Gartenbesuch

Am vorletzten Samstag ging ich wie jeden Tag, den ich nicht arbeite, spazieren. Der schmelzende Schnee ist nicht mehr puderig und knischt so schoen unter den warmen Stiefeln. Ich versuche, verschiedene Toene zu erzeugen auf den ersten 30 Metern vor unserer Haustuer.

Ploetzlich kracht es im Gebuesch von links. Es scheint ein sehr grosses, verschrecktes Tier zu sein, was da einen Rabatz veranstaltet. Die Eisdecke vom Fluss zerbricht sogar.

Ganz ruhig stehe ich in unserer Einfahrt. Was immer da den Laerm veranstaltet, es ist eh schneller als ich. Ganz untaetig will ich trotzdem nicht sein, ich rufe ein lautes „EY!!“ hinterher. Was besseres faellt mir nicht ein.

Schliesslich setze ich meinen Spaziergang fort. Vor zwei Wochen habe ich Elchspuren am anderen Ende unseres Grundstuecks gesichtet. Ist der Elch vielleicht immer noch in der Gegend?

Nach meinem Spaziergang gehe ich in die Richtung, aus der die Geraeusche stammten. Tatsaechlich finde ich eine Menge Elchspuren. Sie fuehren in dichtes Gestruepp, was den Laerm erklaert. So dicht, dass ich nicht nachfolge. Die Spuren sind relativ klein, es muss sich um einen jungen Elch handeln.

Zwei Tage spaeter geht Tyrel aus dem Haus, um unser Grundstueck mit dem Morgenurin abzustecken. Begeistert kommt er zurueck: „Der Elch ist in der Einfahrt, komm schnell!“ Schnell wie ein Blitz, der nicht ganz so schnell ist, greife ich Jacke und Kamera und gehe auf die Pirsch. Am Platz, wo Tyrel den Elch gesehen hat, ist er nicht mehr. Aber kurz darauf erspaeht Tyrel ihn im Gebuesch!

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Die Umrisse eines Elchs sind im Gestruepp zu erkennen.

Nach einem Foto schreitet der Elch von dannen. Wenigstens flieht er nicht mehr kopflos! 🙂

Die Pferdebesitzer, die im Sommer ihre Pferde auf der Weide vor unserem Haus grasen lassen, haben etwas Heu zurueckgelassen, welches langsam von Rehen aufgezehrt wird. Um diesen Heuballen finden sich in den folgenden Tagen immer mehr Elchspuren und der Ballen schrumpft merklich. Eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit steht der Elch in ploetzlich in der Einfahrt und springt ueber den Zaun, um mir aus dem Weg zu gehen. Ein Schauspiel, das ich wohl nicht vergessen werde.

Jetzt sind reichlich Elchspuren auf unserem Grundstueck verteilt, so dass wir gar nicht mehr wissen, ob der Elch noch in der Gegend oder schon weitergezogen ist. Heute haben wir darueber diskutiert und schliesslich eine Dokumentation im Internet angesehen. Dann kam die Antwort auf unsere Spekulationen direkt ins Wohnzimmer geliefert.

Ganz langsam und gemaechlich schlendert der Elch, von dem wir nun wissen, dass es eine Elchin ist, durch die Einfahrt. Nach 10 Minuten schleichen wir hinaus um sie nun auf frischer Tat bei den letzten Heuresten zu ertappen… und wir haben Glueck!

Es ist ganz aufregend, sich an ein so grosses Tier heranzuschleichen, wohlwissend, dass es einen laengst bemerkt hat. Ich moechte es nicht stoeren und auch nicht zu sehr auf die Pelle ruecken. Aber die Elchkuh beobachtet mich aufmerksam wenn ich mich bewege und beruhigt sich kurz darauf und frisst weiter.

