Camping

Besinnung

Habe schon laenger nicht mehr gebloggt und schreibe daher heute ein Update zu mehreren Themen.

Arbeit

Tyrel hat eine neue Arbeitsstelle gefunden, weg vom Tourismus und mit Instandhaltung von Maschinen, was ihn interessiert. Zunaechst einmal bedeutet das natuerlich einen Einschnitt im Gehalt, aber ich bin froh, dass er endlich auf den Karrierepfad geraten ist, der ihn erfuellt und den er langfristig ausfuehren moechte. College ist zunaechst nicht mehr auf dem Plan fuer den Herbst aber die neue Firma scheint auch Moeglichkeiten zur Weiterentwicklung zu bieten, wenn man sich gut macht.

Ich arbeite noch fuer die Fluggesellschaft. Allerdings wurden meine Wochenstunden auf 30 reduziert. Als dies verkuendet wurde, wusste ich sofort, dass ich einen Minijob haben moechte fuer einen Tag in der Woche. Mal wieder was Neues lernen und machen, das war sowieso ueberfaellig.

Also habe ich mir Gedanken gemacht, was ich am liebsten machen wuerde, wenn ich es mir aussuchen koennte. Die Antwort darauf war relativ schnell klar: Ich wuerde gern in einer Fleischerei arbeiten. Nein, nicht bei Toennies. Sondern in meiner Lieblingsfleischerei, die ausschliesslich Fleisch von Tieren aus der unmittelbaren Umgebung verarbeitet und anbietet.

Beim naechsten Einkauf ein paar Tage spaeter habe ich meine Arbeitsabsicht kundgetan und sollte direkt den kommenden Freitag anfangen. Gesagt, getan. Seitdem arbeite ich freitags in der Fleischerei. Ich zerteile Organe, schneide Aufschnitt, poekel Speck, mache Wurst, raeuchere, verpacke und einiges mehr. Die Familie, die die Fleischerei betreibt, ist sehr lieb und die Arbeit macht Spass. Ausserdem lerne ich eine ganze Menge, das gefaellt mir immer gut.

Ich habe Spass mit dem hydraulischen Wurstfueller. Heute in der Herstellung: Boerenworst nach suedafrikanischem Rezept.

Huehner

Die Huehner sind gross, keine Anzeichen mehr von Kuekenzeit oder Halbstarken. Derzeit sind fuenf Haehne klar zu identifizieren – ich finde das reicht auch. Bleiben immer noch acht Hennen. Ein Hahn ist bereits umgezogen und lebt nun auf einem Biohof mit einem Harem Legehennen auf einer gruenen Wiese.

Ein letztes Kuscheln mit Hahn Clover.
Der Hahn im Korb. Hahn Clover mit ca. 30 Hennen.

Der Hahn, den ich gern behalten haette, hat mit der Zeit schiefe Zehen und somit Gleichgewichtsprobleme bekommen. So gern ich ihn habe, er wird zum Suppenhuhn werden. Schade drum. Aber es scheint ein genetisches Problem zu sein, da kein anderes Huhn aehnliche Probleme hat. Ich habe ueberlegt, ihn zu beerdigen, aber das fuehlt sich nach Verschwendung an. Wenn er gegessen wird, hat sein Leben beziehungsweise sein Tod mehr Sinn, wie ich finde.

Hahn Jumanji mit schiefen Zehen.
Huehner Jumanji und Brave helfen mir, Huehnerartikel von meinen Eltern zu praesentieren.

Auch sonst sind die Huehner munter und nach wie vor sehr menschenbezogen.

Huehner liegem gemuetlich vor dem ehemaligen Hundehaus, jetzt Huehnerbadehaus.
Morgendliches Geflatter im Auslauf nach Toroeffnung.
Der Klassiker: Verruecktes Huhn auf Schulter.

Laufen

Leider bin ich nicht wie geplant schon einen Marathon gelaufen.

Das Rennen hat ohne mich stattgefunden, trotzd der Pandemie. Die Regeln wurden stark veraendert um die Abstands- und Hygienevorgaben einzuhalten. Das hat dazu gefuehrt, dass es sich fuer mich nicht mehr nach Spass angehoert hat. Und Tyrel, mein Staffelpartner, wollte waehrend einer Pandemie nicht an einer Gruppenveranstaltung teilnehmen.

Ausserdem hatte ich eine gereizte Sehne im Fuss und habe ein paar Wochen vorher pausieren muessen. Nun ist alles wie neu und ich trainiere fuer meinen Bergmarathon 2021!

In diesem Sommer oder Herbst will ich trotzdem noch einen Marathon oder aehnliches laufen, wenn auch nicht ueber Berge. So weiss ich wenigstens, dass ich die Distanz stemmen kann und habe eine mentale Blockade weniger.

Da ich Ende April 80 km in einer Woche gelaufen bin, denke ich, dass es im Bereich des Moeglichen liegt.

Abschlussbild einer 80 km Laufwoche im April mit Arma und mir (daher der Schnee im Hintergrund).

Derzeit laufe ich ein- bis dreimal in der Woche, fahre aber viel Rad. Wenn es wieder kaelter wird, werde ich das Radeln wahrscheinlich wieder lassen – mit Fahrtwind ist es mir dann doch zu kalt.

