Feuerholz

Job 3: Die Selbstständigkeit

Wie in den letzten beiden Beiträgen schon ausreichend beschrieben, arbeite ich in letzter Zeit ziemlich viel. Job 1 und 2 zusammen haben schon mehr Stunden als eine Vollzeitstelle. Aber dann ist da noch der Donnerstag, an dem ich weder Job 1 noch Job 2 nachgehe. Da ist es nämlich Zeit… Für Job 3! 🙂

Job 3: Zusammen mit Tyrel Feuerholz machen und verkaufen

Donnerstag ist der einzige Tag, an dem Tyrel und ich zusammen frei haben. Das muss ausgenutzt werden! Einige Wochen lang haben wir uns mit allen möglichen Behörden angefreundet, alle Scheine brav beantragt, Gebühren bezahlt, doch noch mal länger gewartet als gedacht und den nächsten Schein beantragt. Und schließlich hatten wir nicht nur unser eigenes Gewerbe angemeldet, sondern auch ein eigenes Woodlot zugeordnet bekommen, auf dem wir kommerziell Feuerholz machen und anschließend verkaufen können.

Da wir beide Vollzeit arbeiten, haben wir uns bewusst im höheren Preissegment eingeordnet. Für ein Cord Holz (=3,624 Raummeter) nehmen wir im Sommer $265 (= 177 Euro) und im Winter $300 (= 200 Euro). Viele der Einwohner von Whitehorse heizen ausschließlich mit Feuerholz. Ins Feuerholz ist eins der wenigen Güter, die nicht über eng definierte Grenzen transportiert werden darf. Es muss also alles lokal gekauft werden. Der Grund dafür ist, dass Feuerholz im Gegensatz zu Bauholz nicht behandelt wird und dadurch alle möglichen Baumkrankheiten beinhalten kann, egal ob Käfer, Pilze oder sonst was.

Erschwerend hinzu kommt, dass hier alles Feuerholz von Bäumen kommt, die zum Zeitpunkt des Erntens schon abgestorben waren. Daher, dass Waldbrände hier zum Ökosystem gehören, gibt es überall Gebiete, in denen einige Jahre zuvor ein Waldbrand gewütet hat. Das Produkt ist stehend gut abgelagertes Feuerholz, sogar bereits ohne Rinde. Wenige Bäume sind verkohlt, die wollen die Kunden nicht haben, da sie sonst die ganze Bude zurußen. Eine zweite Möglichkeit der Totholzgewinnung sind Gebiete, die Käfern zum Opfer gefallen sind. Dieses Holz ist jedoch nicht ganz so sehr beliebt, weil die Bäume meist noch die Rinde haben und diese dann wieder das Haus vollkrümelt.

Wir haben ein Woodlot in einem Gebiet, in dem es vor einigen Jahren einen Waldbrand gab und sind sehr zufrieden mit dem vorhandenen Holz.

An einem typischen Donnerstag rollen wir morgens gegen 7 Uhr vom Hof und kommen meist gegen Mitternacht wieder. Für einen Tag körperliche Ertüchtigung zahlen wir keinen Beitrag im Fitnessstudio, sondern schlagen 3 Cord Feuerholz, was wir je nach Staffelpreis für $720 bis $900 verkaufen.

Meist fällt Tyrel die Bäume und sägt das Holz in 6 oder 8 Fuß Länge (1,83 m oder 2,44 m). Ich schnappe mir dann die Baumstämme und stapel sie auf Truck oder Anhänger. Wenn wir das Holz am gleichen Tag noch zum Kunden bringen wollen und es in kleine Stücke gesägt werden muss, bringen wir unser sawhorse (Deutsch: Sägepferd und richtig Deutsch: Sägebock (danke Gunnili;) )) mit. Dann lade ich die Baumstämme auf das sawhorse, Tyrel sägt alles auf die gewünschte Länge und ich stapel die kleineren Stücke auf Truck und Anhänger.

Ist das Tagewerk getan, liefern wir das Holz entweder direkt zum Kunden oder wir fahren wieder nach Hause. Dazu ist zu sagen, dass unser zu Hause zur Zeit wieder bei unserem Freund James und Fuchs Louie ist, südlich der Stadt.

