der letzten Tage. Nach einigen Versuchen und mit wachsendem Aerger gelingt es mir trotzdem, ein loderndes Feuer zu entfachen.

Da erspaeht Tyrel ein Boot, das flussaufwaerts gefahren kommt. Es ist Joe! Er legt an und plauscht mit Tyrel, als ich dazustosse. Joe wollte nur sehen, ob es uns gut geht (ja) und ob wir wieder Jagdglueck hatten (nein). Ihm war es hier zu windig, als er vorbeikam (yup…). Aber mittlerweile ist der Wind schon deutlich abgeflacht (Tyrel hatte also recht).

Es faengt wieder an zu regnen; schon den ganzen Tag ueber gehen vereinzelte Schauer auf uns nieder. Joe zieht wieder flussabwaerts, sein Lager ist schon komplett aufgeschlagen. Morgen sehen wir uns bestimmt wieder!

Wir machen es uns gemütlich. Ich koche. Und ich habe tierisches Verlangen nach einem Abendessen, das vor Fett nur so trieft! Also zerteile ich ein wenig Speck auf Holzfaellerart.

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Warum Speck kleinschneiden, wenn man ihn auch mit einer Axt zerhacken kann?

Zum Abendessen gibt es Speck, Gnocci, Zwiebeln, Kaese. Soooo lecker!!

Arma verweigert immer noch ihre Mahlzeiten. Ein bisschen mache ich mir Sorgen. Maekelig beim Essen war sie wirklich noch nie. Aber sie trinkt und sie will weiterhin Stoeckchen spielen. Also wird es so schlimm doch nicht sein, oder? Tyrel kann sie ueberzeugen, ein paar Brocken von seiner Hand zu essen. Aber dann will sie nicht mehr.

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Lagerplatz am Abend

Wir verbringen eine ganze Weile mit Reden. Komisch, wir verbringen doch eigentlich jeden Tag zusammen. Und trotzdem haben wir uns noch soviel zu erzaehlen, hier draussen im Nirgendwo.

Mein von gestern noch nasser Innenstiefel trocknet ueber dem Feuer, als ich etwas steif in den Schlafsack krieche. Zum Glueck tut Nacken nicht mehr so hoellisch weh wie gestern, dagegen sind normale Schmerzen ganz gut auszuhalten. Kurz darauf schlummere ich schon selig.

Flusstour 2019 – Tag 1 (Achtung, Bilder von toten Tieren!)

Der Wecker klingelt frueh.

Gestern noch mussten wir eine Einladung zum Lagerfeuer absagen weil wir bis Mitternacht mit Packen beschaeftigt waren. Den kleinen verbleibenden Rest wollten wir am Morgen packen; doch das dauert laenger als gedacht. Ein Blick auf die Uhr bringt Tyrel in Wallung – wir kommen zu spaet! Zum Glueck haben wir beide die gleiche Einstellung, es ist uns sehr unangenehm, wenn Leute auf uns warten muessen. Doch bevor mich Tyrel um ein kleines Fruehstueck bringt und saemtliche Verkehrsregeln bricht, sende ich einfach eine Nachricht, dass wir uns eine halbe Stunde verspaeten werden. Wir packen Huendin Arma ein und fahren los.

An der Tankstelle versorge ich mich mit Trockenfleisch und einem Keks. Mampfend betrachte ich waehrend der Fahrt die niedrig haengende Wolkendecke. Jedenfalls soweit es mir moeglich ist; mein Nacken tut immer noch reichlich weg und zwingt meinen Kopf in eine demuetige, zum Boden geneigte Haltung. Arma schmatzt laut und sabbert auf mich. Autofahren ist nicht ihrs.

Am Treffpunkt laden wir unser mitgebrachtes Gepaeck in den Truck eines Freundes, der uns zum Startpunkt bringen wird. Die Boote hat unser Freund zum Glueck schon gestern abgeholt – so konnten wir mit unserem Kombi die restliche Ausruestung fuer die Exkursion zum Treffpunkt transportieren.

