Freunde und Berge

Tyrel und ich sind ziemlich „socially awkward“. So eine richtig passende deutsche Uebersetzung dafuer kann ich nicht finden. Hier werden so Leute bezeichnet, die nicht wirklich asozial sind, sich aber irgendwie kauzig-komisch-unbeholfen in sozialen Situationen verhalten. Ja, ich kann sehr extrovertiert und wie ne Partybombe rueberkommen. Aber in meinem tiefsten Herzen bin ich aeusserst introvertiert und geniesse das Abgeschiedensein hier daher auch so sehr. Aus Ruhe und der Natur ziehe ich meine Energie. Tyrels Beduerfnis nach Ruhe ist in der Hinsicht noch staerker ausgepraegt. So kommt es, dass wir uns auch an Feiertagen so gut wie nie ins Getuemmel stuerzen, sondern unser eigenes Sueppchen kochen. Einfach, weils so schoen ist.

Jetzt kam aber Ostern um die Ecke und damit auch eine Einladung von unseren Freunden Berenike und Robert, uns ihr Grundstueck in der Wildnis anzusehen. Nach einer zweistuendigen Autofahrt wuerden wir unser Auto abstellen um nochmal 7 km mit dem Quad gen Nirgendwo zu duesen. Und auf dem Grundstueck erwartet uns ganz feudal ein wall tent (Zelt mit Holzrahmen auf Plattform mit Holzofen) und sogar ein outhouse (Ein gutes altes Klohaeusschen ueber ner Grube draussen).

Mal rauskommen. Mit Freunden. Einfach, aber bequem. Na klar!

Die kleine Arma wurde nicht lange gefragt, sie wurde schnell zu ihrer ersten Quadfahrt verholfen und hat sich auch kaum beschwert. Naja, bei der Aussicht…

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Von links: Berenike, ich, Arma (man kann die Oehrchen erkennen) und Robert auf dem Quad. Auf Eis, vor Eis und mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Uns erwartete ein Stueck Land in Hanglage mit Seezugang und der richtigen Mischung aus Wildnis und Entwicklungspotenzial. Eigentlich ist es jetzt schon genau richtig – mit dem wall tent, das als Basislager fuer Entdeckungen des Umkreises dient. Ein sehr gemuetliches Basislager, welches aber zu wenig Annehmlichkeiten bietet, um es fuer Tage nicht mehr verlassen zu muessen, ohne dass die Wildnis den geneigten Bewohner vor die Tuer lockt.

Die Mitternachtssonne ist zum Glueck noch nicht unter uns, sodass wir bei einem stimmungsvollen Feuer sitzen und Geschichten austauschen konnten, bis das Innere des Zeltes doch zu verlockend wurde.

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Links das wall tent mit Ofenrohr am Hang. Rechts Robert (von hinten), Tyrel (mit Arma) und ich (in rot). Ja, tatsaechlich ein unzensiertes Bild vom guten Tyrel!

Dem Wochenende zum Opfer fielen eine Nudel-Elch-Pfanne, ein gigantischer Hefezopf mit Himbeer-Chili-Konfituere, etliche Schweinehund-Broetchen, die noch vor dem Backgang wie niedliche Haeschen aussahen, eine Ladung frischgebackenes Indianerbrot mit Cranberries, und zwei Trinkflaschen abgefuellten Weins.

Arma hatte mit ihren gerade mal 10 Wochen Lebenszeit keinerlei Probleme. Sie genoss das Toben mit ihrer Freundin Opie (die am zweiten Tag langsam die Schnauze voll hatte von scharfen Welpenzaehnchen) und blieb immer brav in unserer Naehe.

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Opie doest, Arma faengt wieder an zu staenkern.

Bis zu meinem 26. Lebensjahr waren mir Berge ziemlich egal. Ist doch auch wie Flachland, nur anstrengender, oder? Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, ohne Berge zu wohnen. Die Anstrengung beim Besteigen eines Huegels zusammen mit dem darauffolgenden Ausblick… Da fuehle ich mich einfach ruhig und froh.

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Wie schoen einfache Faltungen eine Landschaft doch machen koennen!

Zu Hause folgt die Weiterfuehrung des Gefuehls, das mich beim Ausblick auf Berge beschleicht: Ich moechte mehr Teil dieser Landschaft sein. Nicht zu bequem werden. Tyrel muss mal wieder herhalten fuer eine tiny house Diskussion.

Am Ende der Diskussion haben wir genuegend Punkte geloest, um ein grob ueberschlagenes Modell zu erstellen.

