Job

Einschub – Privates

Eigentlich bin ich ja noch dabei, von meinem Flusstrip in der Wildnis zu berichten. Seit meiner Wiederkehr in die Zivilisation ist aber einiges passiert, sodass ich einen Einschub schreiben moechte.

Als ich wieder zur Arbeit erschien, fragte ich natuerlich ob es Neuigkeiten von meinem Chef (Marc) gibt. Ja, die gaebe es, aber die solle er selbst verbreiten. Den naechsten Tag wuerde er in die Firma kommen.

Der naechste Tag kam und mit ihm Marc. Mit Rollator und Hilfe. Man setzt sich zusammen. Die Behandlungen sind abgebrochen, er wird jetzt palliativ behandelt. Keiner kann sagen, wie die Krankheit voranschreiten wird, da sie so extrem selten ist und erst wenige Male ueberhaupt dokumentiert wurde.

Jedenfalls reiche seine Kraft nicht aus, sich ausreichend um seine Arbeit zu kuemmern. An manchen Tagen kann er das Bett nicht verlassen vor Schmerzen. An anderen Tagen hat er etwas mehr Energie. Aber die will er dafuer nutzen, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Daher wird er morgen aus dem Unternehmen ausscheiden.

Wie es jetzt mit unserer Abteilung weiterginge, frage ich. Der Direktor kam mittlerweile dazu. Das stehe nicht fest. Und wir sollten uns ungestoert unterhalten.

Zum ungestoerten unterhalten gingen wir in unseren altern Buerocontainer. Ob ich mir vorstellen koenne, die Ingenieursabteilung zu leiten, fragt Marc. Das komme drauf an zu welchen Bedingungen, antworte ich. Ich wuerde verlaessliche Hilfe benoetigen bei einigen Themengebieten, einiges muesse fremd vergeben werden. Und ich haette keine Lust, mein Privatleben hintenanzustellen und keine Freizeit mehr zu haben.

Und ausserdem, und jetzt muss auch ich schluchzen, ist es doch total doof, dass ich davon profitiere, dass er krank ist!

Ich solle es auch einer anderen Perspektive sehen: Wenn ich es mache, helfe ich dem Unternehmen und allen Beteiligten. Als Marc vor ein paar Jahren gekuendigt hatte, war seine Stelle 1,5 Jahre lang weltweit ausgeschrieben und nicht eine Bewerbung ist eingegangen. Ich bin vielleicht nicht sehr lange angelernt worden, lerne aber blitzschnell und bin auch faehig, mir Sachen selbst beizubringen aus dem Kontext. Ausserdem stehe Marc mir weiterhin bei Fragen zur Verfuegung. Nicht weil er muesse, sondern weil er gerne moechte. Seine Arbeit haette ihm immer grossen Spass gemacht und ausserdem ist es gut fuer ihn, sich nicht nur mit der Krankheit zu beschaeftigen.

Na gut… dann bin ich wohl Chef. Wie verrueckt das Leben manchmal spielt.

Marc bewundere ich dafuer, wie stark er ist. Mit seiner Partnerin und vier kleinen Kindern als Alleinversorger auszufallen, ist ein starkes Stueck. Und seine Partnerin kann jetzt noch nicht mal arbeiten gehen, da er die Kinder allein nicht betreuen kann, geschweige denn Essen zuzubereiten oder den Haushalt zu machen.

Aus meinem Gefuehl des Mitleides und der Hilflosigkeit versuche ich etwas Positives zu schaffen. In Canada ist man zwar stolz auf die soziale Absicherung und medizinische Versorgung aber in Wirklichkeit ist das Gebotene eher ein Bruchteil von dem, was ich aus Deutschland kenne. In Wirklichkeit kann Marcs Familie vielleicht ihr Haus nicht halten. Fuer mich steht fest, dass ich Geld sammeln moechte. Und ich finde, die Firma sollte sich daran beteiligen nach allem, was Marc fuer sie getan hat.

Nach einigen Gespraechen, Emails an leitende Personen und produktiven Besprechungen habe ich das tatsaechlich geschafft, die Firma wird $2500 spenden, wenn $2500 an Privatspenden zusammenkommen. Hier ist der Link zur Spendenseite und somit ein wirklicher Einblick in mein Privatleben:

https://www.gofundme.com/marc-bergeron

Ausserdem besuche ich Marc alle zwei bis drei Wochen wenn die Kinder in der Schule sind. Wir haben beschlossen, eine Kuchentherapie zu machen. Ich bringe Kuchen zum Besuch und entweder die Krankheit wird davon geheilt und wir gewinnen einen Medizin-Nobelpreis oder aber es bringt nichts und wir haben wenigstens gute Kuchen zusammen gegessen. 🙂 Den restlichen Kuchen lasse ich natuerlich da, so koenne die Kinder ihn vernichten wenn sie auch der Schule kommen.

Mein neuer Job macht mir Spass. Ich kann gut mit Verantwortung umgehen. Zunaechst habe ich viel Aufraeum- und Umstrukturierungsaufgaben vor mir fuer die naechsten Monate. Und wenn ich damit fertig bin, werden neue Projekte in Angriff genommen. So gut wie taeglich flattert sowieso etwas Dringliches auf den Tisch, so wird es nicht langweilig.