Zur Einstiegsstelle in den Teslin River fahren wir im Auto mit unserem Freund Joe. Er beginnt zeitgleich mit uns eine Flusstour. Auf der Fahrt stelle ich alle wichtigen Fragen („Werden wir zusammen lagern?“ „Vielleicht.“ „Fahren wir zusammen zurueck?“ „Wird sich zeigen.“). Am Ziel angekommen, verbrate ich mein mitgebrachtes Geld im Motel. Ich fuelle Tyrels Thermoskanne mit Kaffee und meine mit Tee. Die dichter werdende Wolkendecke droht damit, dass wir uns spaeter nach ein wenig Waerme sehnen koennten. Als Mittagssnack wollte ich eigentlich Haehnchenfluegel mitbringen, aber die sind aus. Also gibt es sausage rolls, Bratwurstbraet im Blaetterteig. Von meinen letzten Dollars kaufe ich mir einen riesigen, bestimmt 20 cm Durchmesser Keks. Ich moechte weniger Zucker essen. Nicht aus Gewichtsgruenden, aber ich habe das Gefuehl mein Koerper rastet aus wenn ich Zucker zu mir nehme und manchmal fuehle ich mich direkt abhaengig. Und ich mag nicht gern abhaengig sein. Mit dem Weniger Zucker Essen fange ich aus Ermangelung an Versuchungen dann wahrscheinlich auf dem Fluss an. Nachdem ich den Moerderkeks gefuttert habe.

Unten am Fluss beginnt mittlerweile schon das Ausladen, Sortieren und Boote zusammenbauen. Zusammenbauen? Genau – wir muessen uns ja jedes Jahr steigern. 2017 ging es mit dem Kanu raus, 2018 mit unserem Aluboot… und 2019 einfach mit beiden Booten zusammengezurrt!

Eifrig helfe ich mit und fummle herum, bis ich die beste Befestigung zwischen Boot, Kantholz und Zurrgurt gefunden habe. Dabei beuge ich mich vorwaerts und Wasser laeuft in meinen rechten Gummistiefel.

Wow. Und das, bevor wir ueberhaupt losgefahren sind.

Ich sehe keinen Sinn darin, mein Missgeschick zu verkuenden. Die anderen wuerden nur wollen, dass ich meinen Innenstiefel und meine Socken wechsle. Und ich will einfach nur losfahren. Wortlos gehe ich ums Eck und wringe Innenstiefel und Socken aus. Als ich zurueckkomme, sind wir schon fast ablegebereit.

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Unser diesjaehriges Gefaehrt: Zwei Boote voller Ausruestung, verbunden mit Holz und Gurten.

Joe ist bereits vorgefahren und ausser Sicht, als wir ablegen. Unsere Freunde, die uns abgesetzt haben, warten am Ufer und winken. Warten daher um zu sehen, ob der Motor auch anspringt. Nach dem Disaster des letzten Jahres als wir Joes Abschleppdienst in Anspruch nehmen mussten, haben wir uns einen neuen Aussenbordmotor gekauft.

Der Motor ist sich der Verantwortung bewusst, die sein stolzer Preis mit sich brachte und springt sofort an. Waehrend er vor sich hinblubbert und warm wird, driften wir langsam flussabwaerts. Arma reckt den Hals zum Ufer und ueberlegt, ob sich ein Sprung noch lohnen wuerde. Dann legt Tyrel den Vorwaertsgang ein und wir beginnen die Reise.

Von Weitem sehe ich, wie die Trucks unserer Freunde abziehen. Dann befinden wir uns in der ersten Flussbiegung und sind ploetzlich einige Tagesreisen von der naechsten Ortschaft entfernt.

Der ganze Wahnsinn des Sommers rollt von meinen Schultern und gleitet lautlos ins kalte Wasser, das mich umgibt. Ich fuehle mich erleichtert und muede. Erleichtert, dass es diese Wildnis noch gibt. Diese alte Wasserstrasse, die uns erlaubt uns der Wildnis anzunaehern. Die vielen Seen und Baeche, die noch genuegend kristallklares Wasser ins Flussbett speisen. Die Abgeschiedenheit, die uns zwingt, im Hier und Jetzt zu sein, denken und handeln.

Solange ich spuere, dass es dies alles noch gibt, kann eigentlich gar nichts Schlimmes geschehen, denke ich mir und versuche eine angenehmere Position fuer meinen schmerzenden Nacken zu finden. Ich bin dieses Jahr wieder fuer die Navigation zustaendig und blaettere in der Flusskarte herum um mich zu orientieren. Ab und an verlaesst Arma ihren zugewiesenen Platz hinter mir und leistet mir Gesellschaft.

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Schaeferhundmixdame Arma und ich halten Ausschau im Boot.

Langsam geht es voran. Mit nur einem Boot waren wir auf unseren Probefahrten bedeutend schneller. Joe faehrt mit seinem schnittigen Frachtkanu uns flussaufwaerts entgegen. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Lagern heute Abend und Joe zischt wieder flussabwaerts.

