Unterwegs

Wieder da aus der Senke!

Alles neu macht der August – neuer Job, neuer Stellplatz vom Wohnwagen und neuerdings auch kein Richard mehr in Kanada zu Besuch.

Aber freundlicherweise gewaehrt uns der gute Richie einen Einblick in das, was er so alles im Yukon an Ein- oder auch Ausblicken gehabt hat.

Mit einem Mopped hat er fuer einen Monat des Yukon und auch Teile Alaskas unsicher gemacht. Wenn das nicht nach Postkartenbildern riecht!!!

Vor etwas ueber einem Jahr habe ich zudem meine Haarpracht gekuerzt – und zum Glueck nach einem Jahr daran gedacht, ein Vergleichsbild zu schiessen!

Fazit: Am Modestil hat sich nicht viel geaendert. Dunkle Hose, Guertel, schwarzes Tank Top und Bundeswehrhemd drueber. Die Haare sind wieder laenger aber insgesamt sehe ich… irgendwie geloester aus. Und… Ich habe ein Muttermal?! Ach nee doch nicht ^^

Nachdem ich jetzt schon die ersten Tage im neuen Job verbracht habe und das groesste Schlafdefizit vom Umzug nachholte, werde ich dann auch hoffentlich wieder oefteriger zum Schreiben kommen. Auch ueber den neuen Job 🙂

 

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Atlin Arts and Music Festival

Durch einen Todesfall in der Familie ihres Freundes verging meiner Arbeitskollegin die Lust auf die Teilnahme am Atlin Arts and Music Festival (kurz AAMF). Kurzerhand kaufte ich also ihre Karten ab und machte mich mit Richard auf den Weg nach Atlin.

Atlin ist eine kleine Ortschaft, die ca. 2 Fahrtstunden und knapp 200 km von Whitehorse entfernt ist. Besonders an Atlin ist, dass es nur eine Zufahrtsstrasse aus dem Yukon besitzt, aber in der Provinz British Columbia (kurz BC, Hauptstadt ist Vancouver) liegt. Ca. 400 Leute wohnen das ganze Jahr ueber in Atlin, allerdings gibt es keinen Buergermeister, keine regionale Verwaltung oder sonst was. Alles, was es gibt, ist der riesige See Atlin Lake, der von wunderschoenen Bergen umgeben ist und von Gletschern gespeist wird. Und einmal jaehrlich ein Musik- und Kunstfestival.

Atlin bei Sonnenschein ist wirklich zauberhaft. Jedoch hatten wir nur Samstag dieses Privileg, Freitag und Sonntag goss es unentwegt. Aber das war schon okay so, immerhin war man da auch mit An- und Abreise beschaeftigt.

Anders als die Metal- und Gothicfestivals, bei denen ich in Deutschland Stammkunde war, ist das AAMF sehr familienorientiert. Es gab einen riesigen Sandhaufen auf dem Festivalgelaende und viele Aktivitaeten fuer die Kleinen. Auch das Kuenstlerische ist nicht zu unterschaetzen. Im kleinen oertlichen Kinosaal gab es reichlich Vorstellungen, die man sich als Festivalbesucher ansehen konnte. Zwei Kurzfilme, die im Yukon produziert wurden, gefielen mir ganz gut aber der Film Manifesto mit Cate Blanchett war so erzwungen kuenstlerisch und nervig, dass ich erst dreimal wegnickte und dann doch lieber den Saal verliess.

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Beverly Gray referiert auf einer Wiese ueber yarrow, zu deutsch Schafgarbe.

Von den kuenstlerischen Angeboten besuchten wir zum einen eine Lehrstunde fuer nordindische Taenze, sogenannten Bhangra, bei Gurdeep, mit dem wir uns spaeter noch anfreundeten. Zum anderen gingen wir mit der Kraeuterfrau und Autorin aus Whitehorse, Beverly Gray, auf einen einstuendigen Kraeuterspaziergang. Schwerpunkte waren die Heilwirkungen von dandelion (Loewenzahn), plantain (Wegerich) und yarrow (Schafgarbe). Hoechst interessant und wert, sich mehr damit zu beschaeftigen. Ihr Buch habe ich jedenfalls schon laenger bei mir zu Hause und es hat mir maechtig geholfen mit meinen Blasenentzuendungen.