Beim Beobachten der Bilder faellt mir auf, dass das rechte Hinterbein der Elchkuh auffaellig ist. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass sie ein Loch hat zwischen Fersengelenk und Achillessehne. Die Wunde scheint schon aelter zu sein, sie ist nicht blutig oder geschwollen. Und auch scheint es ihr keine Probleme zu bereiten. Das Gangbild ist klar, Frau Elch humpelt nicht und belastet beide Seiten gleich stark.

Tyrel ist der Meinung, dass die Wunde so gut verheilen konnte, weil Elche sich mit Schmerzmitteln vollpumpen. Immerhin essen sie gern Weiden, deren Rinde zur Herstellung von Aspirin verwendet wird. Ich weiss noch nicht, ob ich der Logik ganz folge, finde den Grundgedanken aber gut! 🙂

Jetzt noch ein paar Antworten auf Fragen, die mir juengst von einer Mitbloggerin gestellt wurden:

Tally von Tallyshome stellt gerne Fragen, wenn sie nicht von den Irrungen und Wirrungen ihres verrueckt-schoenen Alltags berichtet. Und ich antworte gerne. 🙂

1. Es gibt Leute, die der Meinung sind, in eine solche Welt sollte man keine Kinder mehr setzen. Siehst du das genauso? Und wenn nicht, was würdest du diesen Menschen sagen wollen?

Das ist durchaus eine Meinung, die man akzeptieren kann und wo ich nicht mit einem Gespraechspartner an seiner Meinung ruetteln muss. Wer sich nicht fortpflanzen moechte, soll das bitte auch nicht tun! Vielleicht brauchen wir aber noch ein paar Weltverbesserer auf dieser Welt, die erst noch geboren werden muessen, wer weiss das schon so genau.

2. Die Medizin entwickelt sich stetig weiter. Künstliche Organe, Klonen etc. Eine gute Sache? Oder gefährlich?

Ich habe mich einige Zeit mit Leih- ung Eimutterschaften und deren psychologischen Folgen auseinandergesetzt, weil ich das Thema spannend finde. Es scheint so zu sein, dass es fuer Eizellspenderinnen und Leihmuetter aus Laendern wie den USA (nicht aus Armutsverhaeltnissen) keine negativen psychologischen Folgen gibt. Das ist anders, wenn eine Frau gleichzeitig Ei- und Leihmutter ist, da das geborene Kind sie eventuell an Verwandte erinnert und sie es behalten moechte. Von daher denke ich, dass das eine gute Sache ist, um kinderlosen Paaren zu helfen. Bei anderen Verfahren wie kuenstlichen Organen, Klonen und weiterem wuerde ich mich jedes Mal neu informieren und vor allem die Fragen stellen „Zu welchem Zweck?“ und „Zu welchem Preis?“.

3 . In CERN forschen sie seit einigen Jahren schon mit Antimaterie. Das, woraus die schwarzen Löcher sind. Kritiker und auch diverse Verschwörungstheoretiker fürchten, dass es irgendwann einmal zu einem riesigen Fehler kommen könnte, so dass die Antimaterie sich selbstständig macht und somit ein riesiges schwarzes Loch auf der Erde entsteht. Macht dir so ein Gedanke Angst? Wie stehst du zu solchen Forschungen?

Ich kann mich noch an die Zeit des ersten Versuchs erinnern, zu der einige Physiker Eilklagen vor Gericht gebracht haben, um alles abzublasen. Auch mit meinem vielleicht dazu nicht ausreichendem physikalischen Basiswissen erschien mir die gefuehlte Gefahr eher gering. Und falls ein tatsaechlich ein schwarzes Loch die Erde verschlingen sollte, haette einem der Bunker im Vorgarten oder der Extravorrat Teelichter von IKEA auch nicht weiter geholfen. Von daher hab ich keine Angst und lebe einfach. 🙂

4. Thema Übernatürlich: Ist dir schon mal etwas passiert, was du trotz jeder Wissenschaft nicht erklären konntest und das du deshalb als „übernatürlich“ bezeichnen würdest?

