Schnee

Mein lieber Winter

Mein lieber Winter,

immer wieder lockst du mich mit warmen Farben aus dem Haus.

Laesst mich wandern, laesst mich wundern. Spielst mit Farben, Bergen, Wolken.

Morgens laesst du dir einen dramatischen Auftritt einfallen fuer die helle Tageszeit. Erst kuendigst du mit Wolken an.

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Ueber einer noch dunklen, schneebedeckten Landschaft sind einzelne Wolken hell erleuchtet.

Wo sonst Bergketten den Horizont markieren, hast du heute einen Vorhang zugezogen.

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Hinter schwarzen Tannen kann man nur erahnen, dass Berge hinter den Wolken versteckt sind.

Du laesst mich weiter wandern um den richtigen Ausblick zu haben.

Selbst ein Spaziergang auf einer oeffentlichen Strasse scheint mit dir wie eine Wanderung im Gemaelde.

Auf dem Rueckweg laedst du mit den ersten Strahlen zum Staunen ein.

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Die goldene Sonne geht auf und wirft ein paar Strahlen auf die Strasse vor mir.

Vom Huegel auf unserem Grundstueck bewundere ich noch ein wenig deine Schoenheit, bevor ich mich wieder auf uns warme Haus mache.

Ich liebe die Morgenstimmung am meisten. Doch auch am Nachmittag bestichst du mit deinen Reizen.

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Die Sonne kurz vor dem Versinken im Westen ueber der Schneelandschaft.

Die Fussspuren im Schnee sind tief, der Himmel ist blau und alles so weiss.

Doch dein Schnee ist nicht nur weiss. Er hat viele verschiedene Schattierungen und Strukturen.

Mein lieber Winter, musst du auch bald gehen, ich freu mich schon auf deine Rueckkehr. Und auch du freust dich schon auf mich. Sonst wuerdest du mich nicht so fest in die Wangen kneifen, bis sie ganz rot werden!

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Morgens halb 4 in Kanada

Schon 3:30h und hoechste Zeit aufzustehen!

Der Blick ist noch ganz verschwommen durch die Augenpopel, die um diese Uhrzeit noch nicht den Ausgang bei der Traenendruese gefunden haben. Trotzdem finde ich den Weg ins Badezimmer und stecke mir die Zahnbuerste in den Hals. Da sehe ich eine Nachricht, die mich stutzig werden laesst: Tyrel bittet mich darum, ihn aufzuwecken! Um diese Uhrzeit!

Seiner Bitte nachkommend hole ich ihn aus dem Lummerland und frage nochmals nach, ob er denn wirklich aufstehen moechte. Immerhin muss er erst in sieben Stunden zur Arbeit. Er entgegnet eine Frage: „Kannst du nachgucken, wie viel Schnee auf den Auto liegt?“ Ich stapfe zum Fenster an der anderen Seite des Hauses und schiele aufs Auto. „Nur ein bisschen Puderschnee, alles gut.“ „…ich habe die Einfahrt geraeumt!“ Erneutes Stapfen zum Fenster. „Oh wow, vielen Dank!!“ „Erst habe ich begonnen zu Schaufeln aber dann habe ich einen Redneck Plow gebaut. Ich fahre mit dir die Einfahrt hoch um dir zu zeigen, wie super das geht!“

  1. Unsere Einfahrt ist ca. 700 Meter lang mit beachtlichem Gefaelle (zum Haus geht es bergab) sowie Unebenheiten.
  2. Es hat diesen Winter ziemlich viel geschneit fuer Yukon Verhaeltnisse (Waden- bis kniehoch).
  3. Als Redneck Plow bezeichnet man einen Schneepflug, der notduerftig aus vorhandenen Materialien zusammengezimmert wurde und der hinter einem Truck gezogen wird.
  4. Tyrels Redneck Plow besteht aus zu einem Balken zusammengefuegten Holzlatten.

