Hausmannskost

Der Yukon haengt Deutschland durch die Zeitverschiebung 9 Stunden hinterher. Es dauert hier auch laenger, bis der Sommer sich endlich zeigt. Aber endlich Ende Juni bluehen die vielen Wildrosen. Wahrscheinlich haben sie eine Symbiose mit den zigtausenden Moskitos gebildet, die nur darauf warten, dass man sich einer Rose naehert, um ihren suessen Duft einzuatmen. Daraufhin wird man naemlich von den Moskitos ausgesaugt.

Neben den Moskitos tummeln sich auch andere Tierchen im Garten: Nach der zufaelligen Jagd sind noch zweimal Baeren durch unseren Garten getrollt. Ein groesserer Schwarzbaer stand direkt vor der Haustuer und erspaehte eine Bewegung von mir, dann nahm er Reissaus. Eine Baerenmutter mit zwei Baerenkindern inspizierte unser Kanu. Tyrel bestand darauf, ihnen eine schlechte Erinnerung an Menschen mit auf den Weg zu geben. Mit Gummigeschossen und Leuchtfeuer bewaffnet ging er der Familie nach (nicht zur Nachahmung empfohlen!). Als sie keine direkte Angst vor ihm zeigten, zimmerte er der Mutter Baer ein Gummigeschoss auf den behaarten Hintern. Daraufhin verstaute sie kurzerhand ihren Nachwuchs auf dem naechsten Baum und streifte die naechsten Stunde allein durchs Unterholz um unser Haus herum.

Sommer. 🙂

In wenigen Monaten ist schon wieder bitterer Winter. Da muss ich von den Erfahrungen des Sommers ein wenig zehren. Also liegt es nahe, dass man so viel wie moeglich vom Sommer konserviert! Okay, ein Schwarzbaer liegt schon auf Eis. Auf getrocknete Muecken in meinen Backwaren als Sommerandenken kann ich muehelos verzichten. Was koennte ich noch bewahren…

Rosen!

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Zartrosa Tupfen bilden die bluehenden Rosen in der gruenen Vegetation unserer Einfahrt.

Hinterm Haus, an der Einfahrt, an der Strasse, ueberall bluehen die Wildrosen derzeit. Ich werde die Blaetter konservieren und an einem kalten Wintertag einen schoenen Kaiserschmarrn mit Rosenbluetenmarmelade geniessen!

Die Ausruestung fuer das Rosenbluetenblaettersammeln steht auch schon fest: Schrotflinte mit Gummigeschoss und Baerenspray gegen die grossen Tiere, langaermlige Kleidung, Handschuhe, Muetze und Kopfnetz gegen die kleinen.

Bekleidet wie ein ein Fremdenlegionaers-Imker trete ich vor die Haustuer. Eins muss man den Muecken lassen, sie sind kreativ und lassen sich nicht von klobig wirkender Kleidung von ihrem Ziel abbringen. Die Handschuhe waren wohl nicht mueckendicht, an meiner linken Hand werde ich spaeter 26 Einstiche zaehlen. Zum Glueck schwelle ich kaum an. Schnell reicht es mir auch mit der Sammlerei und ich beschliesse, genug gesammelt zu haben. Baeren kamen nicht vorbei.

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Meine Ausbeute an Blueten und ich. Habe gerade noch versucht, die Muecken zu vertreiben, um meine Hand beim Bedienen des Handys zu schuetzen. Doch neben meiner Nase erkennt man das unscharfe Uebel des Sommers: Eine fette Muecke!!

Wichtig, bevor man das Haus betritt: Kleidung abstreifen, damit man moeglichst wenig Muecken mit sich hereintraegt. Dann folgt eine Inspektion der doch recht hastig gesammelten Bluetenblaetter. Ein paar Kaefer transportiere ich auf einigen Blaettern wieder nach draussen – und lasse weitere Muecken hinein.

Doch endlich steht ein Topf mit Rosenblaettern und Wasser auf dem Herd und koechelt und duftet auch bald verfuehrerisch vor sich hin.

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Alles rosig im Topf.

Nach 10 Minuten des Koechelns muss der Zucker und Zitronensaft hinzugefuegt werden.

Der Zucker…

Oha. Ich hab doch nur unraffinierten, braunen Zucker im Haus! Naja, hilft ja nichts, rein damit.

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Das wars dann mit rosig. Der Topfinhalt sieht aus, als wuerde man Innereien in Lebertran aufkochen.