Mein liebes Rad und ich halten eine Rast.

Arma

Leider hat Arma eine Autoimmunerkrankung entwickelt, die zu einer chronischen Entzuendung und Pigmentierung der Augenhornhaut fuehrt. Jetzt sind lebenslaenglich Augentropfen angesagt. Allerdings macht das die Augen empfindlicher fuer Verletzungen. Wir haben also eine schneidige Schutzausruesting besorgt.

Nasser Hund mit Schutzbrille wartet auf das Werfen eines Stoeckchens.

Um Arma mit auf ausgedehntere Wanderungen nehmen zu koennen, gewoehnen wir sie ausserdem an einen Hunderucksack.

Lasthund vor Bergkulisse.

Und sonst so

In der letzten Zeit ist mir klargeworden, dass die ganze Pandemie doch nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist, sondern mich etwas aus der Bahn warf. Ohne, dass ich das zunaechst gespuert habe.

Jetzt habe ich es erkannt und bin dabei, meine Balance wieder herzustellen.

Dazu gehoert, dass ich mir mehr Zeit nehme, den Sommer zu geniessen, statt ausschliesslich schier endlosen Projekten nachzulaufen. Ich treffe mich mehr mit Freunden, gehe mehr wandern, zelte bei den Huehnern, lese ein spannendes Buch (Danke, Anke!). Ich rede darueber, was nicht rund laeuft und merke, wie viele Leute in meinem Bekanntenkreis aehnlich fuehlen.

Auch wenn ich die ganze Krise oft gern abschuetteln und belaecheln wuerde – das macht es nicht besser.

Stattdessen kann ich mir viele Fragen stellen. Wer bin ich, was ist mir wichtig, wohin geht die Reise derzeit, wofuer und wie kaempfe ich?

Alles wichtig, um nicht irgendwann aufzuwachen und zu bereuen. Und Reue-Minimierung ist meine erklaerte Lebensmaxime. Von daher bin ich dankbar, dass mir die Krise diese Chance zum Innehalten gegeben hat.

Meine erste Fahrt in einem Kajak. Hat viel Spass gemacht.
Der Weg ist das Ziel – vor allem in alpinen Hoehen.
Freie Sicht oberhalb der Baumgrenze auf ca. 1300 Hoehenmetern.

Ich glaube, das musste ich erst fuer mich klaeren, bevor ich diesen Blogeintrag schreiben konnte. Also danke fuer die Geduld!

Dass WordPress den Editor komplett geaendert hat und immer noch aendert, hat auch nicht unbedingt die Schreiblaune gefoerdert. Aber jetzt hab ichs ja geschafft.

Ich wuensche euch eine schoene Woche! 🙂

Projekt Elchkanu Tag 3 (mit Bild von totem Vogel)

Nach einem unglaublich erholsamen Schlaf wache ich neben der alten Huette auf. Es ist so warm, dass ich in der Nacht meinen Schlafsack ein bisschen oeffnen musste, um nicht zu schwitzen. Der morgendliche Blick auf das Thermometer verraet, dass es dann doch nur 1 Grad ist. Fuehlt sich im Vergleich zu gestern morgen wie 10 Grad an!

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Neben einer verfallenen Holzhuette mit Grasdach schlief ich wie ein Baby. Nur unter einer aufgespannten Plane neben einem kleinen Feuer.

Diese Nacht lagen wir nicht beide direkt neben dem Feuer, sondern in der Reihe Feuer, Tyrel, ich. Dadurch lag die Verantwortung, das Feuer am Leben zu halten, ganz bei Tyrel. Oder fast, denn alle zwei Stunden erwachte ich in einen halbbewussten Zustand und leitete Tyrel an, mehr Holz ins Feuer zu legen. Rueckblickend wundere ich mich, warum ich diese Nacht trotzdem so selig schlief. Macht nichts, jetzt wird nach vorne geblickt!

Oder erstmal in die Plastikschuessel zum Fruehstueck. Der Reis ist zum Glueck vollstaendig verzehrt. Ab jetzt sind wir so lange Beilagenvegetarier, bis wir uns selbst etwas jagen. Immer noch stimmen mich die matschigen Kaesenudeln froehlich. Und selbst meine Eingeweide beschliessen, die althergebrachte Tradition der morgendlichen Defaekation wieder aufzugreifen, nachdem die letzten beiden Tage alles auf Streik stand.

Wie erledigt man nun seine Morgentoilette im Wald? Man schnappt sich einen Spaten, entfernt sich mindestens 150 Meter von der naechsten Wasserquelle und sucht sich ein schoenes Plaetzchen. Je nach Laune und Gegebenheiten kann man vielleicht einen dicken, parallelen Ast als Donnerbalken missbrauchen oder man koert ein leicht abschuessiges Gelaende zum perfekten Hockplatz. Dann heisst es buddeln. Da moechte niemand reintreten und auch die oertliche Fauna sollte nicht in Versuchung gefuehrt werden.

