Kochen

Jagderfolg und Kochinspirationen

Es ist soweit, ich habe den waidmännischen Initiationsritus bestanden (tätärätäää).
Grouse: 0
Ich: 1

Nach allen Regeln der legalen Kunst habe ich mein erstes Wild erlegt. Die legalen Umstände waren:
– Waffe Kaliber .22
– mindestens einen Kilometer von umliegenden Grundstücken entfernt
– auf erlaubtem Jagdgebiet
– innerhalb der Saison
– eine Armlänge von meinem Mann entfernt (der einen Waffenschein hat)
– zwischen einer Stunde vor Sonnenaufgang und einer Stunde nach Sonnenuntergang (sollte hell sein)

Das Grouse saß im Baum und fühlte sich mehr als ausreichend getarnt. Ich schlich mich an. Verfehlte den ersten Schuss. Grouse ging einen Schritt zur Seite auf dem Ast und dachte auch nichts weiter dabei. Der zweite Schuss saß, ein kurzes Geflatter am Boden und das wars. Kein Drama.

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Das warme Hühnchen lag auf dem Boden. Es tat mir wieder leid aber ich habe mich nicht schlecht gefühlt. Ich war sehr dankbar. Ich habe es ausgenommen und gesäubert und werde etwas ganz Leckeres daraus zubereiten. Hat jemand eine Rezeptidee? 😃

Ein bisschen verblüfft bin ich immer noch, wie einfach es ist, ein Leben zu nehmen. Wo ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier? Ist es zeitgemäß, Tiere zu essen oder brauchen wir das gar nicht mehr?
Ich respektiere und verstehe die Einstellungen von Vegetariern und Veganern. Aber wenn ich mir die Tierwelt so ansehe, gehört das Fressen und Gefressen werden zum Ökosystem unbedingt dazu. Ja, Massentierhaltung und Hormone, Steroide und Antibiotika im Futter haben wenig mit dem Ökosystem zu tun. Da scheint etwas aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Aber wenn ich in einem Land lebe, in dem ich nicht zwangsläufig an der Spitze der Nahrungskette stehe und mir ein Grouse schieße um es zu verspeisen, dann fühle ich mich wieder mehr als Teil des Ganzen.

Aber genug Pathos und Geschmacksknospen auf!
Was macht man, wenn der Ehemann freudig strahlend vom Einkaufen nach Hause kommt, weil er was Schönes mitgebracht hat? Genau, sich freuen. Auch wenn es sich, wie in diesem Fall, um eine Kiste unreifer Mangos und einem Sack voller vergammelter Riesenbananen handelt. Fehlen nur noch zwei Kartons zerbrochene Eier um den Einkauf perfekt zu machen.
Aber weit gefehlt, ich hatte zwei Sachen zu lernen: die Mangos reifen astrein nach und die vergammelten Bananen sind keine echten Bananen sondern Kochbananen. Bei denen gehört die gammige Pelle wohl fast mit dazu und macht nichts.

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Nach ein paar Tagen stellte ich mir dann aber doch die Frage, was ich mit dem Sack respektive der Kiste machen soll. Wenn ich koche, stelle ich mir nämlich erst die Frage „Was muss weg?“. Und sowohl die Mangos als auch die Kochbananen wurden vom draufgucken nicht weniger.
Da passte es sich gut, dass ich beim Stöbern auf dem Blog von ReiseSpeisen Appetit auf Bananenbrot bekam (ordinäre Bananen, keine Kochbananen!). Das Rezept findet ihr unter https://reisespeisen.wordpress.com/2016/01/29/bananenbrot/ . Statt Walnüssen habe ich Rosinen und Mandelstifte hinzugefügt, die hatte ich noch über vom Hefezopf. Und eine Mango. Das Ergebnis war überraschend lecker und nicht zu bananig und wurde am nächsten Tag auf einer Wanderung von Tyrel, seiner Arbeitskollegin Bella und mir restlos verputzt.

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Bleiben noch die Gammel.. ääh Kochbananen. Was machen damit? Kochen? Tyrel riet mir zum Braten und ging zur Arbeit. Aha.
Die geschälte Banane sah wirklich nett und ungammlig aus. Also wurde sie in Butter gebraten bis sie ein bisschen gesunde Brat-Bräune bekam und dann zusammen mit Reese-Spread verspeist. Reese sind normalerweise die Erdnussbutter-Schokolade-Pralinen. Aber da ein mittleres Glas Nutella hier gute 10$ kostet, kam mir die (Erd- statt Hasel-) Nuss-Nugat-Creme gerade recht. Es sind sogar winzig kleine Crunch-Partikel drin, hmmmm….
Aber zurück zur gebratenen Kochbanane. Sie war wirklich, wirklich lecker. Fruchtig irgendwie und nicht zu matschig-bananig wie befürchtet.
Also Tyrel, danke für deinen tollen Einkauf! Wieder ne Menge gelernt. 😊🍌🍫

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Ansonsten suche ich immer noch den Herbst. Eben war noch Sommer und der Herbst kündigte sich nur in Farben an und jetzt klopft der Winter schon an der Tür. Die Bergspitzen sind schneebedeckt, die Kraniche und Gänse reisen aus und der Rest hüllt sich in Wolken und/oder Regen.


Und ich sitze bei A&W und trinke ein Root Beer mit Vanilleeis, ein so genanntes Root Beer Float. 😋