Katzen

Zwei Welten

Kuerzlich waren Tyrel und ich fuer eine Woche in Deutschland. Das erste Mal seit den drei Jahren, die wir jetzt schon in Kanada leben.

Eine Woche ist nicht viel. Daher habe ich einen Plan entworfen und fuer jeden Tag zu mindestens einer Gelegenheit eine offene Einladung ausgesprochen. Ich war ueberrascht und sehr gluecklich, wie viele Freunde und Verwandte uns trotz dieser kurzfristigen Umstaende sehen wollten. Bescheid gesagt habe ich allen alten Freunden plus Familienmitgliedern, deren Emailadresse ich hatte.

Zu Hause habe ich festgestellt, dass ich kaum Bilder gemacht habe. Und wenn, dann hab ich die beteiligten Personen nicht gefragt, ob das okay ist, wenn ich unser Bild hochlade auf den Blog… Von daher ist die Bilderauswahl mau.

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Unsere feudale Behausung in Deutschland. Mein Schwager hat es sich nicht nehmen lassen, zu unserem gewuenschten Zelt auch noch ein Wohnzimmer im Pavillon plus Kueche mit Feuerschale herzurichten.

Sofern diese Woche mit taeglichen Programmpunkten einen Hoehepunkt haben kann, war das wohl die Doenerparty am Mittwoch. Nach drei Jahren mal wieder in einen richtigen Doener beissen!!! Dazu hat die liebe Anna supertolle Muffins gebacken, die 1A aussahen wie Cheeseburger! Unglaublich lecker waren auch die Kaesekuchenmuffins mit Oreo-Boden. Schmatz! Und das noch abgerundet durch leckeres Eis von der besten Eisdiele im Umkreis. Vor der kulinarischen Kulisse kamen bestimmt 40 liebe Leute zusammen und das Wetter spielte auch mit.

Aber dann war da ja auch noch das Spargelessen bei meinen Eltern, die Soljanka in der Waldgaststaette im Harz, die Weihnachtskekse und Bayernburger beim Spaziergang, der Sucuktoast bei Pelin, die Grillfackeln, Berner Wuerstchen und die Kraeuterbutter auf Maiskolben beim Willkommensgrillen, das asiatische Essen beim Teppanyaki, die Suelze auf der Alm, die frischen Broetchen und suessen Gebaeckstuecke bei meiner Schwester, der Waffelladen, bei dem man sich alles nach Wunsch zusammenstellen kann… Und die vielen Male bei denen Tyrel und ich im Supermarkt einkaufen waren und einige Spontankaeufe direkt auf dem Parkplatz im Auto in uns hineinschaufelten. So isst man dann auch mal ne kalte Pizza extra belegt mit Zwiebelmett.

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Pizza mit Zwiebelmett sorgt auf dem Penny-Parkplatz fuer Freude.

Meine Katzen konnten ihre Wiedersehensfreude wirklich gut verbergen. *huestel* Aber ich habe mal wieder gesehen, wie gut es den beiden geht, von daher sei ihnen nachgesehen. *schnueff* Immerhin liess sich Katze Evi nach kurzer Zeit wieder mit Begeisterung den Hintern versohlen. Kater Stalin konnte ich kurzzeitig mit einer grossen Dosis Katzenminze ausser Gefecht setzen, sodass ich auch mit ihm ein Bild schoss. Er sieht nur irgendwie… ausgestopft aus.

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Evi zeigt was sie hat beim Hintern versohlen.

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Stalin unter Drogen. Kurze Zeit spaeter hat er trotzdem reissaus genommen.

Vor allem jedoch meine Freunde und Familie. Ich fuehle mich wirklich gesegnet, dass mir nach der langen Zeit mir und uns immer noch so viele liebe Menschen die Treue halten! Selbstverstaendlich ist das ganz sicher nicht. Und auch jetzt bringt mich der Gedanke an die vielen schoenen Begegnungen noch zum Laecheln. 🙂

Schliesslich kamen wir wieder im Yukon an. Die Berge standen noch da, wo wir so zurueckgelassen hatten. Hund Arma hat uns stuermisch begruesst. Leider regnet es seitdem jeden Tag, sodass unser Bauvorhaben weiterhin in den Kinderschuhen ruht. Aber auch das wird sich aendern. Immerhin leben wir in der trockensten Stadt Kanadas. Da ist so ne Woche Regen auch ganz praktisch bezueglich Waldbrandgefahr.

Hier im Yukon bin ich zuhause. Da ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist dort meine Heimat.

Wie gluecklich ich mich schaetzen kann, dass ich an beiden Orten gut aufgehoben bin.

Hausfrauenalltag à la Kanada

Endlich ist er da, lange habe ich auf ihn gewartet: Der Alltag.