Für meine Freundin Anke habe ich den guten Louie wieder beim Füttern abgelichtet. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, obwohl es nur die Kamera im Smartphone war.

Apropos Zuhause… Da wird sich in den nächsten Tagen auch wieder etwas tun. Wir wollen ja nicht, dass Langeweile aufkommt in unserem Leben. 😀 Und unser zweiter Besuch aus Deutschland wird auch kommenden Sonntag eintreffen… Falls ich also wieder für zwei Wochen in der Senke verschwinden sollte, ihr wisst jetzt wenigstens, wo ihr mich finden könnt 😉

Ent-Baer-ung trotzt der Kaelte

Alle bereiten sich auf den Winter vor. Auch wenn wir fuer meine Begriffe schon mehr als drin sind. Heute morgen zeigte das Thermometer vor dem Trailer gerade mal -15 Grad Celsius. Und der Schnee bleibt einfach da liegen, wo er hingefallen ist. Genau wie eine Schnapsleiche am Vatertag.

Letztens habe ich wieder Fuchs Louie besucht, den ich im Sommer gefuettert habe. Auch er hat in der Zwischenzeit seinen dicken Pelzmantel aus der Gaderobe gekramt. Waehrenddessen haben wir eine Balkenkostruktion um den Trailer gebaut und sind fast fertig mit der Plastikeinhausung. Bevor wir es ganz dicht machen, wollen wir allerdings eine Tuer einbauen – besser is das.

Auf dem Woodlot wurde erneut eine Menge Holz geschlagen. Immer noch bin ich fasziniert, wie unterscheidlich die Gegend jedes Mal aussieht. Dieses Mal stark bewoelkt, was sich als Eiskristalle an den Baeumen niedergeschlagen hat. Irgendwie bezaubernd.

In der Freizeit lassen wir uns immer noch fuer Spaziergaenge begeistern. Dieses Mal haben wir versucht, einen bestimmten Trail zu einem See zu finden. Dazu mussten wir teilweise auf einen anderen See gehen. Natuerlich erst nach ausreichender Pruefung der Eisdicke und genug Sicherheitsabstand zueinander. Den Spuren zufolge sind schon reichlich Luchse, Kojoten und Woelfe auf den Geschmack einer trockenen Seeueberquerung gekommen.

Endlich haben wir auch den Schwarzbaeren vom Gerber abgeholt, den Tyrel letztes Jahr geschossen hat. Der Schaedel wurde auch praepariert und ueberraschte mich mit seltsamen Zahnformationen auf der unteren Kauleiste neben den Reisszaehnen. Am besten gefaellt mir allerdings der leicht zerknautschte Gesichtsausdruck des Baeren.

Das beste an den kalten Temperaturen ist aber immer noch das Aufwaermen. Gleich werde ich mich in den Pool der ortsansaessigen heissen Quellen bequemen, bis ich gar gekocht bin. Und wenn ich Glueck habe, zeigen sich ein paar Nordlichter am abendlichen Himmel. Was will man mehr? Mir faellt nicht viel ein (bis auf Kaese).

So soll es sein. 🙂

Mehr Holz vor die Hütte, der Winter kommt!

Die letzten Tage waren sehr vom herannahenden Winter gepraegt.

Zuerst haben wir einen Anhaenger voller Holz geliefert bekommen. Deb hat bei Freunden das Grundstueck von Totholz befreit. Da es sich groesstenteils um dickere Aeste gehandelt hat und es teilweise schon etwas angerotten ist, hat sie auf unsere Ofenlaenge geschnitten und uns einfach geschenkt. Da lag dann also ein ziemlicher Holzhaufen vor unserem Trailer rum.

Tyrel war schon auf der Arbeit, als Deb mit dem Anhaenger kam. Also haben wir es zusammen abgeladen und sie ist wieder gefahren. Das Holz wollte ich gerne haben aber bitte irgendwie… ordentlicher. Wie kann man es am besten lagern? Vielleicht zwischen den Baeumen? Auf jeden Fall nach Groesse geordnet, die dickeren Staemme zum Spalten und die duenneren Aeste kommen so in den Ofen.