Nachdem der Hauptakt vollzogen wurde, verfuellt man die ausgehobene Grube, schnappt sich das beiseite gelegte, gebrauchte Klopapier und schmeisst es in die immer noch funktionstuechtige Feuerstelle. Und dann ist es schon Zeit, zusammenzupacken und sich in das Kanu zu begeben.

Nach kurzer Zeit faengt es an zu regnen, was fast den ganzen Tag ueber anhalten wird. Ich frage mich, ob das gruene Kanu wohl wieder Pause macht und nur bei gutem Wetter paddelt. Uns begegnet es jedenfalls nicht.

Die Zeit und Flusswindungen folgen ziehen sich langsam dahin. Wenigstens gibt es keinen bemerkenswerten Gegenwind, der uns noch zusaetzlich aergert. Paddel, paddel, paddel.

„Elch!!!!“ Fluestert Tyrel von hinten und gerade so sehe ich noch einen grossen Schatten ins Gebuesch huschen. „Das ist es! Schnell, wir muessen ans Ufel paddeln!“ Das ist bei der starken Stroemung des Flusses gar nicht so einfach. Aber mit vereinten Kraeften und einer Menge Geraeusch legen wir an. Tyrel schnappt sich die Flinte und wir schleichen uns an. Bedroeppelt stehen wir schliesslich dort, wo wir den Elch erblickten. Doch er war zu weit weg, als dass man ein Geweih haette erkennen koennen. Wir wissen also nicht, ob es sich um Maennlein oder Weiblein handelte. Also stehen wir im Regen und rufen. Rufen. Gehen umher. Und rufen. Nichts.

Wir sind heute noch nicht so lange unterwegs, als dass wir hier das Lager aufschlagen koennten, ausserdem gibt es auch keinen geeigneten Platz ohne Steine oder Sumpf. Zusaetzlich faehrt zweimal ein Motorboot an uns vorbei. Mit haengenden Schultern ziehen wir zurueck zum Kanu und paddeln fort.

Wenige Fllusswindungen spaeter treffen wir auf die Lagerstelle der Motorboot-Jaegergruppe. Gestern waren sie erfolgreich und haben einen Elch flussabwaerts geschossen. Heute versuchen sie ihr Glueck flussaufwaerts. Sie wollen unbedingt wissen, wie wir den Elch denn in unser Kanu puzzeln wollen, falls wir einen schiessen. Fuer diesen Fall haben wir ein kleines aufblasbares Ruderboot dabei, lassen wir sie wissen. Ersstaunt-unglaeubige Gesichter lassen wir zurueck, als wir den Fluss entlanggleiten. Und schliesslich hoert auch der Regen auf.

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Der Himmel ist aufgeklart ueber dem Fluss, jedoch wird es langsam dunkel.

Einen geeigneten Lagerplatz finden wir bei einem alten Goldgraebercamp. Nach 53 km vorwiegend regnerischem Fluss ist es schoen, fuer heute angekommen zu sein. Ein kurzer Rundgang auf schmalen Pfaden im Wald zeigt eine Menge zurueckgelassene Ausruestung aus vergangenen Zeiten.

Etwas weiter inland hoeren wir ein vertrautes, aufgescheuchtes Flattern ueber unseren Koepfen. Grouse!! Tyrel laeuft schnell zurueck zum Camp, waehrend ich das Federvieh im Auge behalte. Es scheint mich interessant zu finden, reckt den Kopf und gluckt vor sich hin, wechselt den Ast und beaeugt mich noch mehr. Tyrel ist wieder da mit der Schrotflinte und unser Abendessen ist bereichert.

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Das Huehnchen war sofort tot. Eine Schrotkugel hat zusaetzlich den Fuss getroffen.

 

Waehrend ich den warmen Vogel zerlege, wirft Tyrel die Kettensaege an und macht reichlich Feuerholz fuer den Abend, die Nacht und den Morgen.

Es ist sehr windig und regnet vielleicht bald wieder, der Himmel ist noch stark bewoelkt. Zur Sicherheit spannen wir eine Plane als Regenschutz ueber uns und zwei als Windschutz von der Seite. Das sorgt dafuer, das der Feuerrauch ziemlich herumgewirbelt wird, aber was soll man machen? Ich bin sehr muede und schlafe nach etwas Grouse mit Kartoffelbrei auch Kartoffelflocken bald ein.

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Unser Camp am naechsten Morgen: Drei Planen auf einer Anhoehe am Fluss bieten Schutz.

Ach du dicker Marshmallow

Wieder bin ich etwas schlauer geworden: Man kann auch umziehen, ohne Nervenzusammenbrüche dabei zu erleiden. Mein Geheimnis? Zieht in einen Wohnwagen! Kein Kisten Einräumen, nichts streichen, keine neuen Mieter reinlassen, kein Stress!!!

Wir leben jetzt also auf der Farm, auf der ich arbeite. Etwas abgeschieden, damit man seine Privatsphäre genießen kann. Ich bin echt froh, keine 30 Minuten Autofahrt mehr sondern nur 3 Minuten Fußweg.

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Hinter dem Truck steht unser Trailer mit schon ausgefahrener Markise. Links im Bild ist unsere Feuerstelle aus Steinen aufgeschichtet.