Festivalstimmung, so wie ich es kannte, kam bei mir jedoch nicht so recht auf. Ein Grund dafuer war mit Sicherheit, dass man zum Verzehr von Alkohol in einen abgesperrten Bereich gehen musste und die Buehne durch einen hohen Zaun aus der letzten Reihe betrachten konnte. Aber davon ab waren die meisten Musiker auch nicht so gut, dass sie mich vom Hocker gerissen haetten. Eine Ausnahme gab es gluecklicherweise doch! Ich kam in den Genuss die Musik von Ben Caplan kennenzulernen!

Hier der Youtube Link zu einem seiner Lieder!

Alles in allem hatte ich trotz der unterschiedlichen Auffassungen von Festivals eine gute Zeit. Neben Ben Caplan hatten meine Freunde Bella und Richard, sowie der indische Tanzlehrer Gurdeep daran einen erheblichen Anteil. Und Atlin selbst ist wirklich wunderschoen und definitiv nochmal einen Besuch wert, wenn die Besucherscharen alle ausgeflogen sind!

Vor allem, als ich Samstag Nacht zum Zelt zurueckging, erwischte ich eine wunderschoene Stimmung am Hafen von Atlin. Dank Mondschein und Mitternachtsdaemmerung konnte ich auch um 00:30 h noch Bilder ohne Blitz nur mit meinem Smartphone aufnehmen.

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Im stillen See spiegeln sich die Berge, auf denen auch im Hochsommer etwas Schnee liegt.

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Ein paar Boote liegen malerisch im Hafen und werden vom Mond daemmerig beleuchtet.

Nicht zum Festival gehoerig aber was ich trotzdem noch loswerden muss:

Heute morgen habe ich wieder ein Auto gesehen, welches in die Kategorie „Ein Leben ohne deutschen TUEV“ gehoert!

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Anscheinend ist der Fahrzeugfuehrer Tischler und nicht Glaser. Die Fenster zum Kofferraum dieses Kombos (oder Vans?) sind mit solidem Holz vernagelt worden.

Erfrischung gefaellig?

Da mich zur Zeit reichlich Nachrichten ueber die Bullenhitze in Deutschland erreichen, moechte ich gerne fuer etwas digitale Abkuehlung sorgen:

Letzten Samstag war ich mit Bella wandern. Zusammen haben wir White Mountain am Little Atlin Lake bezwungen, was verdammt steil war.

Es war ein kuehler, regnerischer Sommertag. Nachdem wir uns ueber die Baumgrenze gehieft haben, gab es schon einen tollen Ausblick auf den Little Atlin Lake zu bewundern.

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Grau in grau verschwimmen See, Regenwolken und Berge im Hintergrund. Im Vordergrund lassen kleine Baeume erahnen, dass wir schon ganz schoen hoch gestiefelt sind.

Zum Teil war der Aufstieg so steil, dass man klettern musste. Nach der Klettertour sahen wir zum Glueck, dass es einen alternativen Weg ohne Kletterpartie gab. Das war fuer den Rueckweg sehr hilfreich.

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Steil steil geht es eine felsige Partie hoch. Immerzu sind wir dabei einem Kabel gefolgt, dass den auf dem Berg befindlichen Sendemast mit STrom versorgte.

Als wir endlich oben waren, wurden wir Mitte Juni von einem Schneesturm ueberrascht. Jedoch konnte uns das nicht vom Picknick abhalten, immerhin waren wir hungrig!

Das Picknick endete jedoch nicht mit einem vollen Bauch, sondern eher mit Fingern, die sich nicht mehr richtig bewegen lassen vor Kaelte. Also gehts bergab, so wird man auf jeden Fall wieder warm!

So, liebes Deutschland! Sommer geht auch anders. Und wenn dem Einen oder Anderen eben kurzfristig das Schwitzen vergangen ist, wird es mir ganz warm ums Herz. 😉

Sourdough Rendezvous

Letzte Woche stand Whitehorse ganz im Zeichen der Sourdough Rendezvous – eine Woche voller Aktionen und Jahrmarktstimmung zur Erinnerung an die Zeit des Goldrausches vor gut 100 Jahren.

