Fotografie

Laufend unterwegs

Wer haette mal gedacht, dass ich freiwillig laufen gehe?

Leute, die mich schon laenger kennen, wissen, dass Sport eher nicht so meine Staerke ist. Eher essen, schlechte Witze erzaehlen und viel mit Freunden unternehmen.

Folgendes Bild von wurde vor 10 Jahren aufgenommen und zeigt mich beim Ausueben meiner damaligen Hobbies:

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Warum entscheiden zwischen Bier trinken und rauchen, wenn auch beides gleichzeitig geht?

Das Rauchen habe ich vor knapp 10 Jahren aufgegeben. Das Bier trinken hat mich noch laenger verfolgt. Erst vor wenigen Jahren wurde mir bewusst, dass jede am Nachmittag oder Abend konsumierte Flasche einen naechtlichen Toilettengang nach sich zog. Und um das in Kauf zu nehmen, schlafe ich einfach zu gerne.

Als ob es nicht genug gewesen waere, nicht mehr zu Rauchen oder zu Trinken. Trotz dem ich der Meinung war, dass Sport Mord sei, gesellte sich 2011 das gelegentliche Radfahren dazu. Und 2014 das Wandern. Nur Laufen, so stellte ich regelmaessig und vehement klar, Laufen hasse ich! Das kann ja auch gar nicht gesund sein. Lange braucht man nicht zu recherchieren, bis man auf negative Berichte ueber den Laufsport stoesst. Knie gehen kaputt. Marathonlaeufer sterben an einem bis dahin unentdecken Herzfehler. Vom Tod des ersten Marathonlaeufers ganz zu schweigen.

Wie kam ich also dazu, meine Vorbehalte aufzugeben?

Um mal laenger auszuholen: Anfang 2018 schaffte ich mir eine Personenwaage an. Ich wusste schon vorher, dass manche Hosen nicht mehr passten und wurde dann bestaetigt, dass ich am oberen Ende des Normalgewichts kratzte. Uebergewichtig war ich schon lange genug gewesen (BMI bis zu 28). Ist schon laenger her aber macht keinen Spass. Die Knie und der Ruecken tut weh sogar ohne schaedliches Lauftraining und ich war so schnell aus der Puste, dass ich an manchen Dingen gar nicht teilnehmen wollte. Darauf hatte ich also keine Lust mehr. Aber Diaeten sind jetzt auch nicht unbedingt mein Fall. Wenn ich auf was bestimmtes verzichte so wie Kohlenhydrate, dann bekomme ich erst recht Hunger darauf. Nur kleine Portionen essen mag ich auch nicht, das Gefuehl des Vollgefressenseins ist einfach zu himmlisch. Nicht die besten Voraussetzungen, um etwas abzuspecken.

Dann stiess ich auf die Seiten von Jens auf 5zu2.wordpress.com. Von Jens erfuhr ich, was Intervallfasten ist. Man isst entweder zweimal in der Woche einen Tag lang wenig, oder man isst taeglich 16 Stunden am Tag nichts. Hoert sich zu schwierig an, dachte ich. Doch dann fiel mir auf, dass ich bereits einige Wochen lang an Arbeitstagen 12 Stunden am Stueck nichts esse. Abends um 19 Uhr esse ich noch etwas, dann gehe ich schlafen, bin um 5 Uhr ohne Fruehstueck auf der Arbeit und bin erstmal so beschaeftigt, dass ich erst um 7 Uhr Zeit habe zu fruehstuecken. Hmm. 12 oder 16 Stunden sollten doch jetzt auch kein grosser Unterschied sein, oder? Im Februar 2018 probierte ich aus, statt um 7 Uhr mein Fruehstueck um 11 Uhr zu essen. Und es hat mir keine Probleme bereitet. Seitdem habe ich von 365 Tagen bestimmt 350 Tage das Intervallfasten 16:8 betrieben. Ich fuehle mich, als haette ich mehr Energie und ich muss mir keine Gedanken mehr darueber machen, was ich auf die Arbeit zum Essen mitbrigen (Ich esse seit ca. 10 Monaten jeden Tag das gleiche auf der Arbeit). Darueberhinaus habe ich 13 kg abgenommen und jetzt einen BMI von 20, mein Mindestgewicht seit 12 Jahren.