Ja, das passiert mir recht regelmaessig. Dass man zum Beispiel aus dem Nichts heraus sehr intensiv an bestimmte Leute denken muss, von denen man Monate nichts gehoert hat und am naechsten Tag haben sie Kontakt zu dir gesucht. Ich glaube aber auch, dass da schon etwas Erklaerbares dahinter steckt, wir wissen nur noch nicht was. Wenn man sich nur vorstellt, was die Leute noch im Mittelalter geglaubt haben, wo Krankheiten herkommen usw. und wie nah das Mittelalter an unserem Zeitalter ist, gemessen am Alter der Welt… dann ist es vermessen zu glauben, dass wir ploetzlich so weit sind, alles zu wissen und alles erklaeren zu koennen. Ich glaube, es ist wichtig mit offenen Augen durch die Welt zu sehen und sich keine Eindruecke zu verbieten, nur weil sie keinen Sinn machen mit den bisher erlernten Erklaerungsmodellen.

5. Ist das Schicksal vorherbestimmt oder selbstbestimmt?

Beides. Ich glaube es gibt verschiedene Szenarios, die moeglich sind. Letzendlich muessen wir uns dafuer entscheiden, jeden Tag. Ich entscheide mich gerne immer wieder fuer das, was mein Leben jetzt ausmacht. 🙂

6. Ich persönlich glaube nicht an einen personifizierten Gott. Und du?

Wenn ich ganz allein in der Natur umherwandere und meine Gedanken streifen lasse, dann habe ich das starke Gefuehl, das alles eins ist und alles zusammen haelt mit etwas Gutem, Liebenden. Nein, ich habe nicht das Gefuehl, dass das ein Mann mit langem, weissen Bart ist, obwohl ich ja pro Bart bin. Aber ich glaube, da ist etwas.

7. Wenn du die Welt in der du Leben könntest, selbst gestalten könntest, wie sähe sie dann aus? Mit Drachen und Einhörner? Sience fiction pur? Eher das was wir jetzt haben aber besser? Entschärftes Mittelalter? Schadowrun?! Erzähl mir davon!

In Deutschland habe ich mir mehr Abenteuer, Winter, Nordlichter, Berge, Wildnis und Bisons gewuenscht. Das habe ich alles im Yukon gefunden. Jetzt wuensche ich mir, dass wir bald reisen koennen, wie wir wollen. Ich moechte eine Revolution wie das Internet fuer Information und Kommunikation, nur fuer Transport. Und nein, das Elektroauto ist keine richtige Innovation fuer mich. Ich moechte auf Energiebahnen reisen koennen ganz ohne Motor. Beamen waere auch okay. Ansonsten bin ich ganz zufrieden. 🙂

Habt eine gute Woche!

22 Kommentare

  1. Ein toller elchbericht! Und dann entdecke ich auch noch die Antworten auf meine fragen! Was will man mehr um 7 Uhr morgens in d-land! Komisch das ich mich, trotz KiWu, nie mit eizellenspende beschäftigt habe🤔 vielleicht, weil es in Deutschland eh nicht erlaubt ist. Beamen wäre übrigens eine tolle Sache! Ich wäre sehr dafür, dass das endlich mal erfunden wird!

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    1. Vielleicht ist es auch komisch, dass ich mich ohne Kinderwunsch mit Eizellenspenden beschäftigt habe, wer weiß das schon genau 🙂
      Beamen wäre richtig gut! So könnte ich wieder mit meinen Freunden in Deutschland was am Wochenende unternehmen! Aber ich kann mir vorstellen, dass der Kapitalismus dann nicht mehr richtig funktioniert, weil sich einfach alle Menschen aus Ländern mit schwierigen Verhältnissen einfach in Wohlstandsländer beamen würden. Wer kann es ihnen verübeln?