Sourdough wurden die Goldsucher genannt, die ihren ersten Winter im Yukon ueberlebt hatten. Meist war ihr groesster Schatz immer noch der Sourdough, zu deutsch Sauerteig, der sie den Winter ueber mit frisch gebackenem Brot ernaehrt hat.

Am Samstag begab ich mich dann auch ins Getuemmel fuer Yukon-Verhaeltnisse. Es waren bestimmt einige Hundert Leute auf dem Festgelaende und das schon um die Mittagszeit! Natuerlich nicht zu vergleichen mit der Sommerzeit, in der Whitehorse zu einer Touristenhochburg wird. Und auch zum Hundeschlittenrennen Yukon Quest ist mehr los. Aber fuer den Otto-Normal-Winter… nicht schlecht!

Der internationale Schneeskulpturen-Wettbewerb bat ca. 15 Exponate auf. Die meisten waren irgendwie abstrakt aber ich habe eine Darstellung einer aelteren Dame mit Hund, Katze, Buechern und Geschirr bewundert.

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Eine aeltere, wohlgenaehrte Dame im Unterhemd beugt sich nach vorne, um ihrem Maennchen machenden Hund einen Kuss auf die Schnauze zu geben. Eine Katze schaut fragend zu ihr hoch. Im Hintergrund ein zerknautschtes Sofa mit weiterer Katze und ein Beistelltisch mit Teekanne, Tasse und Loeffel und einigen unordentlichen Buechern. Nicht im Bild: Hinter ihrem Ruecken haelt die Dame einen Knochen! Alles aus Schnee geformt und ca. 4 bis 5 Meter gross!

An den Essstaenden entschied ich mich fuer eine kanadische Spezialitaet, die stereotypischer nicht sein koennte. Ich ass maple toffee, also Ahorn Toffee. Das stellt man her, indem man Ahornsirup auf eine bestimmte Temperatur erhitzt und dann auf ein Holzstaebchen in den Schnee giesst. Fertig ist der Ahornsirup Toffee-Lollipop und das kanadische Grinsen gibt es gleich mit dazu.

Nach einem kurzen Abstecher ins geheizte Festzelt (die militaerische Artillerie-Jazz-Band aus Edmonton spielte mitreissende Stuecke) ging es weiter zu dem Punkt, warum ich unbedigt heute hier her wollte: Um 11 Uhr fand das Flour Packing (Mehlpacken) statt. Um zu Zeiten des Goldrausches nach Kanada einreisen zu koennen, musste jeder einzelne an der kanadischen Grenze vorweisen koennen, dass er genuegend Essen und Ausruestung bei sich fuehrt, um mindestens ein Jahr ueberleben zu koennen.

Die Northern Pacific Railroad Company veroeffentlichte folgende Ausruestungsliste fuer Goldsucher, die in den Norden aufbrechen, im Jahr 1897 :

  • 150 Pfund Speck
  • 400 Pfund Mehl
  • 25 Pfund Haferflocken
  • 125 Pfund Bohnen
  • 10 Pfund Tee
  • 10 Pfund Kaffee
  • 25 Pfund Zucker
  • 25 Pfund getrocknete Kartoffeln
  • 2 Pfund getrocknete Zwiebeln
  • 15 Pfund Salz
  • 1 Pfund Pfeffer
  • 75 Pfund getrocknete Fruechte
  • 8 Pfund Backpulver
  • 2 Pfund Backnatron
  • 1/2 Pfund Essigessenz
  • 12 Unzen Bruehe
  • 1 Dose Senf
  • 1 Dose Streichhoelzer (fuer vier Mann)
  • 1 Holzofen (fuer vier Mann)
  • Goldwaschpfanne
  • Ein Satz hochbeanspruchbare Eimer
  • Ein grosser Eimer
  • Messer, Gabel, Loeffel, Tasse und Teller
  • Bratpfanne
  • Tee- und Kaffekanne
  • Schleifstein
  • 2 Spitzhacken und eine Schaufel
  • Saege
  • Gurte
  • 2 Aexte und ein Reservegriff (fuer vier Mann)
  • 6 Feilen (8 Zoll lang) und 2 Spitzfeilen (fuer die Gruppe)
  • Abziehmesser, Bohrwinde, Kurzraubank und Hammer (fuer die Gruppe)
  • 200 Fuss langes Seil (drei Achtel Zoll dick)
  • 8 Pfund Pech und 5 Pfung Werg (fuer vier Mann)
  • Naegel, jeweils 5 Pfund der Groessen 6, 8, 10 und 12 Penny (fuer vier Mann)
  • Zelt, 10 x 12 Fuss gross (fuer 4 Mann)
  • Grober Leinenstoff zum Einpacken
  • 2 Wachstuecher fuer jedes Boot
  • 5 Yards Moskitonetz
  • 3 Paar warme Unterwaesche
  • Schwerer Wollmantel
  • 2 Paar schwere Wollhosen
  • Schwerer Gummimantel
  • 1 Dutzend schwere Wollsocken
  • 6 schwere Wollfaeustlinge
  • 2 schwere Pullover
  • 2 Paar schwere, reissfeste Gummistiefel
  • 2 Paar Schuhe
  • 4 Decken (fuer zwei Mann)
  • 4 Handtuecher
  • 2 Overalls
  • 1 Satz Oeltuchkleidung
  • Einige Satz Sommerkleidung
  • Kleine Auswahl Medikamente