Doch waehrend des Abnehmens fragte ich mich dann, wozu ich das eigentlich mache. Um den Beschwerden vorzubeugen, die ich als Uebergewichtige hatte. Aber gehoert dazu nicht noch mehr als eine bestimmte Zahl auf der Waage zu sehen? Mitte Juni gegen 22 Uhr, draussen ist es noch taghell, verkuendet Tyrel, dass er jetzt eine Runde Laufen geht. Alle paar Monate ueberkommt ihn das Beduerfnis mal. Super, dachte ich mir, ich begleite ihn mit dem Fahrrad.

Okay, die erste Haelfte der Strecke ging es nur bergauf, das Fahrrad war mir also keine grosse Hilfe. Aber als ich den 203 cm grossen Tyrel gazellenmaessig vor mir wegspringen sah, waehrend ich schnaufend vom Rad abstieg und schieben musste, daemmerte mir, dass dieser Zustand auch nicht gesund sein kann. Was, wenn ich an der Kueste bin und ein Tsunami anrollt? Dann kann ich nicht in die Berge laufen. Oder noch viel schlimmer, was wenn ich auf dem Weg zum Supersonderverkauf im Kaeseladen bin und mein Auto ne Panne hat?!?!

Jupp, ich muss was tun. Mit 30 war das dann auch mal an der Zeit.

Zuerst fand ich ein Programm, das angeblich fuer Leute war, die Laufen hassen. Es fing an mit zwei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen im Wechsel. Laeppisch, dachte ich. Doch als ich es dann tatsaechlich ausprobierte, hustete ich mir die Lungen aus dem Leib. So nicht. War ich dann doch einfach nicht geeignet fuer das Laufen?

Zum Glueck war ich noch nicht voellig demotiviert und suchte weiter. Jetzt nicht mehr fuer Leute, die Laufen hassen, sondern fuer Leute, die nicht Laufen koennen. Da stiess ich auf das Programm „Couch to 5 k“, was anscheinend eher meinem Fitnesslevel entsprach. Da bestand die erste Woche aus 60 Sekunden Laufen abwechselnd mit 90 Sekunden gehen. Das war hoellisch anstrengend! Aber irgendwie machbar. Denn dass ich nicht mal 60 Sekunden lang laufen koennen soll, dazu war ich dann doch zu stolz.

Irgendwie habe ich es geschafft, am Ball zu bleiben. Mit Unterbrechungen, fuer die Kanutour, wegen Krankheit, wegen Temperaturen um -40 Grad, auch mal wegen extremer Unlust.

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Bei -22 Grad und Schnee gehe ich trotzdem laufen und komme zurueck zugefroren wie der Yeti.

Aber ich weiss, wenn ich mich aufraffe zu laufen, dann werde ich belohnt mit malerischem Bergpanorama, mit Ausblicken auf Seen und Taeler und mit einem ungewohnten befriedigenden Gefuehl. Einem Gefuehl, dass ich mir etwas koerperlich erarbeite, was mir nachhaltig gut tut. Dass ich mich um mich sorge und Zeit und Muehe fuer meine Gesundheit investiere.

Werde ich etwa erwachsen?! Naja, solange es sich so gut anfuehlt, bin ich auf jeden Fall dabei.

Und wer sich bei sonnigen -25 Grad zu einem 45 Minuten Lauf aufraffen kann, der bekommt sogar den Mascara umsonst dazu!

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Warum vereist eigentlich alles, wobei die Kaelte doch so trocken ist? Manche Dinge bleiben mysterioes!

Habt eine gute Woche! 🙂

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Unsere Einfahrt auf dem Weg zurueck nach dem Lauf.

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Flusstrip 2018: Tag 4

Heute morgen zeigt das Thermometer nur -8 Grad an. Durch eine frische Brise fuehlt es sich jedoch um einiges kaelter an. Ich misstraue dem Messergebnis und stelle das Thermometer auf einen etwas abgelegenen Baumstumpf, auf den die Waerme des Feuers mit Sicherheit nicht strahlt. Das hat wohl auch geklappt. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, da ich das Thermometer nicht wiedergefunden habe. Es wird jetzt wohl den ganzen Winter fleissig messen und Ende Juni 2019 die ersten Touristen verwundern.