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      1. Naja… Oder sie gehen dort nur mal eben schnell einkaufen… Könnte eine einheitswährung für die Welt bedeuten… Aber schade… Der Gedanke ist wohl utopisch

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  2. Was für tolle Elchfotos , so schöööön. Und ich will mich auch irgendwohin beamen können . Dann komm ich dich mal schnell besuchen! 🙂 L.G. Thor und Frau B.Scheuert

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    1. Schön, dass euch die Fotos gefallen, da kommen bestimmt Erinnerungen aus Norwegen hoch 🙂
      Mit nem Beamer wär die Bude hier wohl häufig voll aber für euch reservier ich ein Plätzchen.
      Liebe Grüße,
      Luisa

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      1. Jaaaa ich musste sofort an Norwegen denken. Du kannst ja froh sein das das mot dem beamen noch nicht geht . Sonst hättest du wahrscjeinlich nie mehr deine Ruhe . Aber lieb das du uns ein Plätzchen reservierst…dann versuche ich das jetzt mal mit dem beamen … l.g.Thor

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  3. Wirklich wieder sehr, sehr schöne Fotos. Sie machen Lust auf mehr, selber sehen, gemeinsam begeistert sein und zeigt mal wieder das man sich über die gleichen Dinge aber in unterschiedlichen Auspräugungen freuen kann: Ich war am Wochenende aus dem Häuschen weil ich ein Rotkehlchen auf dem Balkon fotografieren konnte 🙂 🙂 🙂 also, theoretisch: meine Elchkuh im Garten…
    Also, seid herzlichst gegrüßt
    Anke

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    1. Rotkehlchen sind doch auch klasse! 🙂 Sie verdunkeln nur nicht das Wohnzimmer, wenn sie vorm Fenster hocken 😉
      Keine Sorge, eine gute Portion Erlebnis und Abenteuer heb ich für euch auf!
      Liebe Grüße,
      Lady Lu

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    1. Ich weiß auch nicht, was sich die arme Elchin dabei gedacht hat, so angesprochen zu werden ^^ aber die Heureste sind wohl ein Argument um nicht gleich ganz zu verschwinden. 🙂
      Liebe Grüße von -30 Grad zu wahrscheinlich +30 Grad!
      Luisa

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  4. Hallo Luisa,
    ein schöner Bericht und ganz tolle Fotos! Am Besten haben mir die gefallen, die Du durchs Wohnzimmerfenster gemacht hast!
    Und Beamen fände ich auch prima – ich möchte noch vieles auf unserer Welt anschauen und mit Beamen wäre das schneller und einfacher zu machen.
    Liebe Grüße
    Jens, der manchmal mal Rehe im Garten hat, die sich das Fallobst holen.

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    1. Hallo Jens,
      Schön, dass dir der Bericht gefallen hat. 🙂 Bei den Fotos durchs Fenster hab ich hinter dem Sofa gehockt um den Elch nicht zu erschrecken. Dass ich aber schon eine Weile beobachtet werde und mich dabei sehr wohl bewegt habe, ist mir nicht so recht eingefallen 😉
      Rehe beobachte ich auch gerne, die bewegen sich zu mühelos.
      Liebe Grüße,
      Luisa

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  5. Toll, euer Elchbesuch! Ich hoffe, die Dame kommt noch öfter vorbei 🙂

    Nur kann Heu für Hirsche und Elche sehr schädlich sein, da sie es nicht richtig verdauen können – es führt dazu, dass sie sich vollgefressen fühlen und weniger natürliche Nahrung zu sich nehmen und dadurch Gewicht verlieren, dann evtl leichtere Beute sind, weniger Kälber auf die Welt bringen usw: http://www.nicole.penarctica.com/2017/03/mit-vollem-magen-verhungern.html

    Leider scheint das unter Farmern und Pferdebesitzern kein verbreitetes Wissen zu sein oder vielleicht ist es ihnen auch egal.

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