Dabei kommt man fuer eine Person locker auf das Gewicht einer Tonne notwendiger Ausruestung, die man an der kanadischen Grenze vorzeigen muss. Zuerst musste diese Ausruestung aber ueber Bergpaesse viele Kilometer auf dem Ruecken getragen werden, wollte man ueber die kuerzeste Route, den Chilkoot Trail einreisen. Einige First Nations standen bereit, beim Tragen zu helfen, allerdings liessen sie sich das entsprechend bezahlen. Meist mussten die Goldlustigen unzaehlige Male hin- und zuruecklaufen, um wirklich alles ueber die Bergpaesse transportiert zu haben.

Das Flour Packing erinnert an diese wahnsinnigen Unternehmungen jedes einzelnen, den das Goldfieber gepackt hat. Ich habe den ersten Teilnehmern zugejubelt, gestartet wurde mit den Frauen. Dabei war das Qualifizierungsgewicht 343 Pfund (= 156 Kilogramm), dass in Form von Packrahmen und Mehlsaecken 50 Fuss weit (= 15 Meter) getragen werden musste.

In frueheren Jahren sind die Teilnehmer einfach zusammengebrochen, wenn sie nicht mehr konnten. Heute wurde ein portabler Rahmen gebaut, der mit den Teilnehmern mittfaehrt und die Last mit einem Sicherungskabel auffaengt, sollten sie es nicht mehr halten koennen.

Nach einigen Teilnehmern wurde meinen Begleitern zu kalt und wir machten uns weiter auf Entdeckungstour. Das Internet verraet aber, dass der Langzeitrekord bei Frauen im Mehlsacktragen 664 Pfund (= 301 kg) und bei Maennern bei 1002 Pfund (= 454 kg) liegt. Mir hat sich schon beim Zusehen das Kreuzdarmbein verklemmt.

Weiter ging es zum Ein-Hund-Lastschlitten-Ziehen. Der Hund wird an einen mit Gewichten beschwerten Schlitten geschirrt und wird dann vom Herrchen 60 Sekunden lang ermuntert, zu ihm samt Schlitten ueber die Ziellinie zu laufen. Den meisten Hunden sah man an, dass sie beim Training wohl kein Publikum und Jubelstuerme gewohnt waren. Sie blieben einfach sitzen oder bellten ein wenig und wussten nicht mehr so recht, was sie tun sollten. Nach 60 Sekunden zogen dann Helfer den Schlitten samt Hund zum Herrchen, um das Erlebnis fuer den Hund trotzdem erfolgreich zu machen.

Doch eine schwarze Mischlingshuendin mit 60 Pfund (= 27 kg) Lebensgewicht hatte so viel Vertrauen zu Herrchen und Spass am Schlittenziehen, dass sie schwanzwedelnd ganze 280 Pfund (= 127 kg ) zu ihm zog! So viel schaffte noch nicht mal der bullige Malamut mit 94 Pfund Koerpergewicht (= 43 kg) nach ihr. Da sieht man, wie entscheidend das Training und die Motivation des Hundes ist.