Tyrels Arbeitskollegin Bella hatte per Mail um ein Lagerfeuer am Samstag gebeten. Diesen Wunsch erfüllten wir ihr nur zu gerne. Lecker Gemüse, Fleisch und Bier wurde eingekauft und ein Feuerchen gestartet. Da bittet mich Bella, ihr etwas aus ihrem Rucksack zu reichen. Der Reißverschluss enthüllt allerdings rätselhafte Objekte. Partyhüte? Tröten? Sexy Spiegeleiformen? Was hab ich verpasst?

Tyrel entpuppte sich als Schelm. Bella hatte zwei Tage vorher Geburtstag, wovon ich nichts wusste. Tyrel fragte Bella, ob er ihren Geburtstag benutzen kann, um mir eine Geburtstagsfeier zu schenken. Immerhin war ich in Deutschland alle paar Wochen auf einer Feier eingeladen und Tyrel möchte nicht, dass mir hier etwas fehlt.

Also stand ich da etwas ratlos, aber sehr gerührt. Ist das jetzt meine Feier? Eigentlich gehört sie doch dem Geburtstagskind! Die Freude über die Überraschung besiegte allerdings die Verwirrung und wir hatten einen tollen Abend am Lagerfeuer.

Vor allem der Nachtisch war für mich noch exotisch. Es gab nämlich Smores, ein kanadisches Lagerfeuer-Pflichtessen. Man röste sich einen Marshmallow und drücke ihn dann mit etwas Schoki zusammen zwischen zwei Kekse. Natürlich kann man sich das auch selbst zusammenstellen, wir haben aber zwei Packungen Smores Kit gekauft. Einmal den Klassiker mit Milchschokolade und eher salzigen Cracker Keksen und dann Reverse (umgekehrte) Smores mit weißer Schoki und dunklen Oreo-Keksen. Meine Logik dazu: Wenn man einen Smores ist und anschließend einen Reverse Smores, kann das ganze ja gar keine Kalorien haben! Die Waage habe ich am nächsten Tag lieber doch nicht dazu befragt.

Die Jagd auf das Bison-Phantom

Der erste Tag von Tyrels Urlaub war gleichzeitig mein 29ter Geburtstag (was fuer ein Zufall, oder?). Einen Tag vorher habe ich im Supermarkt eine kleine Fertig-Sahnetorte von den leckeren Suessigkeiten Reese gesichtet. Wahrscheinlich muss ich nicht erwaehnen, dass sie schliesslich im Einkaufswagen gelandet ist.

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Reese’s Schoko-Sahnetorte, wartet noch sicher in ihrer Plastikhaube auf bessere Zeiten.

Am Vorabend meines Geburtstages lag diese Torte dann verfuehrerisch auf der Kuechenzeile herum. Wahrscheinlich bemerkte Tyrel den intensiven Augenkontakt, den sie mit mir suchte. Jedenfalls redete er mir gut zu, dass ja schliesslich durch die neun Stunden Zeitverschiebung in Deutschland schon mein Geburtstag sei. Erleichtert schnitt ich die Torte an und wir erlegten die Haelfte. Der zweite Teil wurde dann folgerichtig als kanadisches Geburtstagsfruehstueck verzehrt.

Dann ging es ab auf den Schiessstand. Mein Geburtstagsgewehr wollte schliesslich noch richtig ausgerichtet werden. Ein Zielfernrohr war eigentlich schon fertig eingestellt bei der gekauften Waffe dabei. Doch kann auch ich aus der Vergangenheit lernen. Und meine Vergangenheit fuehrte mich in die Zeit der technischen Fruehbesprechungen des letzten Produktionstages. Wenn im Arbeitsbericht vermerkt war, dass irgendein Teil dem Ruf der Schwerkraft gefolgt und einfach so abgefallen ist, kam mit 98%iger Sicherheit die Frage

„Wie waren die Schrauben gesichert?!“

Die Antwort, dass sie mit dem vorgeschriebenen Moment angezogen wurden, wurde nicht akzeptiert.

Da ich mir selbst gegenueber nicht Rede und Antwort stehen wollte, wie meine Schrauben gesichert wurden, falls mein Zielfernrohr auf eimal lose ist oder sogar abfaellt: Eine Schraubensicherung musste her!

Also wurden alle Schrauben herausgedreht und anschliessend mit Loctite, einem Klebstoff zur Schraubensicherung, versehen.

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Piff, Paff, Puff! Ich, eingemummelt, ziele mit meinem Gewehr am Schiessstand auf Zielscheiben.

Daraus resultierte dann aber, dass es wieder notwendig war, das Zielfernrohr auszurichten. Nach 20 Schuessen tat die Schulter ganz schoen weh aber das Ziel wurde getroffen. Tyrel legte noch zweimal nach mit der Premium-Bison-Munition und fertig war die Uebeungsstunde.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem schoenen Spaziergang, dem Packen unserer Sachen fuer die Jagd, sowie dem Schlemmen von Tyrels Bannock, einer Art Indianerbrot.

Am naechsten Morgen klingelte der Wecker dann um 6 Uhr, damit wir puenktlich zu Sonnenaufgang an unserem Zielort, irgendwo zwischen Whitehorse und Carmacks, ankommen.

