Flusstrip 2018: Tag 5

Auf der Plane, auf der wir schlafen, wird heute Nacht ein besonders lauter Stepptanz von der oertlichen Maeusekolonie aufgefuehrt. Ich hampele herum, damit die Maeuse verjagt werden. Sich bewegende Menschen finden sie naemlich irgendwie gruselig. Doch jetzt bin ich auch wach. Als erste. Es daemmert leicht, also ist es gegen 7 Uhr. Ich stehe auf und entzuende ein Feuer. Das gelingt mir mittlerweile wirklich gut!

Leichter Schneeregen kommt nieder, als ich meine Blase entleere. Es wird irgendwas unter Null Grad sein, aber nicht sehr weit unter Null. Beim Fruehstuecken hoert der Niederschlag auf. Weiter geht es auf den Fluss.

Tyrel sieht mit seinen Adleraugen, wie ein Weisskoepfiger Adleraugenbesitzer einen Fisch erbeutet. Ich erkenne, wie das Wappentier seine Beute schwer fliegend in eine Waldschneise hineinwuchtet. Im Moment, in dem wir in die Schneise sehen koennen, mache ich schnell ein Foto. Es ist ein wenig unscharf, aber man kann erkennen, dass der Vogel ein gutes Fruehstueck erbeutet hat.

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Auf einem abgebrochenen, toten Baum haelt der Weisskopfseeadler seine Beute mit den Greiffuessen und schlingt einen Schnabel voll herunter.

Immer wieder deutet Joe auf geheime Camps an den Flussufern, die nicht auf der Flusskarte verzeichnet sind. Er kennt diesen Fluss wie seine Westentasche; c.a. 20 Sommer lang hat er hier Kanutouristen gefuehrt. Im Herbst hat er dann gejagt, das dann allerdings schon seit 30 Jahren. Alles, was er erzaehlt und fuer zukuenftige Exkursionen nuetzlich sein koennte, notiere ich mit Bleistift auf der Flusskarte. Danach stecke ich meine kalten Finger schnell wieder in die Handschuhe und bewege sie fuer einige Zeit, um warmes Blut in sie hineinzupumpen.

Bei einer Flusswindung greift Tyrel nach dem Fernrohr.

„Kuh.“

Gemeint ist wohl der kleine Schatten im Wasser, anscheinend handelt es sich um eine Elchkuh.

Joe schaltet den Motor aus, die Stroemung erfasst uns, traegt uns weiter und dreht uns dabei langsam im Kreis. Wir drei ergreifen unsere Gewehre. Hat diese Elchkuh einen Verehrer im Gebuesch stehen? Nur Elchbullen duerfen gejagt werden, da das Fehlen einiger maennlicher Elche kaum Auswirkungen auf die Gesamtelchpopulation hat. Das Fehlen einer Elchkuh jedoch ist ein Einschnitt durch die ausbleibenden Nachkommen.

Joe imitiert den Ruf einer willigen Elchin. Doch nichts ruehrt sich. Die Elchbrunft scheint dieses Jahr schon vorbei zu sein. Die Elchbullen hatten entweder schon ausreichend Freundinnen oder haben mittlerweile andere Dinge im Kopf. Die Temperatur spielt eine grosse Rolle bei der Brunft. Dieser Herbst ist aussergewoehnlich kalt, vielleicht vergeht manchem Elch da die Lust.

Nach ein paar Minuten lege ich mein gesichertes Gewehr beiseite und greife zur Kamera, damit ich wenigstens ein paar Fotos mit nach Hause bringen kann.

Auch dieses Jahr kommen wir wieder an den Ueberresten des Unterbaus von dem Schaufelraddampfer SS Klondike vorbei. SS steht hierbei fuer Single Screw Steamship, was bedeutet, dass es sich um ein Dampfschiff mit nur einem Schaufelrad handelt. Das Wasser hat dieses Jahr einen besonders niedrigen Stand, laut Joe den niedrigsten seit 30 Jahren. Daher ist besonders viel des Schiffes freigelegt und wir gehen auf eine Erkundungstour.

Spaeter kommen wir an einer weiteren historischen Stelle vorbei. Eine alte Goldmine. Joe ist ganz begeistert, so viel von der Baggerkonstruktion hat er noch nie gesehen.

Wieder auf dem Fluss bewundern wir noch ein paar Adler. Wir ueberholen zwei andere Jagdgruppen, die allerdings bislang scheinbar auch keinen Erfolg hatten.

Ein wenig spaeter bauen wir wieder unser Lager auf. Eine kleine Angelrute haben wir mittgebracht, die ich erfolglos auswerfe. Ist es nicht verrueckt, dass ich noch nie einen Fisch gefangen habe?

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Tyrel steht im Camp vor dem Feuer und Bergen von gesaegtem Feuerholz.

Eines Tages wird es schon so weit sein. Da wird der erste Fisch am Haken zappeln und auch der erste Elch in der Gerfriertruhe landen. Und bis dahin geniesse ich die Reise dahin.