Zu Halloween wurde zum kanadischen Buffet (potluck) aufgerufen. Jeder bringt was mit, keiner spricht sich ab. Und bitte im Kostuem! Mir ist nur ein Kostuem eingefallen, das angebracht war, so hab ich es selbst geschneidert und bemalt am Abend vorher.

P_20181031_061417

Ich arbeite an meinem Schreibtisch im Flugzeugkostuem.

P_20181031_061432

Meine Arme sind die Fluegel, an denen sogar kleine Triebwerke baumeln.

Das Leben ist vielleicht nicht gerade gerecht, aber es ist doch schoen!

Diese Lektion kann man von Menschen wie Marc lernen, wenn man es an sich heran laesst.

Advertisements

Fokus

Eigentlich wollte ich nicht darueber schreiben. Jetzt mache ich es doch, denn ich weiss nicht, wie ich irgendetwas schreiben soll ohne es zu beschreiben.

Mein Chef ist krank seit zwei Monaten. Richtig krank. Er hat Tumore am Rueckenmark, die mittlerweile seine Nerven geschaedigt haben. Heisst, er kann abwaerts der Brust seine Haut nicht mehr spueren und seine Beine nur noch ziemlich unkontrolliert bewegen. Krebs ist es nicht aber eine extrem seltene Sache, sodass keiner weiss, wie es weitergeht oder auch nicht.

Er ist noch keine 40 Jahre, hat mit seiner Partnerin vier kleine Kinder im Alter von zehn bis vier Jahren. Sportlich, die Familie isst nur Bio und gute Sachen.

Und dann sowas.

Freitag habe ich ihn nach zwei Monaten wieder gesehen, er kam ueberraschend ins Buero. Mit Rollator und Hilfe seiner Partnerin. Es taete ihm gut, sich hier ein bisschen normal zu fuehlen, sagt er, waehrend er mir Zugriffe auf Datenbanken und Passwoerter und kleine Kniffe zeigt. Nach eine Stunde kommt seine Partnerin um ihn wie verabredet abzuholen. Er kann nicht so lange sitzen.

Gib uns noch etwas Zeit, bittet er sie, wir sind noch nicht fertig und ich fuehle mich gut. Sie nimmt den Vierjaehrigen an die Hand und verspricht, bald wiederzukommen.

Er haette sich abgefunden damit, Paraplegiker zu sein, erklaert er mir. Doch seit dem Wochenende merke er, dass das Gefuehl in seinen Armen schwindet. Er wurde erst weiter unten an der Wirbelsaeule operiert, daher wollen sie in Vancouver nichts machen. Am Montag hat er einen Termin in Ottawa, da wollen sie feststellen, ob er vielleicht fuer die Cyber-Knife-Methode in Frage kommt. Da wird mit hoher oertlicher Dosis Bestrahlung operiert statt mit einem Messer.

Fuer alles, was kommt, ist er vorbereitet. Falls er weder Arme, noch Beine bewegen kann, soll der Stecker so schnell wie moeglich gezogen werden. Ohne Reue blickt er zurueck „What a great life!!!“ Nur findet er es schade, dass er seine Partnerin vielleicht mit der Erziehung der vier Kinder allein lassen muss. Das ist ein grosser Job. „Wir haben so viel Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe investiert in die Erziehung der beiden Aelteren und man sieht bereits, wie sich das auszahlt. Ich weiss nicht, ob eine Person alleine den Kleineren so viel Aufmerksamkeit bieten kann. Das ist die einzige Sache, die mich beschaeftigt.“

Seine Ernaehrung habe er auch umgestellt, er isst jetzt keto, nur noch 20 Gramm Kohlenhydrate maximal pro Tag. „Das heisst, du kannst Kaese essen, oder?!“ frage ich freudig. „Ja genau, ich esse Berge von Kaese.“ Sofort hole ich mein dickes Stueck Kaese (heute ein Tomme de Chevre des Alps) aus meiner Tasche, das ich sonst zu Mittag gegessen haette und biete es ihm an. „Vielleicht ein kleines Eckchen… hast du ein Messer?“ „Ja, habe ich, aber beiss doch einfach ab. Du kannst alles haben, ich hab noch mehr davon.“ Zwei Minuten spaeter ist vom Kaese nichts mehr uebrig, es scheint zu schmecken.

Schliesslich kommt auch die Partnerin wieder, jetzt ist es Zeit zu gehen. Wir gehen zur Tuer um sie hereinzuwinken, er sitzt auf seinem Rollator vor der Tuer und schaut heraus. Sieht ernst zu mir hoch und breitet einen Arm aus. Ich beuge mich herunter und wir umarmen uns.

Vielleicht war es das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. Vielleicht koennen sie ihm helfen, dass es nicht noch schlimmer wird. Ich wuensche ihm und seiner Familie von Herzen das Beste.

Dass er ohne Reue lebt, finde ich ganz toll. Fuer wie viele Leute waere so eine Krankheit eine Gelegenheit um festzustellen, dass man nicht den eigenen Weg im Leben gegangen, sondern der Umstaende wegen so viele Kompromisse eingegangen ist, dass man nicht mehr weiss, wer man eigentlich ist.

Vor fast zwei Monaten ist ein lieber Freund von mir in Deutschland gestorben.

Vor zwei Monaten habe ich angefangen zu laufen. Mit einer Minute laufen, mehr ging nicht. Jetzt kann ich 30 Minuten laufen. Morgen will ich fuenf Kilometer schaffen.

