Projekt Elchkanu Tag 3 (mit Bild von totem Vogel)

Nach einem unglaublich erholsamen Schlaf wache ich neben der alten Huette auf. Es ist so warm, dass ich in der Nacht meinen Schlafsack ein bisschen oeffnen musste, um nicht zu schwitzen. Der morgendliche Blick auf das Thermometer verraet, dass es dann doch nur 1 Grad ist. Fuehlt sich im Vergleich zu gestern morgen wie 10 Grad an!

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Neben einer verfallenen Holzhuette mit Grasdach schlief ich wie ein Baby. Nur unter einer aufgespannten Plane neben einem kleinen Feuer.

Diese Nacht lagen wir nicht beide direkt neben dem Feuer, sondern in der Reihe Feuer, Tyrel, ich. Dadurch lag die Verantwortung, das Feuer am Leben zu halten, ganz bei Tyrel. Oder fast, denn alle zwei Stunden erwachte ich in einen halbbewussten Zustand und leitete Tyrel an, mehr Holz ins Feuer zu legen. Rueckblickend wundere ich mich, warum ich diese Nacht trotzdem so selig schlief. Macht nichts, jetzt wird nach vorne geblickt!

Oder erstmal in die Plastikschuessel zum Fruehstueck. Der Reis ist zum Glueck vollstaendig verzehrt. Ab jetzt sind wir so lange Beilagenvegetarier, bis wir uns selbst etwas jagen. Immer noch stimmen mich die matschigen Kaesenudeln froehlich. Und selbst meine Eingeweide beschliessen, die althergebrachte Tradition der morgendlichen Defaekation wieder aufzugreifen, nachdem die letzten beiden Tage alles auf Streik stand.

Wie erledigt man nun seine Morgentoilette im Wald? Man schnappt sich einen Spaten, entfernt sich mindestens 150 Meter von der naechsten Wasserquelle und sucht sich ein schoenes Plaetzchen. Je nach Laune und Gegebenheiten kann man vielleicht einen dicken, parallelen Ast als Donnerbalken missbrauchen oder man koert ein leicht abschuessiges Gelaende zum perfekten Hockplatz. Dann heisst es buddeln. Da moechte niemand reintreten und auch die oertliche Fauna sollte nicht in Versuchung gefuehrt werden.

Nachdem der Hauptakt vollzogen wurde, verfuellt man die ausgehobene Grube, schnappt sich das beiseite gelegte, gebrauchte Klopapier und schmeisst es in die immer noch funktionstuechtige Feuerstelle. Und dann ist es schon Zeit, zusammenzupacken und sich in das Kanu zu begeben.

Nach kurzer Zeit faengt es an zu regnen, was fast den ganzen Tag ueber anhalten wird. Ich frage mich, ob das gruene Kanu wohl wieder Pause macht und nur bei gutem Wetter paddelt. Uns begegnet es jedenfalls nicht.

Die Zeit und Flusswindungen folgen ziehen sich langsam dahin. Wenigstens gibt es keinen bemerkenswerten Gegenwind, der uns noch zusaetzlich aergert. Paddel, paddel, paddel.

„Elch!!!!“ Fluestert Tyrel von hinten und gerade so sehe ich noch einen grossen Schatten ins Gebuesch huschen. „Das ist es! Schnell, wir muessen ans Ufel paddeln!“ Das ist bei der starken Stroemung des Flusses gar nicht so einfach. Aber mit vereinten Kraeften und einer Menge Geraeusch legen wir an. Tyrel schnappt sich die Flinte und wir schleichen uns an. Bedroeppelt stehen wir schliesslich dort, wo wir den Elch erblickten. Doch er war zu weit weg, als dass man ein Geweih haette erkennen koennen. Wir wissen also nicht, ob es sich um Maennlein oder Weiblein handelte. Also stehen wir im Regen und rufen. Rufen. Gehen umher. Und rufen. Nichts.

