Projekt Elchkanu Tag 4

Das konsequente Abspannen des Schlafplatzes mit Planen gestern hat dazu gefuehrt, dass der Rauch des Feuers genau in die Richtung meines Kopfes gewirbelt wurde. Die ganze Nacht ueber. Dementsprechend geraedert wache ich auf und registriere die sommerlich anmutenden 6 Grad mit maulwurfigen Augen.

Neben dem Schlafentzug ueberreicht mir Mutter Natur ein weiteres Geschenk: Ich habe meine Tage.

An dieser Stelle moechte ich nochmals auf den Besuch meines Bruders Anfang September verweisen. Hier praesentierte er mir die Frage, die ihm von Freunden/ Kollegen bezogen auf meine Person am haeufigsten gestellt wurde:

Wie macht sie das denn, wenn sie ihre Tage hat im Winter?!

An seiner Stelle haette ich ja direkt zurueckgefragt, wie das denn die Schwestern der Fragesteller macht, wenn sie ihre Tage hat… im Winter! 😀 Aber da es durchaus Leute zu beschaeftigen scheint, moechte ich gerne aus meinem Menstruationstaeschchen plaudern.

Schon im Jahre 2012 beschloss ich, der Damenhygieneindustrie ein Schnippchen zu schlagen und umzusteigen. Keine Binden mehr (verklebt und laeuft ueber) und auch keine Tampons (laeuft entweder ueber oder legt die Schleimhaeute trocken, wenn man nicht eine Blutungskurve vorliegen hat, an der man minutioes die Wechselintervalle anpassen kann).

Stattdessen benutze ich eine sogenannte Menstruationstasse aus Silikon. Die Vorteile haben mich total ueberzeugt!

  • Wiederverwendbar fuer ca. 10 Jahre -> spart eine Menge Geld und Muell.
  • Sehr scheimhautfreundlich, nichts wird ausgesaugt oder laeuft ueber.
  • Nur zweimal Ausleeren pro Tag.
  • Keine Duft-, Bleich- oder Schadstoffe werden an die Haut abgegeben.
  • Man spuert sie ueberhaupt nicht.

Fuer mich ist noch ein weiterer, entscheidender Vorteil, dass das Blut im Koerper gesammelt wird und so in der Wildnis keine hungrigen Baeren anlockt. Man kann es an einem Ort ausleeren, den man gleich wieder verlaesst.

Okay, das war der Exkurs. Nun zurueck zur Exkursion! 🙂

Obwohl ich aeusserst zufrieden bin mit meinem Blutungsmanagement, habe ich trotzdem aeusserst schlecht geschlafen und weiss nicht genau, wie ich den heutigen Paddeltag ueberleben soll. Aber zuerst beginnt dieser Tag eh wie jeder andere auch: Morgentoilette, Feuer mit Holz fuettern, Wasser im Topf holen und ueber dem Feuer platzieren, gewuenschtes Fruehstueck im Container platzieren (heute Ramen-Nudelsuppen) und darauf warten, dass das Wasser kocht.

Dann schliesslich kochendes Wasser in Behaelter giessen, Deckel druff, Container in warmer Jacke einpacken und warten, bis es einigermassen weichgekocht ist. Schliesslich essen, sitzend auf unseren kleinen, gelben Plastikkisten, hier milk crate genannt (zu deutsch: Milchkasten).

Tyrel reisst mich aus der Essseligkeit: „ELCH!! Ohne Witz!!!“

Tatsaechlich, am anderen Flussufer tritt aus dem Gebuesch… eine Elchin.

Beigeistert zuecke ich die Kamera und kann ein paar brauchbare Bilder schiessen, obwohl die Dame mit blossem Auge nicht so gut zu erkennen ist.

Tyrel ist damit beschaeftigt, seine persoenliche Interpretation einer riemigen Elchkuh durch die Gegend zu toenen, damit eventuell der Liebhaber der Elchin in Erscheinung tritt. Doch nichts geschieht, die Elchin zieht schliesslich weiter und wir wenden uns wieder der nun eher kuehlen Nudelsuppe zu.

Als wir die letzten Bissen verschlingen, zeigt sie sich noch einmal.

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Lady Elch stapft durchs Wasser und sucht anschliessend im flachen, pflanzigen Gewaesser nach Nahrung.