In diesem Leben will ich eine gesunde und glueckliche Version meiner selbst sein. Es gibt keine Ausreden, kein Gejammer. Ich mache es oder ich lasse es.

Ich bin hier. Und hier bin ich genau richtig.

Nicht bereit, mich zu verbiegen. Bereit, alle Herausforderungen anzunehmen.

P_20180826_103016_BF

Ich. Eine Seite meiner Haare sind abrasiert. Das bin ich und das ist mein Weg

Berufsstände

Meine Augen haben sich wieder etwas mehr auf unscharf gestellt und verdreht. Die Sehschwäche kratzt mittlerweile an der -7 und auch die Hornhautverkrümmung hat zugenommen.

Unschöner Nebeneffekt: Die torischen Kontaktlinsen drehen auch fleißig im Auge umher und ich sehe nur noch mit einem Auge scharf. Maximal einem Auge.

Dann stellen wir halt vorerst auf das gute alte Nasenfahrrad um.

P_20180614_154519_BF

Ich, bebrillt, vor elektronischen Zeichnungen im Büro.

Tyrel findet, dass ich jetzt wirklich aussehe wie ein Ingenieur. Und irgendwie bin ich das ja auch.

An manchen Tagen auf der Arbeit klappt es erstaunlich gut. Ich ändere Zeichnungen von Flugzeugelektronik anhand von Ingenieursaufträgen. Ich verfasse meinen ersten kleinen Ingenieursauftrag zum Austausch von Navigationscontrollern.

Dann gibt es wieder Tage, an denen ich mich frage, was ich hier eigentlich mache und wie irgendwer auf die Idee kommt, dass ich dafür qualifiziert bin.

Doch dann beruhige ich mich schnell wieder. Natürlich bin ich qualifiziert. Immerhin habe ich 1998 alle Folgen der Sendung mit der Maus gesehen, die den Flugzeugbau erklärt haben!

Nachmittags gehe ich spazieren und treffe auf Biberdämme. Vor Ort stand ich in einer Mückenwolke. Doch das Bild, das ich geschossen habe, schaue ich mir später noch sehr gerne an.

P_20180528_183456-EFFECTS.jpg

Ein Biberdamm staut einen kleinen Bach auf, umgeben von frischem Grün.

Was für schöne Farben. Und eine ganz raffinierte Baukunst, die diese Nagetiere einfach so vollbringen.

Oh Kanada, du bringst mich immer wieder zum Staunen. 🙂

Job 5: Nochmal die Fluggesellschaft

Jawohl, ein neuer Job.

War ja auch mal wieder Zeit, oder? Immerhin habe ich den letzten ganze 4 (in Worten: vier) Monate durchgezogen!

Um ehrlich zu sein, bin ich in Job 5 reingerutscht. Oder er in mich? Hmm… Wie auch immer. 🙂

Vor einigen Wochen kam der Ingenieur der Airline auf mich zu und fragte mich, ob ich gut in Logik bin. „Ich liebe Logik!“ antwortete ich, woraufhin er nur noch von elektrischen Schaltkreisen sprach. Ich nickte und laechelte abwechselnd, bis er verabredete, mir seine Entwuerfe zu geben, damit ich sie nachvollziehen kann.

Nachdem er hinter der Stellwand meines Buerowuerfels verschwunden war, begann ich die Internetrecherche zu diesem Kommunikationsproblem und wurde schnell fuendig.

Die schlechte Nachricht: Ich habe soeben verkuendet, dass ich Elektronik liebe und damit impliziert, dass ich mich gut auskenne, obwohl ich als Maschinenbauer der natuerliche Feind des Elektrotechnikers bin und ebensowenig Ahnung davon habe.

Die gute Nachricht: Es scheint ja irgendwie logisch zu sein, wenn es Logic heisst. Und ich liebe Logik wirklich. Ausserdem kann Elektronik auch nicht schwerer sein als zum Beispiel die Festlegung der Profilverschiebung eines zu konstruierendes Zahnrades, dessen komplettes Getriebe in einer zufaellig besetzten Gruppenarbeit bearbeitet wird. Oder so.

Und immer, wenn ein Elektriker mich als Mechaniker ueberheblich behandelt, spielt sofort folgendes Lied von Torfrock in meinem Kopf:

Im schlimmsten Fall sage ich dem Ingenieur einfach, dass er eine richtig gute Arbeit abgeliefert hat und ich nicht einen einzigen Fehler finden konnte. 🙂

Ein paar Tage spaeter habe ich dann tatsaechlich die Arbeit in der Hand. Das Internet stellt mir freundlicherweise genug Ressourcen zur Verfuegung, um mir das Thema selbst naeherzubringen und dann nachzuvollziehen, was er da eigentlich gemacht hat. Und Matheregeln spielen auch eine Rolle: Allerdings sind die Boolschen Regeln anders als die ueblichen.

Ich wurstel mich durch, nach ein paar Stunden habe ich alles in einem Elektronikprogramm nachgebildet und mache mich an die mathematischen Vereinfachungen, suche Gemeinsamkeiten, klammere aus und stelle um. Auch die bilde ich nach und vergleiche die Logiktabellen.

IMG_20180321_120650

Ein Ausschnitt aus meiner ersten elektronischen Schaltung.

Als ich beim Herunterscrollen der Tabellen erkenne, dass meine Loesung die gleichen Ergebnisse liefert, wie die des Ingenieurs, rauschen ein paar Glueckshormone durch meine Blutbahn. Ich habs!!!