Dann wieder packen, fruehstuecken, los. Nicht nur ein Thermometer lassen wir zurueck, sondern auch wieder Berge an Feuerholz. Man weiss nie, wer als naechstes an diesen Platz kommen wird; ob er oder sie vielleicht durchnaesst oder kalt ist. Fest steht, dass die wenigsten Flussbesucher eine Kettensaege im Gepaeck haben.

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Mit dem Holzhaufen, den wir zuruecklassen, koennen mehrere Lagerfeuer entzuendet werden.

Auf dem Fluss gilt es nach Tieren Ausschau zu halten. Sich anhand der Karte zu orientieren und Notizen zu machen. Die Umgebung einzusaugen und versuchen so viel wie moeglich zu speichern von der Gelassenheit. Was hier passiert, passiert einfach. Und dann wird besonnen darauf reagiert. Ich merke, wie meine Bewegungen gleichfoermiger geworden sind. Die Schritte sind langsamer, aber sicherer.

Es gibt hier keine Termine, keine Hast. Denn durch Eile geschehen Fehler, die man sich hier nicht leisten kann.

Wir haben schon drei noch warme Feuerstellen in Ufernaehe schwelen gesehen. Weitere Jaeger muessen uns ein bisschen voraus sein. Ansonsten seit zwei Tagen keinen anderen Menschen gesehen. Wenn ein Krieg, eine Wirtschaftskrise oder die Pest ausgebrochen ist, wir wissen es nicht. Fuer uns zaehlen andere Dinge. Wie frisch sind die Schwarzbaerenspuren am Ufer? Sind die Wolken am Horizont so leicht wie sie aussehen oder bringen sie Schnee? Sind die Wellen vor uns aufgebracht durch grosse Felsen im Flussbett oder ist das Wasser dort einfach seichter?

Waehrend ich nach Bewegungen Ausschau halte, verfalle ich in suesse Tagtraeume. Ich betrachte mein Leben moeglichst neutral und frage mich, was ich noch verbessern kann. Eine Sache faellt mir ein, ich sollte mich mehr dehnen. Erste Erfolge konnte ich bereits erzielen durch regelmaessige Dehnuebungen, doch dann fing ich mit dem Laufen an und alles wurde wieder unbeweglicher. Voll egal, dann fang ich einfach nochmal von vorne an.

Am Ende des Tages erreichen wir Hootalinqua, wo die Fluesse Yukon und Teslin ineinanderfliessen. Das transparente Wasser des Teslin weicht dem tuerkis-flaschengruen des Yukon und ich fuehle mich durch diese besondere Farbe schon sehr heimisch. Zur Goldrauschzeit vor einem guten Jahrhundert war hier ein wichtiger Handelsstuetzpunkt und eine Polizeistation. Goldgraeber kamen von weit her, um ihre Claims zu registrieren und Trapper tauschten Felle gegen Gebrauchsgegenstaende. Da in heutiger Zeit die Stelle sehr beliebt zum Lagern ist, gibt es so gut wie kein Feuerholz mehr in der Umgebung. Wir haben bei der letzten Flussbiegung Halt gemacht und uns genuegend Holz fuer die Nacht und den Morgen mitgebracht.

Zum Abendessen gibt uns Joe jedem ein Grizzly Chilli Wuerstchen ab. Zum Nachtisch gibt es noch eine Scheibe Christstollen. Das Leben ist gut. 🙂

Flusstrip 2018: Tag 3

In der Wildnis scheine ich einen helleren Schlaf zu haben. Ich wache auf, wenn ich das Feuer nicht mehr knistern hoere und lege neues Holz nach. Dann kann ich kurz nicht schlafen, weil das Feuer zu laut knistert und es zu hell geworden ist, da der Schein des Feuers die Plane ueber uns wie eine Kinoleinwand beleuchtet. Das ganze wiederholt sich etwa drei Mal, bis gegen 7 Uhr morgens Aufstehstimmung verbreitet wird und ich mich aus dem Schlafsack schaele.

Auch heute Morgen zeigt das Thermometer -12 Grad an. Schnell schluepfe ich in meine dicke Kleidung und bewege mich, um warm zu werden. Wasser muss geholt werden, sowie das Fruehstueck, was mit den anderen Lebensmitteln nachts in einem Plastikcontainer beim Boot bleibt. Vor Baerenbesuch graut es meinen Mitstreitern dabei nicht so sehr wie vor Maeusen.

