Haltbarmachen

Sueder die Winde nie wehen

Letzte Nacht hat der Südwind angefangen zu wehen. Nach einer Woche mit Temperaturen von -28 bis -37 Grad waren es mittags plötzlich nur noch -10. Überwältigt von den Frühlingsgefühlen habe ich gleich mein Rad geschnappt um den Berg zu attackieren. Leider hatte ich aber aus Gewohnheit meine dicke Jacke angezogen (Wer kommt nur auf so eine irrsinnige Idee bei diesen sommerlichen Temperaturen?!). Ich kam also gut ins Schwitzen und stapfte mit offener Jacke tapfer die Straße hoch.
Bei dieser langen Schieberei muss ich häufig an den September 2013 denken. Meine Freundin Alex und ich fuhren mit unseren Fahrrädern einmal quer durch Wales auf der Lon Las Cymru-Route von Cardiff nach Holyhead. Viel informiert haben wir uns über die Schwierigkeit der Strecke nicht, schließlich ist der höchste Berg in Wales mit einem guten Kilometer gerade mal so hoch wie der Brocken im Harz. Was wir nicht wussten, ist, dass das ganze Land nur aus kleinen fiesen Hügeln zu bestehen scheint, neben Schafkacke, Schlössern und Pubs. Und die unzähligen, fahrradschiebenden Anstiege nutzten wir entweder dazu, unsere meist unfreiwillig komischen Männergeschichten aus der Vergangenheit zu kramen und uns kaputtzulachen oder aber englische Weingummis und Chips frustriert in uns reinzustopfen. Je nachdem, wie steil der Anstieg war. Kurzum: Wir hatten eine tolle Zeit und den ganzen Weg bei jedem Wetter gemeistert ohne auf Bus oder Bahn umzusteigen. 🙂

Heute schiebe ich mein Rad taeglich allein den Berg hoch und lasse die Gedanken frei reisen. Mal kreisen sie um die Vergangenheit, mal um die Zukunft aber meist ums Essen. 😉 Jon hat wieder fleißig Obst und Gemüse mitgebracht. Einiges habe ich im Trockenschrank verstaut, um am Tag daraus Pulver herzustellen. Eine Monsterladung Apfel-Chutney wurde fabriziert nebst zwei Bananenbroten. Aber mein liebstes Werk waren gestern die Kiste voller Avocados, die verarbeitet werden wollten. Was macht man daraus? Genau, eine lecker-scharfe Guacamole. Genauer gesagt, zwei große Pötte voll davon! Gestern hab es Bratkartoffeln mit Spiegelei und Guacamole und heute wird das Chipsregal im Supermarkt leergeräumt!

Ein weiteres Küchenexperiment habe ich mir in Form von Müsliriegeln gegönnt. Ich hatte letztens gelesen, dass man dazu nur den süßen Klebstoff auf 260 Fahrenheit (127°C) erhitzen muss und dann mit den gewünschten Nüssen vermengen. Das musste ich doch gleich mal ausprobieren. Die erste Fuhre stellte ich mit Honig, Vanille und Salz her, die zweite mit halb Honig, halb Maissirup, Vanille und Salz. Nach dem Vermengen drückt man die Masse in ein tiefes Backblech, lässt es kurz abkühlen, stürzt es und schneidet alles in einzelne Riegel.
Fazit: Geschmacklich sind beide super, leider ist die nur-Honig-Mischung bei Raumtemperatur etwas klebrig an den Fingern und die Honig-Maissirup-Mischung ist ein 1A Plombenzieher. Macht nichts, ich experimentiere einfach weiter.

Übrigens erhielt ich ein Care-Paket von Basine a.k.a. Muddi samt ihren Vasallen Dietbold, Jahrn, Lehn-R und Nigg-L. Unter anderem lag eine Bio-Hautcreme von lavera bei mit dem Hinweis, meine Haut sehe auf meinen Selfies so trocken aus und ich möge sie bitte besser pflegen.
Liebe besorgte MitleserInnen: Ab jetzt glänze ich wie eine Speckschwarte, bis die Sonnenreflexion auf meinem Gesicht den Schnee schmelzen lässt. Schuld war nur die gemeine trockene Kälte. Aber mal im Ernst, ich habe mich wirklich gefreut. 🙂

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Etwas zu grosszuegig eingecremt grinse ich mit einem Plueschfrosch auf meinem Kopf duemmlich um die Wette. Der Frosch war auch im Paket enthalten und besteht zu 76% aus Gesicht.

Es gibt kein‘ Quark auf Hawaii

…und auch im Yukon nicht. Schon doof, wenn man kleine Quarkstollen backen moechte. Daher wird das Internet befragt, wie man sich denn einen Quark herzaubern kann. Joghurt und Frischkaese mischen? Nein Danke. Saure Sahne oder griechischer Johurt? Auch nicht das gleiche, vor allem weil saure Sahne hier ja Sour Cream ist und fuer mich eher nach Ofenkartoffeln schmeckt. Dann bin ich auf eine andere Meinung gestossen, die sich so komisch anhoert, dass ich sie auf jeden Fall ausprobieren muss.

img_20161206_220443Man nehme am Abend ein Kaesetuch (oder besser noch einen -sack) und fuelle Joghurt hinein. Nun nur noch irgendwo aufhaengen, eine Nacht drueber schlafen und fertig sei der Quarkersatz. Wenn das mal keine Herausforderung ist! Gesagt, gehangen.