Da stehe ich vor meinem Herd, schaue auf das Ergebnis meiner Kuechenkunst… und kann nicht mehr aufhoeren zu kichern. 🙂

Abgefuellt in Glaeser wird das Ganze trotzdem. Es ist zu allem Uebel noch nicht mal fest geworden. Aber es wird schon dafuer reichen, sich vielleicht einen Tee zu suessen.

Auf jeden Fall sind heute Sommererinnerungen konserviert worden!

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32 Kommentare

    1. In Deutschland sind die wilden Rosen bestimmt schon verblüht, oder? Leider hat das mit dem Konservieren des Duftes nicht ganz geklappt, so kann ich dir noch nicht mal was schicken… Aber manchmal hat man Glück und eine Oma duftet nach Rosenparfum 😉
      Liebe Grüße!

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  1. Buahaha! Tallys persönlicher Alptraum… Eingelullt von unerträglichem Rosenduft… Schafft sie es gerade noch so halbwegs zu entkommen. Bricht am Ende erschöpft zusammen und dann blasen die Moskitos zum Angriff um ihr nun völlig wehrlose Opfer zu erstechen. Danach sieht sie dann aus wie eine riesige Beule und hat Kopfweh 😂😂😂

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      1. Das stimmt! Und sogar die Baeren schlafen in irgendwelchen Hoehlen im Winter und man muss sich keine Gedanken um die machen. 🙂 Hat also durchaus seine Vorteile.

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    1. Moin Jens,
      Den Kaiserschmarrn mache ich regelmäßig im Ofen, der schmeckt uns besser als Pfannkuchen und es ist auch nicht so arbeits- und Geschirrintensiv. Aber man weiß ja nicht, was das nächste Mal damit passiert. 🙂
      Liebe Grüße,
      Luisa

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  2. schon irgendwie verdreht, im winter kann man wegen der kaelte nicht raus, im sommer wegen der muecken. ich fand das wandern mit headnet in der high sierra nicht so erquickend und der koerper war mit 100 prozent deet besprueht = geschwollene lippen! naja auf mt. whitney sind dann zum glueck keine beisser, nur die hiker, die sich nach oben gebissen haben. fuer deinen weiteren tatendrang empfehle ich die herstellung von holundersekt, geht auch mit anderen blueten!!! alles gute

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    1. Zum Glück ist es ja nicht überall so schlimm wie bei uns am Haus… Außerdem wird es auch besser im Herbst. 🙂
      braucht man schon fertigen Sekt für Holundersekt? Klingt jedenfalls gut.
      Liebe Grüße!

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      1. nein, einfach 3 Holunderdolden, 1 Zitrone, 0,125 l Weinessig, 500 g Zucker, 5 Litter abgeochtes Wasser. Alles in einen großen Topf – ausser das Wasser – stehenlassen bis Zucker sich aufgelöst hat, dann Wasser hinzu, drei Tage kalt ruhen lassen, dann in Flaschen verkorken, perfekt!!!

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      2. Dazu muss ich dann aber weissen Zucker kaufen, oder? 😀
        Danke fuer den Tipp! Holunder gibt es hier nicht aber wenn das auch mit Rosen oder sonstigem geht, ist ja prima.

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    1. Als wir hier eingezogen sind im Herbst, war draussen entspannen durchaus moeglich. Und es ist auch nicht ganz so dramatisch, wenn es sehr windig ist… wobei man bei starkem Wind auch nicht unbedingt im Liegestuhl liegt.
      So gut wie alle Teile der Rose sind essbar. Die Bluetenblaetter machen sich wohl auch super auf Salat.
      Liebe Gruesse,
      Luisa

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  3. Ist immer wieder das Gleiche – sehr schöne Bilder der Natur und Würdigung diesergleichen.
    Ich nehm mir auch immer vor, dass ich das in meiner Freizeit auch mache, aber zugleich brauch ich nach dem Arbeitsalltag und den anschließenden häuslichen Aufgaben erstmal Erholung und/oder Ruhe und habe keine Lust dazu.
    Das Wochenende ist dann zumeist auch mit anderen Verpflichtungen verstopft, dass kaum Zeit dafür über bleibt und Würdigung ist meist Zeitintensiv ^^
    Dabei weiß ich selbst, dass es nur eine Prioritätenfrage ist.

    Daher genieße ich die Abenteuer vom Lukon in der Mittagspause! *Daumen hoch*

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    1. Schön, dass ich dir mit meinen kleinen Abenteuern die Mittagspause versüßen kann ^^
      Vielleicht kommt ja in deinem Leben nochmal der Punkt, wo du mehr das Bedürfnis nach Natur hast… Und falls nicht ist doch auch egal, solange du zufrieden bist 🙂

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