Nachdem unsere Gaumen gestern durch die Elchwuerstchen und Kaesegnocci so verwoehnt wurden, gibt es heute morgen wieder ein Fertiggericht von Knorr. Joe gebe ich eine Packung hausgemachte Nussriegel mit fuer einen Snack zwischendurch auf dem Boot. Tyrel und ich beschliessen, so wenig wie moeglich selbst von den Riegeln zu essen, damit wir Joe auch eine Freude machen koennen, wo er uns doch aus der Patsche hilft und dabei noch so gut verkoestigt.

Heute Morgen brauchen wir laenger, bis wir aufbrechen. Tyrel hat ein paar duenne Baeumchen gefaellt und zusammen mit Joe wird beraten, wie die Boote nun am besten zusammengebunden werden koennen, damit alles gut navigierbar ist und das Gummiboot keinen Schaden nimmt. Ich nutze die Zeit um mich warmzuhalten, packe unser Camp zusammen und bringe die Kisten herunter in Richtung Boot. Mit der Kamera halte ich den Sonnenaufgang fest.

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Die Sonne lugt hinter den oestlichen Bergen hervor, waehrend sich noch Nebelschwaden auf dem Wasser tummeln.

Joe und Tyrel zurren derweil fleissig an den Booten herum. Zugseile, Bungeeseile und Ratschen ist etwas, was man in Unmengen mit auf einen Trip in die Wildnis nimmt und in allen moeglichen Situationen darueber gluecklich ist.

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Die Boote sind mit zwei duennen Baeumen parallel miteinander verbunden und werden wieder mit der Ausruestung eingeraeumt.

Schliesslich treiben wir auf dem Fluss. Langsam geht es voran, bei engen Kurven paddeln wir zusaetzlich, damit wir nicht auf eine Kiesbank auflaufen. Ein paar Flusswindungen weiter begruesst uns ein maechtiges Floss!

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Bestimmt 15 Meter lang ist das Floss, das mit Annehmlichkeiten wie Autositzen und einer Feuerstelle ausgeruestet ist.

Wir gehen an Land und machen uns ein Bild von der Lage. Unglaublich ausgeruestet waren die Flossfahrer unterwegs. Eine Dusche ist an Bord, eine Betonplatte mit Feuerstelle, eine Kueche, Schlafplaetze, Kisten voller noch haltbarer Lebensmittel, Werkzeuge und eine Kiste voller Naegel. Eine Landungsbruecke fuehrt zum Ufer, dort hat jemand Unmengen von Feuerholz gesaegt und ein provisorisches Klo ausgehoben und zum Teil mit Klopapier und Faekalien gefuellt.

Gab es Probleme mit dem Floss, sodass sie nicht weiter konnten? Sind sie auf Grund gelaufen und haben das Floss dann nicht mehr zurueck ins Wasser bekommen? Haben sie aus anderen Gruenden die Expedition abbrechen muessen und das Boot zurueckgelassen um im naechsten Sommer zurueckzukommen?

Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich nicht erfahren. Es bleibt nur abzuwarten, ob das Floss im naechsten Jahr noch vorhanden ist oder vom losbrechenden Eis im Fruehling zermalmt oder losgerissen wurde.

Wir lassen den Ort ruhen und ziehen weiter.

Nach einer Flussbiegung ruft Tyrel leise „es hat ein geweih…“

!!! EIn junger Elchbulle sonnt sich am Ufer und schaut uns fragend an!!! So unauffaellig, wie es nun mal geht, greife ich nach meinem Gewehr, lade Munition durch, nehme die Schutzkappen des Suchers ab und lege an. „Schiess nicht, er rennt doch schon weg!“ Und auch ich sehe nur noch den Elchgalopp… Verdammt! Joe musste den Motor bedienen, vor uns im Fluss befanden sich Kiesbaenke, Steine und Stromschnellen. Und Tyrel hat gepaddelt, um Joe zu unterstuetzen. Naja, es ist gut, dass wir wenigstens einen Elch gesehen haben. Schnell geht es zur Stelle, die der Elch zur Siesta ausgewaehlt hatte. Joe streift gegen den Uhrzeigersinn um die kleine Insel, Tyrel und ich im Uhrzeigersinn. Im Eis um die Insel entdecken wir schliesslich, wo der Elch vom Festland angereist und auch wieder abgereist ist. Schade, er ist weg.