Wir sind heute noch nicht so lange unterwegs, als dass wir hier das Lager aufschlagen koennten, ausserdem gibt es auch keinen geeigneten Platz ohne Steine oder Sumpf. Zusaetzlich faehrt zweimal ein Motorboot an uns vorbei. Mit haengenden Schultern ziehen wir zurueck zum Kanu und paddeln fort.

Wenige Fllusswindungen spaeter treffen wir auf die Lagerstelle der Motorboot-Jaegergruppe. Gestern waren sie erfolgreich und haben einen Elch flussabwaerts geschossen. Heute versuchen sie ihr Glueck flussaufwaerts. Sie wollen unbedingt wissen, wie wir den Elch denn in unser Kanu puzzeln wollen, falls wir einen schiessen. Fuer diesen Fall haben wir ein kleines aufblasbares Ruderboot dabei, lassen wir sie wissen. Ersstaunt-unglaeubige Gesichter lassen wir zurueck, als wir den Fluss entlanggleiten. Und schliesslich hoert auch der Regen auf.

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Der Himmel ist aufgeklart ueber dem Fluss, jedoch wird es langsam dunkel.

Einen geeigneten Lagerplatz finden wir bei einem alten Goldgraebercamp. Nach 53 km vorwiegend regnerischem Fluss ist es schoen, fuer heute angekommen zu sein. Ein kurzer Rundgang auf schmalen Pfaden im Wald zeigt eine Menge zurueckgelassene Ausruestung aus vergangenen Zeiten.

Etwas weiter inland hoeren wir ein vertrautes, aufgescheuchtes Flattern ueber unseren Koepfen. Grouse!! Tyrel laeuft schnell zurueck zum Camp, waehrend ich das Federvieh im Auge behalte. Es scheint mich interessant zu finden, reckt den Kopf und gluckt vor sich hin, wechselt den Ast und beaeugt mich noch mehr. Tyrel ist wieder da mit der Schrotflinte und unser Abendessen ist bereichert.

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Das Huehnchen war sofort tot. Eine Schrotkugel hat zusaetzlich den Fuss getroffen.

 

Waehrend ich den warmen Vogel zerlege, wirft Tyrel die Kettensaege an und macht reichlich Feuerholz fuer den Abend, die Nacht und den Morgen.

Es ist sehr windig und regnet vielleicht bald wieder, der Himmel ist noch stark bewoelkt. Zur Sicherheit spannen wir eine Plane als Regenschutz ueber uns und zwei als Windschutz von der Seite. Das sorgt dafuer, das der Feuerrauch ziemlich herumgewirbelt wird, aber was soll man machen? Ich bin sehr muede und schlafe nach etwas Grouse mit Kartoffelbrei auch Kartoffelflocken bald ein.

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Unser Camp am naechsten Morgen: Drei Planen auf einer Anhoehe am Fluss bieten Schutz.

13 Kommentare

    1. Hier habe ich leider bislang weder Zimtduft- noch Vanillekipferl-Klopapier erspäht. :/ Ich denke dass Verbrennen der Schachtpappe ist näher an der „leave no trace“ Philosophie als das Verbuddeln. Denn alles Verbuddelte kann später wieder ausgebuddelt werden z.B. von einem neugierigen Kojoten 🙂