 

Froehlich tropft es vor sich hin um am naechsten Tag ist wirklich etwas Quarkaehnliches aus dem Tuch zu kratzen. Zu cremig fuer einen echten Quark aber das muss reichen.

Die Mini-Quarkstollen sind damit jedenfalls sehr gut gelungen. Jon isst keinen Zucker, daher habe ich sie mit Honig gesuesst und auf den Puderzucker verzichtet. Nach einem Tag ziehen lassen in einem Plastikbeutel haben sie genau richtig geschmeckt! Das Rezept mache ich schon jahrlang und es ist unter diesem Link zu finden. Jedes Mal lecker!

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16 kleine Stollen (ungefaehr zwei Bissen pro Stollen) kuehlen sich auf einem Backblech ab. Das haben sie sich auch verdient nach einem Bad in heisser Butter!

Vor einigen Jahren fragte mich mein Freund Beule „Was kommt nach Elch?“

Sein erwartungsvolles Grinsen verriet mir, dass dies wahrscheinlich ein Witz aus seinem Erzieher-Repertoire auf Grundschulniveau ist. Aber neugierig war ich trotzdem.

„Na was?“

„Nach Elch kommt Zwoelch!“

So weit so gut. Im Yukon kommt allerdings etwas anderes nach Elch. Und das ist ne Menge Arbeit. Erst muss das Tier ausgenommen werden, gehaeutet, das Fleisch kuehl, luftig und trocken gelagert werden, bevor das meiste dann erstmal eingefroren wird. Gestern hat Jon einen grossen Batzen Elch vom letzten Jahr aufgetaut. Und wir haben es zusammen verarbeitet.

Am Anfang war der Fleischwolf. Das Fleisch wird in kleine Stuecke geschnitten und durch den Fleischwolf gedreht. Dazu wird auch Rinder- oder Schweinefett zugemengt. Fett macht alles saftiger und ist ausserdem Geschmackstraeger.

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Auf einer Holzplatte ist ein grosser Fleischwolf vor einem Motor montiert, so dass man nicht kurbeln muss. Grosse Fleischstuecke kommen oben rein und vorne als Gehacktes raus. In einer Plastikwanne wird es zusammen mit dem Fett gesammelt.

 

Nun hat man schon fertig Gehacktes. Allerdings in einer grossen Plastikwanne, was fuer eine Lagerung nicht gerade vorteilhaft ist. Also geht es weiter zur naechsten Station, dem Vakuumiergeraet.

Man packe die gewuenschte Menge in einen Vakuumbeutel, plaziert ihn in die Maschine, Deckel zu, Knopf druecken und fertig. Raus kommt ein Beutel Elch-Gehacktes fuer den Kuehlschrank oder zum Wiedereinfrieren.

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Zwei Beutel Elch-Hack neben der rechteckigen Vakuum-Maschine.

Doch wir haben nicht alles zu Hack-Paketen verarbeitet. Waehrend ich freudig die Maschine bediene, faengt Jon an, eine Elch-Lasagne vorzubereiten. Davon gibt es leider kein Bild, die war zu schnell weggegessen. Aber wir haben noch etwas anderes hergestellt.

Endlich kann ich mit meiner deutschen Genetik auftrumpfen! Wir stellen Wuerste her. Fuer amerikanische Verhaetnisse untypisch: Sogar im Naturdarm! Die Daerme warten in einer kleinen Wasserschale darauf, ueber die Duese der Wurstpresse gestuelpt zu werden. In den grossen Zylinder der Presse fuellt man die gewuenschte Menge gewuerztes Hack und drueckt das ganze kurbelnd durch die Duese. Jon kurbelt, ich wurste. Das macht Spass.

Man muss aufpassen, dass der Darm feucht bleibt und nicht reisst. Und auch das Braet kommt nicht immer gleichmassig heraus, sodass man die Geschwindigkeit des Darmziehens staendig an die Wurstmenge anpassen muss. (Den Satz habe ich noch dreimal gelesen. Jedes Mal wurde er besser!!!)  Nachdem der ganze Darm gefuellt ist, unterteile ich die Megawurst in viele kleine Wuerstchen. Und dann moechte auch schon der naechste Darm gefuellt werden.

Was macht man als naechstes mit den kleinen Elchwuersten? Man sollte sie nicht gleich kuehlen, weil sie durch den nassen Darm doch sehr feucht sind. Also erstmal trocknen lassen. Im Idealfall an einem Ort, zu dem die Hunde nicht gleich unmittelbaren Zugriff haben.

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Familienzusammenfuehrung. Die Wurstketten haengen vom Elchgeweih an der Wand herunter.

 

Okay, ich gebs zu. Etwas makaber ist es schon. Man schiesst den Elch, schraubt das Geweih an die Wand, um es dann zum Trocknen der Elchwuerste zu benutzen, die man in Schweinedaerme gestopft hat. Aber es ist trotzdem verdammt lecker. Und ein gutes Gefuehl zu wissen, wo das Fleisch herkommt und wer es wie verarbeitet hat.

In Kanada ist es uebrigens verboten, Jagdfleisch zu verkaufen. Haeufig wird also unter Freunden hin- und hergeschenkt. Ich gebe dir Elchwuerste und nach der naechsten Jagd bekommst du von mir eingekochtes Karibou. So wird nichts schlecht und es gibt viel Abwechslung auf dem Speiseplan.