Moment… wenn er sich sicher ist, dass das super funktioniert, warum steht er dann um diese Uhrzeit auf?

Ich mache mich schnell fertig. Schliesslich mag ich es ueberhaupt nicht, zu spaet zur Arbeit zu kommen. Und gestern bin ich mit dem Auto eher die Ausfahrt hochgeschwommen statt gefahren.

Vor Ort stelle ich fest, dass der Schnee irgendwie verdichtet ist und ich darauf gehen kann. Scheint also geklappt zu haben das mit dem Schneeraeumen.

Nach ca. 7 Minuten hat Tyrel noch vor dem Huegel das Auto so festgefahren, dass es weder vor- noch zurueck geht.

Wir stapfen zum Truck, Tyrel faehrt mich bis zur Strasse und laeuft zum Haus zurueck. Es werden fuer ihn zwei harte Schaufelstunden werden, bis er das Auto zur Arbeit fahren kann. Ich schreibe meiner Arbeitskollegin, dass ich mich eventuell ein paar Minuten verspaeten werde. Zum Glueck habe ich jeden Morgen einen 15minuetigen Zeitpuffer fuer Unvorhergesehenes und schlechte Strassenverhaeltnisse eingeplant, sodass ich drei Minuten zu frueh ankomme. Im Buero schnell die aktuelle Flugplanung studieren, Schreibzeug und Taschenrechner greifen und ab in den Hangar.

Dort gehe ich zur Tuer rein und da stehen sie. Meine Arbeitskollegin und vor ihr zwei Duesenjets der kanadischen Luftwaffe!

Die beiden Schmuckstücke waren ein Unterhaltungspunkt bei den Sourdough Rendezvous letztes Wochenende. Sie sind geflogen und durften auch am Flughafen bewundert werden. Nun wärmen sie auch kurz in unserer beheizten Flugzeuggarage auf, bis sie sich wieder auf den Heimweg machen.

Nach gut 1,5 Jahren Whitehorse bin könnte ich auch mal wieder auf fliegen… Ob ich dieses Mal erfolgreicher bin im Kapern?

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Irgendwie fehlt mir der Steigbügel, um in dieses Flugzeug einsteigen zu können.

Ganz besonders interessant finde ich die Sitze der Piloten. Je Flugzeug sitzen zwei Piloten hintereinander und so sieht ihre Rückenlehne aus:

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Man könnte fast denken, es handelt sich um einen großen klobigen Plastikkasten, den man sich als Rucksack aufsetzt. Aber irgendwo muss ja die ganze Sicherheitsausrüstung hinpassen, samt Fallschirm und Schleudersitz.

Kurz vor 6 Uhr morgens sitze ich im Büro und wundere mich darüber, was heute schon alles passiert ist.

Winterimpressionen

Nach dem letzten Winterbeitrag ist eine ganze Menge Schnee gefallen – gut 20 cm in 48 Stunden. Es gab eine oeffentliche Schneefallwarnung. Und das wars dann auch schon mit den Besonderheiten darueber. Der Flugverkehr hat nicht gelitten und es gab auch kein Verkehrschaos. Wenn man nicht dazu zaehlt, dass sich hinter mir eine Schlange auf dem ungeraeumten Highway gebildet hat, da ich 70 km/h statt 90 km/h gefahren bin. Allerdings war ich ja auch nur mit meinem kleinen Auto mit Zweiradantrieb unterwegs, da muessen die Allradfahrer schon ein wenig Verstaendnis haben.

Jedenfalls nahm ich den Schneefall zum Anlass, wieder auf meinen Haushuegel zu kraxeln und ein paar Winterbilder zu schiessen – ich kann mir nicht vorstellen, dass Ankes Winterbilderwunsch durch den letzten Beitrag schon fuer die ganze Saison besaenftigt wurde 😉

Dieses Mal bin ich Nachmittags auf Bilderjagd gegangen. Bevor die Sonne ganz untergeht. Die Stimmung ist auch wunderschoen, jedoch anders als die Morgenstimmung.