Tyrel fährt zur Arbeit und der Trailer steht nicht mehr in einer Hauseinfahrt. Und ich? Realisiere, dass ich jetzt sowas wie eine Hausfrau bin. Naja, besser gesagt Trailerfrau.

Ich würde lieber arbeiten gehen, so viel steht fest. Aber solange die Arbeitserlaubnis auf sich warten lässt, hilft auch rumsitzen nichts. Der Tag möchte mit etwas Sinnvollem gefüllt werden.

Die letzte Woche über brach Tyrel um 9:30 h zur Arbeit auf. Nach der täglichen Körperhygiene (heißes Wasser plus Handtuch) fühlt man sich so frisch, dass es losgehen kann.

Ich trete also vor die Tür und stehe im Wald. Unter ein paar Fichten haben wir Baumstämme gelagert. Erst schaue ich mir die Stämme genauer an: Welcher ist schön groß aber nicht so schwer, dass ich mir mein Kreuzdarmbeingelenk zum Feind mache? Der erwählte Stamm wandert dann in die Sägeposition. Auf Englisch sagen wir saw horse, Sägepferd zu dem Gestell. Auf Deutsch habe ich keinen blassen Schimmer.

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Als nächstes greife man sich eine Handsäge, Modell Standesamt, und säge den Stamm in ofengerechte Stücke. Das dauert ziemlich lang und während des Sägens meldet sich mein Magen. Also wandere ich nach dem ersten Stamm zurück in den Trailer und esse Frühstück/ Mittag/ was auch immer. Reste von gestern, Bagels, Bananen, alles was reizt.

Frisch gestärkt wird weitergesägt. So lange, bis ich einigermaßen zufrieden bin mit dem zusammengesägten Haufen und wirklich keine Lust mehr habe. Dann kommt die Axt ans Werk.

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Axt greifen, breitbeinig hinstellen, zielen, durchziehen. Und das immer, immer wieder. Wir brauchen zwei Arten Feuerholz. Relativ dicke Stücke, die aber noch schön in den Ofen passen und winzig kleine Splitter zum Anfeuern. Das bedeutet viel, viel Hacken.

Nach ungefähr der Hälfte verliere ich die Motivation. Ich gehe in den Trailer und heize den Ofen an. Aus dem Wasserkanister fülle ich unsere Emaillie-Kanne und stelle sie zum warm werden auf den noch kalten Ofen. Dann habe ich wieder genug Motivation zum Weitermachen.

Ist alles Holz in einer der gewünschten Größen verhackt, stapele ich es zwischen zwei Bäume oder, falls Platz, in den Trailer.

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Inzwischen habe ich warmes Wasser und einen warmen Trailer. Zeit für den Abwasch von gestern. Eine kleine Plastikwanne zum Einweichen, Schrubben und darüber abspülen und eine andere zum Abtropfen lassen. Jetzt ist auch wieder Platz in der Küche und ich bekomme Lust zu kochen.

Einen Tag zuvor kam mein Mann von einem Spaziergang mit Schrotflinte nach Hause, kommt zur Tür hinein und hält mir etwas hin mit dem Wort „Ugh!“. Es waren zwei Grouse. Nein, wir heißen nicht Geröllheimer mit Nachnamen.

Nachdem ich das letzte Mal Grouse a la Anke zubereitet habe, wollte ich dieses Mal Sabines Rat folgen. Ich fertigte also jedem Grouse einen maßgeschneiderten Speckmantel und stellte sie in einer Pfanne auf den Ofen. Als mir das nicht reichte, karamellisierte ich Zwiebeln, würzte sie mit reichlich Knoblauchpulver und übergoss die Grouse damit.
Zeit, an eine Beilage zu denken. Was haben wir reichlich? Zwiebeln und Kartoffeln. Daneben noch Frischkäse, Milch und einer große Dose gestückelte Tomaten? Super, es gibt Gratin!

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Wenn alles so vor sich hinschmort, mache ich entweder noch einen Abwasch oder ich lese, schreibe, faulenze oder stricke. Oder ich gehe spazieren. Oder mache einfach, wonach mir ist. 🙂

Dann kommt auch schon bald Tyrel nach Hause. Manchmal gehen wir spazieren, fahren in die Stadt oder besuchen Deb und Jon. Oder jeder arbeitet an seinen eigenen kleinen Projekten. Oder ich mache noch einen Nachtisch?

In den letzten Tagen sind so reichlich Gerichte entstanden, unter anderem selbst fermentierter Kimchi, Cinnamon Buns (Zimtschnecken), Erdbeer Crumble, sowie aufgepeppte Versionen von gegrilltem Käsesandwich, Kartoffelpfanne, Chili oder auch mal Grouse im Speckmantel.

