Einkaufen im Ahornland

Auch im Supermarkt gibt es hier kleine aber feine Unterschiede zum gewohnten Einkaufen in Deutschland.

Zum einen ist es ungewohnt, dass an der jeweiligen Ware der Nettopreis angebracht ist. Wer manchmal in der Metro einkauft, kennt das bereits. Der Nettopreis ist der eigentliche Preis der Ware, jedoch kommt noch die Mehrwertsteuer von 5% obendrauf an der Kasse. Mit abgezaehltem Kleingeld einkaufen erfordert also ein bisschen mathematische Kopfarbeit.

Was als naechstes ins Auge faellt: Fast alles scheint im Angebot zu sein. Allerdings bedeutet das nicht wie in Deutschland, dass die Ware einfach uneingeschraenkt reduziert ist. Man muss das Kleingedruckte auf dem Preisschild lesen, was meist eine Bedingung enthaelt.

Durch das Gruppen- oder limitierte Angebot entfaellt auf den Werbungsanzeigen auch das „Abgabe nur in haushaltsueblichen Mengen“. Ist ja alles geregelt. An der Kasse wird erst alles gescannt und dann zum Ende der Kassenzettel ausgespuckt. Der Computer hat mittlerweile alle Waren sortiert und die jeweiligen Rabatte danebengeschrieben und abgezogen.

Fuer eine weitere Verwirrung meinerseits sorgte anfangs der Umstand, dass ich zu wenig Wechselgeld erhielt. Ich sollte $1,99 zahlen, gab eine $2-Muenze und erhielt nichts weiter als ein Laecheln und einen gewuenschten schoenen Tag von der Kassiererin.

Meinen Mann schien das nicht zu stoeren, also sprach ich ihn auf dem Weg zum Auto darauf an. Die Erklaerung ist denkbar einfach: Kanada hat im Jahr 2013 die Pennies abgeschafft. Die kleinste Muenze im Umlauf ist jetzt die 5-Cent-Muenze mit Biber. Das Ganze hat den Hintergrund, dass die Produktionskosten fuer einen Cent hoeher waren als der Wert der Muenze. Jetzt wird bei 1 und 2 Cent einfach abgerundet und bei 3 und 4 Cent aufgerundet. Wenn man sich da erstmal dran gewoehnt hat, ist das super praktisch und das Muenzfach im Portemonnaie quillt auch nicht mehr so schnell ueber.

Was mich aber am meisten verwundert hat im Kanadischen Supermarkt ist in der Tiefkuehlabteilung zu finden. Die Auswahl an Tiefkuehlpizzen ist wie erwartet ueppig, doch der Hersteller der meisten Variationen ist…. der gute alte Dr. Oetker!

Mit Sorten wie Giuseppe (duenner Teig und aufgehender Teig), Ristorante (duenner Teig und extra duenner Teig), Casa di Mama und weiteren Produktlinien klingt das ganze dann doch eher etwas italinenisch. Doch die Pizzen werden tatsaechlich in Deutschland hergestellt und dann hier hergeschifft. Schwer vorzustellen.

Noch mehr verwundert hat mich dann aber die Pizza der billig-Hausmarke, President’s Choice. Sie sieht auf den ersten Blick sehr kanadisch aus, jedoch verraet ein genauerer Blick auf die Pappschachtel, dass auch diese Pizza in Deutschland hergestellt und eingefroren wurde.

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Dicker Teig, Peperoni-Salami und Kaese kennzeichnen die guenstige Pizza der Hausmarke. Trotzdem: Product of Germany!

Haben wir in Deutschland die besten Tiefkuehlpizza-Fabriken oder sonst irgendwelche Marktfuehrereigenschaften, von denen ich nichts wusste? Jedenfalls… irgendwie irre. Verschwoerungstheorien dazu sind herzlich willkommen!

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6 Kommentare

  1. Interessante Sache.
    Wird eigentlich auch automatisch auf und abgerundet, wenn ihr mit Karte oder digital zahlen wollt?
    Gibt es eigentlich eine Verbreitung von „EC-Karte“ oder „Visa-Karte“ bei euch oder schon sowas irres wie digitale Zahlungsmethoden?
    Oder gilt der Satz „nur Bares ist Wahres!“

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    1. Die allermeisten zahlen hier mit Kreditkarte. Da gibts dann auch noch die Cents und nichts wird gerundet.

      Kreditkarten holen sich hier übrigens nicht automatisch das Geld vom Bankkonto, man muss sie einzeln abbezahlen. Pro Monat ist ein gewisser Mindestbetrag gefordert, je nach Kontostand der Karte. Und je mehr man die Karte benutzt, desto höher steigt der Verfügungsrahmen. Dabei ist es egal, wie viel man verdient. Die meisten Kreditkarten haben nichts mit dem normalen Bankkonto zu tun, sondern sind von Supermärkten oder ähnlichem ausgestellt, die gleich noch ein Punktesystem mit Vergünstigungen einschließen.

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      1. 10 Supermärkte = 10 verschiedene Kreditkarten?
        Also sind die Prekreditkarten quasi Karten, die einem Kredit geben und am Monatsende ausgeglichen werden müssen?
        Denke mal das kostet doch bestimmt Zinsen oder?
        Bei uns sind Kreditakrten quasi Prepaid-Karten würde ich sagen.
        Zumindest hab ich mich noch nicht getraut meine Kreditkarte zu überziehen^^
        Wenn in Deutschland versucht wird solche Angebote zu etablieren wird in sehr günstigen Fällen ge-mydealz-ed oder schlichtweg nicht gekauft, da Aldi keine fiesen Vertragsklauseln hat.
        Beim Einkaufen will ich zumindest mein Kopf nicht anstrengen und einfach kaufen worauf ich Bock hab^^
        Tiefkühlpizza ist schon sehr solide in Deutschland und Testergebnisse sagen auch immer wieder, dass der Ruf viel schlechter ist als die Qualität.

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      2. Genau, die versuchen einem hier möglichst viele Kreditkarten anzudrehen, damit man den Überblick verliert und sich überschuldet ^^
        Wenn sie am Monatsende ausgeglichen werden ist keine Gebühr fällig, ansonsten winken üppige Zinsen. Einen winzigen Mindestbetrag muss man monatlich abbezahlen, sonst zahlt man eine extra Gebühr, und bekommt ein schlechtes Rating, ähnlich Schufa Eintrag.

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  2. Mein Chef erzählte mir von einer Pizzeria in Venedig, wo er auf dem Weg zum WC im Flur eine riesige TK-Truhe sah, gefüllt mit deutscher Tiefkühlpizza…also, man könnte da was drehen, von wegen Verschwörungstheorie. Und 5 % Mehrwertsteuer…klingt gut. Aber dafür sind in Kanada andere Sachen richtig teuer, denke ich.

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