Das Tageswerk war also klar und wurde auch umgesetzt, Scheit fuer Scheit.

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Bei so viel Ordnung fehlt nur noch der Gartenzwerg, um es perfekt zu machen. Das nordamerikanische Aequivalent dazu ist allerdings ein rosa Plastikflamingo im Garten. Und selbst den konnte ich im Canadian Tire noch nicht entdecken.

Gestern dann haben wir einen Tag damit verbracht, Deb auf ihrem Woodlot zu helfen. Ein Woodlot ist ein von der Regierung dir freigegebenes Gebiet, das zur Holzgewinnung dient. In diesem Fall handelt es sich um ein ehemaliges Waldstueck, dass vor ca. 8 Jahren einem Waldbrand zum Opfer gefallen ist. Es gibt aber auch Gebiete, denen Kaefer den Garaus gemacht haben. Jedenfalls stehen da ne Menge tote Baeume rum und das Land gehoert der Regierung. Und die gibt es gegen eine geringe Gebuehr an Personen zur Holzgewinnung. Waere ja schliesslich schade, wenn das Holz einfach so verrottet. Allerdings muss man pro Jahr mindestens 20 cord ( = 72,5 Raummeter) Holz entfernen, sonst wird das Gebiet jemand anderem zugesprochen. Bei einem Verkaufspreis von mindestens 200 $ pro cord gar nicht so schlecht das Geschaeft. Wenn man Spass dran hat und mit einer Kettensaege umgehen kann. Deb ist professionelle Baumfaellerin, daher ideal!

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Wir haben also einen Tag lang Scheite zu diversen Anhaengern und Ladeflaechen geschleppt und da gestapelt, während Deb Bäume fällt und Stücke nach Kundenwunsch schneidet. Als alles voll war, haben wir noch 11 lange schmale Baeume umgemacht, mit denen wir eine Art Zelt um unseren Trailer bauen wollen, um eine warme Isolationsschicht dem ernsten Winter entgegensetzen zu koennen. Immer wenn ein Baum fiel, wurden wir vorher gewarnt. Aber die angesagte Richtung hat in jedem Fall gepasst, auch wenn es manchmal nur ein enger Korridor war.

Doch irgendwann wurde es mehr als maikühl und wir fuhren einen Anhänger ausliefern und dann nach Hause. Nur die kleine Hündin Keech konnte dem Bodenfrost entgegen.

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Heute hat es leicht angefangen zu schneien und so weit auch noch nicht aufgehört. Die letzten Nächte sind die Temperaturen schon auf gefühlt weniger als -10 Grad Celsius gefallen. Und endlich habe ich ein Thermometer an einen Baum geschraubt, um es nicht nur zu fühlen, sondern auch zu sehen.

Der erste Unterschied: Die Leute scheinen ganz normal Auto zu fahren, trotz des Schnees. In ähnlichen Bedingungen musste ich schon mal den ganzen Weg zur Arbeit mit 30 km/h Spitzengeschwindigkeit meistern. Aber wir Deutschen sind Schnee auch nicht so sehr gewöhnt wie die Yukoner. Und so lange man heile ankommt, darf man gern auch vorsichtig fahren. ☃❗🚗🚕🚙🚚

Eins noch zum Thema Essen: Eigentlich bin ich nicht so der Nudelfan, es sei denn sie sind mit Steinpilzen gefüllt und schwimmen in Vier-Käse-Sahnesoße. Aber sie waren hier und mussten weg und ich wollte das beste draus machen.

Schließlich habe ich mit Mehlschwitze und Milch eine Soße angerührt, sie mit geräucherter Paprika, Senf und Steakpfeffer gewürzt und ab mit den kleinen gekochten Macaroni und reichlich Käse in eine Auflaufform. Brotreste in Würfel schneiden und anrösten und ab in den Ofen.

Mjam. Dazu gab es Möhren, Zwiebeln und Schwarzbärenfleisch. Man muss es sich auch mal gut gehen lassen.