Jeder von uns zog einen geliehenen Schlitten, der mit Ausruestungsgegenstaenden gepackt war und hoffentlich etwas spaeter noch mit Bisonfleisch. Am Anfang war ich angenehm ueberrascht, wie leicht der Schlitten zu ziehen ist im Gegensatz zu einem ueberladenen Rucksack auf dem Ruecken. In den folgenden zwei Tagen und keine Ahnung wie vielen Kilometern fragte ich mich dann doch einige Male, warum ich das eigentlich mache. Die Antwort darauf war allerdings erschreckend einfach: Ich musste mich nur umsehen. So viel Schoenheit in der Natur. Weit weg von aller Zivilisation. Und bis auf die ein paar Tage alten Schneemobilspuren auch keine Zeichen von ihr.

Einerseits bin ich froh, dass vor ein paar Tagen Schneemobile hier entlanggefahren sind. Sie haben den Schnee verdichtet und man kann einigermassen darauf laufen. Wann immer wir den Weg verlassen, sinken wir knietief ein in die weisse Pracht.

Andererseits sehen wir die ganze Zeit, die wir hier verbringen, kein einziges Bison. Nur sehr, sehr alte Spuren einer kleinen Herde, die durchaus schon Monate alt sein koennen. Mit einem Schlitten kann man sich besser anschleichen als mit einem Schneemobil. Aber wenn die Schneemobile schon durch das Droehnen alle Bisons ins Hinterland verjagt haben, bringt einen das auch nicht viel weiter.

Doch die Landschaft entschaedigt fuer alles. Selbst als der Wind so stark ueber den Huegelkamm pfeift, dass sich der Schnee jeden entbloessten Hautfetzen beisst, muss ich das Schauspiel bewundern. Auf den Bildern sieht es auch gar nicht mehr so kalt und windig aus, wie es mal war, sondern eher fluffig.

Neben der spektakulaeren Landschaft haben wir sogar das Glueck, die heimische Tierwelt zu beobachten. Gleich zwei Elche sehen wir am ersten Tag und einen weiteren am zweiten. Sie scheinen zu wissen, dass die Elchjagd nur von August bis Oktober erlaubt ist und gucken uns unglaeubig an, bevor sie schnell um die Ecke duesen.

Mehr Fotoglueck hatte ich mit einem Schneehasen. Anscheinend hatte der noch nie etwas vom Kinderlied „Haeschen in der Grube“ gehoert und hat die beiden Schlittenjaeger fuer einige Minuten aus der Maennchenposition aufmerksam beobachtet. Hasen duerfen zur Zeit gejagt werden. Aber wir hatten nur Waffen fuer Grosswild mitgenommen und begnuegten uns, Hasi mit unseren Handykameras abzuschiessen.

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Der weisse Schneehasi ist zwar gut getarnt im ganzen Schnee. Aber vorsichtig geht anders. Er macht Maennchen und lauscht ganz aufmerksam, was wir so machen.

Am spaeten Nachmittag haben wir dann unser Lager aufgeschlagen. Erst hiess es Schnee wegschaufeln und platttrampeln. Danach wurde eine Plane gespannt, zum Teil auf dem Boden als Unterlage und zum anderen Teil als Wand und Dach falls es anfaengt zu schneien. Sobald die Plane ausgelegt ist, schnell den Schlafsack aufschuetteln, damit die Daunen flauschig werden und einen spaeter auch schoen waermen koennen. Feuerholz mochte auch noch gesammelt werden. Zum Glueck stehen ausreichend tote Baeume in der Gegend rum, hier raeumt halt keiner auf. 🙂

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Der Schlafsack liegt schon in der Planenunterkunft. Zum Kopfende wird eine Feuerstelle entstehen. Einen guten Stapel toter Baeume habe ich schon herangeschleppt.

Schliesslich wird das Licht immer weniger und der Hunger immer groesser. Beste Zeit, ein Feuerchen zu starten. Am besten eignen sich dafuer duenne, trockene Fichtenzweige, die mit einer fasrigen Flechte behangen sind, die hier old man’s beard genannt wird (Altherrenbart zu deutsch). Leider sind solche Zweige in der Naehe nicht zu finden. Daher schnitze ich mit einer Axt von einem gespaltenen Stueck Holz an den Seiten Holzspaene, bis das Ganze aussieht wie eine Holzfeder.

Bei unserem letzten Campingausflug habe ich nach unserer Rueckkehr den Topf fast wegschmeissen wollen. Das duennwandige Material hat die Kaesemacaroni schoen anbrennen lassen. Fuer dieses Mal habe ich mich daher fuer ein anderes Kochkonzept entschieden: Freezerbag Cooking! Also kochen im Gefrierbeutel. Vor Tourbeginn fuellt man einen wiederverschliessbaren Gefrierbeutel mit getrockneten Zutaten, zu denen man im Camp nur noch kochendes Wasser hinzufuegen muss. Kurz warten, fertig. Kein Abwasch ist noetig, man kann gleich aus dem Beutel essen und den Rest des kochenden Wassers gleich noch in die Thermoskanne fuellen.

