Kiffen in Kanada

Es ging durch die Medien, ich werde immer haeufiger von Freunden darauf angesprochen und jetzt rede auch ich oeffentlich darueber: Kiffen in Kanada.

Ja, Cannabis wird legalisiert. Allerdings erst in Mitte 2018. Bis dahin ist es weiterhin illegal, ausser man hat einen medizinischen Berechtigungsschein. Und der ist angeblich sehr leicht zu bekommen.

Um meine Eindruecke des kanadischen Konsums zu schildern, greife ich dann mal auf meinen spaerlichen Erfahrungsschatz zurueck. Bislang war ich hier auf ungefaehr zwei Partys, die wohl eher als gemuetliches Zusammensein unter Freunden gelten konnten.

Party 1: Abschiedsfeier, eine Freundin verliess das Land. Die Teilnehmer waren alle so Mitte Ende 20, es gab Bier und lecker Essen und nach einiger Zeit ging dann auch ein Joint rum. Und dann eine Pfeife mit Gras. Habe ich mir nichts weiter bei gedacht, das kommt ja auch in Deutschland oft genug vor. Und so lange mich niemand dazu belabert, dass ich doch unbedingt mitrauchen muss, ist mir das auch reichlich egal. Ungewoehnlich und etwas bedenklich fand ich aber, dass es anscheinend als voll okay galt, an der Tuete zu ziehen und danach nach Hause zu fahren. Die Leute waren nicht voellig breit aber ist es nicht in Deutschland sehr verboten, mit THC im Blut am Steuer erwischt zu werden?

Party 2: Ein gemuetlicher Abend einer Frauenrunde, zu der ich mitgenommen wurde. Mit meinen damals 28 Jahren senkte ich den Altersdurchschnitt, der ohne mich bei ca. 60 lag, gewaltig. In einem huebsch dekoierten Vorstadthaus gab es eine Kaeseplatte, Cracker, guten Rotwein und nette Gespraeche. Thema Nummer eins: Enkelkinder. „Ich liebe sie so sehr und erklaere ihr die Welt. Aber wenn sie mit ihren kleinen Patschehaendchen gegen meine Fenster tatschen will, kann ich das nicht erlauben! Da bin ich sehr pingelig!“ (Anmerkung der Redaktion: pingelig auf englisch heisst „anal“. Da heisst die Devise: Mimik beibehalten und spaeter das Wort nachschlagen)

Doch dann ging es zum grossen, amerikanischen Kuehlschrank der Gastgeberin der Party 2. Zu meiner Enttaeuschung wurde nicht ein weiteres Stueck Kaese herausgezaubert, sondern zwei grosse Glaeser mit Schraubverschluss voller Gras. Hier wurde kein Joint gedreht, es gab die Droehnung direkt aus einer kleinen Pfeife. Ueberraschenderweise hat die Dame, die sich vorher noch selbst als pingelig bezeichnet hat, versucht mich zum Konsum zu ueberreden. Dankend lehnte ich dreimal ab, bis die Gastgeberin zur Ordnung aufrief und weitere Ueberredungsversuche unterblieben.

Die Gastgeberin fragte mich sehr sachlich nach dem Grund meiner Abstinenz (Ich habe seit 9 Jahren nicht gekifft und hatte an dem Abend nicht das Beduerfnis, damit wieder anzufangen) und nickte verstaendnisvoll. Sie erklaerte mir, dass der Zug an der Pfeife ihr einen riesigen Energieschub verschafft. Zur Untermauerung dieser These versuchte sie sich fast erfolgreich an einem Spagat zwischen dem 90 Grad Winkel ihrer Marmor-Kuechenarbeitsplatten. Ausserdem mache es kreativ. Ich solle mir doch etwas fuer zu Hause einpacken und es nochmal ganz in Ruhe fuer mich ausprobieren. Doch auch dieses Angebot lehnte ich dankend ab, obwohl ich es reizend fand.

Wahrscheinlich spielen die hohen Alkoholpreise hier eine nicht zu unterschaetzende Rolle bei der Popularitaet des Cannabis. Ein Sixpack normales Bier kostet hier im liquor store $16, umgerechnet 11,30 Euro. Und das ist die guenstigste Variante, um an Alkohol zu kommen. In Supermaerkten oder sonstlichen netten Geschaeften darf kein Alkohol verkauft werden. Manchmal haben Kneipen oder Restaurants eine Lizenz fuer sogenannte „off sales“ erhalten. Dann koennen sie nicht nur Alkohol ausschenken, sondern auch in Flaschen zum Mitnehmen verkaufen. Dieser Service ist entsprechend teurer, vergleichbar mit Tankstellenpreisen. Und im Restaurant selbst ist es dann nochmal teurer.

Falls es naechstes Jahr wirklich dazu kommen sollte, dass man sich vier Pflanzen Cannabis fuer den Eigenkonsum anschaffen kann, ueberdenke ich meine Position eventuell nochmal. Der eine oder andere Besucher wuerde sich wahrscheinlich freuen. Aber da ich schon einige Leute mit drogeninduzierter Psychose erlebt habe, bin ich da selbst nicht allzu scharf drauf.

Vielleicht kommt die Lust ja wieder, falls ich in gut 30 Jahren in meiner Kueche stehe und versuche, einen Spagat zwischen zwei Arbeitsplatten zu machen.

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6 Kommentare

  1. Na, lass bleiben ^^! Denke mit der Abstinenz bist du besser bedient. Ja, ja. Ich spießer ich. Aber mir geht es wie dir. Ich hab zu viele Psychosen, ausgelöst durch Drogenkonsum miterlebt. Und wenn ich dann immer höre: Kiffen ist doch gesund, dann empfinde ich da nur einen permanenten Würgereiz. Heißt ja nicht, dass es jedem die Gehirnzellen vernebelt. Aber …die falsche Person, zur falschen Zeit mit dem falschen Canabis … und wer weiß, ob man am Ende nicht selbst exakt diese falsche Person ist? 🙂 Lg

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    1. Die Psychose an sich ist ja noch ziemlich amüsant (Variante ich bin der Auserwählte finde ich besonders gut). Aber wenn sie dann behandelt werden? Eine Station voller Zombies, die dich mit leerem Blick anstarren und zu benebelt sind, dir zu antworten.
      Also das fand ich mehr als gruselig!!!

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