Einige Zeit noch verbringen wir mit Rufen – doch nichts tut sich. Noch eine Nacht hier verbringen moechte ich auf keinen Fall, nachdem ich so schlecht geschlafen habe. Also packen wir unsere Sachen und ziehen weiter.

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In den schnellfliessenden Aussenseiten der Kurven im Fluss finden sich immer haeufiger Klippen aus hellem Kies.

Das erste Mal halten wir, weil Tyrel eine kleine Flussmuendung entdeckt, in die kein Motorboot hinein fahren kann. So haben wir einen Vorteil mit unserer Kanu-Paddlerei, falls wir auf ein belebtes Elchgebiet stossen sollten.

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Ein kleines Rinnsal schlaengelt sich durch eine saftige Wiese, auf die die Sonne scheint.

„Jetzt muessen wir Geduld haben und rufen!“ stellt Tyrel fest. „Und sonst ganz leise sein!“ Wir setzen uns aufs Feld und warten und rufen und warten… und ich schlafe nach zwei Minuten ein.

Doch kein lauter Knall reisst mich aus meinem wohlverdienten Nickerchen, sondern Tyrel’s Einsicht, dass wir besser weiter ziehen sollten. Na gut, so lange es nicht allzu weit ist.

Als wir die naechste geeignete Bucht finden, wo Tyrel nach Elchen Ausschau halten moechte, mache ich klar, dass ich Schlaf brauche, um weiter paddeln zu koennen. Ich schnape mir einfach meine dicke Jacke und Tyrels Schwimmweste, die er ausgezogen hat, kraxle das Flussbett hinauf bis der Grund nicht mehr nass ist und lasse mich fallen. Kopf auf die Schwimmweste, Jacke als Decke und fertig ist das selige Nickerchen. Nach einer Stunde werde ich von selbst wach und frage mich, wie lange ich wohl geschlafen habe und wo Tyrel ist. Doch als ich mich aufrapple, sehe ich, wie er die Angelrute wieder im Kanu verstaut. „Kein Fisch beisst. Meinst du, du kannst weiter paddeln oder sollen wir lieber hier unser Lager aufschlagen?“ „Mein Akku ist wieder voller, lass uns noch paddeln.“

Schliesslich kamen wir noch auf 28 km am heutigen Tage und fanden einen schoenen Platz zum schlafen. Waehrend Tyrel sich ums Feuerholz bemuehte, ging ich den vielen Eulenrufen nach in den dunklen Wald hinein. Eine Eule kann ich fuer einen Augenblick sogar auf einem Baum sitzend entdecken, allerdings flattert sie schnell lautlos davon. Mit Hilfe meines Vogelbuches identifiziere ich sie schliesslich als great gray owl, zu deutsch Bartkauz. Ein grosses Voegelchen mit knapp 70 cm Koerperhoehe.

Unser Camp ist diese Nacht nicht komplett winddicht abgespannt und so kann der Rauch gut entweichen und wird nicht verwirbelt. Die Kaesemacaroni haengen mit mittlerweile wie zu erwarten zum Halse raus. Grossmuetig biete ich Tyrel den Rest meiner Portion an, welche er gern verschlingt.

Den Eulenrufen in der Nacht lauschend krabble ich tiefer in meinen roten Schlafsack und schlafe ganz friedlich ein.

23 Kommentare

  1. Ich muss gestehen, auch ich habe mich bereits dabei ertappt ueber deinen Menstruationszyklus nachgedacht zu haben… Danke fuer die Erleuchtung. Und wie wunderbar, dass du keine Baeren anlockst. Das ist ja bei einigen Maenner das Hauptargument, weshalb Frauen niemals so weit kommen koennen wie Maenner.

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    1. Hallo Lovisa! 🙂
      Ganz recht, nur die Männchen werden gejagt, da Elche nicht monogam leben und somit die Jagd auf die Elchherren einen geringen Einfluss auf die Population haben. Übrigens gibt es mehr Elche als Menschen im Yukon Territorium! 🙂

      Also wenn man mit etwas Geld und Müll spart und es praktischer und verträglicher ist.. dann MUSS man schließlich Öko sein, oder?!?! 😉
      Viele Grüße,
      Luisa

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  2. Also..über „den Zyklus“ gab ich beim Lesen hier noch nie nachgedacht ..aber jetzt wo du es schreibst..denke ich auch. 😂 Elche finde ich wahnsinnig schön .Ich vergesse nie als ich das erste mal einen Elch gesehen habe .Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind . L.g. Anja