Zum Abendessen gab es also Spezialkartoffelbrei aus dem Gefrierbeutel. Man nehme getrocknete Kartoffelflocken, Milchpulver, etwas Schmalz, Pfeffer und Salz, braunen Zucker und Senfpulver. Um die Konsistenz noch interessanter zu machen, habe ich noch stuffing hinzugefuegt. Das sind getrocknete, gewuerzte Brotwuerfel, mit denen man hierzulande gerne einen Truthahn zu Thanksgiving ausstopft, bevor er in den Ofen wandert.

Noch zu Hause habe ich einige Zusammenstellungen aus dem Gefrierbeutel ausprobiert. Besonders gut eignet sich Kartoffelbrei, 5 Minuten Reis (anscheinend schon vorgekocht und dann getrocknet), Couscous und gespaltene Linsen. Viel guenstiger als gekaufte Campinggerichte und man weiss ausserdem, was drin ist.

Nach einer langen, dunklen Nacht meldet sich am Morgen als erstes die Blase. Der Schlafsack hat trotz den -7 Grad ganze Arbeit geleistet und man ist kuschlig warm… kann es nur nicht geniessen, weil der unangenehme Teil unausweichlich bevorsteht. Warum ist die Plane eigentlich so kuschlig an mich herangerueckt? Ein Blick auf die Feuerstelle verraet den Grund: In der Nacht hat es ein bisschen geschneit.

Doch auch wenn ich raus aus dem Schlafsack muss: Die Umgebung entschaedigt mich umgehend dafuer mit einem wunderschoenen Sonnenaufgang im Nirgendwo.

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Die Sonne ist noch nicht ganz ueber die Berge geklettert. Dennoch leuchtet sie die Wolken orange-rot an und taucht alles in ein wunderschoenes Licht.

Befluegelt von Mutter Natur versuche ich gleich, den naechsten Outdoor-Tipp umzusetzen, den ich gelesen habe: Zusammengedrueckte Schneebaelle sollen sich hervorragend als Klopapier nach dem morgendlichen Faekalienabwurf eignen. Fazit: Zuerst wird die Rosette taub, dann die Finger. Wer soll das denn bitte unter Kontrolle haben?! Da lob ich mir den Zellstoff.

Unseren zweiten Tag verbringen wir weiterhin mit durch-die-Gegend-Stapfen. Auf dem Schneemobilpfad mit Schlitten, zum Spaehen im knietiefen Schnee. Wenn ich vom Schlitten ziehen muede werde, stelle ich mir vor, ich sei ein kleines, hochmotiviertes Yak. Keine Ahnung warum, aber die Vorstellung hilft. Die ziehen doch gerne Schlitten, oder?

Am spaeten Nachmittag des zweiten Tages  beschliessen wir, das Lager abzubrechen und nach Hause zu fahren. Wenn wir jetzt noch ein Bison sehen wuerden, haetten wir keine Zeit mehr, es zu zerlegen und nach Hause zu bringen, bevor Tyrel wieder arbeiten muss. Ausserdem hat Tyrel mir gesagt, dass wir doch morgen in die Stadt fahren um einen schoenen saftigen Burger zu geniessen. Ich fuerchte, das war das ueberzeugende Argument. Nach einigen Stunden haben wir alles zusammengepackt und sind mit den Schlitten am Truck angelangt, um die Heimreise anzutreten.

Als wir an dem Oertchen Braeburn vorbeifahren, ist es schon ca. 20 Uhr. Tyrel fragt mich, ob ich am Truckstop halten moechte. Immerhin ist der Ort fuer seine Zimtschnecken bekannt. Nein danke, sage ich. Schon verlockend aber wir wollen doch nach Hause… Tyrel setzt den Blinker und wir halten vor dem Truckstop. Anscheinend sind meine Englischkenntnisse immer noch nicht die besten. Oder sein Gehirn kann das Wort Nein nicht ausreichend verarbeiten.

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Die riesige Zimtschnecke ist mehr als 20 cm im Durchmesser und mit Zuckerguss verziert! Wer kann da widerstehen?

Jedenfalls steigen wir nach kurzer Zeit wieder in den Truck, mit zwei $10 Zimtschneckchen. Eine essen wir auf der Fahrt, die naechste gibt es den naechsten Morgen zum Fruehstueck, bevor wir uns aufmachen in Richtung Stadt. Erst baden wir in den heissen Quellen und anschliessend gibt es meinen Motivationsburger. Besser gehts nicht!

Ein paar Mal habe ich mich auf der Tour gefragt, warum ich das eigentlich mache. Aber ich koennte schon wieder. 🙂

Unschoenster Moment: Raus aus dem muckeligen Schlafsack, rein in die steifgefrorenen Socken.

Schoenster Moment: Elche aus der Naehe, Sonnenaufgang und die himmlische Stille.

Wiederholungsgefahr: Sehr hoch!

 

Uebrigens: Heute ist der Starttag des Yukon Quest, dem haertesten Hundeschlittenrennen der Welt. 1600 Kilometer fuehren die Musher von Whitehorse nach Fairbanks in Alaska. Auf dem Weg in die Stadt haben wir kurz am Takhini River gehalten und konnten die ersten beiden Starter mit ihren Hundeteams auf ihrem Weg nach Alaska bewundern!