Wir tuckern zum anderen Ufer und machen Mittag. Vielleicht kommt der Elch ja nochmal wieder. Tyrel und ich essen ein paar staubige Cracker, waehrend die Schatten der Baeume ueber uns ziehen und die Mittagpause unangenehm machen. Es ist Zeit, weiterzuziehen.

Tyrel fallen immer wieder die Augen zu. Hmm, habe nicht ich das Feuer am Leben gehalten heute Nacht und sollte jetzt muede sein? Aber wie schoen, dass seine Erkaeltung so gut ausgeheilt ist, davon ist gar nichts mehr zu spueren.

Joe reicht uns ein Stueck Christstollen herueber, wir schneiden zwei kleine Scheiben ab. In meinem Mund erklingt eine Symphonie. Wie wundervoll es schmeckt! Ist es, weil ich gerne Stollen mag, weil ich hungrig bin, weil ich mich hier von Fertiggerichten ernaehre oder liegt es an der frischen Luft? Spielt ueberhaupt keine Rolle. Mit geht es einfach prima und ich bin da, wo ich gerade sein soll.

Waehrend wir alle Ausschau halten nach einem Cousin des fluechtenden Elchbullen, mache ich ein paar Bilder von anderen Tieren.

Heute passiert nicht mehr viel. Wir halten, errichten das Lager, machen ein Feuer.

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Das Feuer waermt einen Topf mit Wasser auf einem Gitterrost. Daneben wurden schon Tyrels und meine Plastikschuessel mit Fertignudeln und heissem Wasser befuellt.

„Wollen wir naechstes Jahr Urlaub im Warmen machen?“, fragt Tyrel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Jagdtrip dafuer ausfallen wird 2019. Aber warm klingt eigentlich ganz verlockend zur Abwechslung. Tyrel moechte gern Alligatoren sehen. Die gibts doch in Louisiana, da ist das Essen so scharf und lecker, das gefaellt mir wiederum!

Wir wuenschen uns eine gute Nacht und warme Traeume.

Der Zauber des Yukon

Der Dichter Robert W. Service lebte zu Zeiten des Goldrausches im Yukon. Er verfasste die Zeilen, die den Geist des Yukon nach Meinung der Ortsansaessigen am besten fangen konnte. Eine gelungene deutsche Uebersetzung des Gedichts „Spell of the Yukon“ habe ich auf die Schnelle nicht finden koennen, es handelt aber vom Zauber, das von diesem Land ausgeht. Ein Zauber, der viele Menschen hier her zieht und sie nicht loslaesst, wenn sie einmal hier waren.

Dass dieser Zauber durch das Internet uebertragbar ist, war mir neu. Doch es scheint so zu sein, habe ich durch meine Erzaehlungen und Bilder sirenenartig doch schon ein oder zwei Freunde zu Besuch in meine neue Heimat gelockt. 😉 In diesem Monat haben mich meine Freunde Anke und Jens besucht, die eine 17-jaehrige Flugzeugabstinenz beendet haben, um in das weite, abenteuerliche Land einzudringen.

Am letzten Tag haben wir zusammengesessen und resuemiert. Was war nicht so schoen? Das Zimmer in der Gastwirtschaft war ein wenig klein. Und die Klos sind doof, eine riesige Schuessel voller Wasser, bei der man meist mehrmals spuelen muss um alle Spuren zu beseitigen. Und was war das Schoenste?

Die Wanderungen.

Was hinter diesen beiden Worten steckt, versuche ich mit ein paar Bildern zu untermalen. Jeder, der schon mal Urlaubsbilder geschossen hat, weiss, „Das kommt gar nicht so rueber auf dem Bild“. Eine Ahnung kann man trotzdem bekommen. 🙂

Weiterhin, und nicht mit Bildern belegt, haben wir unter anderem:

  • Adlerfedern gesammelt.
  • Der Weisheit einer indianischen Medizinfrau gelauscht.
  • Baerenbraten genossen.
  • Auf dem Pferderuecken das Land erkundet.
  • Lokale Koestlichkeiten probiert.
  • Ueber Anstiege gestoehnt.
  • Ausblicke genossen.
  • Einen Wolfspelz geknuddelt.
  • Baerenspray gesprueht, nur als Test.
  • Dosen geschossen.
  • Einen hervorragenden Glen Els vernichtet.