15 Kommentare

    1. Ja, es ist verrückt wie weit entfernt wir leben und trotzdem noch im selben Land sind. 🙂 Hattet ihr eigentlich mehr Anglerglück als ich bisher? Ihr könnt ja direkt im Atlantik fischen!
      Liebe Grüße und guten Rutsch,
      Luisa

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  1. Danke Luisa für diesen schönen Beitrag und die tollen Bilder.
    Auch ich bin sehr gespannt, ob Euer diesjähriger Flusstrip von Erfolg gekrönt war und Ihr mit einem Elch heimkehren konntet.
    Ich freue mich, dass wir über unsere Blogs in Kontakt gekommen sind und wünsche Dir und Tyrel einen guten Start in das Jahr 2019!
    Liebe Grüße aus dem Norden Deutschlands
    Jens

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    1. Vielen Dank Jens für deinen lieben Kommentar. Ich habe eben mal nachgesehen und es ist schon über ein Jahr her, dass ich auf deinen Blog gestolpert bin und du mir dann eine E-Mail geschrieben hast. 🙂 Wir werden heute mit Tyrels Arbeitgebern essen gehen und anschließend ganz ruhig zu zweit ins neue Jahr kommen. Ich wünsche dir und deiner Freundin auch einen guten Rutsch in ein frohes neues Jahr.
      Liebe Grüße,
      Luisa

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  2. Hallo Luisa, gerne geschehen!
    Danke für Deine guten Wünsche. Nachdem unser letzter Besuch heute abgereist ist, werden wir ganz geruhsam zu zweit ins neue Jahr couchen. 😉
    Ist das tatsächlich schon überein Jahr her? Mir kommt das viel kürzer vor. 🙂
    Liebe Grüße
    Jens

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  3. Immer wieder bewundere ich die schönen Aufnahmen. Das Wrack der Klondike jagt mir einen wohligen Grusel den Rücken hinunter. Welche Schicksale sich mit so einem Relikt verbinden….

    Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr.

    LG, Joe

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    1. Hallo Joe,
      Vielen Dank für die lieben Worte. Auch für mich ist die SS Klondike ein besonderer Ort. 🙂
      Ich wünsche dir und deiner Familie einen guten Rutsch und ein tolles 2019. Auf dass eure schönsten Vorstellungen übertroffen werden!
      Viele Grüße,
      Luisa

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    2. mückenstiche
      angriffe von wölfen
      kampf ums überleben
      und
      der tod
      sind wohl die schicksale
      die einen erwarten
      wenn man als mensch
      diese feindliche gegend betritt
      wobei nicht die gegend feindlich ist 🙂
      feindlich dort ist nur der mensch
      nur die harten komm in garten
      das is die natur 🙂
      ich find es schön das das
      dort noch funktioniert
      dort ist noch die natur der macher
      nicht der mensch
      gruß ronny

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  4. Ach ja, wollte letztens schon mal nachfragen, ob ihr denn gar nicht angelt, weil Kleinvieh macht doch bekanntlich auch den Bauch voll.
    Ich wünsche euch ein weiteres tolles gutes Jahr. Möget ihr gesund sein und euch wohl fühlen.

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    1. Anscheinend ist mir Petrus nicht hold bislang… Aber eines Tages, ich sag’s dir, da werde ich nen dicken Hecht an Land ziehen! 😀
      Danke für deine lieben Wünsche. Du hab auch ein ganz tolles Jahr mit vielen kleinen Urlauben und viel Lachen aus vollem Bauch. 🙂

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  5. vom boot aus jagen mit mir an bord
    wäre keine gute idee
    jajaaaaa schande über mich
    ich hab in letzter zeit hier nich viel
    eigentlich garnich getippert 😦
    aber gelesen haben wir immer
    so wirklich vermißt
    haste mich aber anscheinend auch nich
    aber du hast ja auch genug zu tun
    wie is denn euer wetter ?
    wir haben hier nur wasserpfützen und grüne wiese
    der himmel is nur grau in grau
    tja soviel mal aus der gegend um potsdam
    gruß bella 🙂

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    1. Hi Bella,
      in den Pfuetzen kann man doch super toben, oder? 🙂 Hier ist endlich der Winter abgekommen und zur Feier ist am Dienstag bei -40 Grad gleich fuer 9 Stunden der Strom ausgefallen. Die Wasserleitungen weigern natuerlich immer noch ihre Dienste. Aber ohne fliessend Wasser und kalt sind wir ja gewohnt – das wird alles wieder!
      Viele Gruesse,
      Luisa

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      1. naja ihr habts ja gut
        ihr könnt den ofen anschmeißen so wie wir auch
        und denn könnt ihr schnee und eis auftauen
        um wasser für nen kaffee zu haben
        leider hamm wir hier noch nich die temps das ich frühmorgens aufstehe
        für nen doppelten vom entengrützesaft
        und mir dran die nase verbiege
        weils gefrohren is über nacht
        😀 😀 😀
        vielleicht kommt ja noch bissel sibirisches wetter
        zu uns hier
        sibirien is von dir aus gesehen auf der anderen seite vom nordpol 😀 🙂
        von da bekommen wir unsere kalte luft
        über land
        trocken kalt geil 🙂
        unsere wasserleitung kann nich einfrieren
        sie wurde belüftet
        luft friert ja nich ein 🙂
        wir leben wieder aus dem kanister 🙂
        bis auf mein wasser zum saufen
        das holen wir immernoch aus unserem hausteich
        genannt “ wublitz “ 🙂
        schick uns mal bissel winter
        deine bella 🙂

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