Regen setzt ein.

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Arma mach Platz auf dem Sperrholz zwischen den Booten.

Nach einiger Zeit sind wir reichlich durchnaesst, auch durch unsere Regenkleidung. Am verabredeten Lagerplatz sehen wir Joes Boot schon von Weitem. Zwischen den Bueschen steigt Rauch auf. Eine Plane ist fuer uns gespannt, die den Boden trocken haelt. Paradiesische Zustaende!

Jetzt bin ich vor allem hungrig und müde. Tyrel schlaegt unser erstes Lager unter der bereits gespannten Plane auf, ich mache mich daran, das Abendessen vorzubereiten. Die Butter fehlt. Ich grabe im Boot nach Butter.

Tyrel folgt mir zum Boot, leise aber bestimmt.

Im Fluesterton ruft er mir zu:
„luisa! luisa!!
da kommt ein grizzly auf uns zu – 200 meter!
hol dein gewehr!“

Tyrels Armbewegungen folgend schaue ich nach links und kneife die Augen zusammen. Tatsaechlich, ein Baer trottet auf uns zu.

„HOL DEIN GEWEHR!!!“

Ich lasse die Butter Butter sein, gehe schnellen Schrittes zu unserem Lager und greife mein Gewehr. Auch dieses Jahr vertraue ich auf meine Savage Axis II bolt action 30-06, die uns schon einige Male Jagdglueck beschert hat.

Waehrend ich das Magazin hineinfummele, sehe ich dass Joe schon sein Elefantengewehr gezueckt hat. Wir schleichen herunter zum Fluss, denn der Baer trottet auf der grasbewachsenen Boeschung entlang. Doch durch unsere Anwesenheit laesst er sich nicht stoeren und kommt langsam naeher. Ich muss dreimal laden, bis ich tatsaechlich Munition in die Patronenkammer geladen habe. Komisch.

„Komm, wir gehen in Deckung und lassen ihn naeher rankommen.“, raet Joe.
Und:
„Ich lasse dir den ersten Schuss.“

Joe kniet zwischen zwei Bueschen und zielt. Ich suche mir mein eigenes Gebuesch und lege mich auf den Bauch, in die prone position. Die gelb eingefaerbten Schutzkappen von meinem Sucher werfe ich einfach neben mich und ziele.

Und ziele.

Der Grizzly kommt langsam naeher. Jeder Schritt erschuettert die hellen Spitzen seines Fells, was seine Erscheinung noch dramatischer macht.
Er wird langsamer.
Noch ca. 100 Meter.

Er schlendert in Richtung Dickicht.
Wird er uns vom Busch aus einen Besuch abstatten wollen?

Er hat den Busch fast erreicht.

Ich schiesse.

 

Alle Geraeusche sind dumpf und treten nur langsam hinter meinem Tinnitus hervor.

Schnell lade ich nach und eile zusammen mit Joe zum Ufer, in Richtung Baer.

„Ich hab ihn….. ich hab ihn.“, sagt Joe und zielt im Knien auf den Baeren, der querschnittsgelaehmt versucht, auf seinen Vorderpfoten zu entkommen.

Emotionen verspuere ich gerade keine; nur die Verantwortung, das Baerenleid so schnell wie moeglich zu beenden.

Nach zwei weiteren Schuessen steigt Dampf aus einem Loch im Brustkorb des Baeren. Er liegt reglos im Gras.

Wir geben ihm ein paar Minuten und naehern uns – Waffen geladen und gezueckt. Joe piekst ihm mit einem Stock ins Auge. Der Lidschlussreflex ist einer der letzten Lebenszeichen.

Der Baer ist tot.

Statt Trauer und dem grossen Warum, was ich sonst haeufig nach der Jagd empfinde, bin ich erfuellt mit einer tiefen Dankbarkeit. Ein so umfassendes Gefuehl, dass es durch meine Fussohlen in den Boden auszustrahlen scheint und mich mit dem Leben verankert, erdet, traegt.

Ich weiss nicht, wie ich diese Dankbarkeit genuegend ausdruecken kann. Zum Glueck bin ich vorbereitet und hole einen Beutel Tabak aus dem Lager. Ich streue eine grosse Hand voller Tabak um den Baeren und sage aus vollem Herzen: „Danke!“
Danke, du starker, maechtiger Baer, dass du dich uns gegeben hast!

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Toter Baer und ich.