 

 

Der Fluch des Bison

Manchen Tag ist es warm hier, um den Gefrierpunkt herum. In der Sonne schmilzt der Schnee im Tal für eine kurze Zeit, bevor wieder neuer fällt. Nur die Berge bleiben mit Schnee bedeckt. Wenn ihnen zu kalt wird, ziehen sie sich einfach eine kuschlige Wolkendecke über den Kopf und träumen vom kurzen Sommer.

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James bearbeitet zur Zeit einen ca. 100 Kilo schweren Stoßzahn eines Mammuts. Dann wird er eine Box und einen Halter dafür bauen und es an den Käufer verschicken. Er wird nur für seine Arbeit bezahlt, hat das Zähnchen nicht zufällig irgendwo gefunden. Zwei fragwürdige Gestalten haben es ungesichert auf der Ladefläche des Pickups die sechs Stunden Autofahrt von Dawson nach Whitehorse transportiert. Ziemlich mutig für eine 20.000$ teure Fracht.

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Auf dem Woodlot nichts Neues. Und irgendwie doch, sieht es doch jedes Mal anders aus. Mit der Zeit entwickle ich einen anderen Bezug zu Holz. So viele verschiedene schöne Farben kann es haben. Bei meinem gestrigen Spaziergang musste ich die Wurzel eines verrottenden Baumstumpfes einfach dokumentieren.

Am Wochenende waren wir auf Bison-Jagd. Nachdem die Wald-Bisons fast ausgerottet waren, wurden in den Achtzigern hier 23 Tiere ausgewildert. Heute ist die Population mit 1700 Bisons alles andere als bedroht. Vielmehr gibt das Umweltamt an, dass zu viele Wiederkäuer durch den Yukon streifen. Nicht viele Leute machen auch auf die Jagd, denn die Bisons verstecken sich gern im Wald oder auf Bergen weitab jeder Straße oder Zivilisation. Und wenn man dann eins geschossen hat, steht man dann da mit bis zu 450 kg Fleisch ohne Knochen und muss das irgendwie zerteilen und nach Hause schaffen.

Es winken hohe Strafen für denjenigen, der verwertbare Teile eines geschossenen Tieres zurücklässt. Verschwendung jeder Art ist verboten. Auch muss man das Tier respektvoll behandeln. Wer dabei erwischt wird, seinen erlegten Elch mit Hasenohren für ein Bild zu dekorieren kommt genauso in Schwierigkeiten wie jemand, der ihm blöde Spitznamen gibt. Kein Scherz. Und das finde ich auch gut so. Wenn ein Tier sein Leben für einen gibt, sollte man besser respektvoll handeln und nichts verschwenden.

Zurück zum Bison: Nach vier Stunden Autofahrt sind wir zu einem Campingplatz mitten im nirgendwo, aber jedenfalls in den Bergen, gelangt. Den ganzen Tag haben wir mit einem Freund von Tyrel im Truck verbracht und sind umher geallradet. Immer wieder aussteigen, umherlaufen und Ausschau halten. Letztendlich sind die beiden Waffenträger nicht fündig geworden. Ich hingegen schon. Ich habe schöne Fotos geschossen von den einsamen Landschaften, die sich mir aufgetan haben. Also bin ich durchaus zufrieden mit meinem Jagdglück. 🙂

Am Abend zurück beim Camp ging es Tyrel gar nicht gut. Er hat sich erkältet und wollte nur schlafen. Also haben sein Freund und ich schnell ein Camp aufgebaut und Feuer entzündet und Tyrel konnte seinen 13 stündigen Schlaf antreten.

Ich war weniger gesegnet, um Mitternacht wünschte ich mir sehnlichst einen Katheter zur Hand. Doch es nützt ja alles nichts, raus aus dem Daunenschlafsack, rein in die eisige Realität eines bedürftigen Uro-Genital-Traktes. Das Feuer war mittlerweile erloschen und wir schliefen unter einer Plane. Morgens waren es dann frische -8 Grad Celsius. Anscheinend nichts, wofür man hier ein Zelt benötigt. Aber ich will mich nicht beschweren, immerhin war ich noch nicht mal erkältet, ganz im Gegensatz zu Tyrel.

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Als er endlich von der Totenruhe erwachte, stopfte ich ihn in den Truck mit unseren restlichen Sachen und fuhr zurück nach Whitehorse. Wir stoppten im Real Canadian Superstore um Medikamente zu kaufen. Apothekenpflicht gibt es hier nämlich nicht. Von Hustensaft über Schmerzmittel zu der Pille danach steht hier alles im Supermarktregal. Nur für Antibiotika und sonstiges braucht man ein Rezept. Damit geht man zum Pharmazie-Tresen im Supermarkt und bekommt ein Plastikdöschen mit den verschriebenen Pillen mit nach Hause.