Schliesslich suche ich noch die passenden Hardware-Module mit Bestellnummern heraus, die in einem Flugzeug verbaut werden koennen. Ich grinse vor mich hin, weil der alte Rechenschieber auf meinem Hals doch noch nicht allzu verrostet ist.

Dem Ingenieur faellt die Kinnlade herunter, als er meine Loesung sieht. „Pro Flugzeug sparen wir damit $2000!“ merkt er an. Wieder laechel und nicke ich, wie am Anfang des Projekts.

Kurze Zeit spaeter taucht eine ominoese Stellenausschreibung auf, die wie fuer mich gemacht scheint. Engineering Support Specialist, zu deutsch heutzutage wahrscheinlich der gleiche Begriff. Ein Spezialist, der die Ingenieursarbeit unterstuetzt. Kann ich, mach ich.

Bekam ich.

IMG_20180420_125334

Dunkle Moebel, weisse Waende. In diesem Buero kommt der Bregen in Wallung.

Freitag bin ich umgezogen in mein eigenes Buero. Es steht in einem Container, zusammen mit dem Buero des Ingenieurs. Ich freue mich schon drauf, was als naechstes verruecktes passiert. 🙂

Morgens halb 4 in Kanada

Schon 3:30h und hoechste Zeit aufzustehen!

Der Blick ist noch ganz verschwommen durch die Augenpopel, die um diese Uhrzeit noch nicht den Ausgang bei der Traenendruese gefunden haben. Trotzdem finde ich den Weg ins Badezimmer und stecke mir die Zahnbuerste in den Hals. Da sehe ich eine Nachricht, die mich stutzig werden laesst: Tyrel bittet mich darum, ihn aufzuwecken! Um diese Uhrzeit!

Seiner Bitte nachkommend hole ich ihn aus dem Lummerland und frage nochmals nach, ob er denn wirklich aufstehen moechte. Immerhin muss er erst in sieben Stunden zur Arbeit. Er entgegnet eine Frage: „Kannst du nachgucken, wie viel Schnee auf den Auto liegt?“ Ich stapfe zum Fenster an der anderen Seite des Hauses und schiele aufs Auto. „Nur ein bisschen Puderschnee, alles gut.“ „…ich habe die Einfahrt geraeumt!“ Erneutes Stapfen zum Fenster. „Oh wow, vielen Dank!!“ „Erst habe ich begonnen zu Schaufeln aber dann habe ich einen Redneck Plow gebaut. Ich fahre mit dir die Einfahrt hoch um dir zu zeigen, wie super das geht!“

  1. Unsere Einfahrt ist ca. 700 Meter lang mit beachtlichem Gefaelle (zum Haus geht es bergab) sowie Unebenheiten.
  2. Es hat diesen Winter ziemlich viel geschneit fuer Yukon Verhaeltnisse (Waden- bis kniehoch).
  3. Als Redneck Plow bezeichnet man einen Schneepflug, der notduerftig aus vorhandenen Materialien zusammengezimmert wurde und der hinter einem Truck gezogen wird.
  4. Tyrels Redneck Plow besteht aus zu einem Balken zusammengefuegten Holzlatten.

Moment… wenn er sich sicher ist, dass das super funktioniert, warum steht er dann um diese Uhrzeit auf?

Ich mache mich schnell fertig. Schliesslich mag ich es ueberhaupt nicht, zu spaet zur Arbeit zu kommen. Und gestern bin ich mit dem Auto eher die Ausfahrt hochgeschwommen statt gefahren.

Vor Ort stelle ich fest, dass der Schnee irgendwie verdichtet ist und ich darauf gehen kann. Scheint also geklappt zu haben das mit dem Schneeraeumen.

Nach ca. 7 Minuten hat Tyrel noch vor dem Huegel das Auto so festgefahren, dass es weder vor- noch zurueck geht.

Wir stapfen zum Truck, Tyrel faehrt mich bis zur Strasse und laeuft zum Haus zurueck. Es werden fuer ihn zwei harte Schaufelstunden werden, bis er das Auto zur Arbeit fahren kann. Ich schreibe meiner Arbeitskollegin, dass ich mich eventuell ein paar Minuten verspaeten werde. Zum Glueck habe ich jeden Morgen einen 15minuetigen Zeitpuffer fuer Unvorhergesehenes und schlechte Strassenverhaeltnisse eingeplant, sodass ich drei Minuten zu frueh ankomme. Im Buero schnell die aktuelle Flugplanung studieren, Schreibzeug und Taschenrechner greifen und ab in den Hangar.

Dort gehe ich zur Tuer rein und da stehen sie. Meine Arbeitskollegin und vor ihr zwei Duesenjets der kanadischen Luftwaffe!

Die beiden Schmuckstücke waren ein Unterhaltungspunkt bei den Sourdough Rendezvous letztes Wochenende. Sie sind geflogen und durften auch am Flughafen bewundert werden. Nun wärmen sie auch kurz in unserer beheizten Flugzeuggarage auf, bis sie sich wieder auf den Heimweg machen.

Nach gut 1,5 Jahren Whitehorse bin könnte ich auch mal wieder auf fliegen… Ob ich dieses Mal erfolgreicher bin im Kapern?

IMG_7892

Irgendwie fehlt mir der Steigbügel, um in dieses Flugzeug einsteigen zu können.