Und vor allem gemerkt, wie toll es ist, gute Freunde zu haben. Egal, wo die sich die meiste Zeit ueber aufhalten. 🙂

Vielen Dank fuer die Zeit, ihr zwei und auf bald!


Nachtrag: Eine schoene Zusammenfassung aus der Sicht der Besucher:

So schnell vergeht die Zeit: ein halbes Jahr haben wir drüber gesprochen das wir uns bald sehen – und jetzt ist die Zeit schon wieder rum und wir haben die erste Nacht zu Hause verbracht.

Überrascht muß ich sagen: Es ist Sch.. kalt hier! So kalt war es im Yukon nicht. 😉

Wir hatten eine tolle und wundervolle Zeit bei und mit Euch und haben jetzt eine Haufen Erlebnisse und Eindrücke die verarbeitet werden wollen; mit Kopf und Herz :-). Es hat so viel Spaß gemacht, es war auf jeden Fall nicht der letzte Trip in eure Richtung und beim nächsten Mal wird auf jeden Fall der Umweg über Großstädte eingespart 😉
Jetzt kann ich auch ergänzend zu Deinem bzw. unserem Resümee der letzten Urlaubstage noch ergänzen:
Vielen Dank
  • Für Deine Führungsqualitäten in der Weite des Yukons 🙂
  • An Tyrel, für Zeit und Schweiß bei der Kurzeinführung in „Yukon-Life“, einschließlich Pick-up fahren 🙂
  • Für die Ausflüge in die regionale Küche, einschließlich Bärenbraten (er hat zwei neue Fans)
  • Für die schönen gemeinsamen Wanderungen und Abendessen, bei denen wir viel geschnauft und gelacht haben
Folgende Vorstellungen bzw. Wünsche konnten wir in der Zeit bei Euch umsetzen:
  • Einmal stundenlang durch die kanadische Weite reiten; quer durch Wälder, Bäche, Moorgebiete ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen
  • Wanderungen durch wunderschöne Landschaften
  • Viel von der einheimischen Tierwelt zu sehen. Einschließlich Adlern, Bären und Luchse im Garten
  • Picknicken am Yukon, begleitet vom grünblauen Strom unter strahlender Herbstsonne
Und, eigentlich ganz ungeplant, noch wunderschöne tanzende Nordlichter gesehen!!!
Diese Dinge habe ich für mich mitgenommen:
  • Acht Stunden im Westernsattel sind auch für den geübten Po eine Herausforderung 😉
  • Ich bin mutiger als ich dachte – aber immer noch leicht zu erschrecken (Vielen Dank an die Joggerin auf dem Auriol-Trail, die sich vermutlich immer noch über die „hopsende“ Touristin scheckig lacht)
  • Ich kann schießen – und sogar treffen
  • Ich mag Fell – auch wenn es nicht mehr maunzt oder bellt
  • Und ICH WILL EIN GROSSES AUTO… 😉 (Der Link zum RAM-Händler steht – allerdings die Anfrage für einen Tank-Kredit auch…) Zum Einstimmen läuft jetzt schonmal der Country- und Oldiesender im ollen Kombi
Es war also eine tolle Zeit und ist unbedingt zum Nachahmen zu empfehlen!!!
Wir wünschen Euch eine schöne und erlebnisreiche Auszeit, ohne Löcher in Boot oder Kanu und viel Erfolg beim Befüllen der Gefriertruhe!

Bis bald, seid fest gedrückt und herzlich gegrüßt

Von Sugar-Anke und Wander-Jens (der jetzt drängelt, das wir wandern gehen, damit er Jerky essen kann, weil das auf einer Wanderung dazu gehört 🙂 )

Eine Woche Yukon

Eine Woche Yukon nur? Das lohnt doch nicht… denkste! Meine Freundin Dinah hat den Selbstversuch gewagt und ihn nicht bereut.

Eine Woche nach dem Baerenbesuch stand sie auf der Matte. Zwar unterbreitete sie das Angebot, uns bei der Baerenkotbeseitigung im Flur zu helfen, doch die meisten Spuren konnten wir schon beseitigen. Nur die Dusche war noch nicht funktionstuechtig, aber wofuer gibt es eigentlich die heissen Quellen? 🙂

Viele Seen, Berge und Fluesse haben wir in den ersten Tagen besichtigt. Schwierig ist es nur, das Fotomotiv zu waehlen, denn irgendwie sind hier die meisten Ausblicke Postkarten-geeignet.