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Panoramabild der letzten Sonnenstrahlen des Tages

Nachmittags ist das Licht eher golden. Und leider gibt es meine schoenen pinken Berge nur Morgens. Aber der Nachmittag steht dafuer fuer eine andere Farbe: Terracotta.

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Die Wolken im Westen faerben sich gold-orange vor einem noch blauen Himmel.

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Die Berge im Osten erstrahlen noch einmal im Terracotta, bevor sie in der Nacht verschwinden.

Auch die Nordlichter tanzen gelegentlich fuer uns des Nachts.

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Gruen-gelbe Schatten winden sich hinter schwarzen Baumumrissen.

Vor einer Woche dann fuhr ich mittags fuer Erledigungen in die Stadt. Bei – 30 Grad heisst schlechte Sicht uebrigens nicht mehr Nebel, sondern Eiskristalle, die mir eine Sicht von ca. 100 Metern erlaubten. Doch auf meiner Rueckfahrt war die Sicht ploetzlich gut. Die Eiskristalle waren aber nicht verschwunden, hoben sich nur ein wenig an, um sich einige Meter ueber Bodenhoehe zu versammeln.

„Davon muss ich Fotos machen!“ nehme ich mir vor und beobachte das Phaenomen auf meiner Fahrt. Zu Hause angekommen haben sich die Eiskristalle so weit gehoben, dass sogar ein paar Sonnenstrahlen auf Bergen zu sehen sind.

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Der Himmel reisst auf zwischen Eiskrstalldecke und Bergsilhouette.

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Die Kaeseglocke aus schlechter Sicht laesst die Landschaft dunkel erscheinen.

Und dann findet ein Sonnenstrahl den Weg durch den Brei aus Eiskristallen und gibt die Sicht frei auf eine Postkartenansicht, direkt vor meiner Haustuer.

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Schneebedeckte Baeume vor einer sonnenbeschienenen Bergflanke unter der Dunstglocke.

Wie schoen die Welt doch ist. Einfach so.

Erfrischung gefaellig?

Da mich zur Zeit reichlich Nachrichten ueber die Bullenhitze in Deutschland erreichen, moechte ich gerne fuer etwas digitale Abkuehlung sorgen:

Letzten Samstag war ich mit Bella wandern. Zusammen haben wir White Mountain am Little Atlin Lake bezwungen, was verdammt steil war.

Es war ein kuehler, regnerischer Sommertag. Nachdem wir uns ueber die Baumgrenze gehieft haben, gab es schon einen tollen Ausblick auf den Little Atlin Lake zu bewundern.

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Grau in grau verschwimmen See, Regenwolken und Berge im Hintergrund. Im Vordergrund lassen kleine Baeume erahnen, dass wir schon ganz schoen hoch gestiefelt sind.

Zum Teil war der Aufstieg so steil, dass man klettern musste. Nach der Klettertour sahen wir zum Glueck, dass es einen alternativen Weg ohne Kletterpartie gab. Das war fuer den Rueckweg sehr hilfreich.

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Steil steil geht es eine felsige Partie hoch. Immerzu sind wir dabei einem Kabel gefolgt, dass den auf dem Berg befindlichen Sendemast mit STrom versorgte.

Als wir endlich oben waren, wurden wir Mitte Juni von einem Schneesturm ueberrascht. Jedoch konnte uns das nicht vom Picknick abhalten, immerhin waren wir hungrig!

Das Picknick endete jedoch nicht mit einem vollen Bauch, sondern eher mit Fingern, die sich nicht mehr richtig bewegen lassen vor Kaelte. Also gehts bergab, so wird man auf jeden Fall wieder warm!

So, liebes Deutschland! Sommer geht auch anders. Und wenn dem Einen oder Anderen eben kurzfristig das Schwitzen vergangen ist, wird es mir ganz warm ums Herz. 😉