Ganz besonders interessant finde ich die Sitze der Piloten. Je Flugzeug sitzen zwei Piloten hintereinander und so sieht ihre Rückenlehne aus:

IMG_7888

Man könnte fast denken, es handelt sich um einen großen klobigen Plastikkasten, den man sich als Rucksack aufsetzt. Aber irgendwo muss ja die ganze Sicherheitsausrüstung hinpassen, samt Fallschirm und Schleudersitz.

Kurz vor 6 Uhr morgens sitze ich im Büro und wundere mich darüber, was heute schon alles passiert ist.

Frostiger Alltag

Von Klimaerwaermung ist diesen Winter nichts zu spueren: Es ist kalt. Sehr kalt.

Wenn es in Deutschland -16 Grad waren (das kaelteste, was ich dort erlebt habe), liefen die Telefone beim ADAC heiss, viele Autos sprangen nicht mehr an und wer nicht vor die Tuer musste, tat es nicht.

Nun ist es hier kaelter. An unserem Blockhaus ist es gerne mal bis zu 16 Grad kaelter als in Whitehorse, und selbst da ist es verdammt kalt.

Wie geht man um mit der Kaelte? Nun, es gibt verschiedene Stufen von kalt.

  1. Alles bis -20 Grad wird so behandelt wie +2 Grad in Deutschland. Man zieht sich morgens eine Jacke an und faehrt zur Arbeit. Wer nett zu seinem Auto ist, laesst es ein paar Minuten laufen, bevor er losfaehrt.
  2. So um -20 bis -25 Grad sollte man den Stecker am Auto in eine Steckdose gesteckt haben (Batteriewaermer und Motorblockwaermer), ca. 30 Minuten sind okay, etwas laenger ist gut. Das Auto vorzuwaermen bei laufendem Motor ist nun spuerbar dem Komfort zutraeglich.
  3. Bei -30 bis -35 Grad sollte man wirklich, wirklich das Auto fuer einige Zeit eingestoepstelt haben. Zwangsweise habe ich das Auto auch versucht, so zu starten, was nach ein paar Ueberredungsversuchen auch geklappt hat. Aber ich hatte viel Mitleid mit dem gequaelten Auto.
  4. Unter -40 Grad gehen Dinge kaputt.

Eines Morgens Mitte Januar wache ich puenktlich um 3:30 h auf, ziehe mich an, putze die Zaehne, heize den Kamin an und schaue auf das Thermometer. Mein Blick bleibt fuer ein paar Sekunden am Zeiger haengen. -46 Grad. Oha.

K640_DSC02123

Gegen Mittag hat Tyrel netterweise ein Bild vom Thermometer gemacht. Bei Sonnenschein zeigt es immerhin -45 Grad an und nicht mehr -46 wie noch um 3:45 am Morgen.

Letzten Winter habe ich -40 Grad erlebt, bin dann aber einfach nicht rausgegangen. Heute muss ich. Und zwar bald.

Naja, denke ich mir, -6 Grad sind kein Problem, genauso wie -16 Grad. Bei -26 und -36 Grad ist es gut, wenn das Auto eingestoepselt ist und man es vorwaermt und dann ist auch alles okay. Warum sollte es bei -46 Grad anders sein? Auf jeden Fall sollte ich es gut vorwaermen lassen, am besten 15 Minuten.

Schnell ziehe ich mir Jacke, Muetze und Handschuhe ueber und schleiche mit dem Autoschluessel bewaffnet zum Auto. Auf dem Weg dahin atme ich zu tief durch die Nase, die Luft beisst in meine Luftroehre und laesst mich husten. „Bloss flach atmen!“, denke ich mir und oeffne schliesslich die Autotuer und setze mich auf den Fahrersitz.

Die Tuer faellt hinter mir nicht ins Schloss. Nach 8 Versuchen gebe ich auf und stecke den Schluessel ins Zuendschloss bei offener Tuer und drehe ihn um.

Mein Auto starrt mich mit wortlosem Entsetzen an. Es macht kein Geraeusch, jedoch sind die Displays, die normalerweise Uhrzeit und gefahrene Strecke anzeigen, beleuchtet und blank. Nochmals drehe ich den Schluessel in die Ausgangsposition und wieder auf Start, doch nichts geschieht.

„Verdammt!“, denke ich mir. „Wie soll ich denn jetzt zur Arbeit kommen?! Der Truck ist noch nicht eingestoepselt, das wollte ich ja jetzt machen bevor ich fahre. So springt der mit Sicherheit nicht an! AAaah, Auto!!!“ und ich versuche es wieder und wieder. Schliesslich ertoent ein gequaeltes Leiern und das Auto springt tatsaechlich an! Auch wenn die Motorengeraeusche sich noch nicht allzu gesund anhoeren. Aber dafuer waermt es sich ja lang genug auf, bevor ich fahre. Die Gangschaltung befoerdere ich in den Leerlauf. Sowohl Kupplung, als auch Schalthebel lassen sich nur mit erheblicher Kraftaufwendung betaetigen.