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Links ist der Eingang, dann folgt eine kleine Gaderobe, der Holzofen plus Holz, ein Tisch mit Stuehlen, das Sofa und eine Kueche. Neben dem Sofa fuehren Treppen in ein kleines Kriechloft zum Schlafen. Unter dem Loft ist ein wenig mehr Stauraum.

Ob das Modell schon aehnlich aussieht wie das Endprodukt? Ich weiss es nicht. Aber es fuehlt sich schon gut an, wenn ich auf den Vorfahren meines zukuenftigen Basislagers blicke. 🙂

24 Kommentare

    1. Hallo Gabi 🙂
      Ja, das mit dem Stauraum ist noch ne weitere Frage… Wir haben eine Menge Werkzeuge, die wir nicht billig verkaufen wollen, um sie anschließend wieder teurer zu kaufen. Vielleicht bauen wir noch zusätzlich einen kleinen mobilen Schuppen.
      Ich hoffe, dass du auch ein tolles Osterfest hattest! 🙂
      Liebe Grüße,
      Luisa

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      1. Ostern hatte mich die Rüsselseuche ein wenig im Griff. Warme Sonne, kalter Wind, bissel Durchzug… da war es passiert.
        Versuche doch so eine Art 2. Boden einzuziehen. Ein Zwischen-Fußboden. Ginge zwar nur für flache Sachen, aber es wäre sogar noch ein zusätzlicher Schutz gegen Fußkälte.
        Oder Du baust unter dem Häuschen Schubladenschienen ein. Dann könntet Ihr, ähnlich wie die Hängeschubladen für Kleiderschränke, passende Schränke/Schubladen unten einhängen. Und wenn Ihr das Häuschen umstellt, können diese einfach abgenommen werden und für die Überfahrt im Häuschen transportiert werden.
        Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt 😀
        LG Gabi

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      2. Oh, dann hattest du hoffentlich genug Gelegenheit zum ausruhen und bist schon fast wieder ganz hergestellt! 🙂
        Den Fußboden werden wir isolieren (2 x 6 Zoll Holzriegelwand). Dann möchten wir ihn nicht wirklich permanent dicker haben, weil die Höhe uns an Wohnraum verloren geht. Super Idee mit den Schubladen von unten! Wir hatten schon überlegt, das Haus hoch aufzubocken und darunter in Plastikkisten auf Paletten weiteren Stauraum zu haben. Aber dann soll es auch bitte nicht langsam einsinken und umkippen… ^^‘
        Ganz liebe Grüße,
        Luisa
        PS: Hast du dieses Jahr schon wieder Pilze und Kräuter gesammelt? Hier sind erst die Krokusse gewachsen, der Rest braucht noch ein paar Wochen.

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      3. Auch wenn ich gerade nichts darüber schreibe, aber ja, ich habe schon gesammelt. 🙂
        Bärlauch wurde schon verarbeitet und weiterverbreitet. Sprich, ich habe einige Pflanzen hier bei mir in der Nähe im Wald gepflanzt. Damit ich in ein paar Jahren nicht mehr extra fahren muss, um diesen zu sammeln. Und in der Küche steht ein Strauß Knoblauchrauke um in Kräuterbutter verwandelt zu werden. Löwenzahnhonig habe ich auch schon hergestellt. Und der erste Rhabarberstreusel hat mir auch mit Erkältung gut geschmeckt 😉

        Irgendwie seltsam, dass der Frühling hier schon fast wieder vorbei ist, während er bei Dir gerade in den Startlöchern steht. Aber in Alaska soll es ja zu Ostern auch nochmal kräftig geschneit haben. Auf Facebook wurden reichlich Bilder gepostet.
        Passt auf Euch auf! Gabi

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  1. Yeah frohe Ostern an die Oster-Gesellschaftsverweigerer xD
    Nebenbei habt ihr paradoxerweise doch eure eigene Oster-Gesellschaft gegründet was? ^^

    Beim TinyHouse würde ich noch einen Beamer an die Decke bauen, der ggf. auf die geschlossene Tür zum Schlafzimmer ein Bild projeziert, wenn ich die Grafik richtig interpretiere^^
    Dann kann auch ein gemütlicher Videoabend noch mal folgen.
    Wenn euch dann Bären angreifen, habt ihr garnicht mehr soviel Stauraum für das ganze Bärenfleisch was?
    Alternative Eistruhen draußen hinbauen, was quasi auch als Köder für die Bären dient.
    => Backofen seh ich – Kühlschrank und Gefriertruhe seh ich nur mit Fantasie.

    Nächste Woche ist schon 1.Mai und die Holzkauf-Saison geht los – spührt ihr schon das Kribbeln?
    Ich hoffe, dass es noch positiver Stress ist!