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    1. Das hört sich toll an, wo hast du den Elch denn gesehen? 🙂
      Die sind wirklich beeindruckend von ihrem Aussehen und auch ihren Bewegungen… Dazu schmecken sie noch so unverschämt gut 😉
      Liebe Grüße,
      Luisa

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      1. Das war in Norwegen.Die ersten habe ich nur im vorbei fahren aus dem Auto heraus gesehen , aber leider nicht wirklich erkannt.Das schönste Erlebnis war der Elchbesuch direkt hinter unserer Hütte wo wir wohnten …ich war tagelang vor Freude aus dem Häuschen

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  3. Über das Menstruationsmysterium musste ich lachen 😀 Über was sich die Leute nicht alles Gedanken machen … Vor 20 Jahren war das Thema Haarewaschen das große Ungewisse: Wie wasche ich mir bloß ohne fließend Wasser die Haare?! Immerhin scheint das inzwischen nicht mehr aktuell zu sein 😀

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    1. Ja, ich dachte das ist das letzte, was den geneigten Leser interessiert… Aber bitte sehr, ist ja kein Geheimnis 😉
      Hast du einen besonderen Trick fürs Haare waschen? Ich benutze Baby Shampoo, da habe ich das Gefühl, sie fetten nicht so schnell nach und man muss weniger waschen (muss man ja eh nicht so oft wie noch in Deutschland).

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      1. Nee, leider keinen Trick auf Lager 😀 Das heißt, vorletzten Winter hatte ich mir den Kopf rasiert (frag nicht), da ging das „Haare“waschen definitv am schnellsten – einmal mit dem Waschlappen drüber und gut 🙂

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      2. 😀 das muss ich mir merken… Habe sie letztens erst abgeschnitten, nachdem mir aufgefallen ist, wie unpraktisch lange Haare sind. Aber so ganz ohne wäre mir bestimmt zu kalt im Winter…
        Liebe Grüße in die echte Wildnis 😉
        Luisa

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  4. ich als opisch kleiner hund
    hab zweimal im jahr dein problem
    und wie es der zufall will
    bin ich grad mit fertig
    die rüden riechen es noch wie wohl auch andere wildviechers
    aber ich hau die alle wech
    wenn jetzt noch jemand da hinten ran will
    hier in der gegend können wir mit diesem problem
    recht arglos umgehen
    falls wir mal inne wohnung sind
    krich ich ein heißes hößchen
    angezogen 😀 😀 😀
    ja auch die hundeausrüster denken an alles
    um kohle zu machen
    und da gehört eben auch meine
    schmuddelmuschi
    ( so nennt der ronny das )
    dazu 😀 😀 😀
    einziger nachteil für mich in der zeit die ja bei uns so drei vier wochen dauert
    is
    ich bin anne leine 😦
    ansonsten verstreu ich meine düfte einfach so
    inne gegend
    und der ronny hält mir leider alle rüden vom leib
    das is denn ein fulltimejob 😀 😀 😀
    schlafsack geht bei uns nich
    da ich ja nachts noch zu wachen habe
    und im schlafsack pennen is einfach nich unser ding
    ich kuschel mich einfach ganz nah neben den ronny wenn wir ins nachtlager
    wechseln
    ich heiz ihm ein und er mir
    in nem schlafsack geht sowas nich
    da haben wir einfach keinen platz 🙂
    gruß bella 🙂

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      1. joah
        ich bin in dieser zeit
        für jeden zu haben
        zwischen pikinese
        und tyrannosaurus
        😀 😀 😀
        so is das eben bei uns weibern 😀 😀 😀
        zumindest hundeweibern 🙂
        stell dir nurmal vor was los wäre
        wenn die zweibeinerrüden
        solch feine nasen hätten wie wir hunde
        neee stell dir das nich vor
        ich würde dein lachen wohl bis hierher hören 😀 😀 😀 🙂
        gruß bella 🙂
        die nun wieder ein
        naja nennen wir es mal anständiges “ frommes “ leben führt
        😀 😀 😀
        p.s. :
        ich und anständig
        kicher kicher

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      2. In dem Falle müsste ich sicher Zuhause bleiben, um den Flugverkehr nicht lahm zu legen… Und Tyrel könnte sich auch gleich frei nehmen, der hätte dann Zuhause genug zu tun 😀 😀
        Liebe Grüße,
        Luisa

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