Die ganze Woche war mit Wettbewerben wie Axtwerfen, Wettheulen mit Hund, Wettsaegen, Kostuembaellen und weiteren Aktionen gesaeumt. Doch uns war es fuer den Tag genug und fuhren zurueck ins warme Haus um einige Runden Karten zu spielen und zu quatschen.

Camping Trip in den Winter

Es war soweit, Tyrel und ich haben unseren ersten Camping-Trip gemacht!

Leider sind wir erst relativ spaet losgekommen, hat aber nicht geschadet. Mit jeweils 40 Pfund Gepaeck auf den Ruecken ging es in die Berge, einige Stunden entweder durch angefrorene Suempfe, Weidenbuesche oder ueber Geroell. Jedenfalls immer bergauf und dem Schnee entgegen.

Je hoeher wir wanderten, desto mehr war der Boden von Flechten bedeckt. Sie lassen den Boden gelb-gruenlich geheimnisvoll leuchten.

Auch ein riesiger Wolf muss vor kurzem hier vorbeigekommen sein. Habe aber weder Brot, Wein, noch Rotkaeppchen gefunden. Sie bewundert wahrscheinlich seine grossen Koerperteile. So war das doch, oder?!

Schliesslich kamen wir nach einigen Stunden im Halbdunkeln an unserem Campingplatz an, etwas unterhalb des Passes nahe eines kleinen Flusses. Beim Zeltaufbau hat es gehagelt, geschneit und gestuermt aber kurz danach beruhigte es sich schon wieder. Noch nie habe ich meine Socken so qualmen sehen wie an diesem Abend, als ich die Gummistiefel ausgezogen habe (Ja, Gummistiefel. Ihr erinnert euch an die Suempfe, die es zu durchqueren galt?).

Tyrel hat schnell ein Feuer gemacht von dem Totholz, das wir ein paar Kilometer den Berg mit hochgetragen haben. Waehrend ich meinen neuen -40 Grad Celsius Schlafsack ausgerollt habe, ist das Wasser in den Trinkflaschen schon angefroren. Eine volle Flasche ist daher mit in meinen Schlafsack gewandert. Zusammen mit mir, frisch eingepackt in trockene Wechselklamotten. Noch schnell etwas warme Kaese-Maccaroni einverleibt und schon gingen die Lichter aus.

Von der Nacht kann ich nicht viel berichten, ausser dass es um 8 Uhr morgens -5 Grad im Zelt waren. Es war definitiv eine Nacht in der man sich wuenscht, man haette der Werbung von Granu Fink dereinst mehr Beachtung geschenkt.

Morgens fand ich meinen naechtlichen Atem gefroren auf meinem Schlafsack wieder. Die vernachlaessigte Wasserflasche folgte diesem Beispiel und begruesste mich als Plastik-Eisklotz.

Schnell irgendwie aus dem Schlafsack pellen und erneut Feuer machen. Zum Fruhstueck gab es den Kaese-Maccaroni-Rest zusammen mit Curry-Hefeteig-Taschen, die zwei Tage vorher mit Hackfleisch und Gemuese gefuellt habe.

Nur wenige hundert Meter ueber uns auf dem Berghang beobachteten einige Dall-Schafe ganz genau, was wir so treiben, waehrend sie Sonne tankten. Wir haben sie schon den Abend zuvor gesehen, allerdings war es zu dunkel um Bilder zu schiessen.

Nachdem wir das Camp wieder in unsere Rucksaecke verfrachtet haben, liefen wir den restlichen Weg den Bergpass hinauf. Auf dem Weg trafen wir etliche gut getarnte ptarmigan (Schneehuehner) sowie einen reichlich speckigen gopher (Erdhoernchen), bei dem die Paleo-Diaet beim besten Willen nicht anzuschlagen zu scheint.

Schliesslich, endlich waren wir da. Falls sich jemand bis hierher gefragt haben sollte „Wozu das Ganze?“: Dafuer!