Bevor ich wieder ins Haus gehe, muss ich aber noch die Lueftung anschalten, sonst fahre ich in einem Eisblock. Ich stelle die Lueftung von 0 auf 3 und statt Luft kommt mir ein ohrenbetaeubendes „UELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUELUE“ entgegen. Nach ca. 10 Sekunden verstummt das Geraeusch und ich habe getan, was zu tun ist. Nach dem Aussteigen laesst sich die Tuer auch nach 15 Versuchen nicht schliessen. Ich lehne sie an, so gut es geht, ziehe den Autostecker aus dem Verlangerungskabel, stoepsel den Truck fuer Tyrel spaeter ein und warte im Haus 17 Minuten ab.

Schliesslich muss ich los. Das Auto ist einigermassen warm von innen. Jedenfall mit Stiefeln, Jacke, Handschuhen und Muetze. Die Autotuer benoetigt weitere 18 Versuche, bis sie schliesst und das Auto aufhoert, vor Protest zu piepen. Und dann fahre ich auch schon los. Die Lenkung, Pedale und Schaltung sind sehr muehsam zu betaetigen aber das Autochen faehrt den Huegel hoch.

Einige Stellen unserer Zufahrtsstrasse sind voller Riffel. Das Auto macht komische Klappergeraeusche und fuehlt sich so fremd an, als wuerde es gleich in der Mitte auseinanderbrechen. In der Mitte der Riffelstrecke schwingt die Fahrertuer auf, laesst sich aber schon beim dritten Versuch schliessen.

Dann fahre ich schon auf der Strasse und anschliessend auf dem Highway. Puh, geschafft, ich bin auf dem Weg, denke ich mir und schalte das Radio ein um eine CD zu hoeren. Das Album Nifelwind von Finntroll ist eingelegt und es laeuft das Lied „I trädens sång“.

Die Lautstaerke ist mir jedoch etwas zu hoch, weswegen ich versuche, den Regler ein bisschen herunterzudrehen.

DAS KLAPPT ABER NICHT, DENN ES WIRD IMMER LAUTER, JE MEHR ICH HERUNTERDREHE!!! (Wer mag, kann die Situation gerne nachstellen ^^)

DANN SCHALTE ICH DAS RADIO EINFACH AUS und hoffe, dass ich keinen Herzinfarkt bekomme, wenn ich es wieder einschalte. Beim naeheren Betrachten sehen die LCD Displays auch nicht besonders gluecklich aus. Sie zeigen zwar Uhrzeit und Distanz an, haben ausserdem noch schwarze Aderchen in ungenutzten Feldern entwickelt.

Etwas weiter auf dem Highway sehe ich merkwuerdige Nebelschwaden, die sich in Bodenhoehe tummeln. Als ich hindurchfahre, bestaetigt sich mein Verdacht: Es ist Kaminrauch von den umliegenden Huetten, der bei diesen Temperaturen nicht emporsteigt, sondern augenscheinlich auf den Boden faellt.

Nach 20 Minuten Fahrt scheinen sich die Displays erholt zu haben und mir ist es moeglich, Fintroll in einer angenehmeren Lautstaerke zu hoeren.

Als ich letztendlich mein Ziel in Whitehorse erreiche, steht mein Auto wie jeden Morgen vor einem verschlossenen Tor. Ich muss das Fenster runterkurbeln und den Sicherheitscode eingeben, bevor es sich oeffnet. Die Zahlen liegen nur so dicht beieinander, dass ich dafuer meinen dicken Handschuh ausziehen muss. Obwohl es in Whitehorse „nur noch“ -36 Grad sind, tut mir meine Hand nach dem kurzen Tippen auf der Tastatur fuer ein paar Minuten weh.

Auf der Arbeit angekommen, stoepsel ich das Auto wieder in eine Steckdose. Ein Verlaengerungskabel habe ich immer dabei.

Ich gehe in mein warmes Buero, freue mich, dass alles so gut geklappt hat und meine Hochachtung vor den Ureinwohnern, die die Behausung teils mit Tranfunzeln gewaermt haben, steigt um ein Vielfaches.

Uebrigens gehe ich durchaus spazieren, wenn es bis zu -35 Grad sind. Man muss das Haus ja auch mal verlassen, sonst gibt es cabin fever, das Huettenfieber, was schon einige Verrueckte hervorgebracht hat.

Zwei Beweisbilder kann ich spontan liefern:

img_20170108_175923

Ein eisiger Spaziergang im letzten Winter bei -34 Grad. Trotz Gesichtsmaske sind alle feinen Haare von einer Eisschicht ueberzogen.

P_20180204_184844

Aufnahme von vor ein paar Tagen bei -36 Grad. Die flauschige Kunstfellmuetze ist mehr weiss als braun und auch am Nasenloch der Gesichtsmaske bilden sich Zapfen.

Habt eine gute Woche! 🙂

Job 4: Die Fluggesellschaft, Teil 2

Heute moechte ich ein wenig von meinem Arbeitsalltag als Technical Records Controller bei der Fluggesellschaft erzaehlen.

An meinen Arbeitstagen beginnt mein Morgen frueh. Sehr frueh. Um 3:30 h in der Frueh klingelt der Wecker, gegen 4:10 h sitze ich im Auto und fahre gen Stadt, damit ich aller spaetestens um 5 h da bin. Meist komme ich schon gegen 4:45 h an und gehe nachmittags etwas eher nach Hause. Aber ich weiss nie, wie die Strassenbedingungen morgens sind; daher ist ein Puffer eine gute Sache.