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Die Abschussstelle: Auf einer Uferwiese vor wolkenverhangenen Bergen.

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Ich hebe den Kopf des Baeren an.

Als ich das Geschlecht des Baeren bestimmen moechte, kratze ich erst meinen Kopf. Weder Vulva noch Hodensack sind zu erkennen. Aber die buschige Penisspitze sehe ich. Passt aber zusammen mit der geringen Koerpergroesse; dieser Baer ist ein junger, maennlicher Baer. Oft gehen Konflikte oft von dieser Gruppe aus. Sie sind sehr selbstbewusst, aber noch nicht erfahren genug um Situationen richtig einschaetzen zu koennen.

Ich frage Joe, wer von uns beiden seine Abschussgenehmigung (tag) an den Baeren heftet. Immerhin haben wir ihn zusammen erlegt.
„Es ist dein Baer.“, bestimmt Joe.
„Ok…“, ich entwerte mein tag und befestige klemme es dem Baeren zwischen die Zaehne.

Langsam merke ich meinen Hunger wieder. Wir haben einige Stunden Arbeit vor uns, da brauchen wir eine Staerkung. Zurueck am Boot finde ich schnell die Butter und bereite eine Pfanne zu aus gefrorenen Bratkartoffeln, Wuerstchen und Gemuese. Joe, Tyrel und Arma bauen einen Wetterschutz fuer den Baeren, es regnet immer noch. Arma zeigt keine Angst vor dem toten Baeren, wie es fuer Hunde ueblich ist. Eifrig leckt sie Baerenblut und wird ausgeschimpft, wenn sie ins Baerenfell beisst. Tyrel hat uebrigens auf die Schnelle keine Leine gefunden, als der Grizzly auftauchte und sich daher zusammen mit Arma im Hintergrund gehalten.

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Zwei abgespannte Planen sorgen fuer Regenschutz beim Zerteilen des Baers.

Als wir ein paar Happen essen, fragt mich Tyrel, ob und wieviel Hilfe ich haben moechte, den Baeren zu verarbeiten. Auf jeden Fall moechte ich alleine anfangen und wuerde Tyrel und Joe Bescheid sagen, wenn ich Hilfe haben moechte.

Also steige ich nach kurzem Essen alleine mit Gewehr und Messer zum Baerenzelt hinunter. Zuerst muss der Baer auf den Ruecken gedreht werden, damit ich mit dem Haeuten beginnen kann. Jede Bewegung des Oberkoerper laesst Luft und Blut in der Baerenlunge rasseln und ich spuere die Vibrationen, wenn der tote Baer unter mir knurrt und stoehnt.

Meine Haende sind blutverschmiert, ich bin klitschnass und muede und sehe daher davon ab, Bilder zu machen.

Den ersten Schnitt setze ich direkt unterhalb des Brustbeines und ziehe eine moeglichst gerade Linie bis zum Anus. Auf dem Weg finde ich auch den Penis und den Hodensack. Die Hoden selbst waren noch nicht hineingewandert. Ich schneide um den Anus herum und versuche eine geeignete Linie an der Innenseite der Hinterlaeufe entlang zu finden. Bis zum Knie und zum Knoechelgelenk. Dann gehe ich wieder zum Brustbein und schneide gerade nach oben, bis zu den oberen Halswirbeln. Wieder suche ich eine geeignete Stelle, um die Innenseiten der Vorderlaeufe einzuschneiden.

Da meldet sich mein Nacken heftigst.

Stimmt, der tat mir ja weh!
Wie hab ich es eigentlich geschafft, mich vorhin rambomaessig auf den Boden zu werfen ohne einen Hauch von Unwohlsein?!

Joe, Arma und Tyrel kommen und begutachten meinen Fortschritt. Die Nacht rueckt immer naeher und dankbar nehme ich Hilfe an. Zu dritt haeuten wir den Baeren und trennen Vorder- und Hinterlaeufe vom Rumpf ab. Dann erst weiden wir aus. Erstens kann das waermste Fleisch (um die Hueftpfannen herum) so schon auskuehlen. Und zweitens ist das meiste Fleisch schon aus dem Weg, falls beim Ausweiden z.B. Darminhalt oder Galle auslaeuft.

