Zwischen den Jahren

Weihnachten ist um. Ganz ohne Lametta und Geschenke haben wir es uns dieses Jahr gemütlich gemacht.

Traditionell wird Weihnachten in Kanada am 25.12. gefeiert. Der heilige Abend ist gefüllt mit Vorfreude aber das wars dann auch. Kurz vor den Feiertagen verspürte ich aber doch den Wunsch, Heiligabend nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

„Ich möchte am Abend des 24.12. gerne was Schönes, Besonderes machen.“ Sage ich also zu Tyrel. Und er hat auch gleich die Lösung „Ja, super! Wir erschießen was!“ So hat wohl jeder eine etwas andere Vorstellung von einem schönen, heiligen Abend. Aber wir konnten uns einigen: Es gab ein Lagerfeuer bei -20 Grad, dazu Wurst am Stiel, Kartoffelsalat und (leider nicht glutenfreies) Bier.

Am Heilignachmittag hatten wir noch einen Spaziergang gemacht auf den Gipfel unseres Hausberges. Doch die Hühnchen waren schneller als wir, die Gewehre hatten wir umsonst mitgebracht. Dafür habe ich die wunderschöne Winterlandschaft geschossen, die sich zu unseren Füßen in unendlicher Weite ausrollte.

Am nächsten Tag ging es dann zu unserem Freund James, der einen Braten bereitet hatte. Fuchs Louie ließ sich leider nicht blicken, freute sich aber mit Sicherheit über die Fettreste, in die der Braten eingewickelt war.

Das Schönste an Weihnachten ist dieses Jahr aber wohl, dass die Tage wieder länger werden. Aber bis das merklich soweit ist, genieße ich das besondere Licht der Dämmerung. Egal wo ich bin, wenn ich mich umdrehe ist mit Sicherheit ein Postkartenmotiv zu sehen.

Vor zwei Tagen bin ich mit meinem Rad die 35 Minuten zum Yukon River gefahren. Mit nur -20 Grad erschien es mir relativ warm, sodass ich meine dünne Mütze aufsetzte. Schließlich bewege ich mich und will nicht so stark schwitzen, das macht nämlich richtig kalt, wenn man erstmal nass ist.

Ca. 15 Meter vom Ufer entfernt hat Tyrel vor zwei Wochen ein Loch ins Eis gehackt, um die Dicke zu prüfen. Mit gut 20 cm kann man ohne Sorge eine LKW-Kolonne drüberfahren. In das zufrierende Eis steckte er noch einen Stock zur Markierung. Und genau bis zu diesem Stock traue ich mich dann auch alleine zu gehen.

img_20161228_131810

Mein gut gebautes Rad lehnt an den Stock im Yukon River.

Als ich dann etwas auf und ab ging, knackt es auf einmal heftig unter mir und ich spüre Vibrationen durch meine Gummistiefel. Gut, dass ich eben nochmal auf dem Klo war, schießt mir durch den Kopf. Ansonsten hätte ich mit einem Taschenwärmer im Schlüpper nach Hause fahren können.

Aber irgendwie ist noch nichts Lebensbedrohliches passiert. Die Eisdecke ist heil und unversehrt. Bis jetzt hat mich auch noch kein Hai attackiert. Die sind ja schließlich überall, wenn man Filmemachern Glauben schenken kann. Also bewege ich mich in Zeitlupe zu meinem Fahrrad. Schließlich hat es zwei Rettungsringe dabei. Auf Lenker und Sattel gestützt schiebe ich mich ans rettende Ufer… Nur um später von Tyrel zu erfahren, dass das ein ganz normales Verhalten einer gesunden Eisdecke war. Es knackt halt manchmal. Mir war es trotzdem genug Adrenalin für den Tag und ich fuhr nach Hause.

img_20161228_135114

Trotz dem nicht zu kalten Wetter mit -20 Grad war mein Gesicht dann doch recht eingefroren. Die Überraschung kam, als ich im Trailer wieder aufgetaut bin: Mein linkes Ohrläppchen war rot, angeschwollen und tat weh. Oh Oh, meine erste Frostbeule? Zum Glück habe ich mir nichts erfroren, sonst hätte sich mittlerweile lila-schwarze Blasen gebildet. Was sagt uns das? Warme Mütze auch bei -20 Grad tragen. Die geht zum Glück auch über die Ohrläppchen!