Ich laufe also morgens in mein Buerogebaeude, finde meinen Schreibtisch und einen Zettel, den ich mir am letzten Arbeitstag selbst geschrieben habe. Ein Blick in mein Email-Postfach zeigt mir, ob sich waehrend meines Feierabends noch etwas am Stand von gestern getan hat. Die grosse Frage ist: Welches Flugzeug fliegt zuerst, welche fliegen danach und welche sind vielleicht gar nicht in Whitehorse ueber Nacht?

Mit diesen Informationen gehe ich in den Hangar, was eine riesige Flugzeuggarage ist. Es ist wirklich ein schoener Anblick, morgens ganz allein zwischen den grossen Flugzeugen. Die Mechaniker der Tagschicht sind noch nicht da, das Licht ist gedimmt.

IMG_20180118_045139

Bei diesem Flugzeug wurde die Nase aufgeklappt, in der sich der Radar versteckt.

IMG_20180118_045159

Manchmal muss ich aus Platzmangel unter einem Flugzeug entlanggehen, was eine ungewoehnliche Sicht bietet.

Im Buero des Hangar angekommen, schaue ich auf meinen schlauen Zettel und schnappe mir das Logbuch des Flugzeugs, das als erstes fliegt. Falls das Flugzeug gestern geflogen ist, werde ich eine neue Logbuchseite ueberpruefen und in das Computersystem eingeben.

IMG_20180118_045536

Mein Taschenrechner liegt auf einer Logbuchseite.

Auf der Logbuchseite traegt der Pilot alle Flugdaten ein, so wie Zeiten, Anzahl der Landungen, Gewicht, Flughafen und technische Auffaelligkeiten. Meine erste Aufgabe ist es, die Berechnungen des Piloten zu ueberpruefen und gegebenenfalls zu korrigieren, bevor ich die Daten in die Instandhaltungssoftware uebertrage. Dabei kommt es auf die Richtigkeit von Flugzeit an („Flugzeugraeder verlassen den Boden“ bis „Flugzeugraeder haben wieder Bodenkontakt“) sowie die Anzahl der Landungen. Die einzelnen Instandhaltungsarbeiten von Flugzeugen sind naemlich gesteuert entweder nach Datum, Flugzeit oder Landungen. Alle sieben Tage muss zum Beispiel eine umfangreiche Inspektion erfolgen (keine Angst, jeden Tag natuerlich auch). Nach x Flugstunden muessen die Motoren endoskopisch untersucht werden. Und wenn das Fahrwerk eine gewisse Anzahl Landungen auf dem Buckel hat, muss es verschrottet und ersetzt werden.

In der Software ist jedes poplige Flugzeugteil in einer Instandhaltungskontrollnummer virtuell verbaut und weiss genau, wenn es bald inspiziert oder ausgetauscht werden muss. Dabei ist es egal, ob es sich um Bolzen, Verbandskasten oder Zuendpille im selbstausloesenden Feuerloescher im Motorraum handelt. Wenn die Lebenszeit begrenzt ist, wird genau verfolgt, wieviel Tage, Flugzeit und Landungen das Teil auf dem Buckel hat, seit es eingebaut wurde. Daher ist es wichtig, dass wir alles genau nachrechnen und eingeben, ansonsten kommt das ganze System ausser Takt und es wuerden entweder Arbeiten ueberfaellig oder zu frueh erledigt.

Warum muss man so penibel sein bei der ganzen Angelegenheit? Der ein oder andere wird es schon ahnen: Es ist gesetzlich vorgeschrieben. Wir werden vom kanadischen Transportministerium regelmaessig auditiert. Sollte es zu einem Vorfall oder sogar Unfall kommen, sind die Dokumente das Erste, was die Behoerden ueberpruefen. Falls man irgendwelchen Schindluder mit den Daten treibt oder sie zu seinen Gunsten anpasst, macht man sich persoenlich straf- und haftbar.

Nun aber zurueck zu mir gegen 5:05 h in dem kleinen Buero im grossen Hangar ueber dem Logbuch. Ich kontrolliere alle Berechnungen des Piloten. Falls mir eine Flugzeit unplausibel erscheint oder ich sie nicht lesen kann, schaue ich in unserer Flugverfolgungsdatei nach. Schliesslich gebe ich fuer dieses Flugzeug alle Daten ins System ein. Als naechstes pruefe ich, ob die taegliche Inspektion korrekt durchgefuehrt wurde und alle Stempel an den richtigen Stellen sitzen und lesbar sind. Stimmt etwas nicht, muss ein Mechaniker korrigieren, bevor das Flugzeug starten darf. Dann sichte ich alle Instandhaltungsarbeiten, die fuer dieses Flugzeug gestern ausgefuehrt wurden. Sind geplante Arbeiten dabei, aktualisiere ich die zugehoerige Instandhaltungskontrollnummer im System. Ungeplante Arbeiten werde ich spaeter im Buero erledigen.

Jetzt sind Flugzeit, Landungen und geplante Arbeiten im System aktualisiert und ich kann Berichte generieren und ausdrucken. Die Berichte kommen ins Logbuch und an die Wand im Instandhalterbuero. Aus ihnen ist ersichtlich, wann die naechsten Instandhaltungsarbeiten und Inspektionen geplant sind (wieder entweder bezogen auf Datum, Flugzeit oder Anzahl Landungen) und ob Instandhaltungsarbeiten ueberfaellig sind. Falls etwas ueberfaellig und nicht notwendig zum Fliegen ist, kann die Reparatur unter bestimmten Umstaenden fuer einige Tage zurueckgestellt werden. Ein gutes Beispiel hierfuer ist eine Kaffeemaschine von mehreren. Es geht auch ohne. Falls nicht genuegend Sauerstoffflaschen an Bord sind, weil eine angelaufen ist, darf das Flugzeug wiederum nicht starten.

