Unerwünschter Besuch zum Jubiläum

Es ist Mitternacht. Heute bin ich seit zwei Jahren in Kanada.

Eigentlich wollte ich mich nach einer guten Mütze Schlaf in Ruhe hinsetzen und mein zweites Jahr resümieren.

Doch gerade kommen wir nach Hause von einen schönen Abendessen mit James. Komisch, die Eingangstür ist blockiert, war der Wind so stark, dass die Holzblöcke einfach umgefallen sind? Wir versuchen, die Tür zu entsperren und zu öffnen, dabei knallt mir Tyrel die Tür volle Elle an den Kopf. Sauer gehe ich in den Vorraum und schließe die Haustür auf.

Was… Warum ist der Abstelltisch umgeworfen? Und so viel liegt auf dem Boden… Ich verstehe nichts und starre auf das Chaos.

„Das ist ein verdammter Einbruch, schnell weg hier!!!“ Tyrel zieht mich am Arm wieder nach draussen.

„NICHT LAUFEN! Geh einfach zum Auto und setz dich rein! Ich hole die Schrotflinte aus meinem Auto.“

Wir gehen ums Haus. Jemand hat die Insektennetze herunter gerissen. Das Schlafzimmerfenster steht komplett offen. Tyrel brüllt ins offene Fenster und horcht. Nichts regt sich.

Schließlich betreten wir das Haus durch die Haustür. Tyrel ruft und lauscht. Ich halte Abstand.

Chaos. Die Kettensäge ist noch da. Alles andere auch. Und Bärenscheiße. Gegessen hat er nichts, nicht einmal die Mülltüte mit den Küchenresten durchwühlt. Der Kühlschrank ist geschlossen. Die Dusche ist zerstört. Ein Sofa angenagt. Ein Fenster kaputt. Viel kleine Sachen.

 

Wir telefonieren mit unserer Hausverwaltung, unserem Vermieter und schließlich der Jagdbehörde. Ein Schwarzbär hat in unserer Gegend schon viel Schaden angerichtet. Erst heute war er bei unserer Hausverwalterin auf der Veranda und hat sich von Menschen nicht stören lassen.

Der Herr von der Jagdbehörde kommt gleich vorbei und stellt eine Bärenfalle auf. Wenn wir den Bären sehen, sollen wir ihn sofort erschießen und nicht erst versuchen, zu verjagen.

Wo oder ob ich heute schlafen werde, weiß ich noch nicht.

Happy Canada Day!

Update: Dave von der Jagdbehörde ist mit uns durch das Haus gegangen, hat Haarproben mitgenommen. Dass Bären in Häuser einbrechen, ist mehr als unüblich. Oft plündern sie Hütten im Nirgendwo. Aber erst, wenn seit Monaten kein Mensch mehr drin war und es nicht mehr nach Mensch riecht. Dieser Bär hatte aber wohl Angst bekommen, als er im Haus war. Daher hat er nichts gegessen, wollte einfach nur raus aus irgendeinem Fenster und hat dabei ne Menge zerstört. Und uns in den Flur geschissen.

Dave holt jetzt eine Bärenfalle, die derzeit eine Strasse weiter steht, um ebendiesen Meister Petz zu fangen. Die Bärenfalle wird nun in unseren Vorgarten gestellt.

Ob sie auch Köder in die Falle legen, frage ich.

Ja, ne Menge!

Und was für Köder?

Einen Haufen Biberfleisch. Das sind die fettigsten Tiere, die hier rumlaufen.

Wird der Bär getötet, wenn er in die Falle getappt ist?

Ja, er ist gefährlich und kann nirgendwo freigelassen werden ohne dass er andere Menschen gefährdet.

Ist es sicher, heute Nacht hier zu schlafen?

Ja, der Bär würde wahrscheinlich gleich reißaus nehmen, wenn er euch hört oder riecht. Ausserdem wurde er nicht dafür belohnt, hier einzubrechen. Er hat nichts gegessen, hat kein positives Erlebnis gehabt. Wenn er nochmal in die Nähe kommt, würde er eher in die Falle gehen.

 

Ich habe beschlossen, heute zu zelten. Im Wohnzimmer. Nur im Innenzelt, so können wir sehen, was draussen los ist. Und die 688632 Moskitos, die jetzt unsere Mitbewohner geworden sind, saugen uns nicht leer.

Was für ein Jubiläum. Ich baue dann mal ein Zelt im Wohnzimmer auf. Kann die Situation aber schon wieder positiv sehen. Nichts wirklich Schlimmes ist passiert. Wir müssen morgen nicht arbeiten. Und lustigerweise hat der Bär unsere beiden Schwarzbärenfelle von der Wand gerissen, den Grizzly, Wolf und das Bison aber hängen lassen. Dieses Mal 1:0 für den Bären!

Liebe Grüße und macht euch keine Sorgen, mir geht es gut. 🙂

31 Kommentare

      1. Hi Mel,
        Nein, der Bär würde dann der Jagdbehörde gehören und die würden ihn abholen, häuten und das Fell in einer jährlichen Auktion versteigern. Bis zum ersten August haben die Bären hier noch Schonzeit und dürfen nicht gejagt werden. Wenn wir ihn erlegen, wäre es dann ein sogenannter non-hunting-kill.
        Viele Grüße,
        Luisa

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  1. Und hier schrie meine Mutter vor Jahren um Hilfe, weil eine höchstens 10 cm lange Eidechse sich unerlaubt im Keller aufgehalten hatte. Angedeutet hatte meine Mutter damals aber etwa einen Meter, als sie mich geholt hatte … *ggg*

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    1. Ja, gelohnt hat sich die Aktion für ihn nicht… Ich finde nur gut, dass er wahrscheinlich nicht auf die Idee kommt, in jemand anderes Haus einzusteigen oder sogar nochmal bei uns!

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      1. Der Kuehlschrankbaer lebt mittlerweile in der Tiefkuehltruhe und unser Einbrechbaer hat ihn nicht gefunden… dafuer hat er eine Kralle von einem Baerenfall an der Wand abgekaut und das etwas demoliert.
        Klingt schon wieder nach einer Lagerfeuergeschichte! 🙂

        Gefällt 2 Personen

    1. Wie gesagt, es ist mehr als ungewöhnlich, dass wir so viel Action haben… Komm halt her, wenn dir nach einem Abenteuer ist, was man mit Harzdrenalin nicht abdecken kann 😉

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  2. Oh nö… Was für ein Chaos 🙁 tut mir Leid um Pflänzchen ubd Mobiliar… Andererseits wäre Personenschaden ja noch arger… Gibt’s eigentlich eine Versicherung gegen bäreneinbruch? 😅

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    1. Ich denke auch wir sind noch ganz glimpflich davon gekommen. Ausserdem haben wir den mutmasslichen Uebeltaeter ja auch schon erwischt (siehe aktueller Beitrag der anscheinend nicht im Reader angezeigt wird).
      Versichern kann man sich ja generell gegen alles. Denke nur nicht, dass sich das besonders lohnt… es ist ja so selten, dass wirklich der Baer im Haus los ist und der Schaden haelt sich auch relativ in Grenzen… Von daher werden wir denke ich einfach weiter machen wir bisher. ^^

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      1. Ich hab den schon gestern geschrieben, von daher weiss ich nicht, ob er im Reader ueberhaupt noch auftaucht… im Zweifel lukonblog.wordpress.com ^^

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