Tyrel hat sich hier schon alle Finger und seine Nase erfroren. Über kurz oder lang gehört das wohl dazu. Nur hat er mir gegenüber einen evolutionären Vorteil: Seine Ohrläppchen sind angewachsen und nicht freihängend wie meine! Im Biologieunterricht wurden die unterschiedlichen Ohrläppchen-Typen genau wie das Merkmal Zungenroller oder Zungen-nicht-roller erklärt. Lustig, die Vererbung und Genetik daran zu demonstrieren aber irgendwie sinnlos. Mitnichten. Was nicht rumhängt, kann nicht abfrieren!! Zum Glück muss ich mir keine Gedanken um meine Fortpflanzungsorgane machen!

Silvester heißt hier nicht Silvester, sondern New Year’s Eve. Also Neujahrabend. Macht ja auch Sinn, wenn man da an Heiligabend denkt. Wir sind eingeladen von Tyrels Arbeitgeber, der da immer die Mitarbeiterfeier abhält. Alle Mitarbeiter mit Begleitung in ein Steakhaus und essen und trinken auf Firmenkosten. Da hier Lebensmittel und vor allem Alkohol viel teurer als in Deutschland sind, ist das eine sehr noble Geste. Attacke, ich fang schon mal an zu fasten! 😀

Advertisements

10 Kommentare

    1. Vielen Dank, da freue ich mich total drüber! 🙂 Bei euch ist es inzwischen auch nicht mehr so weit bis zum neuen Jahr… Wir müssen noch neun Stunden länger warten wegen der Zeitverschiebung.
      Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins Jahr 2017! Auf dass du deine Träume verwirklichen kannst und ne Menge Grund zum Lachen hast. 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Oh, da fühle ich mich geehrt! 🙂 Ich weiß allerdings nicht, ob sich das lohnt. Nach dem Dinner haben wir keine Pläne… Vielleicht bekomme ich Tyrel überredet, Schüsse aus der Schrotflinte in den Himmel abzugeben. Als Feuerwerksersatz 😉

        Gefällt 1 Person

  1. Herrlich: “ Lass uns was erschießen…“ Kicher! Ganz besinnlich Hühner jagen! Hört sich ja gut an, was Ihr dort so anstellt. Na denn, jetzt kommen die Ermahnungen Deiner frühen Jahre zum Tragen: „Zieh Dich ordentlich an, Kind! “ Und Begriffe wie : „Es ist so kalt, man friert sich die Ohren ab“ haben doch einen realen Hintergrund….. Wir sind gerade dem üblichen Gepfeife und Geknalle vor Mitternacht ausgesetzt. Euch einen schönen Abend, haut ordentlich rein bei der Einladung und ein gutes neues Jahr wünschen Muddi und Didi

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, du hast Recht. Endlich weiß ich auch, dass man sich trotz Mütze die Ohren abfrieren kann! 🙂
      Aber zum Glück ist noch alles dran ohne Frostbeulen.
      Lasst euch nicht ärgern von der Böllerei. Bald habt ihrs ja auch schon geschafft! 😉
      Guten Rutsch und alles Gute ❤
      Lupinchen

      Gefällt 1 Person

  2. Guten Morgen Sweetie and a Happy New Year…
    zumindest schonmal von hier nach da – ihr habt, glaube ich, noch den Rest-Countdown 😉
    Heilig Abend mit Dosenbier, Kartoffelsalat und Bockwurst – klingt ja fast wie zu Hause 🙂
    Und Du trägst auch noch traditionelles Engelshaar! Ich bin restlos begeistert. Aber die Eislocken stehen Dir „wie Bolle“. Lieber die Locken eingefroren als nochmal die Ohren!
    Ich wünsche Euch einen schönen Jahreswechsel und ein neues Jahr; das viel schönes im Gepäck und die unangenehmen Sachen am Bahnhof des Jahreswechsels liegen gelassen hat 😉
    Seid gedrückt, habt ein wundervolles neues Jahr und liebe Grüße von uns *winkewinke*

    Gefällt 1 Person

    1. Aber nur, wenn ihr ein mindestens genauso schönes Jahr habt! 🙂 Mittlerweile sind wir auch in 2017 angekommen und bis jetzt hab ich mir das ganze Jahr noch nichts abgefroren 😀
      Ganz liebe Grüße über den Teich in den Peiner Landkreis ❤

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s