Beschweren kann und will ich mich nicht. Ich habe keinen Strom und kein fließend Wasser aber eine Menge Spaß. Und heute werde ich sogar duschen gehen! Bislang sah ich eine Dusche immer als notwendige Pflicht an aber hier ist es eine heiße Wohltat. Andere Zeiten, andere Sichtweisen.

Nur eins wird sich niemals ändern: Ins Internet gehören dämliche Katzenbilder!!!

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Kurzer Vergleich

Einige Dinge sind einfach anders hier. Das muss exemplarisch untersucht werden!

1. Ampeln

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Sie sind einfach auf der anderen Straßenseite angebracht.

  • Vorteil: Kein irres Halsverrenken mehr, wenn man vorne an der Ampel steht.
  • Nachteil: Wenn die Kreuzung nicht im rechten Winkel ist, kann es zu Verwirrung führen.

2. Picknick

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Der kanadische Snack auf jeder ausgedehnten Wanderung.

  • Vorteil: Ballaststoffreich.
  • Nachteil: Splitter in der Buxe.

3. Katze mit Daumen

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Ich bin immer noch begeistert und kann hiermit bestätigen: Wirklich JEDE Katze, die ich in Kanada gestreichelt habe, hatte Daumen.

  • Vorteil: Daumen hoch! 😺👍
  • Nachteil: Katze verlangt nach einem Fahrrad MIT Klingel.

4. Klos

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Das kanadische Ideal Standard: Riesenschüssel, randvoll mit Wasser. Und wahrscheinlich der einzige Ort auf der Welt, an dem Karpadors Platscher sehr effektiv ist.

  • Vorteil: Signifikant weniger Geruch und Spuren in der Keramik.
  • Nachteil: Erbarmungsloses Gegenfeuer bei Durchfall.

Ich bleibe weiterhin bei meinen investigativen Beobachtungen. Wenn ich so weiter mache, bin ich bald der Günter Wallraff des Yukons. 😜

Farmsitting

Mittlerweile sind wir auf Deb’s Grundstück gezogen und passen auf das Haus auf. Das schließt auch mit ein: zwei Hunde, ein Kater, zwei Truthähne und wer weiß wie viele Hühner (tägliche Eierausbeute: 13 Stück!). Der Kater ist besonders cool: Er hat so ne Art Daumen, auf jeden Fall zu viele Zehen. Es sieht aus, als hätte er kleine Hände 🙂 Die restlichen vier Hunde und alle sechs Pferde, die hier waren, gehen mit in die Berge auf Jagd. Im August beginnt hier die Jagdsaison für Schafe, Caribous und Schwarzbären. Gibt’s das eigentlich auch in Deutschland, dass man mit Pferden auf Jagd geht, weil die geländegängiger sind als Quads? Ich hab keinen blassen Schimmer.

Zur Zeit stehen wir noch mit unserem Camper in der Nähe des Hauses. Wir roden allerdings ein Stück Wald inklusive Zufahrt, um etwas weiter ab vom Schuss unseren Überwinterungsplatz aufzuschlagen. Ein Holzofen haben wir jedoch schon in den Camper eingebaut und auch schon zwei Cord Holz beisammen. Ein Cord entspricht einer Menge von acht Fuß langen Holzstämmen, die übereinander gestapelt vier Fuß hoch und vier Fuß breit sind. Laut Googel sind das ca. 3,6 Raummeter Holz pro Cord. Also haben wir schon staatliche 7,2 Raummeter aus dem Wald geholt – nur mit Äxten und ner ganzen Menge Schweiß! Dafür braucht man am Ende des Tages kein schlechtes Gewissen haben, wenn man vor dem Elchbraten sitzt und sich danach noch Ben und Jerry’s Eiscreme reinzieht 🙂

Gerne erkunden wir auch die neue Umgebung. Mehr oder weniger verschlungene Pfade führen mal bergauf, mal bergab und manchmal enden sie mit einem grandiosen Ausblick! Heute habe ich zum ersten Mal Schwarzbären gesehen, die sich nicht am Straßenrand getummelt haben. Leider kann man sie auf dem Bild fast gar nicht erkennen, zwei schwarzbraune Flecken auf dem nächsten Berghang.

Wir überlegen, die nächsten Tage mal zelten zu gehen. Tyrels Job beginnt erst am 5. August und der Alltag stellt sich bestimmt früh genug ein. Also ist das Motto: Genieß den Sommer, solange du kannst! 🙂 Gestern Morgen habe ich genölt, dass es schon so hell ist. Daraufhin kam die Aussage: „Wir sind hier im Yukon. Da freut man sich über das Licht im Sommer und die Dunkelheit im Winter.“ Auch wieder wahr, dunkel wird es früh genug. Und bis dahin nehme ich einfach jede Schattierung, wie sie kommt.