Waehrend ich mit dem zweiten oder dritten Flugzeug beschaeftigt bin, kommt meist ein Mechaniker ins Buero und holt das Logbuch vom ersten Flugzeug ab. Ohne das Logbuch darf das Flugzeug nicht fliegen. Das Logbuch kommt ins Cockpit und das Flugzeug wird von einem Schlepperfahrzeug aus der Halle gezogen und zum Flughafen gebracht. Das ist auch der Grund, warum ich so frueh anfangen muss zu arbeiten. Die ganze Arbeit muss fertig sein, bevor das erste Flugzeug aus der Halle geholt wird.

Nachdem die Morgenroutine erledigt ist, gehe ich wieder in mein Buero. Je nach Tag bin ich nach 45 Minuten oder 3,5 Stunden auf dem Weg aus der Halle. Im Vorbeigehen bewundere ich nochmal die Flugzeuge. Alle drei Jahre muessen alle Flugzeuge uebrigens komplett auseinandergenommen werden in einem sogenannten Heavy Maintenance Visit, einem schweren Instandhaltungsbesuch. Dazu kommen eine ganze Menge speziell zertifizierte Mechaniker zu uns, damit sich unsere Mechaniker weiter um alle anderen Flugzeuge kuemmern koennen. Derzeit ist ein Flugzeug ziemlich nackig in der Halle. Hoffentlich werden keine gravierenden Maengel gefunden, sodass es nach ca. 8 Wochen wieder fliegen darf.

In den ersten Tagen in meinem neuen Buero habe ich mich gefragt, warum ich mich so heimisch fuehle. Die Antwort war einfach: Das Gebaeude, in dem ich sitze, ist in den gleichen Unternehmensfarben gestaltet wie das Stahlwerk, in dem 9 Jahre gearbeitet habe. Knallorange und stahlgrau. Was fuer eine Kombination.

IMG_20180104_044612

Eine orangene Wand erscheint hinter meinem grauen Buerowuerfel. Den Computerhintergrund ziert natuerlich ein Flugzeug!

Dann ist es auch schon Zeit fuer mein erstes Fruehstueck. Manchmal habe ich Glueck und im Instandhalterbuero sind ein paar Leckereien zu finden von nicht ganz leergefressenen Flugzeugen. Die lasse ich mir dann natuerlich schmecken.

IMG_20171229_055743

Heute gibt es einen Wurst- und Kaeseteller mit zwei Keksen und Mandarinen!

Den Rest des Tages bin ich damit beschaeftigt, alles was ich am Morgen fabriziert habe, nochmal zu rechnen und nachzupruefen. Schliesslich war es frueh und es ist wichtig, dass alles richtig ist. Dann kuemmere ich mich um alles ausserplanmaessige. Und falls ich immer noch Arbeitszeit uebrig habe, greife ich mir alte Logbuchseiten und ueberpruefe die nochmals genauestens, bevor die Dokumente schliesslich gescannt und archiviert werden koennen.

Das alles hoert sich uebrigens viel trockener an, als es ist. Es ist ja eigentlich nur Papierkram, aber man lernt so viel ueber Flugzeuge und jede Instandhaltungstaetigkeit ist verschieden. Wenn ich Fehler finde, muss ich haeufig nachforschen, was denn nun die Realitaet am Flugzeug ist, bevor ich es ins System eingeben kann. Dann muss ein Mechaniker nachgucken gehen. Und komischerweise verschafft mir das Auffinden und Korrigieren eine innere Befriedigung, die nur mit meinem genetischen Erbe zu tun haben kann. „AHAAA“ denke ich mir dann ganz laut und fuehle mich mega schlau. Ist mir ein bisschen peinlich vor mir selbst, ich bin doch eher der lockere Typ. Aber es bekommt ja keiner mit, es ist schliesslich ein innerer Ablauf, der erfreulicherweise dazu fuehrt, dass mir die ganze Arbeit Spass macht.

Neben mir arbeiten noch zwei weitere Technical Records Controller in meiner Abteilung. Die sind beide nett und helfen mir, wenn ich Fragen habe. Zudem essen wir alle sehr gern, was das Gemeinschaftsgefuehl noch verstaerkt. 🙂

Eine Kollegin hab ich mir geschnappt und wir haben zusammen ein Flugzeug gekapert… Naja fast, ich wusste dann doch nicht die ganzen Knoepfe zu bedienen. 😉

IMG_20171226_063335

Ich sitze am Steuer eine Boeing 737.

IMG_20171226_063723

Was macht man, wenn man vor einem Triebwerk steht? Natuerlich salutieren! 😀

Ich arbeite uebrigens 10 Stunden pro Tag und dafuer nur 4 Tage die Woche. Das finde ich sehr angenehm, so spare ich mir einmal die lange Fahrt und habe jede Woche ein langes Wochenende. 🙂

P.S. Meine Handykamera scheint langsam den Geist aufzugeben. Ich hoffe, ich kann die Qualitaet bald verbessern, sonst muss ich mir was anderes einfallen lassen.

Habt eine gute Woche!