Die schoenste Farbe hat meiner Meinung nach immernoch der Yukon River. Je nach Lichteinfall scheint er mehr gruenlich oder blaeulich zu schimmern.

Bei der ganzen Knipserei bin auch ich mal spontan fotografiert worden. Das passiert sonst eher selten.

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Ich stehe immer parat… am Fotoapperat!

Auf dem Weg nach Carcross haben wir dann beschlossen, Dinah auch mal arbeiten zu lassen in einem kanadischen Traditionsberuf.

Erst fanden wir uns in der kleinsten Wueste der Welt wieder und dann im Streichelzoo. Ziemlich abwechslungsreich die Ecke um Carcross!

Mein persoenliches Highlight war unser Ausflug nach Haines, was in Alaska liegt. Yukon liegt ja an der Grenze zu Alaska und Alaska scheint Kanada ne ganze Menge Kueste geklaut zu haben. Das Meer ist nur ein paar Stunden Fahrt von Whitehorse entfernt, doch da der Kuestenstreifen zu Alaska gehoert, muss man dafuer das Land verlassen und in die USA einreisen. Fuer kanadische Staatsbuerger ist das kein grosses Problem. Deutsche brauchen jedoch ein spezielles Visum fuer die USA und muessen bezahlen, dazu noch Formulare ausfuellen und und und.

Zum Glueck stiessen wir auf zwei knuffige US-Grenzbeamten auf dem Weg nach Haines. Diese gute Erfahrung hat mindestens zwei meiner drei bisher schlechten Erlebnisse mit US-Beamten wieder wettgemacht.

Haines ist ein niedliches, kleines Fischeroertchen mit Hafen direkt an einer Bucht. Da mein Auto nicht abschliessbar ist und wir vorhatten im Wagen zu naechtigen und uns nicht tagsueber um unsere Sachen sorgen wollten, haben wir uns auf einen Wohnmobilplatz direkt am Wasser gestellt.

Wir hatten Glueck und kein Kreuzfahrschiff legte an, als wir da waren. Dann ist das kleine Fischerdoerfchen ueberlaufen mit Horden von Gaesten.

Eine Attraktion in Haines ist das Eagle Preserve, in dem Wildvoegel gehalten werden, die wegen dauerhafter Einschraenkung nach Verletzungen nicht wieder ausgewildert werden koennen. Wir haben es puenktlich zur Adlerfuetterung geschafft.

Doch auch in der Natur koennen in Haines zahlreiche Adler bewundert werden.

Sogar einen jungen Grizzlybaeren konnten wir in Haines erblicken. Einen Tag vorher hatte jedoch schon ein Schwarzbaer direkt hinter unserem Auto die Strasse ueberquert. Davon existieren allerdings keine Bilder, wir haben den Augenblick einfach genossen.

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Neugieriger Baer im Strassengraben.

Am Tag unserer Rueckfahrt wollten wir noch die mueden Beinchen strecken bevor wieder fuenf Stunden Autofahrt angesagt ist. Kurzerhand stiefelten wir einen Weg entlang, der vielversprechend aussah. Keine Ahnung wie viele Kilometer die Strecke lang ist, wenn das Schild Meilen anzeigt. irgenwann wird man schon ankommen.

Irgendwann ging es dann bergauf. Und bergauf. Und weiter bergauf. Jedes Mal, wenn man einen Huegel erklimmt, wird deutlich, dass sich dahinter noch weitere Huegel verbergen. Berge motivieren mich sehr, umdrehen kommt nicht in Frage! Dann wuerde ich mich die naechsten Tage nur wundern, welche tolle Aussicht ich jetzt verpasst habe.

Trotz der Tatsache, dass es sich um Dinahs erste richtige Wanderung handelte, machte sie gut mit. Ich wandere zwar viel und gerne, bin aber zweimal hingefallen und einmal umgeknickt. Koerperklaus laesst gruessen. Aber macht nichts, ich stehe einfach wieder auf und hab trotzdem Spass.

Endlich ging es dann auch nicht mehr hoeher und wir wurden mit einer tollen Aussicht auf Haines und die umgebenden Berge belohnt. Leider war schon eine gefuehrte Gruppe auf dem Gipfel aber so konnte wenigstens jemand ein Bild von uns schiessen.

