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Atlin Arts and Music Festival

Durch einen Todesfall in der Familie ihres Freundes verging meiner Arbeitskollegin die Lust auf die Teilnahme am Atlin Arts and Music Festival (kurz AAMF). Kurzerhand kaufte ich also ihre Karten ab und machte mich mit Richard auf den Weg nach Atlin.

Atlin ist eine kleine Ortschaft, die ca. 2 Fahrtstunden und knapp 200 km von Whitehorse entfernt ist. Besonders an Atlin ist, dass es nur eine Zufahrtsstrasse aus dem Yukon besitzt, aber in der Provinz British Columbia (kurz BC, Hauptstadt ist Vancouver) liegt. Ca. 400 Leute wohnen das ganze Jahr ueber in Atlin, allerdings gibt es keinen Buergermeister, keine regionale Verwaltung oder sonst was. Alles, was es gibt, ist der riesige See Atlin Lake, der von wunderschoenen Bergen umgeben ist und von Gletschern gespeist wird. Und einmal jaehrlich ein Musik- und Kunstfestival.

Atlin bei Sonnenschein ist wirklich zauberhaft. Jedoch hatten wir nur Samstag dieses Privileg, Freitag und Sonntag goss es unentwegt. Aber das war schon okay so, immerhin war man da auch mit An- und Abreise beschaeftigt.

Anders als die Metal- und Gothicfestivals, bei denen ich in Deutschland Stammkunde war, ist das AAMF sehr familienorientiert. Es gab einen riesigen Sandhaufen auf dem Festivalgelaende und viele Aktivitaeten fuer die Kleinen. Auch das Kuenstlerische ist nicht zu unterschaetzen. Im kleinen oertlichen Kinosaal gab es reichlich Vorstellungen, die man sich als Festivalbesucher ansehen konnte. Zwei Kurzfilme, die im Yukon produziert wurden, gefielen mir ganz gut aber der Film Manifesto mit Cate Blanchett war so erzwungen kuenstlerisch und nervig, dass ich erst dreimal wegnickte und dann doch lieber den Saal verliess.

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Beverly Gray referiert auf einer Wiese ueber yarrow, zu deutsch Schafgarbe.

Von den kuenstlerischen Angeboten besuchten wir zum einen eine Lehrstunde fuer nordindische Taenze, sogenannten Bhangra, bei Gurdeep, mit dem wir uns spaeter noch anfreundeten. Zum anderen gingen wir mit der Kraeuterfrau und Autorin aus Whitehorse, Beverly Gray, auf einen einstuendigen Kraeuterspaziergang. Schwerpunkte waren die Heilwirkungen von dandelion (Loewenzahn), plantain (Wegerich) und yarrow (Schafgarbe). Hoechst interessant und wert, sich mehr damit zu beschaeftigen. Ihr Buch habe ich jedenfalls schon laenger bei mir zu Hause und es hat mir maechtig geholfen mit meinen Blasenentzuendungen.

Festivalstimmung, so wie ich es kannte, kam bei mir jedoch nicht so recht auf. Ein Grund dafuer war mit Sicherheit, dass man zum Verzehr von Alkohol in einen abgesperrten Bereich gehen musste und die Buehne durch einen hohen Zaun aus der letzten Reihe betrachten konnte. Aber davon ab waren die meisten Musiker auch nicht so gut, dass sie mich vom Hocker gerissen haetten. Eine Ausnahme gab es gluecklicherweise doch! Ich kam in den Genuss die Musik von Ben Caplan kennenzulernen!

Hier der Youtube Link zu einem seiner Lieder!

Alles in allem hatte ich trotz der unterschiedlichen Auffassungen von Festivals eine gute Zeit. Neben Ben Caplan hatten meine Freunde Bella und Richard, sowie der indische Tanzlehrer Gurdeep daran einen erheblichen Anteil. Und Atlin selbst ist wirklich wunderschoen und definitiv nochmal einen Besuch wert, wenn die Besucherscharen alle ausgeflogen sind!

Vor allem, als ich Samstag Nacht zum Zelt zurueckging, erwischte ich eine wunderschoene Stimmung am Hafen von Atlin. Dank Mondschein und Mitternachtsdaemmerung konnte ich auch um 00:30 h noch Bilder ohne Blitz nur mit meinem Smartphone aufnehmen.

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Im stillen See spiegeln sich die Berge, auf denen auch im Hochsommer etwas Schnee liegt.

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Ein paar Boote liegen malerisch im Hafen und werden vom Mond daemmerig beleuchtet.

Nicht zum Festival gehoerig aber was ich trotzdem noch loswerden muss:

Heute morgen habe ich wieder ein Auto gesehen, welches in die Kategorie „Ein Leben ohne deutschen TUEV“ gehoert!

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Anscheinend ist der Fahrzeugfuehrer Tischler und nicht Glaser. Die Fenster zum Kofferraum dieses Kombos (oder Vans?) sind mit solidem Holz vernagelt worden.

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