Mittlerweile bin ich wirklich muede, habe verdammt starke Nackenschmerzen und bemerke, dass mein rechter Fuss immernoch nass ist und bei jedem Schritt im Stiefel schmatzt und schwappt. Joe und Tyrel erklaeren und halten den Baeren geduldig, sodass ich trotzdem noch meine Arbeit beenden kann. Nur als wir zu dem Schritt kommen, das Schambein mit der Axt zu durchtrennen, bitte ich Tyrel, mir auszuhelfen. Einen Axtunfall muss ich durch meinen Zustand nicht hinaufbeschwoeren.

Schliesslich haben wir fuenf Beutel Fleisch und einen Pelz mit Schaedel und Pfoten. Schoene Krallen hat der Baer. Joe beaeugt die Krallen und bemerkt: „Vielleicht schuldest du mir eine der Krallen…“ „Klar!“, stimme ich zu. Die Haelfte des Fleisches bekommt er auch. Was immer wir auf diesem Trip zusammen erjagen, wollen wir teilen.

In den Eingeweiden greift Joe nach der Leber und der Blase, die an der Leber haengt. „Das ist die Gallenblase. In der chinesischen Medizin werden ihr sehr heilende Kraefte zugeschrieben. Die Chinesen in Vancouver wuerden sie dir fuer viel Geld aus den Haenden reissen. Getrocknet zermahlen sie die Galle zu Pulver und nehmen das in Kapselform ein. Aber verkaufen darfst du sie nicht. Du kannst dir ueberlegen, was du damit machst.“

Nachdem ich mich und meine Regenkleidung notduerftig im kalten Flusswasser gewaschen habe, bringe ich mein mittlerweile versandetes Gewehr und die Messer zum Lagerplatz. Waehrend ich die ersten Schnitte gemacht habe, hat Tyrel schon unsere Feldbetten und Schlafsaecke bettfertig bereitet. Was fuer ein himmlischer Anblick!

Doch zunaechst muss ich noch einmal zum Boot gehen. Endlich muss mein rechter Fuss trockengelegt werden, bevor ich noch trench foot (Schuetzengrabenfuss / Fussbrand) bekomme. Am Boot treffe ich einen fassungslosen Tyrel. Er war damit beschaeftigt, den Baerenpelz auszuwaschen und so auf das Boot zu drapieren, dass der Regen die Hautseite weiter auswaescht. Dann hat er sich gefragt wo Arma ist, die vor ca. zwei Minuten noch um ihn herum gelaufen ist. Arma, bzw. ein leuchtendes Augenpaar in schwarzer Nacht kam von der Abschussstelle auf ihn zugelaufen. Und mysterioeserweise hatte Arma einen vollen Bauch, obwohl es noch kein Abendbrot fuer sie gab…

Tyrel ging also mit ihr zurueck um zu schauen, was sie gefressen hat. Zum Glueck hat sie nicht versucht, sich durch die Fleischsaecke zu nagen! Aber ein riesiges Stueck Grizzlyleber fehlt. Oh, Arma…

Auf das gewoehnliche Abendessen verzichtet Arma. Ich wuerde ja den Kopf schuetteln, aber ich kann meinen Nacken nicht bewegen und bin nicht sicher, wie ich in den Schlafsack kriechen kann. Irgendwie geht es dann doch. Nachdem der Fuss getrocknet ist. Und ich noch einen grossen Teller Bratkartoffelpfanne hatte.

Das Schlusswort an diesem Abend geht an Joe, als ich stoehnend auf dem Feldbett liege.

„Wer kam eigentlich auf die Idee, in die Wildnis zu gurken und wilde Tiere zu toeten?!“
„Du stellst die richtigen Fragen…“
„Heute gebe ich dir die Schuld!“

„Ich nehme alles auf mich.“, entgegne ich, waehrend ich versuche meinen Nacken fuer die Nacht zu stabilisieren.

Ein bisschen zweifle ich schon an meinem Verstand. Koennte ich doch jetzt auch wie meine Arbeitskollegen meinen Urlaub verbringen und in Mexico oder in Hawaii am Strand liegen. Aber ich weiss, dass dieser Gedanke vorueberziehen wird und etwas Positives bleibt. Das Ergebnis von uebernommener Verantwortung, harter Arbeit, starkem Willen und Abenteuerlust:

Viele zukuenftige Mahlzeiten mit Fleisch, das mich ohne Reue oder Zweifel ueber dessen Herkunft naehren wird.
Geteilte Abenteuergeschichten, vor dem Lagerfeuer unter dem praechtigen Sternenhimmel des Yukon.
Erinnerungen, an das ueberwaeltigende Gefuehl der Dankbarkeit.
An den Grizzlybaeren, der sein Leben fuer uns gab.