Wieder in Kanada haben wir Halt gemacht bei den Million Dollar Falls. Wir erspaehten zwar keine Muenzen, dafuer glitzerndes Wasser neben einem gepflegten Campingplatz.

Leider stand Fuchs Louie ja nicht mehr auf der Besuchsliste. Er ist seit ueber einem halben Jahr nicht aufgetaucht. Ein Abend bei James zeigte aber, dass bereits Louie junior seinen Job uebernommen hat und gerne fuer ein Fotoshooting zur Verfuegung steht.

Im Vorbeifahren sahen wir dann noch eine Moeglichkeit der Moewenbekaempfung.

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Ein Adler hat eine Moewe erlegt und wird sich gleich ans Essen machen.

Schliesslich stand nur noch auf Dinahs Liste, dass sie einen Elch sehen moechte. In freier Wildbahn konnten wir da leider nichts herzaubern, aber wozu haben wir schliesslich das Wildlife Preserve in Whitehorse?

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Dinah mit Elchkuh.

Die Woche ging schnell vorbei. Doch viele neue Eindruecke wurden gewonnen und die Seele konnte etwas durchatmen. Das ist doch die Hauptsache, egal ob das in zwei Jahren gelingt, in einer Woche oder vielleicht nur in den 6 Minuten, in denen du diesen Beitrag gelesen hast. 🙂

Berufsstände

Meine Augen haben sich wieder etwas mehr auf unscharf gestellt und verdreht. Die Sehschwäche kratzt mittlerweile an der -7 und auch die Hornhautverkrümmung hat zugenommen.

Unschöner Nebeneffekt: Die torischen Kontaktlinsen drehen auch fleißig im Auge umher und ich sehe nur noch mit einem Auge scharf. Maximal einem Auge.

Dann stellen wir halt vorerst auf das gute alte Nasenfahrrad um.

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Ich, bebrillt, vor elektronischen Zeichnungen im Büro.

Tyrel findet, dass ich jetzt wirklich aussehe wie ein Ingenieur. Und irgendwie bin ich das ja auch.

An manchen Tagen auf der Arbeit klappt es erstaunlich gut. Ich ändere Zeichnungen von Flugzeugelektronik anhand von Ingenieursaufträgen. Ich verfasse meinen ersten kleinen Ingenieursauftrag zum Austausch von Navigationscontrollern.

Dann gibt es wieder Tage, an denen ich mich frage, was ich hier eigentlich mache und wie irgendwer auf die Idee kommt, dass ich dafür qualifiziert bin.

Doch dann beruhige ich mich schnell wieder. Natürlich bin ich qualifiziert. Immerhin habe ich 1998 alle Folgen der Sendung mit der Maus gesehen, die den Flugzeugbau erklärt haben!

Nachmittags gehe ich spazieren und treffe auf Biberdämme. Vor Ort stand ich in einer Mückenwolke. Doch das Bild, das ich geschossen habe, schaue ich mir später noch sehr gerne an.

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Ein Biberdamm staut einen kleinen Bach auf, umgeben von frischem Grün.

Was für schöne Farben. Und eine ganz raffinierte Baukunst, die diese Nagetiere einfach so vollbringen.

Oh Kanada, du bringst mich immer wieder zum Staunen. 🙂

Dämmerung

Morgens um vier bis fuenf Uhr sind die schoensten Sonnenaufgaenge zu sehen. Zum Glueck bin ich dann schon auf! 🙂

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Der Himmel faerbst sich in den Farben der deutschen Nationalflagge.

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Ein weites Feld, eine Bergkette wie ein Scherenschnitt und gluehend rote Wolken ueber einem goldenen Band.

Die Tage sind lang, hell, warm und voller Aktivitäten.

Der Morgen ist frisch, hell und still. Ich strecke mich für einige Minuten und starte in den jungen Tag.

Selbst, wenn ich schlafen gehe, scheint er noch nicht müde zu sein. Jetzt verprassen wir die ganzen Sonnenstunden, mit denen wir im Winter unser Sparschwein dick gefüttert haben.

Und wir genießen.

Wenn wir den ganzen Trubel langsam satt haben, kommt pünktlich der Herbst und bringt andere Schönheit direkt vor unsere Haustür.

Hier bin ich.