Eine wahnsinnige Aussicht, die klarste Luft die man sich vorstellen kann und ein Gefuehl grenzenloser Freiheit. Das bekomme ich nicht im Fuenf-Sterne-Hotel oder beim Computer-Spielen. Dieses Gefuehl der Lebendigkeit treibt mich an.

Und das beste daran: Jetzt hab ichs gleich vor der Trailertuer! 🙂

Der Bergpass heisst uebrigens Marmot Pass, auf deutsch Murmeltier-Pass. Auf dem Weg hoch haben Tyrel und ich uns einige Zeit lang auf verballhorntem Japanisch unterhalten. Jetzt heisst der Pass fuer uns Marimoto Passu. Sehr international. Hai.

Roadtrippin‘

Jedes Mal, wenn wir auf dem Highway rechts überholt werden, bäumt sich der kleine Deutsche in mir auf und ruft: „Das ist ja un-er-hört!“
Aber hier vollkommen legal. Und da hier eh niemand rast, passiert auch nichts.

Als wir Edmonton langsam verlassen, werden die Brücken weniger und der Horizont wird weiter. Bis es bergig wird, dauert es allerdings noch etwas.

Erster Stopp nach 300 km zum Tanken: Fox Creek.
Nochmal 189 km auf dem Tacho und Tanken: Clairmont. Das lustige Blubbern des Trucks hat sich mittlerweile in ein konstantes Dröhnen verwandelt und mir ist schummerig zumute.
Nach weiteren 121 km halten wir an für die Nacht, irgendwo vor Dawson Creek.

Der nächste Morgen enthüllt das laute Dröhnen des Trucks: ein Loch im Auspuff. Macht Sinn. 🙂 Um 6:50 h sind wir wieder auf der Straße.

Nach 90 km erneut Tanken in Fort St. John. Außerdem kaufen wir hier die beiden Schlafsäcke, die wir in Edmonton vergessen hatten zu kaufen. Dank jeder Menge Winterklamotten an Bord war die Nacht trotzdem nicht allzu frisch. ^^

290 km später haben wir seit langem keine Tankstelle mehr gesehen. Zum Glück haben wir die Benzinkanister dabei und füllen 60 Liter in den fast leeren Tank.

Unser nächster Stopp findet nach weiteren 82 km in Fort Nelson statt. Alles wird wieder aufgetankt und ich debütierte bei Domino’s Pizza. Eigentlich bevorzuge ich ja dünne, knusprige Pizzen, daher graut es mir schon vor dem Teigungeheuer, was gleich aus dem Ofen glibben wird. Aber entgegen meiner Befürchtungen ist der Boden knusprig-fluffig und nicht zu dick. Zu der Pizza ordere ich einen KÄääse-Jalapeño-Dip. Und endlich erschließt sich mit der Sinn vom Pizzarand. Nein, er ist nicht dafür gedacht, ihn liegenzulassen (da trocken und sinnlos) oder ihn sich reinzuwürgen (in Afrika verhungern sonst noch mehr Kinder als sowieso schon – ihr wisst schon). Der Sinn der Kruste ist, sich damit noch mehr Käsesoße reinzuschaufeln!!!

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Nachdem diese essenzielle Fragestellung endlich beantwortet wurde, sind wir auch schon wieder unterwegs für 348 km, bis wir erneut die Benzinkanister bemühen müssen irgendwo vor Watson Lake. Zwischenzeitlich machen wir viele Tierbeobachtungen. Ein paar Schafe, ca. 7 Schwarzbären, Elche und sogar ein Luchs! Leider sind fast alle zu schnell vorbei, als dass man sie fotigrafieren könnte.

Das Highlight ist jedoch eine Straßenblockade durch eine Bison-Gang. Die eine Serie der Straße säugt die Jungen, während sich die andere ordentlich prügelt. Atemberaubend schön 🙂

Danach wiederholt sich eigentlich alles. Fahren, tanken, schlafen, irre schöne Landschaft. Nur Watson Lake besticht noch durch den skurrilen Schilderwald. Jeder kann hier gerne seine Kennzeichen oder Ortsschilder auf der Durchfahrt nach Alaska abgeben. Sogar aus Osterode im Harz war schon jemand hier!

Einige Tage waren wir so unterwegs. Doch so schön es auch war, noch schöner ist es anzukommen. ❤