Aber nicht in unserem Fall. Bestens ausgestattet gegen alles was so eine echte Männergrippe ausmacht, ging es in den Trailer, wo ich eine anfing, eine schöne Hühnersuppe zu kochen. Ich erinnerte mich an den Ausspruch einer ehemaligen Nachbarin von mir:
„Lieber zwei kranke Kinder als einen kranken Mann!“
Aber mein Mann war gar nicht so wehleidig wie ich es aus früheren Beziehungen kenne. Er schlief und hustete einfach abwechselnd für zwei Tage, bis er wieder den Trailer verlassen konnte. Das lobe ich mir 🙂

Apropos Essen: Letzte Woche packte mich die Sehnsucht nach ner guten alten Currywurst Pommes. In meinem Berufsleben war Donnerstag Currywursttag. Und jetzt brachte ich schon unzählige Donnerstage völlig ohne Phosphatschwengel zu. Also galt es zu improvisieren.

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Eine dicke Knoblauchwurst wurde geachtelt und frittiert, während Süßkartoffel-Pommes im Backofen schmorten. Nur noch Ketchup mit Curry mischen und warm machen und schon erhält man eine kanadische Imprurry-Wurst. Geschmeckt hats gut. 🙂

Camping Trip in den Winter

Es war soweit, Tyrel und ich haben unseren ersten Camping-Trip gemacht!

Leider sind wir erst relativ spaet losgekommen, hat aber nicht geschadet. Mit jeweils 40 Pfund Gepaeck auf den Ruecken ging es in die Berge, einige Stunden entweder durch angefrorene Suempfe, Weidenbuesche oder ueber Geroell. Jedenfalls immer bergauf und dem Schnee entgegen.

Je hoeher wir wanderten, desto mehr war der Boden von Flechten bedeckt. Sie lassen den Boden gelb-gruenlich geheimnisvoll leuchten.

Auch ein riesiger Wolf muss vor kurzem hier vorbeigekommen sein. Habe aber weder Brot, Wein, noch Rotkaeppchen gefunden. Sie bewundert wahrscheinlich seine grossen Koerperteile. So war das doch, oder?!

Schliesslich kamen wir nach einigen Stunden im Halbdunkeln an unserem Campingplatz an, etwas unterhalb des Passes nahe eines kleinen Flusses. Beim Zeltaufbau hat es gehagelt, geschneit und gestuermt aber kurz danach beruhigte es sich schon wieder. Noch nie habe ich meine Socken so qualmen sehen wie an diesem Abend, als ich die Gummistiefel ausgezogen habe (Ja, Gummistiefel. Ihr erinnert euch an die Suempfe, die es zu durchqueren galt?).

Tyrel hat schnell ein Feuer gemacht von dem Totholz, das wir ein paar Kilometer den Berg mit hochgetragen haben. Waehrend ich meinen neuen -40 Grad Celsius Schlafsack ausgerollt habe, ist das Wasser in den Trinkflaschen schon angefroren. Eine volle Flasche ist daher mit in meinen Schlafsack gewandert. Zusammen mit mir, frisch eingepackt in trockene Wechselklamotten. Noch schnell etwas warme Kaese-Maccaroni einverleibt und schon gingen die Lichter aus.

Von der Nacht kann ich nicht viel berichten, ausser dass es um 8 Uhr morgens -5 Grad im Zelt waren. Es war definitiv eine Nacht in der man sich wuenscht, man haette der Werbung von Granu Fink dereinst mehr Beachtung geschenkt.

Morgens fand ich meinen naechtlichen Atem gefroren auf meinem Schlafsack wieder. Die vernachlaessigte Wasserflasche folgte diesem Beispiel und begruesste mich als Plastik-Eisklotz.

Schnell irgendwie aus dem Schlafsack pellen und erneut Feuer machen. Zum Fruhstueck gab es den Kaese-Maccaroni-Rest zusammen mit Curry-Hefeteig-Taschen, die zwei Tage vorher mit Hackfleisch und Gemuese gefuellt habe.

Nur wenige hundert Meter ueber uns auf dem Berghang beobachteten einige Dall-Schafe ganz genau, was wir so treiben, waehrend sie Sonne tankten. Wir haben sie schon den Abend zuvor gesehen, allerdings war es zu dunkel um Bilder zu schiessen.

Nachdem wir das Camp wieder in unsere Rucksaecke verfrachtet haben, liefen wir den restlichen Weg den Bergpass hinauf. Auf dem Weg trafen wir etliche gut getarnte ptarmigan (Schneehuehner) sowie einen reichlich speckigen gopher (Erdhoernchen), bei dem die Paleo-Diaet beim besten Willen nicht anzuschlagen zu scheint.

Schliesslich, endlich waren wir da. Falls sich jemand bis hierher gefragt haben sollte „Wozu das Ganze?“: Dafuer!

Eine wahnsinnige Aussicht, die klarste Luft die man sich vorstellen kann und ein Gefuehl grenzenloser Freiheit. Das bekomme ich nicht im Fuenf-Sterne-Hotel oder beim Computer-Spielen. Dieses Gefuehl der Lebendigkeit treibt mich an.

Und das beste daran: Jetzt hab ichs gleich vor der Trailertuer! 🙂

Der Bergpass heisst uebrigens Marmot Pass, auf deutsch Murmeltier-Pass. Auf dem Weg hoch haben Tyrel und ich uns einige Zeit lang auf verballhorntem Japanisch unterhalten. Jetzt heisst der Pass fuer uns Marimoto Passu. Sehr international. Hai.