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  1. hej die bella hier
    das hühnchen hätt ich dir auch erlegt
    zumindest wenn es über das lager geflogen wäre
    bis ein meter flughöhe krich ich se alle 🙂
    das mit dem spaten kenn ich vom ronnyherrchen auch
    zwei spaten tief
    auf den ast verzichtet er meist
    ich selbst mach neben den weg
    falls einer vorhanden is
    muß aber auch 10 minuten vom lager entfernt sein
    auch meine hinterlassenschaften
    locken viechers an 🙂
    deswegen muß er mit mir immer erst laufen und laufen und laufen 😀 😀
    tja so kommt man als hundi zur morgenrunde 🙂
    ob der elch
    männlein oder weiblein war
    ?
    tja ich hätte es gewußt aber ich hab ja auch die bessere nase
    ihr zweibeiner seid da echt im nachteil 🙂 😦
    das ronnyherrchen is übrigens begeistert
    wie du so mit totem getier umgehst
    der ronny sieht sowas auch nur als
    nahrung und energie
    die von dem einen ding
    zum anderen übergeben wird
    nicht viele frauen aus deutschland könnten sowas
    die meisten hier versterben
    auf der haustreppe
    bei minus 1 grad und vier schneeflocken
    auf der strumpfhose 😦
    die motorbootjägergruppe
    das waren sicher nur jagdidioten
    die alles abknallen
    was sich bewegt nur um ne abschußquote zu haben 😦
    in deiner gewählten umgebung zu leben erfordert
    schon einiges
    für mich halbe protion
    wäre es zu heftig
    das wäre für den ronny zuviel aufwand
    aber ihr habt ja dort passendes
    hundegeviech 🙂
    einen viebeinigen freund solltet ihr dort haben
    denn wir sind die
    die euch vor bären
    und ähnlichem schützen 🙂
    wir sind die die 1000 meter vor euch wissen das die da sind 🙂
    damit ihr eure zweibeinerwaffen rausholen könnt um euch zu schützen
    wir lenken die solange ab
    warum ?
    weil wir es können
    🙂
    und für das richtige herrchen frauchen auch wollen 🙂
    ich schütz meinen ollen vor wildschweinen
    die sind hier am gefährlichsten für ihn
    gruß bella 🙂
    ich geh erstmal wildschweine umstapeln 🙂
    der ronny nennt es hunderunde 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Ich musste echt lachen 😀 die Schneeflocken auf der Strumpfhose xD xD und Wildschweine umstapeln 😀 😀
      Ey Bella, du bist echt ein Kracher!!! 🙂
      Wir gucken tatsächlich nach einem Vierbeiner. Allerdings hat Tyrel, wie eigentlich bei allem, genaue Vorstellungen, wie der Hund so sein sollte. Hier gibt es meist nur Alaskan Huskies, sehr aufgeregte Schlittenhundmixe, die für Geschwindigkeit gebaut sind mit dünnem Fell, damit sie nicht überhitzen.
      Tyrel möchte ein Arbeitstier. Ein Hund, der auch bei -50 draußen schlafen möchte. Einer, der ausdauernd ist, egal wie schnell oder langsam und einer, dem er vertrauen kann und der nicht mit einem Bären im Schlepptau ins Camp gerannt kommt, wie es hier die meisten Hunde machen… Erst bellen und wenn’s brenzlig wird, schnell zu Herrchen 😀
      Ist bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis es klappt. 🙂
      Liebe Grüße, Luisa

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      1. hej
        ich bin kein kracher ^^
        ich bin eine echte
        vielleicht die letzte echte
        jack russel terrine
        und ja ich verbeiß mich in wildschweine
        egal welcher größe
        bären kenn ich keine
        aber wenn das ding fell hat
        isses jagbar
        und für sowas bin ich nunmal zuständig
        ein wildschwein krich ich ganz sicher nich tod
        genausowenig
        wie wohl einen bären
        aber ich mach sowas von nem affentanz vor dem das der garnich weiß was da grad abgeht
        in meinem rudel hier
        hätte ich niemanden
        der für euch geeignet wäre
        der ace würde in sachen beißkraft
        punkten
        der kennt auch keine schmerzen so wie ich auch
        der babu der ab jetzt denni heißt
        wäre wohl für die temperaturen geeignet
        is aber ansonsten nur ein schisser
        der kuscht ja sogar vor mir ^^
        richtet euch mal nach nem kaukasischem schäferhund aus
        klar frißt der dir die haare vom kopp
        aber hee willste nenn passenden hund mußte eben federn lassen 😛
        sollte ich dich mal besuchen
        willste ehh nur mich
        😀 😀 😀
        mich wollnse alle
        doch mich gibts nich
        ich hab mein herrchen 😛
        und den geb ich nich her ! !
        gruß bella 🙂

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