    Gefällt 2 Personen

    1. Beamer ist ne feine Sache und platzsparend, jedoch auf ner Liste mit Sachen, die nicht unbedingt noetig sind und daher je nach Finanzlage erstmal eingespart werden ^^

      Baeren anlocken ist hier verboten und auch ziemlich daemlich weil koennte schnell nach hinten losgehen :0

      Backofen und Herd wird nur bei Bedarf mit Propan betrieben ohne Strom -> kein Problem. Gefriertruhe und -schrank mit Propanantrieb geht aber richtig ins Geld mit Anschaffungskosten und Propanverbrauch. Also auch ne Finanzierungsfrage. Unsere grosse Gefriertruhen wuerden wir dann bei nem Freund mit Strom anschliessen und bei Bedarf kleine Portionen mit nach Hause nehmen -> haben wir auch so gemacht in unserem ersten Jahr hier.

      Jo, ich glaube am 3. Mai geht der Verkauf los… das heisst wir haben noch ein Wochenende Zeit um den Bedarf abzuschaetzen ^^ Also Haus plus Schuppen plus Moebel plus Verschnitt.

      Bis jetzt ist alles gut und eher Vorfreude als Stress. Der wird spaeter noch ganz von allein kommen xD

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    1. Sag Bescheid, falls es dich mal hierher verschlagen sollte – ich mache einen tollen Samosa Pie! 😉
      Ich beneide dich wirklich nicht um die Hitze und die Menschenmassen… aber ich liebe die indische Kueche. Die oertlichen Streetfood-Staende wuerden mich schon locken. 🙂
      Liebe Gruesse,
      Luisa

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    1. Dann hoffe ich, dass du auch dieses Jahr in den Osterferien eine schöne Zeit in der Natur verbringen konntest. Vielleicht hast du es sogar nach Frankreich geschafft! 🙂
      Schön, dass ich Gleichgesinnte auf dieser Welt hab ❤

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  2. Wir sind gerne mit dem Wohnmobil unteregs ( auch für langer und auch im Winter). Das Stauraumproblem lösten wir für uns relativ gut, da wir immer wieder noch in den kleinsten Ecken, unter dem Fußboden, an der Decke etc. pp. fantasievolle Plätze dafür fanden.Man beschränkt sich dann ja eh auf das Notwendige. Für Werkzeug, Gasflaschen etc, gibt es hinten unter dem Wohnbereich einen extra-Stauraum, der nur von außen zugänglich ist. Deswegen finde ich deine Idee, für solche Dinge einen extra-Schuppen zu errichten genau richtig!
    Frühlingsgrüße aus dem Bergischen Land…
    von Rosie

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    1. Dankeschön für deine lieben Zeilen, Rosie! 🙂 Es ist wie du sagst: Wenn man den gegebenen Platz komplett nutzt, kommt man auch in kleinen Räumen gut zurecht. Wir vervollständigen zur Zeit noch die genauen Pläne. Kommendes Wochenende werden wir dann groß Bauholz einkaufen und die Ärmel hochkrempeln.
      Ich werde berichten. 🙂
      Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
      Luisa

      Gefällt 1 Person

    1. Ich habe mich bewusst gegen ein Bad im Haus entschieden. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass ich auch gut ohne auskomme. Und irgendwie finde ich es jetzt sogar besser, wenn Wohnbereich und Bad strikt getrennt sind. Von Spülklos will ich gar nicht anfangen. Wenn man jeden Liter selbst hertransportiert, dann weiß man, wieviel davon einfach im Klo runtergespült wird.

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      1. Schläfst Du eigentlich nie? 😉
        Seit ich mich auf dem Atlantik mit Salzwasser an Deck gewaschen habe, schätze ich den Komfort von fließend warmem Wasser aus einer Leitung noch mehr. 🙂
        Liebe Grüße
        Jens

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  3. das is nich stänkern
    das bedeutet los knuddel mich großer hund
    kann aber auch bedeuten
    ich teste hier meine grenzen aus
    mal sehen wie weit du mich gehen läßt
    großer hund legt dann meist die pfote
    schwer
    auf das nervige dingens
    hilft das nicht gibts ein knurren
    hilft das auchnich wird geknurrt mit leftzen hochziehen
    danach folgt dann der noch freundschaftliche biss ins nackenfell
    sieht dramatisch aus
    is aber erzieherisch sehr wirksam
    hunde unter sich erziehen sich halt anders
    und es funktioniert seit hunderten von jahren 🙂
    ich kenn mich da aus
    gruß bella 🙂

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